Geschichte

Die digitalisierte Kalwanger-Chronik.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort des Verfassers

Mit diesem Buch habe ich den Versuch unternommen, die vielfältige und geschichtlich nicht unbedeutende Vergangenheit des Marktes Kalwang zusammenfassend darzustellen.

Als ich im Jahre 1927 als junger Lehrer nach Kalwang kam und in der dortigen Volksschule Heimatkunde unterrichten sollte, mußte ich feststellen, dass es für Kalwang keinerlei lokalgeschichtliche Aufzeichnungen gab. Es hatte sich auch noch niemand eingehend mit der Ortsgeschichte befaßt. Das blieb so bis in die jüngste Zeit. Es reifte daher in mir der Entschluß, diese ortsgeschichtliche Lücke bestmöglich zu schließen, die Vergangenheit Kalwangs der Bevölkerung nahe zu bringen und damit zur Weckung und Hebung des Heimatsinnes beizutragen. Die Bevölkerung Kalwangs zeigte sich für mein Vorhaben sehr aufgeschlossen, begleitete meine Tätigkeit mit großer Sympathie und gab mir so den Mut zu dieser Arbeit.

Da ich dabei auf keine entsprechenden Vorarbeiten zurückgreifen konnte, mußte ich erst mühsam das nötige Material zusammentragen. Leider konnte ich im Ort selbst für meine Arbeit keine Mitarbeiter finden und war somit auf mich allein gestellt. Die Markgemeinde Kalwang besitzt weder eine Chronik noch andere Aufzeichnungen oder Urkunden, die mir hätten helfen können.
Erzählungen und Berichte älterer Leute reichten kaum über die letzten 80 bis 100 Jahre zurück. Die im Jahre 1857 angelegte Pfarrchronik und sonstigen Bestände des Pfarrarchivs standen mir zur Verfügung. Sie enthielten Aufzeichnungen, die mir sehr dienlich waren. In der Chronik der Kalwanger Volksschule aus dem Jahre 1869 fanden sich nur einige wenige Hinweise. Auch die Sonstigen Aufzeichnungen der Ortsvereine waren nicht sehr ergiebig.

In der bisherigen einschlägigen Geschichtsliteratur fanden sich aber verschiedene Hinweise auf historische Ereignisse, welche auch Kalwang betrafen. Diese konnten noch durch Quellenforschungen im Steiermärkischen Landesarchiv erweitert und ergänzt werden.
Besonders die dort zur Verfügung stehenden franziszeischen, josephinischen und theresianischen Kataster lieferten ergiebiges Material für meine Arbeit. Im reichlichen Quellenmaterial des Steiermärkischen Landesarchivs konnte ich auch, oft rein zufällig, manch alte, Kalwang betreffende Urkunden entdecken. Dabei bin ich mir aber dessen bewußt, dass dort noch manche geschichtlichen Unterlagen erschlossen werden könnten. Da es mir aber zunächst darum ging, erstmals eine zusammenfassende Darstellung der Geschichte Kalwangs aufzuzeichnen, mußte eine weitere Forschungsarbeit künftigen Bearbeitern überlassen werden. So kann und soll also meine vorliegende Arbeit über Kalwang kein Abschluß sein, wohl aber vielleicht ein Ansporn, sich mit der Geschichte des Marktes noch eingehender zu befassen.

Diesem Buch ist auch ein Häuserverzeichnis aller vier Katastralgemeinden angschlossen, in welchem nicht nur die Haus-, Hof- oder Vulgonamen der alten Häuser festgehalten sind, sondern auch die dazugehörigen Grundherrschaften. Die einzelnen Besitzer der alten Häuser konnten teilweise bis in die Zeit der Kaiserin Maria Theresia festgestellt werden. Das Häuserverzeichnis wurde im wesentlichen mit dem 1977 abgeschlossen. Die wichtigsten Ereignisse der jüngsten Vergangenheit sind im Buch zumeisst in chronologischer Weise angeführt und reichen ebenfalls bis in diese Zeit.
Meinen Dank an alle, die mir bei diesem Buch behilflich waren, darf ich im Schlußteil des Bandes abstatten. Besonderer Dank aber gebührt meinem Freund Franz Kollmann. Nicht nur, weil die Obersteirische Druckerei und Verlagsgesellschaft Leoben die Herausgabe unter Übernahme des finanziellen Risikos erst möglich gemacht hat, vielmehr noch danke ich für die vielen Stunden gemeinsamer Arbeit, in denen Seite für Seite gestaltet wurde. Trotz zahlreicher Schwierigkeiten, die teilweise schwer, manchmal auch gar nicht überwunden werden konnten, haben mein Freund und ich ehrlich versucht, aus Manuskripten und Bildern ein Buch zu gestalten. Ich widme es alles Kalwangern und allen Freunden unseres schönen Marktes. Es möge eine aufnahmefreudige Leserschaft finden und beitragen, die Verbundenheit mit unserer engeren Heimat zu bereichern und zu vertiefen.

Kalwang, im Herbst 1979

Erich Brandl

Allgemeines

Der Markt Kalwang liegt im oberen Liesingtale an der Teichen, einem Gebirgsbach, der hier aus einem dunklen Engtal in das bereits breite Becken der Liesing einfließt.

Der Teichenbach was früher ein arger Wildbach. Er bildete an seinem Eintritt in das Liesingtal einen Schwemm- und Schuttkegel auf welchem der Ort Kalwang entstanden ist. Im Laufe der Jahrhunderte hat der Teichenbach oftmals den Ort überschwemmt und ihm durch den mitgeführten Schutt und Sand argen Schaden zugefügt. Erst seit der Verbauung dieses Wildbaches vor etwa 50 Jahren hat Kalwang keine große Überschwemmung mehr erlitten.

Die alten Häuser des Ortes liegen entlang des Teichenbaches und der Orts-Hauptkern nächst der Kirche befindet sich ebenfalls noch im Bereiche dieses Wildbaches. In letzter Zeit wurde der Raum südlich des heutigen Pfarrhofes und am südöstlichen Ende des Ortes neues Siedlungs- und Wohngebiet.

Kalwang gehört zur Bezirkshauptmannschaft Leoben, ist von Leoben 36 km entfernt und hat eine Höhenlage von 753 m. Die Marktgemeinde besteht aus den vier Katastralgemeinden Kalwang, Pisching, Schattenberg und Sonnberg und hat folgende flächenmäßige Ausdehnung:

Katastralgemeinde Kalwang 221 ha 65 ar 79 m²
Katastralgemeinde Pisching 1480 ha 22 ar 90 m²
Katastralgemeinde Schattenberg 1555 ha 80 ar 31 m²
Katastralgemeinde Sonnbergq 3451 ha 89 ar 61 m²
Insgesamt 6709 ha 58 ar 61 m²

Alle vier Katastralgemeinden zusammen haben heute 1520 Einwohner. Im Jahre 1929 waren es 1754 Bewohner, darunter 150 Protestanten. Das entsprach einer Bevölkerungsdichte von 28,4. Sie ist ungefähr jener der Gemeinden Hafning, St. Stefan ob Leoben und Kammern gleich. Die Marktgemeinde umfaßt ein Sechzehntel des Areals des politischen Bezirkes Leoben, jedoch nur ein Achtunddreißigstel der Bevölkerung des Bezirkes. Die Bundesstraße umfährt seit dem Jahre 1952 Kalwang. Die Bahnstation Kalwang der Strecke St. Michael-Selzthal liegt etwa 15 Minuten vom Ort entfernt am rechten Ufer der Liesing in der Katastralgemeinde Pisching. Es bestehen Autobusverbindungen nach Stainach im Ennstal und nach Leoben.

Da Kalwang ein rauhes Gebirgsklima hat, ist es auch durch einen oft allzulangen Winter gekennzeichnet. Die Landwirtschaft beschränkt sich infolgedessen fast ausschließlich auf Futter- und Graswirtschaft. Die ergiebigen Talwiesen liefern ausreichend Futter und begünstigen die Rinderzucht. Neben der Viehzucht ist die Milchwirtschaft und die Forstwirtschaft in bäuerlichen Betrieben vorherrschend. An Ackerfrüchten gedeihen: Kartoffeln, Rüben, Möhren, Burgunder und Kraut. Korn, Weizen, Gerste und Hafer wird kaum mehr angebaut. Auch Obst und Gemüse bringen zufolge des rauhen Klimas nur geringen Ertrag.
Bei Unterwald vereinigt sich der von Wald herabkommende Sulzbach mit der aus dem engen Liesinggraben stürmisch daherrauschenden Liesing. Von da an fließt die Liesing in breiterem Bette und ruhigen Laufes in südöstlicher Richtung gegen Kalwang. Sie nimmt nach dem Feistererbach bei Kalwang noch den Pischingbach auf. Von den Bergen an der Nordseite Kalwangs fließt ihr der Mellingbach, der Teichenbach und der Tobersbach zu. Den Liesingtalboden von Kalwang umschließen in weiten Bögen die Ausläufer hoher Berge, deren Gipfel durch die steilen Abhänge ihrer Vorhöhen verdeckt sind. Nur an wenigen Stellen des Tales kann man den Zeyritzkampel (2125 m) erblicken, jedoch gegen Nordwesten, wo das Himmeleck (2096 m) und der Große Schober (1895 m) aufragen, ist der Blick frei.
Erst wenn man den hinter Kalwang im Norden steil ansteigenden Lissingberg hinauf wandert, erschließt sich das ganze wunderbare Gebirgspanorama, welches Kalwang umgibt. Der Blick umfasst gegen Süden, vom Schober beginnend, die aufragenden Bergspitzen des Himmelecks, des Kerschkerns (2225 m), des Geierhaupts (2417 m) und des Hochreichats (2416 m), dem das Feistererhorn (2081 m) vorgelagert ist. Den südlichen Ausblick beschließen der Seckauer Zinken (2397 m), der Bremstein (1868 m) und der Speikbühel (Schwaighöhe 1878 m) bei Mautern. Im Westen sieht man über die Melling, – ein muldenförmig, 1000 bis 1500 m hoher Rücken -, den Leobner (2036 m) hervorragen. Im Osten erblickt man von einigen Stellen des Lissingberges aus die mächtigen, weißen Felsabstürze des Reiting mit dem Gößeck (2215 m). Oberhalb des Marktes Kalwang, auf dem steilen Hang des Sonnberges, schaut das Kirchlein St. Sebastian ins Tal herunter. Steigt man zum Kirchlein und dann noch weiter die Höhe hinauf, so nimmt, über das Teichental hinweg, das tafelförmige Wildfeld (2044 m) den Blick gefangen.

Groß ist der Waldreichtum der Umgebung Kalwangs, dessen Bestand bis in die Almregionen der Berge hinanreicht. Im Nadelwald herrscht die Fichte vor. Dann erst folgen Weiß- oder Edeltannen, Lärchen und Zirbelkiefern. Das Laubholz bilden Eichen, Buchen, Linden, Eschen, Birken, Bergahorn, vielfach auch Pappeln. An den Bächen wachsen Korb- und Salweiden. Auch viele Sträucher sind heimisch: der schwarze Holunder, der rote Traubenholunder, der Haselnußstrauch, die Hagebutte und die Traubenkirsche. An Beeren reifen hier Erdbeeren, Schwarzbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Preiselbeeren.

In Frühling findet man auf den Wiesen und Höhen Leberblümchen, Lungenkraut, Huflattich, Frühlingssafran, Schlüsselblumen, Frühlingsenzian, schwarze Nieswurz, Gänseblümchen, Buschwindröschen, Seidelbast, Sumpfdotterblumen, Fingerkraut, Alpenschneeglöckchen u. a. Zur Blütezeit fallen vor allem Veilchen, Löwenzahn, Aurikel, Petergstam, Hahnenfuß, Licht- und Federnelke, Skabiose und Hopfenschneckenklee auf. Die Sommerflora ist aber besonders reich: Glockenblume, Trollblume, Knabenkraut, Frauenschuh, Alpenrosen, Speik, Kohlröschen, Alpenlattich, purpurroter Enzian, Edelweiß und viele andere Blumen blühen. Reich ist auch die Auswahl an verschiedenen Pilzen; so findet der Pilzsammler den Steinpilz, den Eierschwamm, die Bärentatze und viele andere Schwämme.

In den weitläufigen Tälern, auf den sonnigen Almen und im hohen Gamsgebirge gibt es fast alls, was in Mitteleuropa noch an jagdbarem Wild vorkommt: Gemsen, Hirsche, Rehe, Murmeltiere, Füchse, Alpenhasen, Dachse, seltener schon Birk- und Auerhahn, häufig noch Raubvögel wie Hühnerhabicht und Sperber, vereinzelt auch Adler. Die Bergwälder beleben Kuckuck, Schwarz- und Buntspecht, Amsel, Drossel, Finken, Schwarzblättchen, Rotschwänzchen, Kreuzschnabel, Raben, Krähen, Eichel- und Tannenhäher, Wildtauben, Alpen- Schnee- und Haselhuhn. Die Blindschleiche, Ringelnatter, Kreuzotter, sowie die Zaun- und Bergeidechse sind noch anzutreffen, ebenso Frösche, der gefleckte Salamander und auch der Alpensalamander.

Reich ist auch die Insektenwelt. Da sieht man Kohl- und Baumweißling, Zitronenfalter, Schillerfalter, Tagpfauenauge, Admiral und Trauermantel, Apollo und Schwalbenschwanz, Totenkopf, Eichenspinner und viele Kleinschmetterlinge.

Südlich der Liesing gehören die Gebierge zu den Niederen Tauern (Rottenmanner- und Seckauer Tauern). Die bestehen zumeist aus Gneisen und Graniten. Nördlich der Liesing erheben sich die Eisenerzer Alpen. Man bezeichnet sie auch als Grauwackenzone. Diese ist gekennzeichnet durch eine bunte Mischung altersverschiedener Bauelemente und eine Vielfalt von Gesteinen, die von kalkigen und tonig sandigen Sedimenten über Eruptivgesteine bis zu stark metamorphen Schollen kristalliner Gesteine reicht. 1) Sie stellt eine Zwischenzone zwischen dem düsteren Kristallin der Niederen Tauern und den hellen Triaskalkstöcken der Ennstaler Alpen dar. Die Kalwanger Berge am linken Ufer der Liesing gehören der Grauwackenzone an, wie der Zeyritzkampel, dessen Kamm aus erzführendem Kalk besteht. Das Teichental wird con mit schwarzen Schiefern verbundenen Kalken gequert. Sie werden auch von Glimmerschiefern begleitet. 2) In dem reichhaltigen Gesteinsaufbau der Grauwackenzone liegen zahlreiche nutzbare Gesteine und Minerale. Sie enthalten u. a. auch reichlich Kupferkies, der besonders im Gebiet der Kurzen und der Langen Teichen schon seit vielen Jahrhunderten abgebaut wurde.
So verdankte Kalwang sein Werden und Aufblühen zweifellos diesem Vorkommen an Kupferkies. Aber auch der Waldreichtum, sowie die starken Gewässer der Teichen und der Liesing ließen hier viele Hammerwerke entstehen. Dazu kam noch die günstige Lage an der Salzstraße, der alten Nord-Süd-Verbindung durch das Palten- und Liesingtal. Der Bergbau, die Hammerwerke und die Lage an der verkehrsreichen Salzstraße hatten den Kalwangern Geld und Vermögen gebracht.

Mit der Auflassung des Bergbaues 1867 und 1928, der Stillegung der Hammerwerke und der Eröffnung der Bahnlinie 1869 verlor Kalwang seine wirtschaftliche Bedeutung. In kurzer Zeit war aus dem stolzen und reichen Hammerherren- und Bergbauort ein stilles unbeachtetes Dorf geworden. Erst als Rudolf von Gutmann sich 1904 in Kalwang niederließ und die ganze Besitzungen und Gründe seiner Vorgänger in Kalwang aufkaufte, erstand für Kalwang eine neue, kurze Blütezeit. Der Ort wurde 1929 zum Markt erhoben. Kriege und wirtschaftlicher Niedergang nach dem Kriegsende verursachten ein abermaliges Schwinden der Bedeutung Kalwangs.

Heute bieten nur noch drei größere Betriebe Arbeitsmöglichkeiten für die Bevölkerung: das Forstgut Kalwang des Fürsten von und zu Liechtenstein, die Plattenwerke Kalwang und das Unfallspital der Sozialversicherungsanstalt der Bauern. An gewerblichen und Dienstleistungsbetrieben beherbergt Kalwang derzeit 5 Kaufgeschäfte, 6 Gasthäuser, 1 Rathaus, 2 Bäckereien, 2 Schmieden, 2 Tankstellen, 1 Drogerie, 1 Tischlerei, 1 Friseur, 2 Maler, 1 Kfz-Mechanikerwerkstätte, 1 Rauchfangkehrer, 1 Bestattungsanstalt, die Raiffeisenkasse und 1 Forellenzuchtanstalt. Neben der Ärzte des Unfallkrankenhauses sorgt noch ein Distiktsarzt für die Gesundheit der Bevölkerung. Auch ein Tierarzt ist im Orte ansässig. Doch besteht ein Mangel an verschiedenen Dienstleistungsbetrieben, die früher im Orte wohl vorhanden waren. Es gibt jetzt keinen Schneider, Schuster, Schlosser, Elektriker, Installateur und Zimmerer mehr in Kalwang.

Ein Kindergarten und eine vierklassige Volksschule sorgen für die Kinder bis zum zehnten Lebensjahr. Nachher müssen die Schüler die Hauptschule in Mautern besuchen, wohin sie täglich mit dem Autobus gebracht werden. Die nächste Höhere Schule befindet sich in Leoben.

Die Einwohnerzahl Kalwangs schwankte im Laufe der Jahre sehr und zeigte somit das Auf und Ab der wirtschaftlichen Bedeutung des Ortes an. 1783 zählte man im Ort allein 697 Seelen, jedoch schon 1822 weist Kalwang allein nur mehr 588 auf. 1841 lebten in allen vier Katastralgemeinden zusammen 1095 Einwohner; 1857 waren es 1269, 1897 1211 und 1897 1114 Einwohner. Im Jahre 1923 umfaßten alle vier Katastralgemeinden zusammen 1756 Einwohner, 1951 noch 1647, im Jahre 1977 jedoch nur mehr 1520 Einwohner. Dieser Verringerung der Einwohnerzahl von 1923 bis 1977 um etwa 230 Personen ist ein Kennzeichen eines neuerlichen Rückganges der wirtschaftlichen Bedeutung des Ortes. Trotzdem hat sich aber die Anzahl der Gebäude in diesem Zeitraum um etwa 100 vermehrt. Von den 1520 Einwohnern des Jahres 1977 sind 192 als Beschäftigte in der verarbeitenden Industrie und im Gewerbe, 117 in der Land- und Forstwirtschaft, 133 als Angestellte und Beamte, 56 als Selbständige und deren Mithelfer, 13 als Facharbeiter und 13 im Bauwesen tätig.

Die alten Gewerkenhäuser sowie die schönen Bauten, welche durch die Gutmann`sche Gutsherrschaft in der Zeit von 1904 bis 1930 erreicht wurden, geben dem ganzen Ortsbild ein charakteristisches Gepräge. Sie sind Erinnerungen an Kalwangs Blütezeiten.

Wenn der Ort auch an Einwohnerzahl kleiner geworden ist, seine einstigen bedeutenden Kupfergruben und Hammerwerke stillgelegt sind, so ist ihm doch seine landschaftliche schöne Lage, sind ihm seine Berge und Wälder, seine Almen und Wiesen, und nicht zuletzt sein freundlicher und arbeitsfreudiger Menschenschlag geblieben. Sie bestärken uns in der Hoffnung, dass auch für Kalwang wieder eine Zeit des Aufschwunges und Wohlstandes kommen möge.

Die vorgeschichtliche Zeit

Zur sogenannten >>Eiszeit<< fand eine starke Abkühlung unseres Kontinentes statt. Es bildeten sich ausgedehnte Gletscher, die bis tief in die Täler herab reichten. Der Ennsgletscher, der das ganze Ennstal bis zu einer Höhe von 900 m bedeckte, ergoß sich mit einer Gletscherzunge ins Paltental und reichte über den Schoberpaß bis nach Unterwald. Das Liesingtal selbst blieb eisfrei. Man unterscheidet vier solcher Eiszeiten, die durch wärmere Zeitperioden unterbrochen waren. In die letzte Zwischeneiszeit fällt das erste Auftreten des Menschen in der Steiermark (150.000 bis 120.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung.) Im Gefolge der letzten Eiszeit verschwand aber der Mensch wieder aus der Steiermark.

Nach der letzten Eiszeit – die Nacheiszeit hat vor rund 12.000 Jahren ihren Anfang genommen – kamen abermals Menschen in die Steiermark. So drangen auf der Suche nach fruchtbarem Acker- und Weideboden etwa um 2000 v. Chr. illyrische Stämme, aus Norddeutschland kommend, in unser Land ein und besiedelten auch die inneren Alpentäler. Sie dürften schon das Liesingtal durchwandert haben. 1)

Die Menschen waren zunächst Jäger, denn die Jagd gab ihnen Nahrung und Kleidung; sie waren nicht seßhaft. Werkzeuge und Geräte stellten sie aus Stein her. Man nennt diese vorgeschichtliche Zeit auch Steinzeit (Ältere und Mittlere Steinzeit bis etwa 5000 v. Chr.). Erst allmählich wurden die herumziehenden Jäger Viehzüchter, lernten das Getreide kennen, begannen Ackerbau zu betreiben und wurden seßhaft.

Am Zeyritzkampel bei Kalwang finden sich künstliche Höhlen und unterirdische Gänge. Diese seltsamen Anlagen sind nach Pirchegger vermutlich Kultorte oder Fluchtgänge einer Dorfsiedlung von Menschen der Jüngeren Steinzeit (bis ungefähr 1700 v. Chr.). 2) Das Liestingtal, eine alte Verbindung vom Murtal zum Ennstal, war also nicht mehr menschenleer. Funde aus dieser Zeit bestätigen die Annahme, dass Paßübergänge damals schon eine wichtige Rolle spielten. Von einem wichtigen Verkehrsweg in dieser vorgeschichtlichen Zeit erzählen Funde auf der Polsteralm zwischen Übelbach und St. Michael ob Leoben. Sie zeigen, dass der heute wenig begangene Weg über die Polsteralm damals wohl die kürzeste Verbindung des Grazer Gebietes mit der Liesing-Paltenstrecke darstellte, über welche dann der Weg weiter ins Ennstal führte. 3) Aus dieser ersten Besiedlungszeit unserer Heimat hat man in Kammern drei Serpentinflachbeile und in Rottenmann ein Hammerbeil aus Serpentin gefunden, die im Grazer Joanneum aufbewahrt werden. 4)

Die eingewanderten Illyrer verstanden schon, durch Vermischung von Kupfer und Zinn härtere Bronze herzustellen. In der Bronzezeit, auch Urnenfelderzeit (bis rund 700 v. Chr.) genannt, läßt sich in unserer Gegend eine häufige Ausbeute von Kupfervorkommen nachweisen. So fand in Gaishorn und auf dem Neuburger Sattel (1450 m) zwischen Hinder-Radmer und dem Johnsbachtale über 20 urnenfelderzeitliche Kupferschmelzplatz im Johnsbachtel konnte eine, allerdings stark zerstörte Ofenanlage festgestellt werden. 5) Für die Kupferlagerstätten im Kalwanger Teichengebiet läßt sich für diese Zeit kein Abbau des Kupfers feststellen. Aus der jüngeren Urnenfelderzeit gibt es Funde aus der Umgebung von Leoben-St. Peter Freienstein. 6)

Das älteste Volk, das sich dauernd in der Steiermark niederließ und das bis auf unsere Tage in der Bevölkerungszusammensetzung wirksam blieb, gehörte zur eingewanderten illyrischen Volksgruppe. Nach dieser Besiedlung durch die Illyrer strömten im Verlaufe des 3. vorchristlichen Jahrhunderts Kelten vom Westen her in größerem Maße in die Ostalpen ein und kamen so auch in unser Gebiet. Sie wurden die Beherrscher der hier ansässigen Illyrer. Beide Stämme vermengten sich allmählich zu einem Volk, doch blieb das illyrische Volkstum vorherrschend. Für diese Bewohner Steiermarks und Kärntens prägten römische Schriftsteller die Bezeichnung >>Noriker<<. 7) Einzelfunde aus dieser Zeit sind in der Obersteiermark gemacht worden: ein >>Knopfsporn<< im Tollinggraben und ein Fingerring in Eisenerz. 8) Das Eisen spielte damals schon eine wichtige Rolle. Man nennt diese Zeit daher die Eiszeit, aber auch die Hallstatt- und La Téne-Zeit (bis um Chr. Geburt).

Schon in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts vor Chr. ist das Siedlungsgebiet der Noriker unter dem Namen Regnum Noricum bekannt. Das Gebiet dieses Königreiches umfaßte nahezu das ganze heutige Österreich und damit auch den größten Teil der heutigen Steiermark. 9) Das Liesingtal gehörte daher ebenfalls zu diesem norischen Königreich. Die Menschen dieses Reiches bezeichnen wir heute als Keltoillyrer. Als geschichtliche Zeugen dieser Zeit sind noch Grabsteine und Inschriften erhalten. In der La-Téne-Zeit beginnt Steiermarks geschichtliche Zeit. Das römische Reich schloß mit dem Königreich Noricum im Jahre 129 v. Chr. ein Schutzbündnis ab. Später erfolgte dann ein vollkommener politischer und wirtschaftlicher Anschluß Noricums an das römische Reich.

Die Römerzeit

In den Jahren 15 und 14 v. Chr. besetzten die Römer kampflos das ganze Land bis zur Donau. Noricum blieb zunächst von einer direkten Besetzung durch die Römer verschont. Der römische Kaiser Claudius (41 bis 45 n. Chr.) aber machte dann um das Jahr 45 n. Chr. Noricum, zu dem auch unser Gebiet gehörte, zu einer römischen Provinz. Noricum war bedeutend größer als die heutige Steiermark und schloß auch Kärnten mit ein. Es reichte im Norden bis zur Donau. Die Hauptstadt dieser Provinz war ursprünglich Virunum auf den Zollfeld in Kärnten; später trat Ovilava (=Wels) an seine Stelle. Zur Zeit Kaiser Diokletians (248 bis 305 n. Chr.) erfolgte die Teilung Noricums in zwei Provinzen: eine nördliche an der Donau, Ufernoricum genannt, und eine südliche in den Alpen, welche den Namen Binnennoricum erhielt. Während das Ennstal, also der heutige Bezirk Leoben und damit auch Kalwang zu der Provinz Binnennoricum. Der ganze heutige Bezirk Leoben lag somit innerhalb der Munizipalgrenze der römischen Stadt Flava Solva bei Leibnitz. 1)

Durch die Obersteiermark führte jene nordische Straße, die von Aquileia über Kärnten und Steiermark zur Donau führte. Sie verlief durch die Obersteiermark von Bad Einöd ausgehend über Scheifling (Ad Pontem), St. Georgen ob Judenburg (Monate), Pölshals nach Möderbrugg (Viscellae), St. Johann am Tauern (Sabatinca), Hohentauern (Tartursanae), Trieben-St. Lorenzen (Surontio) und Liezen (Stiriate) über den Phyrnpaß nach Oberösterreich. Eine Römestraße führte auch durch das Liesingtal und stellte eine weitere Verbindung vom Murtal zum Ennstal her. 2) Reste der alten Römerstraße gibt es bei St. Lorenzen im Paltentale. In der Nähe der Burg Strechau bei Rottenmann fand man eine Anzahl römischer Geldmünzen aus der Zeit verschiedener römischer Kaiser. 3)

Mit den Römern kam auch römische Kultur in unser Land. Die Römer führten römische Produkte ein und begannen so, das Gebiet zu romanisieren. Dass die Römer auch in unserer Gegend siedelten, beweist wohl ein Römerstein, den man im vorigen Jahrhundert in Treglwang gefunden hatte. Er stimmt in seiner Gesteinsart voll mit der hiesigen Art überein und wird im Grazer Joanneum aufbewahrt. Aus der Inschrift dieses Steines kann man darauf schließen, dass zu dieser Zeit noch keltoillyrische Bewohner hier seßhaft waren, denn der auf dieser Römem Römerstein angeführte Name >>Mogetius<< ist keltischen Ursprungs. 4) In Traboch wurde ebenfalls die Römerstein gefunden.
Wenn auch in der Gegend von Kalwang selbst keine Überreste aus der Römerzeit gefunden wurden, so darf doch angenommen werden, dass römischer Einfluss hier gleichfalls geherrscht haben muss.

Im Jahre 375 n. Chr. löste der Einfall der asiatischen Hunnen die große Völkerwanderung aus. Ihr König Attila erschien im Jahre 452 n. Chr. vor Rom, wo ihn jedoch der Papst zu Umkehr nach Ungarn bewegen konnte. Die Hunnen, die nach Osten bis Frankreich vorgedrungen waren, zerstörten alle Kulturen in den Gebieten, die sie überfielen. Herrenlos und entvölkert blieb das überfallene Land zurück. Auch die Steiermark fiel der Verwüstung anheim. Germanische Stämme drangen in das verödete Land ein. 468 n. Chr. besetzten germanische Gotenstämme Binnennoricum bis nach Oberkärnten und damit auch Teile der Steiermark. 5) Die römische Herrschaft brach im Jahre 476 n. Chr. unter dem Ansturm der Germanen endgültig zusammen.

Slawen und Baiern besiedeln unsere Heimat

Nach dem Zusammenbruch des Römerreiches übernahmen germanische Heerkönige die Herrschaft in Rom. Binnennorikum gehörte von 493 bis 523 zum Reiche des Ostgotenkönigs Theoderich. Sein Reich umfaßte nicht nur Italien sondern auch die Alpenländer. Nach Theoderichs Tode (526) zerbrach sein Reich. In dieser Zeit gewannen die Franken die Herrschaft über den ganzen Ostalpenraum.
Schon unter Theoderichs Herrschaft waren Baiern in Ufernorikum eingewandert. Nach 582 strömten von Osten kommend das mongolische Steppenvolk der Awaren und in ihrem Gefolge die Slawen in unser Gebiet ein. Die Slawen besetzten mit großer Schnelligkeit muraufwärts bald das ganze Land. Sie drangen bis in das Ennstal in die Gegend von Schladming vor und siedelten im letzten Jahrzehnt des Jahrhunderts in ganz Binnennorikum, das bald den Namen Karantanien erhielt. Die Karnburg nördlich von Klagenfurt war der Sitz eines slawischen Herzogs, daher der Name Karantanien. Die Baiern nannten die Slawen >>Winden<< oder >>Wenden<<, daraus bildete sich die Bezeichnung >>Windische<<.

Für die Zeit der alpenslawischen Besiedlung unserer Heimat gibt es praktisch keine Bodenfunde. 1) Die sichersten Zeugen für die Ausbreitung der slawischen Besiedlung sind aber Orts-, Fluß-, Berg- und Flurnamen slawischen Ursprunges. So weisen auch verschiedene Namen unseres Gebietes auf eine slawische Besiedlung hin: wie Liesing auf >>lesnica<< = Waldbach, >>lies<< oder >>les<< = Wald; Melling auf >>melnic<< = Seichenbach; Tobersbach (heute auch Tobischbach gebräuchlich) auf >>dob<< = Eiche; Poser auf >>posar<< = sengen oder durch Waldbrand roden. 2)

Gegen die sie unterjochenden Awaren rief der Herzog der slowenischen Karantanen, Boruth, zu dessen Machtbereich auch unsere Heimat gehörte, die Hilfe des Baierherzogs Odilo gerbei. Zum Danke für diese Hilfe anerkannte Boruth Virgil begann mit der Christianisierung der heidnischen Alpenslawen. Eine heidnische Gegenbewegung bedrohte allerdings bald diese Missionstätigkeit. Der Schutzherr der Salzburger Kirche, der Baiernherzog Tassilo, jedoch warf den Aufstand des karantinischen Adels nieder (772). Damit war nicht nur für die christliche Mission die Tätigkeit gesichert, sondern auch die bairische Vorherrschaft im Lande gefestigt. Mit dem Sturze Tassilos duch Karl den Großen (788) wurde mit dem bairischen Stammesgebiet auch die Steiermark dem fränkischen Reiche angegliedert. 3)

Immer mehr deutsche Ansiedler, Bajuwaren oder Baiern, kamen nun in unser Gebiet. Eigene Grafschaften im Ennstale und zu Leoben wurden gebildet. Die Ansiedlung der Baiern bedeutete den Anfang der Eindeutschung und der weiteren Christianisierung unserer Gebiete. Alles Land galt nun als Eigentum des Königs. Er verschenkte es wieder an die Kirche und an weltliche Herren. Es war meist noch unbebautes Waldland. Die neuen Eigentümer riefen weitere Ansiedler ins Land. Am 20. November 860 verlieh der Frankenkönig Ludwig der Deutsche dem Erzstifte Salzburg unter anderen auch Güter an der Liesing (ad Liestinicham) als Lehen, bzw. als Eigen. Das Erzbistum Salzburg war damals in unserer Gegend der größte geistliche Grundherr. 4) Im Jahre 1074 erfolgte die Gründung des Bendiktinerklosters zu Admont, welches von da an auf die Entwicklung unserer Heimat größten wirtschaftlichen und kulturellen Einfluss nahm.

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts fand die Besiedlung unseres Landes durch die Baiern ihren Anschluss. Das Bairische prägte von da an unseren steirischen Dialekt der Gegenwart.

Der Ortsname Kalwang

Schon im Jahre 1148 hören wir von einer Besitzung Chichelwanche, die das Kloster Göß im Liesingtale erwarb. Urkundlich wird Kalwang zum erstenmale 1174 als Cheichelwanch erwähnt: Anlässlich einer Güterschenkung an das Stift Seckau beurkundet Markgraf Otacher von Steiermark 1174 eine Schenkung verschiedener Güter und Landstrecken an das Kloster Seckau bei Knittelfeld (Nach Zahn, Urkundenbuch I/527).

Um 1593 war die Schreibweise unseres Ortes noch Kheichlwang, wie ein Siegelstock im pfarramtlichen Archiv Kalwangs zeigt. Der Name des Ortes ist deutsch; wie überhaupt deutsche Ortsbezeichnungen im Liesingtale häufig finden sind, so z. B. Ehrnau = urkundl. 1448 Erenaw; 1) Mautern = urkundl. 1145 Mutaren (vom mhd. mutaere = Zöllner); 2) Kammern = urkundl. 1080 Chamer; 3) Diernsdorf (Dürnsdorf) = urkundl. 1145 Durningesdorf; 4) Madstein = urkundl. 1073 Meizenstein, 1500 Marstein 5) (mhd. meiß = Holzschlag, daher Siedlung am Holzschlag).

Unser Ort wurde um 1600 noch Kachelwang genannt. In der bäuerlichen Mundart war dieser Ortsname bis ins 20. Jahrhundert gebräuchlich. Die zweite Silbe unseres Ortsnamens >>wang<< ist bairisch. Altdeutsch bedeutet >>wanc<< Wiese oder Abhang. In ganz Süddeutschland wurde dieses bairische Wort hundertmal bei Ortsnamen gebraucht, Treglwang, Langenwang, Hohenwang u. a. Die erste Silbe >>Chichel<< geht nach Pirchegger auf die mundartliche Bezeichnung Kachelkraut, das ist der Löwenzahn oder Kicher, Kicherling, das bedeutet Erbse oder Futterwicke, zurück. 6) Andere Forscher meinen, es könnte auf das mittel-hochdeutsche Wort >>kiche<<, das ist Gefängnis, Einfang, eingeengter Platz, zurückzugehen. Chichelwanche (1148) würde demnach >>eingezäunte Wiese<< bedeuten. Als man später nicht mehr >>riten<< und >>wip<< sondern >>reiten<< und >>Weib<< sagte, sagte und schrieb man auch >>Keichelwang<<. 7) Gelegentlich kürzte man auch zu Keilwang, später wurde daraus Kachelwang (um etwa 1600) oder Kahlwang, wie man es noch im 19. Jahrhundert schrieb.

Josef v. Zahn weist in seinem Ortsnamenbuch der Steiermark im Mittelalter folgende Namensschreibungen für Kalwang aus:

1185 Chichelwanch
1174 Cheichelwang
1265 Chechelwang
1285 Cheichelwang
1288 Celbang
1318 Cheychelbanch
1381 Cheitelwanch oberhalb Chamer (Kammern)
1405 Cheichelwang
1428 Kcheilwang
1434 Keychelwang
1445 Keichelwang ist ain zwkirichen gen Kamern, darinne sint CV (105) fewrstet (Feuerstätten = Wohnstätten)
1491 Kcheuchelbang in Kamrar herrschaft
1493 Kewhlwang
1495 Kheyelwang
1498 Kaechelwang

Über die Schreibung des Namens der Katastralgemeinde Pisching und der Teichen macht Josef v. Zahn folgende Angaben:

1331 mons Piesing
1432 im Pisching (im Gaisserwald)
1495 am Pysching 9)
1477 die Teychen im Gaisserwald (Teichen bei Kalwang)
1417 das Tauchenegg 10)

Das Mittelalter

Schon um 860 n. Chr. wurde unser Gebiet in Gaugrafschaften eingeteilt. Das Liesingtal kam zur Gaugrafschaft >>Liuben<< (Leoben). Der Schoberpass bildete die Gaugrenze zur Gaugrafschaft >>Ennstal<<, zu der das Palten- und Ennstal gehörte. 1) Noch heute ist diese alte Gaugrenze am Schoberpass die Grenze zwischen den Bezirkshauptmannschaften Leoben und Liezen. Über den Schoberpass bis weit hinein ins Paltental erstreckte sich ein riesiges, unwirtliches Waldgebiet, der sogenannte Gaizzerwald. An ihn erinnert noch der Ortsname Gaishorn, der ursprünglich „Gaizar“ oder >>Gaizarn<< geschrieben wurde. Auch der Ort St. Lorenzen bei Trieben wird noch 1324 >>Sanct Lavrentzen im Gaisserwalt>> genannt. 2) Gleichfalls gehen die heute noch gebräuchlichen Ortsbezeichnungen am Schoberpass wie Unterwald, Wald und Vorwald auf dieses einst große Waldgebiet zurück, welches schon bei Kalwang begann.

Der stark versumpfte Talboden des Liesingtales ließ die Ortssiedlungen an den in die Talsohle hineinragenden schmalen, trockenen Schwemm- und Schuttkegeln entstehen. So ist auch Kalwang ein typischer Schuttkegelort.

Im Jahr 1148 erfahren wir von einer Besitzung Chichelwanche, die das Kloster Göß im Liesingtale erwarb. Doch die erste sicher verbürgte Nachricht stellt eine Urkunde aus dem Jahre 1174 dar. In dieser beurkundet Markgraf Otacher seine Schenkung verschiedener Güter und Landstrecken an das Kloster Seckau. (Urkunde vom 17. September 1174).
>>…secundus terminus a valle Gotstal incipit sicque per aspera et montuosa usque in planiciem camporum villarum Gaizarn et Cheichelwanch prodenditur et ortu amnis Palten (Paltenbach) clauditur…<<
Es betrifft auch die Grenzziehung des an das Stift Seckau geschenkten Gebietes; der Historiker Muchar beschreibt das u. a. in seiner Geschichte der Steiermark, Graz 1846, so: >>Die zweite Gränzlinie beginnt vom Thale Gotsthal und geht durch steiles und rauhes Felsgebirge bis in die Ebenen der Villen Garzarn oder Ganzarn (Gaishorn) und Cheichelwang (Kallwang) und endet am Ursprung der Palten.<< 3)

In der Urkunde vom Dezember 1185 widmet Otto von Stein dem Kloster Admont für das Begräbnis seiner Frau eine Hube zu Perchau bei Neumarkt und für seinen eigenen Todesfall zwei Huben zu Kalwang im Liesingtale.
>>…Duos autem mansus aput Chichelwanch preterea designavit pariterque delegavit cenobio post obitum suum pepetim deseruituros, ita tamen ut si hanc traditionem permissu domoni sui ducis stabilire eius-demque manu monasterio confirmare posset.<< 4)
Herzog Otacher von Steiermark bestätigt 1185 in einer Urkunde dem Kloster Admont die Schenkungen und Tausche mehrer genannten Ministerialien betr. Güter zu Perchau bei Neumarkt, Kalwang usw.
>>Presentibus et futuris innotescat qualiter Otakir dux Styrie Admunt veniens ob remidium anime sue delegavit super altare sancti Blasii potenti manu tres hobas (Huben) Ottonis de Stein minesterialis sui, unam ad Percha, duas ad Chichelwanch pacto suprascripto, item ad ipsius Ottonis petitionis VI illius hobarum traditionem eidem Admuntensi monasterio licentiavit quandocunque ipsi Ottoni pacuerit.<< 5)

Robert Baravalle schreibt in seinem Buch >>Burgen und Schlösser der Steiermark<< folgendes: >>Zu Kalwang dürfte ein befestigter Hof gestanden haben, der aber kaum des 13. Jahrhundert überdauert hat. Bei einer Schenkung der Herren von Graz an das Stift Admont am Weihnachtstag (25. Dezember) 1185 erschien auch Ulrich von Chustilwang als Zeuge. Er dürfte auf diesem freieigenen Wehrbau gesessen haben. Weitere Nachrichten haben sich nicht erhalten.<< 6)

Im Jahre 1196 gab Erzbischof Adalbert III. von Salzburg dem Stifte Admont die Pfarre St. Michael bei Leoben im Tausch gegen das Spital zu Friesach. Die Pfarre St. Michael reichte damals bis zum Schoberpass. 7) Am 2. Mai 1230 übergibt Papst Gregor IX. der Äbtissin zu Göß einen Bestätigungsbrief über Stiftgüter. Unter diesen Gütern wird auch >>Chichelwanche<< genannt. 8) Am 19. Oktober 1285 schenkte Ritter Konrad von Graben seine Schwaige auf der Perdille zu Kalwang (an der Stelle des heutigen Scheiterer >>Oberer Pertiller<<), welche jährlich 350 Käse diente, dem Stift Admont und nahm sie wieder von dem Abte Heinrich zu Leibgedingte auf lebenslang vor den Zeugen: Ortolf, Pfarrer zu Treviach, Durrich dem Griezer, Heinrich dem Speiser, Diepold dem Miesvogel, Konrad dem Sipach u. a. Diese, eine der ältesten deutschen Urkunden des Admonter Stiftsarchives hat fogenden Wortlaut:

>>Ich Chunrat von dem Graben vergih an disen Brif, und tun daz chunt allen den, die in lesent oder horent. daz ich einvaltlichen und freilichen durch gott ihn ze Lob und ze Dienst, und durch miner sele Haill willen, und durch die besundere andacht, di ich han ze sande Blasin, und zu sinen Huss, dem Closter ze Admunt min Swaige bey Cheichelwanch uf der Perdille geben han und gib denselben Closter ze Admunte, diu dienet swaige han bestanden und enpfangen von den erberen manne abt Heinrich von Admunth mit siner sammunge gueten willen und rat ze libgedinge min eines lib also, swane ich nicht sey lebende, daz din selbe swaige mit allen den merungen und beverungen, die ich darauf getun, und mit allen waz daruf ist, freilichen und genzlichen daz Closter ze Admunte wider angefalle, und daz deheiner min erbe dehein recht oder dahein ansprach uf diselb swaige noch uf allez daz daruf funden wirt, und daruf geleit ist, nicht haben schullte. Daruber han ich geben disen Brif mit minen insigel ze Stetichait, und ze urchunde. Dez ist geziuge her Ortolf der pharrer von Treviach, Durnich der Griezzer, Heinrich der Speiser, Diepold der Miesvogil, Chunrat der Sipach, und ander biderbe liute genuch, die darbey waren, und ist geschechen ze Admunte, do waren von Christus geburde tousent zwey hundert und finfft und achzig jare, an sande Lucas Tage in der Capelle in des abts huss.<< 9)

1309 schenkten die Söhne Dietrichs von St. Peter bei Leoben, Konrad und Hartnid, dem Stifte Admont als >>Seelgeräthe<< für sich und ihre Schwester, Nonne in Admont, eine Hube auf der Perdille zu Kalwang. 10) Ende November 1310 verglich sich Abt Engelbert von Admont mit den Brüdern Konrad und Walther von Graben über ihre Ansprüche auf das Perdillengut zu Kalwang mit acht Mark Silber vor Zeugen. 11) Auch die Penhartshube erwarb das Stift Admont von Otto von Steyr-Pernegg um 16 Mark. Dessen Nachkommen Otto und Gundakar verlangten sie zurück, entsagten ihr aber 1326. 12)

1344 erwarb Admont wieder zwei Güter von Albert und Johann von Puchheim im Reunerdörflein (das heutige Dörfl). Das eine befand sich am Fuße des Moselsteines an der Stelle der heutigen Fischerei Igler; der Hausname >>Moselsteiner<< ist bis heute noch bekannt. Der andere Besitz Kohlhub dürfte in der Melling gewesen sein. Ferner kam noch die Alpe am >>Achornach<<, die heutige Achneralm in der kurzen Teichen, an das Stift Admont. 13)

1318 besaß Friedrich I. aus dem Geschlecht der Lobminger dem Lehensbuche des Stiftes Seckau zufolge zwei Huben zu Kalwang im Liesingtale. 14) Am 4. März 1425 verlieh Herzog Friedrich zu Neustadt dem Hans von Rappach das väterliche Erbe, die Lehengüter zu >>Lietzen<< im Ennstale, zu Lassing, zu Au bei Gaishorn und zu Cheichlwang im Liesingtale. 15)

Am 1. Februar 1471 leisteten Ulrich Koler und dessen Schwester zu Schwatz in Tirol Verzicht auf ein Legat, welches ihre Schwester Ursula, Georg des Zechner zu Kalwang Witwe, den Kirchen zu Kalwang und Wald gemacht hatten. Siegler waren Leonhard Krumpenholzer zu Münster im Inntale und Berthold Stecher in der Liesingau. Zeuge war Georg Kastner, Richter zu Kalwang. 16)

Neben dem Stifte Admont hatte auch das Bistum Seckau dem Lehensbuche des Stiftes zufolge in Kalwang Grundbesitz, welchen es als Lehen an andere ausgegeben hatte:
Peter Dorner hatte 1335 ein Lehen des Bistums Seckau, >>ein saltsgült<<, welches zu >>Cheichelwanch<< gelegen war und acht fuder Salz diente. 17) Später berichtet eine Urkunde, dass >>Chunrat der Dorner<< sein Erbe vom Bistum Seckau und seinem Gotteshaus zu Lehen hatte; diese 2 Huben lagen zu >>Cheihelbank in dem dorff<< (Dörfl) und diente 4 Fuder Salz. 18) Eine weitere Urkunde bezeugt, dass >>Chunradus Dorner<< auf 2 Huben lagen zu >>Cheichelbanch<< dem Bistum Seckau mit 4 Fuder Salz diente. 19) Eine andere Urkunde erwähnt: Chunrat Dorner besitzt 2 Huben und 1 Hofstatt. 20) Auch in späteren Urkunden wird immer wieder entweder Peter oder Chunrat Dorner auf 2 Huben und 1 Hofstatt in Kalwang (Dörfl) angeführt.

Am 12. Dezember 1425 besagte eine Urkunde des Bistums Seckau, dass >>Ulrich Abrahamer“ (=Auerhaymer) anstatt Ursula Dorner zu „Cheybelbang<< 2 Fuder Salz empfangen hat, welche der >>Dornerin, seiner eleychen wyrtin czue gehoren.<< 21) Aber schon am 17. Februar 1430 wird Ursula als >>Ulrichs Auerhaymer saligen wytib<< bezeichnet, >>die man dient von zwain Hofsteten zu Kcheilwang<<. 22)
Eine Urkunde des Bistums Seckau besagt, dass Wolfgang Stadler 1423 unter anderen zwei Huben, gelegen zu >>Keylwang<< empfangen hat. Diese 2 Huben dienten mit 5 Fuder Salz. 23) Eine andere Urkunde hält fest:>>…Item ze Cheichelbanchk Lewbel der Stadler auf zwai huben ein libra geltz, auf ainer hub Jacob, auf der andern der Mair, dar auf nu sein aidem siczet, in der pharr Chamer, und hat im etwann gedient funf fuder saltz. Tenet nunc Ottel et Sigel dicti Stadler et habent litteram in papiro cum sigillo domini<<. 24) Die Kirche zu Kalwang war zu dieser Zeit noch eine Tochterkirche (Filialkirche) der Pfarre Kammern.

Eine Urkunde des Bistums Seckau berichtet, dass >>Herr Friedrich Lugaster (Ligister) hat empfangen am pfitztag vor stand Kathrein tag anno 1445 (18. November)“ zwei zu „Kcheychelwang<< gelangene Höfe. Auf dem einen >>sitzt<< der >>Lienhart Prenntel<< und auf dem andern der >>Mayr Prenntel<<. Beide dienten jährlich 21 Fuder Salz. 24) Die 2 Höfe werden auch als >>Prantelhueb und Mayrgekelhueb<< bezeichnet. 5) 1453 (6. März) und 1474 (25. Juli) bezeugen Urkunden, dass Friedrich Lugaster >>in Ligister Pfarr<< zwei Güter, die Prantelhueb und die Maygekelhueb zu Kalwang ob Mautern den >>Hannsen Vngernn<< (Unger), Bürger zu Bruck, verkauft hat. 26)

Die eheliche Tochter des Hansen Unger zu Bruck teilte mit ihrer Schwester Apollonia, Stieftochter des Peter >>Komuss<< (Kornmeß) zu Bruck, den Nachlass ihres Vaters. In einer Urkunde vom 25. Juli 1474 heißt es, dass Apollonia weiland Hansen Unger, Bürgers zu Bruck, eheliche Tochter, Hausfrau des >>Marx Darnach<<, Bürger zu Knittelfeld, die beiden Huben zu Kalwang, welche einst Hannes von Unger Friedrich Lugaster gekauft hatte, empfängt. 27)
Zufolge eines >>Gewaltaktes<< wird aber später Peter Kornmeß mit beiden Huben belehnt. Die entsprechende Urkunde besagt:
>>Peter Kormuss, die zeit burger zw Pruck auf der Muer hat fur bracht aim gewalz brief und lechen entphangen anstat Anna weiland Hannsen Unger burger saselbs zw Pruck eliche und nün seiner steüftochter ir und irren erben zwey gueter, gelegen zw Keüchelbang, das ain genannt die Prantel hueb, das ander die Mayrgekel hueb, dauen man jarlichen dient ainundczwainzig fueder salcz, die ir dan von weillandt Hansen Vngernn ieren vatter mit tod und nün Apollonia Max Darnach zw Knutelfeld hausfrawen und ir swester mit rechter tailung zue gestannen sindt. Geschehen zw Grecz am erichtag vor sand Erasm tag anno (etc.) 78.<< 28)
Am 26. Februar 1483 wird urkundlich bestätigt, dass Gothart „Pogell“ (Pögl) zu Graz statt seiner „hausfrawen“ Anna, Hasen Ungers Tochter, mit zwei Gütern, gelegen zu >>Cheychelbeng<< genannt die >>Prantelhueb<< und die >>Mayr Jakel hueb<< >>laut ains briefs<< belehnt wurde. 29)

Die Prantel- und die Mairgekelhube zu Kheychelwang erwähnt noch eine Urkunde aus dem Jahre 1515 und besagt, dass Bischof Christof zu Laibach, Administrator des Bistums Seckau, dem Tirburtz Pögel diese beiden Huben verleiht. 30)
Im Jahre 1501 verkauft Wolfgang Darnach, Bürger von Knittelfeld, dem >>Sebollden Pögl gesessen am Therlein<< Güter am >>Zwailingperg<< (Sonnberg), die in der Kheichelwanger Pfarre gelegen waren, um eine unbekannte Summe. 31)

Alte Bergbauernhöfe, die am Sonngerg (Melling) bei Kalwang liegen, finden schon im Mittelalter urkundliche Erwähnung und werden heute noch von Bauern bewirtschaftet:
Eine Urkunde vom 28. November 1427 berichtet, dass Wilhelm von Pernegk, Hauptmann in Steir, mit „1 Gut in der Melling ob Cheichelbang, da der Awer aufsitzt“, belehnt wird. 32) Noch heute besteht dieser Bauernbesitz, vlg. Auer, in der Melling und gehört Jansenberger Josef. Auch das Bauerngut, vlg. Schaup, in der Melling wird schon 1344 urkundlich erwähnt. 33) 1462 nennt eine Urkunde ebenfalls die „Schawppenhofstatt zu Khewhlwanng, da Haintz aufsitzt“, mit der Hans Drechsler belehnt wird. 34) Heute bewirtschaftet Machhammer Peter diesen Bauernhof.
In der Urkunde von 1344 ist noch eine Liegenschaft >>an der Cholhuebe<< angeführt, welche der Admonter Abt Ulrich II. von Albert Puchheim erwarb. Auch dieser Bauernhof, vlg. Kohlhuber, besteht noch in der Melling und gehört Jansenberger Johann. 35)
In den Jahren 1348 und 1349 wütete in der Obersteiermark und auch in Kalwang die Pest. Viele Menschen starben daran und die Siedlungen wurden entvölkert.
1437 trat Wilhelm von Pernegg an Herzog Friedrich III. ein Gut zu Kalwang ab. 36)

Am 26. Juli 1445 verpfändet Herzog Albrecht seinem Bruder Herzog Friedrich IV. für eine Geldschuld von 6000 Gulden Unger (Dukaten) und 1000 Mark guten Brandsilbers die Städte Judenburg und Leoben, das Marchfutter zu Mautern, Maistein und Kalwang… bis zur gänzlichen Tilgung der Schuld. 37) Das >>Marchfutter<< war eine Haferabgabe für die vielen Rösse des Landesfürsten.
Am 22. April 1461 schloss Friedrich IV. mit Hanns von Süssenheim den Ankauf der Burgen Ober- und Niederkammern, des Sitzes und Hofes Ernau, Timmerdorf, Trofaiach, Lobming, der Fischerweide in der Liesing und des Gerichtes am Mosenstein ober Kalwang. 38)

Um 1400 hatten die Stifte Admont und Göß die größten Besitzungen in Kalwang. Die Abtei Göß erhielt 1459 von ihren Huben in Kalwang Saatgetreidezehent, Haar (Flachs)-, Hühner- und Käsezehent, die alle genau festgelegt waren. So heißt es: >>Die ganze Hube gibt dem Fürsten gegen Leuben in den Kasten 2 Metzen Habern, Marchfutter, und 2 Metzen dem Pfarrer zu Khamer wegen eines steten Priesters zu haben zu Kcheichelwang, jede halbe (Hube) gilt die Hälfte.<< Göß besaß in Kalwang eine ganze und sechs halbe Huben. 39)

Nach einer Urkunde vom 12. Dez. 1493 diente das Hautzenbachgut bei Kalwang mit zwei Fuder Salz dem Kloster Göß. 40)
Am 19. August 1405 erklärten 60 Rüchsassen des Palten- und Liesingtales gegenüber den Ansprüchen derer von Dümersdorf (Timmersdorf) und Holeneck, dass gewisse Zehente dem Stifte Admont gebühren. Dabei werden mehrere Rücksassen und Bewohner damals genannt: >>Ich Hanns amtman am Gries, ich Nicla der Freitag, ich Hanns Datz (zu) Grueb, ich Pernhart zu Cheichelwang, all vir gesessen in dem Gaisserwald.<< 41)

Im 15. Jahrhundert waren außer an die zwei Klöster noch an kleinere Herrschaften vereinbarte Abegaben zu liefern, so an Ernau, Strechau, Massenberg bei Leoben, Friedstein im Ennstal, Liechtenstein bei Judenburg, an den Probst von Kammern und an den Kalwanger Pfarrer selbst, dem 12 Häuser im Orte dienten.

Der Türkeneinfall

Zum Schutze gegen die aus dem Osten drohende Gefahr, Türken und Ungarn, mußten die Bauern den zehnten Mann stellen und ausrüsten. Deshalb wurde von den Pfarren ein Verzeichnis der seßhaften Bauern gefordert und danach wurden die Aufgebotenen Ende Mai 1445 nach den verschiedenen Sammelpunkten beordert. In den ältesten steirischen Landtagsakten findet sich mit dem Datum 23. April 1445 ein entsprechender Bericht über die Ausführung dieser Anordnung. Hans Zmolner, Hanns Pranker, Veit Keczer gaben folgende Bauernschaftserzählung in den Pfarren im Bereich von Wald – St. Stefan – Leoben – Eisenerz ab:

>>Hie sind vermerkt der anczal der gesessenen pawrschaft in den herna geschriebenen pharrkirchen und zukirichen.
Item von erst die pharrkirchen zu Traveiach (Trofaiach), darinne sind 360; zu sand Peter ob Lewben ist ein zukirichen gen Traveiach, darinne sind 100; die pharrkirchen ze kammern, darinne sind 155; Mauttern ist ein zukirichen gen Kammern, darinne sind 210; Keichelwang ist ein zukirichen gen Kämmern, darinne sind 105 fewerstett; im Wald zu sand Kunigunden ist zukirichen gen Kämmern. darinne sind 83 fewerstett“,…von den czbain (zwei) zukirichen (Vordernberg und Eisenerz) schich wir ewern genaden chain ancza. Summa totalis:1986.<<1)

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts fielen die Türken häufig in die Steiermark ein. Während sie bei ihren ersten Einfällen hauptsächlich die Untersteiermark heimsuchten, 1472, 1475 bis 1479, und dort zahlreiche Dörfer und Märkte niederbrannten, sowie Tausende Menschen töteten oder in die Sklaverei verschleppten, kamen sie im Jahre 1480 auch in unser Gebiet. Auf ihren geschwinden Rosse stürmten sie von Kärnten aus über den Neumarkter Sattel bis Judenburg. Von dort aus zog ein großer Teil von ihnen über Hohentauern nach Rottenmann. Sie konnten diese stark befestigte Stadt und die wehrhafte Burg Strechau nicht einnehmen und zogen daher das Paltental aufwärts gegen den Schoberpass. Überall auf ihrem Wege brannten sie die Güter und Ortschaften nieder. In Eile sollten die Bauern des Palten-Liesingtales Schanzgräben aufgeworfen haben, um das weitere Vordringen der Türken zu verhindern. Bei der sogenannten >>Türkenschanz<< am Schobersattel mußten sie der Übermacht der Türken weichen. Wo sich bei Unterwald der Liesinggraben verengt, errichteten die Bauern am 9. und 10. August 1480 gleichfalls Verhaue, hinter welchen sie große Steinblöcke ansammelten, um das Eindringen der türkischen Scharen in das enge Liesingtal einwärts zu verhindern. Das gelang ihnen auch. Dafür suchten die Türken nun in das Liesingtal abwärts einzudringen, aber auch hier setzten sich die Bauern zur Wehr. Sie mußten jedoch der Übermacht weichen. Nach Unterwald soll es nochmals zum Kampfe gekommen sein. Der Ort heißt seither >>auf´n Streit<<. Vor Jahren habe man dort noch Hellebarden und Morgensterne ausgegraben. Weiters erinnert auch das >>Materloch<<, eine Höhle nördlich von Wald, an die Türkenzeit.

Viele Bewohner von Wald sollen sich vor den Türken dorthin geflüchtet haben, seien jedoch von den Türken entdeckt und grausamst hingemordet worden; so erzählt es die Sage. Die Türken zogen dann über Kalwang, Ernau und Mautern nach St. Michael weiter. Dabei verheerten sie das Liesingtal auf das greulichste. Dorf um Dorf sank in Asche. Tausende, meist in die Kirche geflüchtete Bewohner, wurden getötet oder in die Gefangenschaft geschleppt. Selbst die entlegensten Höfe des Tales entgingen ihrem Geschicke nicht. Zahlreiche Kirchen wie Mautern, Kammern und St. Michael wurden niedergebrannt; ebenso dürfte auch unsere Kirche in Kalwang in Flammen aufgegangen sein.
Den tapferen Verteidigern des Liesingtales setzte man an der Stelle der ehemaligen Türkenschanzen ein Denkmal, das Liesingkreuz.2)

Um der Bevölkerung in diesen unruhigen Zeiten eine sichere Zufluchtstätte zu verschaffen, wurde die Kalwanger Kirche und der damalige Pfarrhof neben der Kirche nach dem Türkeneinfall 1480 stark befestigt. Kirche und Pfarrhof wurden von einer starken Mauer umgeben. Das Haus des Richters Georg Kastner, das gleich neben der Kirche stand, mußte abgetragen werden, weil es einen Angriff der Türken auf die Kirche erleichtert hätte. Somit war auch unsere Kirche zu einer richtigen Wehrkirche geworden. Aus dieser Zeit stammt noch der massive Turm und der rückwärtige Teil der Kirche, der noch Spuren des gotischen Baustils aufweist. Von den übrigen Befestigungen der Wehrkirche hat sich nicht viel erhalten. Die teilweise sehr hohe heutige Kirchenhofmauer dürfte allerdings noch ein Überrest der Wehranlagen sein. – Wahrscheinlich sind aber alle Befestigungsanlagen bei den verschiedenen Kirchenrenovierungen 1595 und 1679 und zwischen 1740 und 1750 beseitigt worden.3)

Der Kalwang Richter Georg Kastner wurde nach Beschlüssen der Landleute der oberen Steiermark zu Judenburg vom 20. August 1469 unter den Hauptleuten genannt, welche für den aufzustellenden Landsturm ihres Gebietes verantwortlich waren. Es war notwendig, das Land wegen der Gefahr der Türkeneinfälle verteidigungsbereit zu machen. Es sollten Befestigungen angelegt werden, zu deren Errichtung die einzelnen Pfarren Leute abzustellen hatten, welche sich dazu mit dem gehörigen Werkzeug (Hacken, Sägen, Schaufeln und Krampen) zu versehen hatten.4)
Am 14. März 1479 stellte Georg Kastner der Kirche zu Kalwang einen Schuldbrief über 34 Pfennig aus, welche seine erste Hausfrau Anna Leb diesem Gotteshaus testamentarisch geeignet hatte. Siegler waren Hans Trautmannsdorf, Pfleger zu Kammern und Probst zu Mautern, und Stefan Zmolner, Pfleger und Landrichter zu St. Peter.5)

Das Stift Admont ließ 1481 die durch den Türkeneinfall entstandenen Schäden beiläufig abschätzen und feststellen. Auf Grund dieser Schätzungen erhielten die Bauern auf mehrere Jahre hinaus einen Nachlaß der Steuern und Abgaben. Georg Kastner, dessen Haus anläßlich der Befestigung der Kalwanger Kirche abgerissen werden musste, stellte Ersatzansprüche, aber Kaiser Friedrich III. sprach im Jahre 1484 den Pfarrer und die Kirchleute von Kalwang von jeder Ersatzpflicht frei. Die entsprechende Urkunde vom 15. Juli 1484 hat folgenden Wortlaut:
>>Wir Fridreich von gots gnaden Römischer kaiser, zu allentzeiten merer des reichs zu Hungern Dalmatien Croatien etc. kunig hertzog zu Osterreich zu Steir zu Kernnten vnd Krain etc. bekennen als der erber andechtig unser getrewn lieben N. der pharrer und die pharrlewt gemainklich zu Keyhelbanng die pharrkirchen und pharrhof daselbs zu Keyhelbanng in disen lewffen der Turkhen und annderr veind halben, nach unserm geschefft und beuelhen zu der were zugericht, vnd ains haws so zunagst daran gelegen vnd weilent Jorigen Kastner gewesen, dachdem das derselben kirchen zu schaden gestanden ist, abbrochen, daz wir den bemelten pharrer vnd pharrlewten die gnad tan haben, wissentlich mit dem brieff, ob sy füran von des benannten Kastner erben, seinen gelltern, oder yemannds annderm von des berurten haws wegen angelangt wurden, das sy in deshalb nichts ze tun schuldig noch phlichtig sein sulln weder mit recht noch an recht vngeuerlich. Dauon gebieten wir den edlen vnseren lieben getrewen N. allen vnsern hawbtlewten grauen heren ritten vnd allen andern vnsern ambtlewten vnntertanen vnd getrewn ernstlich vnd wellen, daz sy die obbenannten pharrer vnd pharrlewt bey disen gnaden gennzlich vnd berublich beleiben lassen, vnd dawider nicht dringen noch beswern noch yemannds anndern ze tun gestatten in dhain weis, das mainen wir ernstlich. Mit urkund des briefs geben zu Greez an mittichen nach sannd Margrethen tag nach Christi geburde viertzehnhundert vnd im viervndachtzigisten, vnseres kaisertumbs im dreivnddreissigisten vnserr reiche des Römischen im funffvnduiertzigisten vnd des Hungarischen im sechsvndzwainczigisten jaren.<<6)

Der Nachfolger Friedrich III. (1440 – 1493), Maximilian I. (1493 – 1510), hatte zahlreiche Jagden der Stifte Admont und Göß gepachtet. Er war daher auch oft zur Jagd in der Steiermark. Dies geht unter anderem aus einem eigenhändigen Brief des Kaisers an seinen Vetter, Sigmund von Tirol, den er diesem am 13. Juni 1490 aus Rottenmann sandte, hervor. Unter vielen anderen Orten besuchte Maximilian auch nachweislich Kalwang. Er war nicht nur ein großer Jäger, sondern auch ein trefflicher Heger. Das Wild wurde im Winter gefüttert. Salzlecken wurde angelegt und in den einzelnen Revieren sorgte man für Ruhe.7)

Die Burgfriede Wald und Ehrnau-Kammerstein

Alle Grundherrschaften besaßen bis zur Bauernbefreiung im Jahre 1848 über ihre Untertanen die niederste Gerichtsbarkeit. Am Ende des 15. Jahrhunderts gab es in der Steiermark etwa 140 Landgerichte und 300 Niedergerichte oder Burgfriede. Die meisten Landgerichte umfaßten mehrere Burgfriede (Niedergerichte). So unterstand der Burgfried Wald seit dem 16. Jahrhundert dem Landgerichte Wolkenstein im Ennstal, der Burgfried Ernau-Kammerstein jedoch dem Landgerichte St. Peter-Freienstein. Die Strafgerichtsbarkeit innerhalb des Burgfriedes, welche vorwiegend die Grundherrschaften ausübten, beschränkte sich nur auf die niedere Gerichtsbarkeit. Alle >>Malefizfälle<<, welche an Leib und Leben bestraft wurden, blieben den landesfürstlichen Landgerichten vorbehalten. Als solche schwere >>Malefizfälle<< galten Raub, Brand, Diebstahl, Notzucht, blutende Wunden, sowie Hausfriedensbruch u.a. Der Burgfriedsrichter durfte solche gefangene Schwerverbrecher nicht selbst aburteilen, sondern mußte sie, nackt, nur mit einem Gürtel versehen, die Hände auf dem Rücken gefesselt, binnen 3 Tagen dem zuständigen Landrichter an der Grenze des Burgfriedes übergeben.
So mußten also schwere Straftäter aus dem Burgfried Amt Wald dem Landrichter in Wolkenstein und solche aus dem Burgfried Ernau-Kammerstein dem Landrichter in St. Peter-Freienstein zur Abstrafung übergeben werden.

Das heutige Gebiet der Marktgemeinde Kalwang gehörte größtenteils zum Burgfried Ernau-Kammerstein und zum kleineren Teil zum Burgfried Amt Wald. Die Walder Burgfriedgrenze zum Burgfried Ernau-Kammerstein verlief über den Zeyritzkampel, die Achner Kuchel, das Rannsbachegg zum Teichenegg und Stadlstein, von dort wieder zurück zum Sonnegg südlich der Langen Teichen, und dann >>hinab zu des Schwärzls höllhammer<< (im Teichengraben), weiter über den >>Predillriegel<< (Pretaller) zum >>Moßlstain<< (Igler) auf den Hahnenreich, >>Foyßsadl<< (Floisalmsattel), weiter zum >>Stubsadl<< (Stubentörl) und Hochreichart. Es lag also fast das ganze Gebiet der heutigen Katastralgemeinde Sonnberg innerhalb des Waldes Burgfrieds; die anderen drei Katastralgemeinden Kalwang, Schattenberg und Pisching gehörten zur Gänze dem Burgfried Ernau-Kammerstein an.

Die Grenzbeschreibungen der beiden angeführten Burgfriede sind deshalb auch noch von Interesse, weil in ihnen eine Menge von Namen und Bezeichnungen von Bergen, Gräben und Orten rings im Kalwang aufscheinen, die heute noch gebräuchlich sind.
Der Burgfried Amt Wald ist nach einem Urbar der Herrschaft Strechau im Jahre 1606 mit folgender Begrenzung beschrieben:
>>Erstlich hebt sich gemelter Burkfrid bei des Poymuethen pruggl im Vorwaldt an, von dannen hinauf sonnhalben zum Rauchsteiger und Häberl bis an den Khoglspiz, alsdan an den Riststeckegg an des Häberls terl alda die Admontisch jurisdiction anraint, von dannen bis an den Loybmer, alsdan an den Casten, hernach an die Rotte Stainwandt, von dort aus nach den see Khorkhag an das Wildfelt bis an den Khämpl, alsdan aufs Achernach bis an die Khuchl, von dannen auf den Ränzbachegg von dort aus auf den Teichenegg,, alsdan auf den Stadlstein, von dannen durch her bis in Länperg und ins Wukhental, alsdan in Saugräbm, hernach in Sonnegg, von dort heraus in Hochstain, hernach hinab zu des Schwärzls höllhammer und heraus wie die warzaichen (welche auf baiden seiten einem fenster gleich in die Stainwand eigehaut) und zu sehen, alda der Ernauerisch purkfrid gegen Kheilwang anraint, von danen zum Rueppen an Pühl, von dort abwerts in gräbm gegen Kholhueber, hinauf an dem Predillridl, widerumben abwerts auf den Moßlstain, da die landstraß durchgeht bei dem Ließßingbach, wie dan das Prüggl und der Stain daselbst ausweist. Von gemeltem prüggl hinauf schattenhalben zwischen Hainrichten und Prügglerthall bis auf den Hayprandtegg, von dort auf den Foyßsadl hinauf auf die Haiden, bon dannen auf den Stubsadl herein in Reichart, alda die Seggauerisch hurisdiction anraint. Von dort auf den Schränzen bis auf das Wildfeldt, alsdan auf den Grießkhogl, von dannen an das Khriegl auf den Grießkhogl, alda die Adtmontische jurisdiction anraint, von dannen zum Kherschkern, alsdan an Geyerkogel, von dort nach dem egg aus an Pernsoldt, hernach an Himmelkhogl und also an selbigem fort bis auf das Leistenkharegg, von dannen an die Legkhen widerum auf den Hurtegg bis auf den Schlafstain, hernach au f den Schober stainwand, von dannen abwerts aufs Reith bis widerum an des Poychmüeth prüggel zu der landstraßen. Erstreckt scih also ernenten purkfrids gezierk in die siben meill weegs.<<

Die Grenzbeschreibung >>des herrchaft Ernau-Cammerstainischen privillegierten burgfrieds<< lautet:
>>Dißes burgfrid fanget sich von dem Moselstain an, alda das Ströchauerische burgfrid confiniert, so da gehets über den pach die Liesing genant hinauf auf des Heindl, von danen auf den Rieding bis auf den Reichardt nach der waßersaig, dan von Reichardt nach der höche oder wassersaig nach bis auf den Zinggen und von danen der höche herab in das Frädenthal nach ainem pächl daselbst ein pründl, weliches sambt dem pächl hinab in den Hagenbach flüeßet, von gemelten pründl weiter der wassersaig hinauf auf den Premstain. Von danen der höche oder wassersaig nach auf dem Albstigkogl, von danen auf den Hochen Speihkogl und auf den Tanzplatz genant, fehrer auf die Schmertaschen und sodan auf das Lindtegg, von danen abwerts neben den Rännach der waßersaig nach auf den Mittereggerrigl, von danen nach den Kag auf den Polling oder Mautterergmain. Von danen über den Khniepaßpach zum Eder, sodan widerumb aufwerts in des Kärner Oberspachwiesen im graben, von danen auf den Braithenthalsatl bis auf die Rännachhöche, alwo man über dem Khniepaß gehet. Von danen auf den Kraubathegg der waßersaig nach, sodan auf den Stainegg bis auf des Kuniser egg, danen nach den Lerchrigl zu der stainwand, so mitten in dem Ließingberg lieget, vondanen abwerts auf die Pfäffendorfferpruggen, von danen zu dem Seizpach, alwo derselbe in die Ließing flüest, und fehrer nach dem Seizbach bis zu dem Schleichberg und von danen hinein auf des gärtl, so enterhalb des jetz gemelten Gößpachs liget, von gärtl fehrer dem gratt oder schärfe der stainfölsen nach hinauf bis auf die mitte des Reichenstain, von dar der waßersaig nach auf die Linzerscharten, fehrer der schärfe nach bis ins terl in der Moßalben, sodan der höche nach bis auf den Stadlstain auf den Sienn. Von dar auf den Eibrigl, von danen auf das Sonnegg, von dar abwerts in die Teichen bis zu der Höllmauer, von danen der waßersaig nach bis auf den Mellingrigl und von danen abwerts durch die felder bis auf den im anfang benanten Moßlstain mitten in der straßen bei der Ließing ligend, also dass sich die länge dißes burgfrids von dem bedaiten Moßlstain bis an den Seizerbach gerader landstraßen nach auf vier stund, die braite desselben aber in befindlicher ungleichheit bis drei, vier auch auf 5 stund erströckt.<<

Der Pfarrhof in Kalwang

Der mächtige heutige Pfarrhof ist im Jahre 1595 vom Kalwanger Hammerherren Kaspar Schüttenkopf erbaut worden. Im Flur des Stockwerkes befinden sich straßenseitig von zwei kleine Wappenscheiben mit der Bezeichnung „1641 M.S.K.“ und erinnern an Martin Schüttenkopf, welcher im Jahre 1641 Besitzer des Hauses war. Othmar Schüttenkopf baute das Haus dann im Jahre 1649 um. Über dem Eingangstor erinnert noch sein dort angebrachtes Wappen daran, welches folgende Umschrift trägt: „Othmar Schittenkopp Gott zur Ehr und Gedächtniß auerbaut 1649 Jahr“. Als das Stift Admont 1667 das Bergwerk in der Teichen ankaufte, ging damit auch der heutige Pfarrhof in den Besitz des Stiftes über. Er diente aber als stiftisches Handelshaus dem nunmehr stiftischen Kupferbergbau in der Teichen. Das Haus neben der Kirche war damals der alte Pfarrhof. Das stiftische Handelshaus (der heutige Pfarrhof) nebst anderen Gebäuden wurde im Jahre 1725 ein Raub der Flammen. Es wurde durch stiftische Werkleute wieder aufgebaut.

Auch der Pfarrhof beherbergt einige Kostbarkeiten aus vergangener Zeit. „In einem Erker am Flurende des Stockwerkes befindet sich die Barbara-Kapelle aus dem Jahre 1684 mit zum Teil sehr breitflächigen Gewölbestukkaturen und dem Barbara-Altar aus dem zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts. In einer Art von Grotte dargestellt ist über dem Barbara-Bild eine kleine Darstellung der hl. Magdalena. Die früher im Speisesaal des Pfarrhofes hängenden Bilder des Altomonte von 1777 (Mater dolorosa und Franz von Sales) befinden sich jetzt in der Kapelle, die außerdem zahlreiche, von Gösser Nonnen gearbeitete Wachsbilder mit Reliquien aufweist.“

In der Pfarrkanzlei sind noch erwähnenswert ein kleines Kruzifix und zwei reizende farbige Kleinreliefs von Stammel (büßende Magdalena und Petrus mit der allegorischen Gestalt der Reue), bezeichnende Kleinwerke des Meisters mit volkstümlichen Zügen aus der Zeit um 1740; ferner Marmorköpfe aus der alten Stiftskirche von Admont und Pergamentbilder von der Hand eines Admonter Laienbruders. Im Stiegenhaus hängt ein ehemaliges Votivbild der Magdalenenbruderschaft aus der Pfarrkirche.

„Im Besitze der Pfarre Kallwang befinden sich zwei aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammende Tafel Reliquiare mit Wachsbüsten der Gottesmutter und des hl. Josef, weiters eine mit dem zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts zu datierende, von der Hand eines steirischen Schnitzers stammende Darstellung der hl. Anna, Maria lesen lehrend.“
Im Hinblick auf die Lieferung zweier Marienbilder durch den Grazer Maler Melchior Diebolt an das Stift Admont, bleibt die Frage offen, ob das im Besitze der Pfarre Kalwang befindliche, aus dem letzten Viertel des 17. Jahrhunderts stammende Ölbild (auf Leinwand), das die unbefleckte Empfängnis Mariä darstellt, eines von diesen beim genannten Künstler bestellten Bilder ist.
In der Pfarrkanzlei befand sich auch die Sammlung eines Großteiles des graphischen Werkes von Suitbert-Lobisser-Holzschnitten, die Pfarrer P. Erenbert Haidinger anlegte; diese Sammlung kam nach P. Erenberts Tod ins Stift Admont.

Die alten Stallungen und die vielen Nebengebäuden des Pfarrhofes weisen noch darauf hin, dass diese früher dem Kupferbergwerke in der Teichen als Magazin-Gebäude diente. Von den Getreidekästen unter dem Dache benützte einen der jeweilige Postmeister von Kalwang.

Zum Pfarrhofe Kalwang gehörten noch im Jahre 1853 zwei Weingärten in der Kollos, der ehemaligen Untersteiermark. Wie sie zum Pfarrhof gekommen sind, läßt sich nicht mit Bestimmtheit angegeben. Diese Weingärten überließ Pfarrer P. Odilio im Jahre 1853 dem Stifte Admont. Im Jahre 1857 bestand die Dotation des Pfarrers aus 500 Gulden und eimen Startim (=10 Eimer Wein) jährlich, welche er vom Stifte Admont für die Überlassungen des Kollosser Weingartens bezog, dann in einige Messestiftungen und den Stolargebühren, welche aber sehr gering waren; ferner einer kleinen Abgabe von Flachs und Hafer nebst einigem Geld im Quatember von Seite einiger Häuser in der Gemeinde und dem Ertrage aus der Landwirtschaft. Die Communität sollte dem Pfarrer jährliche 4 Rehe und drei Birkhähne, sowie 8 Hahnen vertragsmäßig liefern. Der Pfarrer hatte auch das Fischrecht in der Liesing flußaufwärts vom vlg. Moselsteiner bis zu deren Ursprung, dann von der Schmölz in die beiden Teichengräben.
Nach Ablauf des Hochwassers im Jahre 1907 kamen 100 Sträflinge von der Karlau in Graz mit 12 Aufsehern nach Kalwang, um den ungeheuren Schutt wegzuräumen und hatten ihren Aufenthalt im Pfarrhofe; ebenerdig im Vorhaus, Speis und Waschküche die Sträflinge, und die Aufseher in zwei Zimmern. Die zwei Tore, vorne und rückwärts, waren mit Ziegeln vermauert worden. Der Eingang seitwärts vom Hofe blieb und wurde bewacht. Die Sträflinge, die sich gut verhielten, kamen am 20. Mai und blieben bis zum November 1907. Ein Sträfling hatte das Schüttenkopf´sche Wappen über dem Haustore des Pfarrhofes ausgeputzt, gereinigt und etwas gemalt. Von diesem Wappen hatte man wegen des fortwährenden Überweißens schon fast gar nichts mehr gesehen, daher scheint auch seit Beginn der Pfarrchronik darüber nichts ausgezeichnet.

Die Kalwanger Pfarrherren

Nach der im Jahre 1856 von Coop.P.Thiemo Lindorfer angelegten Pfarr-Chronik, lassen sich folgende Seelsorgevorsteher der Pfarre Kalwang in chronologischer Ordnung festhalten:

Um 1474 Hannsen, Vikar zu Keychelbanng (Steir. Landesarchiv, Urkunden-Nr. 7507)
D. Alexander de Chuendorf, parochus in Kammern u. Kalwang

1521 Bernadus Püchler, Vicarius a. 15. Ap. ej. anni (starb als Pfarrer von Kammern)
1544 Johannes Alpsteig, Vicarius
1545 Vitalis Zott, Vicarius
1564 Nicolaus Siebenhaller, Vicarius usque 1566
1566 Stephan Sieger, simul Victarius in Wald, usque 1568
1568 Ambrosius, usque 1572
1572 Paulus Tunkler, usque 1573
1573 Gregorius Gröbmer, Religiosus ex Austria usque 1575
1603 Michael Bischof simul Vicarius in Wald, usque 1604
1607 Joannes Reiter, usque 22. Juni 1607
1608 D. Caparus Vichtmayer, simul Vicarius in Wald usque Jänner 1609
1609 Conradus Dorfschmid, ord. Prädicatorum usque ad finem 1610
1611 Joannes Becellius simul Victarius in Wald usque Oct. 1613
1613 Christophorus Gellazius, Magister Philosophiae usque 1615
1615 Eustachius Schöppel, Proffessus e Mondse simul Vicarius in Wald prius in Radmer, usque 1621
1620 Joannes Haug, usque 1621
1625 Mathias Eberl, Magister Philosophiae simul Victarius in Wald, usque 1634
1630 Christianus Riegler simul in Wald – 1634
1638 Joannes Haug a Julis 1638 – medium Oct. 1646 Pater Maurus…Professus a Neresheim
1659 Dom. Carolus Seidl a Julis 1649

Von nun an waren die Seelsorger alle Priester des Stiftes Admont und zwar:

1661 Pater Christophorus Schmuck (a mart. 1661 – Jul. 1662) 1659 – 1664
P. Richardus Kleier 1669 – 1671
P. Gregorius Leuzendorf 1671 – 1674
Casparus Schmidlin 1674 – 1678 (gest. 1697)
Ambros Zeyringer 1678 – 1681 – auch Verweser im Kupferbergwerk in der Teichen
Vitalis Wallich 1681 – 1685
Ambrosius Zeyringer 1685 – 1693
P. Caspar Schmidlin 1693 – 1697
P. Albertus Rehbach 1697 – 1698
P. Edmundus Scheuchenstuel 1698 – 1740 – auch Verweser
P. Irimbert Gastheim 1741 – 1771 – auch Verweser
P. Thomas Thinn 1771 – 1782
P. Eberhard Person (Perschon) 1782 – 1783, 23. Februar
P. Gottfried Winkler 1783 – 1788 (gest. 1794)
P. Salesius Dillinger 1788 – 1804 – auch Verweser
P. Carlmann Pannholzer 1804 – 1810
P. Gregorius Ziegler 1810 – 1819
P. Ambrosius Schweigl 1819 – 1821
P. Thomas Bederlunger 1821 – 1849; „war ein geborener Tiroler, geb. 2. März 1760,
gest. 1849; war früher Solicitator bei einem Doktor juris und trat 1797 in den Orden.
(Kooperator in Gröbming, St. Gallen, Vikar in Altenmarkt, Pfarrer in Gaishorn 1816 –
1819). Er war ein Spekulant mit Staatspapieren, ein kluger Kopf, heiter, polternd, als
wenn die ganze Welt sein wäre, und eifriger Seelsorger.“
P. Blasius Trenk 1849 – 1852; „geb. in Admont 1778, gest. 1852 nach einer Badreise
nach Gastein, starb in Admont, wo er krank ankam; er war ein heiterer Herr, früher
Präfekt am Gymnasium zu Graz, eifriger Seelsorger, selbständig, ein Feind der
Mißbräuche und Liebhaber Schnupftabaks.“
P. Odilo Munz 1852 – 1861; „geb. zu Graz am 17. Oct. 1780, kam als Pfarrvikar hierher
(Nov. 1852), gest. 1. Dez. 1861“.
P. Julian Simmet; „geb. 1804 in Böhmen, kam am 23. Jänner 1862 als Pfarrkvikar nach
Kallwang.“
P. Thiemo Lindorfer 1871 – 1873; „wurde wegen angeschuldetem Verbrechens der
Majestätsbeleidigung aus der Pfarre Kalwang entfernt. – Die P. Thiemo zur Last gelegte
Majestätsbeleidigung war durch die Klatschsucht einiger Weiber zu einem
sensationellen Ereignis aufgebauscht worden.“
P. Alcuin Schwarz, Pfarrprovisor 1873 – 23. Mai 1873
P. Ferdinand Glaser 1873 – 1883
P. Augustinus Millwisch 1883 – 17. Sept. 1891; „geb. zu Graz, am 10. Juli 1833, kam
als Pfarrvikar nach Kallwang am 19. Juli 1883, woselbst er verblieb bis 17. Sept. 1891.“
Kreisdechant in Admont, dort gestorben 1911.
P. Maurus Schober 1891 – 1902; „übernahm die Pfarre am 17. Sept. 1891 und verblieb
bis 25. Nov. 1902, worauf er am 26. Mai 1902 die Pfarre St. Nikolai im Sausal
übernahm.
Gest. in Admont im Alter von 72 Jahren.
P. Clemens Vogl 1902 – 1914; „bisher Pfarrvikar in St. Nikolai im Sausal übernahm die
Pfarre Kallwang am 27.11.1902.“
P. Rupert Traschwander 1914 – 1925; „übernahm die Pfarre am 10.11.1914, P. Clemens
Vogl kehrt in das Stift zurück, P. Rupert am 26. März 1925 gestorben.“
P. Erenbert Haidinger 1925 – 1968
P. Bonifatius Benzing wird am 1.8.1968 Pfarrvikar in Kalwang. (P. Erenbert bleibt im Pfarrhof wohnen; er ist am 2. Mai 1971 gestorben.)

 

Die Walfahrtskirche St. Sebastian in Kalwang

Am Eingang zum Engtal der Teichen in Kalwang liegt westlich davon auf dem steilen Hange des Sonnberges die Filial- und Wallfahrtskirche zum hl. Sebastian. Malerisch schaut das alte Kirchlein weit ins Land hinaus und leuchtet auch nachts, von hellem Scheinwerferlichte angestrahlt, freundlich in den alten Markt Kalwang herunter. Von Waldeswipfeln umgeben, verleiht es so dem Landschaftsbilde von Kalwang ein ungemein liebliches Gepräge und wäre aus diesem nicht mehr wegzudenken.

Das dem Pestpatron St. Sebastian geweihte Kirchlein wurde im Jahre 1495 erbaut. So wird im ganzen Steirerland wütete im 15. Jahrhundert auch in unserem Tale wieder die Pest und forderte zahlreiche Opfer. Besonders arg war dies nach dem Türkeneinfall im Jahre 1480, bei welchem die Türken plüdernd und mordend das Liesingtal durchzogen hatten. Brandruinen, herumliegende Menschenleichen und Tierkadaver ließen sie zurück; die Pestseuche breitete sich aus. Überall im Lande schritt man um diese Zeit zur Errichtung von Kapellen zu Ehren des Pestpatrons Sebastian und der Heilige wurde um Hilfe in der Pestnot angefleht. Auch Kalwang blieb da nicht zurück; man errichtete ein dem Pestheiligen geweihtes Kirchlein am Berge oberhalb des Ortes. Es war zunächst ein spätgotschisches Bauwerk. Daran erinnert noch das gut erhaltene verstäbte Spitzbogenportal an der Ostseite der Kirche und das teilweise noch bestehende Gewölbe der Kirche.

Ursprünglich besaß das Sebastianikirchlein einen schlanken Turm wie die Pfarrkirche des Ortes. Ein Votivbild der Kirche aus dem Jahre 1766 zeigt noch diesen schlanken Turm. Um 1778 erfolgte eine Vergrößerung des Kirchenbaues; er erhielt auch eine neue Ost- und West-Fassade. Dabei wurde das ehemalige gotische Hauptportal von der Westseite an die Ostseite der Kirche wurde abgerissen und diese durch den Anbau eines barocken verlängerten Presbyteriums und der Sakristei erweitert. Bei dem Umbau erhielt die Kirche auch das heutige barocke Türmchen. Das neue frühbarocke Westportal weist die Jahreszahl 1776 auf und trägt die Inschrift: „Die Zuflucht der allergrößten Sünder“. In der Nische über diesem Portal steht eine Statue des Titelheiligen der Kirche. Das darunter angebrachte Fresko, >>der Teufel holt den Sünder<<, wurde allerdings vor kurzer Zeit bei einem Wettersturm von stürzenden Bäumen arg beschädigt.

Nicht nur wegen der Pestabwehr allein fand die Wallfahrtskirche am Sebastianiberg reichlichen Zuspruch, sondern sie wurde auch von den Bergknappen der Kupferbergbaue in der kurzen und langen Teichen gerne aufgesucht. Zwei Votivbilder, die in der Sebastianikirche hingen, erinnern ganz besonders an den vom Stifte Admont vom 17. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert betriebenen Bergbau in der Teichen. Es sind dies zwei Darstellungen knieender Bergknappen, über welchen die Gottesmutter sowie die hl. Barbara schützend ihre Mäntel halten. Die Kleidung der Bergleute zeigt ihre alte Standestracht mit dem weißen Kapuzenmantel und dem Bergleder. Beide Bilder sind von hohem kulturgeschichtlichem Werte. Außer diesen Bildern verfügte die Sebastianikirche noch über manch wertvolle Kunstwerke. Eines der ältesten Ausstattungsstücke der Kirche war ein fast lebensgroßer geschnitzter Gekreuzigter aus dem Beginne des 16. Jahrhunderts. Es hing im Raum zwischen den beiden Chororatorien. Die Tür hinter dem Hochaltar umrahmte ein wervolles Altarfragment, Gottvater und Engel darstellend, welches mit der Jahreszahl 1634 datiert ist. Der Schnitzer dieses frühbarocken Werkes wird zu den besten Meistern der damaligen Zeit i der Steiermark gezählt. Zahlreiche wertvolle Heiligen- und Engelfiguren zierten die Wallfahrtskirche; so ein hl. Rochus und ein hl. Oswald. Der Hochaltar der Kirche mit dem Bildnisse des hl. Sebastian, wie er mit Pfeilen duchgeschossen wird, wurde ebenso wie der nördliche Seitenaltar, ein Marienaltar, vom Tischlermeister Matthias Radlingmayer aus Kalwang neu gemacht und in die heutige Gestalt gebracht. Die Weihe dieser neu gestalteten Altäre erfolgte am 8. September 1844. Matthias Radlingmayer war zu dieser Zeit auch Ortsrichter der Katastralgemeinde Kalwang; ihm gehörte das heutige Haus Nr.56 (Richter) in Kalwang. Zu Seiten des Hochaltares standen die Statuen der hl. Anna und des hl. Josef. Der südliche Seitenaltar zur hl. Familie ist mit reichem Laub- und Bandwerk verziert und trägt das Datum 1724. Er wurde von der Familie des Kalwanger Hammergewerken Scheuchenstuel der Sebastianikirche gewidmet. Zahlreiche Votivbilder schmücken die Kirche, so auch eines, welches den fuchtbaren Brand des Jahres 1725 zeigt, bei welchem der heutige Pfarrhof und viele andere Gebäuden des Ortes ein Raub der Flammen wurden. Einige Votivbilder lassen auch die damalige Ausdehnung Kalwangs deutlich erkennen oder zeigen die damaligen Trachten der Bevölkerung. Das schöne Rokoko-Kirchengestühl der Sebastianikirche stammt aus dem 18. Jahrhundert. Im Jahre 1895 wurden zwei wertvolle Rokoko-Beichtstühle von der Sakristei und aus einer Rumpelkammer der Sebastianikirche weggenommen und in den beiden Kapellen der Pfarrkirche des Ortes aufgestellt, nachdem sie vorher gänzlich zerlegt und repariert worden waren.

Die im Jahre 1669 in Kalwang gegründete Sebastiansbruderschaft trug besonders zur Förderung der Verehrung des Kirchenheiligen am Sebastianiberg bei. Aber auch die Marienverehrung dürfte in der Sebastianikirche zu Kalwang schon frühzeitig eifrig gepflegt worden sein. Dies bezeugt wohl ein schönes gestochenes Wallfahrtsbildchen aus dem Jahre 1626 in der Admonter Kupferstichsammlung, das die Kalwanger Pfarrkirche mit dem Sebastianiberg zeigt und darüber das Gnadenbild der dort verehrten Marienstatue und das Bild das hl. Sebastian aufweist. Ganz besonders nahm aber die Marienverehrung am Sebastianiberg zu, als im Jahre 1766 eine große Viehseuche im Liesing- und Paltentale zugrunde richtete und die Orte Kammern, Mautern, Kalwang, Wald und Gaishorn auf wunderbare Weise davon verschont blieben. Die Leute schrieben diese wunderbare Hilfe der Fürbitten Mariens vom Sebastianiberg zu. Von da an wuchs der Anruf zur Mutter Gottes am Sebastianiberg immer mehr. Alljährlich fanden nun Votivprozessionen der von der Viehseuche verschonten Gemeinden, mit Ausschluß Gaishorns, statt. Das veranlaßte auch ganz besonders die Kalwanger und Kammerer, Votivtafeln in feierlicher Prozession auf den Sebastianiberg zu tagen und dort aufzuhängen. Im Jahre 1866 wurde der 100. Jahrestag dieser wunderbaren Verschonung von der Viehseuche gefeiert, bei welchem auch die damalige Kalwanger Musikkapelle unter der Leitung des Kalwanger Schulmeisters Matthias Gorimorth (1823 – 1893) mitwirkte. Am Pfingstsonntag des Jahres 1916 kamen die Bewohner der Orte Mautern, Kammern und Wald auf den Sebastianiberg gezogen, wo sie sich mit den Kalwangern vereinigten, um das 150-jährige Gedenken dieses Ereignisses trotz des damals währenden 1. Weltkrieges festlich zu begehen.

Noch bis in die letzte Zeit fanden alljährlich an den Bittagen feierliche Prozessionen auf den Sebastianiberg unter großer Beteiligung der Bewohner von Kalwang, Wald, Mautern und Kammern statt. Geblieben ist in die jüngste Zeit noch jeweils am 2. Sonntag im September ein feierliches Erntedankfest der Pfarrgemeinde Kalwang in der Sebastianikirche. Dabei fehlte als kirchliche Besonderheit nie ein Opfergang mit vom Mesner der Kirche gegossenen Wachsvotiven. 22 dieser Wachsfiguren, Männer- und Frauengestalten, Heiligenfiguren, ein Wickelkind, sowie verschiedene Tierdarstellungen (Ziege, Lamm, Saubär, Kalbin, Kuh, Pferd), Bienenstock und Haus, aber auch eine schöne modellierte Hand, ein rechter Fuß und ein Augenpaar auf einer Standplatte wurden dabei geopfert. Die entsprechenden Holzmodelle, heute noch vorhanden, sind vielfach handwerkliche, ja sogar künstlerisch wertvolle Schnitzwerke. Fast alle sind schon sehr alt und können zum Teil nach dem Urteile von Fachleuten ein Vorbild des berühmten Admonter Barockplastikers Thaddäus Stammel nicht verleugnen (Kalbin, rechter Fuß). Nach dem feierlichen Erntedank-Hochamte und vor dem anschließenden Segen begaben sich die Gläubigen in die hinter dem Altar befindliche Wachskammer, um ein oder das andere dort aufbewahrte Wachsopfer auszuwählen, wobei sie dem Mesner ein kleines Entgelt gaben. Mit der gewählten Wachsfigur in der rechten Hand umschritten dann die Votierenden den Hochaltar und legten hierauf ihre Opfergabe auf ein bereitgestelltes, weiß gedecktes Tischchen. Nach dem Gottesdienst trug der Mesner die Wachsopfer wieder in die Wachskammer zurück.
Leider konnte in letzter Zeit auch das Erntedankfest in der Sebastianikirche mit den Wachsfiguren als Opfergaben nicht mehr gefeiert werden, da die Kirche bereits baufällig geworden war. Waren in früher Zeit Bergleute, Grubenbesitzer, Hammerherren, Hammerschmiede und Bauern diejenigen, welche diese Opfergaben am Sebastianiberg anläßlich der verschiedenen Festtage in der Sebastianikirche darbrachten, so blieben nach dem Aufhören des Kupferbergbaues in der Teichen im Jahre 1867 und nach der Stillegung der vielen Kalwanger Eissenhämmer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nur mehr die Bauern, aber auch viele Ortsbewohner übrig, die an den alten Opferbräuchen noch festhielten.

Außer den verschiedenen Erweiterungen und Änderungen an der Sebastianikirche hatte man im Laufe der Jahrhunderte manch größere Reparaturen an der Kirche durchgeführt. Zur Neueindeckung des Turmes im Jahre 1835 benötigte man 6000 lärchende Schindeln. 1842 erfolgte Reparaturen am Kirchendach; 1905 wurde die Bergseite und 1915 die Vorderseite des Kirchendaches neu eingedeckt werden. Das Stift Admont übernahm dabei die halben Renovierungskosten und den Rest bezahlte die Gemeinde Kalwang. Die Gemeinde Wald, Mautern und Kammern, die früher bei größeren Reparaturen stets mithalfen, leisteten diesmal keine Hilfe. 1929 erfolgte eine Renovierung der alten Orgel der Sebastianikirche durch den Orgelbaumeister Erwin Aigner aus Göß, welcher auch die fehlenden Zinnpfeifen ersetzte. Heute ist diese Orgel nicht mehr spielbar und müßte vollkommen restauriert werden.

Während des 1. Weltkrieges (1914 – 1918) mußte am 3. Oktober 1916 von der Sebastianikirche die größte und die kleinste Glocke abgenommen und zum Einschmelzen abgeliefert werden. Die große Glocke der Kirche war im Jahre 1728 gegossen worden, die kleine trug keine Jahreszahl, dürfte aber weitaus älter als die große gewesen sein. Auch die Pfarrkirche in Kalwang hatte im 1. Weltkrieg drei ihrer vier Glocken abliefern müssen. Sie erhielt als Ersatz Stahlglocken, welche die Firma Böhler & Co. hergestellt hatte (1918). Als die Pfarrkirche dann im Oktober 1924 wieder neue Glocken anschaffen konnte, kamen die Stahlglocken in den Turm der Sebastianikirche.

Zum ersten Male wurde im Jahre 1935 in die Sebastianikirche eingebrochen und vom Familienaltar eine barocke St.-Josef-Statue gestohlen. Der Dieb konnte nicht ausgeforscht werden. Ein 1937 abermals versuchter Einbruchsdiebstahl blieb aber erfolglos. Als am 31. August 1972 wieder in die Sebastianikirche eingebrochen wurde, konnten die Diebe etwa 20 Kunstgegenstände erbeuten, darunter zwei Engel- und Heiligenfiguren vom Hochaltar, sowie mehrere Figuren und Rahmen vom Familienaltar und das besonders wertvolle frühbarocke Altarfragment von 1634. Von den Tätern fehlt bis heute jede Spur. Um die verbliebenen wertvollen Kunstgegenstände vor weiteren Diebstählen zu sichern, verbrachte man alle aus der Sebastianikirche in den Kalwanger Pfarrhof. Die dem Verfalle preisgegebene und seit einigen Jahren nicht mehr benützte, leere Kirche macht nun einen trostlosen Eindruck.

Gegenüber der Sebastianikirche steht eine Kapelle aus dem 18. Jahrhundert, welche ursprünglich als Knappenkapelle diente, da damals auch die Stift Admontischen Bergknappen der Kupfergruben in der Teichen die Festgottesdienste am Sebastianiberg besuchten. Im Herbst des Jahres 1889 wurde diese ehemalige Knappenbruderschafts-Kapelle umgestaltet. Es wurde eine Lourdes-Statue von Stuffler aus Gröden in Tirol angeschafft, die Grotte selbst aus Kalktuff und mit schönen Tropfsteinen ausgeführt, sowie die ganze Kapelle vollkommen neu gestaltet. Auch die Quelle, die in der Kapelle ganz häßlich und verfallen herausfloß, wurde neu gefaßt. Ihrem Wasser spricht der Volksglaube eine gewisse Heilkraft bei Augenleiden zu, daher auch die Opferung von aus Wachs gegossenen Augenpaaren beim ehemaligen Opfergang in der Sebastianikirche. Die Einweihung dieser neu gestalteten Kapelle erfolgte am 27. Oktober 1889.

Um den gänzlichen Verfall der alten, historisch wertvollen Wallfahrtskirche am Sebastianiberg bei Kalwang etwas aufzuhalten, erfolgte vor einigen Jahren eine teilweise Neueindeckung ihres Daches im Bereiche des Kirchentürmchens. Eine eingeleitete Spendensammlung zur Erhaltung der Kirche machte es möglich, im Jahre 1979 eine Sanierung der Außenfassade und des Kirchendaches durchzuführen.

Renovierung 1969 – 1971

Über die letzte Renovierung berichtet die Pfarrchronik:

>>In Jahre des Heils 1971, im 7. Jahr des Pontifikats Paul VI., im 3. Jahr unseres Bischofs Johannes Weber, im 15. Jahr des Abtes Koloman Holzinger, im Todesjahr des Pfarrers P. Erenbert Haidinger, der 43 Jahre als Pfarrer in Kalwang wirkte und 3 Jahre als Pensionär mitarbeitete, am 5. August, dem Feste Maria Schnee, wird dieser kurze Bericht in der Turmkugel deponiert. Im Sommer des Jahres 1969 wurde das Innere der Kirche durch Restaurator Wilhelm Grabner aus Kindberg mit seinen Mitarbeitern renoviert; Kosten: 450.000 Schilling.<<

Neue Bänke lieferten der junge Tischlermeister Erdkönig aus Kalwang. Kosten: 50.000 Schilling.

Im Jahre 1970 wurden sämtliche Altäre, Seitenkapellen, Statuen, Bilder und Stukkaturen renoviert. Kosten: 400.000,– Schilling. Die Kreuzkapelle wurde vom Amt für Denkmalpflege wiederhergestellt. Im Sommer des Jahres 1971 wurde die Kirche von der Firma Hüttenbrenner durch ihre Mitarbeiter Steinegger, Vretscha, Schurz, Lux, Galler, Holzer eingerüstet und neu verputzt.

Die Dachdeckerarbeiten führte Herr Heinrich Gragl von der Firma Lenhardt, Leoben, ganz allein durch, der auch die Kugel reparierte. Handlangerdienste leistete dabei der Student Hannes Salvenmooser. Im Laufe des Jahres sollen noch die Fassaden der Kirche erneuert werden. Die Kosten dieser Arbeiten stehen noch nicht fest. Sie werden auf etwa eine halbe Million Schilling kommen.
Die Pfarrgemeinde hat bis jetzt durch freiwillige Spenden 140.000,– Schilling beigetragen. Alles andere hat das Stift Admont bezahlt. Die Pfarrgemeinde ist Abt-Präses Kolomann Holzinger zu großem Dank verpflichtet.

Die Planung und Bauführung lag in den Händen des Stiftsbaumeisters Rorauer.

Kalwang, 5. August 1971.

Pfarrkirchenrat: Dr. Stefan Szeless, Johann Pichler, Johann Eberhart, Franz Gruber-Hanf, Josef Fiausch, Richard Haberl.
Bürgermeister: Helmut Glabischnig.
Pfarrer: P. Bonifatius Benzig OSB.“

Bauernaufstand 1525

Die eigentlichen Ursachen der Bauernunruhen am Beginne des 16. Jahrhunderts sind vielfältiger Natur. Die finanziellen Anforderungen der Türkenabwehr, großwirtschaftliche Veränderungen der Marktlage, die Einführung des römischen Rechtes, welche zur Beschneidung der Gemeinderechte führte und nicht zuletzt die großen geistigen Umbrüche des 16. Jahrhunderts; dies ließ eine gärende Unruhe entstehen, die sich schließlich in der sozialrevolutionären Aufstandsbewegung der Bauern und Bergknappen Luft machte. Die fortwährenden Einfälle der Türken, sowie andere kriegerische Verwicklungen, die deshalb notwendige Befestigung der Burgen und Städte, die Besoldung der zum Kriegführen notwendigen Landsknechte und die Beschaffung der verschiedenen Kriegsausrüstungen verschlangen Unsummen von Geld. Die Grundherren wälzten aber alle ihnen deshalb auferlegten Steuern wieder auf die ihnen hörigen Bauern ab.

So sah sich auch Kaiser Friedrich III. (1440 – 1493), der in großen Geldnöten war, gezwungen, ganz besonders wieder die Bauern neuerlich zu bestaunen. Nach dieser umfassenden Landesauflage des Jahres 1471 musste >>jeder Freibauer einen Gulden, jeder auf einem ganzen Hof ansäßige Bauer 32 Pfennige, jeder, dem ein halber Hof zukam, 24 Pfennige, jeder `Lehner´ oder `Hubmann´ 12 Pfennige, ein jedes Weib die Hälfte ihres Mannes, ein Knab, eine Jungfrau, auch das Kind, `das von der Brust gespent ist´ 4 Pfennige, ein Dienstbote, Knecht und Dirn, Tagwerker oder Tagwerkerin 7 Pfennige, ein Handwerkerknecht 7 Pfennige, ein jeder `Zechmann´ oder Zunftgenosse in der Stadt, in Märkten oder auf dem `Gey´, das ist auf dem offenen Lande, 1 Gulden, ebensoviel jede Bruderschaft entrichten. Ein Schüler, der nicht bei Vater oder Mutter ist und über 14 Jahre alt ist, zahlt 7 Pfennige, ein Schüler unter 14 Jahren 4 Pfennige, ein Bettler oder Bettlerin 2 Pfennige<<.

Dieser Steuervorschreibung folgten bald wieder neuerliche Forderungen, die insbesondere die Bauern hart traf. Es war daher kein Wunder, dass damals geklagt wurde: >>O Got von Hymel, es wär Zeit, dass das krystleiche Swert dem Türkischen Sabel sein Schneydt nam. Nach dem Schaden war eyn gemeyns Geschrey undter den Pawern, dye Herren undt Laandtlewt tatten nichts zu solichen und sahen durch die Vinger zu verdachten etlich frum Herrn und Laandtsleut, sie hyelten Gehaim mit den Türkhen.<<
Es kam daher schon im Jahre 1478 im Ennstale und in Kärnten zur Bildung revolutionärer Bauernbünde. Die Lehre Martin Luthers fand bei den unter der Steuerlast und Knechtschaft ihrer Gutsherren seufzenden Bauern ein williges Ohr und so spielte bei den Bauernunruhen auch der Drang nach evangelischer Religionsfreiheit mit eine große Rolle. Die aufrührerischen Bauern fanden tatkräftige Unterstützung durch die agilen Bergknappen. Ihre gemeinsam in 12 Artikel zusammengefaßten Forderungen fanden in einer Druckschrift überall rasche Verbreitung; sie verlangten unter anderem: Freie Wahl der Pfarrer von Seiten der Gemeinden, Abschaffung von Ablaßtaxen, Verbesserung der Bauernrechte durch Abschaffung der Leibeigenschaft, allgemeine Teilnahme an Jagd und Fischfang, entsprechende Zuteilung von Wäldern, Herabsetzung der Steuern und Zinsen, Aufhebung der Frondienste, Unverletzlichkeit des Gemeindegutes, sowie des wohlworbenen Nutzrechtes in Weiden, Wiesen und Äckern usw. In allen vorstehenden Artikeln solle nur nach dem Worte Gottes und des Evangeliums verfahren werden.

Auch in unserem Tale fand diese Druckschrift weitest Verbreitung, obwohl sie von Erzherzog Ferdinand I. aufs strengste verboten worden war. Im Juni des Jahres 1525 griffen die Bauernaufstände, welche bald ganz Süddeutschland erfasst hatten, auch auf unser Gebiet über. Aufständische Bauern besetzten und plünderten die Kalwanger Kirche; nur mit Mühe konnten die Wertsachen und Urkunden gerettet werden. Das ganze Liesing-, Palten- und Ennstal, sowie das Eisenerzer Gebiet war in Aufruhr.
Da beauftragte Erzherzog Ferdinand I. – Bruder Kaiser Karls V. – der damals die österreichischen Länder regierte, den Landeshauptmann von Steiermark, Siegmund von Dietrichstein, den Aufstand niederzuwerfen. Er sollte mit einem Haufen Kriegsknechten und einigen Standesherren mit ihren Reisigen in der Obersteiermark die Ordnung wieder herstellen.

Die Bauern standen unter der Führung des Schladminger Bergrichters Gabriel Reustl.
Auf seinem Zuge durch das Liesingtal erreichte Dietrichstein über Kalwang mit seinen etwa 800 Söldnern den Schoberpaß, auf dem sich die Aufständischen des Liesingtales mit den Paltentaler Bauern vereinigt hatten. Am 17. Juni 1525 griff sie Dietrichstein mit seinen böhmischen und deutschen Knechten dort an. Er musste aber erleben, dass seine deutschen Fußknechte davonliefen, dass sogar die Fahnentäger die Fahne wegwarfen. Bald folgten auch die böhmischen Söldner, deren Hauptmann hart verwundet worden war, dem Beispiele der Deutschen. Dietrichstein selbst, auf seinem Rückzuge durch ein enges Felsental von feindlichen Steinwürfen verwundet und von unsäglichen Gichtschmerzen geplagt, war außerstande, trotz aller Bemühungen die Fliehenden zum Stehen zu bringen. Mit genauer Not konnte er noch die Rettung der Geschütze erreichen. Er musste bei einbrechender Dunkelheit über den Schoberpaß und Kalwang den Rückzug nach Ernau antreten. Dort erfuhr er eine neue Widersetzlichkeit seiner Söldner, welche sogar Miene machten, sich zu den Feinden zu schlagen. Er musste mit einem Extra-Schlachtsold ihre Forderungen befriedigen, um sich halten zu können.

Von Ernau aus sandte Dietrichstein dem Erzherzog Ferdinand (1521 – 1564) hierüber einen ausführlichen Bericht, in dem es unter anderem heißt:

>>… und zog denselben Tag den Ennstalern und Schladmingern entgegen bis gen Mautern, bracht die Bauern wiederum zum Gehorsam. Des andern Tages zog ich (Dietichstein) auf Gayssern (Gaishorn). Da hätten die Pauern zu sand Kunigund im Wald, einem natürlichen Engpasse, eine Landwehr (Verhau) gemacht, aber sie flohen davon bis Gayssern; und wie ich hin nachruckte, ….
da wurden drei Knappen gefangen und mir fürbracht. Die ließ ich von stundan von einander teilen, peinlich befragen und bekannten alle drei einheillig … wär ihr obrister Hauptmann (Reustl) mit 300 Mann zu Admont, die würden auch gleich kommen und ein Meil Wegs zu Trüben (Trieben) sollen XM (10.000) Pauern und Knappen zusammenkommen … Und als mir durch einen Diener angezeigt wurde, die auf den Berg verordneten (Hingesandten) lägen ob und stächen den Feind den Berg herab, da tät ich hernieden auch den Angriff … Aber wie die Feind ihr Geschütz abgehen ließen, fielen die teutschen Knecht … darnieder … Aber, als sich die Feind herausließen, … gaben ermelte Knechte die Flucht, ihr Vendrich (Fähnrich) warf das Vendl (Fahne) von ihme … So wurden aus den Behaimen (Böhmen) … bis in 14 erschossen, ihr Hauptmann hart verwundet; und der andern keiner wollte abschiessen, sondern wurden alle flüchtig.<<

Der gichtkranke, bei den oben geschilderten Kämpfen am Stainacherstückl von den Steinwürfen der Bauern hart getroffene Dietrichstein, wartete nun in Ernau auf Verstärkung. Diese erhielt er von kärntnerischen Adels- und Landherren. So verstärkt zog nun Dietrichstein abermals über den Schoberpaß den aufständischen Bauern im Ennstale entgegen. Die Rädelsführer der Bauern zu schinden und zu verteilen, ihre Anhänger zu bestrafen und deren Häuser in Brand zu stecken, so lautete der Auftrag, den ihm die Regierung erteilt hatte.
Rottenmann, Irdning und Schladming wurden von Dietrichsteins Söldnern eingenommen. Zu Schladming schloß er mit den Rebellen einen Waffenstillstand, wurde aber getäuscht und von ihnen gefangen genommen. Nachdem ein Knappe zunächst Dietrichsteins Tod durch Spießen verlangt hatte, da er auf seiner Expedition die Weisung der Regierung befolgt hatte, >>… mit spissen, schinten, viertaillen und aller grausamen straf<< gegen alle Hauptleute und Rädelsführer vorzugehen, damit die Bauernschaft erzitterte und erschrecke, und die Häuser der Anführer niederbrennen und abreißen ließ, wurde ihm aber nach Führsprache der Fußknechte ritterliche Haft zugebilligt.

Graf Niklas Salm kam mit über 2000 Mann dem Dietrichstein zu Hilfe und erschien am 22. September 1525 vor Schladming. Ihm gelang es nach blutigen Kämpfen, die Stadt zu erobern und Dietrichstein zu befreien. Er ließ das eroberte Städtchen Schladming dem Erdboden gleichmachen, die gefangenen Rebellen aber wurden aufgehängt. Schladming durfte erst im Frühjahre 1526 von den am Aufstande Unbeteiligten wieder aufgebaut werden; das Stadtrecht wurde Schladming anerkannt.
Am 15. Oktober 1525 hatte Graf Niklas Salm an die Regierung einen Bericht gesandt, in dem er auch mitteile, er sei, nachdem er die Ausseer und Sölker Aufständischen entwaffnet habe, über Rottenmann, Kalwang und das Teichenegg nach Eisenerz gezogen, wo er die Räderlsführer hängen ließ. Dann habe er Johnsbach niedergebrannt, das ein Stützpunkt der Aufrührer gewesen sei.

Kalwang war auch von diesen Geschehnissen doch sehr stark betroffen, wenn auch von direkten Kämpfen in Kalwang selbst nichts berichtet wird, da die aufständischen Bauern, die die Kalwanger Kirche besetzt und geplündert hatten, sich jedenfalls den Bauern zur Verteidigung des Schoberpasses angeschlossen hatten.
Das grausame Vorgehen Salms und Dietrichsteins hinterlißen bei den besiegten Bauern einen ungeheuren Haß. Dieser richtete sich auch ganz besonders gegen Klöster, Pfaffen und Grundherren. Während diese reich waren, in Saus und Braus lebten und schlemmten, musste der Bauer nach seiner Niederlage nun weiter fronen und schuffen.

Reformation und Gegenreformation

Schon im März 1523 erwirkte Erzherzog Ferdinand vom Papste Hadrian IV. die Erlaubnis, den dritten Teil (die >>Terz<<) aller Einkünfte aus Kirchengütern und Pfründen in seinen Erbländern auf ein Jahr gegen die Türken verwenden zu dürfen. 1525 hatte deshalb auch die Kirche zu Kalwang einen Teil der im Bauernkriege mühsam geretteten Kostbarkeiten dem Staate abzutreten.

>>Als sich die türkischen Heere im Mai 1529 gegen Ungarn und Österreich in Bewegung setzten, musste Ferdinand (damals König von Böhmen und Ungarn) abermals neue Geldmittel verlangen. Beim steirischen Landtag im Juni 1529 forderte er zusätzlich die sogenannte „Quart“ für die Landesverteidigung. Das bedeutete, dass die Kirche gegen das Versprechen der Wiederlösung durch den Landesfürsten nach Beruhigung der Zeitläufe und Aufhören der beschwerlichen Kriege, den vierten Teil ihres Gutes opfern musste, doch war gestattet, die Quart in Geld abzulösen.<<

Der Erzbischof von Salzburg brachte diese Angelegenheit vor den Augsburger Reichstag und legte Verwahrung ein gegen die dem Landesfürsten erteilte päpstliche Erlaubnis, diese Steuer von dem Kirchenvermögen zu verlangen. Infolgedessen wurde von den Gütern auswärtiger Prälaten nichts verkaufen. Als Käufer der Gülten und Güter der inländischen Prälaten traten Adelige und Bürger, die durch Bergbau und Handel reich geworden waren, auf.

Durch die Quart haben besonders die Mitglieder der Familie Hofmann im Ennstale ihren Besitz wesentlich vergrößert. Diese Familie hatte den Grund zu ihrem Reichtum und Ansehen zu Zeit Kaiser Friedrich III. (1440 – 1493) durch die Verwaltung der landesfürstlichen Maut zu Rottenmann und die Pflege des Landesgerichtes Wolkenstein (Wörschach) gelegt. Friedrich Hofmann, der Gut auf Gut und Gült auf Gült häufte, war zudem mit Margareta aus der reichen Familie Püchler verheiratet, die unter anderem auch das Schloß Grünbüchel bei Rottenmann besaß. Auch dieses Schloß ging auf Friedrich Hofmann über, dessen Nachkomme Hans Friedrich Hofmann der Ältere Ritter und Freiherr genannt wurde und in den Pfandbesitz des landesfürstlichen Schlosses gelangte, die nach einigen Jahren 1527 in sein Eigentum übergingen. Dieser Hans Friedrich Hofmann d. Ä., Freiherr zu Grünbüchel und Strechau, gelangte durch die Quart in den Besitz von Gütern der Klöster Kremsmünster, Rottenmann, Reun, Seckau und der Dominikanerinnen in Graz. Er stand bei König Ferdinand in großem Ansehen, wandte sich in einem späten Alter dem Luthertum zu und wurde Führer der protestantischen Partei. Er nahm auch als Vertreter der protestantischen Landstände am Reichstag zu Augsburg im Jahre 1547 teil. Im Jahre 1547 starb er. Sein Sohn Hans Friedrich Hofmann der Jüngere erbte seine Besitzungen. Dieses mächtige Geschlecht der Hofmann zu Strechau war zu Zeit der Reformation auch der Patron des Protestantismus im Liesing- und Paltentale.

Die Lehre Martin Luthers fand nicht nur bei den Adeligen und Bürgern unseres Landes viele Anhänger, sondern ganz besonders die Bauern, mit ihrer schlechten wirtschaftlichen Lage äußerst unzufrieden, wandten sich dem Protestantismus zu. So musste schon im Jahre 1528 ein beschhöflicher Visitationsbericht feststellen, dass in den Orten Kammern, Mautern, Kalwang und Wald viele Bewohner dem neuen Glauben zugetan waren. Eine gemischte geistliche und weltliche Kommission hatte bei der Bereisung in diesen Orten ein starkes Überhandnehmen des Protestantismus feststellen müssen. Der geistige Einfluß des Stiftes Admont war hier bereits stark im Schwinden. Zahlreiche lutherisch, evangelische Schriften fanden rasche Verbreitung und die Anhänger der neuen Lehre traten immer kühner gegen die geistlichen und weltlichen Vorgesetzten auf, wobei sie größtenteils die Unterstützung des Adels fanden.

In der Reformationszeit büßte das Stift Admont ebenso allen Einfluß auf die Kirche in Kalwang ein. Noch 1521 setzte der Abt nach dem Tode des Provisors Alexander Kaindorfer (Chundorff) den Bernhard Püchler, bisher Gesellpriester (Kaplan) in Kammern als Filialadministrator in Kalwang ein. Bei der Visitation 1544 erklärten sich die Zechleute (Bergleute) mit dem Vikar Johann Albsteig zufrieden. Aber 1566, als der Pfarrer von Kammern den Vikar Peter einsetzen wollte, gab der Kalwanger Richter Hans Lendschacher, ein Schneider, den Kirchenschlüssel nicht heraus, weil es der Herr von Dietrichstein auf Ehrnau so befohlen habe und weil Peter zu wenig gelehrt sei, das heißt, nicht im protestantischem Sinne predigte. Abt Valentin protestierte dagegen in schärfster Weise und bemerkte in seinem Schreiben: >>Der Schneider möge Hosen flicken!<<

Nahezu ein halbes Jahrhundert war der Einfluß Admonts ausgeschaltet. Die Vikare zu Kalwang predigten in protestantischem Sinne und besaßen Weib und Kind. 1564 – 1566 war Nikolaus Sibenhaller Vikar in Kalwang. Er wurde angezeigt, dass er den ganzen Tag fische. Sehr häufig fing er Streit an und wurde bei einem Raufhandel verwundet. Als ihn der Abt entlassen wollte, drohte er, den Pfarrer von Kammern umzubringen und den neuen Vikar auszubrennen. Er war verheiratet und hatte Kinder. Von Kalwang kam Silbenhaller nach Wald.

Im Jahre 1572 nahm die Gemeinde Kalwang den Viktar Ambros auf; er sollte die Sakramente außerhalb der Messe in deutscher Sprache spenden und die Kinder deutsch taufen. Dem immer mehr wachsenden Einfluß des Hans Friedrich Hofmann d. J., Freiherrn zu Grünbüchel und Strechau, war auch der Abt von Admont nicht mehr gewachsen. Hofmann, auch >>König des Ennstales<< genannt, setzte in Kalwang nach seinem Willen protestanitsche Geistliche ein und gab den Befehl, die Kommunion >>sub utraque specie<< (unter beiden Gestalten von Brot und Wein) zu spenden.

Der Abt von Admont kündigte im Jahre 1575 den Kalwanger Vikar Georg Grabner, aber dieser wollte nicht weichen und ließ den neuen Vikar Oswald Forstner nicht ein, der daher mit Weib und Kind durch vier Wochen im Gasthause leben musste und dann abzog.
Forstner verlangte Schadenersatz; Abt Lorenz jedoch wies den Bittsteller ab und wollte auch den Vikar Grabner absetzen. Da dieser aber Kalwang nicht verließ, ersuchte der Abt den Pfleger zu Ernau, Philipp Sittich, den Renitenten, wenn er nicht abziehe, gefangen zu nehmen. Grabner verließ darauf wohl den Pfarrhof, zog aber in ein Nachbarhaus, welches dem Herrn Hofmann auf Strechau gehörte und wirkte für dessen Leute als Vikar weiter. Der Abt beschwerte sich deshalb vergeblich bei Hans Friedrich Hofmann und wandte sich an den Erzherzog um Hilfe. Am 11. Februar 1576 forderte Erzherzog Carl den Hofmann zur Rechtfertigung auf und beauftragte den Abt, dem Hofmann´schen Pfleger zu Grünbüchel diesen Rechtfertigungsbefehl zu übersenden. Doch der Pfleger wies dem Boten samt seinen Briefschaften die Tür. Als der Erzherzog ein zweites Mal die Entfernung des Vikars Grabner aus Kalwang verlangte, schrieb Hofmann am 12. Juli 1576 an den Erzherzog: Er sei sich nicht bewußt, etwas in praejudicium des Abtes getan zu haben. Grabner sei noch als Pfarrer in Kalwang und halte sich gut in Lehre und Leben, aber der vom Admonter Abte eingesetzte Vikar sei mit einem fremden Eheweibe durchgegangen. Er habe daher Grabner als Seelsorger für seine eigenen Untertanen in Kalwang beibehalten. – Damit blieb nun alles beim Alten; in den nächsten 30 Jahren des 16. Jahrhunderts finden wir in Kalwang und Wald durchwegs evangelische Prädikanten, welche von der Familie Hofmann eingesetzt wurden.

Als 1579 eine Untersuchungskommission in Admont weilte, erklärte der Abt, Friedrich Hofmann habe die Kirchenschlüssel von Wald und Kalwang an sich genommen und setzte seine Prädikanten ein; der Abt sei machtlos. Erzherzog Ferdinand trug noch am 26. Juli 1595 der Pfarrmenning (Gemeinde) in >>Kheichlwang<< auf, den evangelischen Prädikanten zu entfernen. Das Schreiben des Erzherzogs hat folgenden Inhalt:
>>Wir Ferdinand von Gottes Gnaden Erzherzog zu Oesterreich, Herzog zu Burgundi, Steyer, Khärnten, Crain vnd Wierttemberg ect. Graue zu Tyrol vnd Görz etc. empietten N., den Zechpröbsten, wie auch der ganzen Pfarrmenig St. Osswaldts Khirchen zu Kheuchelwang des ersamen geistlichen vnsers lieben andächtigen Johann, Abbte zu Admondt Lehenschaft vnd Vogtey vnser Gnad vnd alles Guets. Wie vernemben nit ohne sondere Befrembdung, wie ir euch des Stiftes Admont Gerechtigkeit zuwider biss dato vndterstanden, vnserer wahren catholischen Religion widerwärtige Predicanten euers Gefallens zu Pfarrern aufzunehmen, jnmassen jr dann erst vnlangst widerumb ainen aufgenomben erhalten vnd also dem Pfarrer zu Camer das Einkhomben nunmer von ainer gueten Zeit hero entziehen sollet. Wann wir dann Solliches mit nichten zuegeben, noch dem Stift Admondt an seinem Jus vnd Freyhait dem alten Herkhomben zugegen was entziehen lassen wellen, so beuelchen wir euch allen sament vnd sonderlich hiemit ernstlich, das jr gemelten ganz vnbefugter Weiss aufgenomben vncatholischen Predicanten alssbaldt vnd weder benennten Prelaten zu Admont, noch seinen Leuthen in Einsözung aines ordentlichen Pfarers alda khainen Eintrag thuet, noch jme Pfarrer an Verrichtung seines Ambts ainiche Verhinderung oder Irrung zuefueget, sondern euch aller Beschaidenhait vnd schuldigen Gehorsambs verhaltet, beuor aber allen Vnrath, Vnwillen und Tumult verhuettet. Dann wir euch hiermit genädigst vnd vätterlich gewarnet haben wellen, jm Fall ainicher Vngehorsamb, Widersezligkhait, Aufwiglung oder Aufruhr gespürt vnd entstehen würde, solle Solliches sowol bei den Verbrechern selbst, als denjenigen, bey wellichen sich die Muetwiller aufhalten möchten, ersuecht vnd nach Gestalt der Verbrechung gestrafft werden. Darnach wisse sich nun Jeder zu richten vnd vor Schaden zu huetten. Es beschieht auch an Disem vnser entlicher Will vnd Mainung. Geben in vnser Statt Gräz den Sechsvndzwainzigsten Juli im fünff vnd neunzigsten.<<
Ad mandatum Serenissimi
domini archiducis proprium.
P. Casal

Diese Ermahnung des Erzherzogs hat trotz der schweren Strafandrohung keine rechte Wirkung gehabt, denn >>noch am 21. Dezember 1598 führt Pfarrer Friedrich Binder von Kammern Klage, dass zu Kalwang und Wald ihm die Kirchenschlüssel verweigert, die pfarrlichen Rechte vorenthalten und Prädikanten beherbergt werden.<<

Der Zustand der Klöster, Kirchen und Pfarren wurde immer zerrütteter, die Zahl der Klosterinsassen schrumpfte ständig mehr und mehr zusammen. Das Stift Admont zählte um 1550 nur mehr 14 Mönche. Selbst Abt Valentin Abel (1545 – 1568) neigte ebenfalls zum Luthertum und wurde deshalb abgesetzt. Abt Valentin unterhielt einen regen persönlichen Briefwechsel mit Martin Luther. Papst Gregor XIII. (1572 – 1585) Hatte mit Bulle vom 24. Februar 1581 die Einführung des verbesserten Kalenders in der Weise angeordnet, dass in diesem Jahre nach dem 4. Oktober gleich der 15. Oktober folgen solle, da man nach dem alten julianischen Kalender im Jahre 1582 bereits 10 Tage hinter der Sonne zurückgeblieben war, so dass das Frühlings-Aequinoctium (Tag und Nachtgleiche) auf den 11. statt auf den 21. März fiel.

Während die Katholiken diese Neuordnung annahmen, weigerten sich die Protestanten dagegen mit der Begründung, der neue Kalender sei ein Werk des Papstes, welcher der >>Antichrist<< (Teufel) sei. Daher wollten auch die Walder und Kalwanger von der Einführung des neuen sogenannten >>Gregorianischen<< Kalenders nichts wissen.

Erzherzog Karl begann 1580 bereits mit der Durchführung der Gegenreformation, die sein Sohn Ferdinand dann bis 1630 weiterführte. Die Gegenreformation wurde amtlich als >>die heilsame katholische Reformation<< bezeichnet. Der Adel hielt bereits überall auf seinen Schlössern lutherische Prädikanten. Wenn Klöster die Landschaftssteuer längere Zeit nicht reichen konnten, war eine ihrer Pfarren eingezogen und einem Adeligen überlassen worden, der die Schulden bezahlte und seine Prädikanten einsetzte. So hatte auch Hans Friedrich Hofmann auf diese Art die Pfarren Lassing, Liezen, Oppenberg, Kalwang, Mautern, Wald und Pöls überlassen bekommen. Daher versuchte nun >>die heilsame katholische Reformation<< gerade auch in diesen Pfarren den Hofmann´schen Einfluß zu brechen und diese Orte wieder katholisch zu machen. Die Bauern hielten aber niergends im Lande so zäh am Protestantismus fest, als gerade auf den ehemals Hofmann´schen Herrschaften.

Im Jahre 1598 erließ Erzherog Ferdinand II. (1590 – 1637) ein Dekret, wonach sich alle lutherischen Prediger (Prädikanten) sofort zu entfernen haben. Überall regte sich aber der stile und offene Widerstand gegen den Landesfürsten, als er die Prädikanten aus allen landesfürstlichen Gütern und den Vikariatspfarren auswies und alle lutherischen Bücher verbrennen ließ. Den landesfürstlichen Bürgern und Bauern wurde geboten, zur katholischen Religion zurückzukehren oder Hab und Gut zu verkaufen, den zehnten Teil des Erlöses abzuliefern und dann auszuwandern. Der protestantische Adel war dem Landesfürsten gegenüber machtlos. Schon waren einige entschlossen, das Land zu verlassen, als Ferdinand II. die Gegenreformation schonungslos durchzuführen begann.

In allen Teilen des Landes erschienen Reformationskommissionen, begleitet von vielen Bewaffneten und zerstörten die protestantischen Kirchen und Friedhöfe und verbrannten die vorgefundenen ketzerischen Bücher. Viele Bürger und Bauern wurden verhaftet und nach Graz gebracht, wo sie >>bekehrt<< werden sollten. Viele Evangelische wurden des Landes verwiesen. Um das zu vermeiden, traten auch viele scheinbar wieder zum Katholizismus über, hielten aber weiterhin heimlich am Luthertum fest und versammelten sich zu heimlichen Gottesdiensten.

Auch für die Obersteiermark wurde eine Reformationskommission zusammengestellt; sie bestand aus dem Admonter Abt Johann Hofmann, dem Probst Johann Muchitsch von Rottenmann, dem Freiherrn Andreas von Herbersdorf, dem Kammerrat Alban von Moßheim und dem Landespostmeister Friedrich von Paar. Mit einer Schar Soldaten zog diese Kommission, von Rottenmann kommend, auch nach Wald und Kalwang. Überall mussten die lutherischen Prediger der Gewalt weichen. Die Kommission setzte sogleich katholische Pfarrer ein und zwang die versammelten Angehörigen der Pfarrgemeinden, so ebenfalls in Kalwang, dem evangelischen Glauben abzuschwören. In Kalwang wurden zwei Galgen errichtet, die sollten den Kalwanger Protestanten eine drohende Warnung sein, dass sie als lutherische Rebellen eigentlich das Leben verwirkt hätten.

Am 20. November 1599 sandte der Admonter Abt dem Landesfürsten folgenden Bericht über den Erfolg der Reformkommission:
>>Und nachdem der im Waldt und zu Kheilbang gelegenen und beede mir Abbten von Admont zu meiner Pfarr Camern gehörige Filialkirchen … vill lange Jahr sectische Protestanten befunden, die aber jezo alberait hinweckh seindt, so haben wir in unseren Durchzug die Pfarrmennig eines jeden Orts erfordert, inen gleichermassen ain ernstliche Verweisung mir Eur Drchl. Straff gethan. Die Kirchenschlüssel von inen genommen, und neben solchen, sy zwo Pfarrmennigen, den Pfarrer zu Camern, so in Gegenwart gewest, in die Glüb, das sy ime für iren rechten Hierten und geistlichen Seelsorger erkhennen, und allen schuldigen Gehorsamb laisten, auch hinfiro ainicher Predicanten mehr einschlaipfen sollen, übergeben, und an jeden Ort ain offenes Mandat laut der Abschrifft T ausgefertigt, und zur Warnung zway Hochgericht (Galgen) aufstellen lassen.<<

Jeder musste dann dem evangelischen Glauben mit folgender Eidesformel aubschwören:
>>Beicht und Aid abgefallenen Christen oder neuwen Catholischen 1599; Ich armer elender Sünder … Name … bekenne Euch ehrwürdiger Herr Priester anstatt Gottes und der lieben Jungfraw Maria und aller lieben Heiligen, das ich nun so lang und soviel Jahr (als etwan seyn möchten) der verführerischen und verdämblichen gottlosen sectischen Lehr beygewohnet, und in solchen schrecklichen Irthumb gesteckt bin, auch in irren greulichen verdämblichen Sacrament nichts anders empfangen hab, als Beckenbrott, und aus dem Kelch nichts anders empfangen hab, als schlechten Wein aus dem Vass. Solchen greulichen Irthumb und verdamblichen, verführerischen Lehr entsag und versprich ich nimmer bey zu wohnen, so wahr mir Gott helff und alle Heiligen.<<

Hans Friedrich Hofmann wurde nun gezwungen, auch die Kirchenschlüssel von Wald und Kalwang herauszugeben; in beiden Orten setzte die Kommission einen katholischen Vikar ein.

Aus einem Bericht das Hasan Kuppitsch, Bannrichter in Steyr, erfahren wir, dass er bei der Durchführung der Gegenreformation beauftragt war, 15 verhaftete Evangelische, die sich der Kommission widersetzt hatten, nach >>Grätz<< zu überstellen; (zwischen dem 19. Oktober und 25. November 1599). In seinem Abrechnungsbericht führt er aus:
>>Und als mir von Rottenmann 15 gefangene Personen nach Grätz zu führen undergeben worden, und desselbigen Abents gen Gassern (Gaishorn) gelangt … hernach des Tages zum Fruemahl den 19. dits. Monats bin ich ferner zum Mittagmal nach Kohlwang sambt den obberürten Personen, dorthin abermals bezahlt … 3 Gulden 10 Kreuzer.<<

Um 1607 gab es noch immer scharfe Visitationen der Gegenreformation in der Obersteiermark. In vielen Pfarren, so u.a. in Kammern, Mautern, Kalwang und Wald waren noch viele halsstarige Bauern und Knappen, die den katholischen Glauben verunglimpften. Lutherische Lieder sangen, predigten und aus verbotenen Büchern vorlasen.

Der Kalwanger Pfarrer meldete noch 1615 nach Admont von Schwierigkeiten, die er mit den ungehorsamen Pfarrkindern habe. Im Jahre 1617 starb Hans Friedrich Hofmann d.J. Seine Nachkommen waren zufolge der Gegenreformation gezwungen, viele Güter zu verkaufen und wurden, weil einige Familienmitglieder an den böhmischen Unruhen teilgenommen hatten, durch kaiserliche Entschließung vom 27. Februar 1625 ihrer Lehens- und Erbämter verlustig erklärt. Herrschaft und Schloß Strechau und alle Eigentümer und Gülten wurden nach und nach veräußert. Stift Admont kaufte sie. Die Mitglieder der Familie mussten auswandern.

Die Gegenreformation brachte es auch mit sich, dass die evangelischen Besitzer der Eisenerzer Radwerke diese billig verkaufen mussten. Die Gewerken, die sich nicht bekehren wollten, mussten auswandern und einen katholischen Käufer suchen. Wenn die Frist zum Verkaufe auch wiederholt erstreckt wurde, so drückte das Angebot und die eingetretene Notlage im Eisenwesen des Preis. Trotz der grausamen Durchführung der >>heilsamen katholischen Reformation<< und des strengen Verbotes des evangelischen Glaubens, konnte in großen Teilen der Obersteiermark, wie auch im Liesingtale, der Protestantismus nicht gänzlich ausgerottet werden. Bis zum Jahre 1781 war in Österreich der evangelische Glaube verboten. Als in diesem Jahre Kaiser Josef II. mit dem Toleranzpatent den Protestanten das Recht einräumte, evangelische Gemeinden zu bilden, bekannten sich sofort zahlreiche Bauernfamilien offen als Protestanten, obwohl dieser Glaube seit 180 Jahren verboten war.

Schon 1782 kam es zur Gründung der evangelischen Gemeinde Schladming mit der Filiale Wald und Tauern. In St. Johann, in Hohentauern, im Liesingtal, im Liesinggraben und in der Melling bekannten sich viele Bauern zur Augsburger evangelischen Konfession. Die evangelischen Glaubensgenossen versammelten sich im Peterbauernhause in Unterwald, so ihnen der Prediger Johann Tobias Kießling aus Nürnberg Gottesdienst hielt.
Am 7. Juli 1795 erfolgte durch Zusammenschluß der evangelischen Filialen Wald und Tauern die Gründung der eigenen evangelischen Gemeinde Wald. Als Pastor übernahm Michael Schmal aus Schladming diese neue Gemeinde. Er kaufte 1795 das sogenannte Aichbergergut und erbaute dort ein neues, einstöckiges Pfarrhaus. Die Kosten bestritt der Pfarrer selbst. 1809 kaufte die evangelische Gemeinde vom verstorbenen Nachfolger des Pastor Schmal das ganze Aichbergergut, nachdem sie vorher nur das Bethaus und die Pastorenwohnung besessen hatte.

Als plötzlich im Jahre 1825 die bisherige Beerdigung der in Wald verstorbenen Protestanten auf dem katholischen Friedhofe von Wald behördlich verboten wurde, errichtete die protestantische Gemeinde auf dem Aichbergergute einen eigenen Friedhof, welcher am 3. Jänner 1826 eingeweiht wurde. 1829 erfolgte weiters der Bau einer größeren Kirche an der Stelle des alten unzulänglichen Bethauses. 1838 kann die evangelische Schule dazu. Im selben Jahr erhielt die Kirche eine Orgel. 1846 wurde sie gegen eine bessere ausgetauscht.

1850 bekam die Kirche einen Turm, da es zuvor den Evangelischen verboten war, einen Kirchturm zu errichten. Am 6. August 1847 kam Heinrich Johann Kotschy als Pastor nach Wald, welcher bis zum Februar 1905 die evangelische Gemeinde leitete. Seit der Gründung der evangelischen Gemeinde Wald betrauten deren Pfarrer nicht nur das Paltental und den Tauern, sondern ihr Gebiet reichte vom Semmering bis Tamsweg, sowie von Bruck bis zum Pyhrnpaß. Von 1905 bis 1945 wirkte verdienstvoll Pfarrer Friedrich Hochhauser in Wald, der am 5. März 1948 starb. Ihm folgte sein Sohn, Theodor Hochhauser, als Pfarrer, der noch heute als solcher in Wald tätig ist.
Anfangs des 20. Jahrhunderts erfolgte eine neue Einteilung der evangelischen Pfarren.

Als Kaiser Josef II. im Jahre 1786 ein eigenes katholisches Bistum Leoben gegründet hatte, gehörte die katholische Pfarre Kalwang zu diesem Bistum; doch bereits schon 1859 erfolgte wieder die Auflösung des katholischen Leobner Bistums. Es wurde wieder der Diözese Graz-Seckau einverbleibt.

Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass im Jahre 1837 viele Evangelische ihres Glaubens wegen aus dem Zillertal in Tirol verwiesen wurden mit der Begründung, das Toleranzpatent des Jahres 1781 habe für Tirol keine Geltung. Viele Zillertaler wanderten nach Schlesien aus, zahlreiche evangelische Familien fanden aber Aufnahme bei ihren Glaubensgenossen im Liesinggraben und am Tauern. Familiennamen wie Stock, Rahm, Schiestl, Kolland u.a. gehen auf solche Zillertaler Einwanderer zurück.

Berg- und Hüttenwesen in und um Kalwang

Im Liesingtale mag zuerst Kammern mit seinen Burgfesten das Mittelalter hindurch dominiert haben; das Liesingtal hieß ja bis ins 18. Jahrhundert hineien >>Kamertal<<. Als aber die Burgfesten von Kammern in Ruinen sanken, kam die Zeit für Kalwang, dessen Kupfergruben das kleine Dorf bald zum >>goldenen Kallwang<< erblühen machten. Das große, einst zu Kalwang bestehende Kupferbergwerk und die im ganzen Tale entlang im Betrieb gewesenen Hammerwerke trugen dazu bei, den Wohlstand der Bevölkerung zu heben. >>Kallwangs Bedeutung beruhte aber auch darin, dass es Poststation an der sogenannten Salzstraße war, dass ein Fahrweg längs der Teichen nach Eisenerz führte und dass an diesem Bache Kupfer gefunden wurde. Die Kallwanger brachten Salz und Lebensmittel nach Eisenerz und nahmen mindere Eisensorten als Rückfracht mit (schon vor 1417), kauften aber auch in Leoben Eisen eine, das dann in Kallwang selbst oder in seiner nächsten Umgebung ausgeschmiedet wurde.<<

Über den Bestand eines Kupferbergwerkes in der Teichen besitzen wir schon aus dem 15. Jahrhundert Nachrichten. Das vorherrschende Gestein war Kupferschwefel und Magnesitkupfer und etwas Arsenkies. Gelegentlich fand sich im Feldspalt, Quarz und Schiefer sogar gediegenes Kupfer, das rindenartig oder gekörnt war. Manchmal umschloß wieder der Kupferkies den Eisenkies. Die mittlere Mächtigkeit betrug 30 Zentimeter, einige Fachleute schätzen dagegen das Vierfache. Schwierigkeiten boten zahlreiche Verwerfungen und Abbiegungen der Erzgänge.

Im Jahre 1500 wurde die Bergwerke bereits in Verwaltungssprengel zusammgengefaßt und dem Oberstbergrichter in Ober-Vellach unterstellt. Sie waren in vier Gruppen eingeteilt; der vierten Gruppe gehörte auch Kalwang an. Zur Zeit Kaiser Maximilian I. wurde ein Silberbergwerk in Kalwang verzeichnet; ebenso fand sich Kupfer in Kalwang. In Radmer und Johnsbach gab es zur selben Zeit gleichfalls schon Kupferbergwerke.

Das mächtige Stift Admont, Bürger und Handelsherren aus Mautern und Salzburg teilten sich mit Ortsansässigen in den Besitz der Kupfergruben in der Teichen. Die erste Erwähnung eines Kupferbergwerkes in Kalwang (Teichen) fällt in das Jahr 1469; gewonnen wurde Kupfer, Schwefel und Vitroit; nach verschiedenen Angaben fand man in der kurzen Teichen auch Gold.

Um 1505 erstattete der Bergrichter Hans Rueland seinen Bericht über das Bergwerk zu >>Kheylwang<< und erwähnt auch bereits die Gewinnung von Schwefel und Vitriol. In der Bergordnung des Königs Max (ddo. Innsbruck, 10. Jänner 1507) wird einer Eisenstätte mit einem Feuer im Besitze des Stiftes Admont ebenfalls Erwähnung getan.

Am 25. Juni 1469 befahl Kaiser Friedrich III. dem Verwesamte in Aussee, dem Bürger zu Mautern, Wolfgang Reuter, mit dem nötigen Gelde zu versehen, >>zur Schmelzung des Fronerzes, so von dem Kupferbergwerke zu Keilwang gefallen ist.<<

Erwähnt wurde schon ein Säumerweg längs des Teichebaches, der nach Eisenerz führte. Über diesen Weg kam schon im 14. Jahrhundert Rauheisen nach Kalwang, wo es in den bestehenden Hammerwerken abgeschmiedet wurde. Im Jahre 1314 bestanden in Kalwang bereits mehrere Eisenhämmer, so der Höllhammer in der Teichen, einer in der Not bei Kalwang (in der Nähe des heutigen Jagdschlosses am rechten Liesingufer), zwei Deutschhämmer in Wald und der Walchenhammer in Mautern.

Am 10. Februar 1501 erließ Kaiser Maximilian I. zwei besondere Weisungen: strenge zu wach, dass auf den >>Wallaschhämmern<< in Kalwang und Wald, sowie im Kamertale, die aus sogenannten Waldeisen gemachten Fabrikate durchaus nicht in Gestalt und Form des Leobnereisens geschmiedet und geschnitten, dass solches sogleich untersagt, und jede dem ungeachtet betretene Ware sogleich >>confisciert<< werden solle. Es war auch streng verboten auf dem Wege über das Teichenegg von Eisenerz anderes Eisen als die sogenannten Proviantsorten zu beziehen. Unter >>Proviantsorten<< versteht man mindere Sorten, wie >>Graglach und Waschwerk<<.

In Jahre 1499 zinsten folgende 6 Hammerwerke des Kalwanger Gebietes der landesfürstlichen Herrschaft Kammern (Ernau und Kammerstein): >>Hans Vatter vom Hammer und Streckhämmerl, Jörg Reischberger, der Besitzer des Hammers in der Not (Notfeldhammer) bei Kallwang, Reuners Erben vom Hammer, Peter Hammerschmied vom Streckhammer im Hagenbach, Hans Schmied von Schmiede und Hämmerl.<<Alle hatten also an die Herrschaft in Kammern eine Abgabe zu leisten, und zwar zinste der Hammer drei ungarische Gulden, ein kleiner Hammer aber 32 bis 40 Pfennige. Damals, 1499, wurden die Hämmer schon dadurch bedroht, dass die Wälder der Teichen für die Radmeister am Erzberge vorbehalten wurden. Die Regierung erklärte alle Hochwälder als landesfürstliches Gut.

Da bei dem Schmelzprozeß des Eisenerzes riesige Mengen von Holzkohle verbraucht wurden, waren die Wälder um den Erzberg bald abgeholzt. Man musste daher jenen Teil der Arbeit, der vom Berg unabhängig war, da war das Ausschmieden des Roheisens, von ihm weg in waldreiche Gegenden verlegen. Die Schmelzhütten oder >>Blahhäuser<< – der Name ist für 1389 erstmals beglaubigt und rührt daher, dass man in ihnen Erz zum Rauheisen >>blähte<< – blieben am Fuße des Erzberges, die >>Hämmer<<, in denen aus dem Roheisen der >>geschlagene Zeug<< hergestellt wurde, wanderten ab in Wasser- und waldreiche Täler, also auch nach Kalwang und in seine Umgebung. Die Beschaffung der Holzkohle bereitete große Schwierigkeiten. Um diesem Mangel einigermaßen abzuhelfen, wurden die Wälder einer strengen Aufsicht unterzogen. Ein >>Waldmeister<< überwachte die Wälder. Zu seinen Aufgaben gehörte es auch, jene Wälder auszuzeigen, die geschlägert werden durften. So hängen mit dem Bergbau die Anfänge einer geregelten Waldwirtschaft auf das engst zusammen. Die Vordernberger Werke litten immer unter Schwierigkeiten der Holzkohlenbeschaffung, daher auch ihr Bestreben, die ausgedehnten Waldungen der Teichen nutzen zu können.

Die Hammerwerke erzeugten aus Roheisen Sensen, Sicheln, Harnische, Messer, Schwerter, Bleche, Draht und Nägel. Die umwohnenden Bauern und Köhler, Hammerarbeiter und Fuhrleute, aber auch die Kaufleute verdienten und lebten von diesen Hammerwerken.
Seit 1182 hatte Leoben das Recht der Eisenniederlage. Es musste daher das Roheisen in Leoben zum Verkaufe angeboten werden. Das Roheisen für die Hammerwerke im oberen Liesingtale kam aus Leoben, Donawitz oder Trofaiach. Deshalb das strengst Verbot, über das Teichenegg anderes als minderes Eisen direkt nach Kalwang zu bringen.

Aber nicht nur die Beförderung des Roheisens zum Hammerwerk, sondern auch die Eisenbeförderung vom Eisenhammer weg musste streng nach dem bis zum Jahre 1781 geltenden Maut- und Zollsystem durchgeführt werden. Das verursachte große Kosten. So musste das von den Hammerwerken in Kalwang ausgeschmiedete Eisen bei seinem Transport zu den Eisenhändlern nach Salzburg und Süddeutschland in Rottenmann vermautet werden. Das verteuerte natürliche die Eisenwaren und behinderte den Handel. Es wurde daher versucht, dieser Mautstelle auszuweichen und sich so die Mautgebühr zu ersparen. Schon in der Mitte des 15. Jahrhunderts umgingen Kaufleute aus Salzburg, Steyr und Schwaben die Rottenmanner Maut, indem sie das zu Kalwang und bei verschiedenen Eisenhämmern im Liesingtal gekaufte Eisen „über den Tietmannsperg und an der ungewöndlich strassen“ in das Admonttal fuhren. Kaiser Friedrich III. (1440 – 1493) benachrichtigte daher in einem Schreiben im Jahre 1449 (L.A. Urk. Nr. 6208a) den Richter, Rat und die Bürger zu Rottenmann, dass er dem Abte von Admont befohlen habe, dies abzustellen. Auch habe er den Hammerschmieden zu Kalwang den Eisenverkauf verboten, da die Kaufleute von Styr zu Eisenerz, die anderen Kaufleute aber zu Leoben oder Rottenmann das Eisen einkaufen sollten. Den Rottenmannern aber befahl er, bei Nichteinhaltung seiner Anordnungen solches Eisen zu beschlagnahmen. Der Landesherr, der den zehnten Teil des geförderten Eisens erhielt, hatte durch die verschiedenen Mautstellen aus dem Eisen erhielt, hatte durch die verschiedenen Mautstellen aus dem Eisen noch weitere reiche Einkünfte. Auch Rottenmann war ja eine landesfürstliche Mautstelle.

Im Jahre 1539 gab es fünf wälsche Hämmer in der Teichen: >>Jakob Hasler einen zu Kalwang und einen auf der Teichen (Rinnerhammer); Hans Glaser (Vorderhammer) baut dazu einen Zerrenhammer; Hans Kainisch hatte den Hammer in der Kaiserau<< – er befand sich in der Nähe des heutigen Hauses Hautz-Klingler in der Teichen -, >>Leonhard Strecker, Sebastian Holl besaßen den Hollhamer, Peter Schragl den in der Klaus, Magd. Handl den in der Mühlen, Peter und Michael Zechner an der Liesing (Weiller) und am Hagenbach<<.

>>Deutschhämmer<<: Wasserkraft bewegt die Blasbälge und hob den Hammer, welcher den Stahlkern der Maß von der Weicheisenhülle trennte, das Roheisen in das >>geschlagene<< umwandelte und die Maß in zwei Halbmaße teilte.

Seit etwa 1430 wuchs die Schmelztechnik und damit die Größe der Maße; sie erreichten das schon im 16. Jahrhundert geltende Normalgewicht von 6 Zentnern 60 Pfund. Die alten Deutschhämmer genügten bald nicht mehr. Den Stahl und die wertvollen Weicheisensorten bearbeiteten die großen, langsam gehenden >>Wällischen Hämmer<< und die leichten und schnellen >>Streck- und Zainhämmer<<. Der Name >>Radmeister<< tauchte im Jahre 1439 zum ersten Male auf.

Ein schwerer Schlag für Kalwang war der Brand von 1595, bei dem alle Häuser >>mit dem Hausrat und der Barschaft verprunnen<<. Doch der Ort erholte sich bald davon. Der Hammerherr Kaspar Schüttenkopf erbaute nach 1595 das >>Mandlhaus<<; er hatte sich in Kalwang als >>Radmeister<< niedergelassen.

Im Jahre 1625 bestanden acht Hammerwerke in Kalwang, eines in der Au und eines am Hagenbache. Von den Kalwanger Hämmern besaßen Kaspar Schüttenkopf und Mert Gauggus je zwei, je eines Christoph Schwärzl, Mert Fürst, Sebastian Stainberger und Hans Neumayer; den Hammer in der Au hatte Benedikt Seidl, jenen in Hagenbach der Leobner Bürger Paul Wankhammer inne.
(Verzeichnis der Hammermeister v. J. 1625; Archiv Nechelheim.) Im Jahre 1643 stand es nach dem Urbar der Herrschaft Ernau (Stockurbar 27. Landesarchiv) schon bedenklich. Veit Weinkreitl ließ den Blechhammer feiern, der Streckhammer drohte dem Mangel an Kohle zu erliegen. Dieses Schicksal schien auch dem Wällscher Hammer in der Not (Mert Gauggus) bestimmt; der des Gstettner war bereits in eine Schmiede umgearbeitet worden.

Gleichwohl erhielten sich einige Gewerkenfamilien noch bis ins 18. und 19. Jahrhundert hinein. Alte Besitzer von Hammerwerken, die auch schon 1499 erwähnt werden, waren Süß, genannt Pumandl, Gößl, Rakher, Fierer und Penkh in der Au.
Trotz der Tätigkeit der Waldmeister nahm der Raubbau an den Wäldern, besonders auch in der Teichen, immer mehr zu. Um dem zu steuern, setzte Kaiserin Maria Theresia im Jahre 1754 eine Waldbeschreibungskommission ein, die die Aufgabe hatte, die Wälder der Obersteiermark in >>mit Stock- oder mit Raumrechten<< ausgestattete Wälder einzuteilen. Wälder mit Stockrecht waren nach der Schlägerung sofort wieder aufzuforsten. Bei Wäldern mit Raumrecht war es gestattet, Brände anzulegen und Vieh zu weiden. Es erfolgte dadurch eine strenge Trennung von Wald und Weide. Da es aber weiterhin zu Mißständen in der Forstwirtschaft kam, erließ Maria Theresia im Jahre 1767 zusätzlich eine Waldordnung für das Land Steiermark, um den immer stärker zunehmenden Holzmangel entgegenarbeiten zu können. Mit dieser Waldordnung war ein weiterer Schritt für eine planmäßige Forstwirtschaft getan. Erst im Ende des 19. Jahrhunderts verringerte sich mit dem durch die technische Entwicklung bedingten Rückgang des Holzkohlenbedarfes die Gefahr des forstlichen Raubbaues durch die Köhlerei.
Zur Zeit Maria Theresias besaß die Radmeister Communität zu Vordernberg einen Zeughammer und mehrere Häuser nebst Bauerngüter in Kalwang.

Die Kalwanger Hammerherrengeschlechter

Zahlreiche Hammerherrengeschlechter spielten schon im 16. und 17. Jahrhundert eine bedeutende Rolle im wirtschaftlichen Leben Kalwangs. Erst mit dem Niedergang der Eisenhämmerindustrie nahm der Einfluß dieser Geschlechter ab und trug wesentlich zum wirtschaftlichen Rückgang des Ortes Kalwang bei. Viele Namen tauchen schon in alten Urkunden als Besitzer von Hammerwerken in Kalwang auf, doch ist es kaum möglich, näheres über diese Hammerwerksbesitzer zu erfahren.

Martin (Mert) Fürst besaß 1625 das Hammerwerk Kaiserau in der Teichen. Er selbst bezeichnete sich als Bürger und Hammerherr zu Kalwang. Sein Sohn Johann Fürst erwarb noch den Hammer am Ainbach bei Knittelfeld. Er starb 1650 und hinterließ einen Sohn namens Martin. Anton v. Pantz teilt mit, dass Martins Nachkomme, Johann Leopold Fürst, sich aus Verzweiflung über die Verwüstung seines Besitzes und des Hammerwerkes im Jahre 1781 erschoß. Johann Leopold war mit Josefa Murmayr verheiratet. Nach seinem Tode übernahm seine Witwe Josefa als Erbin die Hammergewerkschaft Ainbach. Sie heiratete in zweiter Ehe den Josef Benedikt Pangg aus der alt eingesessenen Kalwanger Gewerkenfamilie, welche damit in den Besitz von Ainbach gelangte. Ainbach wurde jedoch schon 1790 an Josef Wieninger verkauft.
Georg v. Lamp wird 1562 als Hammerherr in der Teichen genannt. Er stammte aus einem Brucker Geschlecht.

Martin Weidinger, der 1535 starb und einem Rottenmanner Bürgergeschlechte entstammen dürfte, hinterließ einen Sohn Hans v. Weidinger. Dieser wird seit 1550 als Ratsbürger und Radmeister in Innerberg (Eisenerz) genannt. Im Jahre 1551 hatte er einen Eisenbau in Innerberg erschlossen, für den ihm die Gefälle erlassen wurde. Gefälle waren bestimmte, an Grund und Boden haftende Lasten, die von dem verpflichteten Grundbesitzer an den grundherrlichen Berechtigten in Naturalien oder Geld als Zehenten, Handlohn, Gülten und Grundzinse verschiedener Art abzutragen sind. Als Weidinger in eine bedrängte wirtschaftliche Lage kam, erhielt er von Kaiser Ferdinand I. eine Geldunterstützung. Er betrieb auch einen Kupferbergbau in der Teichen, für welchen er eine Fronbefreiung auf 4 Jahre erlangte. Fron waren Dienstleistungen, welche Besitzer bestimmter Liegenschaften zu erbringen hatten. Nachdem er sein Radwerk in der Schollnitz bei Eisenerz verkauft hatte, zog er nach Kalwang, wo er noch 1589 lebte.

Kaiser Ferdinand bestätigte Sebastian Gößl im Jahre 1547 einen Kaufbrief: >>… für unser Erben und Nachkhombben, unseres Ambts Kcheichelwang zu unser Herrschaft Chamerstein gehörig, mit Namen Sebastian Gößl und allen seine Erben, unsern Hamer, bekannt der Reunerhammer in der Teichen, mit aller seiner Zubehör, davon man dieser Zeit Inhalt unsers Urbars zu bemelter Herrschaft Khamerstein jährlich dient .. drey ungarisch Golden oder vier Pfund, ain Schilling, sechs Pfennige …<<

Im Jahre 1594 hatte Benedikt Seidl einen Übersetzungsantrag für seinen Streckhammer von der Teichen an den Liesingbach gestellt, welcher aber abgelehnt wurde. Schon im Jahre 1559 gab es eine Beschwerde wegen einer Kohlholz-Vorenthaltung in der Teichen.

Im steirischen Landesarchiv wird das handgeschriebene Rechenbuch der Hammerschmiedin Ursula Neumayerin zu Kalwang aufbewahrt. Sie war eine Verwandte jener Barbara Neumayer, die mit dem Kalwanger Gewerken Mert Gaugus verheiratet war. Die Tochter Anna des Mert Gaugus wieder ehelichte den Gewerken Hans Grueber, von dem später noch die Rede sein wird. In einem großen Band sind 221 Blätter der Aufzeichnungen der Hammerschmiedin Ursula Neumayer über verschiedenste geschäftliche Begebenheiten in der Zeit zwischen 1590 und 1621 gebunden gesammelt. Sie bilden eine Fundgrube von Namen ihrer Geschäftspartner in dieser Zeit und geben Zeugnis von der Vielfalt der Geschäftsbeziehungen zu Bauern, Holzmeister usw. Es finden sich darinnen Namen wie Jakob Perdiller zu Kalwang, Schwarzer am Lissing, Peter Stälpacher auf der Liesing, Elisabeth Neumaierin, Wirtin zu Trieben, und viele andere mehr. Ihre Geschäftsverbindungen reichen weit über Kalwang und seine nähere Umgebung hinaus.
Nach einer Urkunde vom 14.11.1600 verkauft Mathees Schwaiger zu Kheilbang Hans Neumair, Hammermeister daselbst, den Streckhammer in der Teichen. Im Jahre 1618 verkauft Ursula Neumaierin, Witwe und Hammermeisterin in Kalwang, dem Hammermeister Martin Gauggus zu Kalwang einen Acker in Liesingau. Am 24.12.1622 verleiht Kaiser Ferdinand II. der Ursula Neumayr einen Streckhammer, den Pfluegsberger Hammer, an der Teichen bei Kalwang gelegen, zu Kaufrecht.

Im Jahre 1564 ersucht Abt Valentin von Admont um die Bewilligung, in der Teichen ein Eisenwerk errichten und das Werk von Johnsbach in die Kaiserau (Teichen) verlegen zu dürfen. Er weist in seinem Schreiben auf das Eisenvorkommen in der Teichen hin und erwähnt ganz besonders die großen Wälder in der Teichen, welche den Betrieb eines Eisenwerkes gerade dort sehr begünstigen. In diesem Eisenwerk sollt „geschlagenes Zeug“ hergestellt werden.
(L.A. Urk. 1564, I, 16, OBA Leoben, Schub. 80 Nr. 12 und Urk. 1564, I, 12, OBA Leoben Schub. 80, Nr. 7).

Aus einem am 21.10.1635 ausgestellten Lehrbrief ist zu entnehmen, dass damals in Kalwang Hanß Reinpacher, Hanß Mayer und Damian Khern als Hufschmiede ansäßig waren. (L.A. Urk. 1635, X.21).

Ahnentafel der letzten Freiherren von Ziernfeld

Georg Joachim Maria Elisabeth Josef Thüen Anna Maria
Anreiter von Barbolani + 1758 (1786?) geb. Damm
Ziernfeld x Nußmair, + 1780
1711 – 1757

Leopold Maria Anna Maria Thüen
Freiherr v. Ziernfeld 1745 – 15.3.1813
14.11.1746 – 1816

Joachim Freiherr v. Ziernfeld Theresia Edle von
1771 – 16.2.1849 (Graz) Priebelnig und Ehrenberg
1782 – 1836

Otto, der letzte Freiherr von Ziernfeld
1812 – 8.7.1881 (Graz)

Der Kupferbergbau in der Teichen bis 1867

Die Zeit bis zum Jahr 1867

Neben den Hammerwerken brachte besonders auch der Kupferbergbau in der Teichen dem Orte Kalwang Verdienst und Wohlstand. 1563 wird Hans Weidinger erwähnt, der in diesem Jahre für seinen Kupferabbau in der langen Teichen eine Fronbefreiung auf vier Jahren erhielt. Später bauten die Schragl Kupfer in der Teichen ab. Besonderen Anteil am Kupferbergbau in Kalwang hatte aber das Stift Admont, das auch in anderen Orten nicht nur Kupferbergwerke besaß, sondern ebenso Gold, Silber, Eisen und Salz förderte. Dem Historiker des Stiftes Admont, Pater Jakob Wichner, verdanken wir umfangreiche Aufzeichnungen über die stiftischen Bergbaubetriebe und damit auch über den Kupferbergbau in der Teichen. Im Jahre 1891 erschien seine Arbeit über das „Kloster Admont und seine Beziehungen zum Bergbau und zum Hüttenbetrieb“, dem nachstehende Angaben entnommen sind. Wichner stellt seiner Abhandlung den alten Bergmannspruch voran:
„Das Bergwerk will haben Verstand
und eine treue Hand.
Wer das Bergwerk will bauen,
muss Gott und dem Glück vertrauen.“

Einleitend schreibt er: >>Im Admonttale, zu Johnsbach, zu Zeiring, Schladming, in der Walchen, zu Kalwang, selbst am salzburgischen Fritzbache war der admontische Krummstab die Wünschelrute, welche Gold, Silber, Eisen, Kupfer und Salz aus den Eingeweiden der Erde zu heben versuchte. Unsere alten Bergleute haben auf Gott vertraut, und ihr Vertrauen wurde durch reichen Erfolg belohnt. Sie haben auf Glück vertraut, aber dieses war ihnen nicht immer günstig.<<
In der kurzen Teichen wollte 1582 der Salzburger Bürger Wolfgang Khraft auf dem Grund eines admontischen Bauern eine Schmelzhütte errichten. Die landesfürstlichen Kammerräte zu Graz unterstützten dieses Vorhaben, denn durch das neue Werk werde das Kammergut befördert und die „Population im Lande“ gemehrt. Der Abt Johann IV. Hofmann sprach dagegen seine Bedenken aus; das Stift habe in der Teichen nun zwei Untertanen, die übrigen seien Holden des Hofmann zu Strechau. Das Holz lange nur für zwei Untertanen und für die Hammermeister in Kalwang, auch sei nach vielen Erfahrungen zu besorgen, dass der Rauch des Schmelzwerkes die Weiden beschädige. Diese Vorstellungen halfen nichts. Khraft baute seine Schmelzhütte und nahm das Holz aus den stiftischen Waldungen. Im Jahre 1585 war der Abt schon genötigt, den Khraft zum Ersatz des dem stiftischen Untertanen an seine Wiese zugefügten Schadens zu ermahnen. Der Schwefelrauch hatte seine verderblichen Wirkungen gezeigt.
Im Jahre 1587 bezog die Landschaft um 180 Gulden Schwefel aus Kalwang. Oswald Hueber zu Kalwang ersuchte im Jahre 1607 den Abt Johann um das nötige Holz für einen Bergbau in der Teichen, den er leitete und der den Gebrüdern Stainhauser zu Salzburg gehörte.
Mit dem Abte Raimund Baron Rehling (1659 – 1675) trat neues Leben in die stiftischen Bergbauunternehmungen. Am 7. Juni 1663 verlieh der Bergrichter Matthäus Weissenberger dem Stift zwei Grubenrechte in der kurzen Teichen, welche beide Kupferkies und Gelberz zeigten. Das erste, besagt die Urkunde, liegt >>am Spanberg unterst des alten Aufschlags bey St. Blasio und haist alda der Haubtbau bey St. Reymundt, deme in First und Sollen 20 Claffter … und baiderseits mit sein angehörigen 4 in allen 8 Lechen verphlokht worden sein. Der Sollphlockh sol genennt werden bei St. Christof. Das andere Grubenrecht bei der hh. Dreifaltigkeit ligt in des Mitteregger Grund, von welchen First abermalen 20 Claffter in die Solle abgewogen worden sein, daselbst ain Phlockh geschlagen und bei St. Lorenz genent worden, baiderseits auch … gegen Morgen 4 und Abent 4 Lothen oder Schnier gezogen.<<
Dazu kamen die nötigen Annexen (Zubehöre), als >>Schitpichel, Wasserflüß, Hitschleg, Pucherstat und Kholplaz.<<
Bald trat der Abt mit Weissenberger und Mathias Kessner in Companie zur Ausbeutung anderer Erzadern in jener Gegend. Am 1. Jänner 1664 erkaufte das Stift die Anteile des Weissenberger. Dies war der Anfang des stiftischen Kupferwerkes in Kalwang, welches bis zum Jahre 1846 dem Stifte gehörte.
Um 1660 erfolgte durch ein kaiserliches Patent die Zuweisung der ausgedehnten Waldungen in der Umgebung von Kalwang an das Stift Admont; ebenso von Wäldern in der Liesing. Seit dieser Zeit war auch die >>Reisjagd<< in den Händen der Admonter Pfarrherren. Der Kalwanger Pfarrherr P. Thomas Bederlunger (1760 – 1849) war der letzte >>Reisjäger<<. Heute erhalten noch die Pfarrherren als Ersatz dafür von der Herrschaft Liechtenstein Wilddeputate.
Im Jahre 1664 übernahm der Abt die Pulferlieferung für die Landschaft und zahlte dasselbe mit Kupfer aus Kalwang. Das meiste Kupfer ging nach Salzburg für die erzbischöfliche Messingfabrik und Münze. Die Ausfuhr dahin betrug 1665 75 Centner, 1666 134 Centner und 1667 100 Centner. Der Preis war pro Centner 34 ½ fl. (Gulden). Im Jahre 1665 lieferte man nach Graz 30 Centner. Als Verweser zu Kalwang wirkten 1666 – 1669 die Stiftspriester Maurus v. Tumersfeld und 1670 – 1675 Rochus Schroz.
Zur Ableitung der Berggewässer musste ein >>hundert Klafter<< langer Stollen geführt werden. Zu Zwecken seines Bergbaues erwarb der Abt 1667 das Schüttenkopfhaus (den heutigen Pfarrhof) als Handelshaus.
Am 25. Juli 1668 erfolgte der Durchschlag eines neuen St. Raimundstollens.
Leider stand Abt Raimunds bergmännische Tätigkeit nicht im glücklichen Verhältnis zu dem finanziellen Erfolg, so dass der Abt folgende Aufzeichnung machte: „Auf die Pergwerch und zwar auf Kallwang seyn mit dem Gebeu und Pergarbeithen aufgegangen 20.000 fl. Bey den Edlergraben in Verlust gegangen 12.000 fl. In Schladming Schaden 10.000 fl. (1670).“
Die oberste Leitung sämtlicher Bergwerke der Abtei führte vom Jahre 1675 an der Stiftskapitular Theophil v. Oedenstein. Den Löwenanteil an allen Stiftsbauten nahm Kalwang in Anspruch. Als Verweser in Kalwang finden wir 1675 – 1678 P. Roman Vucovic, 1678 – 1693 Ambrosius Zeiringer, und 1693 – 1699 den Laienbruder Jakob Poden.
Im Jahre 1681 wurde um 37.000 fl. Kupfer nach Salzburg abgeliefert. Ein Herr Math in Regensburg bezog für 2.882 fl. Kupfer und nach Linz ging Schwefel um 140 fl.
>>Die Verproveantirung des zahlreichen Werkspersonals (im Jahre 1685 zählte es 240 Köpfe) nahm aber auch bedeutende Summen in Anspruch. So lieferten die Breuner´schen Herrschaften Ernau und Kaisersberg an Weizen 1.300 Viertel á 1 fl. und an Roggen 2.000 Viertel á 5 Schilling. Auch für Wein wurde die Werkskasse ins Mitleid gezogen; 1674 wurden dafür 1.926 fl. verausgabt. Am Florianifest floß der Wein in Strömen.<<

Im Jahre 1684 wurde im stiftischen Handelshaus in Kalwang die jetzt noch bestehende St.-Barbara-Kapelle gebaut. >>Seit dem eine Reihe anderer Patronate zukommen, zur klar bevorzugten Patronin der Bergleute. Eine wesentliche Rolle spielte dabei ihre Funktion als Schützerin gegen einen plötzlichen Tod, der den Bergmann stets bedrohte. Als solche gehört sie auch zur vielverehrten Gruppe der Vierzehn Nothelfer. Ein weiteres Motiv für ihr Bergbau-Paronat liefert die Legende, die erzählt, dass sich bei ihrer Flucht aus dem Turm ein Fels wunderbarer Weise geöffnet habe. Unmittelbar nachdem sie vom eigenen Vater enthauptet worden war, tötete diesen ein Blitzschlag, welches Ereignis wohl mit den Anknüpfungspunkt lieferte zu ihrem Patronat über die Artilleristen, Feuerwehr und alle, die mit Sprengmitteln zu hantieren haben, die Mineure, Steinbrucharbeiten usw. All das zusammen hat die ansteigende Beliebtheit Barbaras als Bergwerksheilige unterstützt.<<

Hingewiesen sei auf die nicht unbeträchtliche Zahl der Barbara Darstellung in verschiedenen Kirchen und Kapellen des Bergbaugebietes um Eisenerz. Besonders erwähnt sei in diesem Zusammenhang nochmals das Votivbild in der Sebastianikirche zu Kalwang, die hl. Barbara als Schutzmantelmadonna mit den knieenden Bergknappen darstellend. (1. Hälfte d. 18. Jhdt.). Die beim Kupferbergbau in Kalwang beschäftigten Arbeiter gründeten eine St. Barbara-Bruderschaft und diese schloß 1691 mit dem Ortspfarrer einen Gottesdienstvertrag. Zu allen Quatemberzeiten sollen zwei Messen, eine rote und eine schwarze, gelesen werden. Stirbt ein Hauer, Schmelzer, Röster, Bergzimmermann, Vitriolsieder, >>Schwebelfacher<<, Schmied, >>Truchenlaufer<< oder Wasserhaber, sind für die Bestattung 2 fl. zu entrichten.
Im Jahre 1686 kaufte Abt Adalbert Heufler v. Rasen die Bergwerksanteile des Matthäus Weissenberger am Mitteregg und Schattenberg. Nach einem Bericht des Weissenbergers vom Jahre 1692 wurden zu Kalwang von 1662 bis 1686 12.480 Chr. rotes feines Kupfer im Schätzwert von 449.280 fl. aufgebracht.
Abt Adalbert erwarb im Jahre 1690 vom Vordernberger Radmeister Georg Christoph Schragl die Stegmühle am Oberlauf der Liesing, in der Nähe von Unterwald, mit zwei welschen, einem Zerrenhammer und vier Streckhämmern samt Grundstücken und Wäldern. Heute sind von dem alten Stegmühlgebäude in Unterwald nur mehr einige Mauerreste zu sehen. Schon im Jahre 1719 verkaufte Admont (Abt Anton v. Meinsberg) die Stegmühle an den Leobner Eisenverleger und Gewerken Josef Gasteiger um 11.000 fl., allerdings unter Vorbehalt der herrschaftlichen Dienste an Strechau. Bereits 1763, nachdem die Familie Sulzer von 1742 – 1763 die Stegmühle besessen hatte, kaufte sie Abt Matthäus Ofner von dem in Konkurs geratenen Carl Ignaz Sulzer um 29.000 fl. wieder zurück. 1846 kam die Stegmühle in den Besitz der Vordernberger Radmeister Kommunität und der Betrieb der Gewerke wurde von dieser dann aufgelassen. Die Vordernberger waren nur daran interessiert, wegen des drückenden Holzkohlenmangels näher gelegene Waldungen in ihren Besitz zu bringen!

Abt Gottfried III., Baron Gold zu Lampoding, brachte 1702 in seinem und aller Kupferbergwerken des Landes Namen ein Majestätsgesuch ein. Seine Majestät habe 1699 auf das in fremde Länder auszuführende Eisen, Blei, Kupfer und Stahl einen Aufschlag gelegt, die innerösterreichische Hofkammer habe aber 1700 denselben bezüglich des Eisens und Stahles wieder aufgehoben; für Kupfer und Blei soll aber der Aufschlag gefordert werden, weil die landesfürstliche Kommission der Meinung sei, dass diese neue Auflage >>beeden dieses Metalls Commercio, noch dem Landt oder bono communi nit schödlich seye.<< Dieser Ansicht müsse er im Namen seiner Mitgewerken entgegentreten. Die Erfahrung habe gelehrt, dass der Kupferhandel ins Ausland völlig aufhöre, und das inländische Bergwerk sistiert werden müsste, wenn der Aufschlag in Permanenz bliebe. Jeder Gewerke habe in dem Betrieb des Werkes große Summen stecken und speziell sei für das stiftische Werk Kalwang ein Kapital von 160.000 fl. verwendet worden. Unglücksfälle, wie durch Wasser, Feuer, plötzliche Abschneidung der Kupferadern (wie ja das Werk Kalwang vor einem Jahr durch Brand gelitten), können plötzlich den Ruin herbeiführen. Das Anlage- und Betriebskapital der Kupferwerke verzinse sich kaum mit 3 Prozent, durch den Aufschlag vermindere sich die Verzinsung noch mehr, Holz und Kohle zu den Werken werden, weil seltener und entfernter, auch immer kostspieliger. Je tiefer man in den Kupfergruben arbeitet und arbeiten muss, desto mehr wachsen die Kosten. Das Getreide für die Arbeit komme ich höher zu stehen, müsse denselben aber zum alten herkömmlichen Preis abgegeben werden. Würde man diesen und anderen Ausfall durch erhöhte Preise des Kupfers beim Verkaufe ins Ausland hereinzubringen suchen, so verliere man die fremden Kaufleute, welche in den neuen Kupferwerken Sachsens, Preußens und anderen Länder dann ihren Bedarf decken werden. Zu Kalwang habe vor drei Jahren ein notgedrungener neuer Durchschlag über 20.000 fl. gekostet. Zwar sei für Kalwang vor zwei Jahren auf 8 Jahre die Hälfte der Fron nachgelassen worden, aber durch den Aufschlag werde diese Wohltat illusorisch. Die Erhebung der Bergleute zu Kalwang, zu Schladming und im Edelgraben haben über 20.000 fl. in Anspruch genommen; das Geld habe man mit 5 Prozent aufnehmen müssen und sei dadurch in Schulden geraten. Jetzt sei nur Kalwang noch im Betrieb und würde der Aufschlag ferner bestehen, müsste das Stift und alle Gewerken jede Lust zu ferneren Bauten verlieren.
Über den Erfolg dieser Vorstellung ist aus den alten Akten nichts mehr zu erfahren.

Als Verweser zu Kalwang erschienen 1699 – 1701 P. Franz Staindler und 1701 – 1737 P. Edmund v. Scheuchenstuel (1687 – 1741); P. Edmund war gleichzeitg Pfarrer in Kalwang. Hans Pirchegger erwähnt in seiner >>Geschichte der Steiermark<<, dass kurz vor 1718 ein Teil der Werksgebäude des Kupferbergwerkes zu Kalwang abbrannte und dass 1725 das stiftische Handelshaus (jetzt Pfarrhof) mit anderen Gebäuden ein Raub der Flammen wurde. Ein Votivbild in der Sebastianikirche erinnert an diesen Brand.

Die Ausfuhr des Kupfers ging nach verschiedenen Gegenden. Von Kalwang wurden 418 Ctr. nach Salzburg dirigiert; dahin kamen 1722 über 340 Ctr., 1723 312, 1724 292, 1726 96 und 1797 382 Ctr. Kalwanger Vitriol bezog 1718 Nicodemus Forster aus Steyr und Schwefel ein Herr Dietmayr in Scheibbs. In den Jahren 1722 – 1723 stand Admont in Geschäftsverbindung mit dem Handelshause (in Nürnberg) Vatterin, welches neben Eisen und Stahl auch Kalwanger Vitriol abnahm. Es mag wohl Kalwanger Kupfer gewesen sein, aus welchem 1726 drei Statuen für den Frauenberger Kalvarienberg gefertigt worden sind.

Im Abteiarchiv Admont (unter der Nr. F 76/4) findet sich ein Lieferschein für den Handelsführer Hans Hillmayr über die Lieferung von Kalwanger Kupfer an den Admonterhof in Graz, für die Messingfabrik Frauenthal, datiert Kalwang, 10. März 1740; auch Eintragungen über Mautzahlungen sind darauf angeführt. Unter der Eintragungen über Mautzahlungen sind darauf angeführt. Unter der Nr. F 76/5 besitzt das Archiv des Stiftes Admont noch einen Lieferschein zur Verflössung von Kalwanger Kupfer. Lieferschein wieder für Hannß Hillmayr und Lorenz Perger über die Lieferung von Kalwanger Kupfer nach Leoben an den Floßmeister Ignaz Steindl zu Leoben zur Verflössung nach Graz, Admonterhof, für die Messingfabrik Frauenberg, datiert Kalwang, 12. April 1740.
Die Kupferausfuhr nach Salzburg erreichte 1728 274 Ctr., im Jahre 1729 163 Ctr. Ein Teil gelangte an die Messingfabrik zu Reichraming. Kalwanger Schwefel ging auch nach Scheibbs.

In den Jahren 1736 – 1737 erlitt das Bergwerk Kalwang großen Schaden durch Wassergüsse. Dies bewog den Abt, ein Bittgesuch um 15jährige Fronbefreiung an den Kaiser zu richten. Das Wasser habe zu Kalwang alle Schlachten, Wehren und Brücken zerstört; die Schmelzhütte habe bei zehn Wochen feiern müssen und die 200 Knappen wurden statt in den Stollen 120 Klafter tief getrieben. Auch im Hopfgarten sei ein neuer Bau im Beginne.
1741 stieß man im Josefistollen auf einen >>Sturz<< (Verwerfung oder Abbiegung), wo plötzlich das taube Gestein begann. Man grub 76 Meter, um die Ader wieder zu finden, traf jedoch nur unregelmäßige Spuren.
An die Messingfabrik zu Frauenthal gingen 1740 über 150 Kupfer. Im Jahre 1745 war der Kostenaufwand zu Kalwang über 300.000 fl.

Das Amt des Verwesers bekleidete in Kalwang 1740 – 1760 P. Irimbert v. Gastheimb. (Auch Pfarrer in Kalwang)!
In den Jahren 1750 – 1756 wurden erzeugt 4.096 Ctr. Vitriol.
Nach einem Bericht des Oberbergrichters Ferch vom Jahre 1747 vermittelte das Werk Kalwang seinen Bedarf an Sprengpulver durch Tausch gegen Schwefel. Von Windischgarsten bezog es 30 Ctr. á 27 fl. Die Frongebühren betrugen in den Jahren 1719 – 1751 nach Abzug der zweiweiligen Befreiung 56.006 fl.
Vom Jahre 1756 liegen 7 Grubenpläne vor. Nach diesen bestanden damals folgende Stollen zu Kalwang; St. Adalbert, Oswald, Edmund, Magdalena, Blasius, Anton, Raimund, Johannes, Benedikt, Barbara und Mariahilf. Im. St. Josefstollen hatte der >>Zwerchschlag<< eine Länge von 295 Klafter. Im Jahre 1769 erteilte der Oberbergrichter Melchior Lindegg zu Licanna dem Abt Matthäus Ofner die Belehung zum Bergbau vom Ursprung beider Bäche in der langen und kurzen Teichen längs ihren Ufern bis zur Schragl´schen Hammerbrücke.

Von der Leon´schen Drahtfabrik in Wien erfolgte 1769 die Anfrage, ob Kalwang an sich jährlich 100 Ctr. Kupfer oder mehr zu liefern in der Lage sei. Nach Rechnungen der Jahre 1774 – 1776 stellte sich bezüglich des Betriebsertrages ein bedeutendes Passivum heraus. Im Jahre 1774 war die Erzeugung an Kupfer 514 Ctr. 75 Pfd., Schwefel 100 Ctr., Vitrol 167 Ctr. Verschleißwert des Aufgebrachten 28.884 fl. Die Betriebskosten enthalten die Rubriken: Lechen- und Stollhäuer, Hutmann (=Grubenaufseher), Bergzimmerer, Schmied, Führer, Schwefelfanger, Vitriolsieder, Sackzieher, Hundestosser, Scheider, Siebsetzer, Holzknechte, Köhler, Baumaterialien, Salarien, Pulver, Beleuchtung, Schwund im Getreidekasten, Naturalpreisverluste, Verweshaus, Kupferaufschlag und Prätension des Oberbergrichters. Summe der Kosten = 30.425 Gulden.

Im Jahre 1775 Produktion 391 Ctr. Kupfer, 119 Ctr. Schwefel und 82 Ctr. Virtrol. Verkaufswert 21.536 fl. Auslagen 30.585 fl. Im Jahre 1776 Erzeugung 476 Ctr. Kupfer, 96 Ctr. Schwefel und 151 Ctr. Vitriol. Einnahmen 26.666 fl.

Es ergibt sich daher in diesen Jahren ein Verlust von 15.000 fl., dem nur das moralische Verdienst gegenübersteht, durch drei Jahre vielen Menschen Brot verschaft zu haben.

Im Jahre 1777 erteilte das k.k. Oberbergamt Eisenerz dem Werke Kalwang die Schürflizenz auf Kobalt in der Stub- und Schönalpe. Verweser zu Kalwang waren 1760 – 1788 P. Bartholomäus Harl (gest. 25.08.1788) und 1788 – 1804 P. Salesius Dillinger. Von den übrigen Beamten des Werkes sind noch zu nennen Paul Ignaz Peyrer, Bergschaffer, Markscheider und Kontroller 1790 und Josef Harl, 1792, Bergschaffer.

Auch im Mießbachgraben bei Wald schürfte 1793 das Stift auf Kupfer und Blei. Ebenso sprechen die Admonter Akten von eine Steinkohlenbau bei Kammern im Jahre 1792.
Im Anfange des 19. Jahrhunderts wird noch berichtet von einer sonderbaren Art der Bestrafung für unordentliche und widerspenstige Bergleute; dieselben wurden im Grubenhaus >>in den Block gespannt.<<

Von 1804 – 1814 fungierte Franz Sales Harl als Bergverwalter und Josef Harl als Bergschaffer.
Im Jahre 1808 waren folgende Gruben im Betrieb: in der langen Teichen der Gotthardi-Erbstollen, der Edmund- und der Frauenbergstollen; in der kurzen Teichen der Mariahilf-, alte und neue Sebastians-. Barbara-. Benedikts- und Josefstollen. Dazu kam ein Hoffnungsbau im Puchgraben.

Aus 19.570 ¾ Ctr. Roherzen gewann man 381 Ctr. 44 ½ Pfd. Kupfer. Der vorzüglichste Abnehmer war die Stift Seitenstettner Messingfabrik zu Reichraming.
In den Jahren 1809 – 1811 finden wir Carl Schroeckenfuchs als Kontollor. Die Produktion des Jahres 1810 bestand in 300 Ctr. Kupfer, 200 Ctr. Schwefel und 140 Ctr. Vitriol im Gesamtwerte von 79.300 fl. Im Jahre 1811 hatte man den Josefistollen über 260 Lachter eingetrieben. >>Lachter<< ist ein altes deutsches Bergmaß vor der Einführung des metrischen Systems für Grubentiefen. Als Meßwerkzeug diente eine geölte Lachterschnur von 10 – 12 Lachter Länge. 1 Lachter = etwas größer als ein Klafter; Klafer = ein altes deutsches Längenmaß, ursprünglich die Entfernung zwischen den Fingerspitzen eines Mannes, dessen Arme seitlich horizontal ausgestreckt sind. In Österreich-Ungarn galt bis Ende 1875 die Wiener-Klaft = 189,65 cm.
Der Schwefelofen fasste 2000 Ctr. Kies. Die Zahl der Arbeiter war 150. In den Jahren 1811 – 1843 stellte sich ein Verlust von 44.281 fl. heraus.

Im steirischen Landes-Archiv in Graz befindet sich eine Handschrift mit dem Titel >>Geognostische Bemerkungen über das dem Stifte Admont angehörige Kupferbergwerk zu Kallwang im Brucker Kreis in der kurzen und langen Teüchen liegend.<< Sie umfasst 26 handgeschriebene Seiten und befasst sich in einem eingehenden Bericht mit dem Kalwanger Kupferbergbau. Diese Handschrift ist leider mit keinem Datum versehen, doch dürfte sie der Schrift und ihrem Inhalte nach, in das erste Viertel des 19. Jahrhunderts einzuordnen sein.
Sie gilt einen umfassenden Einblick in die Arbeiten und Einrichtungen des Kupferbergbaues in der Teichen und ist in folgende 14 Abschnitte gegliedert:
1. Vom Grubenbau; (hier werden ganz besonders erwähnt: Barbara-. Theresia-, Sebastiani-, Benedicti-, Blashsii- und Raimundi-Stollen).
2. Allgemeine Beschreibung des Kupfererzvorkommens
3. Vond er Aufbereitung der Erze über Tags.
4. Von der Poch- und Schlammanipulation
5. Von der Ausschwefelung der Schwefelkieße
6. Von der Röstung der Mittelerze
7. Von der Vitriolerzeugung
8. Von Probieren der abgeheilten Erze
9. Von den Kupfer- und Schmelzhüttenwerkern
10. Die Hocharbeit
11. Von der Verröstung der Leche
12. Von Rostdurchstechen oder der Anreicherungsarbeit
13. Von der Schwarzkupferarbeit
14. Das Gaarmachen des Schwarzkupfers.
Der letzte Abschnitt schließt u.a. mit folgender Betrachtung:
>>Der Bedarf an Holz und Kohle wird zum Theil durch eigene Holzleute aus eigenthümlichen Wäldern beigeschafft, meistens aber von fremden Parheien erkauft, davon bei 800 Stück 2 Lachter langes Grubenholz von verschiedener Dicke, 280 Lachter Scheiter, und 30.000 Faß Kohl jährlich verbraucht …<<
Die große Konkurrenz von diesem Betrag mit den benachbarten Eisenhämmern, und die häufigen Eingriffe auswärtiger Gewerken, die für außerordentliche Geldsummen von den Parheien die benachbarten Wälder auf Stock aufkaufen, hindern bei diesem Werke ein größeres Aufbringen und nachdem schon dermal fast jährlich auf einige Zeit aus Mangel an Kohle die Hüttenwerke außer Betrieb gesetzt werden, so ist es für die Zukunft, wenn dem Eingriffe fremder Partheien in die hiesigen Wälder bei dem Umstand, wo die hiesigen Werker selbst nicht hinlänglich mit ihrem Kohlbedarf von dieser Gegend bedeckt sind, keine Grenzen gesetzt werden, die Aussicht an hinlänglichen Brennmaterial sehr mißlich, und in einem Zeitraum nach 10 Jahren eine starke Hemmung im Betriebe der Werker zu gewärtigen.

Das Arbeitspersonal bei hiesigen Werkern beläuft sich auf 150 Köpfe; worunter auch die Säuberjunker und Weiber, die zur Scheidung verwendet werden, begriffen sind. Sie werden alle mit natural Fassung in einen bestimmten, wohlfeilen Werth vom Werke versehen und erhalten darüber jeden Monath entweder nach Geding, oder Schichtenverdienst, ein nach ihrer Arbeit verhältnismäßiges Freigeld.

Die Arbeitsschicht ist in der Grube auf 8 Std. über Tags und die Leitung der Geschäfte wird ausschließlich allein vom Oberbeamten, in Karakter eines Bergverwalters besorgt, wozu dermalen 2 Unterbeamte zur Aushilfe beigegeben sind.
Diese Handschrift ist im Landes-Archiv unter der Nummer 530 (2266) Pap., 2°.26 BII. XIX zu finden.

Am 11. Septemer 1813 gab es in Kalwang eine arge Überschwemmung. 70 Häuser des Dorfes waren überflutet. Der angeschwemmte Schotter in den Gassen des Ortes lag so hoch, dass man seit dieser Zeit fast bei allen alten Häusern des Ortes beim Hauseingang einige Stufen hinuntergehen muss, denn man war nicht in der Lage, die vielen angeschwemmten Schotter- und Lehmmengen wegzuräumen. Beim Bergwerke wurden zwei Schmelzöfen, zwei Kohlenmagazine, mehrere Fluder, Brücken und Wege zerstört. Die üblen Folgen für das Bergwerk blieben nicht aus, denn im Jahre 1814 wurde auch wegen Holzkohlenmangel längere Zeit kein Kupfer erzeugt, und die Vitriolgewinnung war gering.
Da das Kalwanger Kupferbergwerk für das Stift Admont keinen wirtschaftlichen Erfolg mehr aufwies, wollte das Stift das Bergwerk an das Stift Seitenstetten verkaufen. Stift Seitenstetten betrieb ja eine Messingfabrik in Reichraming und konnte daher Kupfer gut verwenden. Es kam am 12. Jänner 1815 jedoch bloß zu einer Verpachtung an das Stift Seitenstetten. Der Pachttermin wurde auf zehn Jahre festgelegt und später bis zum Jahre 1842 verlängert. Punkte des Vertrages waren: Admont erhält 7 Prozent vom aufgebrachten Kupfer. Vom Kupfer wird die Fron abgezogen. Der Bergbau soll nach bergmännischen Grundsätzen geschehen und seien neue Erzmittel durch Auslenken, Abteufen und Aufbrechen zu erzielen. Die Kosten von Bauherstellungen an den Werksgebäuden, wenn selbe 100 fl. übersteigen, trägt Admont. Elementarschäden am unbeweglichen Gute treffen den Pachtgeber. Die letzten Punkte waren für Admont ungünstig. Nach den Rechnungen verging kein Jahr ohne Baukosten über 100 fl. So kostete 1821 die Wiederherstellung des Poch- und Waschwerkes 2.053 fl., die Reparaturen der durch Hochwasser beschädigten Gebäude, Brücken und Wege 1.352 fl. Im Jahre 1832 stürzte die Schwefelkammer ein; der Schaden betrug 2.500 fl.

Die Bergverwaltung führte 1817 – 1839 Josef Harl. Die Produktion war im Jahre 1818 210 ½ Ctr. Kupfer, 70 ½ Ctr. Schwefel, 60 Ctr. Vitriol. Vom Jahre 1824 339 ½ Ctr. Kupfer, 99 ½ Ctr. Schwefel, 112 Ctr. Vitriol. Vom Jahre 1829 liegt ein Befund (Gutachten) des k.k. Salinenverwaltungsadjunkten Layer vor. Nach demselben ist die Mächtigkeit der Erzgänge im Durchschnitt ein Schuh. Kies gibt pro Ctr. 11 Pfund Kupfer, Mittelerz 1 ½ Pfd., Stuferz (weiches Gelberz) 8 Pfd.

Die im Verlaufe der Zeit aufgeschlossenen Erzlager betragen nach dem Streichen 1600 Klafter, im Seiger 110 Klafter. (Streicher: Streichen des Ganges ist die Richtung, in welcher sich der Gang horizontal weiter erstreckt-streicht. Seiger ist ein bergmännischer Ausdruck für lotrecht, bei Gängen ein fallen von 75 – 90 %).
Die Baue im Kießlinggraben, in der Purgg, der Floriani- und Frauenbergstollen sind aufgelassen. Unter der Sohle des Gotthardstollens, welcher der tieste ist, sei ein Erfolg zu hoffen. Die Förderung der Erze durch eine Eisenbahn sei nicht denkbar. Das Aufhapseln sei zu kostspielig, man möge eine Kübelmaschine anschaffen. – Ein ähnliches Gutachten hatte ein Jahr vorher der Gewerke Menhard in Hollenstein gegeben.

Nach dem Berichte des Seitenstetter Montanbeamten Ignaz Hörner vom Jahre 1831 wurden die Erze immer ärmer, daher die Kupfererzeugung geringer und sei der Verfall des Werkes kaum zu vermeiden.

Die Produktion war 1830 270 Ctr. Kupfer, 54 ½ Ctr. Schwefel; 1831 42 Ctr. Vitriol. Der Verschleiß an Bergwerkprodukten war im Jahre 1840 400 Ctr. Kupfer, 84 Ctr. Vitriol und 40 Ctr. Schwefel. Als Bergschreiber erscheint 1839 Josef Klein. Ein in diesem Jahre angefangener Hoffnungsbau im Sonnegg wurde 1840 aufgelassen. Der letzte Bergverwalter des Stiftes Seitenstetter war 1840 – 1841 Franz Obholzer.

Im Jahre 1842 nahm Admont das Kupferbergwerk in der Teichen wieder in eigene Regie und stellte Albert Steinlechner als Verweser an. Bergschreiber war von 1842 – 1846 Gustav Hendl. Aber die guten Tage des Bergbaues waren vorüber und das Werk fristete nur notdürftig sein Leben. Der vorzüglichste Abnehmer war wieder die Messingfabrik Reichraming. Auch Carl Cornedis in Wien und Hammergewerke Berger in Hollenstein bezogen ihren Kupferbedarf von Kalwang. Stangenschwefel ging nach Aussee. Nach dem gebräuchlichen Bergberichte zeigten sich die Erzanbrüche als ziemlich edel; auch beim Neuschurfe im >>Reinsbachgraben<< vermehrten sich die Erzspuren. Zum Werke Kalwang gehörten damals die Hofbaueralpe mit Wald in der langen Teichen, die halbe Spannwiese, der Stadlberg und die Schneebrandhube. Beim Gotthardistollen errichtete man eine neue Scheidehütte. Der >>strike<< (Streik) war schon damals üblich, indem die Arbeiter an abgebrachten Feiertagen Grube und Schmelzhütte im Stiche ließen.

Im Jahre 1843 wurde Professor Peter Tunner um sein Gutachten über den Bestand und die Hoffnungen des Werkes ersucht. Ihm gefiel die Art des Abbaues und der Förderung nicht und er betonte eine bessere Ausnützung der Wasserkräfte.

Obwohl Admont Wälder und Hammerwerke in der Teichen dazugekauft hatte, wurde der Konkurrenzdruck der Vordernberger Radmeister Kommunität immer stärker spürbar. Dazu stiegen die Verluste des Kupferwerkes immer mehr, so dass die Hoffnung auf eine Besserung der wirtschaftlichen Lage immer mehr schwand. Am 24. Dezember 1846 verkaufte das Stift Admont das Werk an die von Erzherzog Johann gegründete Vordernberger Radmeister Kommunität, nachdem es 180 Jahre den Kupferbergbau in der Teichen inne gehabt hatte.

Die seit uralten Zeiten bestandenen 14 Radgewerke Vordernbergs bildeten eine Gesellschaft, die stets unter dem Namen >>Radmeisterschaft<< oder >>Radmeisterkommunität<< erscheint, und schon 1510 bei mehreren Anlässen durch Übereinkommen und Verträge ein gewisses gleichförmiges, gesellschaftliches Verfahren unter sich eingeführt und bei dem Ankaufe von den allgemein nötig gewordenen Besitzungen sich vereinigt hatte.
Diese >>Radgewerke<< hatten den Bedarf an Roheisen aller Hämmer Obersteiermarks, des Mürz-, Mur- und Liesingtales, sowie aller Seitengräben zu decken. Bis zum Jahre 1760 bestanden 14 Radwerke, und jedes von ihnen hatte an dem Erzberge verschiedene Anteile. Die Besitzer dieser Radwerke wählten alle drei Jahre einen Vorsteher aus ihrer Mitte, der bei allen Verhandlungen die einzelnen Besitzer vertrat und alle Beschlüsse der Gesamtheit zur Ausführung brachte. Auch Erzherzog Johann erwarb 1822 das Radgewerk Nr. 2 und nahm entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung der so entstandenen Vordernberger Radmeisterkommunität.

Als im Jahre 1881 die >>Österreichische-Alpine-Montangesellschaft<< gegründet wurde, erwarb diese nicht nur die ganzen Besitzrechte der Innerberger (Eisenerzer) Hauptgewerkschaft, sondern auch allmählich von 1881 – 1884 die Radgewerke der Vordernberger Radmeisterkommunität, welche sich mit 31. Dezember 1889 auflöste.

Die Vordernberger dachten zunächst nicht an eine Neubefahrung der verschuldeten Kupfergruben in der Teichen, da damals die Hütten noch mit Holzkohle befeuert wurden und sie die gesamten Holzschlägerungen für sich benötigen. Sie wollten daher mit ihrem Kaufe nur einen lästigen Mitbewerber für das Holz der Teichen ausschalten. Im Teichenhof (Kettenhaus) Kalwangs befand sich die Forstkanzlei der Radmeisterkommunität.
Ihr damaliger Bergverwalter Johann Dubner drang aber darauf und setzte es durch, dass der Grubenbetrieb in der Teichen wieder aufgenommen wurde. Tatsächlich erzielte dieser geschickte Mann zunächst einige Ertägnisse. Doch vermochte selbst sein Eifer den Untergang nicht aufzuhalten, denn die Kupferpreise fielen und – zur Vermehrung des Mißgeschicks – die Holzpreise stiegen!
Daraufhin stellte die Radmeisterkommunität den Kupferbergbau in der Teichen im Jahre 1867 endgültig ein.
Die anderen steirischen Kupferbergbaue in Öblarn, Johnsbach und in der Radmer hatten schon viel früher ihre Gruben stillgelegt; vermutlich besaßen also die Kupferadern der Teichen doch die größere Mächtigkeit.

>>Die über den Bergbau geführten Tagebücher und Aufzeichnungen verraten, dass leider oft eine straffe fachmännische Leitung fehlte. Man legte aus Bequemlichkeit regelwidrige Stollen an, die später ersoffen und betrieb mitunter einen regellosen Abbau, der schon an Raubbau grenzte und spätere Besserungsversuche vereitelte. Überdies verwendete man unzweckmäßige Werkzeuge; so gebrauchten die Häuser geradeschneidige Meißel, mit denen sie in 8 Stunden nur ein Bohrloch vollendeten, während sie mit halbmondförmiger Schneide das doppelte geleistet hätten. Zur Beleuchtung dienten bis 1850 meist Kerzen!; erst 1850 kamen Öllampen in Gebrauch. Es fehlten auch Luftschächte und sonstige Reinigungsanlagen. All diese Mängel verschuldeten, dass die Zahl der befahrenen Stollen und damit die Förderung stetig sank. Auch die Aufbereitung des Erzes ober Tag ließ viel zu wünschen übrig.<<

Die Vordernberger Radwerke wurden stillgelegt und die ganze Roheisengewinnung nach Donawitz konzertiert. Das ganze Hüttenwesen erfuhr eine Modernisierung. Der alte kostspielige Holzkohlenbetrieb in den Hochöfen wurde um die Jahre 1899 – 1900 aufgelassen. In Eisenerz-Mönchstal erbaute man in den Jahren 1899 bis 1901 den damals größten Kocks-Hochofen Europas. Die Zeit des Holzkohlenbetriebes war damit zu Ende, die Kohlenmeiler in unseren Wäldern verschwanden allmählich. Ziemlich gleichzeitig mit der Schließung des Kupferbergwerkes in Kalwang gingen auch die in Kalwang bestehenden Hammerwerke ihrem Niedergange entgegen, die den Kalwanger Hammerherrengeschlechtern unermeßlichen Reichtum gebracht hatten. Gleichwohl erhielten sich einige Gewerkenfamilien bis spät in das 19. Jahrhundert hinein.

Die Wiederaufnahme des Kupferbergbaues 1916 – 1928

Im Februar 1916 faßte die Militärbehörde (das X. Armeekommando) den Entschluß, das aufgelassene Kupferbergwerk in der Teichen wieder in Betrieb zu nehmen. Schon vorher hatten amtliche Kommissionen unter Führung des Bergrates Dr. Richard Canaval die alten Schürfe in der Teichen untersucht. Am 6. Februar 1916 trafen unter Führung des Ing.-Leutnants Max Ganglbauer 40 Mann militärischer Bergknappen in Kalwang ein und bereits am 9. Februar wurde mit der Arbeit im Bergbau begonnen; später kamen noch 20 Mann nach. Vorerst wurde der Anfang in der Langen Teichen gemacht. Die alten Stollen waren teilweise verschüttet und mussten erst gereinigt werden. Da in die Schächte Wasser eingedrungen war, mussten große Pumpen eingesetzt werden, um das Wasser aus den Gruben zu entfernen. Auch wurde am Eingang zur Kurzen Teichen eine große Baracke gebaut, da die Knappschaft auf 300 Mann ergänzt werden sollte. Beim Scheuchenstuhl im Ort wurden vier Paare serbischer Büffel eingestellt, welche Holz und anderes Material von Kalwang in das Bergwerk zu führen hatten; aber bereits im Mai 1916 kamen die Büffel wieder fort und an ihrer Stelle übernahm ein „Lasten-Automobil“ den Materialtransport.
Im November 1916 arbeiteten schon 130 Soldaten und 80 Kriegsgefangene beim neu angelaufenen Kupferbergbau in der Teichen. Nachdem der alte bereits verfallen gewesene Gotthardistollen eine Stollenlänge von 1000 m wieder erreicht hatte, konnte auch der Josefistollen vor allem zur Wetterführung wieder eröffnet werden. Der Josefistollen liegt 50 m über dem Gotthardistollen. Im Jahre 1918 scheint Oberleutnant Géza Kállai, Diplom-Berg- und Staatswirtschaftsingenieur, als Leiter des Bergwerkes auf. Er verfasste eine Denkschrift über den Kiesbergbau in Kalwang, deren Original bei der Berghauptmannschaft in Leoben aufbewahrt ist. Aus dieser Schrift geht hervor, „dass die Belegschaft von 90 Mann innerhalb von 24 Stunden soviel Verhau verfuhr, dass daraus 8,5 t Verkauferze gewonnen werden konnten.“

Kállai baute das Bergwerk aus und setzte alle verfügbaren modernen Mittel ein, um gute Förderungsleistungen zu erzielen. Es entstanden eine Förderbahn, ein großes Betriebshaus mit einem Dampfmotor, sowie ein Pochwerk. Um diese Zeit war Oberleutnant Anton Schweinbach Mannschaftskommandant der militärischen Bergbau-Abteilung. Der Bergbau erbrachte damals den beträchtlichen Reingewinn von 40.000 Kronen.
In seiner Denkschrift aus dem Jahre 1918 gibt Kállai folgende Werte an Erzvorräten der Kalwanger Grube an:
a) Sichtbar vorhandenes Erz 777.800 q
b) Wahrscheinlich vorhandenes Erz 57.200 q
c) Möglicherweise vorhandenes Erz 1.473.600 q

Er weist in ihr auch darauf hin, dass es gelang, nach Einschulung der Soldaten, bis 6. Juni 1916 den ersten Waggon kupferhaltigen Schwefelkies zu gewinnen. Die Wasserkraftzentrale der Herrschaft Gutmann in der Teichen versorgte das Bergwerk mit elektrischem Strom, konnte jedoch nicht den ganzen Strombedarf des Werkes decken, so dass für den Bergbau im Jahre 1917 zusätzlich ein Lokomobil angeschafft werden musste. Eine 340 m lange Seilbahn verband die Grube mit der Aufbereitung. Zur Beurteilung der Rentabilität des Kalwanger Kiesbergbaues enthält Kállais Denkschrift eine eingehende Aufstellung aller Auslagen und Einnahmen mit dem Ergebnis, dass die Rentabilität des Bergbaues durchaus gegeben erscheine.

Ende 1918 löste Dipl. Ing. Gustav Heinrich den militärischen Leiter des Kiesbergbaues in der Teichen, Oberleutnant Nutricio, ab, und übernahm die Leitung dieses Betriebes. Als mit dem Ende des 1. Weltkrieges im November 1918 die Österreich-Ungarische Monarchie zerfiel, verließen die militärischen Bergknappen die Teichener Gruben und gingen einfach auf und davon, um ihre Heimatorte zu erreichen. Doch es gelang Dipl. Ing. Heinisch, einen kleinen Stamm von Bergleuten zurück zu halten, die ihm dann zur Sicherung der Betriebsanlagen ich der Aufbereitung, Werkstätte und Seilbahn, sowie zur Grubenerhaltung zur Seite standen.

Ein Vertreter des Revierbergamtes Leoben nahm am 23. Juni 1919 an einer Kommissionierung zur Übernahme aller dem Militärärar bisher gehörenden Einrichtungen des stillgelegten Bergbaues teil. Die Grube wurde als in betriebsfähigem Zustande befunden. Rudolf v. Gutmann, als damaliger Grubenbesitzer, gab seine Absicht bekannt, den Bergbau wieder aufzunehmen und noch im Jahre 1919 wurde dann mit der Erzförderung begonnen.

Da die Celluloseindustrie dringend Schwefelkies als Ersatz für reinen Schwefel benötigte, erhielt Dipl.-Ing. Heinisch den Auftrag, bei einem nahestehenden Betrieb in der Slowakei für den Kalwanger Bergbau notwendige Maschinen und Einrichtungen zu erwerben. Es sollte damit der Kalwanger Betrieb rasch leistungsfähig gemacht werden. Auch galt es, von der Brücke nach dem Zusammenfluß der Kurzen und Langen Teichen einen Stollen zu schlagen und eine etwa 1,2 km lange Rohrleitung zum Wasserschloß des Kraftwerkes in der Teichen zu führen, damit eine bessere Leistung des Elektrizitätswerkes erreicht werden konnte. Dies alles waren Voraussetzungen zur raschen Wiederaufnahme des Grubenbetriebes. Durch laufende Aufnahmen von Arbeitern konnte der Belegschaftsstand schnell vergrößert werden. Ing. Rudolf Heinisch, ein Bruder des nunmehrigen Bergbauleiters, und Buchhalter Bauer waren verläßliche Stützen beim weiteren Ausbau des Betriebes. Es mussten aber auch, um einen soliden Belegschaftsstand zu erhalten, entsprechende Wohnungen für tüchtige Bergleute geschaffen werden; man wollte sie in der Teichen bodenständig machen.

Schon im Jahre 1920 weist der Bergbau in Kalwang nach dem Österreichischen Montanhandbuch bei einem Belegschaftsstand von 33 Mann eine Erzeugung von 26.831 q kupferhältigen Schwefelkises auf und erreichte mit einer Belegschaft von 183 Arbeitern bereits 1926 einen Ertrag von 225.000 q kupferhältigen Schwefelkies.

Der Kiesbergbau wurde unter der Leitung des Dipl.-Ing. Heinisch auch zum Lehretrieb für die Erzeugung von Schwefel- und Kupferkiesen, und häufige Besuche durch Studenten der Leobner Montanistischen Hochschule unter Prof. Petraschek fanden im Teichener Bergbau statt.
Auf einer Stollenstrecke von etwa 1200 m waren drei Erzkörper erschlossen worden. Der erste wurde auf eine Teufe von etwa 150 m abgebaut, der zweite lag in der Mitte der Strecke und war kupferreicher, und der dritte bildete das Ende der erschlossenen Erzgänge; er reichte bis zum Ausbiß.

Nach dem Jahre 1926 ging die Förderleistung allerdings zurück und man zeigte sich um die Zukunft des Kalwanger Bergbaues besorgt. Als der Bergbau mit einer damals sehr modernen Flotationsanlage ausgestattet wurde, erreichte man jedoch wieder bessere Ergebnisse. Weist das Jahr 1927 noch 181.800 q an Förderung von Schwefelkies auf, so sinkt diese Förderleistung im Jahre 1928 bei einer angegebenen Bergarbeiterzahl von 100 auf nur 100.000 q ab. Strommangel war die Ursache, dass nur mehr wechselweise gearbeitet werden konnte. Mittlerweile waren Italien und andere europäische Länder drückende Konkurrenten für den Kalwanger Betrieb geworden, aber auch das Interesse des Grubenbesitzers Gutmann hatte abgenommen, da er sich mehr der Holzwirtschaft in seinem Gutsbesitze widmete. Nach teilweiser Erschöpfung der Kupfererzlagerstätten in der Teichen betrug der Erzversand bald nur noch 100 bis 500 t monatlich.

Das alles führte dazu, dass am 2. Dezember 1928 der Kiesbergbau in der Teichen endgültig eingestellt wurde. Die freigewordenen Arbeiter und Angestellten fanden zumeist in den Gutmann´schen Forstbetrieben oder am Erzberg in Eisenerz Aufnahme. Auch Dipl.-Ing. Heinisch musste nach der Stillegung des Bergbaues Kalwang verlassen und wechselte am 1. Jänner 1929 zur Witkowitzer (CSSR) Eisenhütte über, wo ihm im neuen Stahl- und Walzwerk betriebswirtschaftliche Sonderaufgaben übertragen wurden, die er mit besonderem Geschick löste. Die Liquidierung des Kalwanger Kiesbergbaues führte dann sein Bruder, Ing. Rudolf Heinisch, durch.

Heute ist der regierende Fürst von und zu Liechtenstein der Grundeigentümer und Besitzer des Grubenmaßes des aufgelassenen Kupferkiesbergbaues in der Teichen. Die Berghauptmannschaft Leoben verlängerte 1977 die Geltungsdauer von 40 Schurfberechtigungen des Grundeigners. An eine Wideraufnahme des Bergbaues ist jedoch nicht mehr gedacht.
Dipl.-Ing. Gustav Heinisch, der während seiner Kalwanger Tätigkeit auch entscheidenden Einfluß auf das Ortsgeschehen genommen hatte, wurde am 31.12.1892 in Oderfurth (Mähren) geboren. Er studierte ab 1911/12 an der Bergakademie in Pribram. Während des 1. Weltkrieges (1914 – 1918) zum Militärsdienst eingerückt, wurde er als Leutnant im September 1918 zur Dienstleistung nach Kalwang abkommandiert. Nach der Kriegsdienstleistung setzte Heinisch seine Studien an der Montanistischen Hochschule in Leoben fort und erwarb im Februar 1919 das Ingenieur-Diplom für Bergwesen. Trotz intensiver Berufsarbeit in Kalwang hatte er gleichzeitig noch Metallhüttenwesen an der Hochschule in Leoben studiert und dort 1928 auch das Ingenieur-Diplom für Hüttenwesen erhalten.

Nachdem Heinisch in Kalwang und Witkowitz sehr erfolgreich tätig gewesen war, wurde er 1930 als Sachverständiger zur Bleiberger Bergwerks-Union nach Kärtnen berufen. Es gelang ihm dort, die Wiederaufnahme der 1931 stillgelegten Bergbaue zu erreichen und er wurde 1932 mit der technischen Gesamtleitung der Bleiberger Bergwerks-Union Betriebe betraut.

An öffentlichen Ämtern bekleidete Dipl.-Ing. Heinisch die Stelle des Leiters der Wirtschaftsgruppe Bergbau in Wien, war von 1934 bis 1939 Leiter der Industrieabteilung der Handelskammer Klagenfurt und bekleidete von 1942 bis 1945 die Stelle eines Vizepräsidenten in dieser Anstalt.

Der MGV Kalwang, dem er als Obmann lange Jahre vorstand, ernannte ihn anläßlich seines Scheidens von Kalwang 1928 zum Ehrenobmann. Wegen seiner hervorragenden Verdienste um den österreichischen Bergbau und das Metallhüttenwesen wurde Heinisch in Leoben 1949 zum Ehrendoktor der Montanistischen Wissenschaften promoviert. Im Jänner 1953 verlieh ihm der Bundespräsident den Berufstitel Bergrat. Seit vielen Jahren leitet er als Präsident den kulturell bedeutungsvollen Musikverein für Kärnten und führte durch viele Jahre den Allgemeinen Sportverband Kärnten. Er ist auch Ehrenpräsident des KAC. Seit 1972 ist er Inhaber der Goldenen Medaille der Landeshauptstadt Klagenfurt.

Zur Familiengeschichte der Edlen und Freien von und zu Ziernfeld

Die Familie Anreiter von Ziernfeld stammte aus Brixen in Südtirol. Ahnherr ist Dr. jur. Karl Anreiter, Untertan des Bischofs Wilhelm von Brixen, dessen Sohn Hans Georg Anreiter v. Ziernfeld, der bereits Kammergraf in Eisenerz war und 1702 verstarb. Karl Ludwigs Sohn Franz Leopold ehelichte Theres Mätz; da diese Ehe kinderlos blieb, rief Franz Leopold im Jahre 1734 den Sohn seines tirolischen Vetters Johann Anreiter v. Ziernfeld, Postmeisters in Brixen, aus Brixen zu sich; der hieß Georg Joachim und war 1711 geboren. Am 6. April 1734 kam Georg Joachim bei seinem 66-jährigen Oheim Franz Leopold auf dessen Herrensitz in Stibichhofen bei Trofaiach an. Der Oheim adoptierte ihn und bittet in einem Gesuche an Kaiser Karl IV. um „allergnädigste Genehmbhaltung“ und um ein Diplom, >>damit erdeuter adoptivus nicht allein seinen Namen mit dem von seinem Vater ererbten Ehrenwort Edler von Ziernfeld auf Stibichhofen und Friedhofen, sondern auch sein dermaliges Siegel führe<<, welches genehmigt wurde.

1741 kaufte der Adoptivsohn Georg Joachim das Schloß Mell bei Trofaiach als dritte Herrschaft zu Stibichhofen und Friedhofen dazu. Die bedeutendsten Herrschaften war Friedhofen, ein im Viereck gebautes, ein Stock hohes Schloß im Tale, aus dem, dem Schlosse gegenüber, ein hoher Fels senkrecht aufstrebt, der auf seinem Gipfel die Kirche St. Peter-Freienstein trägt. Friedhofen war der Wohnsitz der Familie.

1745 übernahm Georg Joachim nach dem Tode seines Oheims dessen Güter. Er ehelichte Elisabeth Barbolany, deren Vater Doge von Venedig gewesen sein soll, sich wegen einer Revolution flüchten musste und so nach Steiermark kam. Aus dieser Ehe stammen sieben Kinder.

Sein Sohn Leopold Maria v. Ziernfeld verehelichte sich im Jahre 1764 mit Maria Anna Thien, der Tochter des Kalwanger Gewerken Josef Thien und dessen Frau Maria Anna, geb. Damm.
Von diesem Josef Thinn gibt es noch ein lebensgroßes Ölbild im Familienbesitze, auf welchem er >>in langem dunkelgrünen Rocke, der mit Gold ausgenäht ist, dargestellt erscheint; seine Linke ruht auf einem Degen, das Haupt ist von langem, schwarzgelocktem Haar umgeben.<<

Durch diese Heirat gelangten die Thinnischen Hammerwerke in Liesingau bei Kalwang an die Ziernfeld welche sie von 1780 bis 1827 besaßen. Die Frau des Leopold, Maria v. Ziernfeld war das einzige Kind der Thinn´schen Familie. Ihr Vater starb früh (1758) und ihr Mutter verehelichte sich ein zweites Mal; sie heiratete Bernhard Nußmeyer. Ihre Mutter, Maria Anna, geb. Damm, verw. Thinn, verh. Nußmeyer, hatte mit Tatkraft und Erfolg die Gewerkschaft ihres verstorbenen Mannes Josef Thinn geführt und als sie 1780 aus dem Leben schied, war es ihre größte Sorge, den schönen Besitz ihren Enkeln (Ziernfeld) möglichst zu sichern. Sie bestimmte, dass ihr Leiche in die Mara Loretto-Kapelle bei den Franzikanern zu Mautern zu ihrem Ehemann Josef Thinn gelegt werde. Für Seelenmessen in Kalwang, Mautern, Leoben und sonstige fromme Zwecke setzte sie 2000 fl aus. Sie bestimmte auch, dass von ihrem Liegenschaften vor Erbantritt ihrer >>IngerIn<< (Enkeln) nichts veräußert werden dürfte, am wenigsten ihr durch ihren Fleiß erbautes Haus in Mautern: >>erstens, damit es Absteigquartier der kirchbesuchenden Ihrigen bliebe; zweitens des Traidkastens und des großen Weinkellers wegen; drittens als Ablebensunterstand der jeweilig im Besitz gewesenen Person.<<

Die nach ihrem Tod hinterlassenen Liegenschaften sind benannt und mit dem gerichtlichen Schätzwert von 46.350 fl angegeben.
Dazu kommen noch an Barschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32.000 fl
Was ohne Legitima der Tochter ausmacht . . . . . . . . . . . . . . . . 78.350 fl

Es war somit ein für jene Zeit ganz beträchtliches Erbe, das den Ziernfeld von Thinn´scher Seite zufiel.

Leopold Marias Frau Maria Anna, geb. Thinn, war eine heitere Frau. Auf einem erhaltenen Bild ist sie wohlbehäbig und klein dargestellt. Das im Jahre 1806 gemalte Bild ihres Gemahls, Leopold Maria v. Ziernfeld, stellt einen Mann dar, >>der ein eigentümlich langes, selbstverständlich glattrasiertes Gesicht hat, einen klugen Blick aus lichtem Augen, und einen edlen Eindruck auf den Beschauer macht.<<

Beider Sohn Joachim v. Ziernfeld, der nach dem Tode seiner Eltern die Leitung der Gewerkschaft übernommen hatte, zog sich wohlbewußt, dass der Schwerpunkt des Familienbesitzes in den Hammerwerken lag, in das einsame Herrenhaus in Liesingau zurück. Joachim besuchte jährlich zur Erholung Bad Gastein. Die Jagdleidenschaft und ein lustiges, heiteres Wesen hat er von seinem Vater ererbt. Trotz seines Gichtleidens versäumte er keine Gelegenheit zu Jagd; dabei ließen die Gichtschmerzen schnell nach; wenn er aber dann frohgemut heimkam nach allen Mühen der Jagd und Unbill des Wetters, da erwachten die Schmerzen wieder neu … Im Nächsten Sommer musste er wieder nach Gastein.

1805 vermählte er sich mit Theresia, Edle von Priebling und Ehrenberg. Auch sie war von heiterem Gemüt. Weit abgelegen von belebten Orten lebte die Familie im Herrenhause in der Liesingau. Im Sommer ließ es sich dort ganz schön leben – im Winter aber, wo die Straßen mit ihrem Schnee nur wenig befahren wurde, war es gar stille. Die Kirchfahrten zu Wagen oder Schlitten waren eine Abwechslung im eintönigen Leben, wo die freien Stunden das Kartenspiel ausfüllte. In der schönen Sommerzeit wurden fröhliche Tage auf Friedhofen zugebracht. Da gabs auch Gäste; so war Erzherzog Johann dort öfters zu Gasten; scherzend nahm er bei Tische der Hausfrau das >>Salatabmachen<< ab.

Joachim v. Ziernfeld hatte schon 1804 die Stegmühl vom Stift Admont in Pacht genommen. Er arbeitete angestrengt auf allen drei Werken, Liesingau, Walch und Stegmühl. Trotzdem musste er, in Geldschwierigkeiten geraten, 1824 die beiden Herrschaften Friedhofen und Stibichhofen verkaufen; einige Jahre später, 1828 musste er auch seine Hammerwerke veräußern und zog sich auf sein Landgut Gleidorf in Graz zurück, wo er 1849 starb.

Von Joachim v. Ziernfeld besteht ein Bild; dieses >>zeigt ihn in hochroter ständischer Uniform mit hohem Goldkragen und Tressen. Sein Haar ist grau, auch der Bart auf der Backe, während das ganze übrige Gesicht glatt rasiert ist.<<

Joachim und Therese v. Ziernfeld ruhen am Grazer St. Leonhard-Friedhof in einem Familiengrab.

Ihr Sohn Otto v. Ziernfeld starb als letzter seines Stammes im 69. Lebensjahre am 8. Juli 1881 und ruht auf dem St. Peter-Friedhofe in Graz. (Siehe auch die beigefügte Stammtafel der letzten Freiherrn von Ziernfeld.)

Thinn von Thinnfeld 

Dr. Anton Freiherr von Pantz schreibt in seiner im Jahrbuch der k.k. heraldischen Gesellschaft „Adler“ 1917/18 veröffentlichten Abhandlung über >>Die Gewerken im Bannkreis des steirischen Erzberges<< von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in welche die Hammergewerken allmählich gerieten:

>>Es ist eine merkwürdige Entscheidung, dass von den zahlreichen Familien des steierischen Eisenhandels nur eine einzige die industrielle Neugestaltung im vorigen Jahrhunderte glücklich überwunden hat, alle anderen gingen entweder an den schweren Krisen, die diese Umwälzungen begleiteten, zugrunde, oder sie zogen es vor, sich rechtzeitig vom Eisenwesen zurückzuziehen und ihr Betätigung anderen Gebieten zuzuwenden. Die neuen Erfindungen in der Erzeugung und Verarbeitung des Eisens erforderte große technische Kenntnisse und bedeutende Geldmittel. An erstern sollte es nicht gefehlt haben, denn die Leobner Bergakademie verfügte über hervorragende Fachkräfte; schwieriger war es mit der Beschaffung des zur technischen Umgestaltung nötigen Kapitals. Die Gewerken waren zwar im allgemeinen wohlhabend, aber ihre Mittel waren in einem ausgedehnten land- und forstwirtschaftlichen Besitz festgelegt und dort, wo das „schwere Geld“ zu finden war, bei den Vordernberger Radmeistern, dort felhte auch jedes Verständnis für den Anbruch der neuen Zeit. Das „Flossensieden“ war einfach und brachte mühelos reichen Gewinn; wozu sich in neue, gewagte Unternehmungen einlassen, wo doch daheim im engen Graben alles von selbst ging! Dass die Woge, die zuerst auf die Hammergewerken, die als Erzeuger der marktgängigen Ware dem Weltmarkt und der Konkurrenz am nächsten standen, hereinbrach, auch sie verschlingen würde, daran dachte damals wohl keiner.<<
Pantz schreibt dann weiter: >>Eine jener Gewerkenfamilien, die sich unter ungünstigen Verhältnissen wacker am Besitze gehalten hatte, die auch die neue Zeit nicht verträumt hatte, sondern ihr Rechnung trug, schließlich aber doch den bedeutenden finanziellen Anforderungen unterlag, sind die Thinn von Thinnfeld. Das hammerreiche Liesingtal, die Gegend von Kalwang, ist ihr Heimat.<< Nach Pirchegger waren die Thinn schon 1494 Besitzer am Pischingberg. Mitte des 17. Jahrhunderts erscheinen in Kalwang Johann und Martin Thinn als Hammerherren. Thomas Thinn war um 1672 Verweser der dem Stifte Seckau gehörigen Hämmer zu Sachendorf und am Hammerberg. Josef Thinn aus Kalwang war 1694 Chorherr zu Seckau. Ein Johann Adam Thinn, wohl der Sohn des Matthias aus der Kapfenberger Linie, war 1705 zusammen mit dem Leobner Springenfels Gewerke bei Kammern.

Die Kalwanger Pfarrkirche wurde die Ruhestätte einer Reihe von Mitgliedern dieses Geschlechtes, so des Thomas Thinn, Hammerherren zu Kalwang, Liesingau und Walch, gest. 10.10.1719, eine Tochter des admontischen Pflegers Franz Poldt, der 1691 – 1697 auf Strechau saß und dann nach Gallenstein übersiedelte. Auch der Sohn dieses Paares, gleichfalls Thomas genannt, gest. 4.4.1741, liegt mit seiner Frau Maria Theresia, gest. 3.5.1739, in Kalwang begraben. An ihn erinnert die Aufschrift auf dem Tore des alten Thinnischen Stammhauses (dem heutigen Scheuchenstuhl-Haus) in Kalwang T.T.H,z.K.L.V.W.1727 = Thomas Thinn Hammerherr zu Kallwang Liesingau und Walch 1727. Die Walch liegt flußabwärts von Mautern, in der Nähe des heutigen Bahnhofes von Mautern.

Das Thinnsche Haus und die Kalwanger Hämmer des Geschlechtes der Thinn gengen an einem Zweig der Scheuchenstuel überm der erst 1915 mit Kajetan v. Scheuchstuel in Kalwang erlosch. Josef Thinn, gest. 1758, und seine tatkräftige Frau Anna Maria, geb. Damm, wiederverehelichte Nußmayer, gest. 10.02.1780, waren die letzten Thinn, die Liesingau und Walch besaßen!

Über Maria Anna Thün finden sich im Urkundenbuch des Kauf-Amtes St. Joann Paptist in Kammern, Pag. 55, folgende Eintragungen:
>>Frau Maria Anna Nußmärin, od. Thünin, vorhin des Hlb. Joseph Karl Thün seinerzeit geweste, dermahlen aber des Hlb. Bernhard Nußmayr Ehegattin, verkauft nach Hinscheiden Ihres Ersten Eheherrn besagten Joseph Karl Thün gewesten Hammersgewerkhen in der Liesingau, dessen zurlehensweise Ingehabte der Probstei Kamern dienstbare sogenannte Rabenschlag Alben enter des Kniepas in Amt Mauttern nach vorigen werth nemlichen pr. 300 fl … erleget 127 fl 4 ß_ und bezahlet mit solchen folgendes
Vor 1. Kaufrech 3 fl 4 ß
Sterberecht 15 fl _
Kanzley Tax 3 fl _
Schreib Tax 1 fl _
Förtiggeld 2 fl _
Amtsgebühr dem Maysler 1 fl _
Angelobgeld 2 fl _
Und das völlige 3tel per 100 fl _
127 fl 4 ß

Mithin ist auch obernanter Fr. Maria Nußmärin od. Thünin obberierte Rabenschlg Alben obrigkeitl. eingeantwortet, und von derselben in allen Inhalt Ihres Kaufrechtes nachzukommen versprochen worden.
Dem 9.8.1758<<

Diese urkundlichen Eintragungen sind im Urkundenbuch der Probstei Kammern Pag. 55, enthalten. Das Urkundenbuch ist im Besitze von vlg. Ebner, Lackner Johanna, Kalwang-Sonnberg.

Die Gewerkschaft ging durch die am 10. Juni 1769 erfolgte Vermählung der Erbtochter Maria Anna Thinn mit Leopold Maria v. Ziernfeld 1780 auf dieses Geschlecht über. Doch schon Leopolds Sohn, Joachim v. Ziernfeld, musste 1828 den Besitz verkaufen. Den Kalwanger Thinns gehörten auch die Admonter Konventualen P. Emeran, 1704 – 1754 Priester, zuletzt Pfarrer zu St. Lorenzen; Theol. Dr. Thomas Thinn, 1741 – 1782 zu Admont und P. Peter Thinn, Kapituar zu Admont von 1699 – 1735, Subprior und Supremus in Göß, an.

Von P. Thomas Thinn stammt eine Lichtstiftung zu Kalwang, deren Obligation von 400 fl. auf das Jahr 1768 zurückgeht. Der obgenannte Kapitular Dr. Thomas Thinn, der 1741 die Profeß ablegte, war von 1771 bis 23. Februar 1782 Pfarrer in Kalwang.
Von den weiteren Zweigen des Thinn-Geschlechtes berichtet Dr. Anton Pantz u.a.:
>>In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ließ sich ein Zweig des Geschlechtes in Kapfenberg nieder.
Der am 24.4.1792 zu Graz geborene Ferdinand v. Thinnfeld wurde im Jahr 1827 zum Kurator des Grazer Joanneums ernannt. Er war in verschiedenen Unternehmungen im Lande tätig und erwarb sich das Vertrauen Erzherzog Johanns.<<

Im denkwürdigen Jahre 1848 war Ferdinand v. Thinfeld der Wortführer der freisinnigen Partei und wurde im selben Jahr zum Abgeordneten für den österreichischen Reichstag gewählt. 1848 ernannte ihn der Kaiser zum Minister für Landeskultur und Bergwesen. Dieses Amt bekleidete er bis 1853. Er war der Gründer der Bergakademie zu Leoben und Pribram, erhielt die Geheime Ratswürde und am 03.10.1853 den österreichischen Freiherrenstand. Ferdinand von Thinfeld starb im Alter von 75 Jahren am 08.04.1868 zu Graz. Aus seiner Ehe gingen 7 Töchter und 3 Söhne hervor. Während zwei Söhne noch in jüngeren Jahren starben, starb der dritte, Hubert, als letzter männlicher Sprosse am 20.11.1891. (Siehe Stammtafel)

Das Stammwappen der Thinn zu Kalwang: Im Schilde ein springender Greif mit einem Bund von Eisenstäben in den Vorderpranken. Geschlossener Helm mit Wulst. Zier; der Greif im Schilde wachsend. (Nach den Grabsteinen in der Kalwanger Kirche!)

Hans Grueber

In den >>Blättern für Heimatkunde<<, Heft 12/1934, veröffentlichte Dr. Anton v. Pantz eine Abhandlung unter dem Titel: >>Eine steirische Hammergewerkschaft des 17. Jahrhunderts<<, in der er über ein aufgefundenes Inventar des Kalwanger Hammerherren Hans Grueber berichtet:

Im Jahre 1625 bestanden in Kalwang schon zwei Hämmer des Mert (Martin) Gaugus, der einem bereits im 16. Jahrhundert in Kalwang ansässigen Hammerherren-Geschlecht angehörte. 1628 bestätigt eine Urkunde Mert Gaugus als Besitzer des Tobersgraben (Urk. v. 20.12.1628 im L.A.). Der Name Gaugus (auch Gangus) hat sich bis in unsere Zeit in Kalwang als Hausname erhalten. Ein Bergrücken in der Nähe des Tobersbaches ostwärts von Kalwang wird heute noch als >>Gaugaz-Berg<< (Gaugus-Berg) bezeichnet und erinnert an dieses Kalwanger Geschlecht. Aus der Ehe des Mert Gaugus mit Barbara Neumayer stammte die Tochter Anna, die mit Hans Grueber, Hammermeister in der Au vermählt war. Das Wappen der Familie Gaugus zeigt: im Schilde ein springender Löwe, derselbe am geschlossenen Helm wachsend zwischen zwei Hörnern. (Nach Siegeln.)

Der Hammerherr Hans Grueber, Eisenobmann in Enns-, Kammer- und Paltental starb im Jahre 1667. Sein Besitz lag in Kalwang und Umgebung unter der Herrschaft Ehrnau, Admont und Strechau. Die Aufnahme des Erbinventars erfolgte im Beisein von fünf Schätzleuten durch den Ehrnauer Pfleger Hans Haar am 10. November 1667. Das Inventar befindet sich im Steiermärkischen Landesarchiv in Graz und gibt wie alle Erbinventare jener Zeit ein genaues Bild über Besitz, Wirtschaftführung und Vermögen dieses Kalwanger Hammerherren. Das >>Krallen<< oder >>Pammergut<<, heute noch mit den gleichen Namen bezeichnet, in Liesingau Nr. 45 (27), war Wohnsitz der Familie Grueber. Es wurde samt der zugehörigen Mühle mit 1.100 fl. bewertet. Höher, mit 1.200 fl. wurde das Gut „Teufenruck“ samt Holz (Wald) und der >>Hirnleiten<< eingeschätzt. Die >>Faschinghube<< im Habenbache, heute fürstlich Liechtensteinisches Jägerhaus, ist mit 500 fl., das >>Fleischhacker<< oder >>Baderhaus<< in Kalwang, heute Vasold, mit 180 fl. bewertet. Dazu kommen vier Wiesen unter Kalwang, >>Mödler<< und >>Tobern<<, zusammen 745 fl., dann die Fronbachalm samt Holz (Wald) 550 fl., das >>Rabenholz<< in Wolfsbach 130 fl. und der dritte Teil der Rieding samt Holz 350 fl. Alle diese Liegenschaften waren der Herrschaft Ehrnau dienstbar; der vierte Teil die Riedingalm aber, mit 120 fl. bewertet, dem Stifte Admont.

>>Dieser große land- und forstwirtschaftliche Besitz diente zur Versorgung einer Gewerkschaft, die aus vier Hammerwerken bestand. Es sind dies der Wällische- samt der Streckhammer >>in der Noth<< im Werte von 1.200 fl., der >>Seidl<<-Hammer in der Liesingau (330 fl.), der Streckkhammer an der Furth, an dem seinernen Stückhl´ (380 fö.) und er Streckhammer an der Liesing, zwischen Kalwang und Wald gelegen (330 fl.). Die Ruinen dieses Hammers sind heute noch vorhanden, sie stehen auf einem von altersher als >>Grubengut<< bezeichneten Besitz. Die beiden erstgenannten Hämmer waren zur Herrschaft Ehrnau dienstbar, der Seidlhammer zu Admont, der Hammer an der Liesing zur Herrschaft Strechau.<<
Der größte Teil dieser Liegenschaften war nach dem im Erbinventar angeführten Urkunden im Besitze des Martin Gaugus des Älteren, Hammerherren in Kalwang, und seiner Gattin Barbara, geb. Neumayer, die diese wieder von ihren Eltern übernommen hatte. Hans Grueber hatte in zweiter Ehe Anna, Tochter des Mert Gaugus, geehelicht.
Das Alunasche Freigut hatte Hans Gureber im Jahre 1636 von den Erben nach weiland Michael Aluna und den Streckhammer >>unter dem stainernen Stückhl<< 1660 von Mert Schüttenkopf, Hammerherrn in Furth, erworben.
Der Gesamtbesitz an obigen Liegenschaften, wozu noch zwei Untertanen, einer in Gaisbach und einer am Hagenbachhof mit je 2 Pfund Geld, bewertet mit 400 fl., kamen, wurde auf 9.085 fl. geschätzt.
>>Der Viehstand, der hauptsächlich am Teufenrückgut, auf der Faschinghube und am Alunaschen Freigut eingestellt war, belief sich auf 9 Stiere, 18 Ochsen, 50 Kühe, 23 Kälber, 61 Ziegen und Kitzen, 3 Lämmer, 5 Pferde, 18 Schweine und 7 Hühner. Auffallend gering ist die Zahl der Hühner, Schweine und Pferde. Hinsichtlich der Pferde erklärt sich dies dadurch, dass außer den Ochsen auch Kühe zum Zug verwendet wurden. 8 Kühe werden im Inventar ausdrücklich als >>Fuhrkühe>> bezeichnet. Der gesamte Viehstand ist mit 1.030 fl. 4 Schilling bewertet. Hinsichtlich der Preise zeigt sich, dass die Pferde verhältnismäßig hoch bewertet wurden; ein junger Rappe ist mit 45 fl., ein leichter Braun mit 40 fl. eingesetzt, hingegen eine Kuh mit 7 fl., ein dreijähriges Kalb mit 5 fl. und ein großes Schwein mit 4 fl.<<
„Der Vorrat an Korn, Weizen, Gerste und Hafer ist mit 237 fl. 5 Schilling 20 Pfennig eingeschätzt und auch die Wintersaat an Korn – die Inventaraufnahme erfolgte Ende November – mit 47 fl. 2 Schilling bewertet. Bedeutend war der Vorrat an Schmalz (993 Pfund), Speck (564 Pfund) und geselchtem Schweine- und Rindfleisch (384 und 96 Pfund).
An Zimmereinrichtungen finden wir zahlreiche Truhen und Kästen, aber nur sieben Sessel! Die Kücheneinrichtung bestand aus Messing- und Kupfergeschirr; Teller, Krüge und Becher aus Zinn. Groß ist, wie damals in jedem gut versorgtem Hause, der Vorrat an Leinwand und Bettzeug.
Für Fahrten standen zur Verfügung ein Kaleschwagen (8 fl.), ein gedeckter Kobelwagen (15 fl.), 4 Rennschlitten mit vier verschiedenen Schlittengeschirren, und zwei, mit blau-weißen, rot-weißen, roten und grünen Fransen, sowie etliche Reitsättel.
>>Zur Führung der Wirtschaft standen zur Verfügung ein Schreiber, ein Müller, ein Schaffer (Moar), drei Knechte, zwei Schwaiger, ein Ochsenhalter und drei Buben, je ein Eisen- und Kohlführer sowie Kohlenbeförderer, eine Herren- und eine Gesindeköchin, eine Brenntlerin sowie eine Schwaig- und Schweinedirn.<<

>>Einen aufschlußreichen Einblick in die Geschäftverbindungen Gruebers geben die ausständigen Forderungen für geliefertes Eisen. Grueber erzeugte verschiedene Sorten ´geschlagenen´ Eisens, wie Flamm-, Hacken-, Glattereisen, Zain- und Standeneisen, Platten, Drahteisen und Blechflammeisen. Er hatte eine eigene Niederlage in Salzburg und außerdem einen kommissionsweisen Verkäufer daselbst namens Georg Hilger. Der Gesamtwert seines Eisenlagers bei den Hämmern und in Salzburg belief sich auf 7.106 fl. 1 Schilling. Wichtig für den Absatz war der Rupertimarkt in Salzburg (24. September), von dem Grueber im Jahre der Inventarsaufnahme 3.322 fl. heimgebracht hatte. Aus den ausständigen Forderungen ersieht man seine Geschäftsverbindungen. Sein `geschlagenes Eisen´(Halbfabrikate) ging, den behördlich festgelegten Wegen folgend, nach Süddeutschland und in die Schweiz, nach Salzburg, Oberösterreich über den Pyhrn und in das Salzkammergut, wohin eben das `Vordernberger´oder `Leobner´ Eisen seinen `Ausgang´hatte.<<
>>Die Außenstände aus obigen Geschäftsverbindungen sowie von einigen anderen Schulden erreichten die beträchtliche Höhe von über 19.000 fl., so dass sich der gesamte Nachlaß einschließlich einer Einlage bei der Innerberger Hauptgewerkschaft im Betrage von 3237 fl. auf 41.996 fl. belief.<<

Hans Grueber war zweimal verheiratet. >>Seine erste Frau war Maria, Tochter des am 21.8.1604 geadelten Johann Dechann, Pfleger zu Ehrnau. Dieser Ehe entsprossen sechs Kinder, vier Söhne und zwei Töchter. Von diesen war die eine Klosterfrau in Mahrenberg, die jüngste hatte den Leobner Bürgermeister und Eisenverleger Christof Monatschein von Monnsberg geehelicht. In zweiter Ehe war Hans Gureber mit Anna, Tochter des sehr vermögenden Kalwanger Gewerken Martin Gaugus und der Barbara Neumayer, ebenfalls einer Gewerkenstochter aus Kalwang, vermählt. Aus Gruebers zweiter Ehe stammte nur eine Tochter Maria Apollonia, die Dr. Wolf Rudolf Posch geehelicht hatte. Sie hatte von ihrer frühverstorbenen Mutter 25.000 fl. und von der Großmutter Barbara Gaugus, geb. Neumayer, 15.000 fl. geerbt. Diese Erbschaften lagen mit Ausnahme eines Betrages von rund 13.000 fl., die Dr. Posch bereits erhalten hatte, auf dem Besitze Gruebers. Es verblieb daher als reiner Nachlaß nur ein Betrag von rund 57.000 fl., der in gleichen Erbteilen an die sieben Kinder fiel. Infolgedessen übernahm die Tochter Apollonia, verehelichte Posch, den größten Teil des Besitzes, nur der drittälteste Sohn Gabriel Grueber erhielt das Krallengut samt Mautmühle in der Liesingau und einen Hammer; alle übrigen Kinder wurden mit Geld, Fahrnissen und den ausständigen Forderungen abgefunden.

Hans Grueber hatte für seine Verdienste um die Beförderung des Kammergutes von Kaiser Ferdinand II., datiert Wien, 5.2.1632, den rittermäßigen Adel für das Reich und die Erblande erhalten.

Gleichzeitig wurde ihm das Recht verliehen, bis zu 100 Pfund Gülten und Güter in den nieder- und innerösterreichischen Landen gegen das Einstandsrecht der Stände zu erwerben.
Hans Grueber machte von diesem Rechte auch wiederholt Gebrauch. Er erwarb von Innozenz Freiherrn von Egg Gültern mit rund 50 Pfund zu Pöls, Arndorf und Stegdorf, die er 1635 dem Claudio Crololanza, Kaiserlichen Diener und Hofhandelsmann, verkaufte. Im selben Jahre kaufte er von der Witwe des Hofkammerpräsidenten Freiherrn Maximilian Breuner die mit 101 Pfund Herrengült beansagte Herrschaft Eppenstein, die er zwei Jahre später an Christof Alban Grafen von Saurau veräußerte.<<
(Freiherr Max Breuner vermittelte, dass Ferdinand II. am 16 März 1634 Mautern zum Markt erhob. Mautern stand seit Mitte des 16. Jahrhunderts unter der Jurisdiction der Breuner´schen Herrschaft Ehrnau. Die Breuner waren auch die Gründer des Franziskanerklosters in Mautern (1669).
>>Der große, von Kalwang entlegene Herrschaftsbesitz Eppenstein dürfte für Grueber, der für seine Gewerkschaft, wie man aus den großen Außenständen ersieht, ein bedeutendes Betriebskapital benötigte, auf die Dauer nicht haltbar gewesen sein.<<Was das weitere Schicksal der Familie betrifft, so finden wir den Enkel und Urenkel von Hans Gruebers Sohn Gabriel, der 1665 an der Universität Ingolstadt zum Doktor der Rechte promoviert wurde, als Hauptbuchhalter der Innerberger Hauptgewerkschaft in Eisenerz.<<
(Gültengüter: Gültenhöfe waren Güter, von denen Grundzinsen erhoben wurden. Die Grundzinsen haften an Grund und Boden und waren von jedem Besitzer eines so verpflichteten Grundstückes als Zinsmann an den Zinsherren zu entrichten.)

Hammerherrenfamilie Schragl

Schon im Jahre 1539 ist ein Peter Schragl unter den Besitzern von Hammerwerken und 1577 der Stellerhube in Kalwang genannt.
Kalwang ist die Heimat der Schragl. (Die ersten Matriken der Pfarre beginnen um 1639). In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts finden wir sie in Kalwang als Hammerherren und auch als Knappen im Teichener Kupferbergbau, der zuerst 1469 erwähnt wird. >>Das gleichzeitige Auftreten mehrerer Familien dieses Namens in verschiedenen Lebensstellungen läßt vermuten, dass die Schragl dort schon sehr lange seßhaft waren und dass jener Schragl, den wir 1573 als Bürger und Kupferschmied zu Waidhofen a. d. Ybbs finden, wohl auch aus Kalwang gestammt haben dürfte. Bei der Gegenreformation scheint dieser ausgewandert zu sein, denn später findet sich dieser Name zu Waidhofen nicht mehr. 1643 erwirbt ein Martin Schragl mit einer Taxe von 8 Talern das Bürgerrecht in Steyr, heiratet eine Tochter des Obervorgehers Hans von Weißenberg und tritt in Dienste der Innterberger Hauptgewerkschaft.<<
>>Die sichere Stammreihe des Geschlechtes beginnt mit Matthias Schragl, Hammergewerken zu Kalwang, der am 24. Oktober 1650 von Johann Döz, bayrisch kurfürstlicher Rat und Regiments-Sekretär zu Landshut, einen Wappenbrief erlangte.<< Er starb zu Kalwang am 18. Juli 1668 und war fünfmal verheiratet. Am 24. Jänner 1644 heiratete er Ingrut Eysel aus Hallstatt und am 2. Februar 1645 die Anna Frichter aus Salzburg. Von seiner dritten Frau, die am 21. Juni 1664 starb, ist nur der Vorname Katharina bekannt. Die vierte Frau, Katharina Tonbach, ehelichte er am 9. Jänner 1666 und seine letzte Frau hieß Katharina Egger.
>>In der Folge entwickelten sich die Schragl zu einem der bedeutendsten Geschlechter unseres Eisenadels. Außer im Liesingtale zu Kalwang und in der Stegmühl pochten ihre Hämmer zu Pöls, Möderbruck und Kapfenberg.<< Nach Matthias wird Hans Schragl schon 1655 als Hammergewerke in Kalwang genannt. Er starb 1682. Er dürfte, obwohl er auf der Stammtafel als Sohn des Matthias aufscheint, jedoch dessen Bruder gewesen sein. Hans vermählte sich am 10. Februar 1653 mit Maria Rosina Berger aus Admont und zum zweitenmale am 16. Juni 1671 mit Marg. Prunner. 1628 verkaufte ein Hans Schragl dem Martin Gaugus in Kalwang sein Anrecht auf das Haslachgut zu Kalwang (Urk. 26.4.1628, L.A.) und 1634 erhält Mathias Schragl die Ainichhube >>in der Göß ob Trofaiach<< verliehen (Urk. 27.11.1646, L.A.)

Hans Schragls Sohn, Peter Christof Schragl, geb. 29.4.1663 zu Kalwang, war Hammergewerke in Stegmühl. In einem Kaufbrief bestätigt Breuner (von Mautern) am 27.11.1683 folgendes: >>dass ich dem Peter Christofen Schrägl Hammermeister in Stegmühl und all desselben Erben, am Zern-Hammer in der Teichen, mit zwei Feuern unter ainem Tach sambt den dazu gehörigen Khollparn und Hammerhaißl, mit all anderen Recht- und Gerechtigkeiten, wie es von alters herkhomben, und ingehalten worden, sonst zu welches alles Er Schägl nach Absterben Weillant Hannßen Schrägl, als dessen gewesten eheleiblichen Vattern … an sich genomben … hiemit kraft dieses Briefes zu ordentlichen Khaufrecht verliehen und bestätigt will haben.<<

Peter Christof Schragl kaufte von seinem Schwiegervater Ludwig von Springenfels im Jahre 1690 das Radwerk Nr. 5 in Vordernberg und trat damit in den Kreis der Vordernberger Radmeister, dem selbst seine Familie dann durch eineinhalb Jahrhunderte angehörte. Seine erste Frau, Margaretha Constanze v. Springenfels, starb am 6. Juni 1720; sie gebar ihm drei Kinder: Franz Josef, Maria Theresia und Mar. Constanze. Seine zweite Frau, Mar. Anna Zeigler aus St. Veit an der Glan, starb kinderlos im Jahre 1743. Peter Christof Schragl war schon im Jahre 1733 verstorben. Aus einer urbarialen Aufzeichnung des Jahres 1686 geht hervor, dass Margaretha v. Springenfels, verwitwete Schragl, in einem Umschreibungsbuch Grundstücke in Kammern auf ihren Sohn Hans Adam Schragl umschreiben läßt; in der Stammtafel der Familie von Schragl nach Anton v. Pantz scheint jedoch kein Sohn Hans Adam der Margar. v. Springenfeld auf. Hier dürfte in der Stammtafel ein Irrtum vorhanden sein. Es ist ein Umschreibungsgesuch der Margaretha v. Springenfels erhalten über 4 Pfund 7 Schillinge 14 Pfennig, bestehend aus einem Haus zu Kalwang mit 2 Pfund 7 Schilling 8 Pfennig, einem Grundstück zu Kammern mit 1 Schilling 6 Pfennige und 3 Tagwerken, an der Leiten mit 7 Schilling, von Hans Schragl auf ihren Sohn Hanns Adam Schragl im Jahre 1686; gleichfalls eine Umschreibung von 6 Schilling 16 Pfennig, bestehend aus dem Hübl am Stadlsberg mit der halben Hochalm mit 16 Pfennig und einem Haus und einer Schmiede zu Kalwang mit 6 Schilling, von Hans Schragl auf seinen Sohn Peter Christof Schragl im Jahre 1686. Im Jahre 1712 erfolgte die Umschreibung dieser 6 Schilling 16 Pfund auf Christof Andree v. Springenfels, Hammermeister in Kalwang; ebenso wurden die obigen 3 Pfund 7 Schilling 14 Pfennig im Jahre 1717 auf Christof Andree v. Springenfels umgeschrieben. Im Jahre 1747 erfolgte dann die Umschreibung der vorstehenden Gülten mit insgesamt 4 Pfund 6 Schilling auf Franz Anthoni Hackh, Hammerherr in Kalwang und seine Frau Maria Theresia geb. Springenfels. Am 12. Jänner 1750 erfolgte die Einlage über das mit 4 Pfund 6 Schilling beansagte Freigut (Raffelherberge) mit einer Schmiede in Kalwang durch Franz Anthoni Hackh, Hammergewerke in Kalwang.

Mit Hans Josef, geb. 1654, und Peter Christof, geb. 1663, den Söhnen des 1682 zu Kallwang verstorbenen Hans Schragl, teilte sich das Geschlecht in zwei Stämme.
Der jüngere, mit Peter Christof, gest. 1733, gegründete Stamm teilte sich mit seinen Enkeln Karl Thaddäus (gest. 21.10.1748 zu Vordernberg) und Franz Cajetan in zwei Linien. Die letztere besaß Hammerwerke bei Kapfenberg (Erlachhammer) und verschwindet vor Mitte des vorigen Jahrhunderts. Die ältere Linie des Karl Thaddäus, der von seinem Großvater des Radwerk Nr. 5 in Vordernberg übernommen hatte, teilte sich durch seine Söhne Johann Joachim (gest. 1744), Johann Karl (geb. 1735) und Ignaz Christof (geb. 1744) in drei Zweige, von welchen der älteste sich dem Eisenwesen entfremdete. Johann Joachim erlangte als landesfürstlicher Rat in Krain 1777 den Adel. Seine Nachkommen verschwinden Mitte des vorigen Jahrhunderts.

Die Hammerwerke in Kalwang übernahm Johann Karl, an dessen Nachkommen nach dem Tode des kinderlosen Bruders des obigen, Franz Sales (gest. 1791) und seiner Witwe Eva Rosina, geb. Ledermayer v. Maynfeld (gest. 1809), das Radwerk Nr. 5 zu Vordernberg fiel.
Der Sohn Johann Karls Carl Maria (geb. 1769, gest. in Graz 1816), war Hammergewerke in Kalwang und mit Kunigunde Blumauer vermählt. Joachim Schragl (geb. 1803), ein Sohn Carl Marias, scheint noch 1840 als Oberschützenmeister der Kalwanger Schützengesellschaft auf. Er starb in Graz am 8. August 1866. Im Jahre 1844 verkaufte er seinen ganzen Besitz zu Kalwang, darunter auch das Hammerwerk Kaiserau in der Teichen, an das Stift Admont. Damit war dieser Zweig der Schragl vom Eisenwesen geschieden und der mehrhundertjährige Besitz in fremden Händen übergegangen.

1843 verkauften die Kinder Carl Maria Schragl das Vordernberger Radwerk Nr. 5 >>am Plotsch<< an Erzherzog Johann.
Bereits nach zwei Jahren (1846) sah sich jedoch das Stift Admont genötigt, den Betrieb in den Hämmern wegen Mangel an Holzkohle und des hohen Preises derselben einzustellen und den erst erworbenen Besitz nebst den alten stiftischen Hämmern in Stegmühl und Kalwang an die Vordernberger Radmeister-Kommunität zu verkaufen.

Am 20. August 1791 wurden Johann Karl Schragl, Leutnant a. D. und Hammergewerke in Kalwang und sein Bruder Franz Sales, Radgewerke in Vordernberg, in den österreichischen Ritterstand mit dem Ehrenworte >>Edler von<< erhoben.

>>Das Stammwappen der Familie Schragl: Gevierter Schild, 1 und 4 in Gold ein schwarzer einköpfiger Adler mit ausgebreiteten Flügeln, 2 und 3 in Rot ein springender silbener, golden gekrönter Löwe mit einem Buschen Stabeisen in den Vorderpranken. Geschlossener gekrönter Helm mit rechts schwarz-gelben, links rot-weißen Decken.<<

Im Jahre 1802 wird noch auf der Primschhube ein Martin Schragl genannt. Ein Matthäus Schragl, Radwerksbeamter in Vordernberg, gest. 1734, hinterließ 2 Töchter: Maria vermählt mit Franz Anton v. Scheuchenstuel, Kastner in Weißenbach a.d. Enns, und die zweite Tochter war vermählt mit Martin Ehrenreich Walzl, Arzt in Rottenmann.

Unter den in Vordernberg vorhandenen Inventaren befindet sich auch jenes, das nach dem Ableben des Radmeisters Karl Thaddäus Schragl, gest. 21.10.1748 zu Vordernberg aufgenommen wurde. Karl Thaddäus war Hammergewerke in der Kaiserau bei Kalwang und Radmeister in Vordernberg. Er vermählte sich am 28.1.1734 in Kalwang mit Anna Christina Thinn, welche sich nach dem Tode ihres Mannes, 1751 wiedervermählte mit Joh. Paul v. Weissenberg zu Treuenburg und Spatenbau.

Das oben erwähnte, nach dem Ableben des Karl Thaddäus Schragl aufgenommene Inventar >>gewährt einen tiefen Einblick in das behagliche und wohlbestellte Hauswesen eines vermögenden Gewerken jener Zeit. Karl Thaddäus Schragl besaß in Vordernberg ein Wohnhaus, mit 1.000 fl. bewertet, zwei Häuser (600 und 366 fl.) und Grundstücke im Werte von 3.227 fl. Das Vordernberger Radwerk Nr. 5 wurde auf 1.000 fl., das Radwerksinventar auf 600 fl., dir fünf Erzrechte auf 2.567 fl., Holz- und Kohlarbeiten auf 1.090 fl. geschätzt. Das Hammerwerk in der Kaiserau bei Kalwang ist mit 2.214 fl., ein Weingarten in Silberberg mit 2.100 fl., zwei Huben unter dem Koster Göß sind mit 3.545 fl., Wälder und Almen mit 10.172 fl. bewertet.<<

Stammtafel der Familie Schragl
(nach Anton Pantz)

Mathias Schragl
Hammergewerke in Kalwang, + das. 18.6.1668, erhielt 24.10.1650 einen Wappenbrief, verm. 1.241.1664 mit Ingrid Eysl
aus Hallstatt, 2.12.2.1645 mit Anna Frichter aus Salzburg, 3… mit Katharina, + 21.6.1664, 4.9.1966 mit Katharia Tonbach
in Kalwang, 5. Katharina Egger; (mit der 1. Frau fünf, mit der 4. zwei Kinder; nach Anton Pantz.)

Hans Katharina Georg
schon 1655 Hammergewerke in verm. 1. mit Georg Schretter, Niederläger in Aussee
Kalwang, + 1682; verm. das 1. Eisenverleger in Leoben, Hammer- + vor 1668
10.2.1653 mit Mar. Rosina Berger gewerke in Furth, 2. mit Mathias
aus Admont, + 15.8.1667 in Kalwang Leuzendorf (1652), Katharina besaß
(3 Kinder); das 2.16.6.1671 mit auch das Schloß Paltenstein; sie wurde
„Frau“ Matg. Prunner 4 Kinder 1687 in Gaishorn beerdigt.

Joh. Josef Peter Christof Eva Theresia Mathias
geb. 19.2.1654, geb. 29.4.1663 in Kalwang; verm. 1. mit Joh. Georg geb. 1646, + Kalwang
Hammergewerke in Hammergewerke in Stegmühl v. Schüttenkopf, Rad- 29.3.1674; verm. das.
Pöls vor 1683; kauft 1690 von seinem meister in Vordernberg 28.2.1670 mit Kath.
Schwiegervater + das. 1707; 2. mit Frz. Egger, die sodann am
Anton Stadler v. Gstirner 17.5.1676 den Jakob
Radmeister in Vordernb. Schragl zu Kammern
ehelicht.

Franz Josef
Hammergewerke in Kapfenberg
verm. mit Ursula, Tochter des Franz
Christoph v. Wels u. der Elisabth
geb. Thin.

Karl Thaddeus
Hammergewerke in der Kaiserau bei
Kalwang, Radmeister in Vordernberg, Radw. 5;
+ 21.10.1748 zu Vordernberg; verm. Kalwang
28.1.1734 m. Anna Christina Thinn

Ignaz Christoph Johann Karl
geb. 1744, Marktschreiber geb. 1768, Leutnant a. D. verm. mit
und Radgewerke in Antonie v. Fichtl.
Vordernberg Hammergewerke in Kalwang

Gottlieb Maria Carl Maria
unverehelicht, + 31.5.1820, geb. 1768, + 5.12.1816
Radm. am Radw. 5 in Vordernb. Hammergewerke in Kal-
wang; verm. mit Kunigunde
Blumauer

Joachim
geb. 1803; Oberschützen- meister d. Schützenges.
Kalwang 1840. + Graz
8.8.1866, verm. m. Ottilie
Zinner

Peregrin
geb. 24.9.1849 in Kalwang,
+ in Salzburg

Hammerherrenfamilie Schüttenkopf

Das große alte Haus in Kalwang, welches im Volksmunde nach dem Wappen über dem Tore mit dem wachsenden Männlein als Zier, das >>Mandlhaus<< genannt wurde, ist das Stammhaus der Schüttenkopf. 1667 erwarb dieses Haus der Admonter Abt Raimund, Freiherr v. Rehling für Zwecke des stiftischen Kupferbaues. Seine jetzige Gestalt dürfte es nach dem Brande von 1725 erhalten haben; heute dient es als Pfarrhof.

>>Die Schüttenkopf dürften aus der Leobner Bürgerschaft hervorgegangen sein, wo 1612 Ruprecht und Kaspar als Überzinseinnehmer erscheinen. 1608 und 1609 werden dem Ruprecht Schittenkopf zu Leoben und seiner Gattin Sabine die Söhne Philipp und Paul geboren.<<
>>Oswald Schittenkopf und Anna lassen daselbst 1612 den Sohn Martin und 1614 Matthias taufen. Aus der zweiten Ehe Oswalds mit Sofia stammten die Kinder Oswald, geb. 1615, Sigmund 1618, Erasmus 1620, Wolfgang 1622 und Georg 1625. Der oben erwähnte Martin Schittenkopf hatte aus seiner Ehe mit Martha den 1637 zu Leoben geborenen Sohn Mathias und die ein Jahr darnach geborene Tochter Ursula.<<

Kaspar Schüttenkopf war seit Ende des 16. Jahrhunderts Radmeister zu Kalwang, und erbaute nach dem Brande von 1595 das >>Mandlhaus<<. Er verwaltete auch die Eisenobmannschaft in Kammern-, Palten- und Ennstale und besaß 1625 zwei Hammerwerke in Kalwang. Ihm und seinen Bruder Oswald verlieh Kaiser Ferdinand II. am 12. Oktober 1630 den rittermäßigen Adel und die >>Salva guardia<< (d.i. von Einquartierungen durchziehender Soldaten befreit) für die Dienste, die Kaspar zu Vordernberg und Aussee sowie durch 35 Jahre als Radmeister in Kalwang geleistet hatte.
Kaspar Schüttenkopf wird auf einer Inschrift über dem Eingang an der Ostfassade des Schlosses Paltenstein in Furth erwähnt. Er besaß die Hammerwerke in Furth und ist der erste bekannte Hammerherr dieses Werkes. Als ihm die Further Bauern durch Ableitung des Paltenbaches Schwierigkeiten bei seinem Hammerwerk bereiten, beklagte er sich im Jahre 1617 bei Erzherzog Ferdinand. Die Bauern wurden daraufhin streng verwarnt, und ihnen die Ableitung des Paltenbaches bei Strafandrohung verboten. Kaspar Schüttenkopf konnte sich so sein Wasserrecht zur Betreibung des Hammerwerkes bewahren.

In seinem Testament vom 2. Mai 1637 setzte er Christof und Martin >>Schittenkopf<< als seine Erben ein, erwähnte darinnen auch den Further Hammer und sein Haus (>>Mandlhaus<<) in Kalwang. Er vermachte den >>Herren Schrägl und Gaulhofer, welche sich in meinen Handlungssachen und anderen viel bemüht und hinfür noch thuen werden, ain jeden dreißig Reichstaller.<< Zacharias Gaulhofer war Marktrichter zu Mautern und Hammermeister in Wald, Matthias Schragl >>wohnhaft und Handelsmann zu Kheilbang.<< Er scheint aber auch mit den anderen Hammermeistern unseres Gebietes gute Beziehungen gehabt zu haben, denn er führt in seinem Testamente folgende Zeugen an: >>Der ehrwirdige geistliche und wohlgelehrte Herr Christian Riegler, Pfarer alhir, der edle Herr Hans Grueber, wohnhaft und Hammermaister in der Liesingau, Herr Hanß Schwärzl, Hammermeister, Paul Mänharts, derzeit Richter und beede wohnhaft alda zu Kheilbang und Lorenz Seidl auch Hammermeister in der Liesingau.<<

Am 2. Mai 1639 wurde Kaspar Schüttenkopf zu Kalwang begraben, 1641 folgte ihm seine Frau im Tode nach. Ein Wappenfenster im Pfarrhofe trägt die Buchstaben M.S.K. (Martin Schüttenkopf Kalwang) und erinnert daran, dass Martin Schüttenkopf im Jahre 1641 das >>Mandlhaus<< besessen hatte. Othmar Schüttenkopf ließ das Haus im Jahre 1649 umbauen und über dem Eingangstore sein Wappen anbringen, welches die Umschrift trägt: >>Othmar Schittenkopp zur Ehr und Gedächtnuß auerbaut 1649 Jahr.<<

Die Schüttenkopf kamen 1652 mit Erasmus Schüttenkopf unter die Vordernberger Radwerken. Seine Frau Maria war die Tochter des Christof Zechner in St. Stefan ob Leoben. Schon im Jahre 1662 starb Erasmus, worauf seine Witwe den Leobner Paul Kielenprein ehelichte. Dieser besaß durch diese Ehe nun auch das Vordernberger Radwerk Nr. 1. Maria, geb. Zechner, starb im Jahre 1697. Von ihren aus erster Ehe hinterlassenen vier Kindern übernahm Johann Georg Schüttenkopf bereits im Jahre 1695 beim Tode seines Steifvaters Kielenprein dessen Vordernberger Radwerk. Johann Georg war mit Theresia Schragl aus Kalwang verheiratet. Als er im Jahre 1707 starb, heiratete seine Witwe den Franz Anton Stadler v. Gstirner, Radmeister in Vordernberg. Theresia, geb. Schragl, starb am 18.12.1756 im Alter von 69 Jahren. Aus ihrer ersten Ehe mit Johann Georg Schüttenkopf stammt der Leobner Eisenverleger Johann Schüttenkopf und die Tochter Margarethe, welche den Leobner Eisenverleger Kainz ehelichte. Mitte des 18. Jahrhunderts verschwinden die Schüttenkopf aus der Obersteiermark; Nachkommen dieses Geschlechtes lebten im 19. Jahrhundert noch in Graz und Wien.
Das Wappen der Hammergewerken-Familie Schüttenkopf ober dem Toreingang zu Kalwanger >>Mandlhaus<< beschreibt A. v. Pantz wie folgt: >>Im goldenen Schilde ein springender schwarzer Leu mit roter Zunge. Offener gekrönter Helm mit schwarz-goldenen Decken. Zier: ein wachsender bärtiger Mann mit engem, von Schwarz und Gelb gespaltenem Leibrock, Leibbinde und Überschlag am Hals und Ärmel. Am Haupte eine schwarze, gelb ausgeschlagene Mütze mit 2 gelben Federn. In der Rechten hält der Mann ein Schwert, in der Linken einen abgeschlagenen Türkenkopf bei den Haaren.<<

Hammerherrenfamilie Pengg

Schon im Jahre 1499 wird ein >>Penkh in der Au<< unter den Besitzern von Hammerwerken in Kalwang genannnt. Seit dem 15. Jahrhundert bis in die neueste Zeit ist der Name Pengg mit dem steirischen Eisenwesen verbunden. Zur Zeit Maximilian I. errichtete der Hammermeister Veith Penkh einen welschen Hammer in der Au im Kammertal, welchen er noch 1536 bearbeitete. Nachfolger auf diesem Hammer waren im Jahre 1602 Hans Neumayr und Benedikt Seidl. (Graz LA, Urbar Herrschaft Ehrnau). 1561 erscheint Wolfgang Pennck als Hammermeister in Kalwang. Eine Urkunde vom 7. August 1556 berichtet, dass >>Wolfgang Penngkh zu Kheyhlwanng<< dem >>Anndreen Vnndterstöller<< die Gerechtigkeit auf den halben Wällischen Hammer, gelegen >>in der Nott undterhalb Kheyhlwanng, dienstbar der Herrschaft Chamerstein und Ernaw<< verkauft hat. Aus einer weiteres Urkunde vom 19. März 1566 erfahren wir, dass Sebastian Althamer, Bürger zu Salzburg, seinerzeit den Hammer in der Not von Wolfgang Penng, Hammermeister zu >>Kheuchlwang<<, und dessen Frau Catrina in Abtretung ihrer Schulden >>überkommen hatte<<. Althamer übergibt nach dieser Urkunde den Not-Hammer kaufrechtweise dem Tiburtz Gauguss.

Ein gleichnamiger Sohn dieses Wolfgang Pennck dürfte nach Vordernberg gezogen sein, wo er das Frauenlobgut und das Radwerk Nr. 13 besaß (1581 – 1584). Sein Sohn aus erster Ehe namens Oswald war 1616 Marktrichter zu Vordernberg. Carl Engelbrecht Penng, ein Sohn der Magdalena Regina Penngin, kam nach Kalwang zurück, wo ein jüngerer Zweig der Pengg schon seit dem 16. Jahrhundert als Grundbesitzer und Hammergewerken tätig war. So lebte in Kalwang ein Thoman Pengg, dessen Vermählung mit Barbara, der Tochter des Hans Rotleitner, am 23. Oktober 1636 in Kalwang erfolgte. 1644 wurde diesem Paar ein Sohn namens Hans geboren. Aber nicht nur in Kalwang sondern auch in Mautern finden wir Angehörige der Familie Pengg. Obwohl also die Pengg schon durch Jahrhunderte im Liesingtal seßhaft waren, hat sich doch nur in Kalwang ein Grabmal erhalten.

Carl Engelbrecht Pengg (geb. 1724 zu Vordernberg, gest. 12.3.1761 zu Kalwang) wurde zum Stammvater der heute in Thörl lebenden Gewerkenfamilie. Er vermählte sich am 1. September 1744 mit Maria Theresia Thinn, welche aus der Kalwanger Hammergewerkenfamilie Thinn von Thinnfeld stammte. Carl Engelbrecht, dessen Grabschrift in der Kalwanger Kirche ihn als Zechmeister der Pfarrkirche bezeichnet, betrieb einen Hammer zu Kalwang. Auf dieser Grabschrift erscheint sein Todesjahr 1761 nicht verzeichnet. Seine Gattin Maria Theresia starb 1799; ihr Grabstein befindet sich an der Außenseite der Pfarrkirche zu Kalwang. Dieses Paar hatte 9 Kinder. Am 3. April 1758 wurde der Sohn Vinzenz Pengg geboren, welcher im Jahre 1783 die Witwe des Hammergewerken und Drahtziehers am Oberen Hammer zu Thörl, Franz de Paula Fürst, Elisabeth, geb. Kayer, ehelichte. Nachdem er nach seiner Vermählung mit der Witwe Fürst die Führung des Werkes in Thörl für die minderjährigen „Fürst-Kinder“ übernommen hatte kaufte Vinzenz Pangg 1805 von seinem Stiefsohn Vinzenz Fürst das Obere Werk in Thörl, welches seither ununterbrochen Penggscher Familienbesitz ist. Sechs Söhne und zwei Töchter entstammten der zwölfjährigen Ehe des Vinzenz Pengg mit Elisabeth, welche am 23. April 1795 im Alter von 48 Jahren starb. Vinzenz selbst starb am 30. März 1811 in Leoben. Söhne der beiden sind: Carl Josef (geb. 1783), Franz Xaver (1784), Josef Vinzenz (1787 – 1795), Ägydius Franz (1788 – 1855), Johann Ev. (1789) und Karl Engelbrecht (1794).

Anton v. Pantz vermutet in der Rafflherberge zu Kalwang, dem heutigen Fürst Liechtensteinschen Forstamte, den Herrensitz der Kalwanger Familie Pengg. Doch das pfarramtliche Quatember-Register der Kirche Kalwang von 1769 – 1840 weist im Jahre 1769 Carl Engelbert Pengg nach Thomas Thinn (1727) als Besitzer des >>Zehenthofes<< (heute >>Scheuchenstuhl<<) in Kalwang aus. Von 1777 bis 1783 bezeichnet dieses Quatember-Register seine Witwe >>Theresia Penggin<< als Besitzerin des Zehenthofes und noch 1825 ist ein Carl Pengg am Zehenthof als Besitzer genannt. Es dürfte daher die Annahme richtig sein, dass nicht die Rafflherberge, wohl aber der Zehenthof zu Kalwang das Herrenhaus der Pengg gewese ist. Ein Karl Engelbert Pengg unterzeichnete im Jahre 1784 eine Schützenordnung der Kalwanger Schützengesellschaft; er dürfte wohl der Sohn jenes Carl Engelbert des Jahres 1769 gewesen sein. Auch noch 1817 ist ein Gewerke Carl v. Pengg als Schützenmeister in Kalwang Unterzeichner einer Urkunde, welche auch noch die Unterschrift eines Johann Pessngg trägt. Nach dem Bauparzellenprotokoll aus dem Jahr 1825 (franziszeischer Kataster) besaß Carl v. Pengg in diesem Jahre zu Kalwang u.a. den Zehenthof, das Röthlhaus, die Könighofstatt, die Moosmühle, auch Penggenmühle genannt, und den Nothammer an der Liesing, sowie zahlreiche Grundstücke. Karl Adam Pengg, Gewerke in Kalwang, war mit Eva, einer Tochter des Kalwanger Hammergewerken Anton v. Scheuchenstuel, vermählt. 1838 kaufte Anton v. Scheuchenstuhl den Zehenthof, der fortan bis ins 20. Jahrhundert im Besitze der Familie Scheuchenstuhl blieb. Ein Großteil des übrigen Familienbesitzes der Pengg in Kalwang wurde an die Vordernberger Radmeister Communität verkauft. Diese ließ die Hammerwerke auf und verwendete die Wälder zur Deckung des Kohlbedarfs in Vordernberg. – Ein Josef Benedikt Pengg aus Mautern ehelichte Josefa Murmayer, Erbin des Ainbacher Hammers und Witwe nach dem 1781 verstorbenen Karl Leopold Fürst.

In Thörl folgte Franz Xaver seinem im Jahre 1811 gestorbenen Vater Vinzenz Pengg im Besitze des Betriebes nach (1811 – 1841). Franz Xavers Bruder, Ägidius führte das Werk von 1841 bis 1855. Von 1855 bis 1890 leitete Ägidius Sohn, Johann Pengg d. Ältere, den Betrieb; er erhielt im Jahre 1877 den Adelstitel >>Edler von Auheim<<. Sein Sohn, Johann Pengg d. Jüngere, 1890 bis 1926 Inhaber des Werkes in Thörl, war Präsident der Leobner Handelskammer. In dieser Zeit erlangte die Drahtindustrie in Thörl Weltruf. Ab 1926 leitete Bergrat h. c. Dipl.-Ing. Hans v. Auheim die Thörl

Die Gewerkenfamilie Scheuchenstuel

In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts finden wir unter der Rosenheimer Bürgerschaft die Scheuchenstuel dort bereits seßhaft. Herrliche Grabdenkmale in Rosenheim zeugen von der Bedeutung dieses Geschlechtes. Sie siedelten auch in Rosenheims Umgebung, bis dieser Zweig 1698 erlosch.

Als Stammvater der in zahlreichen Linien in Österreich lebenden Scheuchenstuel ist Hans anzusehen, der 1541 Sabine Hofer ehelichte. Sein Sohn Albrecht, Salzmeier in Reichenhall, erhielt von Kaiser Rudolf II. am 18. Juli 1679 in Anerkennung seiner eigenen und seiner Voreltern sowie seiner beiden Söhne, Wilhelm und Peter, Verdienste den rittermäßigen Reichs- und erbländischen Adel verliehen.

Wilhelm vermählte sich in Wien am 23. Juli 1579 mit Lucia Zandegger. Sein Sohn Hans Viktor, der im Dienste der innerösterreichischen Kammer stand, kam als Gegenschreiber zum Eisenerzer Amte. Pantz berichtet über ihn: „Dort ehelichte er 1610 die Witwe nach dem Radmeister Hans Raidl, Martha geb. Strußnigg. Martha starb jedoch schon 1612, worauf der durch Einheirat unter die Radmeister gelangte Witwer sich mit Susanne, geb. Kerzenmandl von Prandtenberg verband. Hans Viktor, der schon 1625 sein Radwerk >>im Paradies<< – im Besitze des Hans Raindl (1601 – 1610), seines Schwiegervaters Michael Strußnigg (1586 – 1601) und des Adam Strußnigg (1560 – 1586) – an die Hauptgewerkschaft abtreten musste, erhielt nur eine kleine Einlage. Von dem Schätzwerte von 12.000 fl. blieben, nach Abrechnung der Gewerkschaftsverläge, nur 3.000 fl. übrig. Und dennoch bildete die Zugehörigkeit zur Hauptgewerkschaft den Stützpunkt des Geschlechtes, das in zahlreichen Zweigen beim Bergwesen, zumindest in Diensten der Hauptgewerkschaft tätig, bis zum Ende der Innerberger Union, im Jahre 1868, zu den Mitgewerken zählte.

Hans Viktor starb 1641 als Rechenschreiber von Groß-Reifling zu Eisenerz auf seinem zurückbehaltenen Besitz, seine Gattin Susanne starb 1654. Von seinem einzigen Sohn Hans Karl, (1664 – 1688) Vorgeher in Weyer, dann Verweser in Wildalpen, stammen aus einer Ehe mit Eva v. Pantz die weitverbreitenen Angehörigen dieses Geschlechtes. Seine Frau Eva, war die Tochter des Jakob v. Pantz, Mitgewerken und Oberwaldmeister in Weyer.

Aus einem nach Wittkowitz gekommenen Zweig stammt der Armeekommandant Generaloberst Viktor v. Scheuchenstuel, dem Kaiser Karl I. von Österreich am 13. September 1917 den österreichischen Grafenstand verlieh.

Hans Karl von Scheuchenstuel starb 1688 in Wildalpen. Er hatte drei Söhne: Hans Jakob war Verweser in Wildalpen und Obervorgeher in Weyer, wo er im Jahre 1739 starb. Sein Grabdenkmal befindet sich an der Kirche in Weyer. Der zweite Sohn Edmund, Kapitular zu Admont, wirkte als Pfarrer in Kalwang, wo er gleich zeitig von 1701 – 1737 Verweser des Kupferbergwerkes in der Teichen war. Der dritte Sohn Franz Anton, seit 1709 Kastner in Weißenbach bei St. Gallen, starb dort im Jahre 1746. (Als Kastner bezeichnete man in älterer Zeit einen Beamten, der dem Kastenamte vorsteht. Den Kastenämtern oblag die Verwaltung des landesfürstlichen Kammergutes, insbesondere des Zehentgetreides. Von den Getreidekästen stammt auch der Names des Amtes.) Franz Anton war zweimal verheiratet und hatte 19 Kinder. Von seinen Söhnen Josef Ignaz, Kaspar Anton, Ambros und Engelbert, verzweigte sich das Geschlecht derer von Scheuchenstuel in mehrere Linien. Die Nachkommen Kaspar Antons blieben als Hammerverwalter in St. Gallen (Dominik, gest. 1816), während Ambros die sogenannte Klagenfurter Linie begründet.

Von Ignazens zehn Kinder ist sein Sohn Anton der Begründer jener Linie, die als Hammergewerke nach Kalwang gelangte. Anton, Hammergewerke in Kalwang, hatte sieben Kinder. 1838 erwarb Anton v. Scheuchenstuel den Zehenthof von Carl v. Pengg, ehemals Thinnsches Haus, sowie die vormals der Familie Pengg gehörigen Kalwanger Hämmer. Der Name Scheuchenstuel wurde nun auf den >>Zehenthof<< übertragen und blieb als solcher bis heute erhalten.

Um 1783 besaß Franz Anton Hackh Besitzungen der Thinn, die später in die Hände der Schragl übergingen.
Antons Sohn Kajetan, geb. 6.7.1843, übernahm von seinem Vater die Gewerke in Kalwang. Er starb am 22.6.1915 zu Kalwang. Er war auch als Gemeinderat in Kalwang tätig gewesen.

Aus Kajetans Ehe mit Barbara Walmpöckl aus Wels gingen die Kinder Anna, Josef und Gabriele hervor, Gabriele, verheiratet in Kalwang mit Ignaz Merkinger, starb daselbst am 2. Juli 1948.

Karl v. Scheuchenstuel, ein Nachkomme des Begründers der Klagenfurter Linie, Ambros, wurde 1792 geboren und war ein hochverdienter Bergmann, k.k. Sektionschef und Geheimer Rat. Im Jahre 1848 wurden auch in Österreich Wahlen zur Deutschen Nationalversammlung in Frankfurt am Main ausgeschrieben. Die Steiermark wurde dazu in 16 Bezirke eingeteilt, denn je 50.000 Bewohner sollten einen Abgeordneten wählen. Die Steiermark entsandte mit dieser Wahl ihre fähigsten Köpfe nach Frankfurt. Der Bezirk (Distrikt) Leoben wählte Oberbergdirektor Karl v. Scheuchenstuel in das Frankfurter Parlament. Er wurde am 30. Oktober 1856 österreichischer Freiherr und starb im Jahre 1867.

Das Stammwappen der Scheuchenstuel beschreibt A. v. Pantz wie folgt: >>In Rot auf schwarzem Dreiberge ein nacktes, goldhaariges Knäblein, die Arme in die Seite gestemmt, Stechhelm mit schwarz-rotem Wulst, darüber das Knäblein auf dem schwarzen Berge inmitten eines roten Fluges. Decken: schwarz-rot.<<

Im Jahre 1629 wurde das Wappen geändert: >>Gespalten, vorne in Rot auf grünem Hügel ein nacktes Knäblein, hinten in Gold auf grünem Dreiberge ein Jäger in grünem Gewande, grünem Hut mit Feder, Pulverflasche und Büchse (mit Kolben nach aufwärts) umgehängt; in der Rechten hält er das zum Blasen angesetzte goldene Horn, in der gesenkten Linken, an einem braunen Leitseil einen rechtsschreitenden braunen Leithund mit braunem Lederhalsband. Zwei Helme: I. Das Knäblein auf dem Hügel, II. zwischen zwei Hörnern, von welchen das rechte schwarz, das linke golden ist, sitzt eine schwarzbehalsbandete weiße Bracke.<<

Einer mündlichen Überlieferung nach sollen die Scheuchenstuel ursprünglich aus Thüringen stammen.
Über die Entstehung ihres Namens und Wappens geht folgende Sage: >>In der Nähe des Ansitzes ihres ersten Vorfahren trieb sich ein wilder Mensch in den Bergwäldern herum, der Furcht und Aberglauben erregte. Die Bewohner der Gegend wollten ihn töten, der Vorfahre der Scheuchenstuel aber ließ ihn fangen, nahm ihn – es war ein Jüngling – zu sich und machte ihn wieder zum Menschen. Nach Jahren nun kam die Kunde, dass ein Fürst seinen Sohn suche, der als Kind ausgesetzt worden war, um ihn zu beseitigen. In dem Jüngling erkannte man den Fürstensohn, der dann wieder in seine Rechte eingesetzt wurde. Zur Erinnerung an die Rettung des Knaben erhielt der Ahnherr der Scheuchenstuel seinen Namen und das nackte Knäblein im Wappen.<<

Auszug aus der Stammtafel der Scheuchenstuel
(nach Anton Pantz)

Hans Karl
1664 – 1670 in Weyer, + 1688 als Verweser in Wildalpen,
verm. mit Eva v. Pantz

Hans Jakob Franz Anton P. Edmund
+ 1739 seit 1709 Kastner in Weißenbach b. St. Gallen 1687 – 1741, Pfarrer in Kalwang
+ 1746 in Weißenbach u. 1701 – 1737 Verweser d. Kupfer-
verm. m. 1. Maria Christina bergwerkes in Kalwang
2. Margar. Schweiger 19 Kinder davon:

Kaspar Anton Engelbert Josef Ignaz Ambros
Hammerverwalter Verweser in Verweser in Wildalpen + 1787
St. Gallen + 1777 Bogschan (Banat) + 1788 in Klagenfurt
10 Kinder davon:

Anton
Hammergewerke in Kalwang,
erwarb 1838 den Zehenthof in Kalwang
7 Kinder davon:

Eva Josef Kajetan Karl
verm. m. Gutsbesitzer in geb. 1843, Gewerke in geh. Rat, Sekt.-Chef,
Karl Pengg, Kammern, Kalwang, + 22.6.1915 1848 Abgeordneter i. d.
Gewerke in Kalwang verm. m. Scholastika verm. n. Barbara Walm- deutschen Nationalversammlung
+ 1888 pöckl, + 7.11.1915 in Frankfurt, + 1867

Anna Gabriele Josef
verm. mit + 2.7.1948 1871 – 1909
Maier verm. mit Ignaz Merkinger + 1918

Die landwirtschaftlichen Verhältnisse um 1787

Am Ende des 8. Jahrhunderts gehörte in unserem Gebiet aller Grund und Boden dem König. Er ab das Land an verdiente Hochadelige und an die Kirche weiter. Die Klöster Göß und Seckau erwarben im 12. Jahrhundert Güter und Waldungen in der Gegend von Kalwang; es besaßen damals aber auch schon weltliche Herren hier Grund und Boden. Da die verliehenen Gebiete vorwiegend Waldland waren, siedelten die Grundherren untertänige Bauern an, die den Wald rodeten. Die Bauern mussten für das ihnen verliehene Land dem Grundherren Abgaben leisten, denn sowohl Haus und Hof, als auch Grund und Boden blieben weiterhin Eigentum der Grundherrn. Man bezeichnete die Bauern als Rück- oder Hintersaßen, Grundholde (ein in der Huld des Herrn Stehnder) oder Untertanen.

Der Bauer, der so Herrschaftsgrund zu Leihe hatte, konnte ursprünglich jederzeit „abgestiftet“, d. h. gekündigt werden, besonders aber dann, wenn er seinen Verpflichtungen gegenüber seiner Grundherrschaft nicht pünktlich nachkam. Sonst konnte er auf Lebenszeit auf dem Hof bleiben, doch hatten seine Nachkommen keinen rechtlichen Anspruch auf die Besitznachfolge. Da aber in der Praxis später die Güter meist vererbt wurden, entwickelten daraus die Grundherren eine Einnahme für sich. Um einen Rechtsanspruch auf die Vererbbarkeit zu erhalten, konnte der Bauer seinem Herrn den Grund um einen bestimmten Geldbetrag abkaufen. Es wurde ihm damit erlaubt, seinen Hof im Einvernehmen mit dem Grundherrn nicht nur auf seine Nachkommen zu vererben, sondern er konnte ihn auch mit Zustimmung des Grundherrn verkaufen. Der Bauer musste aber bei jedem Besitzwechsel ein Drittel des Schätzwertes als eine Art Erbschaftssteuer an die Grundherrschaft bezahlen. Das war das sogenannte Kaufrecht (Laudemium), welches sich etwa seit dem 15. Jahrhundert allgemein durchgesetzt hatte.

Im herrschaftlichen Grundbuch oder Urbar war genau verzeichnet, was und wieviel jedes Haus und jeder Hof an Naturalien und Geld an die Grundherrschaft zu leisten hatte. Nach einem Urbar von 1621 hatten folgende Untertanen des „Amtes Keüchelwanng“, „nemblich deren allain so Kaufrecht haben dienst nach Inhalt des Urbars“ an die Herrschaft Ernau und Kammerstein zu leisten:

Erasmus Schrein am Streckhammer 1 fl. – ß 15 Pf.
… mer vom Stadlhauß 1 fl. 5 ß 15 Pf.
Andree Lengfelder von aim Hauß – fl. 2 ß 16 Pf.
Leonhard Schrein von aim Streckhammer
an der Teuchen 1 fl. – ß – Pf.
Sebastian Althamer von aim Wälisch Hamer 4 fl. 1 ß 15 Pf.
Hannß Wappenstainer von aim Hauß – fl. 2 ß 21 Pf.
Georg Ländel von aim Welschhamer 4 fl. 1 ß 6 Pf.
Thoman Weinkhreütl von Streckhamer 1 fl. 4 ß —Pf.
Sebastian Althamer von seiner Hube 6 fl. 6 ß 14 Pf.
Waiz 2 Viertel
Haber 1 Viertel u. Maßl
ain Frischling
Eyer 40
Käß 2
Christoph Trumbl vom Streckhamer 1 fl. – ß – Pf.
Sebastian Herbst von aim Hauß, Müll u. Güetl 1 fl. – ß 14 Pf.
Tyburz Gaugus von aim Hube 7 fl. 2 ß 13 Pf.
Salz 8 Fuder
Habern 1 Viertel
Käs 2
Sigmundt Stettner von aim Welch Hamer 4 fl. 1 ß 6 Pf.
Magdalena Lamprecht Haizer Wittib
von ainem Hauß und Schmit – fl. 2 ß 25 Pf.
Urbani Schwaiger – fl. 4 ß 14 Pf.
Valtin Gräzer – fl. 2 ß 25 Pf.
Michel Schrägl 4 fl. 1 ß 6 Pf.
Rup Mühlhamers Erben 1 fl. 2 ß – Pf.
Tyburzz Gauggus 4 fl. 1 ß 6 Pf.
Wölfel Peer – fl. 4 ß – Pf.
Michel Schragl 1 fl. 2 ß 15 Pf.
Ambroß Pamgraz – fl. 1 ß 2 Pf.
Gottshaus zu Kheylwang – fl. 2 ß 15 Pf.

Manche Bauernhöfe hatten durch Teilung eine Verkleinerung erfahren; so entstanden Halbhuben und Viertelhuben.

Eine Urkunde von Juli 1576 führt weitere „Undterthanen, nemblich deren so mit Kaufrecht haben“ im „Ambt Keichelwang“ an, die nach dem Inhalt des Urbars der Herrschaft Ernau und Kammerstein folgende steuermäßige Dienste zu leisten hatten:

Wastl Schneider, von seiner halben Hube zahlt 3 fl. 2 ß 10 Pf.
Gert Poissinger halbe Hube 3 fl. 2 ß 11 Pf.
Von sein Streckhämer hat im Urbar Erasmus Schrein – fl. 1 ß 15 Pf.
Christina Paull am Preg, Viertel Hube, Wittib 1 fl. 4 ß 29 Pf.
Wolfgang Khlingler Viertel Hube 1 fl. 4 ß 29 Pf.
Ambros Pengg von sein Güetl 1 fl. 2 ß 27 Pf.
Mer von sein Hämerlein hat yezt Christof Tumbhl – fl. 1 ß – Pf.
Christoph Leytschacher – fl. 2 ß 29 Pf.
Augustin Leytschacher von der Reimer oder
Pinggen Hube 3 fl. 3 ß 23 Pf.
Klement Hueber, von seiner halben Hube 1 fl. 4 ß 11 Pf.

Der Grundherr nahm von seinem Herrensitz aus seine Herrschaftsrechte gegenüber seinen Untertanen wahr. Er übte damit auch die niedere Gerichtsbarkeit über sie aus. Durch Erbteilung, Kauf oder Tausch und Stiftung an Klöster kam es dazu, dass im Laufe der Zeit in vielen Dörfern mehrere Grundherrschaften Besitz hatten. So war auch jedes Haus und jeder Hof der vier Katastralgemeinden Kalwangs zwölf verschiedenen Grundherrschaften untertänig. Die Herrschaften Strechau, Ehrnau und Kammerstein, Massenberg und das Kloster Göß besaßen hier sehr viele ihnen dienstbare Häuser. Die Untertanen hatten der Grundherrschaft zunächst den Grundzins zu entrichten, der ursprünglich in Naturalien später aber meist in Geld zu leisten war. Der Bauer hatte diese Abgaben in den Herrenhof zu bringen (Bringschuld).

Die Grundherren brauchten für ihre große Eigenwirtschaften dazu auch die unentgeltliche Arbeitskraft des untertänigen Bauern; man nannte die dabei zu leistende Arbeit die Robot. Sie gehörte zu den schwersten Belastungen eines Bauernhofes. Im Frühjahr waren die Äcker der Herrschaft zu bestellen, im Sommer musste gemäht und im Herbst die Ernte eingebracht werden; immer zu Zeiten, wenn der Bauer selbst auf seinen Feldern viel zu tun hatte. Man schränkte später die Robot allerdings auf nur einige Tage im Jahr ein.

Nach einem Urbar der Herrschaft „Camerstein“ (Ernau) mussten von ihren Untertanen in der Pfarre „Kheichelwang“ um 1618 an Robot und „Dienstbarkaiden der Haußmüllen“ jährlich folgende Leistungen erbracht werden, und zwar insgesamt: 12 Tagwerk „Robert mit aim Roß“, 76 Tagwerk „mit der Handt“ und als Zins für die Hausmühlen 4 Lämmer, 20 Eier und etliche Hühner. So musste unter anderen Benedict Sulzer von der Klinger-Huben mit einem Roß einen Tag und mit der Hand 4 Tage roboten, gleichviel Mert würsl von der Perger-Hube, Michl am Berg „von seinem Güetl am Zwailings Perg“ (Sonnberg), Thoman Sulzer „von seym hauß und grund San Sebastians Perg“ mit der Hand 2 Tagwerk, ebenso Ambroß Lackhner „vom Liendlfürer Güetl“ mit der Hand 2 Tagwerk und „von der Pogenschmidt Herberg, gartel und Hammerstett“ nochmals 2 Tagwerk, Thoman Maier „vom Schmidthauß“ mit der Hand 2 Tagwerk, Mert Gauggus „von der Grißmaier Hueben“ mit 1 Roß 2 Tagwerk und mit der Hand 4 Tagwerk, Hanß Seiz „vom Maier Heisel“ mit der Hand 1 Tagwerk, Wolf Hundsleitner in Püsching von seim Güttl die Hundsleuten genandt“ mit der Hand 3 Tagwerk; er musste noch von seiner Hausmühle gleichfalls 1 Lamm zu geben. Thoman Schrägl musste mit 1 Roß 1 Tagwerk, mit der Hand 1 Tagwerk roboten und für seine Hausmühle 1 Lamm abliefern. Mit 2 Hühnern hatten für ihr Hausmühlen zu zinsen: Wolfgang Moselstainer, Christoph Leodtl „vom Wasserfall seiner Haußmüll aufm Mellingpach“, ebenso von der Hausmühle am „Mellingpach“ Hannß Salomon und Andre Kholhueber.

Außer der Robot kam noch als Belastung eines Bauernhofes der Zehent dazu; Zehent bedeutete den zehnten Teil der Ernte. Der Zehent war anfangs eine rein kirchliche Abgabe, von welcher der Pfarrer 1/3 und der Bischof 2/3 erhielt. Der Kaplan, der Mesner und der Schulmeister hatten vielfach noch das Recht, nach der Ernte von den Untertanen einen kleinen Teil einzusammeln. Die Zehentleistung wurde später von den Gutsherren bei den Bauern eingehoben. Jede zehnte Schaube der gesamten Feldfrüchte musste der Bauer auf seinem Felde stehen lassen, von dem dann der zehentberechtigte Gutsherr den Zehent abholen ließ (Holschuld). Zu all diesen Abgaben und Dienstleistungen kamen noch die Kleinrechte oder Kucheldienste dazu, das waren Abgaben von Kleintieren und tierischen Produkten, die in die Küche des Grundherrn geliefert werden mussten (Schweine, Schafe, Lämmer, Hühner, Eier usw.).

Von den Untertanen wurden neben den angeführten Leistungen und Abgaben noch Treue und Gehorsam verlangt. Dafür vertrat den Bauern sein Herr bei Gericht, beschützte ihn vor Feinden und stand ihm bei Katastrophen, wie Feuer, Überschwemmungen, Mißernten oder Viehseuchen helfend bei. Die Zehent-. Robot- und Zinsleistungen lasteten schwer auf den Bauernwirtschaften. Kaiserin Maria Theresia (1740 – 1780) und Kaiser Josef II. (1780 – 1790) versuchten verschiedentlich, das Los der Bauern zu erleichtern. Maria Theresia ordnete im Jahre 1748 eine genaue Landaufnahme an (theresianischer Kataster), und Josef II. ließ im Jahre 1784 nochmals eine gründliche Landvermessung (Katastrierung) mit einer genauen Berechnung der einzelnen Erträgnisse vornehmen (josefinischer Kataster). Aber erst im Jahre 1848, als Wiener Reichstag de Antrag des schlesischen Bauernsohnes Hans Kudlich, das Untertänigkeitsverhältnis samt allen daraus entspringenden Rechten und Pflichten aufzuheben, zum Beschluß erhoben wurde, gewann der Bauer seine volle Freiheit und wurde Herr auf seinem Grund und Boden.

Der franziszeische Kataster von 1817

Damit die Regierung in Wien die Bedürfnisse und die Beschwerden des Volkes besser kennenlernte und diesem ihre Verordnung direkt bekanntgeben konnte, wurde das Land in Kreise geteilt und jeder Kreis einem Kreishauptmann unterstellt. In der Steiermark gab es fünf Kreise: Graz, Bruck, Judenburg, Leibnitz (später Marburg) und Cilli, die von einem Kreishauptmann verwaltet wurden. Seine Aufgabe war es auch, darauf zu achten, dass die Grundherrschaften ihre Untertanen bei der Besteuerung und Robot nicht überhielten; er untersuchte die Beschwerden der Untertanen und bestrafte Herren und Gutsverwalter, er überwachte die Kirche, Schule und Zünfte, Straßen, Maße, Gewichte, die Urbare usw. (Unter Urbare versteht man die Bescheibung des Grundbesitzes hinsichtlich des Ertrages, der hauptsächlich in Naturalzins und Geldzins der Hintersassen an ihre Grundherren für die Überlassung von Grund und Boden samt Baulichkeiten bestand.)
Kalwang gehörte damals zum Kreis Bruck.

Kaiser Franz I. (1792 – 1835) ordnete am 23. Dezember 1817 die Neuaufnahme des Landes (Katastrierung) an; anknüpfend an den Kataster Kaiser Josef II., welcher nach dem Tode Josefs wieder aufgehoben worden war. Die frühere >>Steuergemeinde<< wurde nun >>Katastralgemeinde<< genannt. Es fand eine sehr genaue Vermessung des Bodens statt, sowie eine Vermarkung und Beschreibung der Gemeindegrenzen. Für jede Katastralgemeinde gab es Grund- und Bauparzellenprotokolle, und in einer Flurkarte, sogenannten Mappe, wurde das Ergebnis der Vermessung im Maßstabe von 1:2880 eingetragen. Eine staatliche Schätzungskommission teilte unter Mitwirkung der Gemeindevorstände (Ortsrichter) den Grund nach seinen Erträgen in >>Bonitätsklassen<< ein. Der Wert der Bodenprodukte wurde nach dem Marktpreis von 1824 eingeschätzt, der sehr niedrig war. Obwohl diese Arbeit 1827 fertig war, wurde die sich daraus ergebende Grundsteuer erst ab 1844 berechnet. Durch diese neue Grundvermessung erhielt man genaueren Einblick in die Größe und den Ertrag aller Grundstücke.
Dieser franziszeische Kataster wurde bis ungefähr 1880 fortgeführt und bildet die Brücke zu den bei den Gemeindeämtern erliegenden Grundkatastern.

In den Jahren 1824 und 1825 wurden auch die vier Katastralgemeinden Kalwangs genau vermessen und die einzelnen Grundparzellen neu bewertet. Bauparzellen- und Grundparzellenprotokolle aller vier Katastralgemeinden: Kalwang, Sonnberg, Schattenberg und Pisching, aus dem Jahre 1825 geben genauere Auskunft über die Besitzverhältnisse in diesem Jahre. Außerdem wurde 1825 für die Besitzverhältnisse in diesem Jahre. Außerdem wurde 1825 für jede Katastralgemeinde erstmals auch ein Katastralplan (Riedkarte) durch den Vermessungsbeamten der sogenannten k.k. Katastralaufnahme-Kommission angefertigt, in dem jede einzelne Bau- oder Grundparzelle genau ersichtlich ist. Das damals übliche Flächenmaß waren Joch und Quadratklafter (1 Joch zu 1600 Quadratklafter). 1 Hektar entspricht 1,73727 Joch, oder 4 Hektar etwa 7 Joch; 4 m2 waren etwa gleich 1 Quadratklafter.

Gleichzeitig wurde damals auch die genaue Grenze jeder Katastralgemeinde in einer ganz eingehenden Grenzbeschreibung festgelegt. Diese Grenzbeschreibung, zum Teil im Jahre 1823 und 1824 vorgenommen, ist von dem jeweiligen Grund vermessenden Geometer, dem Ortsrichter (Gemeindevorstand) und je 2 Ausschußmännern der entsprechenden Katastralgemeinde unterzeichnet.
Für die Katastralgemeinde Kalwang unterzeichneten Matthias Radlingmayer als Ortsrichter und Jakob Schwarz, so wie Jakob Prescher als Ausschßmann. Matthias Radlingmayer war Bauer und Tischler und Jakob Schwarz Bauer und Bäcker zu Kalwang; ersterer besaß das heutige Haus Nr. 56 (Richter) und Jakob Schwarz das heutige Haus Nr. 59 (Gruber) in Kalwang. Prescher Jakob war ein Weber und wohnte im alten Haus Nr. 30. Das Haus stand hinter dem heutigen „Richter Haus“ Nr. 56 und brannte 1886 vollständig ab. Es wurde nach dem Brande gänzlich abgerissen und der Platz in einen Garten verwandelt.

Für die Katastralgemeinde Pisching unterzeichneten Peter Schober als Ortsrichter und Andre Pillgram, sowie Urban Kahsegger als Ausschußmann. Die drei Pischinger, da des Schreibens unkundig, unterzeichneten mit einem Kreuzl. Peter Schober war Bauer, vlg. Weinkreutl, Andre Pillgram, Bauer, vlg. Brückler, und Urban Kahsegger, Bauer, vlg. Haselbauer.

Für die Katastralgemeinde Schattenberg unterzeichneten Simon Gerold, Bauer, vlg. Kölber als Richter und Peter Lödl, Bauer, vlg. Ebner, sowie Anton Ranner, vlg. Rupniederer als Ausschußmann, alle drei, da des Schreibens unkundig, mit einem Kreuzl. Als Namensfertiger bestätigte dies Mathias Radlingmayer.

Die vier Katasterpläne führen die Bezeichnung: >>Katastral-Plan der Gemeinde Kallwang, (Pisching, Sonnberg, Schattenberg), in Inner-Österreich, Brucker Kreis, Bezirk Ehrnau 1824<<.

Der Text der Grenzbeschreibungen der einzelnen Katastralgemeinden beginnt so:
1. für Sonnberg: >>Das Gebiet dieser Gemeinde wird im Westen von Wald und Melling, nordwestlich von Radmer an der Hasel, nördlich von Radmer an der Stuben – beide letzteren im Bezirke Hieflau; nordöstlich vom Krumpenthal im Bezirk Eisenerz, südöstlich von Schattenberg, südlich von Kallwang und Pisching sämmtlich im eigenen Bezirke begrenzt.<<
2. für Schattenberg: >>Die Gemeinde Schattenberg gränzt mit Kallwang, mit Sonnberg im Bezirke Ehrnau, mit Krumpenthall im Bezirke Eisenärz, mit Gößgraben im Bezirke Freystein, mit Magdwiesen, und Liesingau im Bezirke Ehrnau.<<
3. für Pisching: >>Das Gebiet dieser Gemeinde wird im Westen von Wald, südöstlich von Lissingau, dann nördlich von Kallwang und Sonnberg begrenzt.<<
4. für Kalwang: >>Das Gebiet dieser Gemeinde wird im Süden von Pisching. südöstlich und östlich von Liesingau, nordöstlich von Schattenberg, nordwestlich von der Gemeinde Sonnberg, sämmtlich im eigenen Bezirk begrenzt.<<

Nach jedem dieser einleitenden Texte erfolgt dann eine ganz genaue Grenzbeschreibung, in der alle wichtigen Begrenzungspunkte festgehalten werden.
Diese damals festgelegten Katastralgemeinden sind im wesentlichen bis heute gleich geblieben.

Auf dem Katastralplan für die Gemeinde Kalwang des Jahres 1825 führten die Felder und Wiesen westlich des Ortes die Bezeichnung >>Platanger<<, dann bis zum linken Ufer des Mellingbaches den Namen „Auf der >>Pölla<< und werden vom rechten Mellingbach-Ufer westwärts bis zur Gemeindegrenze hin als >>Primschenboden<< bezeichnet. Die Felder hinter der heutigen Schule und beim heutigen Unfallspital nannte man das >>Spitalfeld<<. Dieser Bezeichnung hat mit dem heutigen Unfallkrankenhaus nichts zu tun, denn dieses bestand ja damals noch nicht. Als >>Spital<< bezeichnete man 1825 das heutige Armenhaus, denn es diente zu der Zeit auch als „Bürgerspital“, und die Felder mit der Bezeichnung >>Spitalfeld<< liegen dahinter, daher der Name. Die Felder südlich des Ortes hießen am rechten Ufer des Teichenbaches bis zur Liesing hin die „Schloßäcker“ und vom linken Teichufer gegen Osten des >>Hammerfeld<<. Die Felder weiter ostwärts hin bis zum >>Tobersbachel<< (heute auch Tobischbach genannt) führen den Namen >>Mooswiesen<< und vom linken Ufer des Tobersbachels bis zur Gemeindegrenze die Bezeichnung >>Tobern<<.

Im Katastral-Plan des Jahres 1825 für Pisching führen die Felder und Wiesen am rechten Liesingufer beim heutigen Bauernhof, vlg. Brückler den Namen >>Unterwald<<. Die heute noch gebräuchliche Bezeichnung >>Dörfl<< findet sich auch damals schon. Die Felder und Wiesen am rechten Ufer des Pischingbaches führten etwa an der Stelle des heutigen Holzplatzes in Pisching den Namen „Stadtfeld“; nördlich davon, hinter dem Bauernhof, vlg. Anerl (heute Stocker) im Liesingbogen, nannte man die Wiesen und Felder >>Brodbau<<. Die Wiesen gegen den Berghang des Stellerberges zu bezeichnet der Kataster-Plan mit >>Leuten<< (Leiten). Die Wiesen von der Schloßweg-Liesingbrücke am rechten Liesingufer abwärts werden als >>Hammerwiesen<< bezeichnet, weil auf diesen Feldern 1825 noch der Pengg´sche Hammer >>in der Not<< mit all seinen Wirtschaftsgebäuden stand. Beim vlg. Haselbauer, heute steht dort das Jagdschloß, nannte man die Wiesen das >>Büchelfeld<<.

Die Vulgarnamen sowie die alten Flurnamen sind zum Teil schon sehr alt; sie reichen oft bis ins 16. Jahrhundert zurück.

Nach dem Bauparzellen-Kataster 1825 waren alle 4 Katastralgemeinden Kalwangs an folgenden Grundherrschaften dienstbar: an Ehrnau 67 Häuser, Strechau 20 Häuser, Massenberg 12 Häuser, Göß 12 Häuser, Friedstein 6 Häuser, Pfarrsgült Kalwang 13 Häuser, Probstei Kammern 8 Häuser, Liechtenstein 2 Häuser, Admont 2 Häuser, Landschaft 1 Haus und Waldstein 1 Haus. An dieselben Grundherrschaften waren nach dem Grundstück ebenfalls dienstbar. Die meisten wieder an die Herrschaften Ehrnau, Strechau, Massenberg und Göß.

Von der Katastralgemeinde Kalwang allein gehörten zu den Herrschaften Ehrnau 30 Häuser, Massenberg 6 Häuser, Göß 9 Häuser, Pfarrsgült Kalwang 11 Häuser, Probstei Kammern 3 Häuser, Strechau 4 Häuser, Friedstein 5 Häuser, Großlobming, Admont, Landschaft und Liechtenstein je 1 Haus.
Von den alten Hammerherrengeschlechtern scheinen in dem Kataster des Jahres 1825 nur mehr Carl v. Pengg, Carl v. Schragl`s Erben und Anton v. Scheuchenstuel auf.

Pengg besaß noch im Orte Kalwang das >>Röthlhaus<<, den >>Zehenthof<< (Scheuchenstuhl), die >>Königshofstadt<< und die >>Mossmühle<<; in der Katastralgemeinde Pisching den >>Not-Hammer<< mit vielen Nebengebäuden, in der Katastralgemeinde Schattenberg einige Schwoaghütten und in der langen Teichen die Stöfflhube. Daneben verfügte Pengg noch über zahlreiche Äcker, Wiesen, Weiden und Wälder. Diese Besitzungen kaufte 1852 zum größten Teil die Vordernberger Radmeister Communität. Das >>Röthlhaus<< in Kalwang wurde noch um 1850 von Ignaz Hanf erworben, den >>Zehenthof<< kaufte schon 1838 Anton v. Scheuchenstuel. Die >>Könighofstadt<< ging an Ignaz Stransky und die >>Moosmühle<< befand sich schon vor 1879 im Besitze von Jakob Zaglauer.

Größere Besitzungen hatte um diese Zeit die Familie Schragl. Sie besaß im Orte Kalwang noch das „Kettenhaus“ mit dem dazugehörigen >>Gangus-Haus<<; in der Teichen eine Mühle (die heutige Friedlsäge), den >>Kaiserau-Hammer<< mit zahlreichen Nebengebäuden; den >>Ställerhof<< mit 4 Wirtschaftsgebäuden in der Katastralgemeinde Pisching, sowie Wald, Wiesen, Weideland und Almen im Rannsbasch, auf der Kuh-Leuten in Pisching und in der Teichen insgesamt noch über 350 Joch Grund. Der heutige Name >>Mühlmauer<< gilt noch als Bezeichnung für die hinter der alten >>Schragl-Mühle<< am Teicheneingang aufragende Felswand. Die Kalwanger Häuser Schragl´s kaufte zunächst 1844 das Stift Admont und 1846 von diesem die Radmeister Communität, ebenso den >>Kaiserau-Hammer<<; Kettenhaus und Gangushaus erwarb später, 1886, Philipp Ritter v. Haas und 1904 Rudolf Ritter v. Gutmann. Der Ställerhof kam, nachdem ihn schon 1844 das Stift Admont erworben hatte, im Jahre 1846 an die Radmeister Communität, dann an Grafen Silva Tarouca und 1907 an Rudolf v. Gutmann; ebenso Wiesen, Äcker, Weide und Wald im Ausmaße von über 138 Joch auf der Kuh-Leuten. Die Besitzungen im Rannsbach erwarben vor 1879 Johann und Antonia Mühlberger (über 213 Joch).

Anton v. Scheuchenstuel besaß 1825 die >>Schmiedkeusche<< und das >>Jandlhaus<< am Teicheneingang, sowie die >>Raffelherberge<< und Wald, Weiden und Ackerland in der Katastralgemeinde Pisching (etwa 30 Joch). Jandlhaus und Raffelherberge wurden schon vor 1879 an die Radmeistser Communität verkauft und kamen nachher an Philipp Ritter v. Haas und 1904 an Rudolf v. Gutmann. Die >>Schmiedkeusche<< gelangte in den Besitz von Ignaz Podratzky. Lediglich der Scheuchenstuhl mit dazu gehörigen Grundstücken in der Katastralgemeinde Kalwang und Pisching blieb weiterhin im Besitze der Scheuchenstuel.

Neben den 1825 hier noch verbliebenen Hammergewerken-Geschlechtern und dem Stifte Admont hatten um diese Zeit folgende im Orte Ansässige größeren Besitz: Johann Moisy, vlg. Bauer in Anger; Josef Peer, vlg. Schragltaferne; Blasius Rainer, vlg. Bodenbauer; Engelbert Lachs, vlg. Lachs; Peter Kahsegger, vlg. Zach.
Auffallend ist, dass in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei den meisten Häusern des Ortes Kalwang neue Namen als Besitzer erschienen, wie etwa: Mühlberger, Größing, Freimüller, Pircher, Hanf, Heiland, Vasold, Artweger, Richter, Fichtl, Podratzky, Gruber, Lackner, Ehweiner, Draxl, Zaglauer, Kaiblinger und viele andere. Also ist wohl anzunehmen, dass mit dem Aufhören des Kupferbergbaues und mit der Stillegung der Eisenhämmer vielfach auch die alten Besitzer im Orte Kalwang ihren Besitz verkauften und neue Besitzer sich hier ansiedelten.

Die Kalwanger Schule im 19. Jahrhundert

Matthias Gorimorth kam im Jahre 1848 als Schullehrer nach Kalwang und legte 1869 eine Schulchronik an. In ihr berichtet er unter anderem auch über den wirtschaftlichen Niedergang Kalwangs im beginnenden 19. Jahrhundert wie folgt: >>Das dem Stift Admont gehörige Kupferbergwerk zu Kalwang wurde vor der Wassergüß 1813 mit 350 und nach derselben mit 200 Bergarbeitern betrieben. Im Jahre 1846 verkaufte das Stift das Bergwerk der Communität Vordernberg; diese betrieb dasselbe zum größten Nachteile der Gemeinden von Jahr zu Jahr immer schwächer, so dass nur mehr ein Überbleibsel von vier Bergmännlein ist. Auch in den Hammerwerken Stegmühl, Hagenbach, Noth und Schraglhammer waren 40 Schmiede beschäftigt; nun aber sieht man von den Werken nur die eingestürzten Mauern. Die Communität kaufte viele Bauerngüter auf und ließ dieselben nach einigen Jahren zusammenfallen oder niederreißen, daher, wo früher Getreide und Gras wuchs, jetzt nur Gehölz zu sehen ist. Wer die Vorzeit und die Gegenwart von Kalwang kennt, der muss ausrufen: „o du einst blühendes und jetzt verarmtes Kallwang“! Kallwang wurde früher als Herren- oder Golddorf geschildert, nun ist aber daraus ein Bettelnest geworden.<<

Gorimorth war mit der Schwester des Ignaz Podratzky (1821 – 1884), Besitzer in Kalwang, vlg. Schmiedhaus, verheiratet. Mit 31. März 1888 erfolgte Gorimorths Penionierung, nachdem er seit 1. Jänner 1840 über 48 Jahre als Lehrer tätig gewesen war, davon 40 Jahre in Kalwang. Er starb im Jahre 1893 im Alter von 70 Jahren und liegt auf dem alten Kalwanger Friedhof begraben. An der inneren Kirchenmauer befindet sich noch die von seinen einstigen Schülern errichtete Grabplatte.

In alten Matriken wird schon um 1598, also in der Zeit der Gegenreformation, Adam Holzapfel als >>Ludimagister<< (Orgelspielmeister) und Schulmeister genannt. Es bestand in Kalwang daher schon zu dieser Zeit eine Schule. Wo die erst Schulklassen untergebracht waren, läßt sich nicht mehr genau feststellen; doch ist anzunehmen, dass im Hause neben der Kirche die Schule sich von Anfang an befand. Die Schulen führten damals die Bezeichnung >>Trivialschulen<<, weil der Unterricht neben Religion nur in den drei Gegenständen Rechnen, Lesen und Scheiben erteilt wurde.

Vom Jahre 1790 bis 1811 unterrichtete in Kalwang Franz Gödl und Wenzel Woditschka; von 1811 bis 1814 Sebastian Schweiger als >>Pfarrschullehrer<<. Josef Klein war von 1814 bis 1842 Schullehrer in Kalwang. Um diese Zeit oblag die Schulaufsicht dem zuständigen Dekanate Trofaiach. Im Jahre 1842 versetzte die Trofaiacher Schuldistriktsaufsicht den Schulgehilfen Josef Herdy als Schulprovisor nach Kalwang. Als er im Jahre 1848 starb, kam Matthias Gorimorth als Schullehrer hierher.

Im Jahre 1869 wurde das neue Reichsvolksschulgesetz beschlossen; dem zufolge ging die bisher kirchliche Schulaufsicht auf den Staat über. Gorimorth berichtet noch, dass sich zu seiner Zeit die Schulehrer- und Mesnerwohnung ursprünglich im jetzigen Kaufhaus Hanf befand. Der Schulunterricht selbst wurde aber seit urdenklichen Zeiten im Hause neben der Kirche (damals Haus Nr. 23) gehalten. Für die Schule sowie die Schullehrer- und Mesnerwohnung war neben der Gemeinde (Schulkonkurrenz) auch die Grundherrschaft Ehrnau und das Stift Admont als Schutzpatron zuständig.
Im Jahre 1846 verkauftse die Schulkonkurrenz (Gemeinde) das Haus mit der Schullehrerwohnung an den Kaufmann Ignaz Hanf (1810 – 1877); dafür gab der Schutzpatron der Schule, das Stift Admont, das ihm gehörige Haus Nr. 23, welches früher als Pfarrhof und später als Schulhaus diente, als Schul- und Mesnerhaus samt dem dazugehörigen Garten her.
Im Jahre 1876 wurde dann dieses Haus vom Stifte Admont an die Gemeinde gegen die Bedienung abgetreten, dass die Gemeinde dem Mesner eine Naturalwohnung gebe, oder ihm ein jährliches Quartiergeld verabfolgte. Im Hause Nr. 23 befanden sich nun die Schullehrer- (Oberleher-) wohnung und zwei Klassenräume.
Im Schuljahre 1869/70 betrug die Zahl der schulpflichtigen Kinder 132, im Schuljahre 1879/80 nur mehr 119. Weil viele Eltern wegen Arbeitsmangel von Kalwang abwanderten, ging auch die Schülerzahl zurück. Während einer starken Blatternepidemie, an der 3 Schulkinder starben, musst die Schule im Dezember 1817 gesperrt werden.

Im Jahre 1885 schrieb Gorimorth in die Schulchronik, er habe bei der Gemeinde um die Erbauung eines Sparherdes in seiner Wohnung angesucht, der Gemeindeausschuß lehnte dieses Ansuchen jedoch ab. Eines der Ausschußmitglieder meinte: >>Die Frau Schulmeister ist das Kochen in einer offenen, kalten Küche schon gewohnt und kann es auch noch ferner tun.<< Gorimorth schreibt noch dazu: >>Das solche Äußerungen für den Oberlehrer sehr kränkend sind und immer bleiben werden, ist selbstverständlich, indem er seit Februar 1848 hier bedienstet ist und täglich nach der Schule den Kindern durch 1 ½ ja oft durch 2 Stunden unentgeltlich Unterricht in der Kirchenmusik ertheilt hat und noch ertheilt. Also Undank ist der Welt Lohn!<< Der k.k. Schulinspektor, dem Gorimorth diesbezüglich sein Leid geklagt hatte, brachte die Angelegenheit bei der Bezirksschulratssitzung in Mautern vor, der >>die Errichtung eines Sparherdes als recht und billig erkannte.“ … „Es wurde daher … nicht nur ein Sparherd …, sondern auch ein neuer Zimmer- und Backofen errichtet.<<

Es war damals üblich, für die Schuljugend alljährlich ein Schulfest zu veranstalten. Eintragung in der Schulchronik: >>Am 28. Juni 1887 nachmittags veranlaßte der Obmann des Ortsschulrates Herr Moritz Schintzl ein Schulfest im Garten des Schulaufsehers Peter Binder. Zu diesem Zwecke wurde im Orte Kallwang eine Geldsammlung vorgenommen, wofür die Kinder Brot, Bier und Wein erhielten. Im Beisein der Lehrer und mehrere Kinderfreunde wurden von den Kindern Lieder gesungen und Gedichte vorgetragen.<<

Aus einem >>Sammelregister eines jeweiligen Schullehrers und Meßners bey der Pfarrschule Kallwang vom Jahre 1810<< (L.A. IX Unterrichtswesen Kalwang, Staatsbuchhaltung 98 b) kann man die Einkünfte eines Schulmeisters in Kalwang feststellen. Der Schulmeister war damals noch gleichzeitig Mesner und Organist. Schulgeld wurde nur für die tatsächlich schulbesuchenden Kinder bezahlt. Im Jahre 1851 besuchten 110 Kinder die Pfarrschule in Kalwang. An Natural-Sammlung erhielt der Schulmeister jährlich: 10 Viertel, 23 Achtel und 14 Maßl an Hafer; 40 Maßl an Weizen; 8 Achtel und 18 Maßl an Korn; 9 Pfund Käse; sowie eine bestimmte Zahl an Eiern. An Bargeld bekam er 14 Gulden und 42 Kreuzer im Jahr. (1810)
Die Natural-Leistungen, in Geld umgerechnet, betrugen für:
Hafer = 25 fl.
Weizen = 14 fl.
Korn = 15 fl. 52 Kreuzer
Käse = 1 fl. 80 Kreuzer
Eier = 41 Kreuzer
insgesamt = 56 fl. 73 Kreuzer
Die Einkünfte als Mesner und Organist werden im Jahre 1851 mit 308 fl. angegeben.
Nach einer Aufstellung aus dem Jahre 1805 waren jedoch seine Bezüge allein aus der Kirchenkasse:
a) Von der Pfarrkirche die Organisten-Paßirung 4 fl 48 Kreuzer
Von der Pfarrkirche die Meßner-Paßirung 4 fl 48 Kreuzer
Von der Filialkirche St. Sebastian bey Kallwang
als Mesner 1 fl 36 Kreuzer
b) An Zinsen und Stiftungen:
Aus der Kirchenkasse für 130 gestiftete Jahres-
messen von verschiedenen frommen Stiftungen
zusammen 12 fl. 35 Kreuzer
Von der Theres Pengischen Segenlitanay 3 fl.
Von den Anna Margareth von Springenfelsischen
3 Jahresämtern 36 fl.
Vom Kunigund Koflerischen Jahresamt 1 fl.
An Stollgebühren jährlich als Mesner 1 fl. 47 Kreuzer
jährlich als Organist 34 fl. 6 Kreuzer
Im Jahre 1805 waren Begräbnisse: 4 Kinder, und
19 Erwachsene und 3 Kopulationen je 1 fl. 26 fl.
je 24 Kr. 13 fl. 20 Kreuzer
insgesamt 137 fl. 40 Kreuzer
Diese Aufstellung ist unterzeichnet mit Siegel und Wappen im Jahre 1805 von:
Johann Ahorner als Kirchenvater, Franz Peer als Kirchenvater und P. Karlmann Panholzer als Pfarrer.
Dem Schullehrer standen auch 2 Tagwerke Gründe zu Verfügung. (1 Tagwerk Gründe = 1200 Quadrat-Klafter).
Georg Göth führt im Jahre 1841 an: >>Die unter dem Patronate des Stiftes Admont stehende Trivialschule (in Kalwang) wird von 2 Lehrern versehen und von 120 – 130 Kindern aus den eingepfarrten Gemeinden besucht. Die Zahl an schulbesuchenden Kindern betrug bis vor wenigen Jahren kaum 50, und seither mehren sie sich ungemein. Der Unterhalt des Lehrers besteht in 66 fl. Besoldung, in der Benützung von 2 Tagwerk Gründe und im Ertrage einer kleinen Sammlung von Korn und Hafer nebst den Stollargebühren.<< (Göth G.: Das Herzogthum Steiermark, 2. Band, Wien 1841, Seite 245).
Die Aufstellung über die Einkünfte des Pfarrschullehrers der Trivialschule Kalwang aus dem Jahre 1851 führt die Eltern der 110 eingeschulten Kinder namentlich mit deren Berufsangaben an. Dabei lassen sich folgende Berufe feststellen:
10 Bauern, 9 Bergknappen, 7 Wirte, 2 Schmiede, 1 Schneider, 1 Schuster, 1 Kaufmann, 1 Uhrmacher, 2 Zimmerer, 1 Postmeister, 1 Seiler, 1 Handschuhmacher, 1 Müller, 1 Schlosser, 1 Schmelzmeister, 1 Holzmeister, 1 Wegmacher, 1 Kohler und 1 Hutmann.

Mit der Pensionierung des Kalwanger Oberlehrers Matthias Gorimorth trat am 1. April 1888 Viktor Jabornik als neuer Oberlehrer seinen Dienst an der Kalwanger Volksschule an. Mit ihm kam ein Mann nach Kalwang, der durch seine mehr als 15-jährige Tätigkeit in Kalwang auf die Entwicklung des Ortes großen Einfluß nahm.

Viktor Jabornik wurde am 22. Juli 1862 in Schwanberg geboren, besuchte in Graz die Lehrerbildungsanstalt und studierte daneben Musik an der Schule des Steiermärkischen Musikvereins und bei Josef Gauby. Als Lehrer war er in Bruck a. d. Mur, Radmer, Kalwang und Graz tätig. Seit 1906 wirkte er dann als Bezirksschulinspektor in Judenburg. Von Mautner, Josef Pommer und Viktor Zack angeregt, in regem Gedankenaustausch mit Viktor v. Geramb, begann er schon während seines Wirkens in Kalwang, Volkslieder, Volkstänze und Sagen zu sammeln, die zum kleineren Teil gedruckt vorliegen. In Graz erschien bereits 1894 seine Volksliedsammlung >>Edelrauten<< mit 25 Liedern im Verlage Wagner (jetzt Pock); ebenso die Sammlung >>Stoanröserln<<. 1931 gab er 94 Sagen aus den Bezirken Judenburg, Knittelfeld, Obdach und Ober-Zeiring heraus. Leider gingen etwa 2000 seiner Volksliedaufzeichnungen im Jahre 1945 verloren. Viktor Jabornik starb in Judenburg am 21.2.1933.

Jabornik wohnte in Kalwang zunächst in der Oberlehrerwohnung des alten Schulgebäudes neben der Kirche. 1889 musste er ein Wohnzimmer als Gemeindekanzlei abgeben, bekam aber dafür das Klassenzimmer der 1. Klasse als Wohnraum. Die erste Klasse wurde nun in der Raffelherberge (heute Forstamt) untergebracht.

Am 3. November 1896 fand die Einweihung und Eröffnung eines neuen Schulhauses statt. Es wurde neben dem alten Schulgebäude erbaut. Ein Stallgebäude, die Goriupp-Hütte und ein Stall des Besitzers Klarmann, die auf dem Baugrund standen, wurden abgetragen. Nach dem Bau des heutigen Schulgebäudes im Jahre 1912, ging dieses im Jahre 1896 erbaute Schulhaus in den Besitz der Herrschaft Gutmann über und fand zunächst als Wohnhaus des Forstverwalters Schweinbach Verwendung. Seit dem Jahre 1938 dient das alte Schulgebäude nun als Martgemeindeamt von Kalwang.

Jaborniks vielseitige Tätigkeit geht schon daraus hervor, dass er als Gründer der Raiffeisenkasse 1898, des Musik- und Gesangsvereines 1893, sowie eines Bienenzuchtvereins gilt. Er war auch Schriftführer des alten Schützenvereines, Mitglied und Schriftführer der im Jahre 1884 gegründeten freiwilligen Feuerwehr; dazu wirkte er noch durch 15 Jahre als Organist und Leiter des Kirchenchores in Kalwang. Als er mit 1. Oktober 1903 als Lehrer an die Knabenvolksschule St. Andrä nach Graz versetzt wurde, bereitete ihm der Ort eine große Abschiedsfeier. Bürgermeister Heiland und der Obmann des Männergesangvereines Bradatsch sprachen Dankesworte. Der MGV ernannte Jabornik zum Ehrenmitglied und Obmann Bradatsch überreichte ihm ein schönes, von der akademischen Malerin Döll angefertigtes Diplom. Sein Weggehen von Kalwang wurde allgemein sehr bedauert. Jabornik machte zum Abschied noch folgende Eintragung in die Kalwanger Schulchronik: >>Ich sah Kallwang emporblühen und bin der Überzeugung, dass es wie in früheren Zeiten werden wird: ein Herren- und Golddorf!<<

Almleben im 19. Jahrhundert

Als die Kupfergruben und die Schmelzöfen noch tätig waren, herrschte auf den Almen überall reges Leben. Die weiten Almböden boten großen Rinderherden saftige Nahrung. So berichtet die Katasteraufstellung des Jahres 1825, dass auf der Achneralm 25 Almhütten und Stallungen standen und 130 Stück Rinder von 9 Bauern aufgetrieben wurden. 9) Nicht viel weniger Almgebäude werden auf der Zeiritzalm (Zeiritzhütten) ausgewiesen (22), auf die ebenfalls 9 Bauern und 97 Rinder auftrieben. Auf der Brunnebenalm weideten 79 Rinder und auf die etwas kleinere >>Fuhs-Alpe<< im Pischniggraben trieb man 39 Rinder auf. Aber auch in Rannsbach und im Lahnberg standen zu dieser Zeit noch zahlreiche Almhütten (8 und 11 Hütten).

Der Kataster von 1825 macht hiezu folgende Angaben zum Viehauftrieb:

Im Achner trieben nachstehende Bauern ihr Vieh auf:
1. Wohlmuther Jakob vlg. Primsch Kalwang 22 Rinder
2. Moisy Peter vlg. Waldsam Sonnberg 16 Rinder
3. Brandner Alexander vlg. Joham Sonnberg 16 Rinder
4. Wallner Paul vlg. Salmer Sonnberg 16 Rinder
5. Mayer Josepg vlg. Schaup Sonnberg 16 Rinder
6. Gerold Simon vlg. Kölbl Sonnberg 14 Rinder
7. Ferchtler Johann vlg. Oberhansl Sonnberg 14 Rinder
8. Weber Johann vlg. Scheiterer Sonnberg 10 Rinder
9. Holzmann Andre vlg. Möstlbauer Sonnberg 6 Rinder
zusammen 130 Rinder
Alle neun Bauern besaßen auch das Hüttenrecht.

In die Brunneben trieben folgende Bauern auf:
1. Kohlbacher Urban vlg. Großthoma Wald 17 Rinder
2. Mießbrandner Joseph vlg. Kleinthoma Wald 13 Rinder
3. Wohlmuth Michl vlg. Prethaler Wald 13 Rinder
4. Wohlmuth Simon vlg. Hauslackner Wald 13 Rinder
5. Mißbrandner Michl vlg. Mißbrandner Wald 8 Rinder
6. Köppel Johann vlg. Schlegl Wald 5 Rinder
7. Glantschnigg Anton vlg. Fleischhacker Wald 10 Rinder
zusammen 79 Rinder
Alle sieben Bauern besaßen das Hüttenrecht.

In der Zeiritz-Alm (Zeiritzhütten) trieben Vieh auf:
1. Wohlmuth Simon vlg. Bayerhuber Wald 17 Rinder
2. Wohlmuth Georg vlg. Wohlmuth Wald 12 Rinder
3. Pichler Thomas vlg. Wurmauer Wald 12 Rinder
4. Wohlmuth Simon vlg. Hauslackner Wald 4 Rinder
5. Wohlmuth Peter vlg. Reisacher Wald 10 Rinder
6. Frühwirth Franz vlg. Ferchtler Sonnberg 10 Rinder
7. Lackner Thomas vlg. Bichler Sonnberg 17 Rinder
8. Beysteiner Franz vlg. Egger Sonnberg 12 Rinder
9. Zach Balthasar vlg. Mostbauer Sonnberg 3 Rinder
zusammen 97 Rinder
Bis auf Zach besaßen alle das Hüttenrecht.

In die >>Fuhs-Alpe<< Flois-Alm (Pisching) trieben auf:
1. Gantschnigg Anton vlg. Falbersberger Kalwang 10 Stück
2. Communität Vordernberg Kalwang 7 Stück
3. Reichenfelser Johann vlg. Hansel in Berg Pisching 6 ½ Stück
4. Reitmayer Thomas vlg. Thomerl Pisching 6 ½ Stück
5. Steinmayer Johann vlg. Steiner Pisching 9 Stück
zusammen 39 Stück

Noch bis in die Mitte unseres Jahrhunderts war die bäuerliche Viehzucht in unseren Gebieten in innigster Verbindung mit der Almwirtschaft. Meist schon Ende Mai wurde das Vieh auf die Almen getrieben und blieb den ganzen Sommer über dort. Erst Ende September oder anfangs Oktober, oft erst beim ersten starken Schneefall, erfolgte der festliche Almabtrieb. Die Heimfahrt von der der Alm fand nach altererbter Sitte und nach alten Bräuchen statt. War keine Kuh abgestürzt, und hatte die Schwoagerin auch sonst kein Unglück mit dem Vieh gehabt, so erfolgte diese Heimfahrt zum Gehöfte des Bauern in besonders festlicher Form. Die „Glockenkuh“ schritt dem Herdenzuge voran. Eine mächtige Glocke hing an einem Gold, bunten Bändern und Spiegeln geschmückten Riemen um ihren Hals. Auch ihre Hörner waren mit Gold und bunten Bändern geschmückt. Gravitätisch schritt der Stier im großen Zuge einher und war sich seiner Stellung als König der Herde wohl bewußt. Ein kleines, mit allerhand Flitter reichlichst versehenes Fichtenbäumchen prangte zwischen seinen Hörnern am breiten Nacken. Nicht minder reichlich geputzt, reihten sich die Kühe und Kälber im Zuge dahinter ein, und der Halte schnalzte fröhlich mit seiner Peitsche dazu. Auf den ebenfalls festlich geschmückten Almwagen brachte man die Habseligkeiten der Schwoagerin und den Hausrat der Almhütten, sowie Butter und Käse zu Tal. Die Schwoagerin beschenkte die ihr Begegnenden mit kleinen Krapfen, den „Rumpelnudeln“. Ein rußgeschwärzter „Sautreiber“ bildete mit seinen Schweinen meist den Schluß dieses festlichen Zuges; er hatte es ganz besonders darauf abgesehen, Frauen und Mädchen zu umarmen und sie ebenfalls rußig zu machen. Ein Festmahl mit fröhlichem Tanz beschloß den Almabtrieb. 10)

Die Almhüten waren im allgemeinen aus Holz gebaut und hatten einen Stall, „Pfahrer“ genannt, als Nebengebäude. Meist stand auch eine eigene Heuhütte und ein Schweinestall daneben. Auf den großen Almen, wie der Achner-Alm oder Zeiritzhütten, gab es mehrere Schwoagerinnen; jede hatte ihre eigene Almhütte, welche von ihr und den Haltern bewohnt wurde. Es gab früher keine Almhütte, bei der nicht ein Butterfaß, durch die Wasserkraft des Almbaches betrieben, vorhanden war und zur Buttererzeugung diente. In einem kühlen Steinkeller wurden Milch, Butter und Käse aufbewahrt.

Die Kühe wurden frühmorgens gemolken, dann auf die Weide getrieben, von der sie erst gegen Abend wieder heimkam, um ein zweitesmal gemolken zu werden. Das Auf- und Abtreiben der Kühe und das Halten derselben auf den Weideböden besorgten die Halter, meist Knaben von 14 – 16 Jahren, oft aber auch erwachsene Männer. Jede Almhütte besaß auch oft einen kleinen, eingezäunten Rasenplatz, welcher gedüngt wurde, um reichlichen Graswuchs für das nötige Grünfutter zu haben. Auf keiner Almhütte fehlte wohl ein guter „Schnaps“, den jeder Besucher zum Willkomm in einen Stamperl gereicht bekam. Es war früher üblich, schon samstags auf die Alm zu gehen und auch den Sonntag zu einer Bergfahrt zu nützen. Oft bildete Samstag abends die enge Almhütte den Tanzboden. Das Jauchzen und Stampfen der Tänzer erfüllte den Raum; aber auch manches alte, schöne Volkslied und manch frischer Jodler oder Juchzer erklang.
Heute sind in unserem Gebiete nur mehr ganz wenige Almen bewirtschaftet. Vielfach werden nur Jungvieh und Ochsen aufgetrieben, die ein Halter allein beaufsichtigt. Häufig fand man früher auch Pferde auf der Alm, doch sind heute Pferde dort schon sehr selten anzutreffen. Es gibt nur mehr wenige Orte, die im Herbst noch einen fröhlichen Almabtrieb in alter Form erleben können. Leider ist auch in Kalwang dieser schöne Brauch, die Heimfahrt von der Alm fröhlich und festlich zu begehen, erloschen.

1) Fritz Posch: Gesamtinventar d. Stmk. Landesarchivs, Seite 314: >>Dieser Maßstab erklärt sich folgendermaßen: 40 Klafter in der Natur wurden durch ein Zoll wiedergegeben (40 mal 6 Fuß mal 12 Zoll = 2880). Riedkarte des franziszeischen Katasters.<<
2) Posch ebenda Seite 313/314.
3) Stmk. Landesarchiv, Bau- und Grundparzellenprotokolle 1824 u. 1825.
4) Siehe Skizze 133.
5) Siehe Skizze 135.
6) Siehe Skizze 137.
7) Siehe Skizze 139.
8) Siehe Skizze 141.
9) Siehe Skizze 142.
10) F. Krauß: Die eherne Mark, Seite 21/22, 1. Band.

Ankauf von Bauerngütern

In der Katastralgemeinde Sonnberg gab es nach dem Kataster von 1825 noch 33 größere und kleinere selbständige Bauerngüter; in der Katastralgemeinde Pisching 20 und in der Katastralgemeinde Schattenberg 8 Bauern. Eine allgemeine Verschlechterung der Wirtschaftslage der Bauern durch das Aufhören des Bergbaues und die Stillegung der Hammerwerke bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts führte zu einer argen Verschuldung der Bauernwirtschaften. Hatten zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Vordernberger Radgewerken und das Stift Admont mit seinem Kupferbergbau schon manches Bauerngut aufgekauft, so erfolgte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts abermals ein Aufkaufen von Bauerngütern durch die Radmeister Communität, um in den Besitz der Waldungen dieser Bauern zu gelangen. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts traten dann noch neue Gutsherrschaften, wie Graf Silva Tarouca, Baron Philipp v. Haas und Franz Ritter v. Friedau, als Käufer von verschuldeten Bauerngütern auf, um ihre Jagdgebiete zu vergrößern. Diese Tätigkeit setzte dann Rudolf v. Gutmann noch am Beginne unseres Jahrhunderts fort. Das führte dazu, dass die Zahl der Bauern in den Katastralgemeinden Kalwangs gewaltig zurück ging.

In der Katastralgemeinde Sonnberg wurden folgende Bauerngüter angekauft:
In der Melling: vlg. Pichler
vlg. Prachtner
Sebastianiberg: vlg. Klingler
vlg. Hansl in Berg alle nach 1879 verkauft
vlg. Waldsam
vlg. Joham
In der Teichen: vlg. Hautz
vlg. Scheiterer
vlg. Kölbl
vlg. Pachler
In der kurzen Teichen: vlg. Ebner 1851 verkauft
vlg. Raiderer 1846 verkauft
vlg. Hofbauer 1850 verkauft
vlg. Rupniederer 1824 verkauft
vlg. Schmidl (Hatzn) nach 1825 verkauft
In der kurzen Teichen: vlg. Stephelbauer vor 1879
vlg. Moisy 1850
vlg. Jandl 1851
vlg. Kieslinger vor 1879
Im Rannsbach: vlg. Stadlhuber vor 1825
vlg. Maderhuber vor 1825
In der langen Teichen: vlg. Kötschhube vor 1825
vlg. Spannleitner 1852
vlg. Röthlhube vor 1825
vlg. Wedl nach 1879

In der Katastralgemeinde Schattenberg wurden alle Bauerngüter aufgekauft:
vlg. Hochwaldner vor 1879
vlg. Huber vor 1879
vlg. Schölzer vor 1879
vlg. Poser nach 1879
vlg. Schwager nach 1879
vlg. Kolb nach 1879
vlg. Schmull nach 1879
vlg. Kogelleiten vor 1879

In der Katastralgemeinde Pisching wurden aufgekauft:
vlg. Din (Enterpfarr.) nach 1879
vlg. Floschbauer nach 1879
vlg. Hirslbauer nach 1825
vlg. Ställerhof vor 1825
vlg. Kühbrandner nach 1879
vlg. Vollersberger nach 1879
vlg. Pirchreiter vor 1825
vlg. Hansl in Berg nach 1825
vlg. Hundsleitner nach 1825
vlg. Thomerl nach 1825
vlg. Steiner nach 1825

Heute gehören noch folgende Bauerngüter selbständigen Bauern:
Kat. Gemeinde Sonnberg:
vlg. Moselsteiner Igler Kurt
vlg. Salmer Rahm Eleonora
vlg. Lederspichler Diethart Siegfried
vlg. Egger Jansenberger Johann
vlg. Auer Jansenberger Josef
vlg. Ebner Lackner Johanna
Kat. Gemeinde Pisching:
vlg. Brückler Geretschnig Werner und Friederike
vlg. Schmutz Putz Josef und Ottilie
vlg. Schwoagerbauer Glück Franz
vlg. Weinkreutl Schober Herbert
vlg. Hiasl in Reith Pfarsbacher Franz und Maria
vlg. Annerle Atocker Karl und Sophie
Kat. Gemeinde Kalwang:
vlg. Primsch Wohlmuther Franz
vlg. Hundsleitner Wohlmuther Johann

In der Katastralgemeinde Sonnberg hatte im Jahre 1879 Franz Ritter v. Friedau große Besitzungen (über 91 Joch); am Lissing besaß er gleichfalls an die 230 Joch.
In der Katastralgemeinde Sonnberg besaß die Vordernberger Radmeister Communität im Jahre 1879 noch Weide, Almen und Waldungen als Gemeinschaftsbesitz im Ausmaße von über 390 Joch. In der Katastralgemeinde Pisching verfügte die Vordernberger Radmeister Communität im Jahre 1879 noch über 834 Joch an Wiesen, Äckern und Weiden, hauptsächlich aber Waldungen.

Das Stift Admont war im Jahre 1825 noch im Besitz der Kupferbergwerke in der Teichen: Gleich nach der Kaiserau standen am linken Teichufer einige Schmelzhütten, eine Mühl, eine Schmelzmeisterwohnung und ein Kupferbergwerk des Stiftes. In der kurzen Teichen am Zusammflusse mit der langen Teichen befanden sich neben dem Gasthause (ehemals Eder-Feichtiner) zwei gemauerte Gebäude der admontischen Vitriolsiederei mit noch drei Wohn- und Wirtschaftsgebäuden. Im kurzen Teichengraben weiter einwärts stand ein großer Schwefelofen des Stiftes. Ein Kupferbergwerk mit einigen Wirtschaftsgebäuden und vier weitere Schwefelöfen mit dem entsprechenden Wirtschaftsgebäude lagen noch weiter teicheneinwärts. Auch im langen Teichengraben gab es mehrere Kupferbergwerke mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden des Stiftes Admont, wi sie aus dem Kataster-Plan des Jahres 1825 noch ersichtlich sind. Heute sind alle diese Kupfergruben verfallen und von den Gebäuden kann man vielfach nicht einmal mehr Mauerreste antreffen.

Das Ende der Grundherrschaften 

Bildung von Ortsgemeinden

Mit dem kaiserlichen Patent vom 7. September 1848 hörten die Grundherrschaften auf und es begann die Wirksamkeit der staatlichen Behörden. Der Bauernaufstand wurde von den Urbariallasten befreit; das Untertänigkeitsverhältnis war aufgehoben. Es kam zu einer großen Reform der staatlichen Verwaltung, des Gerichts- und des Steuerwesens.

Das Herzogtum Steiermark wurde durch das kaiserliche Patent vom 4. März 1849 zu einem Kronland des Kaisertums Österrich erklärt. An der Spitze des Kronlandes stand ein vom Kaiser ernannter Statthalter.
Steiermark wurde in drei Kreise geteilt. Der erste Kreis umfaßte die Obersteiermark (den bisherigen Judenburger und den Brucker Kreis), der zweite die Mittelsteiermark und der dritte die Untersteiermark. Die Kreise selbst wurden von einem Kreispräsidenten verwaltet. Die Bezirke, als die unterste politische Einteilung, wurden von Bezirkshauptmännern geleitet, die dem Kreispräsidenten untergeordnet waren. Der Kreispräsident der Obersteiermark hatte seinen Amtssitz in Bruck. In diesem Brucker Kreis wurden folgende Bezirkshauptmannschaften errichtet: Bruck, Leoben, Judenburg, Liezen, Murau und Irdning. Diese Einteilung dauerte bis 1859. In diesem Jahr wurden drei Kreisbehörden aufgelassen; ihre Agenden gingen zum Teile auf die Bezirksämter über.

Zur Zeit des Türkeneinfalles in das Liesingtal im Jahre 1480 wird erstmals ein Kalwanger Ortsrichter genannt; er hieß Georg Kastner und besaß ein Haus neben der Kirche. Er findet auch bei der Tagung der oberen Steiermark am 20. August 1469 in Judenburg unter den Hauptleuten Erwähnung, welche für die Aufstellung des Landsturmes in ihren Gebieten zuständig waren. Es dürfte demnach schon um diese Zeit die Ortschaft Kalwang zu einer Dorfgemeinschaft zusammengefaßt gewesen sein. Erst wieder zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia ist im Quatemberbuch der Pfarre Kalwang im Jahre 1777 Ahorner Johann als Ortsrichter genannt, in welcher Funktion er auch noch bei der Abfassung des josefinischen Katasters im Jahre 1787 mitgewirkt hatte. Er war im Besitze des sogenannten „Fleischhauers“, welches heute das Haus Nr. 58 führt und der Familie Vasold gehört. Im Quatemberbuch wird er als >>Ortsrichter, Gastgeb, Fleischhacker und Ernaurischer Amtmann<< bezeichnet.

Als Kaiser Franz I. im Jahre 1817 eine Neuaufnahme des Landes durchführen ließ, wurden neue Katastralgemeinden geschaffen. In den Jahren 1824 und 1825 fand eine genaue Vermessung der neu geschaffenen Katastralgemeinden Kalwang, Sonnberg, Schattenberg und Pisching statt, bei welcher auch die Ortsrichter mitzuwirken hatten. Für die Katastralgemeinde Kalwang unterzeichnete Matthias Radlingmayr als Ortsrichter das entsprechende Grenzbeschreibungsprotokoll. Er war Tischlermeister und bewohnte das Haus Nr. 56 (heute Richter Rosa). Auch in den anderen Katastralgemeinden gab es damals eigene Ortsrichter, so für Pisching Peter Schober, vlg. Weinkreutl; für Schattenberg Simon Gerold, vlg. Kölbl; und für Sonnberg Georg Haber, vlg. Prachtner.

Das Amt eines Ortsrichters war gewissermaßen ein Ehrenamt. Jede Steuer- oder Katastralgemeinde wählte selbst ihren Ortsrichter, welcher von der Bezirksobrigkeit bestätigt werden musste. Er bildete in seiner Gemeinde die unterste Obrigkeit und hatte für Ruhe, Zusammenarbeit aller Dorfbewohner bei allen der Allgemeinheit dienenden Aufgaben, für gegenseitige Rücksichtnahme und nachbarlicher Hilfe, für die Erhaltung von Brücken, Brunnen, Zäunen usw.

Mit dem Aufhören der Grundherrschaften im Jahre 1848 sollten nun autogene Gemeinden der Grundstein des neu zu gestaltenden freien Staates sein. Die im Jahre 1849 verordnete Gemeindeselbstverwaltung trat jedoch nicht sofort in Kraft, daher blieben noch längere Zeit die schon vorher bestellten Ortsrichter in der Gemeindeverwaltung tätig. Nach dem 1862 erlassenen Gemeindegesetz war die neu geschaffene Gemeinde für folgende Angelegenheiten zuständig: die Erhaltung der Gemeindestraßen, -wege und –plätze. der Brücken, die Flurpolizei, das Armenwesen, die Volksschule, die Ortspolizei, die Überwachung des Lebensmittelgestzes und des Marktverkehrs, die Gesundheits- und Baupolizei, das Meldewesen, die Ausstellung von Heimatszuständigkeitszeugnissen usw. An die Stelle der Ortsrichter traten nun >>Gemeindevorsteher<<.

In dieser Zeit bildete sich auch die neue Ortsgemeinde Kalwang. Das genaue Datum ließ sich leider nicht mehr feststellen. Jedenfalls gab es in der Gemeinde den Gemeindevorsteher, dem einige Gemeinderäte und Ausschußmitglieder zur Seite standen. Unsere Gemeinde gehörte der ebenfalls neu gebildeten Bezirkshauptmannschaft Leoben an.

Kalwang um das Jahr 1840 

In seiner Topographie des Herzogtums Steiermark aus dem Jahre 1841 führte Dr. Georg Göth für den Bezirk Ehrnau 18 dazugehörige Steuergemeinden an, und zwar: Wald, Melling, Sonnberg, Schattenberg, Kallwang, Magdwiesen, Reitingau, Mautern, Eselberg, Kammern, Diernstorf, Mötschendorf, Pfaffendorf, Leims, Rannach, Liesingau, Pisching und Liesing. (Göth, 2. Band, Seite 225).

Die Bevölkerungsanzahl des Bezirkes Ehrnau betrug 1837 nach Georg Göth 4479. Die Bewohner des Bezirkes „ernähren sich durch den Betrieb der Landwirtschaft, von der aber, der gebirgigen Oberfläche wegen, der Feldbau eine geringere Ausdehnung als die Viehzucht hat. In jenen Gemeinden, in denen Bergbauten und Hammerwerke bestehen, dient ein großer Theil der Bevölkerung als derlei Arbeiter, oder findet durch Fuhrwerksleistungen seinen Erwerb. Holzwirtschaft und die damit verbundene Erzeugung von Kohlen gehört in einigen Gegenden zu dem fast ausschließenden Verdienst.“ (Göth, Seite 229).

Die Steuergemeinde Kalwang hatte nach den Angaben von 1841 eine Einwohnerzahl von 524 Bewohnern, sowie 95 Bauparzellen und 472 Grundparzellen. „Die Pfarrgeistlichkeit, bestehend aus 1 Pfarrer und 1 Kaplan, zieht ihren Unterhalt einzig nur aus Lokalquellen.“ In der Kalwanger Trivialschule unterrichteten 2 Lehrer 120 – 130 Kinder. Göth bemerkt dazu, dass die Zahl der schulbesuchenden Kinder bis vor wenigen Jahren kaum 50 betrug und seither aber ungemein zugenommen habe. Der Unterhalt des Lehrers bestand „in 66 fl. Besoldung, in der Benützung von 2 Tagwerken Gründe, und im Ertrag einer kleinen Sammlung von Korn und Hafer nebst den Stollargebühren.“ (1 Tagwerk Gründe = 1200 Quadrat-Klafter). 1)
Kalwang war damals auch der Sitz der Stift Admontischen Kupferwerks-Direktion und einer k.k. Poststation. Das seit langem in Kalwang gewesene k.k. Straßen-Kommissariat hatte aber 1841 seinen Sitz in Rottenmann. 2)
In Kalwang befand sich noch eine k.k. Weg- und Brückenmaut, und zwar „wurde die Maut von der Seizerbrücke abgenommen.“ 3)
Der Gemeindediener des Ortes besorgte die „Abdeckerei“. 4)
Das „Armenhaus“ wird ebenfalls erwähnt: „Die ersten Spuren hievon findet man in einer landschaftlichen Aerarial-Obligation ddo. 1. Februar 1783, ohne den Namen des Gebers zu wissen. Die erste vorliegende Armenfonds-Rechnung vom Gemeindehaus Kallwang ist vom 31. Jänner 1796, welche ein summarisches Vermögen für den hiesigen Armenfond von 582 fl. 34 kr. 2 dr. ausweist. Es besteht ein eigenes, ganz gut gebautes Armenhaus oder Spital für 8 – 10 Arme, die mit aller zur Wohnung nöthigen Requisiten versehen werden, und überdies noch jährlich 12, 18 – 20 Fl. W. W. auf die Hand erhalten. Das, was zu dieser Betheilung von den Erträgnissen des Fondes abgeht, wird besonders eingezahlt, und beläuft sich jährlich auf 150 – 160 fl.“ 5)

1 Wundarzt mit einer eigenen „Handapotheke“, und eine Hebamme, die „24 fl. Besoldung aus der Bezirkskasse bezieht“, sorgten für die Gesundheit der Ortsbevölkerung. 2 Märkte wurden jährlich abgehalten (am 20. Jänner und am zweiten Montag im Oktober); mit letzterem war auch ein Viehmarkt in Verbindung, zu dem man ca. 400 Stück Rindvieh auftrieb, wobei etwa ein Umsatz von 16 – 18000 fl. gemacht wurde. Gegen Feuersgefahren standen eine große Feuerspitze, 2 kleinere Spritzen und „eine Menge anderer Feuerlöschrequisiten“ zur Verfügung. 6)

Jede Steuergemeinde hatte ihren selbstgewählten, von der Bezirksobrigkeit bestätigten Gemeinderichter, welcher in seiner Gemeinde die nächste und unterste Obrigkeit war, und für Ruhe, Sicherheit und Ordnung mitzuwachen hatte. Das Amt des Gemeinderichters war gewissermaßen ein Ehrenamt; der Gemeinderichter erhielt für seine Bemühung nur eine kleine Geldbelohnung aus der „Bezirksköstenkasse“. 7)

Die Steuergemeinde Sonnberg „gränzt gegen Norden an Radmer an der Hasel und der Stube, gegen Westen an Melling und Wald, gegen Süden an Kallwang und Pisching, gegen Südosten und Osten an Schattenberg, und gegen Nordosten an Krumpenthal“.
1841 wird die Zahl der Bauparzellen dieser Gemeinde mit 144, die der Grundparzellen mit 898 angegeben. Die Almwirtschaft bildete damals noch einen wichtigen Bestandteil der bäuerlichen Wirtschaft; so weideten damals am „Zeyers oder Zeyritzkogel“ bei 70 Kühe, auf der Achneralm ebenfalls 60 Kühe und 10 Stück Jungvieh, auf der Kießlingalpe 20 Kühe und 10 Stück Zuchtvieh, auf der Rannspachalpe 30 Kühe und 15 Stück Jungvieh, auf der Hüttekalpe in der kurzen Teichen 18, auf der Schattleitenalpe 15 und auf der Hochalpe in der langen Teichen 26 Rinder. „Jene Insassen, die in der Gemeinde selbst kein eigenthümliches Alpenrecht besitzen, treiben ihr Hornvieh auf die Weitbodenalpe im Bezirke Hieflau.“ 8)

In der kurzen Teichen lagen am Bache 3 Hausmühlen, 1 Brettersäge und 1 Kupferstampfe, am langen Teichenbache 1 Brettersäge; nach der Vereinigung trieb der Teichenbach die Kupferschmelze, 1 Bergschmiede, 1 Stampfe und 1 Hammerwerk (Kaiserau-Hammer). In 59 Häusern der Gemeinde Sonnberg wohnten 345 Personen. Ihre Haupterwerbsquelle war neben der Viehzucht und dem Feldbau der Verdienst beim Kupferbergbau und beim Hammerwerk. 9) Als einzelne Stollen, in welchen der Bergbau noch betrieben wurde, sind folgende angeführt: „Von der Blasifundgrube geht der Rochus-Stollen, dann immer tiefer hinab, der alte und neue Sebastiani-, der Johanni-, Alberti-, Benedikti- und der noch im Betriebe stehende Josephi-Stollen.“ Die Wässer wurden mittels Pumpen aus den unteren Gesenken herausgeschafft. Ein zweiter Bau war in der sogenannten Burg und lag jenseits des Grabens, durch welchen der Spannberg vom Kießlingtal abgeschnitten wird. Dieses Erzlager wurde mit dem Frauenberger-Stollen angeschlagen. 10)
Das gesamte Personal (144 Beschäftigte) bestand „im Bergbau aus 2 Hutleuten, 46 Häusern, 1 Grubenzimmermeister, 18 Grubenzimmerer, 6 Wasserhebern und Hasplern, 25 Hundstössern und 16 Erzscheiderinnen; bei dem Poch- und Waschwerke aus einem bei den Schwefelöfen und bei Erzröstung aus 1 Schwefelfanger oder Röstmeister, 1 Schwefelläuterer, 1 Einträger; in der Vitriolhütte 1 Sudmeister, 1 Knecht und 1 Gehülfe; in der Schmelzhütte 1 Schmelzmeister, 2 Ofenmeistern, 2 Abhebern, 1 Vorlaufer, 1 Gestübmacher, 2 Röstknechte; überdies noch aus 2 Bergschmiden, 2 Tagzimmerern, 6 Holzknechte und 1 Meister.“
Die Oberleitung führten ein Bergverwalter und 1 Schreiber. 11)

Alle männlichen Arbeiter erhielten Weizen, Korn, Schmalz, Speck und nach Abschlag dieser Fassung ihr Freigeld. Der Bedarf an Materialien im Berg, in der Hütte usw. betrug im Jahre 20 Ztr Pulver, 24 Ztr. Kerzen, 600 Stämme Grubenholz, 220 Klafter Röstscheiter, 30.000 Faß Kohlen, 1.100 Ztr. Lehm und 36 Ztr. Stahl und Zugeisen. 12)
„Obwohl man nicht in allen Gemeinden Kohlen erzeugte, so beläuft sich die ganze jährliche Kohlen-Produktion (des Bezirkes Ehrnau) auf 74 – 75.000 Faß, welche zu den Eisengewerkschaften, zu der Kupferhütte (in Kallwang) und zu den Hochöfen nach Vordernberg geführt werden.“ 13)

Göth führt noch an, dass bei den Bergknappen im Kalwanger Kupferbergwerk häufig Beulen, Geschwülste und andere Hautkrankeheiten auftraten, bemerkt aber dazu, dass in jenen Tälern, wo Schwefel erzeugt wird, die Schwefeldämpfe die Ausbreitung von ansteckenden Krankheiten verhinderten. Als Beweis hierfür gibt er an, dass in den Jahren 1817 und 1818, als der Typhus in allen Gebieten westlich von Kalwang stark wütete, gerade „an der Gränze dieser mit Schwefeldämpfen geschwängerten Atmosphäre (die Krankheit) aufhörte und völlig unterdrückt war.“ „Ein Ähnliches trat bei der Lungenseuche des Hornviehs ein, welche im Jahre 1794 die meisten Stallungen dieser Gegenden leerte, in der Pfarre zeigte.“ 14) Über die schädlichen Auswirkungen der Schwefeldämpfe, welche bei der Röstung der Schwefel- und Kupfererze entstehen, schreibt Göth: „Bei dieser Röstung sammelt sich ein Theil des Schwefels im flüssigen Zustande am Boden des Röstofens, der andere verflüchtigt sich in erstickenden, für die umliegende Vegetation schädlichen gelblich weißen Dämpfe, die man in großer Entfernung noch an den Felsen der umliegenden Berge als gelbes Pulver findet.“

In der Steuergemeinde Schattenberg lebten 1841 in 11 Häusern 84 Bewohner. Diese Gemeinde umfaßte 87 Bauparzellen und 187 Grundparzellen. In ihr arbeitete noch der „Kaiserau-Hammer“, welcher Eigentum des Joachim Edlen von Schragl war. Er bestand aus 1 Hammerschlag mit 3 Feuern und erzeugte im Jahre 1836 noch 1.200 Ztr. Stahl, 618 Ztr. Grobeisen im Werte von 16.418 fl.; hierzu wurden verbraucht 2.005 Ztr. Roheisen und 10.908 Faß Kohlen. Göth schreibt dazu: „In neuerster Zeit erzeugt man hier auch Gußstahl, der dem rühmlich bekannten der k.k. Hauptgewerkschaft in Eisenerz ganz gleich kommt.“ 16)

Die Steuergemeinde Pisching umfaßte 1841 55 Bau- und 392 Grundparzellen. Die Zahl der Einwohner betrug 142, die der Häuser 29. Der Pischingbach betrieb 1 Brettersäge, 4 Hausmühlen und 1 Mautmühle mit 2 Gängen. Am Liesingbache lagen 1 Brettersäge, 3 Hausmühlen und der „Noth-Hammer“. Die Steuergemeinde Pisching nennt Carl Schmutz in seiner Topographie 1822 noch „Ober-Schattenberg“. Zum Noth-Hammer schreibt Georg Göth 1841: „Das erwähnte Hammerwerk in der Noth und Furth, wovon gegenwärtig die Radmeister-Kommunität Besitzerin ist, besteht aus 3 Hammerschlägen und 3 Zerren- und 1 Streckfeuer. Der Verbrauch im Jahre 1836 war 3.208 Ztr. Roheisen und 18.460 Faß Kohlen, die Erzeugung im Jahre 1836 1.050 Ztr. Grobeisen und 602 Ztr. Streckeisen, im Gesamtwerthe von 21.958 fl.“ 17)

Georg Göth schreibt 1841 über das Hammerwerk Stegmühl: „Auf dem Hammerwerk Stegmühl, welches dem Stifte Admont gehört, wurde im Jahre 1836 erzeugt auf 7 Hammerschlägen mit 5 Zerren- und 3 Streckeisen, im Werthe von 16.419 fl. Zu dieser Erzeugung wurden verbraucht 2.423 Ztr. Roheisen und 19.536 Faß Kohlen.“
Über den Walch-Hammer:
„Seit einigen Jahren ist das früher am rechten Ufer der Liesing bestandene Hammerwerk des Franz Ritter von Friedau, in der Walch genannt, übersetzt worden. Es enthält 4 Hammerschläge mit 3 Zerren- und 1 Streckhammer. Der Verbrauch an Kohlen ist 16.841 Faß, an Roheisen 3.217 Ztr. Hieraus erzeugt man 974 Ztr. Stahl, 1.175 Ztr. Grobeisen und 619 Ztr. Streckeisen im Werthe von 19.764 fl.“

Ein Vorfahre des Franz Ritter von Friedau, Josef Pauer, kaufte im Jahre 1805 die Herrschaft Friedau und wurde am 7. Februar 1812 in den österreichischen Adelsstand mit dem Prädikate „Edler von Friedau“ erhoben, 1814 erhielt er den österreichischen Ritterstand. Er erwarb 1819 das Radwerk 7 in Vordernberg und starb im Jahre 1840 zu Graz.
Sein Sohn Franz d. Ältere besaß neben dem Radwerke verschiedene Werke wie ein Raffinierwerk in Donawitz, ein Blechwalzwerk in Gmeingruben bei Trofaiach (ehemals Jandlscher Besitz), ein Sensenwerk ober Kindberg, den Hammer in der Walch bei Mautern, Kohlengruben bei Leoben. Zur Deckung des Holzbedarfes für seine Gewerkschaften erwarb er zahlreichen ausgedehnten Grundbesitz durch Aufkauf bäuerlicher Liegenschaften. Diese ganzen Beistzungen übernahm sein Sohn Franz Ritter von Friedau d. Jüngere, der auch in Kalwang großen Waldbesitz hatte. Er war ein großer Förderer von Kunst und Wissenschaft. Auf seine Kosten veranstaltete er zu Beginn der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts unter Teilnahme von Malern und Naturforschern eine Weltreise. 1884 verließ er seine Heimat und zog in die Schweiz. Sein gesamter Werkbesitz ging später an die Alpine Montangesellschaft über. 20)

Das Hammerwerk am Hagenbache gehörte dem Gewerken Ignaz Jandl. Es bestand aus zwei Hammerschlägen und drei Zerrenhämmern und erzeugte im Jahre 1836 1592 Zentner Stahl und 1011 Zentner Grobeisen im Wert von 24.762 fl. C. M. Hierzu wurden 15.300 Faß Kohle und 2.835 Zentner Roheisen verbraucht. 21)

Die Hammerwerke und Bergbauten zu Stegmühl und Kallwang konnten bei dem Umstande, dass die Radmeister Communität zu Vordernberg durch Ankauf von Wäldern und Hinaufschrauben der Kohlenpreise die Betriebsführung ebenso schwierig als kostspielig gemacht hatte, nur durch Sicherstellung des Bezuges von Holz und Kohle prosperieren. Aus diesem Grunde kaufte das Stift Admont 1844 die Montanitäten und Civilrealitäten des Joachim Ritter von Schragl in und bei Kallwang, darunter das Hammerwerk Kaiserau in der Teichen.“ 22)

Im Jahre 1846 waren mit dem Verkaufe der Kupferbergwerke durch das Stift Admont auch die stiftischen Waldungen an die Vordernberger Radmeister Communität gelangt. Da diese aber hauptsächlich nur am Kohlholz und am Bergbau Interesse hatten, blieben die Fischwässer bis heute noch im Besitze des Stiftes Admont. Lediglich die Fischwässer der Liesing ab der Forellenzuchtanstalt Igler, des Teichengrabens ab der Höllkeusche, des Mellingbaches, des Pisching- und Hagenbaches, welche einst zum landesfürstlichen Besitz Ehrnau gehörte, sind heute im Besitze des Fürsten von Liechtenstein.

Das landesfürstliche Schloß Ehrnau kam pfandweise vorübergehend in den Besitz des Stiftes Admont. Das Schloß wurde bei dem Türkeneinfall im Jahre 1480 zerstört und nachher wieder aufgebaut. Später war es der Stammsitz der Ritter von Ehrnau, welche sich bis 1623, wo Franz Leonhard Freiherr von Ehrnau als Protestant das Land verließ, verfolgen lassen. Daraufhin wurde Ehrnau wieder landesfürstlich und pfandweise an die Pögl und später an die Breuner vergeben, „bis Ferdinand II am 26. Februar 1643 dem Hofkammerrate Max Freiherrn von Breuner die Herrschaft schenkte. Im Jahre 1673 stiftete Karl Gottfried v. Breuner aus den Gütern Kaisersberg, Ehrnau und Kammerstein ein Fideikommiß, welches nach dem Tode des letzten Breuners steirischer Linie auf Leopold Graf Galler überging.“ 23) Graf Galler übergab das Fideikommiß 1844 bzw. 1852 an Anton Graf Lamberg. In der Zeit um 1875 war im Schloß Ehrnau eine Fürst-Liechtenstein´sche Gutsverwaltung untergebracht, nachdem damals die Stubalm und die Gottstalalm im Hagenbachrevier Liechtenstein´scher Besitz war. Graf Lambert verkaufte 1883 seine Herrschaft an Franz Mayr von Melnhof mit Ausnahme von Ehrnau. 24)

Die Chronik berichtet, dass im Jahre 1728 der Besitzer von Ehrnau, Breuner, zu Ehren seiner Gäste, Kaiser Karl VI. und Gemahlin, am Reiting eine Gamsjagd veranstaltete, wobei der Kaiser 36, die Kaiserin 24 und Prinz Franz von Lothringen 15 Gemsen erlegten. Der Name Kaisertal am Reiting erinnert noch an diese Jagd. 25)

„Kaiser Franz, der Gemahl Maria Theresias, jagte am Reiting und nach einem Brief des P. Irimbert von Gastheimb, Pfarrers zu Kallwang, (ddo. 1748, 22. Juli) war der Pfarrhof zu Kammern zum Absteigquartier bestimmt.“ 26)

Franz Mayer Freiherr v. Melnhof widmete das Schloß Ehrnau samt Grundbesitz von 5,28 ha und einer Barsumme von 25.000 fl. behufs Adaptierung zu einer Landessiechenanstalt dem Lande Steiermark. Nach einem zweckentsprechenden Umbau fand am 13. August 1885 die feierliche Eröffnung der Landessiechenanstalt Ehrnau statt. 27)

Die „Kronprinz-Rudolf-Bahn“ 

Am Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verlor die Straße durch das Liesingtal immer mehr an Bedeutung. Am 29. September 1869 wurde die „Kronprinz-Rudolf-Bahn“ als Teilstrecke von St. Michael bis Rottenmann dem öffentlichen Verkehr übergeben. Rottenmann (Bahnhof) war damals die vorläufige Endstation. Hier musste die Dampflokomotive auf einer Drehscheibe kehrtmachen. Beim Bau dieser Bahnstrecke waren oftmals mehrere Tausende von Arbeitern, hauptsächlich italienische Bauleute und Arbeiter, beschäftigt. Im August 1872 erfolgte dann die Eröffnung der Bahnlinie Rottenmann-Selztal-Amstetten. Am 17. Juli 1883 fuhr Kaiser Franz Josef I. in seinem Hofzug zum ersten Male hier auf dieser Strecke nach Bad Ischl, seinem Sommeraufenthalt. Am Kalwanger Bahnhof begrüßten die Ortshonoratioren sowie die gesamte Schuljugend und viele Leute den durchreisenden Kaiser.

Die Eröffnung dieser Bahnlinie hatte schwere Folgen für die Eisenhämmer unseres Tales. Aber auch die sich in dieser Zeit bildenden großen Industrievereinigungen, so die Vordernberger Radmeister Communität, führten zum Niedergang der kleineren Hammerwerke, die allmählich eines nach dem anderen eingingen und stillgelegt wurden. Dadurch verloren nicht nur viele Arbeiter der Hammerwerke ihren Arbeitsplatz, sondern auch die Bauern ihre Absatzgebiete und wurden langsam verschuldet. Kohlenmeiler stellten ihre Arbeit ein, Frächter und Fuhrleute verloren ihre Arbeit an die Bahn, die den Transport des Erzes und der Eisenproduktion nun viel schneller und billiger durchführte; aber auch die vielen Einkehrgasthäuser an der Straße wurden überflüssig.

Der älteste Ortplan von Kalwang

Plan zur Straßenbegradigung 1818

In St. Michael trennte sich die sogenannte Salzstraße von der Klagenfurterstraße und führte durch das Liesing- und Paltental ins Ennstal. Sie gehörte zum k.k. Straßen-Kommissariate in Kalwang, welches für alle Belange der Straßenerhaltung zuständig war. 1) Zur selben Zeit befand sich in Kalwang auch ein k.k. Weg- und Brückenmaut; das heutige Haus Nr. 6 (Stuhlpfarrer) war das alte Mauthaus.

Im Steirischen Landesarchiv sind die alten Bestände des seinerzeitigen Kreisamtes Bruck aufbewahrt und enthalten auch den Schriftverkehr mit dem Straßen-Kommissariate in Kalwang. Darunter befinden sich u. a. zwei vom damaligen >>Amtszeichner<< Joseph Melling im August 1818 angefertigte Pläne >>über die Strahsen-Uiberlegung durch das Dorf Kahlwang.<< Aus diesen geht hervor, dass im Jahre 1818 bereits die Absicht bestand, die sich durch den Ort windende Salzstraße anders zu trassieren und zu begradigen. Die schön und genau gezeichneten Pläne Mellings lassen erkennen, dass die geplante neue Straße von der Stelle weg, wo die >>Hochstraße<< auf die alte Bundesstraße trifft, gegenüber der heutigen Kfz-Werkstätte Laptos, – damals stand dort auch ein größerer Kalkofen -, in gerader Linie über das >>Spitalfeld<< westwärts in Richtung zum Scheuchenstuhl geführt werden sollte.
Durch den Garten beim Scheuchenstuhl durch, an diesem und dem heutigen Gasthause Fiechtl vorbei, hätte sie etwa an der heutigen Brücke beim >>Putzi-Garten<< den Teichenbach überquert, sodann den Garten beim >>Hans Pircher Haus<< durchschnitten und südlich vom Pfarrhof und Pfarrgarten vorbeigeführt. Von dort aus wäre sie in gerader Linie immer westwärts durch die Felder und den heutigen Friedhof hindurchgeführt worden und hätte die alte Bundesstraße bei der Kapelle in der Nähe des heutigen Sportplatzes wieder erreicht. Nur ein kurzes Stück hätte sie so noch durch den Ort geführt.

Warum diese geplante Straßenbegradigung nicht zur Ausführung gelangte, konnte aus den im Landesarchiv vorhandenen Unterlagen nicht geklärt werden.

(Die Pläne befinden sich im Landesarchiv, X/107, 1, 2: Kreisamt Bruck). Dieser Plan des Jahres 1818 ist gleichzeitig der älteste Ortsplan von Kalwang.

1) >>Wegcommissair<< Johann Bauer wohnte 1817 im heutigen Hause Nr. 93 (Mühlberger).

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Bericht der Pfarrchronik im 19. Jahrhundert

Die Kalwanger Pfarr-Chronik hält noch folgende besondere Ereignisse des 19. Jahrhunderts fest:

Am 8. Juli 1838 brach im Hause Nr. 78 um Mitternacht, >>durch einen Tabakraucher verursacht<<, Feuer aus. Sowohl das Haus Nr. 78 als auch das Haus Nr. 79 wurde >>in Asche gelegt<<. Das Haus Nr. 78 hat heute die Haus Nr. 81, gehört Gritz Sophie und wurde erst kürzlich abgerissen. Das Haus Nr. 79 hat heute die Haus Nr. 80 und gehört Kühberger Michael.

Im Jahre 1857 reiste die Königin von Griechenland, von Bad Ischl kommend, am 15. Oktober mit der Kutsche durch Kalwang, welches Ereignis in Kalwang ebenso Ausehen erregte wie die Duchreise >>Ihrer Majestäten Franz Josef I. und Elisabeth<<, welche, gleichfalls von Bad Ischl kommend, am 21. Oktober 1857 in einer schönen Kutsche durch den Ort Kalwang fuhren.

Häufig verursachten schwere Unwetter in Kalwang größeren Schaden, so ging am 21. Mai 1864 am Hahnreich ein arger Wolkenbruch nieder, der beim Hirsel in Reith und beim Weinkräutl besonders viel Schaden anrichtete. Die Wassermassen stürzten mit solcher Gewalt herab, dass sie die stärksten Bäume mit sich fortrissen. Auch die Kohlstätte des >>Herrn Hanf wurde 4 Klafter weit von ihrem Standort fortgerissen, ohne zertrümmert zu werden.<< Beim Hirsel in Reith brach das Wasser durch das Fenster in die Küche ein, >>wo es klafterhoch dieselbe mit Erde anfüllte.<< Beim Weinkräutl wurde ein Jaferfeld mit Erde und Holz ganz verschüttet und verschlammt.

Im Jahre 1867 fiel schon im November sehr viel Schnee, der nicht mehr wegging; es folgte ein so schneereicher Winter, dass sich die ältesten Leute nicht an solche Schneemassen erinnern konnten. Als darauf im April 1868 die Schneeschmelze plötzlich einsetzte, kam es zu einer großen Überschwemmung. Die Teichen konnte das Wasser nicht mehr fassen, sie trat aus ihren Ufern und stömte über die Gassen und Straßen, riß an vielen Stellen die Bachmauern ein und überflutete auf weiten Strecken die Felder und Wiesen des Talbodens. Diese waren auf mehrere Jahre hinaus zu einem „Stein- und Sandfeld“ geworden.

Im April 1867 wurden die zwei Lindenbäume beim Tor der Pfarrhofmauer, ehemals Friedhofmauer, durch Pfarrvikar Julian Simmet gesetzt, die bis heute zu ansehlicher Größe gewachsen sind.

Auch am 30. August 1878 führte ein Wolkenbruch in der kurzen Teichen dazu, dass sich mit ungeheurer Schnelligkeit riesige Wassermassen durch den Teichengraben ergossen, den größten Teil des Ortes unter Wasser setzten und viel Schaden an Straßen und Häusern anrichteten.

In der Nacht vom 19. zum 20. September 1885 brach beim Bauernhof des Besitzers Johann Wohlmuther, vlg. Primsch, im Stallgebäude Feuer aus, welches in kurzer Zeit auch das Wohngebäude und sämtliche Wirtschaftsgebäude samt der eingebrachten Ernte vollständig vernichtete. Auch alle Fahrnisse und der gesamte Viehstand fielen den Flammen zum Opfer. Der entstandene Schaden wurde auf 3.000 bis 4.000 Gulden geschätzt, eine für die damalige Zeit ganz ungeheure Summe; dazu war der abgebrannte Besitz nicht gegen Feuer versichert.

Ein furchtbares Gewitter entlud sich am 7. Juni 1888 über Kalwang; es war verbunden mit einem gewaltigen Hagelschlag, dessen Schloßen eine Stärke von 4 – 5 cm Durchmesser erreichten. Der gewaltige Gewittersturm schleuderte den Hagel mit unerhörter Heftigkeit daher. Das ganze Wintergetreide und das Futter wurde vernichtet, Gemüse- und Obstgärten schwerstens geschädigt. Das hatte zur Folge, dass kein Körnchen des Wintergetreides geerntet wurde und dass der Futterertrag so gering war, dass er für einige Monate reichte. Die starken Hagelschloßen zertrümmerten viele Fensterscheiben der Kalwanger Häuser.

In der Nacht des 2. April 1891 geriet das Stallgebäude des vlg. Jocham am Sebastianiberg, welches den alten Stiebler-Leuten gehörte, in Brand. Da fast kein Wasser zum Löschen vorhanden war, wurden Stall- und Wohngebäuden ein Raub der Flammen. 13 Stück Vieh und sämtliche Vorräte, sowie alle Einrichtungsgegenstände verbrannten.

Der Großbrand im Jahr 1886 

Der Ort Kalwang lag nun ziemlich weit von der Bahnstation entfernt, und die einst günstige Lage an der „Salzstraße“ war für den Ort fast ganz bedeutungslos geworden. Durch den großen Brand am 15. November 1886 wurden die Bewohner Kalwangs hart getroffen. Die Häuser der Bürger Vasold. Heiland, Hanf, Standfest, Wallner, Richter und Kühberger fielen dem verheerenden Feuer zum Opfer.

Dazu berichtet die Pfarr-Chronik:
>>Die Nacht vom 14. auf den 15. November 1886 war für Kallwang eine rechte Unglücksnacht, indem bald nach Mitternacht die Glocken den Feuerruf erschallen ließen. Beim vlg. Hauz im Dorfe in unmittelbarer Nähe des Pfarrhofes war Feuer ausgebrochen, das in kurzer Zeit das Nachbarhaus des Fleischhauers ergriff. Trotz aller Anstrengungen der hiesigen Feuerwehr griff das gefräßige Element so rapid um sich, dass bald weitere Objekte in Brand gerieten und es den Anschein hatte, als sollte die ganze Ortschaft den Flammen zum Opfer werden, was auch nicht ausgeblieben wäre, wenn die Kirche, die schon in großer Gefahr war, mit dem gewaltigen Turme von dem Feuer erfaßt worden wäre. Im krititschen Moment kam Hilfe; es begann gegen 3 Uhr morgens ergiebig zu regnen, zugleich erschien die Feuerwehr von Mautern an der Unglücksstätte, der sinkende Mut ward belebt. Nun kamen die Feuerwehren aus Leoben, Rottenmann und Trieben und beteiligten sich mit aller Aufopferung an dem Rettungswerke. Es gelang endlich, dem Feuer Einhalt zu gebieten. Acht Häuser samt Wirtschaftsgebäuden, den Fahrnissen und Vorräten fielen den Flammen zum Opfer, 10 Familien waren obdachlos. Da der Winter vor der Tür stand, war die Not groß. Über die Entstehungsursache des Brandes ist nichts bekannt geworden. Der durch das Feuer verursachte Schaden wurde nach Schätzungen der Bezirkshauptmannschaft Leoben auf 30.000 Gurlden beziffert.<<

Die durch das Feuer ganz oder teilweise zerstörten Häuser sind folgende:
Haus Nr. 47: vlg. Hauz, Besitzerin Helene Oberlechner; Dachstuhl und Wirtschaftsgebäude ganz vernichtet, auch im inneren ausgebrannt. (Heute Haus Nr. 57, Besitzer Vasold.)
Haus Nr. 46: vlg. Fleischhacker, Besitzerin Frau Genofeva Artweger; Dachstuhl und Wirtschaftsgebäude niedergebrannt. (Heute Haus Nr. 58, Besitzer Vasold.)
Haus Nr. 48: vlg. Tischler, Besitzer Robert und Josefa Richter; Dachstuhl und Wirtschaftsgebäude vernichtet. (Heute Haus Nr. 56, Besitzer Richter Rosa.)
Haus Nr. 49: vlg. Weber, Besitzer Michael Kühberger; total niedergebrannt, die Brandstätte wurde abgerissen und in einen Garten verwandelt.
Haus Nr. 51: vlg. Winkelwirt, Besitzer Franz Wagner; Dachstuhl und Wirtschaftsgebäude abgebrannt. (Heute Haus Nr. 51, Besitzer Wohlmuther Dietlinde.)
Haus Nr. 43: vlg. Standfest, Besitzer Johann Wohlmuther, Mesner; Haus und Stall abgebrannt, die Brandstätte wurde abgerissen.
Haus Nr. 44: Platzschneider, Besitzer Josef Hanf, Kaufmann; Dachstuhl des Hauses und Wirtschaftsgebäude niedergebrannt. (Heute Haus Nr. 54, Besitzer Hanf Brigitte.)
Haus Nr. 45: vlg. Lax, Besitzerin Susanne Lax; Haus arg verwüstet, Wirtschaftsgebäude total niedergebrannt. (Heute Haus Nr. 55, Besitzer Heiland Philipp d. J.)

Kalwang um 1878 

Josef Andreas Janisch schreibt in seinem >>Topographisch-statistischen Lexikon von Steiermark<< aus dem Jahre 1878, dass Kalwang die Katastralgemeinden >>Bisching<<, Kallwang, Schattenberg und Sonnberg mit zusammen 6715,425 ha umschließt und in 215 Häusern eine Bevölkerungszahl von 1.211 Seelen (596 männlichen und 615 weiblichen) aufweist. Die Katastralgemeinde Kalwang allein (223,1 ha) zählt in 91 Häusern 667 Seelen und wird vom Teichenbach durchflossen, >>welcher 2 Mahlmühlen mit drei Gängen und eine mit vier Gängen, 1 Knoppenmühle und 1 Stampfe treibt. Über die Liesing führen 3 Brücken.<< Die Seehöhe ist mit 695,83 m über dem Meere angegeben; weiters werden eine zweiklassige Volksschule, ein k.k. Postamt (>>vor der Eröffnung der Bahn von Bedeutung<<), zwei Wundärzte und ein Forstamt des >>Vordernberger Erzbergvereins<< erwähnt. >>Die Pfarre St. Oswald untersteht dem Dekanate Trofaiach und ist dem Stifte Admont inkorporiert. Die Protestanten zählen 180 Seelen und sind der benachbarten evangelischen Pfarre in Wald zugeteilt.<< Von der katholischen Pfarrkirche wird noch berichtet, dass ordentliche Pfarrmatrikeln seit dem Jahr 1659 bestehen, und dass im Jahre 1599 der Abt zu Admont, Johann IV., die katholische Lehre hier wieder einführte, die damalige >>Filialie St. Oswald<< der Mutterkirche in Kammern zugewiesen wurde. Zur Versorgung der Armen besteht hier ein eigenes Armenhaus oder Spital für 8 – 10 Arme, die >>darin Wohnung, Holz und Licht genießen und eine bestimmte Geldpfründe erhalten.<< Auch ein >>Graphitpochwerk mit 9 Stempeln und den zugehörigen Trockenvorrichtungen<< wird angeführt. Folgende Märkte werden abgehalten: >>am 20. Jänner, am ersten Sonntag nach dem Rosenkranzsonntag Jahrmarkt und Montag darauf Viehmarkt.<< 1)

Zur Katastralgemeinde >>Bisching<< gibt Janisch eine Größe von 1.477,750 ha mit 39 Häusern und 212 Seelen an. >>In Bisching liegen eine Brettersäge und fünf Mühlen, am Liesingbach 3 Müheln und 1 Hammerwerk. Das Hammerwerk in der Not und Furt ist Eigentum der Vordernberger Radmeister Communität und besteht aus 3 Hammerschlägen mit 3 Zerren- und 1 Streckfeuer.<< 2)

In der Katastralgemeinde Schattenberg werden auf 1.562,275 ha 63 Häuser mit 168 Seelen gezählt. >>Schattenberg liegt am Fuße des Liesingberges. Der Tobersbach bildet die Grenze mit der Gemeinde Liesingau. An diesem gleichnamigen Bache liegt 1 Hausmühle. In der sogenannte Kaiserau bestand früher ein dem Joachim Edlen von Schragl gehöriges Hammerwerk, welches auch Gußstahl erzeugte, nun aber eingegangen ist. Die Häuser dieser Gemeinde, die man auch Teichengraben nennt, liegen, ohne eine geschlossene Ortschaft zu bilden, zerstreut und von Kallwang 1 – 2 ½ Stunden entfernt. Auch bestand früher in dieser Gegend ein Schmelzofen des Stiftes Admont, der aber schon längst ausgeblasen wurde. Aber am langen Teichenberge hat man Versuche gemacht, Kupferanbrüche aufzufinden, die auch von Erfolg gekrönt waren, aber leider stehen die Gruben unter Wasser<<. 3)

Die größte Katastralgemeinde ist Sonnberg mit 3.452,3 ha und zählt in 22 Häusern 164 Seelen. >>Im Gebiete dieser Katastralgemeinde sind der Zeiritzkampel, der Stadlstein, Spannberg, Roidererberg und Rannsbach die bedeutendsten Berge. Alpen sind: der Zeiritzkogel, die Achner-, Kießling-, Rannsbach-, Hütteck-, Schattleiten- und Hochalpe. Jene Insassen, die in der Gemeinde selbst kein eigenthümliches Alpenrecht besitzen, treiben ihr Hornvieh auf die Weitbodenalpe in der Gemeinde Radmer an der Stube. Der das kurze Teichenthal durchfließende gleichnamige Bach treibt 3 Hausmühlen und 1 Brettersäge, der lange Teichenbach 1 Brettersäge. In dieser Katastralgemeinde zeigen sich sowohl in der langen als auch in der kurzen Teich am Spannberg Anbrüche von Kupfer.<<

>>Das Gebirge, worin sich Kupfererze finden, ist anfangs schwärzlicher Tonschiefer, dass dicke Schickte Kalk, darauf ein grünlich- und lichtgrauer Schiefer, der bis zum Erzlager anhält. Dieses ist 1 bis 2 Meter mächtig, besteht aus Erzen, Thon, Glimmerschiefer und Quarz und ist teilweise durch eine weiße Thonschichte in mehrere Lager getheilt. Das hier erzeugte Kupfer zeichnete sich durch einen vorzüglichen Grad von Reinheit und Dehnbarkeit aus, wovon der Grund in den von allen fremden und schädlichen Beimengungen gänzlich freien Erzen liegt. Außerdem wurde Schwefel und Vitriol gewonnen. Unter den jetzigen Besitzern, der Radmeister Communität, geriet das ganze Werk unter Wasser und ist der Betrieb lediglich auf Einhaltung der Grube eine sparsame Ausrichutng derselben beschränkt. Hiezu werden cirka 25 Arbeiter verwendet.<< 4)

Die >>Raffelherberge<<, das heutige Forstamt, diente vorübergehend als Unterkunft für wandernde Bergleute; sie trägt die Aufschrift >>Salva Quardia<<; das bedeutet, dass das Haus von Einquartierungen des durchziehenden Militärs befreit war.

Die >>Stegmühle<<, das einstige Hammerwerk an der Liesing, welches lange Zeit zum Stifte Admont gehörte, diente zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia dem Stifte Admont als >>Missionsstation<<, da im oberen Liesingtale die Bevölkerung trotz Verbot damals zum Teil noch evangelisch war. Der einstige Altar aus der Stegmühl befindet sich nunmehr im katholischen Pfarrhofe von Wald. 5)

Einer der älteren Revierförster im Gebiete von Kalwang war Franz Gandorfer der Ältere, welcher bereits im Jahre 1878 als Revierförster bei der Radmeister Communität tätig war, dann vom Grafen Silva Tarouca als solcher übernommen wurde und erst 1904 in den Ruhestand trat. Sein Wohnhaus, früher >>Hirslbauer<<, nächst dem Bahndurchlasse am Wege zum heutigen Jagdschlosse, ist noch heute unter dem Namen >>Gandorfer Haus<< bekannt.

Die neuen Gutsherren Baron Haas und Graf Silva Tarouca 

Die Radmeister Communität hatte ihre Jagd lange Zeit an den Prinzen Windischgrätz verpachtet gehabt. Im November 1886 verkaufte die Vordernberger Radmeister Communität ihr gesamten Besitzungen in Kalwang an Baron Philipp Ritter von Haas. 1) Baron Haas bewohnte den Teichenhof (Kettenhaus) in Kalwang. Er vergrößerte seine Besitzungen durch Zukäufe bäuerlicher Güter und Wälder ganz beträchtlich. Im Jahre 1895 kaufte Graf Silva Tarouca die Wälder von Baron Haas am rechten Liesingufer. Er vermehrte seinen Besitz, indem er mehrere Bauerngüter aufkaufte und erbaute in Pisching eine Säge, die mit Wasserkraft betrieben wurde. Graf Silva beschäftigte vielfach slowakische Waldarbeiter in seinem Revier, die am Hagenbach-Eingang Wohnung fanden, weshalb dieses Gebiet bis in die heutigen Tage bei den älteren Leuten unter >>Die Slowakei<< bekannt ist.

Das alte Bauernhaus >>Haselbauer<< gelangte ebenfalls in den Besitz des Grafen Silva Tarouca; Graf Silva baute auf dem Gelände unter dem alten Bauernhaus eine Schloßvilla (Jagdhaus). Später wurde diese Villa von nachfolgenden Gutsbesitzer Rudolf v. Gutmann umgebaut, vergrößert und in die heutige Gestalt gebracht. Es dient nun als Jagdschloß der Herrschaft Liechtenstein.

Der >>Ställerhof<<, ebenfalls ein altes Bauernhaus, gehörte um 1825 den Schragl´schen Hammerwerken.

Als Sägeverwalter der vom Grafen Tarouca erbauten Pischinger Säge war ein Linzer namens Friedl hier beschäftigt. Friedl machte sich aber bald selbständig und baute die am Anfange des Teichengrabens stehende alte Schragl-Mühle zu einer Säge um, die heute noch unter dem Namen >>Friedl-Säge<< in Betrieb ist. Nach dem zweiten Weltkriege war diese Säge von der Herrschaft Liechtenstein, in deren Besitze sie sich befand, stillgelegt, jedoch dann der Kalwanger Waldgenossenschaft verkauft worden.

Das letzte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts 

Am 9., 10. und 11. Juni 1892 führte der Teichenbach wieder einmal Hochwasser und überschwemmte den Ort. Viele Häuser wurden beschädigt und die Straße vermuhrt. Namhaften Schaden erlitt Karl Kaiblinger, durch dessen Haus und mühle der reißende Bach seinen Lauf nahm. Der Knecht Ferdinand Maier wollte über den Behelfssteg zum anderen Ufer des Wildbaches, um dort weiter zu arbeiten, glitt aber aus und versank in den reißenden Fluten. Erst nach drei Wochen wurde sein Leichnam gefunden.

Im Jahre 1894 erfolgte in Österreich die Einführung der neuen Geldwährung von Kronen und Hellern an Stelle der bisher geltenden Gulden und Kreuzer (1 Gulden = 2 Kronen; 1 Kreuzer = 2 Heller; 1 Krone = 100 Heller).

Im Jahre 1897 erschien das Buch >>Die eherne Mark<< von Ferdinand Krauß, in welchen er Kalwang als >>ein großes Pfarrdorf mit 95 Häusern und 608 Wohnungen<< beschreibt. >>Alle vier Katastralgemeinden zusammen umfassen 224 Häuser mit 1114 Bewohnern.<< Er erwähnt in seinem Buche auch, dass der Ort Kalwang seine einstige Bedeutung den bereits aufgelassenen Kupferbergwerken in der Teichen und den zahlreichen Hammerwerken verdankt, die nun ebenfalls alle allmählich aufgelassen wurden. >>So ist es stille geworden in unserem einst als goldenes Kallwang gefeierten Pfarrdorfe.<< 1) Krauß erwähnt im Jahre 1897 folgende Gasthäuser: >>Fichtl E., vulgo Kräberger; P. Vasold, Fleischhauer; J. Pircher, Sitzgarten; J. Klarmann, Mühle; Rosalia Zaglauer, schöner Sitzgarten; Feimüller, jetzt Kaps; Reitmaier, Gastgarten und Badeanstalt für Kalt- und Warmbäder sammt Douchevorrichtung; alle mit Fremdenzimmer.<< 2)
Die im Jahre 1896 erbaute Volksschule findet ebenso Erwähnung, wie die zahlreichen Vereine des Ortes, ganz besonders aber die >>Feuerwehr mit schönem Depot<< und der Gesangsverein. An >>Industrien<< zählt er auf: >>Köhlereien und Lohstampfe, Holzindustrie-Etablissement (Schiffsbauholz für Italien) elektrisch beleuchtet.<< R. v. Haas und Graf Silva Tarouca als Besitzer prächtiger Jagdreviere sind gleichfalls angeführt. 3)

Über einen alten Kalwanger Volksbrauch schreibt Ferdinand Krauß im Jahre 1897 folgendes: >>In den drei Rauchnächten – Joseftragen vor dem hl. Abend: Daran nehmen 9 Knaben theil, und zwar nimmt einer der Knaben ein Bild des hl. Josef und geht damit zum 2. Knaben, worauf beide ein gemeinschaftliches Gebet verrichten; hierauf nimmt der 2. Knabe das Bild und trägt es zum 3. usw. Dies geschieht 9 Tage vor dem hl. Abend. An diesem aber ziehen die 9 Knaben, welche mit Kränzen geschmückt sind, dreimal mit lautem Gebete durch den Ort, ihnen schließen sich 9 Mädchen und 9 alte Weiber an und machen unter großem Lärm und mit brennenden Laternen dreimal die Runde um den Ort. Hierauf ausgiebige Jause im Hause desjenigen, dem durch Losung des Bild während des Jahres zur Aufbewahrung überreicht wird.<< 4)

>>Kallwang besitzt eine Reihe gut bürgerlicher Gasthöfe und nett eingerichtete Privatwohnungen, vortreffliches Wasser, und in unmittelbarer Nähe ausgedehnte Nadelholzwälder und kann somit Sommergästen, welche auf kein reges gesellschaftliches Leben Anspruch machen, bestens empfohlen werden,<< 5) so schreibt 1897 Ferd. Krauß und führt noch viele lohnenswerte Spaziergänge und Wanderungen in die nähere und weitere Umgebung des Ortes an. Er schildert dabei besonders den Teichengraben: >>Die gute Fahrstraße tritt sogleich in die Schieferklamm der Teichen und zieht in steter, jedoch mäßiger Steigerung längs des wasserreichen rauschenden Teichenbaches hinan. Dunkle, meist schwarzgraue Schiefermassen in eigenthümlicher Schichtung durchbrechen überall die Waldhänge und treten vielfach in grotesken Formen zu Tage, und verleiht die dunkle Farbe des Gesteins im Vereine mit den vielen Ruinenstätten verfallener Schmelzwerke und anderer bergmännischer Baulichkeiten, die unseren Weg begleiten, der Teichen, hier charakteristisch die Höll genannt, eine eigenthümlich düstere Stimmung.<< 6) Heute sind aber die von ihm angeführten Ruinenstätten bereits so verfallen und von Gesträuch überwuchert, dass davon kaum mehr etwas zu sehen ist.
Schöne Kapellen, die Krauß anführt, stehen wohl noch teils am Wege, so die alte Floriani-Kapelle bevor man zum heutigen herrschaftlichen E-Werke kommte. Nach dem E-Werke erreicht man die Kapelle mit einem großen gekreuzigten Christus (Schmelzmeister-Kreuz). An dem Kreuz findet sich noch folgende alte Inschrift: >>Wer 5 Vatter unser und 5 Ave Maria zu Ehren des bitteren Leyden Christi und der schmerzen Maria bettet gewinnt 1000 Jahr und wer es aber kisset 1 Jahr und 40 Tag ablas. 1768.<<
Eine ähnliche alte Kapelle mit der Jahreszahl 1750 steht am Ortsende in der Richtung nach Mautern in der Nähe des Gölles-Hauses. In dieser Kapelle ist folgende alte Inschrift zu finden: >>Alle den Vorüberreisenden, die bei diesen Kreuz 7 Vateruns u. 7 Ave Maria u. 7 Ehre Gott dem Vater u. den Glauben betet erlangen 240 Tage Ablass von Hochwürdigen Missionären verliehen worden.<< Schöne Kapellen sind noch am Teichengraben Eingang mit dem hl. Sebastian, die Kapelle beim Ställerhof, die Barockkapelle am Hagenbach-Eingang und die Kießling-Kapelle in der Achner-Alm mit dem schönen Hubertus-Bild von Suitbert Lobisser. Auch im Orte selbst noch alte Kapellen.

Ferdinand Krauß erwähnt das am Zusammenflusse der langen und der kurzen Teichen gelegene Gasthaus Eder (später Feichtinger). Als Bergführer gibt Krauß den Platzwirt Goriupp Raimund und Thomas Rainer an, welch letzteren er als >>Guter Natursänger<< bezeichnet. 7)

Die Vereine Kalwangs

Die Kalwanger Schützengesellschaft

Die Schützengesellschaft Kalwang ist der älteste heute noch bestehende Verein des Marktes Kalwang. Joseph v. Zahn schreibt in den >>Steiermärkischen Geschichtsblättern<< von den ältesten authentischen Nachrichten über das Schützenwesen in der Steiermark: >>Das Scheibenschießen reicht bis in die Zeit vor der Erfindung des Schießpulvers zurück, wenn wir auch erst seit 1532 urkundlich den Bestand von Schießstätten nachweisen können. Diese Urkunde betreifft die Verfügung Ferdinands I., womit der Büchsen- und Armbust-Schützengesellschaft zu Judenburg alle Jahre zwei Beste aus den Kammergefällen zugewiesen werden. Auch alle anderen ältesten Urkunden über das steierische Schützenwesen sind weniger Statuen und Einladungen zu Schützenfesten als vielmehr Ansuchen der Schießstätten an die Regierung um Unterstützung der Schießveranstaltungen mit Besten.<<

Als älteste steirische Schießstätten lassen sich neben Judenburg nachweisen: Knittelfeld 1572, Obdach 1577, Fürstenfeld 1579, Kindberg 1580, Leoben 1581, Zeiring 1582, Neumarkt 1588, Voitsberg 1602 und Graz 1627. 2) Im Jahre 1580 führten die Bürger von Rottenmann im September ein Schießen mit >>Ziel- und Pürschbüchsen<< durch.

In alter Zeit hat man bei Schilderungen der Steiermark und ihrer Bewohner nie unterlassen, ganz vorzugsweise das Schützenwesen als für das Land charakteristisch darzustellen. Zahlreich sind auch die vielen Schützenlieder, die im Lande gerne gesungen werden. Früher hatte nahezu jeder große Bauernhof seinen Schießstand im Walde und die Scheiben mit den Meisterschüssen schmückten vielfach die Giebelfronten alter Bauernhöfe. Ferdinand Krauß bezeichnet das Scheibenschießen als zu jenen Gewohnheiten des Obersteirers gehörig. >>die ihm einmal so tief im Blute stecken, dass er sie nicht lassen kann.<< 3)

Im Kunstgewerbemuseum des Joanneums zu Graz befindet sich eine alte Schützenscheibe der Kalwanger Schützengesellschaft aus dem Jahre 1658. (Inventarverzeichnis Nr. 241 aus dem Jahre 1879.) Diese Scheibe ist ein Beweis dafür, dass auch Kalwang eine der ältesten steirischen Schützengesellschaften besitzt, die sicherlich schon am Ende des 16. Jahrhunderts bestanden hat. Es dürfte auch die Annahme richtig sein, dass die Gründung derselben auf die Bergknappen des seinerzeitigen Kupferbergbaues in der Teichen und auf die Tätigkeit der Hammerherrengeschlechter Kalwangs zurückgeht. So zeigt ja auch die historisch wertvolle alte Schützenscheibe, datiert mit der Jahreszahl 1658, vier Bergleute in alter Bergmannstracht, welche mit dem Ausmessen beschäftigt sind. Zwei von ihnen halten eine sogenannte >>Lachterschnur<< in Händen. (Von der Einführung des metrischen Maßsystems galt ein >>Lachter<< als altes deutsches Bergmaß. Die geölte Lachterschnur hatte eine Länge von 10 – 12 Lachter und diente zum Messen der Grubentiefe. Ein Lachter war etwas größer als ein Klafter; ein Wiener Klafter, welcher bis 1875 als Maß galt, war 189,65 cm lang.)

Im oberen Teil der Schießscheibe ist ein Spruchband mit der Schrift zu sehen: >>Wer Ein berg man Wirt er schießen – muss in die Ladt ein Groschen büssen.<< (Wer auf der Scheibe einen Bergmann trifft, muss in die Lade einen Groschen zahlen.) Die Scheibe ist aus Fichtenholz und hat einen Durchmesser von 69 cm. Sie wurde im Jahre 1879 als Geschenk von Baron F. v. Staudenheim dem Grazer Joanneum zur Aufbewahrung übergeben. Leider ist es nicht mehr feststellbar, wer dieser Baron v. Staudenheim war und wie er zu dieser Scheibe kam. Eine Kopie der Kalwanger Schützenscheibe 1658 befand sich auf der alten Schießstätte, die oberhalb der Kalwanger >>Hochstraße<< am Abhange des Lissingberges steht. Diese Kopie der alten Scheibe ist seit 1945 spurlos verschwunden. Aber auch alle anderen Schützenscheiben, die einst die alte Schießstätte zierten, sind seit diesem Jahr unauffindbar. Die Schießstätte selbst, auf der noch bis in die Tage des Zweiten Weltkrieges eifrig geschlossen wurde, galt nach dem Kriegsende im Jahre 1945 als >>Deutsches Eigentum<<, wurde dem Schützenverein enteignet und verkauft. Der Käufer, Scheffel-Reiter, baute sie zu einem Wohnhaus um.

Im September 1929 versandte die Schützengesellschaft zu Kalwang an verschiedene Gönner und Schützenvereine ein gedrucktes Schreiben mit der Bitte um Spenden zum Ausbaue der alten Schießstätte in Kalwang und wies darauf hin, dass diese Schießstätte schon seit mehr als 400 Jahren besteht; also seit etwa 1525. Doch fehlen dazu die entsprechenden urkundlichen Belege.

Die heute noch bestehenden Schützengesellschaft ist im Besitze einer sehr alten Truhe, welche nur mit drei verschiedenen Schlüsseln an drei verschiedenen Schlössern der Truhe zu öffnen ist. Sie diente zweifellos nicht nur zur Aufbewahrung von Geld, sondern gleichzeitig auch für alte Statuen, Schriftstücke und Schützenverzeichnisse. 4) Erhalten und im Besitze der Kalwanger Schützengesellschaft sind zwei alte, handgeschriebene Schützenordnungen aus den Jahren 1768 und 1784. Die erstere führt die Bezeichnung: >>Neu errichtete Schützen-Ordnung deren Herren Schützen und Schuß-Freunden in Kalwang – zusammen getragen im Jahre 1768.<< Die letztere trägt ein Deckblatt, welches in einer ovalen Verzierung zu oberst eine Königskrone zeigt und darunter zwei große, verschlungene Kreise mit den Zeichen des Mars und der Venus aufweist. Oder der Krone sind die großen Buchstaben K.S.G. (Kalwanger-Schützen-Gesellschaft) eingefügt. Das Ganze ist umschlossen von zwei Zweigen eines Lorbeerbaumes und stellt so gewissermaßen das Wappen dieser Schützengesellschaft dar. Auf beiden Schützenordnungen finden sich die Unterschriften der damaligen Schützen.

So zeigt die Schützenordnung aus dem Jahre 1768 noch die Unterschrift des Paters Bartholomäus Harl als Bergverwalter und Oberschützenmeister P. Harl scheint für die Jahre 1760 – 1788 als Verweser (Verwalter) des Admonter Kupferbergbaues in der Teichen in alten Urkunden auf. Er fügte seiner Unterschrift sein Siegel bei, welches das Stift Admontische Wappen zeigt. Als >>Schützencomihsar<< unterzeichnete diese Schützenordnung Johann Karl v. Schragl. Er wurde im Jahre 1735 zu Kalwang geboren. Sein Vater, Karl Thaddäus Schragl, Hammerherr in der Kaiserau (Teichen) bei Kalwang, heiratete am 28. Jänner 1734 zu Kalwang Anna Christina Thinn. Johann Karl v. Schragl, wie seine Vorfahren Hammergewerke in Kalwang, war Leutnant a. D. und wurde am 20. August 1791 in den Ritterstand erhoben. Es war vermählt mit Antonie, Tochter des Erhard v. Fichtl, Bergrates beim Oberkammergrafenamt in Eisenerz. Seiner Unterschrift auf der alten Schützenordnung fügte auch er sein Siegel bei, welches deutlich das Schragl´sche Wappen erkennen läßt. Im selben Jahre, in welchem Johann Karl v. Schragl diese Schützenordnung unterzeichnete, wurde ihm ein Sohn Carl Maria geboren, welcher gleich seinem Vater Hammerherr zu Kalwang war und 1816 starb. 5) Er hinterließ einen Sohn, Joachim Ritter v. Schragl, geb. 1803, gest. 1866 in Graz; auch dieser erscheint als Schützenmeister in Kalwanger Schützengesellschaften auf, wie eine alte Urkunde über ein >>Kranzlschießen<< im Jahre 1840 bezeugt. – Als weitere interessante Unterschriften trägt die Schützenordnung 1768 die des P. Sigismund v. Springenfels als Schützenmeister. Er ist der Sohn jenes Christoph Andrä v. Springenfels, der 1695 die reich mit Stuck verzierte Kreuzkapelle in der Kalwanger Pfarrkirche erbauen ließ und mit seiner Frau in dieser Kapelle die letzte Ruhestätte fand. P. Sigismund fügte seiner Unterschrift ebenfalls sein Siegel bei. Er ist 1743 geboren und starb im Jahre 1803 als Sub-Prior zu Admont. 6) Neben Carl Pengg bestätigte auch der Kalwanger Hammergewerke Franz Anton Hackh mit Unterschrift und Siegel seine Zugehörigkeit zur Kalwanger Schützengesellschaft im Jahre 1768.

Die andere Schützenordnung, datiert mit 26. April 1784, weist in Unterschrift als Oberschützenmeister Karl Engelbert Pengg auf. Karl Engelberts Vorfahren sind schom zum Beginne des 17. Jahrhunderts in Kalwang nachweisbar und waren gleich ihm Hammerherren zu Kalwang. 7) Bergverwalter und Bergschaffer Franz Josef Harl findet sich gleichfalls unter den Unterzeichnern dieser Schützenodnung 1784. – Auf anderen Schriftstücken unterschrieben häufig, so 1811, 1813, 1817, 1820, 1840, Angehörige der Gewerkenfamilie Scheuchenstuel (Josef Anton und Kajetan v. Scheuchenstuel), der Familien Schragl und Pengg als Inhaber verschiedener Ämter in der Kalwanger Schützengesellschaft. Aber auch Bergverwalter des Kupferbergbaues, wie Franz Harl aus Oberschützenmeister, waren stets eifrig als Schützen tätig. Die Kalwanger Schützengesellschaft zählte nach einem Mitgliederverzeichnis im Jahre 1820 16 Mitglieder; Karl Pengg, Hammerherr zu Kalwang, besaß 1825 noch den >>Zehenthof<< (den heutigen >>Scheuchenstuhl<<) in Kalwang. 1783 übernahm ein Vinzenz Pengg aus Kalwang die Führung der Oberen Werkes in Thörl; er gilt als Stammvater der Gewerkenfamilie Pengg v. Auheim in Thörl. 8)

So wie bei allen Schützenvereinen waren auch bei den Kalwanger Schützen die Ehrentage der Schützenmeister oder beliebter Schützen, ganz besonders aber die Jubiläen der Landesfürsten und des Kaisers willkommene Anlässe zu festlichen Schieß-Veranstaltungen. Im Jahre 1898 fand in Kalwang zum 50-jährigen Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josef I. ein großes >>Kaiser-Jubiläums-Freischießen<< statt. Die Gedenkscheibe zu diesem festlichen Schießen bemalte die Wiener akad. Malerin Auguste Döll. Es gab viele Beste als Preise; so stiftete Kaiser Franz Josef I. selbst der Kalwanger Schützengesellschaft einen Preis in der Form von 20 Goldkronen in einer schönen Kassette. Aber auch die damaligen Gutsbesitzer in Kalwang, Ernst Graf Silva Tarouca und Philipp Ritter von Haas, sowie viele andere Persönlichkeiten scheinen damals als Best-Spender auf. Der 70. Geburtstag des Kaisers im Jahre 1900 bot wieder Anlaß zu einem festlichen Freischießen.

Erhalten ist noch ein Schreiben vom 8. Juni 1853, in dem die Gemeinde Kalwang der Schützengesellschaft mitteilt: >>Die Bezirkshauptmannschaft Leoben hat mit Erlaß vom 11. Oktober 1852 Nr. 4575 die hiesige Schüßstätte durch das langjährige Bestehen als eine öffentliche und erlaubte anerkannte, wovon die Schützengesellschaft unter Rückschluß der Schützenordnung vom Jahre 1768 hiermit verständigt wird.<<

Im Jahre 1927 wurde dann die alte Schießstätte noch ausgebaut, und viele >>Fest<< – und >>Kranzlschießen<< gaben Zeugnis von eifriger Schützentätigkeit in Kalwang, bei der man zu dem Büchsenknallen auch manchen Böller krachen hören konnte, sobald ein Schuß >>ins Schwarze<< getroffen hatte. Nach dem Zweiten Weltkriege beendete der Verlust der alten Kalwanger Schießstätte das fröhliche Schützentreiben. Seither sind die Schützen gezwungen, mit dem Zimmergewehrschießen das Auslangen zu finden.

Noch eine Begebenheit wäre anzuführen: Mit einem Schreiben vom 16. August 1897 lehnte das k.k. Reichs-Kriegs-Ministerium das Ansuchen der Kalwanger Schützengesellschaft um den Verleih von Infanterie-Gewehren mit dem Bemerken ab, dass die Schützengesellschaft keinen Anspruch davon habe. 9)

Die Kalwanger Schützenscheibe aus dem Jahre 1658 gibt beredte Kunde vom langjährigen Bestehen der Kalwanger Schützengesellschaft. Verdienstvolle Schützenmeister dieser Schützengesellschaft waren der seinerzeitige Kalwanger Arzt Dr. Richard Mitter (gest. 1918), Simon Reitmair (gest. 1929) und bis in die Zeit nach dem Jahre 1945 Karl Kaiblinger d. Ältere (gest. 1974).

Der Wortlaut der alten Schützenordnung

Neu-errichtete

Schüzen-Ordnung
deren Herren Schüzen und
Schieß-Freunden
in
Kalwang
zusammen getragen
im Jahre
1768.

Erstens ist Niemanden erlaubt ohne vorheriger Bewilligung deren Herren Schüzen-Meistern sich hier ein-zu-verbleiben und mit-zu Schiessen.
Zweitens solle jeder ein-verbleibter Schüz sein Schiessen halten, wenn es ihme von denen Herren Schüzen-Meistern auf getragen wird, und 1 Species Thaller, oder 2 fl. das Beste geben zu müssen verbunden seyn. Doch stehet jedem frey mehr zu geben.
Dridtens solle der Herr Best-geber späthestens um 2 Uhr mit seiner Scheibe auf der gewöhnlichen Schieß-statt sich einfinden, im widrigen Fahle aber 3 Xr (Kreuzer) in die Laad geben, alda hat selber.
Vierdtens, sein geben wollendes Centrum zur Approbation vorher einem von denen Herren Schüzen-Meistern an zu zeigen, sodann die Kreise zu machen, und den Frey-Schuß zu schiessen, welcher aber bey Straf 3 Xr nicht ehender als in Gegenwart 2 Hlb. Schüzen geschehen solle
Fünftens so etwan ein Hlb. Best-geber aus wichtigen Ursachen verhindert wäre, am bestimmten Tage sein Bestes zu geben, sollt er bey Straf 3 Xr zeitlich einen anderen ersuchen, das selbe an seiner Stat zu geben, damit die übrigen Hlg. Schüzen
Sechstens nicht umsonst auf der Schieß-Stat erscheinen, welche bey Staf 3 Xr nach Möglichkeit trachten sollen, bey allen Schiessen sich einzufinden. Es wäre dan, dass einer durch erhebliche Ursachen hier an verhindert sey, in welchem Fahl er
Sibentens durch einen anderen Hlb. Schüzen die Ursach seines Auß-bleibens denen Hlb. Schüzen-Meistern zu melden in Unterlassung dessen aber bey erster Erscheinung 3 Xr in die Laad zu erlegen hat.
Achtens, solle jeder Hlb. Schüz auf das spätheste um 2 Uhr mit seinem Rohr auf der Schieß-Stat erscheinen, und nach 2 Uhr kein leg-geldmehr angenohmen werden. Wan aber ein oder anderer aus wichtiger Ursach nicht eher als erst nach 2 Uhr erscheinen könnte, so hat selber vor dieser zeit sein Leg-geld voraus zu schicken, und sein Hindernis anzu deuten.

Von hier weg fehlt in der Schützenordnung 1768 bis zu >>Neunzehntens<< das Blatt, deshalb seien hier die fehlenden Punkte aus der ebenfalls handgeschriebenen Schützenordnung aus dem Jahre 1784 eingesetzt. Ein Vergleich dieser beiden Schützenordnungen ergibt, dass die zweite Schützenordnung 1784 eine Abschrift jener aus dem Jahre 1768 ist.

9tens: Sofern einer auffahret, und nicht gespannt, den Hahn nicht aufgesetzt, oder den Schneller nicht gestochen, bezahlt selber 13 Xr.
10tens: So fern sich nach einem Schuße zwey Löcher in der Scheibe zeigten, solle das schlechtere verschlagen, dasjenige aber, was durch das Bessere gezogen wird, in die Laad verfallen, und dem Schürzen ein anderer Schuß erlaubet seyn.
11tens: Solle keiner dem andern sein Rohr an Schranken vorsetzen, oder dem andern im Stande vorgehen, bey Strafe 3 Xr. ausser es wäre der Schütz, dessen Rohr das vordeste ist, nicht zugegen, in welchem Falle dem zweyten erlaubet ist vorzugehen, um die nachfolgende nicht aufzuhalten. Es solle dahero
12tens: keiner, so bald er sein Rohr am Schranken gesetzet, ausser wichtigen Ursachen sich vom Stande oder Schüßstadt entfernen bey Strafe 3 Xr.
13tens: Wer ein fremdes Rohr am Schranken nihmt, um darmit zu schüssen, bezallet 3 Xr.
14tens: Wer aber gar aus solchen schüsset, bezallet für seine Unachtsamkeit 7 Xr. ausser er hätte kein eigenes Rohr, und das fremde von dem Eigenthümer zuleihe genohmen.
15tens: Solle sich keiner zu dem andern in Stand begeben, oder ihm anreden, auslachen, und dergleichen bey Straf 3 Xr.
16tens: Wer sein Pulver Horn, oder Spanner im Stand mitzunehmen vergisst, büsset seine Vergessenheit mit 3 Xr.
17tens: Wenn einer 1 oder 2 Anschläge macht, und das Rohr nicht los gehet, ist ihme nicht erlaubet aus dem Stand zu gehen, vielweniger den Schuß sonst wohin zu schüßen bey Verlust des Leggeldes, ausser er zeigete eine wichtige Ursach.
18tens: Wer 3 Anschläge machet, und das Rohr nicht los gehet, demselben solle es zum dritten mal abzusetzen nicht mehr erlaubet seyn, sondern das Rohr bey dem Wang gespannt werden, und so es noch nicht los gehet, zallet er 2 Groschen:

Hier setzt wieder die alte Schützenordnung von 1768 fort:

Neunzehntes: geschiehet es manchmal, dass einer die Kugel ohne Pulver hinein ladet, in diesem fahle zahlet selber 7 Xr.
Zwainzigstens: jeder Hlb. Schüz solle ehender der Ziller von der Scheibe geht, seinen volbrachten Schuß beim Schreib-Tisch ansagen ob es ein Treffer oder ein fehler seye, bey Straf 3 Xr.
Einundzwainzigstens: wenn der Ziller einen Schuß fehl aus schlaget, der Schüz aber vermeinet getroffen zu haben, kann er um die Erlaubniß bey Hlb. Ober-Schüzen-Meister ansuchen, dass Hlb. Schüzen-Meister nebst Hlb. Commihsario die Scheibe besichtigte, dafür aber hat er 3 Xr. in die Laad zu erlegen.
Zweiundzwainzigstens: befindete es sich, dass der fehl ausgeschlagene Schuß getroffen wäre, so solle der ziller um sein aus denen Leg-geldern bekommenes Contigent gestraffet werden.
Dreiundzwainzigstens: welcher Hlb. Schüz ohne Erlaubniß deren Hlb. Schüzen-Meistern zur Scheibe gehet, der hat seinen Vorwiz mit 3 Xr. zu büssen.
Vier-undzwainzigstens: wer seinen Spanner, Pulver-Horn, Wischfezen, oder waß es immer seye, im Stande liegen lasset, erleget darfür 3 Xr. in die Laad.
Fünf-undzwainzigstens: keinem ist für sich mehr als 1 Schuß zu verlegen erlaubet, und dieser nur damals, wenn er 1 oder mehr gefehlet hat. So er aber keinen gefehlet hat, und gleichwohl 1 oder mehr verleget, verfahlen die ihme nicht gebührenen in die Laad.
Sechs-undzwainzigstens: wem im Stande sein Rohr liegend loß gehet, dem ist ein anderer Schuß erlaubet, sobald er aber aufhebet, und das Rohr gehet loß, (ohne die Scheibe zu sehen), ist es ein fehler.
Siben-undzwainzigstens: wenn einer bey dem Looß-heben ein läres zettl bekomet, ist es ein zeichen, dass er keinen Looß-Schuß habe, und ihme nicht erlaubet darfür einen für sich zu verlegen.
Acht-undzwainzigstens: keiner solle ehender einen Looß-Schuß machen, als alle seine Schuß geschossen, bey Straf 3 Xr.
Neun-undzwainzigstens: wer einmal einen Looß-Schuß gemacht, und sodan erst, einen seinigen fehler verlegen, und schiessen wollte, deme solle es nicht mehr angenohmen werden.
Dreißigstens: ein jeder Schüz solle ehe er einen Looß-Schuß machet, bey dem Schreib-tische ansagen, für wen er ihn mache, in widrigen fahle aber um 3 Xr. bestrafet werden.
Ein-unddreissigstens: wer in das anderen Schieß/Geräthe umsuchet oder ohne Erlaubnis etwas davon nihmt, ist um 3 Xr. zu strafen.
Zwei-unddreissigstens: wer den anderen in eine Straf verfahlen zu seyn sihet, und es nicht anzeiget, solle in gleiche Straf, wie der andere verfallen seyn.
Drei-unddreissigstens: wer sich weigert eine Straf zu bezahlen, in die er recht-mäßig verfahlen ist, deme solle solche doppelt von seinen Gewinnsten abgezogen werden.
Vier-unddreissigstens: kein Hlb. Schüz solle mit Fleiß einen Nagel zer schiessen, so es sich aber von ohngefehr ereignete, und der ziller die Scheibe flerret, solle der Hlb. Schüzen-Meister nebst dem Comißario, und Schüzen-Schreiber sich zur Scheibe begeben, die zahl des zerschossenen Nagels zu untersuchen, und anzumerken.
Fünf-unddreissigstens: so einem an seinem Rohre im Stand etwas brechete, solle dieser solches, ehe er aus dem Stand gehet, dem Hlb. Ober-Schüzen-Meisters thut verfahlet in eine Straf mit 3 Xr.
Sechs-unddreissigstens: wenn nun ein solcher Schüz seine Schuß nicht mehr machen kann, ist ihme erlaubet, solche in das Looß zu geben.
Siben-unddreissigstens: Ein Hlb. Schüz deme für beständig erlaubet ist, seine Schuß in das Looß zu geben, kann bey seinen gebenden besten den frey-Schuß zu machen selbst einen Hlb. Schüzen nach belieben erwählen.
Acht-unddreissigstens: sollen jederzeit nach dem schiessen von einem Hlb. Schüzen-Meister die Schuß abgezirkelt, die gewinste gemacht, und durch Hlb. Commihsarium ausgetheillet werden, wobey sämentliche Hlb. Schüzen gegenwärtig seyn sollen. Wer sich aber ohne wichtiger Ursach, und ohne Erlaubniß eines Hlb. Schüzen-Meisters entfernet, ist um 3 Xr. zu strafen.
Neun-unddreissigstens: wer vorsezlich fluchet, schwöret, oder andere Gottes-lästerliche, oder ärgerliche Worte vorbringet, solle nach gutbefinden deren gesamten Hlb. Schüzen gestraffet, und indessen sein Rohr und Schieß-gezeig in Verwahrung genohmen werden.
Vierzigstens: welcher Hlb. Schüz, er habe getroffen, oder gefehlet keine Ausred weiß, solle für seine Unwissenheit 7 Xr. in die Laad bezahlen.
Ein-undvierzigstens: diese Schüzen-Ordnung solle Jährlich wenigstens einmal bey Anfang deren Schiessen denen gesamten Hlb. Schüzen, und so oft ein neuer Hlb. Schüz einverbleibet wird, dennselben vorgelesen werden, damit sich hiernach ein jeder richten, und vor Straffe hütten möge.

In Urkund dessen und zu mehrerer Bekräfftigung gegen wärtigem Schüzen-Ordnung haben wir unsere eigene Nahmens-Unterschrift, und gewöhnliche Pettschafts-Fertigung hierunten gesezet. So geschehen in Kalwang den Ein- u. zwainzigsten May, des Ein Tausend, Siben Hundert, Acht und Sechzig sten Jahres.

P. Bartholomäus Härl Maria Constantia Hackhin
Bergverwalter p. t. Ober- Ignaz ………………. ball
Schützenmeister Jocob Schweiger
…………….. Pöchtl
Johann Karl Schragl Johann Hierner
p. t. Schüzen Comihsar Franz Retl
Georg Gräzer
Franz Anton Hakh Simon Stattegger
Joseph Hackh p. t. actuar
Carl Pengg
Thomas Berggruber Baron Pichl
Mathias Frichter P. Sigismundus Springenfels
Benedict Gräzer p. t. Schützenmeister

NACHTRAG

Erstens so einer Ehender Schüsset alß er geleget hat, selber für jeden Schuß, so viel er geschossen 2 Groschen in die Laad zu bezahlen, doch aber nachher für solche daß Tag-Geld zu erlegen, und die Schüß zu ziehen.
Zweitens soferne einer auffahret, und nicht gespannet, den Hahn nicht aufgesezet, oder den Schneller nicht gestochen hat, bezahlt selber 3 Xr.
Dridtens soferne nach einem Schuß sich zwey Löcher in der Scheibe zeigeten, solle das Schlechtere verschlagen, das jenige aber waß durch das bessere gezogen wird, in die Laad verfahlen seyn, und dem Schützen ein ander Schuß erlaubet seyn.
Vierdtens, solle jeder ziller jederzeit mit dem Bley-Stift die zahl deß geschossenen Schuses auf der Scheibe anmerken, in Unterlassung dessen aber durch den Pritschen-Meister mit der Pritschen gestraft werden.
Fünftens soferne der Schüzen Schreiber Einen Schuß aufzusezen vergist, oder unrecht aufschreibet, ist selber eben mit der Pritschen zu Straffen.
Sechstens welcher den letzten Schuß aus allen Schüzen schießet bezahlet für seine Verweillung 3 Xr.
Sibentens sofern ein Einverleibter noch mitschiessender Schüz mit Todt abginge, solle für ihm auß der Laad ein Seelen-Amt gehalten werden, und hierbey alle ürigen Hlb. Schüzen fleißig erscheinen.
Achtens Jeder Hlb. Schüz welcher den Centrum-Nagel hinauß Schiesset, hat dem ziller für solchen 7 Xr. zu zahlen.

Ferner wird künftig hin fest geschlossen, dass allainig nur ein Glaß und Rohr erlaubt oder sogenantes gegerl aber gänzlich abgebotten seye, widrigen Falß alle Schuß verfallen seyen solen. Item soll künftig jährlich für alle incorporierte Lebendigen, und tote Schüzen ein Hl. Amt gehalten werden.

Dies ist eine Abschrift der Kalwanger Schützen-Ordnung aus dem Jahre 1768.

Die Schützen-Ordnung 1784 enthält fast wörtlich die gleichen Punkte der Schützen-Ordnung von 1768.

Die Freiwillige Feuerwehr 1884

Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in Kalwang geht auf das Jahr 1884 zurück. Ihr erster Kommandant war Feuerwehrhauptmann Klatt. Weitere verdiente Hauptleute waren der seinerzeitige Gasthofbesitzer und Bürgermeister Simon Reitmaier und Engelbert Fichtl d. Ältere. Von 1920 – 1938 versahen Karl Größing d. Ä., 1938 – 1945 Matthias Hutter, 1945 – 1948 Karl Größing d. Ä., 1948 – 1951 Emanuel Wernhart, 1951 – 1952 Hans Leber das Amt eines Feuerwehrhauptmannes, und seit 1952 führt Anton Gölles d. J. die Kalwanger Feuerwehr.

Im Jahre 1904 erfolgte die Gründung einer Gutsfeuerwehr der Herrschaft Gutmann deren Hauptleute Rentmeister Seeberger, Elias Lischka und Riesemann waren. Im Jahre 1938 wurden die Ortsfeuerwehr und die Gutsfeuerwehr zur >>Deutschen Feuerschutzpolizei<< vereinigt. Nach dem Kriegsende 1945 erwarb sich der Feuerwehrhauptmann Karl Größing große Verdienste um den Wiederaufbau der Kalwanger Feuerwehr. Nach dem erfolgten Umbau der zwei getrennten Rüsthäuser zu einem gemeinsamen Rüsthaus fand am 16. Juli 1967 die Einweihung des neuen Feuerwehr-Rüsthauses statt. – 1951 gründete das Kalwanger Homogen-Werk eine eigene Werksfeuerwehr.

Der Männergesangsverein 1893

Von besonderer kultureller und gesellschaftlicher Bedeutung für Kalwang wurde dessen Männergesangsverein. Seine Gründung erfolgte am 18. November 1893. Eine Kalwanger >>Tischgesellschaft<<, welche neben der geselligen Unterhaltung auch das Singen pflegte, beschloß die Gründung eines Gesangvereins und lud hiezu alle Sangeslustigen mit folgendem Rundschreiben ein:

>>Einigkeit macht stark. Kalwang, am 11. November 1893.

Cirkulare an alle instehenden Sangesbrüder Kalwangs.
Gestützt auf obenstehendes Motto, bin ich trotz der hier obwaltenden sehr eintönigen Verhältnisse so frei, alle Sangesbrüder aufzurufen, um vereint wenigstens unsere eigenen Interessen im Auge behaltend, eine gesellige Harmonie ins Leben zu rufen und mit mir eine schwere Geburt: einen Kalwanger Männer-Gesang- und Musik-Verein zu gründen. Ich glaube, ich spreche im Interesse aller, wenn ich sage, er diene, um nur wöchentlich einmal beisammen zu sein, und so, wie es in vielen, ebenbürtigen Orten der Fall, das deutsche Lied, den heimatlichen Gesang zu pflegen.

Zu diesm Behufe lade ich alle instehenden Herren ein, mit mir am Samstag, dem 18. November 1893, Aben ½ 8 Uhr bei Herrn Simon Reitmaier (-heute Gasthaus Wertanzl-) sich zur Besprechung einzufinden und sehe ich alldort einer glücklichen Entbindung des schon vollkommen reifen Kindes entgegen.

Mit Gruß Friedrich Zwirner, Stationsvorstand.<< 1)

Als Gründer des Gesangvereines scheinen auf: Johann Ehweiner, Engelbert Fichtl, Jakob Friedl, Franz Gandorfer, Carl Größing, Anton Heiland, Viktor Jabornik, Alexander Jakesz, Maximilian Kampitsch, Julius Kaserer, Johann Lackner, Johann Pircher, Michael Pircher, Willibald Pircher, Oswald Rader, Matthias Treiber, Peter Winkler, und Friedrich Zwirner.

Friedrich Zwirner wurde zum Obmann gewählt, und Oberlehrer Viktor Jabornik übernahm den neu gegründeten Verein als Chormeister. Jabornik schuf auch den Vereinswahlspruch. Mit 5. Jänner 1895 trat der Verein mit seinen 20 Mitgliedern dem Steirischen Sängerbund bei. Seit 1894 befand sich das Vereinslokal im Gasthause Johann Pircher. Der Gesangverein entfaltete sofort eine rege Tätigkeit und nahm 1899 am 9. Steirischen Sängerfest in Graz teil. Dort sangen die Vereine Kalwang, Mautern, Rottenmann und Liezen gemeinsam unter Chormeister Jabornik. Faschingliedertafeln, Frühlings- und Sommerliedertafeln wurden regelmäßig abgehalten.

Damals gab es in Kalwang bereits ständig viele >>Sommerfrischler<<, für die der Gesangsverein stets Sommerliedertafeln veranstaltete. Es gab da Sommergäste, die schon durch viele Jahre nach Kalwang kamen. So wurde 1902 der Familie Döll, die schon 20 Jahre hindurch alljährlich nach Kalwang kam, ein Fackelzug und ein Ständchen dargebracht.

1903 verließ Chormeister Viktor Jabornik Kalwang; der Verein ernannte ihn zu seinem ersten Ehrenmitglied. Als Nachfolger Jaborniks trat am 1. April 1904 der neu ernannte Oberlehrer Johann Englisch seinen Dienst an der Kalwanger Volksschule an. Er übernahm gleichzeitig die musikalische Leitung des Männergesangvereines und des Kirchenchores in Kalwang.

Am 15. Oktober 1911 führte der Männergesangsverein Kalwang unter seinem Obmann Johann Puhm und dem Chormeister Hans Englisch in der von Gutmann errichteten Reitschule anwesend, die als Festhalle diente, ein Sängerbundfest des Steirischen Sängerbundes durch, welches ein voller Erfolg wurde. Baron Gutmann übernahm alle Kosten für die Aufstellung eines großen Sängerprodiums, für Tische und Bänke, für das Ausschmücken der großen Halle usw. Viele steirische Gesangvereine waren zu diesem Sängerfest gekommen, und unter großer Beteiligung der Bevölkerung hinterließ das Fest bei allen Teilnehmern einen bleibenden Eindruck.

Bei diesem Bundessingen in der Reithalle traten alle beteiligten Vereine mit ihrer Vereinsfahne auf, nur der Kalwanger Verein besaß noch keine. Gutsherr R. v. Gutmann war mit vielen anderen prominenten Gästen beim Fest in der Reitschule anwesend, und das Fehlen einer Kalwanger Sängerfahne fiel dem Gutsherrn auf. Ohne von seiten des Vereines dazu gebeten, versprach er, dem Kalwanger Gesangverein ebenfalls eine schöne Vereinsfahne zu spenden. Schon am 19. September 1912 konnte in einer Feier die neue, besonders kostbar ausgeführte Vereinsfahne als Spende des Ehrenmitglied des Männergesangvereins in Kalwang. 1) Diese schöne, wertvolle Vereinsfahne ging während der russischen Besatzungszeit im Jahre 1945 verloren.

Im Mai 1916 veranstaltete der Gesangverein gemeinsam mit den Militärmusikern im Pircher-Saal ein Konzert, dessen Reinertrag (200 Kronen) dem Roten Kreuz zukam. Da unter den Soldaten viele tüchtige Musiker waren, ging man daran, in Kalwang eine Bataillons-Musik aufzustellen.

Im Rahmen des Männergesangvereines bestand schon seit 1919 eine Theaterrunde, die laufend viele erfolgreiche Aufführungen darbot. Der Männergesangverein selbst entfaltete eine rege Tätigkeit. 1921 stellte er auch eine eigene Vereinsmusik auf, die unter der Leitung von Matthias Hutter beachtliche musikalische Leistungen erbrachte; erstmals wirkte diese Vereinsmusik bei der Silvesterfeier 1921 erfolgreich mit.

Der Männergesangverein feierte am 4. November 1923 sein 30 jähriges Bestandsjubiläum mit einem schönen Festkonzert im Pircher Saal. Der neue Obmann des Vereines, Dipl.-Ing. Gustav Heinisch, konnte dabei den beiden Gründern des Vereines Fritz Zwirner und Viktor Jabornik die Ehrenurkunde zur Ernennung zum Ehrenobmann bzw. zum Ehrenchormeister überreichen. Lehrer Karl Kunzmann dirigierte den Chor, und Matthias Hutter leitete das Streichorchester des Vereines.

Als im Jahre 1924 beim Gasthause Pircher der kleine Saal dazu gebaut wurde, konnte der Kalwanger Männergesangverein sich gleichzeitig ein eigenes Vereinsheim errichten. Es ist in der Tatkraft des Dipl.-Ing. Gustav Heinisch, als damaligen Obmann des MGV, zu verdanken, dass die Kalwanger Sängerschaft heute dieses schöne Vereinsheim besitzt. Hatte es früher immer Schwierigkeiten wegen eines entsprechenden Probenraumes gegeben, so war der Verein nun dieser Sorge enthoben. Der herrschaftliche Materialverwalter Kraus unterstützte den Vereinsobmann bei der Durchführung dieses Bauvorhabens ganz wesentlich. Tischlermeister Matthias Dornegger besorgte die Wandverkleidung und schuf den Fahnen- und Notenkasten. Die schönen Brandmalereien an der Wandverkleidung wurden nach den Entwürfen des Revierjägers Abendstein vom Tischler Leopold Maier in Villach ausgeführt. Das schmucke Vereinsheim erhielt zu Ehren des verdienten Vereinsobmannes den Namen >>Gustav-Heinisch-Stüberl<< und wurde am 15. November 1924 festlich eröffnet. Verwalter Kraus erhielt ob seiner Verdienste um den Bau dieses Sängerheimes die Ehrenmitgliedschaft des Vereines. 2)

Am 6. Dezember 1925 fand die erste >>Nikolo-Liedertafel<< des Männergesangvereines statt. Sie fand solchen Beifall, dass seither alljährlich die >>Nikolo-Liedertafel<< sich eines ausgezeichneten Besuches erfreut.

Zu Pfingsten des Jahres 1927 besuchte die Akademische Sängerschaft >>Ghibellinia<< zu Wien unseren Ort. Am 4. Juni 1927 wurde die 170 Mann starke Sängerschaft am Kalwanger Bahnhof vom Kalwanger Männergesangverein und einer großen Menschenmenge empfangen und in den festlich geschmückten Ort geleitet.

Abends leuchteten Freudenfeuer von den Bergen zur Begrüßung der Sängergäste, und im Pircher Saal fand ein großer Begrüßungsabend statt. Am darauffolgenden Pfingstsonntag sangen die >>Ghibellinen<< beim Hochamt in der Pfarrkirche; anschließend fand am Kirchenplatz die offizielle Begrüßung der Wiener Gäste statt. Hernach bewegte sich der Festzug durch den beflaggten Ort. An der Spitze hoch zu Roß ritten die Chargierten der Sängerschaft, daran schlossen sich etwa 3 Festwagen, ein Auto mit den Ehrengästen, auch die Bundesleitung des Steirischen Sängerbundes war vertreten, und die studentischen Sängergäste aus Wien mit dem Kalwanger MGV an. Aus allen Fenstern wurden die Gäste mit Blumen beworfen, der ganze Ort war auf den Beinen. Der Kalwanger Blasmusikkapelle unter Kapellmeister Lamminger sorgte für flotte Marschmusik. Am Nachmittag fand in der blumengeschmückten Reitschule das Festkonzert der >>Ghibellinen<< statt, die unter ihrem Chorleiter Universitäts-Musikdirektor Pawlikowski ein auserlesenes Programm zum Vortrage brachten. Staatsopernsänger Otto Wacha sowie eine Staatsopernsängerin wirkten dabei mit. Von weither, so aus Leoben, dem Liesing-, dem Palten- und Ennstal kamen viele Konzertbesucher, so dass die Reitschule die mehr als 1000 Besucher kaum fassen konnte. Alle waren von dem Gebotenen begeistert und umjubelten die ausgezeichneten Wiener Sänger. Am Abend nach dem Konzert konnten die Pircher Säle nicht alle Besucher fassen, die gekommen waren, um am studentischen Festkommers teilzunehmen. Am nächsten Tag gab es im Gasthause Pircher einen gut gelungenen Frühschoppen und nachmittags ein Gartenfest im Größing-Garten. Mehr als 200 Personen mussten damals in Kalwang gastmäßig untergebracht werden. Den >>Ghibellinen<< gefiel es in Kalwang so gut, dass einige gleich mehrere Wochen lang hier blieben und die sangesbrüderliche Bande zwischen Kalwang und Wien viele Jahre hindurch gepflegt wurden. Obmann des Kalwanger MGV war damals Dipl.-Ing. Gustav Heinisch und Chormeister Erich Brandl. 3) – Die Obersteirische Volkszeitung schrieb am 11.6.1927 u. a.: >>Die Steiermark, der kleine Fleck hievon – Kalwang – mit seinem Kranz von grünen Bergen wird immerdar an den unvergeßlichen Besuch denken. Das herzerfreuende Bild der akademischen Jugend im Kreise >>Alter Herren<<, das lebenerweckende Fröhlichsein und die hinreißende Begeisterung im Liede – das ist´s was jedem unvergeßlich bleiben wird, der das Glück hatte, dieses Sängerfest in Kalwang mitmachen zu können.<<

Vom 15. bis 17. Juli 1928 weilte der Männer-Gesangverein aus Dahme in der Mark, – Deutschland -, als Gast des Kalwanger MGV in unserem Ort. Ein gemeinsamer Liederabend beider Gesangvereine im Picher Saal lockte viele Besucher an und fand begeistere Aufnahme. Vom 19. bis 22. Juli 1928 nahmen dann beide Vereine am großen Deutschen Sängerbundesfest in Wien teil. Dieses stand ganz im Zeichen Franz Schuberts, dessen Todestag sich damals zum hundertsten Male jährte. Fast eine halbe Million deutscher Sänger aus der ganzen Welt besuchten dieses eindrucksvolle Wiener Sängerfest. Der Kalwanger Gesangverein hielt zur Feier seines 35. Stiftungsfestes am 18. November 1928 eine >>Schubert-Liedertafel<< ab. Dem Kalwanger Forstdirektor Ing. Sprosec wurde dabei zufolge seiner großen Verdienste um den Verein die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Am 2.12.1928 fand dann noch die traditionelle Nikolo-Liedertafel statt. Die Veranstaltungen des Gesangvereines und seines ausgezeichneten Streichorchesters fanden stets viele Besucher und bereicherten das kulturelle Geschehen des Ortes. 4)

Der Männer-Gesangverein nahm mit einer eigenen Liedertafel Abschied von seinem scheidenden Obmann. Der überfüllte Saal im Gasthaus Pircher legte Zeugnis ab von der allgemeinen Beliebtheit des scheidenden Dipl.-Ing. Heinisch. Er und seine Frau wurden zu Ehrenmitgliedern des Gesangvereines ernannt. Der ganze Ort sah sie ungern scheiden. – Die Obersteirische Volkszeitung schrieb dazu u. a.: >>Der jetzt stark belebte Teichengraben geht wieder seiner vorherigen Waldeinsamkeit entgegen …. Bergingenieur Gustav Heinisch, aus der Montanistischen Hochschule Leoben hervorgegangen, ein gebürtiger Studentendeutscher, leitete schon im einstigen Militärbergbau Kalwang während des 1. Weltkrieges den Kiesbergbau und behielt die Leitung des Bergbaues weiter, als die Gutsherrschaft den Bergbau weiterführte. Mehr als 10 Jahre hat er die Geschicke dieses Betriebes geleitet …. und auch starken Einfluß auf das öffentliche und gesellschaftliche Leben des Marktes genommen.<<

Aus Anlaß des Besuches des MGV Mariatrost hatte der Ort im Juni 1930 Flaggenschmuck angelegt. Im Pirchersaal fand eine gut gelungene Liedertafel statt, bei welcher der MGV Kalwang unter seinem Chorleiter Erich Brandl sang, während der MGV Mariatrost von Hans Brandl, dem Vater des Kalwanger Chorleiters, dirigiert wurde.

Trotz der allgemein schlechten wirtschaftlichen Lage im Jahr 1932 konnte der Kalwanger MGV, obwohl etwa ein Drittel seiner Mitglieder ebenfalls arbeitslos war, seine Tätigkeit weiterführen und so dazu beitragen, dass bei seinen Veranstaltungen wenigstens für einige Zeit die Not und das Elend der wirtschaftlichen und politischen Lage unseres Landes vergessen werden konnten. Es gelang ihm, Angehörige aller politischen Richtungen beim Singen zu vereinen und so wesentlich zu Entspannung im Ort beizutragen. Der MGV führte 1932 eine Frühlingsliedertafel, eine Konzert-Liedertafel, eine Sängerfahrt nach Mariatrost und die Nikolo-Liedertafel durch.

Am 14. und 15. August 1953 erfolgte die Weihe der neuen Vereinsfahne des MGV Kalwang, welche mit der Feier des 60jährigen Bestandes des Vereines verbunden war. Der Grazer Schubertbund wirkte aus diesem Anlasse bei einem Festabend im Kinosaal mit.
Siehe Bild rechts.

Im Jahr 1979 versieht Erich
Kristoferitsch das Amt des
Obmannes, und Hubert Gerold
betreut den Gesangverein als
Chorleiter. Nach wie vor er-
freuen sich die Veranstaltungen
des Vereines eines guten
Besuches.

Die Wald-Realgemeinschaft 1893

Aus alten Schirmbriefen und Verträgen ist ersichtlich, dass die Anteile an den Kalwanger Gemeindewaldungen schon damals auf die Häuser des Dorfes aufgeteilt waren. Auch im Protokoll der Land Steyerischen General Waldschätzungskommission vom Jahre 1759 wird die verschiedenen Herrschaftsunterthannen zugehörige Kalwanger Dorf Gemin ausdrücklich erwähnt. Hauptsächlich waren die Kalwanger den Herrschaften Ehrnau-Kammerstein und Strechau untertan.

Obwohl es sich bei den alten Gemeindewaldungen also um schon lange bestehende Gemeinschaften handelte, wurden sie im Jahre 1862 bei der Errichtung der heute bestehenden politischen Gemeinden diesen einfach angeschlossen und als Communen etc. nebenbei verwaltet. Die im Laufe der Jahre entstandenen Schwierigkeiten und Differenzen mit der eigentlichen Gemeinde veranlaßten in verschiedenen Orten und Städten die Vertreter dieser Communen eine gänzliche Trennung durchzuführen. In Kalwang wurde dieses von Herrn Johann Klarmann d. Ä. in die Wege geleitet und nach mehrjährigen Verhandlungen im Jahre 1893 mit der Gründung der Kalwanger Waldgenossenschaft beendet. Diese ist daher in erster Linie der Tatkraft und Umsicht des Herrn Johann Klarmann d. Ä. zu danken,

Der Realgemeinschaft ist es im Laufe der Jahre gelungen, durch vorteilhafte Tauschgeschäfte und Ankauf von Realitäten den Besitz bedeutend zu vergrößern und zu arrondieren sowie durch Rückkauf von Anteilen die grundbücherlichen Lasten zu verringern.

Es sind dadurch auch die Vorbedingungen für eine rationelle Forstwirtschaft geschaffen worden, die es zusammen mit den guten Holzpreisen in den letzten Jahren ermöglichten, namhafte Beträge aus den Überschüssen an die Mitglieder zu verteilen und unserer Marktgemeinde und gemeinnützigen Körperschaften wiederholt bedeutende Zuwendung zu machen.

Anmerkung: Josef Hanf, Vorwort zu den Statuen der Waldrealgemeinschaft.

Der Ausschuß der Waldrealgemeinschaft Kalwang im Jahr 1962; stehend von links nach rechts: Alois Scheiblhofer, Karl Kaiblinger d. Ä., Gottfried Hopf, Karl Podratzky, Johann Reichenfelser d. Ä., Ing. Franz Gandorfer; sitzend: Engelbert Fichtl, Philipp Heiland d. Ä. (Kassier), Josef Hanf (Obmann), Josef Scheuchl (Obmannstellvertreter), Johann Klarmann d. Ä., Jakob Stuhlpfarrer.

Seit der Neugründung im Jahre 1893 wirkten als Obmänner:

Georg Auer von 1893 bis 1895
Simon Reitmaier von 1895 bis 1905
Karl Kaiblinger d.Ä. von 1905 bis 1908
Michael Pircher d.Ä. von 1908 bis 1909
Simon Reitmaier von 1909 bis 1911
Johann Klarmann von 1911 bis 1922
Matthias Ehweiner von 1922 bis 1924
Johann Klarmann von 1924 bis 1927
Peter Sigmund von 1927 bis 1936
Karl Kaiblinger d.J. von 1936 bis 1944
Emanuel Richter von 1944 bis 1945
Josef Hanf von 1945 bis 1946
Johann Gruber von 1946 bis 1953
Josef Hanf von 1953 bis 1962
Gottfried Hopf von 1962 bis 1970
Anton Gölles seit 1970

Der Kameradschaftsbund 1895

In Mautern war im Jahre 1895 ein >>Militär-Veteranen-Verein Mautern und Umgebung<< gegründet worden, dessen Statuen mit 9.2.1895 von der k.k. Bezirkshauptmannschaft Leoben genehmigt wurden. Als Vereinszweck führen die Statuen unter anderem an: >>Fortpflanzung und Pflege des ehrenhaften Geistes, der die k. u. k. Armee beseelt und der jedem Veteran wohlbekannten militärischen Tugenden, als da sind: Treue und Anhänglichkeit an Kaiser und Vaterland, Ehrenhaftigkeit und Rechtschaffenheit, kameradschaftliche Liebe und Eintracht, Liebe zur Ordnung<<, usw. Jedem war die Aufnahme in den Verein gestattet, >>welche mit Ehren in der k. u. k. Armee gedient<< hatte.

Gar bald schloß sich dem Mauterner >>Militär-Veteranen-Verein<< eine Gruppe von Kalwanger Veteranen an, die schon im Jahre 1896 im Rahmen dieses Vereines eine beachtliche Stärke erreicht hatte. Lange Jahre hindurch versah Oberjäger Grabmaier (Herrschaft Gutmann) die Stelle eines Kommandanten dieser Kalwanger Veteranen-Gruppe.

Von 1938 bis 1945 gehörte die Kalwanger Veteranen-Gruppe der >>NS.-Kriegskameradschaft<< unter dem Namen >>Kyffhäuserbund<< an. Mit dem Kriegsende 1945 war aber auch die Tätigkeit dieser Kriegskameradschaft ein Ende gesetzt.

Am Ende des Jahres 1949 taten sich zahlreiche Kriegsheimkehrer zusammen und beschlossen in einer von etwa 150 Teilnehmern besuchten Gründungsversammlung im Gasthause Pircher, wieder einen Kameradschaftsbund ins Leben zu rufen. Um die Wiedergründung dieser Kameradschaft machten sich ganz besonders Verwalter Josef Maier und Anton Gölles d.Ä. verdient. Dem Gründungsausschuß gehörten auch noch Matthias Hutter, Emanuel Wernhardt, Paul Fuchs, Franz Glück, Philipp Heiland jun., Hans Kieman, Karl Podratzky, Martin Bodler und Marbler an. Der Sicherheitsdirektor von Steiermark, Pirkhofer, genehmigte am 10.5.1950 die vergelegten Satzungen zur Gründung eines >>Unterstützungs- und Wohltätigkeitsvereines<<, mit dem Gründungsdatum 30. November 1949. Erster Obmann wurde Josef Maier. Mit dieser Genehmigung übernahm der Verein die Verpflichtung: >>ein freies und unabhängiges Österreich zu stärken und zu erhalten, demokratische Grundsätze zu beachten<<. und >> die öffentliche Ordnung, die von den Besatzungsmächten eingeführt wurde, nicht zu stören und keinerlei Tätigkeit gegen die Besatzungstruppen und deren Mitglieder oder deren Streitkräfte in Österreich zu richten<<. 1)

Am 5. Jänner 1954 erteilte der steirische Sicherheitsdirektor nach neu vorgelegten Vereinsstatuten die Umbildungsgenehmigung des >>Unterstützungs- und Wohltätigkeitsvereines<< in einen >>Ortsverband Kalwang des Österreichischen Kameradschaftsbundes<<. Als Vereinszweck und Ziel geben diese neuen Statuten u. a. >>die Förderung des österreichischen Vaterlands-, Heimats- und Wehrgedankens sowie die Pflege der ruhmreichen Tradition und der Kameradschaft<< an. Anton Gölles d. Ä. bekleidete lange Jahre hindurch das Amt eines geschäftsführenden Obmannes dieses Vereins. – Derzeit ist Franz Gerold geschäftsführender Obmann des Kameradschaftsbundes.

Im Jahre 1923 errichtete die Gutsherrschaft Kalwang an der äußeren Kirchhofmauer Kalwangs in Zusammenarbeit mit dem Kameradschaftsbund ein schönes Kriegerdenkmal für die ersten Weltkriege (1914 – 1918) gefallenen 46 Soldaten aus Kalwang. Am 8. September 1923 fand eine große Feier zur Einweihung dieses Kriegerdenkmales statt. Die Feier stand im Zeichen der Erinnerung an die Schlacht bei Grodek in Galizien.

Russische Armeen waren im August 1914 in Galazien, welches damals zu Österreich gehörte, eingedrungen. Es kam in der Zeit vom6. bis 11. September 1914 zu einer entscheidenden Schlacht um Lemberg, welche am 8. und 9. September ihren Höhepunkt erreichte; dabei war auch das steirische Infanterieregiment Nr. 27 eingesetzt worden, in welchem sehr viele Kalwanger ihren Kriegsdienst leisteten. Den russischen Armeen unter dem Befehl von Rußki und Brussilow standen die 2. österreichische Armee unter General Böhm-Ermolli und die 3. Armee unter Moritz Ritter v. Auffenberg gegenüber.

Am 8. September 1914 kam es im Raume Lemberg bei Grodek zu einer schweren Schlacht zwischen russischen und österreichischen Verbänden, bei welcher besonders das steirische Infanterieregiment Nr. 27 arge Verluste hinnehmen musste. In der >>Geschichte des steirischen Infanterieregimentes Nr. 27<< werden diese schweren Kämpfe geschildert und der heldenhafte Kampf gerade der steirischen Soldaten besonders gewürdigt. Die kriegserfahrenen russischen Soldaten, die nach Stärke und Artillerie den österreichischen Einheiten erdrückend überlegen waren und zielbewußt in der Schlacht um Lemberg eingesetzt wurden, machten den österreichischen Kämpfern schwer zu schaffen. Nach schweren Kampftagen fühlten sich die österreichischen Truppen dennoch den Russen schließlich überlegen; dies beweist die Tatsache, dass sie und ihre Führer, als am 11. September 1914 abends der Rückzugsbefehl kam, ihren Ohren nicht trauten, weil sie nicht begreifen konnten, warum sie das mit so viel Opfern erkämpfte Schlachtfeld plötzlich ohne Nötigung durch die schon mürbe werdenden Russen räumen sollten. General d. Inf. Conrad v. Hötzdendorff bemerkte dazu: >>Taktisch war dieses Abbrechen (des Kampfes) nicht nötig, denn die Situation stand nicht schlecht; die operativen Verhältnisse jedoch waren unhaltbar<<. 2)

Von den im August 1914 gegen die Russen in den Kampf gezogenen österreichischen Truppen waren Mitte September 1914 weniger als zwei Drittel noch vorhanden. In russischen Siegesberichten hieß es, 250.000 österr.-ungarische Soldaten seien tot oder verwundet und an die 100.000 gefangen genommen.
Besonders schweren Blutzoll musste dabei das steirische Inf. Reg. Nr. 27 leisten: Von 117 Offizieren wurden 14 als tot, 25 als verschwunden und 6 als vermisst gemeldet; also zusammen 45, das entspricht einem Verlust von 38,4 %. Beim Mannschaftsstand von 4.085 Soldaten wurden 177 als tot, 900 als verwundet und 372 als vermisst gemeldet; also zusammen 1.449, das entspricht einem Verlust von 35,4 %. Bei einem Gesamtgefechtsstand des Rrgimentes von 4.202 Mann betrug der Ausfall in diesen Kämpfen 1.494 Soldaten. Von den als vermisst Ausgewiesenen war ein Teil tot; ein Teil ist verwundet in russische Kriegsgefangenschaft geraten. Unter den Gefallenen befand sich ein Großteil der besten, altgedienten Soldaten und Offiziere des Regiments. Diese großen Verluste entstanden nicht zuletzt durch die Unbesorgtheit mit der die Soldaten sich, ganz wie in früheren Kriegen, der feindlichen Feuerwirkung aussetzten. Offiziere und Kommandanten zu Pferde ritten trotz stärksten Feuers unbekümmert die Schützenketten ihrer Soldaten ab. Man hatte noch keine Erfahrung in der von den Russen bereits beherrschten neuen Art der Kriegsführung. 3)

Unter den vorstehend ausgewiesenen Gefallenen befanden sich sehr viele Kalwanger Soldaten. Zur Erinnerung an diese schweren Verluste wurde der 8. September 1923 als Tag der Einweihung des Kalwanger Kriegerdenkmales gewählt. Forstmeister Robert Pfisterer hielt dabei die Festansprache und Landeshauptmann Dr. Anton Rintelen war gekommen, um der vor 9 Jahren gefallenen Krieger zu gedenken. Nachdem noch Forstdirektior Karl Sprosec in Vertretung des Gutsherrn gesprochen hatte, nahm Feldkurat Pfarrer Kortschak aus Gratwein die Weihe des Dankmales vor. Der Kalwanger Männergesangverein, welcher zwei Festchöre sang, und die Ortsmusik verschönten diese Feier. Anschließend fand ein Gartenfest des Kameradschaftsbundes statt.
Seither wird anfangs September alljährlich durch den Kameradschaftsbund als >>Grodek-Feier<< ein Gedenken an alle Gefallenen beider Weltkriege abgehalten.

Nach dem zweiten Weltkriege (1939 – 1945) hatte der Kameradschaftsbund das Kriegerdenkmal nach dem Plane des Prof. Rudolf Scherrer (Hallein) durch Baumeister Karl Praun (Mautern) umgestalten lassen. Am 7. September 1052 nahm Ortspfarrer P. Erenbert Heidinger die Weihe des um zwei Gedenktafeln erweiterten Denkmales vor. 68 gefallene und 31 vermisste Kalwanger Soldaten mussten im zweiten Weltkriege ihr Leben lassen. In ehrenden Worten gedachte Philipp Heiland d. Ä. nahm das Denkmal in die Obhut der Gemeinde. Nachdem noch der Präsident des Steir. Kameradschaftsbundes, Gröbminger, und ORR Dr. Scherabon in Vertretung des Landeshaupmannes gesprochen hatte, fand die Feier mit einer Defilierung aller anwesenden Kameradschaftsbünde ihr Ende. Die organisatorische Leitung der ganzen Veranstaltung lag in den Händen des geschäftsführenden Obmannes Anton Gölles d. Ä. 4)

1914 – 1918 gefallene Kalwanger

Griessmaier Friedrich
Wallner Matthias
Obersteiner Johann
Potocnik Anton
Pircher Willibald
Abl Rudolf
Kolland Josef
Winklbauer Franz
Lederer Johann
Haberl Sylvester
Stranimaier Peter
Putz Cajetan
Haiden Josef
Gaiswinkler Franz
Kaiblinger Josef
Pircher Johann
Kaiblinger Johann
Jansenberger Johann
Feldmann Dominikus
Schaffer Michael
Wolf Johann
Eichberger Michael
Lötsch Karl
Stangl Adolf
Stranimaier Simon
Gerold Johann
Prilling Friedrich
Hladnik Franz
Winkler Johann
Rippl Max
Mühlberger Franz
Kapper Josef
Wohlmuther Kaspar
Planitzer Josef
Angerer Richard
Feigl Ludwig
Dr. Mitter Ignaz
Tranninger Johann
Schober Markus
Molc Leopold
Schober Johann
Weinmüller Georg
Wallner Johann
Pölzl Georg
Beisteiner Franz
Wieser Johann

Von diesen 46 Gefallenen des 1. Weltkrieges sind folgende 17 als Gefallene der Marktgemeinde Kalwang im Wiener Heldenbuche verzeichnet: Abl Rudolf, Gerold Johann, Griessmaier Friedrich, Kaiblinger Johann, Kaiblinger Josef, Kolland Josef, Lederer Johann, Mühlberger Franz, Pircher Willibald, Prilling Friedrich, Putz Kajetan, Rippl Max, Schober Markus, Wallner Johann, Wallner Josef, Wallner Matthias und Wohlmutter Kaspar.

1939 – 1945 gefallene und vermisste Kalwanger

Gefallen:

Bäck Franz Sonnberg 28 Lindermayr Rudolf Kalwang 45 Berthold Robert Kalwang 16 Logenstein Franz Kalwang 8 Bösinger Max Machhammer Peter Sonnberg 7 Breitenbaumer Jos. Pisching 27 Mally Peter Schattenberg 7 Buchegger Lorenz Sonnberg 15 Nachbargauer Eberhart Schattenberg 5 Buzzi Franz Kalwang 85 Peckl Markus Kalwang 70 Edelhofer Leopold Kalwang 95 Plachy Jakob Kalwang 7 Egger Anton Sonnberg 28 Priestner Josef Pisching 15 Dangl Franz Kalwang 88 Puhm Johann Kalwang 105 Dornegger Robert Kalwang 105 Redl Josef Kalwang 73 Engele Franz Pisching 28 Richter Hubert Kalwang 56 Findl Hans Kalwang 19 Rosenblattl August Pisching 21 Gaiswinkler Alfred Kalwang 105 Rosenblattl Karl Pisching 21 Golja Josef Schattenb. 8 Sackmaier Josef Pisching 19 Glück Hans Pisching 39 Sattler Jakob Kalwang 80 Glaser Hubert Kalwang 21 Scharmüller Hans Schattenberg 8 Goriupp Franz Pisching 25 Schmied Anton Kalwang 2 Gsenger Georg Kalwang 16 Schreibmaier Josef Schattenberg 14 Größing Karl Kalwang 14 Schuster Johann Kalwang 16 Haberl Alfred Pisching 37 Spannring Leopold Schattenberg 13 Haberl Eduard Pisching 43 Stecher Andreas Kalwang 72 Haberl Edwin Pisching 28 Stracka Hans Kalwang 2 Hamminger Hans Sonnberg 38 Streitmaier Emmerich Pisching 28 Hatzi Franz Pisching 33 Streitmaier Franz Pisching 28 Heinrichter Josef Kalwang 16 Streitmaier Rudolf Sonnberg 28 Hölzl Johann Kalwang 43 Stadler Willi Kalwang 27 Kamper Hans Kalwang 43 Treiber Herbert Schattenberg 6 Klinger Norbert Sonnberg 28 Walcher Anton Pisching 34 Koren Hans Pisching 10 Wohlmuther Hans Schattenberg 13 Krall Josef Kalwang 105 Wohlmuther Karl Kalwang 96 Leitner Helmut Kalwang 91 Weiß Alfred Pisching 28 Lemmerer Michael Kalwang 57 Zublasing Josef Pisching 18 Vermisst: Berger Viktor Pisching 5 Berthold Max Kalwang 16 Dornegger Josef Kalwang 105 Dornegger Rudolf Kalwang 105 Gölles Franz Schattenberg 1 Hautz Hans Pisching 16 Kaiblinger Josef Kalwang 50 Kellerer Josef Schattenberg 5 Koren Hubert Pisching 10 Kunihs Peter Sonnberg 23 Lackner Franz Sonnberg 37 Lackner Johann Sonnberg 3 Lederer Hans Kalwang 46 Leitgeb Franz Pisching 16 Leitner Sebastian Kalwang 74 Maurer Oskar Kalwang 85 Mötschlmaier August Kalwang 16 Mötschmaier Karl Sonnberg 38 Obermüller Leopold Kalwang 105 Perauer Josef Sonnberg 41 Petrzylek Franz Sonnberg 23 Podratzky Johann Kalwang 34 Pointner Matthias Kalwang 82 Robier Hermann Kalwang 26 Schromm Karl Pisching 8 Strasser Franz Kalwang 105 Teggan Jakob Pisching 26 Thaller Karl Pisching 39 Wagner Franz Kalwang 105 Wallner Agathon Sonnberg 3 Waldsam Rupert Kalwang 66 Weingand Josef Kalwang 70 Wohlmuther Friedrich Sonnberg 39 Wohlmuther Karl Kalwang 15 Lischka Rudolf

Die Raiffeisenkasse Kalwang 1898

Die Kalwanger Raiffeisenkasse wurde im Jahre 1898 gegründet. Der damalige Oberlehrer an der Volksschule in Kalwang, Viktor Jabornik, war der Anreger zu dieser Gründung. Er verfaßte zur Gründung folgendes Rundschreiben:

>>Einladung zur Vorbesprechung der Gründung eines Spar- und Darlehenscassen-Vereines nach dem System F.W. Raiffeisen in der Gemeinde Kalwang für Sonntag den 5. Juni 1898 nachmittags 3h im Gasthause des Herrn Franz Kaps, I. Stock. (Heute Gasth. M. Pircher). Sollte sich eine genügende Anzahl von eigenberechtigten Personen bereit erklärt, dass ein solcher Verein gegründet werde, so wird nach dieser Vorbesprechung, bei welcher besonders die Bauern und Gewerbetreibenden erscheinen mögen, die Gründung veranlaßt werden. Es möge niemand versäumen, die Vorbesprechung zu besuchen!
Kallwang, am 1. Juni 1898. Viktor Jabornik, Oberlehrer als Einberufer.<<

Auf der Rückseite dieser Einladung befinden sich die Unterschriften aller Gründer der Raiffeisenkasse. Viktor Jabornik, in dessen Besitze diese Einladung geblieben war, übermittelte diese anläßlich der 25jährigen Gründungsfeier am 23.10.1923 der Raiffeisenkasse in Kalwang >>zur dauernden Erinnerung.<<

Die Gründungsverammlung, welche zugleich auch die 1. Generalsversammlung war, fand am 18. September 1898 statt. Die Einladung hiezu erfolgte durch Carl Kaiblinger (l.). In der Gründungsversammlung wurde zunächst der Sinn und Zweck einer Raiffeisenkasse erläutert. Nach einer eingehenden Beratung der vorgesehenen Statuten schritt man zur Gründung des Raiffeisen-Vorschußkassen-Vereines in Kalwang. In der anschließend durchgeführten 1. Generalversammlung wurde Carl Kaiblinger (l.) zum Vorsitzenden gewählt. Die endgültige Wahl des Obmannes, der 7 Vorstandsmitglieder und eines Ersatzmannes erfolgte mit Stimmzetteln (33 wurden abgegeben) und hatte folgendes Ergebnis:
Obmann: Carl Kaiblinger (l.); Obmann-Stellvertreter: Peter Vasold.
Als Vorstandsmitglied scheinen auf: Simon Reitmaier, Josef Hanf, Johann Lackner, Engelbert Fichtl, Sebastian Schober, Ersatzmann: Josef Draxl.
Als Aufsichtsräte wurden gewählt: Hermann Wünsch, Forstverwalter; Otto Gruber, Andreas Glück, Josef Wallner jun., Ludwig Winkler, Georg Auer, Johann Ehweiner, Johann Pircher und Viktor Jabornik.
Hermann Wünsch übernahm das Amt eines Vorsitzenden des Aufsichtsrates und als Stellvertreter fungierte Otto Gruber.
Der erste Buch- und Kassenführer war Johann Klarmann (l.). Der Höchstbetrag an Spareinlagen wurde mit 2000 fl. und der Mindestbetrag mit 1 fl. festgesetzt; der Zinsfuß der Spareinlagen betrug 4 % und jener für Darlehen 5 %.
Eine aufgelegte Beitrittserklärungsliste wurde von 59 Mitgliedern unterschrieben.

Das k.k. Kreisgericht Leoben, Abteilung I, teilte mit 17. Oktober 1898 mit, >>dass im dieger. Register für Genossenschaftsfirmen die Firma Vorschußkassen-Verein für die Ortsgemeinde Kallwang registrierte Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung …. eingetragen wurde.<< Mit gleichem Datum verständigte das k.k. Kreisgericht Leoben die Bezirkshauptmannschaft in Leoben von der erfolgten Eintragung in das >>diesgerichtliche Register für Genossenschaftsfirmen<<. Am 3. Jänner 1912 schied Johann Klarmann (l.) als Buch- und Kassenführer aus, und Fridolin Zeilinger d. Ä. wurde als solcher gewählt. Das erste Geschäftslokal der Raiffeisenkasse befand sich im alten Gemeindehaus neben der Kirche.
Nach dem 1. Weltkrieg diente zunächst ein Gastzimmernebenraum im Gasthaus Ehweiner, >>Zur alten Post<<, als Geschäftslokal. Kassastunden waren nur jeden Sonn- und Feiertag nach dem Vormittagsgottesdienst. Später befand sich der Kassenraum im ehemaligen >>Knappen- und Bruderhaus<< der Waldgenossenschaft Kalwang (Haus Nr. 78). Ab dem Jahre 1957 war der Kassenraum im Hause Nr. 27, damals Wernhardt Karl (heute Pehab Franz). Der tägliche Geschäftsverkehr fand ab 1957 außer Montag stets von 16 bis 18 Uhr statt, vorher war nur am Donnerstag und Sonntag Geschäftsverkehr gewesen.

Die große Geldentwertung setzte der alten Kronenwährung ein Ende und 1924/1925 wurde auf die neue Schilling-Währung umgestellt. Die Raiffeisenkasse Kalwang weist in dieser Zeit folgende Zahlen aus:
Kronenschutzbilanz: p. 31.12.1924: Schilling-Eröffnungsbilanz
per 1.1.1925:
Barbestand 15,060.745,– K 1.506,07,–
Reservefond 8,904.446,– K 890,40,–
Geldanlagen b. Bank 169,610.000,– K 16.961,00,–
Darlehen 288,600.000,– K 28.860,00,–
Inventar 2.656,– K
482,177.847,– K 48.217,47,–
Der Reingewinn betrug im Jahre 1924 31,934.851,– Kronen, die Spareinlagen im gleichen Jahr 440,271.390,– Kronen.

Am 3. August 1929 teilte das Kreisgericht Leoben, Abtlg. I, der Raiffeisenkasse in Kalwang mit, dass mit folgender Eintragung der Vorschußkasse gestattet wurde: >>a) den gemeinsamen Ankauf von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Bedarfsartikeln und die Vermittlung von Käufen und Verkäufen solcher Gegenstände von den Mitgliedern und an die Mitglieder im Auftrage und auf Rechnung der Mitglieder zu besorgen, und b) landwirtschaftliche Maschinen etc. auf eigene Rechnung zu kaufen und den Mitgliedern gegen angemessene Gebühren zur Benützung zu überlassen.<<

1931 zählte die Raiffeisenkasse in Kalwang 73 Mitglieder. Der Revisionsbericht 1931 weist für 1930 einen Reingewinn von 1.360,– aus. Obmann der Raiffeisenkasse war um diese Zeit Hans Lackner und Otto Gruber führte den Vorsitz im Aufsichtsrat. Der Buch- und Kassenführer Fridolin Zeilinger d. Ä. wurde am 18.2.1938 von Karl Wernhardt abgelöst.

Mit 8. Februar 1939 wurde der Vorschußkassenverein Kalwang in den >>Verband der südmarkischen landwirtschaftlichen Genossenschaften – Raiffeisen, Graz<< aufgenommen. Schon 1933 wie auch 1941 scheint Philipp Heiland d. Ä., welcher bereits 1925 Vorstandsmitglied der Raiffeisenkasse war, als Obmann auf. Nach dem 2. Weltkriege übernahm Pfarrer P. Erenbert Haidinger die Buch- und Kassenführung des Vorschußkassen-Vereines; Philipp Heiland d. Ä. ist wieder Obmann und Karl Hinterer Vorsitzender des Aufsichtsrates. 1952 löst Karl Werkhardt P. Erenbert Haidinger als Buch- und Kassenführer ab, welches Amt er dann bis 1957 behält.

Im Jahre 1952 wurde Franz Glück zum Obmann der Raiffeisenkasse gewählt, welches Amt er bis zu seinem Tod im Jahre 1979 inne hatte. 1956 übernimmt Schuldirektor Alfred Hofer für den erkrankten Karl Wernhardt die Stelle eines Buch- und Kassenführers; er betreute diese Stelle ehrenamtlich und sehr erfolgreich bis Mitte des Jahres 1979. In dieser Zeit entwickelte sich die Raiffeisenkasse von Jahr zu Jahr rasch weiter; die Zahl der Mitglieder stieg stark an; dem entsprechend stieg auch der Einlagenstand und der Jahresumsatz. Am 28. Oktober 1958 erfolgte die Genehmigung einer Neufassung der Satzungen, welche damit der Raiffeisenkasse erlaubte:

>>a) Gewährung von Darlehen und Krediten jeder Art an ihr Mitglieder, b) die Übernahme von Haftungen, Bürgerschaften u. dgl. für die Mitglieder, c) die Entgegennahme von Einlagen jeder Art von jedermann, d) die Pflege aller bei Kreditgenossenschaften üblichen sonstigen Geschäfte; auch können ausländische Zahlungsmittel und Schecks von jedermann an- und verkauft werden.<< Dies ist mit 24. Oktober 1958 beim Kreis- und Handelsgericht Leoben, Abtlg. 2, eingetragen. Damit war der Weg frei zur Entwicklung zu einem vollwertigen Geldinstitut des Marktes Kalwang, über welches nun alle Geldgeschäfte abgewickelt werden konnten. Folgende Aufstellung zeigt in Zahlen diese Entwicklung:

Jahresumsatz: Einlagenstand:
1952: 63 Mitglieder 2,500.000,– 203.000,–
1957: 115 Mitglieder 12,119.000,– 1,300.000,–
1961: 185 Mitglieder 41,209.000,– 3,000.000,–
1971: 274 Mitglieder 159,495.000,– 13,100.000,–
1976: 333 Mitglieder 372,000.000,– 31,500.000,–

Anläßlich des 60jährigen Gründungsfestes 1968 erhielten bei der Hauptversammlung die verdienten Vorstandsmitglieder Maurus Schober und Hans Klarmann (II.) für ihre langjährige Tätigkeit in der Raiffeisenkasse die silberne Ehrennadel.

Im Jahre 1962 gelang es der Raiffeisenkasse in Kalwang ein eigenes Gebäude zu errichten und in Betrieb zu nehmen. Seit diesem Jahre ist die Kasse ganztägig ovr- und nachmittags geöffnet, was ganz wesentlich zur raschen Entwicklung des Jahresumsatzes beigetragen hatte. So konnten für das Jahr 1977 an Sparzinsen allen 1,418.000,– S ausbezahlt werden; das bedeutet je Einwohner 1.000 Schilling.

Heute ist die Raiffeisenkasse Kalwang ein wichtiger Wirtschaftsfaktor des Marktes geworden, der aus dem Wirtschaftsleben Kalwangs nicht mehr wegzudenken wäre.
1978 sind folgende Funktionäre in der Raiffeisenkasse Kalwang tätig:
Im Vorstand: Obmann: ÖR. Franz Glück; Obmann-Stellvertreter: Karl Kaiblinger (III.); Vorstandsmitglieder: Franz Fahrsbacher, Helmut Glabischnig, Rudolf Pfatschbacher, Johann Wohlmuther, Josef Wurst; Geschäftsführer: OSR Dir. Alfred Hofer.
Im Aufsichtsrat: Vorsitzender: Karl Oswald; Vorsitzender-Stellvertreter: Franz Gruber; Adolf Ferfernig, Herbert Schober, Karl Stocker, Franz Wohlmuther, Hermann Zechner.

Der Musikverein Kalwang 1917

Es kann wohl angenommen werden, dass auch in Kalwang Musik und Gesang schon seit langem gepflegt wurde. Zum ersten Male erwähnt die Kalwanger Pfarrchronik im Jahre 1866 eine Kalwanger Musikkapelle, welche am Sebastianiberg anläßlich der Feier des 100. Jahrestages der wunderbaren Verschonung von einer sonst überall wütenden argen Viehseuche (1766) mitwirkte. Als Leiter dieser Musikkapelle gibt die Pfarrchronik Matthias Gorimorth an. Gorimorth war in Kalwang von 1848 bis 1888 als Schulmeister (Oberlehrer) und Organist tätig gewesen. Er erteilte den Schulkindern täglich bis zu zwei Stunden unentgeltliche Unterricht in der Kirchenmusik und hat sicherlich auch seine Musiker selbst ausgebildet. Im Jahre 1869 erwähnt die Pfarrchronik nochmals die Mitwirkung der Kalwanger Ortsmusikkapelle anläßlich einer bischöflichen Visitation in Kalwang. Es ist wohl anzunehmen, dass Gorimorth bis zu seinem Tode im Jahre 1893 sich um die Blasmusik in Kalwang angenommen hat, wenn auch von einer vereinsmäßigen Musikkapelle in dieser Zeit nichts berichtet wird.

Während des ersten Weltkrieges, im Herbst 1915, gab die Regimentsmusik des 41. Infanterieregimentes in Kalwang ein viel beachtetes Konzert. Teile dieses Regimentes waren damals in Kalwang untergebracht. Dies mag wohl auch die Anregung dazu gegeben haben, dass schon 1916 der in Kalwang bei der Herrschaft Gutmann tätige Mauermeister Michael Lamminger aus hier stationierten Militärmusikern und einige Einheimische eine Musikkapelle zusammenstellte. Lamminger war selbst ein ausgezeichneter Klarinettist, der bei der österreichischen Militärmusik des 47. Inf. Regimentes in Marburg gedient und dort seine gediegene musikalische Ausbildung erhalten hatte. Er instrumentierte nicht nur selbst die zu spielenden Musikstücke, sondern baute auch eigene Streichinstrumente wie Violinen, Kontrabässe usw. Nachdem zu Pfingsten 1917 im Pircher-Saal wieder ein Konzert im Militärmusikern stattgefunden hatte, gründete Michael Lamminger im Sommer 1917 eine eingene Kalwanger Blasmusikkapelle, welche heute noch besteht. Am 13. Jänner 1918 gab Lamminger mit seiner neu gegründeten Kapelle im Pircher-Saal das erste Konzert. Es wurde ein voller Erfolg. Lamminger bildete selbst junge Musiker heran und gründete auch im Nachbarort Wald eine Blasmusikkapelle. Er starb im Jahre 1946 im Alter von 79 Jahren.

Als erstes Probelokal diente ein Zimmer im Scheuchenstuhlgebäude zu Kalwang. Bis 1938 war die Musikkapelle Kalwang kein richtiger Verein im Sinne des Vereinsgesetzes. Am 23. Februar 1938 kam es aber zur gründenden Generalversammlung des Musikvereines. Dabei wurde Emanuel Richter zum Obmann und Emanuel Wernhart zum Kapellmeister gewählt. Ab 26.3.1939 übernahm Sebastian Madreiter das Amt eines Kapellmeisters. Während der Zeit des zweiten Weltkrieges blieb der Musikverein so recht und schlecht noch spielfähig; Alois Scheiblhofer wirkte kurze Zeit als Kapellmeister. Im Jahre 1945 jedoch ruhte für einige Zeit jede Probentätigkeit. Doch schon bald war die Blasmusik wieder einsatzbereit und alle Schwierigkeiten waren überwunden. Nach dem zweiten Weltkriege bekleidete Sägeverwalter Leopold Köhler das Amt eines Obmannes und Emanuel Wernhart wikte als Kapellmeister. Im Gasthause Vasold konnten die Musikproben abgehalten werden. Nachdem Friedrich Kaufmann seit dem Jahre 1949 für kurze Zeit Obmann des Musikvereines gewesen war, wurde am 17.9.1950 Franz Glück, vlg. Schwagerbauer, zum Obmann gewählt. Er versah dieses Amt bis zu seinem Tode im Jahre 1979.

Am 9. und 10. Juni 1951 fand ein großes Musikerfest im Scheuchenstuhl-Garten statt. Das Vereinsheim des MGV Kalwang diente seit 1952 auch dem Musikverein als Probelokal. Im September 1953 konnte dann der Musikverein ein eigenes Probezimmer im Gasthause Engelbert Fichtl beziehen. Seit April 1953 betreut nun Karl Podratzky die Ortsmusik als Kapellmeister. Er konnte nebst vielen anderen musikalischen Veranstaltungen im Jahre 1961 ein großes Bezirksmusikertreffen in Kalwang durchführen. Seit 1958 rückt die Kalwanger Ortsmusik in feschem Steireranzug und Hut mit Gamsbart aus. Sie spielt mit ihren 31 aktiven Mitgliedern bei allen kirchlichen und weltlichen Feierlichkeiten und erfreut die Bevölkerung in vielen Konzerten durch musikalische Darbietungen.

Kalwang im 20. Jahrhundert

Rudolf v. Gutmann – Beginn einer Blütezeit in Kalwang

 Kalwang war am Beginn des 20. Jahrhunderts ein stilles, einsames Dorf geworden. Die beiden neuen Gutsherrschaften des Baron Philipp von Haas und des Graden Silva Tarouca brachten auch nicht viel mehr neues Leben in den Ort. Für sie dienten ihr Güter in erster Linie als herrliches Jagdrevier, in dem wohl einige Ortsbewohner Beschäftigung fanden. Auch hatten einige Ortsbewohner Kalwangs in den Jahren des Bahnbaues im vorigen Jahrhundert, als viele Arbeiter durch lange Zeit hier beschäftigt waren, ganz gut verdient, doch nun waren seither auch schon wieder mehr als drei Jahrzehnte ins Land gegangen, und es war wieder Ruhe im Liesingtal eingekehrt.
Baron Haas verkaufte im Jahre 1904 seine Kalwanger Besitzungen, die Herrschaft Teichen (3.366,80 ha), an Rudolf Ritter von Gutmann. Der Gemeinderat von Kalwang faßte im März 1904 den Beschluß, dem scheidenden Gutsbesitzer Baron Philipp v. Haas in Anbetracht seiner Verdienste um die Gemeinde und der vielen Spenden für den Ort das Ehrenbürgerrecht zu verleihen.

Mit den nun stattgefundenen Besitzwechsel erfolgte eine Neugestaltung der Ortsverhältnisse, denn der neue Gutsherr, Baron Gutmann, Mitbesitzer von großen Industrien im Kohlengebiet von Wittkowitz und Ostrau, war sehr vermögend und begann sofort, mit einer regen Bautätigkeit seinen Besitz zu verschönern. Er kaufte zwar auch verschiedene bäuerliche Besitzungen auf und vergrößerte so sein Herrschaftsbereich, doch schaffte er durch seine vielen Neubauten im Ort neue Verdienstmöglichkeiten.
Gutmann begann in der Teichen (Kaiserau) sich einen Platz zu richten, um dort seine Bautätigkeit zu beginnen. In der Kaiserau standen noch die Reste des jahrhundertealten >>Kaiserau-Hammers<< und die Ruinen der dazugehörigen Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Er ließ alle diese Bauruinen entfernen, verlegte die hier durch den Teichengraben führende Gemeindestraße mit Bewilligung der Gemeinde an den östlichen Grabenrand und erhielt so einen geräumigen Platz für seine Bauvorhaben.

Noch im Jahre 1904 ließ er sich eine reizende, große Villa als Jagdschloß an diesem Platze in Teichen erbauen und errichtete bald darauf in der Nähe eine schöne Waldvilla als >>Gästehaus<<. Dieses Jagdschloß in der Teichen wurde nach den Plänen von Anton Gold, Baumeister in Leoben, durch Friedrich Schiechtl, Stadtzimmermeister in Leoben, erbaut. Es war ein stattlicher Bau, der sich der steirischen Waldlandschaft vorzüglich einfügte. Im Parterre befanden sich zwei Hallen, Rauchzimmer, Speisezimmer, die Küche, die Speisekammer und Dienerzimmer; im ersten Stock fünf Zimmer und zwei Badezimmer, im Dachgeschoß noch zwei Zimmer und ein Dienerzimmer. Die Umfassungswände waren reiner Blockbau und mit Kork isoliert. Sämtliche Wände und Decken waren in Zirbelholz getäfelt. Besondere Sorgfalt war auf die Ausgestaltung der großen Halle mit Galerie, sowie der Erker und Stiegenanlagen verwendet worden. Auch einen zweckmäßigen Schießstand ließ er gleich neben der Straße nächst seiner Villa im Jahre 1905 errichten. In kurzer Zeit entstanden viele andere Bauten, die in einer dem Schweizerstile ähnlichen Bauart noch heute dem Ort ein eigenes Gepräge geben.

Gutmann war ein großer Pferdeliebhaber und hatte ebenfalls großes Interesse an der Rinderzucht; daher wurde schon 1905 mit der Aufzucht von Haflinger-Pferden begonnen und damit das älteste Haflingergestüt in der Steiermark gegründet. Durch die Einstellung ganz vortrefflicher Zuchtpferde erreichte das Gestüt bald einen ausgezeichneten Ruf. Im Jahre 1907 errichtete Gutmann den großen Fohlenhof, in dem mitunter bis zu 100 Pferde standen. Um den Fohlenhof wurde eine etwa einen Kilometer lange Reit- und Fahrbahn errichtet und diese mit einer Parkanlage verschönert. 1)
Die Maurerarbeiten am Fohlenhof führte Anton Sandri, Baumeister in Zeltweg und die Zimmererarbeiten Friedrich Schichtl, Stadtzimmermeister in Leoben aus. Für die Rinderzucht erwarb der neue Gutsherr im Jahr 1906 den Besitz >>Neuper<< in Wald und baute ihn großzügig aus. Der Rinderstand umfaßte an die 200 Stück.

Im Jahre 1907 erwarb Rudolf v. Gutmann auch den Besitz des Grafen Silva Tarouca in Pisching (8.724,80 ha) und besaß damit sowohl die Besitzungen am linken als auch am rechten Ufer der Liesing. Nach dem Ankauf weiterer Besitze wie Wieser, Reichenstaller, Bayerhuber und Breitensteiner entstand neben dem Fohlenhofe ein großes Werkstättengebäude für die vielen Handwerker, die nun alle bei Gutmann beschäftigt waren.

Im Jahre 1906 begann Rudolf v. Gutmann, in Kalwang eine Gärtnerei zu errichten, die bald zu einer Kalwanger Sehenswürdigkeit wurde. Nach den ersten Glashäusern entstand das Kalt- und Warmhaus, denen in den nächsten Jahren noch ein Dutzend weiterer Glashäuser folgten. Sie dienten zur Zucht von Orchideen, Azaleen, Nelken, Zyklamen, Rosen, Wein, Tropferdbeeren und Gemüse.

1911 wurde ein 84 m langes Palmenhaus mit zwei mächtigen Kuppel erbaut. Darinnen fanden 10 bis 14 m hohe Palmen Aufnahme. Echte Dattelpalmen, tropische Farne und viele andere tropische Pflanzen wurden gezüchtet. Eine 14 m hohe Palme wurde vom botanischen Garten in Brüssel gekauft. Der Boden und die Wegeinfassungen waren mit tropischen Moosen bepflanzt, so dass sich der Besucher wirklich in einen tropischen Garten versetzt fühlen konnte. Aus den verschiedenen Ländern kamen Botaniker und Blumenfreunde nach Kalwang, um diese seltsamen Palmenhäuser und Gartenkünste zu besichtigen und zu studieren. Der 1. Weltkrieg (1914 – 1918) machte dann den geplanten weiteren Ausbau unmöglich. In der Nachkriegszeit wurden das Palmenhaus und sieben der Kulturhäuser gänzlich abgerissen. Sie sind nachher auf dem Gut >>Perlhof<< bei Wien, welches ebenfalls Rudolf v. Gutmann gehörte, wieder aufgestellt worden. 2)

In einer schönen Parkanlage baute Gutmann eine große Reitschule. Es war dies ein imposanter Holzbau mit einer bemerkenswerten Dachkonstruktion ohne irgendwelche Pfeiler oder Stützen. Die Zuschauerloge schmückte ein großes Bild des berühmten Malers Julius von Blaas, das Haflingergestüt in Kalwang darstellend. Große hohe Fenster ließen reichlich Licht in die Reitschule einfließen, so dass sich das auch zu anderen Veranstaltungszwecken ausgezeichnet eignete. Leider wurde diese schöne Reitschule, ein Schmuckstück für Kalwang, während des zweiten Weltkrieges (1941) ein Raub der Flammen.

Als Leiter seines Gutsbesitzes setzte Rudolf v. Gutmann Ing. Karl Sposec ein, welcher bis zum Jahre 1938 als Forstdirektor die Geschicke der Gutsherrschaft Kalwang lenkte. Er starb zu Kalwang am 28. Juni 1947 im Alter von 73 Jahren.

In den herrlichsten Wäldern wurde in dieser Zeit nur soviel Holz geschlägert, als für den Lokal- und Regiebedarf gebraucht wurde. Da aber sehr viel und vorwiegend nur mit Holz gebaut wurde, war der Bedarf an solchem ziemlich groß. Dass Gut diente auch weiterhin fast ausschließlich der Jagd; doch zeigte Rudolf v. Gutmann auch für die Bedürfnisse des Ortes stets großes Verständnis. Daher erhielt das Leben im Orte neuen Aufschwung und Kalwang erlebte neuerlich eine Blütezeit.

Der Jagdbetrieb wurde gut eingerichtet und viele Jagdhütten im Reviere errichtet. Um das Abwandern des Wildes in das Liesingtal zu verhindern, ließ Gutmann einen 35 km langen Wildzaun aufstellen. Der Wildstand erreichte somit eine beträchtliche Höhe und umfaßte mitunter an die 2000 Stück. 3)

Im Jahre 1904 löste Dr. Ferdinand Brunner aus Turrach den Dr. Emil Stockmaier als Gemeindearzt ab. Auf Dr. Brunner folgte Dr. Lichtenegger als Gemeindearzt, dessen Stelle im Mai 1910 Dr. Richard Mitter übernahm.

Bereits 1901 war für den Ort Kalwang eine Hochquellenleitung errichtet worden und 1905 baute Gutmann eine Wasserleitung vom Wayritztal zu seinem Jagdschloß. Mit Jänner 1906 übernahm das Elektrizitätswerk Klarmann die elektrische Beleuchtung des Ortes.

Der Gendarmerieposten

Bis zum Jahr 1904 hatte Kalwang keinen eigenen Gendarmerieposten, sondern gehörte zum Gendarmerieposten Wald am Schoberpaß. Als Rudolf v. Gutmann sich in Kalwang angekauft hatte, erreichte er es, dass mit 1. August 1904 in Kalwang ein eigener Gendarmerieposten errichtet wurde. Der Walder Posten aber, welcher schon seit etwa 1860 bestanden hatte, wurde aufgelöst. Die Gemeinde Wald musste nun als sogenanntes >>Überwachungsrayon<< vom Posten Kalwang mitbetreut werden. Im alten Schulhaus, dem ehemaligen Pfarrhof, neben der Kirche, Haus-Nr. 28, bezogen die Gendarmen ihre Postenkanzlei in Kalwang. Bis zur Auflassung des Kalwanger Gendarmeriepostens verblieb das Postenkommando in diesem Hause.

Am 15. Dezember 1967 wurde der Kalwanger Gendarmerieposten aufgelassen. Von den vier Gendarmeriebeamten, die bisher in Kalwang ihren Dienst versehen hatten, wurden drei nach Mautern und einer nach Wald zur Dienstleistung zugewiesen. Wald am Schoberpaß hatte inzwischen wieder einen eigenen Gendarmerieposten erhalten. Nun betreut seit 15. Dezember 1967 der Gendarmerieposten Mautern die Katastralgemeinde Kalwang, Schattenberg und den größten Teil von Sonnberg. Der Mellingbach bildet die Grenze am Posten nach Wald, so dass das Gebiet der Katastralgemeinde Sonnberg westlich des Mellingbaches und die ganze Katastralgemeinde Pisching heute zum Gendarmerieposten Wald am Schoberpaß gehört.

Kommandanten des Gendarmerieposten in Kalwang:
Pipper Gottfried 1904 – 1910
Zeilinger Konrad April – Mai 1910
Schöfmann Johann 1910 – 1912
Setznagel Ignaz Mai – Juni 1912
Smode Josef 1912 – 1919
Pilch Karl 1919 – 1924
Rudolf Georg 1924 – 1930
Großschädl Franz 1930 – 1934
Strommer Matthias Juli – Dezember 1934
Kiemann Johann 1935 – 1951
Laptos Johann 1951 – 1967

Brand in der Gutmann´schen Jagdvilla in der Teichen

Anläßlich des 60. Regierungsjubiläums des Kaisers Franz Josef I. fand im Jahre 1908 in Kalwang eine große Feier statt; der ganze Ort prangte im Fahnenschmuck und war festlich beleuchtet.

Im Jahr 1907 kamen Ing. Robert Pfisterer als Forstmeister für die Pischingseite und Ing. Anton Schweinbach als Forstmeister für die Teichenseite zur Gutmann´schen Herrschaft nach Kalwang.

In der Nacht auf den 1. Mai 1910 brannte die zwei Stock hohe, prächtige Jagdvilla Gutmanns in der Teichen gänzlich ab. Obwohl die Guts- und Ortsfeuerwehr Kalwang, durch elektrische Sirenen gerufen, binnen einigen Minuten zur Stelle waren, konnte der Brand, der in dem durchwegs aus Holz in prächtigem Schweizerstile erbauten Jagdschloss reichlich Nahrung fand, nicht bewältigt werden. Das Feuer griff so rasch um sich, dass die Feuerwehr sich lediglich darauf beschränken musste, die benachbarten, ebenso gefährdeten Gebäude zu schützen, während das Jagdschloß in kurzer Zeit ein Trümmerhaufen war, aus dem nur die kahlen Schornsteine herausragten. Nach vierstündiger anstrengender Arbeit, bei der sich auch die Bevölkerung nach besten Kräften beteiligte, war der Brand so weit eingedämmt, dass eine weitere Gefahr für die Nachbarhäuser nicht mehr bestand. Leider ist auch so manches kostbare Stück des Inventars ein Raub der Flammen geworden. Die Brandursache konnte nicht geklärt werden; der entstandene Schaden wurde auf über eine Million Kronen geschätzt, soll aber durch Versicherungen abgedeckt gewesen sein. 1)

Rudolf v. Gutmann ließ seine abgebrannte Jagdvilla in der Teichen nicht mehr aufbauen, sondern übersiedelte in die Villa, die seinerzeit Graf Silva Tarouca sich auf den >>Haselbauer-Gründen<< in Pisching errichtet hatte, ließ sich baulich vergrößern und verschönern, so dass ein richtiges Jagdschloß daraus wurde. Auch die ganze Umgebung des Schlosses ließ er parkartig neu gestalten.

Die große Überschwemmung von 1907

Am 9. und 10. Mai 1907 überschwemmte die Teichen den ganzen Ort. Heiße Tage kurz nach den kalten Witterung haben die ungeheuren Schneemassen, die sich bis Ende April im Gebirge angesammelt hatten, zu raschem Schmelzen gebracht. Die Wassermassen in der Teichen hatten die Brücke im oberen Ort, nächst dem Gasthaus Pircher, weggerissen und ergossen sich durch den Ort; sie überschwemmten alle Straßen und Gassen. Das damalige Schulhaus neben der Kirche musste geräumt werden; es war von allen Seiten vom Hochwasser umgeben. Im unteren Ort stand das Wasser bei einigen Häusern bis zum ersten Stock. Die Feuerwehr und 50 Mann der Landwehr aus Leoben standen ständig im Einsatz. Sie bargen mit wahrer Todesverachtung Menschen und Tiere aus den Wasserfluten. Auch der Bahndamm zwischen Kalwang und Mautern war beschädigt worden. Es dauerte mehrere Tage bis das Wasser wieder zurückging. Bis zu einer Höhe von 1 ½ Metern lag überall Schutt und Geröll; nach Schätzungen Sachverständiger etwa 50.000 m3. Zu den dringendst notwendigen Sicherungs- und Aufräumungsarbeiten mussten noch 200 Mann der Pioniere eingesetzt werden. Die Gutsherrschaft Gutmann stellte alle Zimmerleute und Maurer zur Verfügung und ließ alle Hilfsmannschaften auf Kosten der Gutsherrschaft verpflegen (etwa 500 Mann). Zum Schuttaufräumen wurden 100 Sträflinge aus Graz eingesetzt, die bis 31. Oktober 1907 zu arbeiten hatten, um den ärgsten Schutt wegzuräumen. Sie waren im Pfarrhof untergebracht. Es dauerte lange bis die Straße durch den Ort wieder ordentlich befahrbar war. 1) Die Teichen musste ebenfalls neu verbaut werden. Die Verbauungskosten wurden mit 250.000 Kronen veranschlagt, eine gewaltige Summe; davon hatte die Gemeinde 20 %, also 50.000 Kronen aufzubringen. Rudolf v. Gutmann übernahm jedoch freiwillig 35.000 Kronen der auf die Gemeinde entfallenen Kosten. Von dem Restbetrag zahlte die Gemeinde zwei Drittel und die Waldgenossenschaft ein Drittel. 2) 1) Nach der Chronik der Volksschule Kalwang. 2) Sitzungsprotokoll der Gemeinde Kalwang, 1907. Die Wassermassen strömten über die Dorfstraße zum unteren Platz und vermurten ihn meterhoch. Nach dem Abfluß des Wassers blieben Schlamm und Geröllberge. Über ein halbes Jahr dauerte es, bis die Straße durch den Ort wieder einigermaßen befahrbar war . Die überschwemmte Straße vor dem Kettenhaus. Die Bevölkerung behalf sich teilweise mit Notstegen .

Das Kalwanger Kino

Allgemeines aus der Geschichte des Filmes


Der 28. Dezember 1895 gilt als Geburtstag des Filmes; da wurde in Paris im Keller des „Grand Cafe“ das erste Lichtspieltheater der Welt eröffnet. Die französichen Brüder Luis und August Lumiere aus Lyon hatten den „Kinomatograph“ erfunden. Damit brach ein neues Zeitalter für das Unterhaltungswesen der Menschheit an.

Das Lumieresche Gerät erfuhr in den nächsten Jahren noch entscheidende Verbesserungen, an denen verschiedene Nationen beteiligt waren. Um das lästige, etwas laute Geräusch des Projektionsapparates zu übertönen – es handelte sich dabei ja um einen schwarz-weißen „Stummfilm“ – machte man zunächst wahllos irgend welche Musik, mochte sie zum Film stimmen oder nicht. Aber schon bald hatte jedes Kino ein Klavier und gewandte Klavierspieler verstanden ihr Spiel dem jeweiligen Filminhalt sofort anzupassen.

Die ersten Stummfilme waren kurz und dauerten kaum eine Viertelstunde. Durch allmählich verbesserte Filmapparate kam es zu längerer Spieldauer eines Filmes. Der erste große Tonfilm wurde von einem amerikanischen Filmkonzern hergestellt. Es war dies der Film der „Singende Narr“, der sofort die ganze Welt eroberte. Der Tonfilm verdrängte sehr bald den Stummfilm. Erst etliche Jahre später gelang es, die Einfärbigkeit des schwarz-weiß Bildes zu beenden. Es gab dann nur mehr „Farb-Tonfilme“.

In Österreich gab es schon vor dem ersten Weltkrieg die ersten Kinos, welche oft den Namen „Bioskop“ führten. „Von Stufe zu Stufe“ hieß der erste im Jahre 1908 gedrehte Österreichische Stummfilm. Leider gibt es diesen alten Österreichischen Stummfilmklassiker nicht mehr, obwohl im Wiener Laxenburger Filmarchiv noch 7.000 Spiel- und Dokumentarfilme lagern. 1912 lief der Österreichische Stummfilm „Die Zirkusgräfin“ an, in welchem der damals berühmte Komiker Heinrich Eisenbach spielte. Er war Lehrer und Vorbild des später berühmten Komikers Hans Moser.

Nach dem ersten Weltkrieg entstanden nach und nach in allen größeren Orten Steiermarks Lichtspieltheater (Kinos). Wie in Deutschland, Frankreich, Italien und vielen anderen Ländern nahm auch in Österreich die eigene Filmproduktion einen großen Aufschwung. In den Jahren nach 1930 übernahm auch in Österreich der Tonfilm das Erbe der stummen Filmleinwand. Namen berühmter Filmschauspieler wie Hans Moser, Paul und Attila Hörbiger, Willi Forst, Paula Wessely und Magda Schneider erinnern an die bekanntesten Filme der Zwischenkriegszeit.

Österreichische Filmproduktionen genossen in dieser Zeit weltweites Ansehen und erreichten damals ihren Höhepunkt. In guter Erinnerung ist noch aus dem Jahre 1936 die Verfilmung von Nestroys „Lumpazivagabundus“ mit dem „Liederlichen Kleeblatt“ Hörbiger, Heinz Rühmann und Hans Holt. Ebenso ist Hörbigers „Der alte Sünder“ aus dem Jahre 1951 unvergessen. Ein weiterer Österreichischer Kulturfilm „Wienerinnen“ mit Hans Putz in der Hauptrolle entstand im Jahre 1952.

Erreichten die Spielfilme in der Zwischenkriegszeit schon einen Höhepunkt, so gab es auch während der Nazizeit eine Fülle von erfolgreichen Filmen; dazu gehörte ebenso die Österreichische „Wien Film“ Gesellschaft.

Nach dem zweiten Weltkrieg entstanden viele Erfolgsfilme in Amerika und begannen die ganze Welt mit Filmen aus Hollywood zu überschwemmen. Aber auch die Filme aus Deutschland und Österreich mit bekannten Filmlieblingen wie Joe Stöckl, Beppo Brehm, Gunther Philipp, Anni Rosar, Hans Albers, Heinz Conrads, Gerd Fröbe, Oskar Sima und viele andere fanden überall großen Erfolg. Ganz besondere Erfolge erzielten Lustspiele mit dem unschlagbaren Duo Moser-Hörbiger.

In den sechziger Jahren wurden Motorisierung und Fernsehen übermächtige Konkurrenz des Filmes. Als letzte Kassenschlager erwiesen sich die sogenannten „Sissi“-Filme mit Romy Schneider.

„Hollywood“-Filme aus Amerika blieben jetzt aber nach wie vor die wirtschaftlich erfolgreichsten Filme der Welt. Österreich verfügt derzeit über keine wesentliche Filmproduktion. Die deutsche Filmindustrie ist aber wieder daran, sich in der Welt durchzusetzen.

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Das Kino in Kalwang


Frau Maria Pircher, geb. Freimüller, gehörte das Gasthaus in Kalwang, mit dem auch noch eine umfangreiche Landwirtschaft verbunden war. Schon im Jahre 1912 hatte sie im 1. Stock, zum Gasthaus gehörig, einen Saal anbauen lassen. Es ist dies der heutige Festsaal der Gemeinde Kalwang. Der Kalwanger Baumeister Franz Wagner errichtete diesen Zubau.

Im Winter 1922/23 gab es in Kalwang übermäßig viel Schnee. Das alte Stallgebäude, welches im Pircher Gasthaushofe stand, hielt den starken Schneedruck nicht aus. Sein großes Schindeldach wurde eingedrückt; auch der Stall brach zusammen. Nun mußte dieser neu gebaut werden, und der Kalwanger Baumeister Michael Lamminger führte diesen Neubau durch.

Da sich aber der 1912 erbaute Saal bisher stets bei Ball- und anderen Veranstaltungen als viel zu klein erwies, ließ Frau Pircher das neue zu bauende Stallgebäude so bauen, daß an den 1912 erbauten Saal anschließend ein kleinerer Saal im 1. Stock des neuen Stallgebäudes angebaut werden konnte.

Der alte Kinosaal hatte anfangs keinen eigenen Zugang, sondern konnte nur über die steile und schmale Stiege erreicht werden, welche heute noch vom Erdgeschoß des Gasthauses zum 1. Stock hinaufführt. Von dort aus gelangte man ursprünglich nur über einen schmalen Zugang zum einzigen Saaleingang; heute ist das der Eingang zum als Bühne erhöhten Saalteil. An der rückwärtigen Westwand des Saales war als Notausgang eine Tür angebracht, durch welche man über eine Holzstiege ins Freie gelangte. An der Außenseite dieser Rückwand stand ein aus Holz errichteter Zubau. Er diente als Vorführraum der Kinomaschinen, von dem aus durch zwei Gucklöcher an der Saalrückwand die Lichtbilder auf die gegenüberliegende Filmleinwand projiziert wurden. Dieser Vorführraum konnte nur über eine Holzstiege vom Außenhof erreicht werden.

Als der damalige Gutsbesitzer Rudolf von Gutmann nach dem Umbau die beiden Säle besichtigte, meinte er zu Frau Pircher, die zwei Säle wären ja nicht richtig ausgenützt, und schlug vor, im größeren Saal ein Kino zu errichten. Er erklärte sich sofort dazu bereit, bei der Erlangung einer Kino-Konzession behilflich zu sein, einen in seinem Besitz vorhandenen Lichtbilder-Vorführapparat gratis zur Verfügung zu stellen und zu gestatten, daß der bei ihm beschäftigte Elektriker Leopold Obermüller in Graz einen Kurs besuchen und die Prüfung als Filmvorführer machen darf, und dann gleich als solcher tätig sein könnte. Frau Pircher war damit sofort einverstanden.

Nachdem die finanziellen Mittel mit Unterstützung der Gösser-Brauerei sichergestellt waren, begann Frau Pircher raschest mit der Einrichtung des Saales für den Kinobetrieb. Die richtige Kinoeröffnung konnte noch im Jahre 1924 zu Weihnachten (am Stefanitag) erfolgen, nachdem die Bezirkshauptmannschaft Leoben die Kino-Lizenz erteilt hatte. Der Kalwanger Gemeinderat, dem die Bezirkshauptmannschaft Leoben das eingereichte Ansuchen um die Konzession zur Stellungnahme vorgelegt hatte, beschloß einstimmig der Konzessionsbewilligung zuzustimmen, denn durch die ständig wachsende Einwohnerzahl sei das Bedürfnis eines Kinos in Kalwang sicherlich gegeben.

Frau Pircher bemühte sich sehr, gute Filme zu bekommen. Es gab nun jeden Samstag eine Abendvorstellung und am Sonntag eine Nachmittags- und eine Abendvorstellung. Da damals nur in Leoben und Rottenmann schon Kinos bestanden, besuchten nicht nur die Kalwanger eifrig das Kino, sondern auch aus der Nachbarschaft fanden sich immer viele Besucher im neuen Kalwanger Kino ein. Es gab zunächst nur schwarz-weiße Stummfilme; daher wurde ein Klavier gekauft und während der Vorstellung damit zu jedem Film entsprechende Musik gemacht. Als guter Klavierspieler betätigte sich zunächst der Eisenbahnbeamte Georg Huttegger; seit 1927 spielte auch Lehrer Erich Brandl abwechselnd mit Huttegger bei den Vorstellungen. Das Klavier stand auf der linken Saalseite vor der Filmleinwand und war vom übrigen Saal durch eine „Spanische Wand“ getrennt.

Da anfangs nur der eine Filmvorführapparat des Herrn v. Gutmann zur Verfügung stand, mußte stets nach jedem Aktende eine Pause eingehalten werden, damit der Filmvorführer den nächsten Filmakt einlegen konnte. Als Kinokasse diente ein ganz kleiner Raum, der sich im 1. Stock des Gasthauses am schmalen Kinozugang befand. Durch ein kleines Fenster dieses Raumes reichte die Kassierin den Besuchern die Kinokarten.

1938 kaufte Frau Pircher eine neue AEG-Vorführmaschine für Tonfilme; die vorhandene erste Vorführmaschine wurde auch zur Vorführung von Tonfilmen umgebaut. Da nun zwei Vorführapparate zur Verfügung standen, war es jetzt nicht mehr notwendig, nach jedem Akte eine Pause einzulegen. Aber auch das Klavierspielen zu jedem Film erübrigte sich, denn die Musik machte nun der Tonfilm selbst.

Als der kleine 1924 erbaute Saal zum Kinosaal angeschlossen war, trennte eine herausnehmbare Holzwand beide Säle, sodaß bei größeren Veranstaltungen beide Säle zur gleichzeitigen Benützung verfügbar waren und der Durchblick vom kleinen zum großen Saal gegeben war. Nun konnte auch an einen besseren Kinozugang gedacht werden. Man errichtete vom damals noch unverbauten größeren Gasthaushof neben dem Stallgebäude eine freie nicht überdeckte Holzstiege, welche direkt zum Eingange des kleinen Saales führte. Bei Kinovorführungen blieb die herausnehmbare Holzwand des kleinen Saales geschlossen, aber eine in der Holzwand eingebaute Tür führte in den Kinosaal. Später wurde auch das Gasthaus etwas umgebaut. Der alte Gasthaushof wurde verbaut und dort eine neue Gasthausküche errichtet, der Gang erweitert, und eine breitere Stiege führte nun in den ersten Stock und damit ebenso zum Kinosaal hinauf. Auch die Klo-Anlagen befanden sich nun im ersten Stock.

Im Jahre 1940 aber erfolgte eine Trennung des Gasthausbetriebes vom Kino. Frau Pirchers Sohn hatte das Recht eines „Erbhofes“ für Landwirtschaft und Gastgewerbe erreicht. Das Kino wurde also vom übrigen Besitz getrennt. Frau Pirchers Sohn gehörte nun der Erbhof und ihr selbst verblieb nur noch das Kino. Aus diesem wurde jetzt eine neue EZ 186 der Katastralgemeinde Kalwang gebildet. Damit war die Trennung von Gasthaus und Kino endgültig vollzogen.

Mit Beschluß des Kreisgerichtes Leoben vom 24. 5. 1940 wurde dann über Wunsch von Frau Pircher das nunmehrige alleinige Kino-Eigentum zu Gunsten von Frau Pirchers Töchtern, den Frauen Maria Pfisterer, gesch. Hanf, und Frau Grete Brandl, je zur Hälfte einverleibt, nachdem laut Schenkungsvertrag vom 12. 3. 1940 das lebenslängliche Fruchtgenußrecht der Frau Maria Pircher zu ihren Gunsten bewilligt worden war. Frau Pircher behielt weiter die Kinolizenz und führte das Kino, wobei ihr Frau Maria Pfisterer behilflich war.

Im Mai des Jahres 1945 fand Frau Pfisterer bei den Umbruchsereignissen dieses Jahres den Tod. Ihre Töchter Gertraud Graschi und Karoline Mitterhuber erbten nun von ihrer verstorbenen Mutter deren halben Anteil der Kinorealität. Frau Pircher leitete jedoch das Kino weiter und Frau Grete Brandl, die nun bereits in Graz wohnhaft war, half ihr dabei. Sie fuhr zu jedem Wochenende von Graz nach Kalwang. Der Kinobesuch in den ersten Nachkriegsjahren entwickelte sich sehr gut, sodaß jetzt auch an anderen Wochentagen Kinovorstellungen notwendig wurden.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges und dem daraus entstandenem Durcheinander in der Gemeindeführung von Kalwang – es gab damals vom 7. 5. 1945 bis zum 27. 9. 1946 fünf verschiedene, zum Teil auch selbst ernannte, Bürgermeister – wollten die neuen Machthaber das Kino enteignen. Am 28. 7. 1945 faßten die damaligen neuen Gemeinderäte den Beschluß, das Kino zu enteignen und unter kommissarische Leitung der Gemeinde zu stellen; doch sobald in die Gemeindeführung wieder Ordnung kam, wurde dieser Beschluß aufgehoben.

Zufolge ihres Alters (78 Jahre) legte Frau Pircher ihre Kino-Vorführbefugnis zu Gunsten ihrer Tochter, Frau Brandl, zurück. Die Stmk. Landesregierung erteilte Frau Brandl nun vorläufig die Vorführbewilligung bis zum Ende des Jahres 1956 mit der Auflage, einen den behördlichen Vorschriften entsprechenden Kinoumbau durchzuführen, sollte eine Weiterführung des Kinobetriebes bewilligt werden, denn derzeit entspreche es in keiner Weise den betrieblichen Anforderungen. Die Miteigentümer der halben Kinorealität waren jedoch keinesfalls bereit sich am Kinoumbau finanziell zu beteiligen; um nun die Weiterführung des gut gehenden Kinos zu ermöglichen, mußte sich Frau Brandl dazu entschließen, die Anteile ihrer Miteigentümer zu erwerben. Mit dem Kaufvertrag vom 14. 12. 1956 erhielt sie diese Anteile um einen Gesamtpreis von S 51.150,–, welchen sie an Frau Graschi und Frau Mitterhuber auszahlte.

Es war ein schwerer Entschluß für Frau Brandl, allein auf sich gestellt, die finanziellen Mittel zum Umbau des Kinos zu beschaffen. Jedoch der damals sehr gute Kinobesuch ließ darauf schließen, daß eine Kreditaufnahme und dessen Rückzahlungsmöglichkeit gegeben sei, zumal die Sparkasse in Leoben einen größeren Kredit zusicherte und auch die Kalwanger Raiffeisenkasse zu einem kleineren Kreditbetrag bereit war. Nachdem dann noch die massiven Einsprüche eines Anrainers, der um seine Nachtruhe fürchtete, abgelehnt werden konnten, stand dem Umbaubeginn jetzt nichts mehr im Wege.

Der Umbau des Kinos

Baumeister Architekt Heinrich Drößler in Leoben übernahm die Durchführung des Kinoumbaues; seine Baupläne wurden genehmigt. Somit konnte noch im Jahre 1956 der Umbau beginnen.

Die unter dem Kinosaal gelegenen finsteren und vollkommen verwahrlosten Kellerräume gehörten wohl auch zur Kinorealität, waren aber gänzlich feucht und unbenützbar. Aus diesen verwahrlosten Räumen wurde nun ein schöner, großer Kinovorraum mit eigener Kloanlage und einem Kassen- und Buffetraum geschaffen, hinter denen auch noch eine Küche und ein Wohnraum gestaltet wurde. Ein neues, breites Stiegenhaus führte vom Kinovorraum aus zum Kinosaal in den ersten Stock hinauf. Über einen eigenem Außenaufgang erreichte man einen schönen, neu geschaffenen Vorführraum.

Die Umbauarbeiten gingen allerdings nur langsam voran und erstreckten sich über das ganze Jahr 1957. Erst am 20. Jänner 1958 fand die Endbeschau durch die Baubehörde statt.

Nach dieser langen Bauzeit war aber jetzt das vollkommen neu gestaltete Kino vom Gastbetrieb gänzlich getrennt. Noch im Jänner 1958 konnte mit dem Kinobetrieb begonnen werden.

Eine Steirische Tageszeitung berichtete zur Kinoeröffnung:
„Der Markt Kalwang hat durch einen Umbau ein modernes Lichtspielhaus erhalten, das durch seine gediegene Ausgestaltung einen Anziehungspunkt darstellt. Der Leobner Architekt Drößler entwarf die Pläne und leitete auch die Bauarbeiten. Das Kino erhielt einen neuen Zugang und einen geräumigen Vorraum. Eine breite Treppe führt zu dem im ersten Stock gelegenen Kinosaal. Die Decke des Kinosaales wurde gehoben und mit Herakustikplatten abgedeckt. Mit dem Einbau einer Breitleinwand und moderner Vorführmaschine wurde die Anlage auf den letzten Stand der Technik gebracht. In dem Zubau befindet sich überdies die bestens eingerichtete Vorführkabine. Mit Jahresbeginn konnte das Kino in Betrieb genommen werden, womit das obere Liesingtal ein Lichtspieltheater erhalten hat, das allen Ansprüchen Genüge tut.“

Die Kinobesucherzahl stieg jetzt ganz gewaltig an; die Vorstellungen waren fast immer ausverkauft. Zu den eifrigsten Kinobesuchern zählte auch Fürst Franz I. von und zu Liechtenstein, welcher schon im Jahre 1932 den einst gutmannschen Besitz in Kalwang erworben hatte. Er und seine Frau ließen, wenn sie in Kalwang waren, keinen Film aus. In der ersten Reihe hatten sie ihren Stammsitz.

Mit Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Leoben vom 15. 4. 1958 erhielt Frau Grete Brandl auch die Konzessionsurkunde zur Führung eines Kinobuffets. Diese berechtigte zur Verabreichung von Mehlspeisen, belegten Brötchen, Kanditen und Zuckerwaren, von Getränken eingeschränkt auf Branntwein, Rum, Slivowitz als Beigabe zum Tee, zum Ausschank von Heil- und Mineralwässern, Verkauf von Kaffee, Tee, Schokolade und Erfrischungen. Die Konzession durfte jedoch nur in Verbindung mit dem Kinobetrieb ausgeübt werden. Offenhaltung von einer halben Stunde vor bis einer halben Stunde nach der letzten Vorstellung. – Mit Bescheid vom 8. 5. 1961 erteilte die Stmk. Landesregierung auch die Vorführbefugnis für großflächige Fernsehbildübertragungen in Form von Bildprojektionen.

Das Kino war jedoch verpflichtet, zeitweise auch österreichische Kulturfilme ohne Eintrittspreiserhöhung vorzuführen. Sämtliche elektrische Einrichtungen mußten wenigstens einmal jährlich von einem hiezu berufenen Fachmann überprüft werden.

Als Filmvorführer durften nur Besitzer einer behördlichen Bescheinigung über ihre Vorführbefähigung beschäftigt werden. Seit Bestand des Kinos (1924) wirkte Leopold Obermüller als geprüfter Filmvorführer, Franz Kamper war von 1956 bis zur Auflassung des Kinos als geprüfter Bildvorführer beschäftigt. Mit Bescheid der Stmk. Landesregierung v. 26. 2. 1965 war Herr Kamper auch als Geschäftsführer im Kino tätig. Cilli Pirkner half der Kinoinhaberin beim Buffet und Kartenverkauf. Mit der Stillegung des Kinobetriebes 1970 hörte auch ihre Tätigkeit auf.
Viele Kalwanger wurden im Kino als Bildvorführer ausgebildet, erwarben die Vorführberechtgigung und übten zeitweise diese Tätigkeit hier aus.

Die Gesamtkosten des Kino-Umbaues beliefen sich auf S 395.794,–. Da der Kredit der Sparkasse nicht alle Umbaukosten deckte, so stundete Baumeister Drößler den Restbetrag gegen monatliche Abdeckungsraten. Bereits im Jahre 1965 war diese Restschuld an Baumeister Drößler bezahlt, so daß nur noch die Bankschulden offen waren.

Einnahmen-Zunahme und Niedergang

Die jährliche Einnahme vor dem Kinoumbau im Jahre 1957 betrug:
Kartenverkauf ………………..S 145.600,–
Buffet……………………………S 10.138,–
Reklame………………………..S 1.369.–
Die Einnahmen nach dem Kinoumbau stiegen von Jahr zu Jahr an:
beim Kartenverkauf um etwa S 300.000,–
beim Buffett um etwa S 60.000,–.

Die Einnahmen mußten zur Gänze zum Rückzahlen der Schulden aus dem Kinoumbau verwendet werden. Ein ganz beträchtlicher Teil der Einnahmen ging aber für die Vergnügungssteuer der Marktgemeinde Kalwang und für die Filmleihmieten auf. Die Gemeinde hatte die Vergnügungssteuer zwischen 20 und 28 % der Einnahmen angesetzt; so betrug diese im Jahre 1963 S 35.153,–.

Nach dem Kinoumbau betrugen die Einnahmen laut Bilanz vom 31. 12. 1965:
Kartenverkauf……………… S 299.000,–
Buffet…………………………. S 59.000,–
Reklame………………………. S 2.400,–

Von den Einnahmen waren stets folgende Steuern und Abgaben zu leisten:

Filmverleih-Gebühr etwa 30 %
Wochenschaugebühren etwa 5 %
AKM 2 %
Lustbarkeitsabgabe etwa 20 %
Umsatzsteuer 10 %
also monatlich etwa 67 %

Dazu kamen noch kleinere Abgaben wie Getränkesteuer usw.

Nach dem Abzug all dieser Besteuerungen mußte der Rest für Kreditrückzahlungen der Umbaukosten verwendet werden. Das ging so recht und schlecht durch etwa 10 Jahre nach dem Umbau.

Aber schon bald gegen Mitte der sechziger Jahre zeigte sich ein starker Rückgang der Kinobesucher, verursacht durch die beginnende Motorisierung und das Fernsehen. Das Fernsehen wirkte sich zunächst nicht so stark aus, denn der Empfang der Fernsehsendungen war in Kalwang sehr schlecht. Die Motorisierung wirkte sich aber insoferne aus, als manche eifrige Kinobesucher nun anfingen, etwa nach Leoben oder Rottenmann ins Kino zu fahren, denn diese größeren Kinos mit höheren Besucherzahlen erhielten von den Filmverleihern die guten, neuen Filmproduktionen zuerst. Etwa nach zwei oder mehreren Monaten erst konnten diese Filme in kleineren Orten, wie Kalwang, gespielt werden. Ganz arg wirkte sich aber die Errichtung eines Fernsehsenders auf dem Stellerberg für den Kinobesuch in Kalwang aus; denn jetzt konnte man auch in Kalwang die Fernsehsendungen sehr gut empfangen und sehen. Dazu kam noch, daß die Vertreter und Händler mit Fernsehapparaten nach Kalwang kamen und fast in jedem Kalwanger Haushalt zunächst ganz unverbindlich einen Fernsehapparat hinstellten. Gar bald verfügte so jeder Haushalt über einen eigenen Fernsehapparat.

Der Verkauf des Kinos

Es dauerte nicht lange, und der ohnehin schon durch die Motorisierung zurückgegangene Kinobesuch nahm noch stärker ab, sodaß die Einnahmen im Kartenverkauf im Jahre 1970 nur mehr S 128.000,– ausmachten und manche Vorstellungen kaum mehr 15 Besucher hatten. Die Filmleihkosten blieben jedoch gleich hoch wie bisher und betrugen im Jahr noch etwa S 100.000,–. Die Vergnügungssteuer an die Gemeinde war sehr hoch und hatte in den letzten 10 Jahren der Gemeinde an S 170.000,– eingebracht. Sie wurde dann wohl infolge des Besucherschwundes im letzten Jahr teilweise ermäßigt oder erlassen, doch konnte dadurch die schlechte finanzielle Lage, in welche das Kino geraten war, nicht mehr aufgehalten werden; es war zu spät. Da dieser Niedergang der Kinoeinnahmen sich schon in den letzten Jahren abzeichnete, war es Frau Brandl bald nicht mehr möglich, die durch den Kinoumbau notwendigen Schuldrückzahlungen abzustatten. Ebenso blieben die Filmleihkosten im Rückstand.

Viele kleine Ortskinos in ähnlicher Lage hatten schon ihren Betrieb einstellen müssen. Es war auch für das Kalwanger Kino von keiner Seite her Hilfe zu erwarten. Um nun aus diesem Teufelskreis heraus zu kommen, mußte auch in Kalwang daran gedacht werden, den Kinobetrieb still zu legen. Um alle hoch angelaufenen Schulden bezahlen zu können, und Frau Brandl kein eigenes privates Vermögen besaß, gelangte sie in die Zwangslage, das Kino verkaufen zu müssen.

Es war aber trotz eifriger Bemühung kein Käufer für die Kinorealität zu finden. Daher beschloß Frau Brandl, das ganze Kinogebäude einschließlich des Kinosaales einfach zu sperren und unbenutzt stehen zu lassen, bis sich vielleicht ein Käufer findet. Es hätte damit in Kalwang keinen großen Saal mehr gegeben, um auch größere Veranstaltungen durchführen zu können.

Um dem zu entgehen, entschloß sich die Marktgemeinde Kalwang, das Kinogebäude mit der ganzen Einrichtung käuflich zu erwerben. Nach längeren Verhandlungen kam der Kauf zustande. Der Leobener öffentliche Notar Dr. Franz Niemetz stellte einen mit 15. 12. 1976 abgeschlossenen Kaufvertrag zwischen Frau Grete Brandl als Verkäuferin einerseits und der Marktgemeinde Kalwang andererseits auf. Darin willigte Frau Brandl ein, daß ihre Liegenschaft EZ. 186 KG Kalwang das Eigentumsrecht zugunsten der Marktgemeinde Kalwang einverleibt wird. Als Pauschalkaufpreis wurde ein Betrag von S 220.000,– vereinbart, welcher wie folgt aufgegliedert wurde:
a) für das unbebegliche Vermögen der Liegenschaft EZ 186: S 200.000,–
b) für die Fahrnisse S 20.000,–
(Laut Bilanz vom 31. 12. 1970 war aber das Kino-Anlagevermögen wie folgt festgehalten:
bebaute Grundstücke S 426.555,–
Maschinen und maschinelle Anlagen S 92.796,–
Betriebs- und Geschäftsausstattung S 97.550,–).
Weiters übernahm die Marktgemeinde in Verrechnung mit dem Kaufpreis die Kreditforderung der Sparkasse Leoben in der Höhe von S 71.088,–, sowie die Kreditforderung der Raiffeisenkasse Kalwang in der Höhe von S 28.000,– in ihr alleiniges Zahlungsversprechen.

Damit ging nicht nur die Liegenschaft, bestehend aus dem Grundstück 64/2 Baufläche Haus Nr 48, sondern auch das gesamte Inventar (die Vorführmaschinen, die Kinosessel usw.) in das Eigentum der Marktgemeinde Kalwang über. Die noch offenen Filmleihmieten in der Höhe von etwa S 50.000,– mußte Frau Brandl selbst aus ihrem nunmehrigen Verkaufserlös bezahlen. Durch die Betriebsstillegung und den Verkauf des Kinos erlosch auch für Frau Brandl die Filmvorführbefugnis, ebenso wurde die Konzession für das eingeschränkte Gast- und Schankgewerbe (Buffet) gelöscht.

Am 2. Jänner 1971 ging mit der Schlüsselübergabe die ganze Kinorealität in den Besitz der Marktgemeinde Kalwang über.

Schlußbemerkungen

Seit dem Jahre 1924, also durch 47 Jahre hindurch, bemühte sich das Kino, als richtiger und verantwortungsvoller Kulturträger in Kalwang tätig zu sein. Unzählige ausgezeichnete Kulturfilme und weltberühmte Spitzenfilme, aber auch fröhliches Unterhaltungstheater brachte es zur Aufführung und erfreute damit die Bevölkerung in ihrer Freizeit. Das Kino stellte aber auch gleichzeitig einen geselligen Treffpunkt dar, der nun sein Ende gefunden hatte, und dessen Schließung für die Freizeit eine gewisse Leere hinterließ. Mit großem Bedauern nahmen daher die Kalwanger das Ende ihres liebgewordenen Kinos zur Kenntnis.

Das neue Schulhaus 1912

Zum großartigen Ereignis für Kalwang gestaltete sich die Übergabe und Weihe des von Rudolf v. Gutmann neu erbauten, schönen Schulgebäudes am Sonntag, dem 22. September 1912. Die Grazer >>Tagespost<< vom 26.9.1912 berichtete darüber u. a.:
>>Ein Sonderzug brachte Veteranen, Feuerwehren und Korporationen des Bezirkes Mautern nach Kalwang. Vor der Kirche bildeten die Vereine und die Jugend von Kalwang, Mautern und Wald Spalier. Um 10 Uhr zelebrierte Abt Oswin aus Admont unter großer Assistenz ein feierliches Pontifikalamt. Bezirkshauptmann Freiherr von Doblhof war in Vertretung des Statthalters Grafen Clary und Aldrigen erschienen. Nach dem Amte fuhren Rudolf Ritter von Gutmann und seine Schwester Baronin von Erös mit ihren Gästen, unter denen sich u. a. auch die Bezirksschulinspektoren Lorber und Viktor Jabornik, Forstmeister Sprosec, sowie Dr. Mitter befanden, zum neuerbauten Schulhause, wo bereits die Schuljugend von Wald und Mautern, die Gesangsvereine Mautern und Kalwang, die herrschaftlichen Jäger, die Musik des Regimentes Nr. 7, Veteranen und Feuerwehren Aufstellung genommen hatten. Im Vestibül stand in einer schönen Pflanzengruppe die Kaiserbürste. Ritter v. Gutmann übergab hierauf das prächtige Gebäude der Gemeinde und schloß seine Rede, in der er auch sein Bedauern über das Nichterscheinen des Statthalters Ausdruck gab, mit einem Hoch auf den Kaiser. Hierauf begrüßte der Gemeindevorsteher (Simon Reitmaier) die Erschienenen und übernahm mit innigem Dank das schöne Werk des Gutsherrn. Der Bezirkshauptmann pries das prächtige Gebäude, das in seiner inneren und äußeren Ausstattung in Steiermark kein gleiches habe und nahm hierauf die Schlußsteinlegung vor. In schwungvoller Rede brachte nun Oberlehrer Englisch seinen Dank zum Ausdruck, für die schöne Stätte des Wirkens und für die schönen Wohnungen der Lehrerschaft. Abt Oswin verglich die Schule mit einem Garten, die Lehrer mit sorgsamen Gärtnern und nahm die Weihe vor. Der Männergesangsverein Mautern brachte unter Leitung des Oberlehres Moser den Chor >>Schäfers Sonntagslied<< und der Gesangverein Kalwang das Lied >>Mein Heimatland, mein Österreich<< zu Gehör.

Nach der Besichtigung des prächtigen Gebäudes wurde von den Schulkindern das Spiel >>Wanderung durch die Heimat<< sehr hübsch ausgeführt. Ein Teil der Herren fuhr hierauf zum Festessen in Schloß. Im Gasthause Reitmaier fand ein Bankett statt, an dem die Bezirksvertretung, der Bezirksschulrat, die Lehrerschaft, die Gemeindevertretung, Verwalter Krauß, der Stationsvorstand von Kalwang, Inspektor V. Jabornik u. a. teilnahmen. Die Vereine wurden in verschiedenen Gasthäusern bewirtet. Die Regimentsmusik und die beiden Gesangsvereine brachten hierauf im Schloß ein Ständchen.
In der Kirche wurde auf der neuen, ebenfalls von Rudolf von Gutmann gespendeten prächtigen Orgel (Orgelbauer Matthias Mauracher) vom Regenschori P. Viktorin Berger und den Admonter Sängerknaben ein auserlesenes Programm zu Gehör gebracht.<<

Das Schulgebäude zählt noch heute zu einem der schönsten im Land. Das alte, im Jahre 1896 erbaute Schulgebäude ging in den Besitz der Gutsherrschaft über und diente lange Jahre hindurch als Wohnung des Forstverwalters Ing. Schweinbach, bis es im Jahre 1938 zum Gemeindeamt wurde.
Eine Zusammenstellung aus dem Jahre 1912 macht noch folgende nähere Angaben über das neue Schulgebäude:

>>Über Veranlassung der k.k. Bezirkshauptmannschaft Leoben zusammengestellte Daten bezüglich des Neubaues des Schulhauses in Kalwang.<<

>>Das Kallwanger Volksschulegebäude entsprach in Anbetracht des bedeutenden Bevölkerungszuwachses im Laufe der Jahre 1904 – 1909 keineswegs den Anforderungen.
Es ergab sich infolgedessen bereits am 30. November 1909 die Notwendigkeit, einen Raum zum Zwecke der Unterrbringung einer Schulklasse im Dorfe zu mieten. Trotz der großen hygienischen und pädagogischen Bedenken musste mit dem einzigen in Betracht kommenden Raume in einem stallartigen Gebäude vorlieb genommen werden.
Dieses notdürftige Provisorium konnte jedoch keinesfalls für einen längeren Zeitraum genügen. Da andererseits die finanzielle Situation der Gemeinde den Bau einer neuen Schule und die damit verbundenen Großen Lasten schwerlich gestattet hätte, entschloß sich der Besitzer der Herrschaft Kallwang, Herr Rudolf Ritter von Gutmann, ein neues Schulhaus, welches den modernsten hygienischen und pädagogischen Anforderungen entsprechen sollte, zu erbauen und der Gemeinde zu schenken.
Als wesentliche Bedingung zu dieser Schenkung wurde der Gemeinde vorgeschrieben, den Baugrund bereitzustellen. Dank des Entgegenkommens der k.k. Reichsstraßenverwaltung und der Kallwanger Waldgenossenschaft gelang es dem Gemeindeausschuß, einen hervorragend geeigneten Platz zum Zwecke des Schulbaues auf Grund des Gemeindesitzungsbeschlusses vom 18. Oktober 1910 zu erwerben und zum Bau zur Verfügung zu stellen.

Zur Grundlage der vom Baumeister Gold in Leoben während des Winters 1910/11 ausgeführten Baupläne diente der vom Gutsherrn vorgeschlagene Grundriß, der wesentlich bezweckte, sämtliche Schulräume im Parterre des Gebäudes unterzubringen. Die Ausführung des Baues wurde dem Herrn Architekten und Baumeister Hans Frauneder, Bruck a./M. übertragen.
Am 22. Mai 1911 wurde mit dem Aushub begonnen, am 14. November 1911, nach erfolgter Unterdachbringung des Gebäudes, die vom Wetter besonders begünstigte erste Bauperiode beschlossen. Am 19. Mai 1912 wurde mit der endgültigen Fertigstellung des Gebäudes begonnen, derart, dass dasselbe am 15. August 1912 für die Aufnahme des Schulunterrichtes vollkommen bereitgestellt war.

Das Stiegenhaus ist derart dimensioniert, dass für den Fall einer nötigen Vergrößerung der Schule, durch den Aufbau eines Stockwerkes 6 weitere Schulräume im Ausmaße der Parterreklassenzimmer gewonnen werden können.
Die Schulräume wurden mit hygienischen Schulbänken System Rettig eingerichtet und erhielten den modernen Anforderungen entsprechende Schultafeln, Waschtische, etc.
Die elektrische Beleuchtung wurde in den Vorräumen, den Souterrainräumlichkeiten, im Turnsaal, welcher zugleich als Festsaal dienen wird, sowie in der Oberlehrerwohnung eingeführt.

Für Wasser ist durch entsprechende Wasserleitungen gesorgt; die Abwässer werden durch die von der Herrschaft erbaute Kanalisierungsanlage in die Liesing geleitet.<<

Der 1. Weltkrieg 1914 – 1918

Als am 28. Juni 1914 der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo ermordet wurde, fürhte dieses Attentat zum Ausbruch des ersten Weltkrieges (1914 – 1918).

Schon am 26. Juli dieses Jahres erfolgte die >>Mobilisierung<<, das heißt, ein Großteil der wehrpflichtigen Männer musste zur Kriegsdienstleistung einrücken. In Kalwang hatten etwa 270 Wehrpflichtige zu den Waffen zu eilen. Besonders bei der Kalwanger Gutsherrschaft, aber auch bei den Bauern, machte sich dadurch ein großer Mangel an Arbeitskräften bemerkbar. Bei Kriegsausbruch war die Begeisterung groß, doch der Kampf gegen Serbien, welchem Staate die Schuld an dem Attentate und damit der Kriegsausbruch angeleistet wurde, führte nicht zum gewünschten Erfolge. Rußland, Frankreich, England, Japan und das kleine Montenegro standen gegen Österreich-Ungarn und das mit ihm verbündete Deutsche Reich im Kampf.

Übermächtige russische Truppenverbände kamen sofort Serbien zu Hilfe und drangen in Galizien, das damals zu Österreich gehörte, ein. Es kam dort zu schweren Kämpfen, bei denen ganz besonders die steirischen Regimenter Verluste zu verzeichnen hatten. Es gelang den Russen, den größten Teil Galiziens zu erobern und die ganze Bukowina zu besetzen; auch die Bukowina gehörte damals zu Österreich.

Der Verlust der Bukowina hatte für Kalwang wichtige Ereignisse im Gefolge: Kalwang wurde Garnisonsort. Das 41. österreichische Infanterie-Regiment >>Erzherzog Eugen<<, dessen Standort in Czernowitz, der Hauptstadt der Bukowina, gewesen war, wurde zuerst nach Ungarn und von dort in die Steiermark verlegt. Eine Kompanie aus dem Ersatz-Bataillon dieses Regimentes kam am 6. Dezember 1914 nach Kalwang. Diese Kompanie umfaßte meist arme Bukowinaer Bauernsöhne, aber auch Juden und Huzulen mit roten Hosen und hohen Pelzmützen; die Huzulen ließen ihre Hemden über die Hosen heraushängen, was allgemein Verwunderung erregte. Mit ihnen kamen ebenfalls Flüchtlinge aus der Bukowina, die man gleich mitgenommen hatte, damit sie nicht von den eindringenden Russen gefangen und zum russischen Militärdienst gepreßt würden. Das verursachte in Kalwang genug Aufregung und Unruhe.
>>Im allgemeinen waren sie ruhige Leute, aber sehr unreinlich und diebisch. Die Unteroffiziere waren meist Juden, ebenso ein Teil der Offiziere. Es benahmen sich einige von ihnen sehr arrogant und grob gegen die Mannschaft, die sie fest prügelten. Zur Entschuldigung möge dienen, dass sie ohne den `Spanischen´mit der stupiden Mannschaft nichts hätten ausrichten können.<< So berichtet der damalige Ortspfarrer.

Der Bataillonsstab lag in Mautern, ebenso die Regimenstmusik. Major Schapira, ein Jude, führte das Kommando. 1)
Es kam in Kalwang gleich am 6. Dezember 1914 zu Einquartierungen; ebenso in der Schule, welche am 12. Dezember 1914 den Unterricht aus diesem Grunde einstellen musste. Die damaligen Kalwanger Lehrer, Hörl und Kunzmann, hatten bereits einrücken müssen. Die Schuleinrichtung wurde in die Reitschule geräumt und erst im November 1915 konnten die Schulräume wieder von den Kindern benützt werden.

Die Bukowinaer-Rekruten der in Kalwang einquartierten Kompanie besaßen noch keine Uniform und wurden erst nach und nach eingekleidet. Sie mussten fest exerzieren und wurden von zwei Hauptleuten fleißig gedrillt; der eine, Hauptmann Fröschl, war Jude, der andere, Hauptmann Hillart, eine Rumäne.

Am Weihnachtsabend 1914 fanden in den Kalwanger >>Reservespitälern<< (Krankenhaus und Schule) für die verwundeten Soldaten Weihnachtsfeier statt. Im Februar 1015 kam auch eine Rekonvaleszenten-Abteilung in unseren Ort, deren Kommando ein Kroate, der k.u.k. Major Wladimir Ritter Amchikus von Udbinagrad, inne hatte. 2)

Auch der Pfarrhof war schon im Jänner 1915 mit Militär belegt worden. Zu ebener Erd zogen in Zimmern und Küche, die geräumt werden mussten, 34 Mann ein; im Spätsommer wurden für sie Baracken errichtet. 3)

Kajetan von Scheuchenstuel, der letzte Kalwanger Hammergewerke dieses Geschlechtes, starb hier am 22. Juni 1915. Da er stark dem Trunke ergeben war, ging es mit seinem Besitze abwärts und ganz ärmlich schied er aus dem Leben.

Zum Geburtstage des Kaisers Franz Josef I. am 18. August 1915 fanden in Kalwang große Festveranstaltungen statt. Da unter den Soldaten und Verwundeten viele Angehörige der griechisch-orthodoxen Religion waren, wurde ein eigener orthodexer Feldkurat hierher versetzt. So kam es, dass zum Geburtstage des Kaisers in Kalwang neben den katholischen auch griechisch-orthodoxe Gottesdienste abgehalten wurden. Am Vorabende dieses Festes war das ganze Dorf festlich beleuchtet und ein Fackelzug wurde veranstaltet. Der Gesangsverein brachte zwei Chöre und das Kaiserlied zum Vortrage, und Gemeindevorsteher Gruber Otto hielt Festansprache. Auf der Kalwanger Schießstätte gab es ein Festschießen der Schützen. 4)

Nachdem schon früher serbische Kriegsgefangene (20 Mann) im Pfarrhof untergebracht worden waren und der Gemeinde zu landwirtschaftlichen Hilfeleistungen zur Verfügung standen, erhielt auch die Gutsherrschaft kriegsgefangene Russen zur Arbeit zugeteilt. Zum Teil wurden die Gefangenen im Gasthaus Pircher verpflegt.

Die in Mautern stationierten Regiments-Musi des 41. Infant.-Regimentes gab im Herbst 1915 im Gasthause Reitmaier in Kalwang manches Konzert. Im Jahre 1916 ließ der in Kalwang kommandierende Oberst Hrebetz aus Soldaten eine >>Schrammelmusik<< zusammenstellen, deren Leitung der Kalwanger Maurermeister Michael Lamminger übertragen erhielt. Jeden Mittwoch spielte diese Musik im Gasthaus Reitmaier auf: Militärpersonen spielten 1. und 2. Violine sowie Kontrabaß, der Sohm des Jägers Anton Gragl begleitete mit der Ziehharmonika und Lamminger blies die Klarinette. 5)

Nachdem die Bukowiner Kalwang verlassen hatten, traf im März 1916 ein Marschbataillon des k.u.k. Infanterie-Regiments Nr. 87 aus Cilli in Kalwang ein; es stand unter dem Kommando des Majors Weiß. Die Mannschaft bezog die Quartiere in den bereits bestehenden Baracken, die Offiziere nahmen Privatwohnungen in verschiedenen Gasthäusern des Ortes. Später übernahm Major Kocir das Bataillons-Kommando. Er wohnte beim Fleischhauer Valsold. Die Soldaten waren der Nationalität nach Deutsche, Slowenen und auch >>Welsche<< aus dem Küstenlande.

1916 machte sich aber schon sehr stark ein Mangel an allen Lebensnotwendigkeiten bemerkbar; vor allem fehlte es an Lebensmitteln. Es gab Zeiten, in denen man oft eine ganze Woche hindurch weder Mehl noch Brot erhielt. Auch die Preise aller Waren stiegen rasch, so dass die Bevölkerung kaum mehr in der Lage war, sich lebenswichtige Dinge kaufen zu können. Die Vieh- und Fleischpreise hatten sich verdoppelt. Obwohl die Lebensmittel rationiert waren, bekam man oft auch auf Lebensmittelkarten nichts mehr. Die Ernte des Jahres 1916 fiel infolge ungünstiger Wetterbedingungen sehr schlecht aus, was zu einer weiteren Verschlechterung der Versorgungslage in unserem Gebiete führte.

Am 2. Juni 1916 starb der damals älteste Mann der Gemeinde Kalwang, Philipp Achhammer, im Alter von 92 Jahren. Er war der letzte Bergknappe des im Jahre 1867 gänzlich aufgelassenen Kupferbergbaues in der Teichen. Achhammer war auch >>Radetzky-Veteran<< und hatte sich im Feldzug gegen Italien im Jahre 1859 ausgezeichnet und die silberne Tapferkeitsmedaille erworben. Das hiesige Militärkommando stellte ein Ehrengeleit zur Verfügung und eine Abteilung militärischer Bergknappen aus dem wieder eröffneten Bergwerk in der Teichen nahm ebenfalls am Leichbegängnis teil. 6)

Die Kriegsindustrie brauchte Messing, Kupfer, Bronze und Zinn in großen Mengen, daher musste zur Kriegsmetallsammlung am 28. Juli 1916 sämtliches Kupfer, Messing und Zinn abgeliefert werden; sogar die Wasserschiffe in den Küchen mussten daran glauben, aber auch Metalluster, Branntweinkessel und die Zinndeckel der Bierkrüge wurden eingesammelt. Die Pfarre lieferte zwei Pauken der Sebastianikirche ab; sie musste ebenso 2/3 des Gewichtes der Kirchenglocken abgeben. Am 3. Oktober 1916 erschienen Soldaten und nahmen in der Sebastiani-Kirche die größte und die kleinste Glocke, im Turm der Pfarrkirche die mittlere und das >>Zügenglöcklein<< ab. Die Glocke der Sebastiani-Kirche war im Jahre 1728 gegossen worden, die kleine dürfte jedoch weit älter gewesen sein. Im Pfarrkirchenturm wurde die zweitgrößte Glocke, die sogenannte >>Elferin<<, abgenommen. Sie war im Jahre 1767 von Martin Feltl gegossen worden; das >>Zügenglöcklein<< stammte aus dem Jahre 1740. Im September 1917 wurde auch die dritte Glocke der Pfarrkirche heruntergenommen und abgeliefert. 7) Die Schichtglocke des Pischinger Sägewerkes musste ebenfalls abgeliefert werden.

Am 21. November 1916 verstarb Österreichs alter Kaiser Franz Josef I. In Kalwang läuteten nach Erhalt der Todesnachricht eine Stunde lang alle Kirchenglocken. Die Kirche, der Pfarrhof, sowie die übrigen Gebäude des Ortes waren schwarz beflaggt, und Trauergottesdienste versammelten die Ortsbewohner und das Militär. Der Großneffe des verstorbenen alten Kaisers folgte ihm als Karl I. auf den österreichischen Thron und übernahm damit den Oberbefehl über alle österreichisch-ungarischen Heere.

Auch neues Militär kam im November 1916 wieder nach Kalwang; eine Rekonvaleszenten-Abteilung des 17. Infanterie-Regimentes. In diesem Jahre erhielt die Kalwanger Pfarrkirche durch das Elektrizitätswerk Klarmann eine elektrische Beleuchtung. – Im Winter 1916/17 machte sich der Mangel an Heizmaterial auch in unserem Ort besonders arg bemerkbar. Aus diesem Grund musste im Februar 1917 der hiesige Schulbetrieb ein Monat lang eingestellt werden.

Zu Pfingsten 1917 gab es im Pircher-Saal wieder ein gut besuchtes Militärkonzert, bei welchem sich nach damaligen Berichten der Mangel an Bier besonders arg bemerkbar machte; die Bierversorgung war ja ebenfalls immer schlechter geworden. Jeder Wirt bekam monatlich 1 Faß Bier und 1 Kiste Flaschenbier zugewiesen. – 1917 gab es pro Kopf und Woche allein mehr 25 dkg Mehl und ein kleines Laibchen Brot. Ebenso schlimm machte sich der Mangel an Fett fühlbar. Nicht minder schlecht war es mit dem Zucker bestellt. An Fleisch gab es für zwei Tage je Person 10 dkg. 8)

Da die Ernährungslage in den Städten aber noch schlechter war, hatten über die Ferienzeit einige Besitzer in Kalwang Kinder aus Graz zur Erholung aufgenommen; so Schober, vlg. Weinkräutl; Fahrsbacher, vlg. Hirsl in Reith; Glück, vlg. Schwagerbauer; Hinterer, Josef Hanf und Simon Reitmaier.

Sattlermeister Carl Größing d. Ä., langjähriges Mitglied des Kalwanger Gemeinderates, wurde am 11. September 1917 hier beerdigt.

Einige Aufregung gab es in Kalwang, als am 20. September 1917 der junge österreichische Kaiser Karl I. mit einem >>Automobil<< durch Kalwang fuhr. 9)

Im Sommer 1917 kam es durch Maurermeister Michael Lamminger zur Gründung der Kalwanger Orts-Musikkapelle, die heute noch besteht. Am 13. Jänner 1918 fand im Pircher-Saal das erste Konzert der neuen Ortsmusik statt, welches großen Beifall erziehlte.

Die Ernährungslage hatte sich im Jahre 1918 noch verschlechtert. Besonders Fleisch war kaum zu bekommen. Das Anstellen beim Fleischhauer dauerte fast schon so lange wie in den Städten; man musste oft bis zu 2 bis 3 Stunden warten, bis man ein kleines Stückchen Fleisch bekam. Für die Arbeiter und Angestellten der Gutsherrschaft und für recht arme bedürftige Leute wurde im Mai 1918 im alten >>Hans-Pircher-Haus<< eine >>Kriegsküche<< eingerichtet, deren Kosten von der Gutsherrschaft bestritten wurden. Der Kalwanger Gutsherr hatte darüber hinaus schon seit November 1916 monatlich 4.000 Kronen an die Armen von Kalwang und Wald durch die Pfarrämter verteilen lassen. Das alles erwies sich für diese schwere Kriegszeit als eine überaus große Wohltat, denn die Speisen der >>Kriegerküche<< wurden auch gratis verabreicht; man erhielt mit den Lebensmittelkarten ja nur 1/8 kg Mehl pro Kopf und ¼ Laib Brot, sowie 1/8 l Milch je Tag. 10)

Die Rekonvaleszenten-Abteilung des 17. Inf. Regimentes verließ im Juli 1918 Kalwang. Am 7. Juli 1918 wurden als Ersatz für die abgelieferten Metall-Glocken mit einer Feier die bei Böhler & Co. für die Ortskirche bestellten Stahl-Glocken geweiht und aufgezogen. Zufolge einer Erkrankung des Pfarrers P. Rupert Traschwander kam P. Erenbert Haidinger vom September bis November 1918 als Aushelfer vom Stift Admont nach Kalwang. 11)

Im Herbst 1918 nahm die allgemeine Kriegsmüdigkeit zu. Die Not an Lebensmitteln war bereits ins Unerträgliche gestiegen. Die Hungerblockade der Feindmächte fing an, sich furchtbar auszuwirken. Es gab oft nur mehr 1 kg Erdäpfel für die Woche, und viele Leute hatten sonst nichts mehr zu essen. Als in Judenburg das slowenische 17. Infanterie-Regiment meuterte, bemächtigte sich auch der in Kalwang verbliebenen Einheit dieses Regimetes große Unruhe. Schon im September 1918 schloß Bulgarien, das bisher mit Österreich-Ungarn und mit Deutschland verbündet war, mit unseren Gegnern einen Friedensvertrag; dasselbe tat auch die ebenfalls mit uns verbündete Türkei. Die 14 Punkte, die der amerikanische Präsident Wilson als Grundlage eines kommenden Friedens verkündigt hatte, die einen Frieden ohne Kriegsentschädigung auf Grund des Selbstbestimmungsrechtes der Völker versprachen, förderten die Kriegsmüdigkeit. Kaiser Karl I. von Österreich gab ein Manifest an die Völker seiner Monarchie heraus, in dem er diesen autonome Rechte zugestand, konnte aber damit den Zusammenbruch der österreich-ungarischen Monarchie nicht mehr aufhalten. Die Tschechen, Ungarn und Italiener verließen fluchtartig ihre Einheiten und ließen die übrigen österreichischen Truppen im Stich; das führte zum Zusammenbruch und zur Auflösung der Monarchie.

Am 4. November 1918 wurde aus Anlaß des Namenfestes des österreichischen Kaisers nochmals zum letzten Mal in der Kalwanger Pfarrkirche ein >>Kaiseramt<< gehalten, aber die >>Kaiserhymne<< wurde dabei nicht mehr gesungen. Die Teilnahme der Kalwanger an diesem Gottesdienst war sehr gering. Die alte Monarchie lag bereits im Sterben. 12) Am 11. November 1918 dankte Kaiser Karl ab, sein Reich zerfiel. Aus den noch verbliebenen Teilen der Monarchie wurde am 12. November 1918 in Wien die Republik >>Deutsch-Österreich<< gegründet. Das Militär, welches in Kalwang gelegen war, hatte schon längst unseren Ort verlassen.

Mit 1. Jänner 1919 legte Otto Gruber seine Gemeindevorsteherstelle zurück. Johann Klarmann d. Ä., der durch 20 Jahre hindurch die Stelle eines Gemeindesekretärs innegehabt hatte, gab dieses Amt ebenfalls mit 1. Jänner 1919 auf. Zu seinem Nachfolger wurde Karl Jäger bestellt.

Da die Zeiten nach dem Kriegsende sehr unruhig und unsicher waren, bildete sich wie in vielen Orten des kleinen Staates Deutsch-Österrich auch in Kalwang eine Dorfwehr, die, mit Gewehren und Bajonetten ausgerüstet, für Ordnung sorgte. Sie bestand aus ungefähr 20 Mann, die abwechselnd Tag und Nacht vom Hinterer bis zur Dorffgrenze gegen Mautern patroullierten. 13)

Das Kalwanger Krankenhaus

Im Jahre 1912 begann Rudolf Ritter von Gutmann für seine Arbeiter und Angestellten eine eigenes Krankenhaus zu bauen, welches dann am 2. Juni 1914 feierlich eröffnet wurde. Die kirchliche Weihe nahm der Admonter Abt Oswin Schlamadinger vor. Dr. Richard Mitter, der hier seit Mai 1910 schon als Gemeindearzt tätig war, übernahm die Leitung des Spitals. Die Schwestern vom hlst. Herzen Jesu besorgten den Pflegedienst.

Nach dem Beginn des ersten Weltkrieges (1914 – 1918) waren verwundete Soldaten die ersten Patienten dieses Krankenhauses. Bei der Weihe desselben hatte wohl niemand daran gedacht, dass es gerade Kriegsverwundete sein würden, die in diesem Spital Heilung suchen könnten. Schon im Oktober 1914 lagen etwa 37 auf dem galizischen Kriegsschauplatz im Kalwanger Spital. Dr. Mitter fand bei ärztlichen Betreuung der Patienten Unterstützung durch Univ.-Dozent Dr. Saxl, der den orthopädischen Teil der Krankenversorgung übernommen hatte. Im Februar 1915 wurde Kalwang zum Rekonvaleszenten-Zentrum erklärt und bald darauf begann man, die orthopädische Abteilung auszugestalten, deren ärztlicher Leiter Univ.-Dozent Dr. Saxl aus Wien blieb. Zum militärischen Kommandanten wurde k.u.k. Oberstleutnant Krammer bestellt, der mit seiner Frau in Kalwang eine Wohnung nahm. Es wurden auch Maseure hierher berufen, und teils im Volksschulgebäude, teils im Gasthause Pircher Operationszimmer eingerichtet und für die Anfertigung von Prothesen Werkstätten hergerichtet. Das Kalwanger Spital konnte nicht mehr alle Verwundete aufnehmen, daher musste auch die Schule herangezogen werden. Doch schon im Jahre 1916 erfolgte die Verlegung der orthopädischen Anstalt nach Frankstadt in Mähren. Dr. Mitter blieb weiterhin Leiter des mit Verwundeten belegten Kalwanger Krankenhauses. 1)

Am 27. Jänner 1918 schied Dr. Mitter aus dem Leben. Es war Distriktsarzt und Leiter des Kalwanger Krankenhauses, sowie Linienschiffsarzt in Reserve gewesen und hatte sich große Verdienste um den Ort erworben.

Dr. Fugger, welcher im Jahre 1919 als Distriktsarzt nach Kalwang gekommen war, übernahm auch die Leitung des hiesigen Spitals, welche er bis zum Jahre 1929 inne hatte.

1929 pachtete die Landwirtschafts-Krankenkasse des Gutmann´sche Krankenhaus und mit 1. Mai 1929 wurde Dr. Helmut Lederer zu dessen Leiter bestellt. Nachdem die Landewirtschafts-Krankenkasse das Spital im November 1931 käuflich erworben hatte, wurde es in ein richtiges Unfall-Krankenhaus umgestaltet; die Bettenanzahl wurde erhöht und eine moderne Röntgenanlage geschaffen. Im selben Jahre erwarb die Krankenkasse auch das >>Doktorhaus<<, welches ebenfalls von Rud. v. Gutmann erbaut worden war.

Nach der gesetzlichen Neuregelung der Unfallversicherung in der Land- und Forstwirtschaft im Jahre 1948 kam das Unfallkrankenhaus in den Besitz der Land- und Forstwirtschaftlichen Sozialversicherung. Im Jahre darauf erhielt das Spital eine eigene Wasserleitungsanlage. Am 24. Oktober 1953 konnte ein Zubau sowie der neu aufgestockte Teil des Altbaues eröffnet werden.

Im Jahre 1962 war der Neubau eines Personalhauses zum Krankenhaus vollendet, in welchem die Verwaltungsräume und Personalzimmer untergebracht waren. Eine zentrale Heinzungsanlage war installiert worden. Im Krankenhaus erfolgte eine Erweiterung der Bettenanzahl auf 70 Patientenbetten; ein neuer Operationssaal und eine neue Röntgen- und Sterilisationsanlage konnte in Betrieb genommen werden. Diese Neubauten und Neueinrichtungen waren wegen der ständig steigenden Zahl der Unfallbehandelten notwendig geworden und kosteten 7 Millionen Schillinge. Mit der Eröffnungsfeier dieser Neuanlagen verband man gleichzeitig das 50jährige Bestehen des Krankenhauses. Landeshauptmann Josef Krainer war in Vertretung des Bundeskanzlers Dr. Gorbach am 12. Mai 1962 zu dieser Eröffnungsfeier gekommen und Abt Koloman Holzinger hielt in der Hauskapelle des Spitals einen Festgottesdienst.

Von 1929 bis 1962 wurden im Kalwanger Unfall-Krankenhaus 34.000 Fälle stationär und 45.000 ambulant behandelt. In das Krankenhaus wurden nicht nur, wie in den Anfängen, die Opfer von landwirtschaftlichen Arbeitsunfällen, sondern auch die der zahlreichen Verkehrsunfälle auf den Straßen des Enns-, Palten- und Liesingtales, insbesondere auch der gefürchteten >>Gastarbeiterstrecke<< sowie die Opfer der Schiunfälle eingeliefert. 2)
Im November 1962 wurde hinter dem Personalhaus des Spitals ein Hubschrauber-Landesplatz errichtet.

Obermedizinalrat Dr. Hemllut Lederer, welcher seit dem Jahre 1929 Leiter des Kalwanger Unfallkrankenhauses war, ging mit 1. Mai 1966 in Pension. In seiner 37jährigen Tätigkeit als Primararzt in Kalwang standen weit über 40.000 Patienten in stationärer Pflege seines Krankenhauses, dessen Entwicklung zu einem modernen Unfallspital – es ist das drittälteste in Österreich – sein Verdienst ist. Als ausgezeichneter Unfallchirug und Orthopäde gelang es ihm, schon im Jahre 1958 die Anerkennung des Unfallkrankenhauses als Ausbildungsstätte für das Fachgebiet Unfallchirugie beim Ministerium für soziale Verwaltung zu erreichen. Der hervorragende Ruf, dessen sich das Kalwanger Krankenhaus im ganzen Lande erfreut, ist unzertrennlich mit dem Namen >>Primar Dr. Lederer<< verbunden. Dr. Hellmut Lederer starb am 8. November 1976 und wurde unter großer Teilnahme weitester Bevölkerungskreise in Kalwang zu Grabe getragen.

Am 2. November 1900 zu Graz geboren, hatte Hellmut Lederer am 19. Jänner 1924 zum Doktor der gesamten Heilkunde an der Karl-Franzens-Universität in Graz promoviert. Nach der turnusmäßigen Ausbildung am Krankenhaus in Voitsberg und am Landeskrankenhaus in Graz (1925 – 1928) hatte Dr. Lederer die engere Fachausbildung in Unfallchirugie und Orthopädie als Assistent bei Prof. Dr. Arnold Wittek im Unfallkrankenhaus Graz erhalten. Im Unfallkrankenhaus Wien lernte er die Behandlungsmethoden des Prof. Dr. Lorenz Böhler eingehend kennen und wandte dieselben in der Folgezeit mit Erfolg an. Dr. Lederer gehörte mehreren wissenschaftlichen Vereinigungen und Gesellschaften von Ärzten an und veröffentliche zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten in verschiedenen medizinischen Zeitschriften. 1957 wurde ihm vom Bundespräsidenten der Berufstitel Medinzinalrat und 1963 der Titel Obermedizinalrat verliehen. Die Marktgemeinde Kalwang verlieh ihm 1965 das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde, und die Landeskammer für Land- und Forstwirtschaft zeichnete ihn 1966 mit ihrer silbernen Medaille aus.

Am 15. März 1966 wurde Dr. Hans Krotscheck von der Land- und Forstwirtschaftlichen Sozialversicherungsanstalt zum Primarius des Unfallkrankenhauses Kalwang bestellt.
Primarius Dr. Krotscheck promovierte 1948 an der Universität Wien zum Doktor der gesamten Heilkunde. Nach einem halben Jahr am Pathologisch-Anatomischen Institut der Universität Wien unter Prof. H. Chiari begann er am 10.3.1949 seine unfallchirurgische Ausbildung bei Prof. Lorenz Böhler, dem Begründer der modernen Unfallchirugie, im Unfallkrankenhaus Wien, Webergasse. Eine zweijährige Ausbildung in Allgemeinchirurgie machte er im Hanuschkrankenhaus bei Prim. Dr. Stritzko. 1953 wurde er Assistent bei Prof. L. Böhler, im Jänner 1956 ging er als Oberarzt in das neu errichtete Unfallkrankenhaus Wien/Meidling unter Prof. Dr. O. Russe, wo er bis zu seiner Bestellung zum Primarius in Kalwang blieb. Während seiner Tätigkeit war er mehrfach zu Studienaufenthalten in Deutschland, in der Schweiz und in den USA. Seine wissenschaftliche Arbeit umfaßt bisher 35 Publikationen und Vorträge, und außerdem ist er gemeinsam mit Prim. Dr. J. Ender Verfasser eines Buches über die Handchirurgie. Prim. Krotscheck ist im Vorstand der Österr. Gesellschaft für Unfallchirurgie, er ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie, der wissenschaftlichen Gesellschaft der Ärzte in der Steiermark und der Österr. Gesellschaft für Chirurgie und für Orthopädie.

Entsprechend der 29. Novelle zum A. S. V. G. wurde die Land- und Forstwirtschaftliche Sozialversicherungsanstalt aufgelöst und das Unfallkrankenhaus Kalwang ging am 1.1.1974 in den Besitz der Sozialversicherungsanstalt der Bauern über.

Seit 1966 hat die Inanspruchnahme des Krankenhauses ständig weiter zugenommen. 1977 wurden 2.269 Patienten stationär aufgenommen, 7.561 neue Patienten wurden ambulant behandelt. Um der zunehmenden Inanspruchnahme des Krankenhauses und der Weiterentwicklung der Traumatologie gerecht zu werden, wurden seit 1966 vom jeweiligen Kostenträger beträchtliche Investitionen getätigt. Die wesentlichsten waren die Errichtung einer Müllverbrennungsanlage, der Anbau eines Ambulanztraktes und eine Septischen Operationseinheit, der Bau einer Garage, die vollständige Erneuerung der Zentralheizung und Warmwasserbereitung und der Erwerb und Ausbau eines Ärztewohnhauses.
Für Neubauten und Adaptierungen wurden 6,500.000,– aufgewendet, für medizinische Einrichtungen, Geräte und Apparate wurden außerdem in dieser Zeit 5,000.000,– investiert.
Derzeit sind im Krankenhaus 86 Personen beschäftigt, davon 6 Fachärzte, und 4 Ärzte stehen in Ausbildung zum Unfallchirurgen.

Stationäre Neuaufnahmen: Ambulante Neuzugänge:

1.961 1.566 3.931
1.967 1.756 5.429
1.971 2.023 6.667
1.977 2.220 7.561

Die Erweiterung unseres Krankenhauses durch ein Rehabilitationszentrum für alle Versicherten der Sozialversicherungsanstalt der Bauern in Österreich ist in Planung.

Die Überschwemmung 1921

In der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli 1921 verursachte ein riesiges Unwetter mit starkem Wolkenbruch, welches in der Teichen und in der Melling niederging, eine arge Überschwemmung. Die Wassermassen brachten aus der Teichen Holz und große Steine mit. In wenigen Minuten waren die Wehren zerrissen und Brücken zerstört. Beim Klarmann-Fluder wurde die Wehr zu spät aufgezogen, die Holzmassen stauten sich bei der Friedlsäge, bei der Klarmann-Wehr, und so ergossen sich die Wasserfluten über die Dorfstraßen und drangen in die Häuser des Ortes ein, verschlammten und vermurten alles. Überaus schwer betroffen davon wurden das Gasthaus Pircher und das Gasthaus Klarmann, dessen Elektrizitätswerk so schwere Beschädigungen erlitt, dass fas einen Monat lang die Elektrizitätsversorgung des Ortes nicht recht funktionierte. Auch das >>Zaglauerhaus<< (Friseur Nendwich) und die ganze Häuserzeile bis zum Pfarrhof wurde ebenfalls schwer in Mitleidenschaft gezogen. Der Teichenbach kam wie ein mächtiger Fluß auf der Ortsstraße daher. Im unteren Ort hatten besonders der Seilermeister Plachy und das Gasthaus Ehweiner darunter schwer zu leiden. Gendarmerie, Feuerwehr und die Arbeiter der Gutsherrschaft beteiligten sich aufopfernd am Rettungswerk. Diese Arbeiten wurden, da das Hochwasser ja in der Nacht kam, durch den Ausfall des elektrischen Lichtes ganz besonders erschwert. Bis in den Morgen hinein dauerten die Sicherungsarbeiten. Der angerichtete Schaden war sehr groß; zum Glück war kein Menschenleben zu beklagen. Am 2. Juli 1921 besichtigte der Landeshauptmann die Hochwasserschäden in unserem Orte und versprach Landeshilfe. Es wurden 20 Pioniere eingesetzt, welche mit Unterstützung der herrschaftlichen Arbeiter die überschwemmten Häuser und Schlamm befreiten, die unbrauchbar gewordenen Ortsstraßen wieder befahrbar machten und die zerstörten Brücken instandsetzten. Auch der Gemeindeweg in die Teichen war gänzlich zerstört und unbefahrbar geworden. Die Wiederherstellungskosten wurden auf 20 Millionen Kronen geschätzt. 20 % davon hätte die Gemeinde zu bezahlen gehabt, doch übernahm die Gutsherrschaft diese Kosten. 1)

Die Jahre 1919 – 1929

Viele Kalwanger Soldaten kehrten heim, doch sehr groß war die Zahl derer, die in russischer oder italienischer Kriegsgefangenschaft verbleiben mussten; sie konnten noch lange nicht heim kommen. Erst allmählich fing das Leben wieder an, normal zu werden; doch die Versorgung mit den wichtigsten Lebensmitteln lag auch im Jahre 1919 noch sehr im argen.

Für den neu zu wählenden deutsch-österreichischen Nationalrat wurden Wahlen ausgschrieben, und schon anfangs 1919 setzte die Wahlwerbung der Parteien ein. In Kalwang warben der Gastwirt Anton Schachenreiter und der Bahnbedienstete Wenzel Michetschläger für die Sozialdemokratische Partei, während der Bahnwächter Peter Sigmund für die Christlichsoziale Partei eintrat. Zahlreiche stürmische Wählerversammlungen wurden abgehalten, doch ging die Wahl selbst in Kalwang ganz ruhig vor sich. Die Sozialdemokraten erhielten dabei in Kalwang 235 Stimmen, während auf die Christlichsozialen 203 Stimmen entfielen. 1)

Im Mai 1919 traf man auch die ersten Vorbereitungen für die Wahl eines neuen Gemeinderates in Kalwang. Am 27. Juli 1919 fand dann diese Wahl statt; dabei erhielt die Wirtschaftspartei (Christlichsoziale, Bauernbündler und Deutschnationale) 342 Stimmen und die Sozialdemokraten 255 Stimmen. Auf die Wirtschaftspartei entfielen 7 und auf die Sozialdemokraten 5 Mandate. Gewählt wurden für die Wirtschaftspartei: Sebastian Schober, vlg. Weinkräutl; Fridolin Zeilinger, Kaufmann; Karl Hinterer, Grundbesitzer; Peter Sigmund, Eisenbahner; Matthias Ehweiner, Gastwirt; Carl Sprosec, Forstmeister; Franz Stocker, Grundbesitzer; und für die Sozialdemokraten: Anton Schachenreiter, Gastwirt; Wenzel Michetschläger, Eisenbahner; Thomas Teggan, Platzmeister; Peter Reitmann, Forstarbeiter; Vinzenz Kohrgruber, Maschinenwärter. Bei der am 11. August 1919 erfolgten Bürgermeisterwahl wurde Kaufmann Josef Hanf zum Bürgermeister, Peter Sigmund und Anton Schachenreiter zu seinen Stellvertretern gewählt. 1)
Im August 1919 erfolgte eine Neunummerierung sämtlicher Objekte in Kalwang. Am Nachmittag des 11. August 1919 brach aus der Teichen ein schreckliches Unwetter mit wolkenbruchartigem Orkan hervor. Dabei ereignete sich ein schweres Unglück. Der auf der Heimkehr von der Heuarbeit begriffene Maschinist der elektrischen Zentrale in der Teichen, Josef Busch, wurde in deren Nähe von einem stürzenden Baum erschlagen.

Die Vertreter Deutschösterreichs mussten am 10. September 1919 das Friedensdiktat der Siegerstaaten in St. Germain (Frankreich) unterzeichnen. Dabei hatten sie zur Kenntnis zu nehmen, dass der am 12. November 1918 von der österreichischen Nationalversammlung einstimmig beschlossene Zusammenschluß mit dem Deutschen Reich verboten wird und dass auch die Führung des Namens >>Deutsch-Österreich<< untersagt ist. Unser Land durfte fortan nur mehr die Beziehung >>Republik Österreich<< führen.

Zufolge Kohlenmangels musste im Oktober 1919 der Personenzugsverkehr eingestellt werden. Die Maul- und Klauenseuche setzte dem Vieh arg zu und führte zu einem starken Mangel an Milch. Vom 24. Dezember 1919 bis zum 2. Jänner 1920 war der Zugsverkehr wieder ganz eingestellt. Durch alle diese Schwierigkeiten wurde die Ernährungslage ganz trostlos. Zur schlechten Versorgungslage kam im Jahre 1920 noch ein arges Ansteigen aller Preise und damit ein beginnender Verfall der Kronenwährung dazu. Ein Paar Schuhe, wenn man überhaupt bekam, kostete schon bis zu 1000 Kronen. Außerdem wütete die >>Spanische Grippe<< auch in Kalwang und fand unter der unterernährten Bevölkerung zahlreiche Opfer. Im Juli 1920 starben darüber hinaus noch 20 Ortseinwohner an einer Ruhrepidemie; es war so arg, dass für Kalwang eine Zivil-Krankenschwester eingestellt werden musste, um alle Kranken des Ortes versorgen zu können.

Am 17. Oktober 1920 musste neuerlich ein Nationalrat und gleichzeitig auch der steirische Landtag gewählt werden. Das Ergebnis in Kalwang:
Sozialdemokraten 245, Christlichsoziale 207, Großdeutsche 145, Bauernbund 27, Panz-Partei 7 und Nationalsozialisten 8 Stimmen.

Im Sommer 1921 ging Oberlehrer Hans Englisch in Pension. Er blieb aber weiterhin in Kalwang, wo er am 3.8.1929 starb. Oberlehrer Englisch wirkte durch 17 Jahre als Oberlehrer an der Volksschule in Kalwang und hatte sich auch im Vereinsleben des Ortes (MGV) große Verdienste erworben. Bis zu seinem Tode betätigte er sich als Leiter des Kirchenchores. Er wurde am 6.8.1929 unter großer Beteiligung in Kalwang beerdigt. Der Männergesangsverein sang seinem ehemaligen Chormeister die Trauergesänge.

Das Jahr 1921 war durch den raschen Verfall der Kronenwährung besonders gekennzeichnet, welcher eine neuerliche Treuerungswelle mit sich brachte. Auch bei der Kalwanger Gutsherrschaft versiegten nach dem Ende des ersten Weltkrieges die ehemals reichen Geldquellen aus dem Wittkowitzer Kohlengebiet, welches nun zur Tschechoslowakei gehörte. Gutmann war daher genötigt, die für die Erhaltung seines Kalwanger Betriebes nötigen Mittel aus diesem selbst heraus zu holen. Er wurde von einem rein jagdlich ausgerichteten Betrieb auf eine intensive Waldwirtschaft umgestellt. Aus Sparsamkeitsgründen musste auch die Herrschaft erstmals mehrere Arbeiter entlassen.

Am 1. Februar 1922 trat Josef Stradner, aus Kraubath kommend, seinen Dienst als Oberlehrer an der Volksschule Kalwang an.

Ein zündender Blitz setzte am 31. August 1922 das Haus des Seilermeisters Plachy in Brand. Es bestand äußerste Gefahr für alle Nachbarhäuser; doch gelang es dem vereinten Bemühen der Orts- und der Gutsfeuerwehr, das Feuer bald unter Kontrolle zu bringen und die Brandgefahr zu bannen.

1923 nahm der Währungsverfall der Krone weiter zu und die Warenpreise stiegen; so kostete 1 l Milch 1.000 – 1.400 Kronen, 1 kg Mehl 9.000 Kronen, 1 kg Fleisch 12.000 – 14.000 Kronen, 1 kg Schweinefleisch 36.000 Kronen. Diese ungeheure Teuerung wurde besonders durch den Abbau der bisher bestandenen Staatszuschüsse zu den Lebensmitteln verursacht. 1)

Der damalige österreichische Bundeskanzler, Prälat Dr. Ignaz Seipel, kam am 1. August 1923 zur Erholung nach Kalwang. Er wohnte bei den geistlichen Schwestern des Spitals und las täglich eine Messe in der Spitalskirche. Am 15. August sprach Dr. Seipel in der Kalwanger Reitschule in einer großen Versammlung, zu welcher Besucher aus dem Liesing- und Paltental in großer Zahl gekommen waren.

Die am 21. Oktober 1923 durchgeführten Wahlen zum Nationalrat und zum steirischen Landtag brachten in Kalwang folgendes Ergebnis:
Solzialdemokraten 394
Christlichsoziale 254
Großdeutsche 119
Bauernbund 26

Am 21. Oktober 1923 wurde die neue, elektrische installierte Kunstmühle Karl Kaiblingers eröffnet.

Dem Sebastian Schober, vlg. Weinkräutl, welcher durch 30 Jahre hindurch im Gemeinderat des Ortes erfolgreich tätig war, wurde im Jänner 1924 das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde zuerkannt. 2)

Bei der am 25. Mai 1924 stattgefundenen Gemeinderatswahl wurden folgende Gemeinderäte gewählt: Simon Reitmaier, Matthias Ehweiner, Peter Sigmund, Leopold Winter, Ing. Carl Sprosec, Hans Klarmann, Matthias Hutter, P. Rupert Traschwander, Ferdinand Steiner und Karl Hanf. Am 14. Juni 1924 erfolgte die Wahl Simon Reitmaiers zum Bürgermeister, welcher damit Josef Hanf ablöste.

Der Ortspfarrer P. Rupert Traschwander starb am 26. März 1925 und wurde in Kalwang begraben. Für ihn kam P. Erenbert Haidinger als Pfarrprovisor nach Kalwang.

Der Kalwanger Vizebürgermeister Peter Sigmund wurde 1925 als Abgeordneter in den steirischen Landtag gewählt.

Das Jahr 1925 brachte nach einem vollständigen Währungsverfall das Ende der Kronenwährung; die neue Geldwährung in Österreich wurde 1 Schilling zu 100 Groschen. 10.000 Kronen ergaben 1 Schilling!

Zu Weihnachten 1925 wurde im Saal des Gasthauses Pircher der Betrieb eines Kinos eröffnet. Mit dem Ende des Jahres 1970 musste dieses Kino seinen Betrieb einstellen, da durch die Errichtung eines Fernsehsenders am Stellerberg der Kinobesuch so stark zurück ging, dass eine Weiterführung des Kinos nicht mehr gedacht werden konnten. Die ganze Kinorealität, welche zuletzt Frau Grete Brandl gehörte, wurde an die Gemeinde Kalwang verkauft.

Am 27. April 1927 brachten die Wahlen zum Nationalrat und zum steirischen Landtag in Kalwang folgendes Ergebnis:

Sozialdemokraten 383 Udeverband 3
Einheitsliste 401 Völkisch-soziale Liste 41
Landbund 65 Kommunistsen 6

Die Christlichsozialen und die Großdeutschen bildeten die Einheitsliste. 1)

Am 12. Juni 1927 fand in Kalwang die Gründungsliedertafel eines >>Arbeiter-Gesangvereines<< statt. Dieser Verein bestand einige Zeit, ging jedoch später im Kalwanger Männergesangverein auf.

Zufolge des schlechten Ertrages, der immer mehr abnahm, sah sich der Bergbau in der Teichen im Juni 1927 gezwungen, Bergknappen abzubauen.

Am 18. Oktober 1927 starb der Gastwirt Johann Klarmann d. Ä. Er war langjähriger Gemeindesekretär in Kalwang, Neuorganisator der Kalwanger Waldgenossenschaft und Gründer des Kalwanger Elektrizitätswerkes.

Die alten Kapelle, das >>Vasoldkreuz<<, war 1925 anläßlich der Vergrößerung des Heilandhauses abgebrochen worden. Mit Unterstützung der Familien Vasold und Heiland konnte sie in vollkommen gleicher Gestalt an neuer Stelle wieder errichtet werden und wurde am 28. September 1927 neu geweiht. 1)

Die Gemeinderatswahlen am 29. April 1928 erbrachten folgendes Ergebnis:
Wirtschaftspartei (Christlichsoziale u. Großdeutsche) 480 = 8 Mandate
Sozialdemokraten 347 = 6 Mandate
Zum Bürgermeister wurde abermals Simon Reitmaier gewählt. 2)

Mit Juli 1928 kam Dr. Adalbert Riegler, bisher im Krankenhaus Rottenmann tätig, als Arzt nach Kalwang. Er wohnte im 1. Stock des Hauses Nr. 62 (Sattlerei Größing) und richtete sich auch dort seine Ordination ein.

1928 eröffnete die Österr. Bundesbahn eine Autobuslinie von Kalwang bis Bruck; dies bedeutete für den Ort eine Verbesserung seiner Verkehrslage.

Als am 2. Dezember 1928 der Kiesbergbau in der Teichen aufgelassen wurde, konnte man diese Tatsache zunächst gar nicht glauben. Hatte man gehofft, dass der Bergbau in der Teichen so wie in den Jahrhunderten vorher den Ort wieder zur Blüte verhelfen werde, so begrub die neuerliche Schließung des erst 1916 wiedereröffneten Betriebes all dieses Hoffnungen. Die Beamten und Arbeiter des Bergbaues fanden zumeist Verwendung in anderen Betrieben, vorwiegend aber in Eisenerz und Donawitz. Der Leiter des Bergbaues und verdienstvolle Obmann des Gesangvereines, Dipl.-Ing. Gustav Heinisch, übersiedelte zu den Werken nach Wittkowitz in die Tschechoslowakei. Durch die Stillegung des Bergbaues stieg die Zahl der Arbeitslosen in Kalwang auf 85.

Die Gründung des Allgemeinen Deutschen Turnvereines 

Im August 1924 fand die Gründungsfeier des Allgemeinen Deutschen Turnvereines Kalwang statt. Ein Schauturnen der Kalwanger und der Leobner Turner und ein Unterhaltungsabend im Pircher Saal beendete diese Feier. Obmann des Turnvereines war Bergverwalter Ing. Otto Bock. Im September 1925 begann der Bau der eigenen Turnhalle des deutschen Turnvereines unter Mithilfe der Gemeinde. Die Mitglieder des Turnvereines hatten ganz wesentlich zum Bau durch freiwillig geleistete Arbeiten und Bereitstellung des Bauholzes beigetragen. Am 5. September 1926 konnte die Fertigstellung der Turnhalle mit einem Eröffnungsturnen gefeiert werden. Neben der Turnhalle befand sich auch ein Sportplatz. Die Turnhalle blieb Eigentum der Gemeinde und wie 176 m2 verbaute Fläche auf. Sie enthielt den Turnsaal, sowie einen Geräteraum und einen Ankleideraum. Bergverwalter Ing. Bock, der gleichzeitig auch Obmann des Deutschen Schulvereines Südmark in Kalwang war, erlag am 23.9.1928 bei einem Schauturnen in der Kalwanger Turnhalle einem Gehirnschlag. Heute findet die Turnhalle als Lagerraum der Landwirte-Genossenschaft Verwendung und über den damaligen Sportplatz führt die derzeitige Bundesstraße. Der Deutsche Turnverein besteht aber seit dem Jahre 1945 nicht mehr.

Die Forellenzucht Hinterer-Igler 

Am 23. Juli 1925 führten zwei starke Wolkenbrüche wieder zu einer schweren Überschwemmung. Das Hochwasser zerstörte die Fischereianlage Karl Hinters, riß viele Brücken weg und vernichtete zahlreiche Felder. Besonders hart betroffen wurden auch die Besitzer Schwagerbauer, Hirsl in Reith und Auer in der Melling. Die Wege in Pisching, in der Melling, in der kurzen und langen Teichen wurden weggerissen, die Bundesstraße nach Wald teilweiser zerstört. Der Ort Kalwang blieb diesmal verschont, da die Wehren rechtzeitig aufgezogen wurden.

Die 1925 arg beschädigte Forellenzuchtanstalt wurde schon 1893 von Karl Hinterer gegründet und besteht seit dieser Zeit. Sie ist derzeit im Besitze von Klaus Igler und eine der größten und modernsten österreichischen Forellenzuchtanstalten. Die Teichenfläche beträgt 3 ½ ha. In den 30 Teichen werden nicht nur Millionen Setzlinge herangezogen, die später unsere Gebirgswässer bevölkern, es werden darin auch jährlich bis zu 30.000 kg wertvolle Speisefische herangemästet, die mit Vorliebe von durchreisenden Urlaubern gekauft werden. Zwei Fischsorten bevölkern die Teiche, die aus einer eigenen Quelle gespeist werden; die seit Ende des 19. Jahrhunderts aus Kalifornien eingeführte Regenbogenforelle und die heimische Bachforelle. 200 Liter Wasser spendet die obengenannte eigene Quelle je Sekunde; sie verfügt aber auch über eine so hohe Quellentemperatur, dass es selbst im strengsten Winter kein Zufrieren gibt. – In den Brutkästen wachsen die Setzlinge heran. Jährlich wandern von hier etwa 10.000 – 15.000 kg Setzlinge in alle Alpenflüsse und Bäche, damit der Bestand dieser Fischgewässer aufgefrischt wird. In den Teichen sind täglich bis zu 500 kg Trocken-Futter nötig, um das Wachstum der Forellen zu fördern. Die Regenbogenforellen werden an den Handel oder auch direkt an die Hotels abgegeben. 1)

Die Gründung der Braunviehzuchtgenossenschaft

Im März 1924 erfolgte in Mautern die Gründung einer Zuchtgenossenschaft für das Braunvieh, zu deren Obmann der Ökonomieverwalter der Kalwanger Gutsherrschaft, Karl Hintermann, gewählt wurde. Der Genossenschaft gehören Braunviehzüchter der Gemeinden Wald, Kalwang, Mautern und Kammern an, unter denen die Gutsherrschaft Kalwang den größten Braunviehzuchtbetrieb in diesen Gemeinden hatte. Von der Herrschaft in Kalwang wurde die Lahnbergalm in der Teichen und die Kloßneralm in Mautern gepachtet. Im Herbst 1924 führte die Genossenschaft in der Kalwanger Reitschule eine Rinderschau durch, welche auch der damalige österreichische Bundespräsident Dr. Michael Heinisch besuchte. Der Bundespräsident war selbst ein erfolgreicher Braunviehzüchter am Semmering. Er wurde am Kalwanger Bahnhof festlich empfangen; der gesamte Gemeinderat, alle Ortsvereine und die Schuljugend hatten sich zu seinem Empfange eingefunden. Seit dem Jahre 1938 bekleidetet Kaufmann Josef Hanf das Amt eines Obmannes der Braunviehzuchtgenossenschaft, welches Amt er bis zu seinem Tode im Jahre 1964 inne hatte. Derzeit ist Franz Gruber, der Schwiegersohn des verstorbenen Josef Hanf, Obmann dieser Zuchtgenossenschaft. 1)

Wirtschaftliche und politische Schwierigkeiten in den Dreißigerjahren

Am 5. Oktober 1930 brannte beim sogenannten >>Badhaus<<, Pisching 27, infolge eines schadhaften Kamines der Dachstuhl ab. Glücklicherweise herrschte Windstille, sonst wäre das ganze Sägeviertel verloren gewesen. Am nächsten Tag kam es zu einem gefährlichen Waldbrand in der kurzen Teichen. Einige hundert Meter bereits geschlägertes und gelagertes Holz verbrannte gänzlich; beschädigt wurden mindestens 4000 Festmeter Holz. Die große Trockenheit sowie der starke hersschende Wind erschwerten die Löscharbeiten.

Am 22. Februar 1930 starb Sebastian Schober, vlg. Weinkräutl, Ehrenbürger der Gemeinde Kalwang und langjähriger Gemeinderat. Anfang September 1930 wurde die verfallene Kißlingkapelle bei der Achneralm zugleich mit dem Jagdhaus restauriert; die Kapelle erhielt ein prächtiges St. Hubertus-Bild, ein Werk Switbert Lobissers aus St. Paul in Kärnten.

Das Jahr 1930 brachte in Kalwang gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme der Übernachtungen um 1000 Personen. Der Fremdenverkehr hatte sich in diesem Jahr bestens entwickelt; sehr viele Sommergäste (stets über 100) fühlten sich in unserem Orte sehr wohl, und die Kalwanger Bevölkerung bemühte sich, den Sommergästen den Aufenthalt in Kalwang angenehm zu machen. Es gab für sie Ausflüge auf die Almen in der Umgebung, Liederabende des MGV wechselten mit Konzerten der Ortsmusik ab; auf vielen gut gepflegten Spazierwegen luden Bankerln zum Verweilen ein, und stets voll des Lobes verließen die Kalwanger Sommergäste unseren Ort. Besonders das Gasthaus der Frau Maria Pircher tat alles, um seine Gäste bestens zufrieden zu stellen. Täglich wurden bis zu 100 Sommergäste im Gasthaus Pircher verpflegt. In vielen Häusern gab es nett eingerichtete Fremdenzimmer, die immer besetzt waren. Die Zunahme des Fremdenverkehrs, es kamen vorwiegend Wiener zu uns, brachte vielen Bewohnern unseres Ortes zusätzlichen Verdienst. Dies war besonders wichtig, da die sonstige wirtschaftliche Entwicklung in Kalwang im Jahre 1930 nicht sehr günstig war. Die Gutsherrschaft begann, stark abzubauen; so wurde die Herrschaftswäscherein in der Teichen (das heutige Haage-Haus) aufgelassen, auch der herrschaftlichen Ökonomie stand das gleiche Schicksal bevor. Das Holzgeschäft litt besonders stark unter der russischen Holzeinfuhr. Es gab Ende 1930 in Kalwang ungefähr 70 Arbeitslose. Einige Absatzmöglichkeiten für landwirtschaftliche Produkte bot das Kalwanger Unfallkrankenhaus, welches bereits von durchschnittlich 50 Patienten belegt war.

Zur Linderung der not der vielen Arbeitslosen wurde auch in Kalwang auf Veranlassung des Fürstbischofs von Steiermark eine Lebensmittelsammlung durchgeführt. Infolge der allgemeinen wirtschaftlichen Notlage gab es im Jahre 1931 in Kalwang weniger Unterhaltungsveranstaltungen als in den Jahren vorher. 1)

Im Sommer 1931 ließ die Kalwanger Waldgenossenschaft die Florianikapelle und das Schmelzmeisterkreuz in der Teichen renovieren; ebenso erneuerte die Gutsherrschaft die Hans-Pircher-Kapelle. 1)

Seit dem Sommer des Jahres 1931 hatte sich die wirtschaftliche Lage ganz bedenklich stark verschlechtert. Unter anderem sanken die Viehpreise ganz empfindlich, was besonders unsere Bauernschaft in arge Nöte brachte. Infolge des überall durchgeführten Personalabbaues gab es Ende 1931 etwa 80 Arbeitslose in unserer Gemeinde. Die herrschaftliche Gärtnerei, welche vor dem Krieg 70 Personen beschäftigte, umfaßte 1931 nur mehr 6 Personen. In den Jahren nach dem Krieg gab es in Kalwang noch etwa 200 Bergbauarbeiter, 200 Holzknechte und 100 Sägearbeiter; zu Beginn des Jahres 1932 bestand kein Bergbau mehr, Holzknechte und Sägearbeiter gab es zusammen vielleicht noch 100 Mann. 1)
So erwies sich schon das Jahr 1931 als ein ausgesprochenes Krisenjahr sowohl in wirtschaftlicher als auch ganz besonders in polititscher Beziehung. Der am 13. September 1931 zum Sturz der Regierung versuchte >>Heimwehr-Putsch<<, auch >>Pfriemer-Putsch<< genannt, ging zwar in Kalwang ruhig vorbei, doch führte die schlechte Wirtschaftslage und die große Arbeitslosigkeit zu einer Verschärfung der politischen Gegensätze im Orte. 1)

Am 24. April 1932 gab es in Kalwang wieder Gemeinderatswahlen mit dem Ergebnis:
Bürgerliche Liste
(Christlichsoz., Heimatschutz, Landbuch) =5 Mandate
Sozialdemokraten =4 Mandate
Nationalsozialisten =3 Mandate
Bei diesen Wahlen gab es auch in Kalwang politischen Hochbetrieb und die Gemüter erhitzten sich dabei sehr. Nach diesen Wahlen konnte es zufolge verschiedener Unstimmigkeiten im Gemeinderat erst am 16. Juni 1932 zur Wahl eines Bürgermeisters kommen. Zum Bürgermeister wurde der Gasthaus- und Elektrizitätswersbesitzer Hans Klarmann gewählt. 1)

Da die Säge in Pisching im Juni 1932 ihren Betrieb einstellte, kam es zu einer weiteren Zunahme der Arbeitslosigkeit im Orte. Schon im August 1931 war im >>Scheuchenstuhl<<-Gebäude eine Herberge für durchziehende Arbeitssuchende errichtet worden. Durchschnittlich nächtigten täglich 14 fremde Durchreisende in dieser Herberge, deren Betreuung dem Gastwirt Engelbert Fichtl oblag.

Mit 1. August 1932 ging der hiesige Gutsbesitzdes Rudolf v. Gutmann durch Kauf an den regierenden Fürsten Franz I. von und zu Liechtenstein über. Einige Zeitungen nannten damals als Kaufsumme 1 Million Dollar. Aus Anlaß des Besitzwechsels wurde in der Orts-Pfarrkirche ein Festgottesdienst abgehalten, bei dem die Pfarrer von Wald und Mautern assistierten. 1)

Über die schlechte Entwicklung der Wirtschaftslage in Kalwang geben die Armenlasten der hiesigen Gemeinde Aufschluß; sie betrugen:
1926: S 2310,-; 1927: S 3791,-; 1928: 4782,-; 1929: S 6960,-; 1930: S 7785,-; 1931: S 9087,-; 1932: S 10708,-;

Anläßlich der Ernennung Adolf Hitlers zum Deutschen Reichskanzler veranstalteten die Mitglieder der hiesigen NSDAP einen Fackelzug (30. Jänner 1933). 1)

In den Abendstunden des 1. März 1933 brannte das Magazingebäude beim >>Lackner-Haus<< (Kalwang Nr. 8) ab. Die Brandursache blieb unbekannt.

Die wirtschaftliche und politische Lage Österreichs verschlechterte sich von Tag zu Tag. Dr. Engelbert Dollfuß, Österreichs Bundeskanzler, versuchte nun mit starker Hand, eine weitere Verschlechterung aufzuhalten. Ein Lohnstreik der Eisenbahnergewerkschaft, den Dr. Dollfuß am 1. März 1933 verbot, führte zu schweren Auseinandersetzungen im österreichischen Parlament. Diese Streitigkeiten hatten zur Folge, dass der damalige österreichische Parlamentspräsident Dr. Karl Renner und seine beiden Stellvertreter Dr. Ramek und Dr. Straffner ihr Amt niederlegten. Damit hatte sich das Wiener Parlament selbst ausgeschaltet und es ermöglicht, dass Dr. Dollfuß diktatorisch die Macht im Staat ergriff. Am 7. März 1933 erließ seine Regierung ein Verbot für alle politischen Versammlungen und Aufmärsche. Der Juni 1933 brachte weitere politische Hochspannung; es erfolgte die Auflösung der NADAP und des >>Steirischen Heimatschutzes<<, welcher sich im April desselben Jahres der NADAP angeschlossen hatte. Beide politischen Richtungen verfügten auch in Kalwang über viele Anhänger. Da mit dem Verbot auch die Mandate beider Parteien in den politischen Vertretungen erloschen, musste sich der hiesige Gemeinderat ebenfalls auflösen, denn 5 Gemeinderatsmitglieder und der Bürgermeister gehörten den nun verbotenen Parteien an. Zum Regierungskommissär für die Gemeinde Kalwang wurde mit Oktober 1933 Matthias Ehweiner ernannt. Er leitete hinfort die Geschicke der Gemeinde mit zwei Beiräten.

Als das Deutsche Reich im Mai 1933 eine Tausend-Mark-Sperre gegen Österreich verhängte, welche die Ausreise deutscher Urlauber nach Österreich praktisch unmöglich machte, bedeutete das für unser Land eine große Schädigung und eine weitere Zunahme der Arbeitslosigkeit. So zählte man in Kalwang 1933 bereits 126 Arbeitslose, die keine Arbeitslosenunterstützung mehr erhielten. Die Wirtschaftskrise nahm weiter zu, da ein Betrieb nach dem anderen zusperren musste. Zu Weihnachten 1933 führte die Gemeinde Kalwang eine Weihnachtshilfsaktion für die vielen Kalwanger Arbeitslosen durch.

Am 12. Februar 1934 unternahmen die Sozialdemokraten mit ihrem militanten >>Republikanischen Schutzbund<< einen Putsch gegen die Regierung. Es kam auch in der Steiermark zu heftigen Kämpfen. Die Regierung musste Polizei und Militär gegen die Putschisten einsetzen, um den Putsch niederwerfen zu können. Es gab auf Seiten der Sozialdemokraten in Österreich 500 Tote; 12 ihrer Unterführer wurden gehenkt. Auch bei den Regierungstruppen hatten 200 Mann im Kampf ihr Leben lassen müssen.
Die Pfarrchronik berichtet dazu: >>Um politische Umtriebe und Störungen unterdrücken zu können, wurde anfangs Februar (1934) die hiesige Gendarmerie durch mehr als 20 Mann Hilfspolizei – Hipo genannt – verstärkt. Als am 12. Februar die sozialistische Revolte ausbrach, verließen jedoch fast alle Hilfspolizisten ihren Dienst, weil sie befürchteten, zur Hilfeleistung für die stattliche Exekutive in Bruck eingesetzt zu werden. In Kalwang verliefen diese Tage ruhig. Für die Opfer der Revolte wurde am 28. Februar ein feierlicher Trauergottesdienst gehalten.<<

Am 1. Mai 1934 erhielt Österreich eine neue Verfassung; es wurde ein >>Ständestaat<<. Die hiesige Ortsgruppe der >>Vaterländischen Front<< veranstaltete dazu eine Festfeier. Die >>Kruckenkreuzfahne<< wurde gehißt und oberhalb der Pfarrkirche entzündete man ein Höhenfeuer; viele Häuser trugen Flaggenschmuck.

Zahlreiche Anschläge auf die Eisenbahn erzwangen eine allgemeine Bewachung dieser Anlagen durch die Hilfspolizei; auch Kalwang wurde wieder durch Hilfspolizei verstärkt. 1933 und 1934 wanderten mehrere Kalwanger ohne Erlaubnis nach dem Deutschen Reich aus; sie wurden >>ausgebürgert<<, d.h. sie verloren ihr österreichisches Staatsbürgerrecht. Mitglieder der ehemaligen und nun verbotenen nationalen Parteien erhielten auch in Kalwang Geldstrafen; manche wurden in die Anhaltelager Wöllersdorf und Messendorf bei Graz verschickt. 1)

Am 25. Juli 1934 kam es zum Putsch der Nationalsozialisten gegen die österreichische Regierung. Dabei wurde Österreichs Bundeskanzler Dr. Dollfuß getötet. Es kam auch in der Steiermark zwischen den Aufständischen und den Regierungstruppen zu schweren Kämpfen, so u.a. in Eisenerz, Vordernberg, Trofaiach, Leoben und Donawitz. Schwer waren die Verluste auf beiden Seiten. Amtlich wurden die Verluste der Exekutive mit 29. Juli mit 78 Toten und 165 Verwundeten angegeben; die Aufständischen verloren allein im offenen Kampf über 400 tote und 800 Verwundete. Die Zahl der Flüchtlinge ging in die Tausende. 13 Anführer der Aufständischen wurden gehenkt, 60 zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt.
Über das Geschehen in Kalwang berichtet die Pfarrchronik: >>Als am 25. Juli nach der Ermordung des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß der nationalsozialistische Aufwand ausbrach, hatten die hiesingen Anhänger der Bewegung wohl Bereitschaft, aber zu Zusammenstößen mit der Exekutive kam es nicht; in den folgenden Tagen kam es auch in Kalwang zu zahlreichen Verhaftungen. Am Tage des Begräbnisses des Kanzlers brannten in den Abendstunden überall in den Fenstern der Häuser Kerzen, alle Häuser hatten schwarz beflaggt, auch brannten Höhenfeuer; es war ein ganz eigenartiger Anblick. Am Trauergottesdienst am 30. Juli nahm die Bevölkerung zahlreich teil; Fürstin Elsa von Liechtenstein, die damals gerade mit ihrem Gemahl in Kalwang weilte, beteiligte sich auch am Requiem. Der verstorbene Bundeskanzler besuchte vor mehreren Jahren, als er noch Präsident der Landarbeiterversicherungsanstalt war, das hiesige Spital der Landwirtschaftskrankenkasse.<<

Da die Pischinger Säge im Frühjahr 1934 wieder ihren Betrieb aufnahm und im benachbarten Ort Wald eine Wildbachregulierung durchgeführt wurde, fanden viele Arbeitslose wieder Beschäftigung. Die Preise für Holz und landwirtschaftliche Produkte lagen sehr tief, was vielfach zur Verschuldung der landwirtschaftlichen Betriebe führte.

Bereits im Februar 1934 war der hiesige Deutsch-völkerische Turnverein behördlich aufgelöst worden und im November wurde auch sein Vereinsvermögen beschlagnahmt. Das Gasthaus Pircher, in dem es am 25. Juli 1934 zu Ansammlungen von ehemaligen Nationalsozialisten gekommen war, wurde im Spätherbst des Jahres 1934 gesperrt. 1)

Über den Winter 1934/35 musste der Betrieb der Pischinger Säge zufolge schlechter Absatzlage stillgelegt werden und der Betrieb konnte erst mit 18. Februar 1935 wieder aufgenommen werden.

Am 29. Mai 1935 erfolgte die Konsituierung des neuen Kalwanger >>Gemeindetages<< in Anwesenheit des Leobner Bezirkshauptmannes ORR. Dr. Urbanek. Kaufmann Josef Hanf wurde zum Bürgermeister bestellt; zu seinen Stellvertretern wurden Maurus Schober, vlg. Salmer, und Bäckermeister Hans Gruber ernannt. Dem Gemeindetag gehörten noch an: Karl Hinterer, Karl Größing, Johann Klarmann, Johann Grabmeier, Franz Wohlmuther, vlg. Primschensohn, Jakob Stuhlpfarrer, Matthias Suchard, Franz Kreiner und P. Erenbert Haidinger. 1)

Am 11. August 1935 feierte P. Erwin Ehweiner, ein gebürtiger Kalwanger, welcher am 28. Juli 1935 in Mautern (Redemptoristenkirche) zum Priester geweiht worden war, in Kalwang seine Primiz. Am Ortseingang erwarteten die Ortsmusik und viele Kalwanger den Primizanten. Der Ortspfarrer und Bürgermeister Hanf begrüßten P. Erwin. Der Ort hatte Flaggenschmuck angelegt; die Orts- und Gutsfeuerwehr, sowie der Kameradschaftsbund waren ausgerückt und begleiteten P. Erwin von seinem Elterhaus zur Pfarrkirche. 1)

Die Volkszählung im März 1936 ergab für die Gemeinde eine Einwohnerzahl von 1581 Personen. Die zahl der Arbeitslosen war weiterhin im Steigen. 1)

Am österreichischen Staatsfeiertag, dem 1. Mai 1936 wurde oberhalb des Kriegerdenkmales in Kalwang eine Dollfuß-Gedenktafel ernthüllt. 1)

Die Pfarrchronik berichtet zum Jahre 1936: >>Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren auch heuer wieder nicht gut. Die Säge war wohl im Betrieb, geklagt wurde über die sehr niederen Löhne; manchem Arbeiter ging es mit der Arbeitslosenunterstützung bald besser. Die Bautätigkeit ruhte fast vollständig. Ein ärarischer Pflanzgarten, der auf den Gründen der Waldgenossenschaft westlich des Spitals angelegt wurde, schien ursprünglich einige Arbeitsmöglichkeiten zu bieten; die Erwartungen erfüllten sich jedoch nicht. Auch heuer wanderten wieder manche Kalwanger noch Deutschland aus, teils ohne Erlaubnis, teils mit Erlaubnis nach dem 11. Juli 1936 (Abkommen mit Deutschland!). Als am 27. September 1936 zum erstenmal eine Kolonne reichsdeutscher Autos zum Besuche nach Leoben durch unseren Ort fuhr, gab es Gendarmerie einer illegalen Weihnachtsaktion auf der Spur war, zahlreiche Hausdurchsuchungen und einige Verhaftungen. Ruhe und Befriedigung der hiesigen Bevölkerung will scheinbar nicht kommen.<<

Im Jahre 1936 legte die Landeshauptmannschaft der Gemeinde nahe, Kalwang nun mit >>l<< zu schreiben; der Gemeinderat war damit nicht einverstanden, also blieb es bei der Schreibung >>Kallwang<<. 1)

Am 21.2.1937 gab es eine politische Kundgebung der >>Vaterländischen Front<< im Pircher-Saal. Im Orte herrschte nach wie vor politische Hochspannung. Viele landwirtschaftliche Arbeiter wanderten anfangs März 1939 in das Deutsche Reich aus. Infolge des Wachsens der heimischen Rüstungsindustrie fanden viele Arbeitslose in Eisenerz und Donawitz Beschäftigung.

Die Pfarrchronik berichtet 1937: >>Am 20. April – dem Geburtstag Adolf Hitlers – wurden mehrere Hakenkreuzfeuer abgebrannt und an der `Mühlmauer´ eine Hakenkreuzflagge gehißt. Die Täter und Veranstalter konnten nicht entdeckt werden.<<

Als am 11. März 1938 Österreichs Bundeskanzler Dr. Schuschnigg nach einer Besprechung mit Hitler in Berchtesgarden als Bundeskanzler zurücktrat, übernahm Dr. Seyss-Inquart die Bildung einer neuen österreichischen Regierung. Diese bat das Deutsche Reich zur Aufrechterhaltung der Ordnung um militärische Unterstützung. Am darauffolgenden Tage überschritten deutsche Truppen Österreichs Grenzen, und am 14. März 1938 verkündete Adolf Hitler in Wien den Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich.

In der Nacht vom 11. zum 12. März 1938 ergriff der Nationalsozialismus auch in Kalwang die Macht. Die Ereignisse wickelten sich in Kalwang verhältnismäßig ruhig ab. Die Ereignisse wickelten sich in Kalwang verhältnismäßig ruhig ab. Der bisherige Kalwanger Gemeinderat wurde aufgelöst und Kalwangs Gemeindesekretär Karl Jäger, als Obmann der Vaterländischen Front, seines Postens enthoben. Zum neuen Bürgermeister bestellte man den Kalwanger Forstmeister Ing. Robert Pfisterer. Am 13. März traf Deutsche Schutzpolizei auf der Fahrt nach Graz in Kalwang ein. Am 17. März zog ein Fackelzug unter großer Beteiligung der Bevölkerung durch den Ort. Im Pircher-Saal gab es anschließend eine große Kundgebung. Am 18. März zog auf dem Durchmarsch nach Graz Deutsches Militär, aus Reichenhall kommend, ein. Es wurde über Nacht in Kalwang einquartiert. 1)

Am 3. April 1938 in der Mittagszeit fuhr Adolf Hitler per Bahn in Kalwang durch. Vom Bahnhofs-Magazin bis zur Pischinger Bahnübersetzung erwartete eine große Menschenmenge den langen Zug. 1) Bei der Volksabstimmung über den Anschluß an das Deutsche Reich am 10. April 1939 lauteten in Kalwang sämtliche abgegebenen Stimmen auf >>JA<<. 1)

Schwere Regenfälle und eine plötzliche einsetzende Schneeschmelze in den Bergen ließen am 15. Mai 1939 die Bäche, vor allem die Liesing und den Pischingbach, rasch anschwellen. Die Liesing überschwemmte weite Strecken; bei der Einmündung des Pischingbaches in die Liesing wurde alles bis zu einem Meter überflutet. Die Häuser an der Liesing unterhalb des Jagdschlosses mussten geräumt werden und die Einwohner wurden einstweilen im Jagdschloß einquartiert. Das Teichengebiet sowie der Ort blieben vom Hochwasser verschont.

Am 25. Juli 1938 starb auf Schloß Feldsberg der Kalwanger Gutsherr, Fürst Franz I. von und zu Liechtenstein. In der Leitung der Kalwanger Gutsherrschaft wurde der bisherige Fortdirektor Ing. Carl Sprosec durch Forstmeister Ing. Robert Pfisterer abgelöst.

Durch die großen Arbeitsvorhaben des Deutschen Reiches hörte die Arbeitslosigkeit auch in Kalwang bald gänzlich auf. Ein allgemeiner wirtschaftlicher Aufschwung setzte ein.

Am 11. Jänner 1938 brannte die herrschaftliche Ökonomie >>Hofbauer<< gänzlich ab, und am 3. Jänner 1939 wurde die herrschaftliche Säge ein Raub der Flammen. 1)

Am 28. Februar 1939 fand im Gemeinde Kalwang eine Beratung der Gemeinderäte mit dem Leobner Kreisleiter der NSDAP Otto Christandl statt. Über Vorschlag der Gemeinderäte wurde durch den Leobner Ing. Robert Pfisterer zum Bürgermeister bestellt. 1)

Der 2. Weltkrieg 1938 – 1945

Da die Spannungen zwischen Polen und dem Deutschen Reich immer mehr zunahmen und Kriegsgefahr bestand, begann man schon am 27. August 1939 auch in Kalwang Lebensmittelkarte auszugeben. Die Verhandlungen zwischen dem Deutschen Reich und Polen führten zu keinem Ergebnis, daher kam es am 1. September 1939 mit Polen zum Krieg. England und Frankreich erklärten Deutschland den Krieg. In Kalwang mussten viele altgediente Soldaten des ersten Weltkrieges sofort einrücken; für alle Orte wurde strenge allgemeine Verdunkelung angeordnet.

Wegen des raschen Endes des Polen-Feldzuges mussten vom 2. Oktober 1939 an durch 10 Tage jeweils eine Stunde alle Kirchenglocken geläutet werden.

Am 15. Juni 1941 brach abends in der Reitschule ein Brand aus, der in kurzer Zeit das große, vollständig aus Holz errichtete Gebäude vernichtete. Die Reitschule diente dem Reichsnährstand als Lagerhaus für Heu, Flachs und Kunstdünger. Die Brandursache konnte nie geklärt werden. 1)

Mit 1. Oktober 1942 fand ein Wechsel in der bisherigen Leitung der Gutsherrschaft statt. Unregelmäßigkeiten eines Beamten des Rentamtes, die von der Direktion nicht entdeckt wurden, bewogen die Zentralleitung, den Forstdirektor und den Rentmeister fristlos zu entlassen. Weil sich aber bei beiden Beamten ihre Schuldlosigkeit bald herausstellte, wurden sie pensioniert. Als neuer Gutsdirektor kam Friedrich Marzellin, bisher Liechtenstein´scher Oberforstverwalter im Altvatergebiet in Böhmen, nach Kalwang; mit ihm wurden gleichzeitig auch ein neuer Radmeister, ein Forstmeister und ein Förster hieher versetzt. 1)

Forstdirektor Pfisterer blieb weiterhin Bürgermeister in Kalwang. Er kam später gegen Kriegsende als Forstdirektor nach St. Oswald bei Eibiswald. Als im Mai 1945, bei Kriegsende, St. Oswald von Partisanen besetzt wurde, gab es für Pfisterer keine Fluchtmöglichkeit mehr. Um dem blutigen Schicksal vieler Ortsbewohner zu entgehen, nahmen Pfisterer und seine Frau sich selbst das Leben.
Im Reitschulpark war 1943 ein neues Kriegerdenkmal für die Gefallenen des zweiten Weltkrieges errichtet worden. Das Kriegerdenkmal bestand aus einem Aufbau von unbehauenen Steinen, in dem sich eine Marmorplatte mit den Namen der Gefallenen befand. Darüber war ein großes >>Eisernes Kreuz<< angebracht. Rechts und links vom Denkmal standen einfache lärchene Tafeln als Erinnerungsmale für die Gefallenen unseres Ortes. Das Kriegerdenkmal wurde im Jahre 1952 aufgelassen und mit dem alten Kriegerdenkmal des ersten Weltkrieges vereinigt (Einweihung am 7. September 1952). 1)

In den ersten Nachmittagsstunden des 2. November 1943 gab es in Kalwang Fliegeralarm. Zum ersten Male zogen aliierte Kampfflugzeuge über unser Tal. In den Sommermonaten waren schon mehrere Familien aus Westdeutschland und Berlin bei uns eingetroffen, welche wegen der schweren feindlichen Luftangriffe ihre Heimat verlassen mussten. 1)

Am 22. und 23. Februar 1944 überflogen abermals feindliche Flugzeuge unser Tal. Sie wurden hier erstmals von Fliegerabwehrkanonen (>>Flak<<) beschossen. Vom April 1944 an überflogen immer häufiger größere Verbände das Kalwanger Tal; so auch am 11. September 1944 während gerade in der Sebastianikirche das Erntedankfest gefeiert wurde. In der benachbarten Melling fielen die ersten Bomben, ohne jedoch wesentlichen Schaden anzurichten. Am 13. Oktober 1944 gab es während eines Begräbnisses wieder Fliegeralarm; es durften keine Kirchenglocken läuten und die Begräbnisteilnehmer nur in einzelnen Gruppen zum Friedhof gehen. 1)

Am 25. Juli 1944 brannte der Dachstuhl des Hauses Nr. 2 (Kindergarten) gänzlich ab; die Brandursache blieb ungeklärt. Ebenso fielen am 4. Dezember 1944 der Stall und das Dach des >>Stückerhauses<< einem Brand zum Opfer. 1)

Am 16. Oktober 1944 fielen im Pischinggraben mehrere Bomben; von einem großen, durch die Luft fliegenden Stein wurde Frau Elisabeth Blindenhofer, die zur Holzarbeit in den Pischinggraben ging, tödlich getroffen. Am 6. November fielen einige Bomben im Lissinggebiet und am 27. Dezember 1944 auf den Landboden; außer durch den Luftdruck zertrümmerte Fensterscheiben gab es keinen Schaden. 1)

Da alle wehrfähigen Männer eingerückt waren, fehlte es überall an Arbeitskräften. Daher wurden auch in Kalwang kriegsgefangene Franzosen zur Arbeit eingesetzt.

Im Herbst 1944 kamen Volksdeutsche aus Ungarn nach Kalwang; sie wurden zum Teil in der Schule untergebracht. Drei Schulklassen mussten in den 1. Stock des Pfarrhofes übersiedeln. 1)

Das Jahr 1945 begann in Kalwang mit fallenden Bomben. Am 8. Jänner 1945 fielen 8 Bomben in den Wald des Pischinggrabens. Im Februar gab es sehr häufig Fliegeralarm; das Tal wurde ständig von feindlichen Verbänden überflogen. Am 13. Februar 1945 fielen 4 Bomben: eine auf das Pircherfeld nördlich der Liesing, eine neben dem Weg zur Sebastiani-Kirche und zwei hinter den >>Kirchenkogel<<. In der Sebastiani-Kirche gingen 120 Fensterscheiben in Trümmer. – Als abends ein Großangriff auf Graz erfolgte, konnten die Brände nachts gut beobachtet werden. Am 17.2. und am 23.2.1945 warfen alliierte Flieger über Kalwang viele Flugzettel ab. Am Sonntag, dem 25. Februar konnte man gut beobachten, wie drei Tiefflieger einen Eisenbahnzug angriffen. Von nun an gab es dauernd Tieffliegerangriffe. Das Legen von Bombenteppichen durch alliierte Fliegerverbände verursachte auch an den Waldbeständen der Herrschaft größere Schäden. 1)

Am 21. März 1945 wurde das Flüchtlingslager in der Schule geräumt. Die Flüchtlinge kamen in Privathäusern unter. Am 21. März fuhr das erste Aufgebot des >>Volkssturmes<< von Kalwang ab. Die Leute kamen in die Untersteiermark und wurden dort bei Schanzarbeiten eingesetzt. 1)

Zum zweiten Male trafen ungarische Flüchtlinge hier ein, die im Pfarrhof Unterkunft fanden. Im April 1945 wurde das Schulhaus wieder zum Spital; es musste das Feldlazarett Nr. 772 aufnehmen. Am 8. April griffen die Tiefflieger in der Nähe des Stellerhofes einen Flüchtlingszug an. Mit zwei zerstörten Lokomotiven blieb der Zug auf offener Strecke liegen. Am 14. April mittags stürzte ein deutscher Jagdflieger außerhalb des Fohlenhofes auf die Sonnberger-Leiten ab. Das Flugzeug explodierte; der Pilot war mit dem Fallschirm abgesprungen. Seine Leiche konnte erst ein Jahr später gefunden werden. 1)

Am 15. April 1945 wurde die gesamte Bevölkerung des Ortes zur Aushebung eines Panzergrabens bei der Fischzuchtanstalt Hinterer aufgerufen; wer nicht mitarbeitete, sollte keine Lebensmittelkarte erhalten. – Täglich zogen nun Flüchtlinge vor den heranrückenden Russen durch unseren Ort. In der Nähe des Bahnhofes wurde ein deutscher Soldat erschossen, weil er flüchten wollte und seine Einheit verlassen hatte. 1)

Anfangs Mai fuhren jeden Tag unzählige Militärautos gegen Westen durch den Ort. Weil die russischen Truppen näher rückten, erfolgte die Auflösung des in der Schule untergebrachten Feldlazarettes; die Verwundeten wurden in Militärautos nach dem Westen gebracht. Auch die Nachrichteneinheit, die in Kalwang lag, hatte sich noch am 8. Mai 1945 in westlicher Richtung abgesetzt.

In diesen Tagen erfolgte die Kapitulation der gesamten Überreste der Deutschen Wehrmacht (8. Mai 1945). An den Straßenrändern lagen überall Auto-Wracks. Waffen, Ausrüstung, Munition und sonstiges Militärgerät wurde weggeworfen; herrenlose Pferde irrten umher; der Reitschulpark war mit fahrunfähigen Militärautos vollgefüllt. Alles war in Auflösung begriffen.

Die ersten Nachkriegsjahre 1945 – 1946

Splitter aus dem Ortsgeschehen

Am 9. Mai 1945 bildete sich in Kalwang ein >>Freiheitskommitee<< und riß die Ortsgewalt an sich. In den Mittagsstunden des 10. Mai fuhren die ersten russischen Panzer durch unseren Ort. In Leoben hatte sich eine neue Bezirkshauptmannschaft gebildet; über ihren Auftrag mussten die ersten russischen Truppen, sobald sie den Ort erreicht hatten, mit Glockengeläute begrüßt werden; ebenso trat die Sirene der Pischinger Säge zu ihrer Begrüßung in Tätigkeit. Als Bürgermeister wurde der Kaufmann Philipp Heiland d.Ä. eingesetzt. 1)
Die Straßensperre beim östlichen Ortseingang (beim Hause Grießmair) war schon vor dem Eintreffen der Russen entfernt worden, auch der Panzergraben beim Hinterer hatte seine Bedeutung verloren.

Die Jagd in den Teichenrevieren war schon 1942 an den Cillier Fabrikanten Westen, der im Gasthaus Pircher einquartiert war, verpachtet worden. Er hatte in Kalwang ein großes Weinlager angelegt. Bald nach ihrem Einzug plünderten die Russen im Bunde mit den in Kalwang eingesetzt gewesenen ausländischen Arbeitern dieses Weinlager Westens. Es kam zu argen Ausschreitungen der Betrunkenen. In den Abend- und Nachtsstunden trafen immer mehr Russen im Ort ein, so dass kein Haus in Kalwang ohne russische Einquartierung blieb. Mehr als 50 russische Soldaten starben an Vergiftung durch den Genuß von Menthylalkohol, den sie im Kalwanger Krankenhaus beim Plündern mitgenommen hatten. Da die russischen Besatzungstruppen an einen Anschlag der Kalwanger Bevölkerung glaubten, drohte das Kommando Primarius Lederer und jeden zehnten Kalwanger zu exekutieren. Unter Bürgermeister Heiland gelang es, dass eine Kommission den Fall untersuchte. Es konnte einwandfrei Selbstverschulden der russischen Offiziere und Soldaten festgestellt werden. Die Toten wurden in einem Massengrab auf der Pfarrwiese neben dem Friedhof beerdigt. Später errichteten die Russen dort ein Erinnerungsmal, nachdem auch die Leichen der in Wald und Mautern verstorbenen Russen hierher gebracht worden waren.

Am 21. Mai 1945 übersiedelten das Gemeindeamt in den 1. Stock des Pfarrhofes, ebenso die Kartenstelle und das sogenannte >>Freiheitskommitee<< unter der Leitung des Theo Bruckmann, der die Ortsgewalt an sich gerissen hatte. Bruckmann stammte aus dem westdeutschen Industriegebiet. Seine Familienmitglieder waren als Flüchtlinge hierhergekommen. Bruckmann hatte sich während des Krieges heimlich hier aufgehalten. Als >>Freiheitskämpfer<< diktierte er nun in Kalwang mit Hilfe seines >>Feiheitskommitees<< und mit Unterstützung der Russen das Geschehen. 1)
Das Freiheitskommitee setzte am 23. Mai 1945 Philipp Heiland d.Ä. als Bürgermeister ab. Sein Nachfolger wurde der Briefträger Johann Skergett. 1)

Die russischen Besatzungstruppen führten am 24. Mai 1945 auch in Kalwang ihre >>Russische Zeit<< ein; die Uhren mussten um 2 Stunden und 10 Minuten vorgerückt werden, und das ganze Leben hatte sich nun nach dieser Zeit zu richten. Doch schon am 27. Mai gab es wieder die >>alte Zeit<<.

Am 3. Juni 1945 gab es Alarm: ein viermotoriges amerikanisches Flugzeug war kurz vor 9 Uhr in der Teichen ungefähr eine Viertelstunde oberhalb des >>Oberhansl<<-Anwesens in den Wald gestürzt. 17 Mann der Besatzung kamen dabei ums Leben, nur ein einziger Amerikaner (ein Funker) kam mit schweren Verletzungen davon. Er wurde sofort in das Kalwanger Krankenhaus gebracht. 1)

Ab 8. Juni 1945 gab es wieder einen neuen Bürgermeister in Kalwang: Anton Jessenik, ein Bergknappe, der früher einmal in Rußland war und die russische Sprache in Wort und Schrift beherrschte. Er war Kommunist und konnte sich mit den Russen gut verständigen. 1)

Das in Kalwang lagernde Holz, besonders bei der Säge in Pisching, aber ebenso bei der Friedlsäge, wurde von Einheimischen einfach weggeführt. In der herrschaftlichen Ökonomie verschwanden viele Haflinger-Pferde des Gestütes, darunter wertvolle Zuchttiere. Die Gutsherrschaft musste den russischen Besatzungstruppen die Heuvorräte zur Verfügung stellen. 2)

Am 7. Juni zog ein Großteil der russischen Besatzungstruppen von Kalwang ab; nur eine kleine Gruppe von 22 Mann verblieb noch im Ort. Jedoch in den Unterwalder Baracken hielten sich noch weiterhin starke Truppenverbände der Russen auf.
Das Gemeindeamt, die Kartenstelle und das >>Freiheitskommitee<< konnten nun den Pfarrhof wieder freigeben und in das Gemeindeamt zurückkehren. Die Russen durchstreiften die ganze Umgebung von Kalwang und waren überall auf der Suche nach flüchtigen deutschen Soldaten, besonders aber nach Angehörigen der SS-Verbände.

Am 22. Juni 1945, dem >>Tag der Roten Armee<<, musste der ganze Ort Flaggenschmuck anlegen. Im Pircher-Saal fand eine große kommunistische Kundgebung statt. Doch shcon am 14. Juli 1945 verließ die russische Orts-Kommandantur Kalwang. Drei Tage später konnte in der Volksschule der Unterricht wieder aufgenommen werden. Am 21. und 22. Juli atmete Kalwang auf, denn alle russischen Truppen räumten unseren Ort. Nach dem Abzug der Russen verließ auch Bruckmann unauffällig Kalwang, nachdem man ihm, wie das Gerücht umging, große Unrgelmäßigkeiten nachgewiesen hatte.

Als neue Besatzungsmacht kamen am 23. Juli 1945 etwa 170 englische Soldaten hier an. Sie quartierten sich sofort im Gasthaus Pircher ein, das dadurch großen Schaden erlitt; das ganze Haus wurde beschlagnahmt. Im >>Röthlhaus<< (Nr. 44) richteten sich die Engländer eine Kapelle ein und hielten dort ihre Gottesdienste ab. Jagd und Fischerei betrieben sie überall nach Gefallen. 1)

Bürgermeister Jessenik hielt am 28. Juli 1945 eine Gemeinderatssitzung ab und ließ sich abermals zum Bürgermeister wählen. Als Gemeindesekretär kam Gustav Schabernak aus St. Stefan ob Leoben in unseren Ort. 3)

Am 27. September 1945 kann der neue Leobner Bezirkshauptmann Dr. Letnig nach Kalwang und hielt mit Philipp Heiland sen. und den Ortsstellenleitern der drei von den Besatzungsmächten eingesetzten Parteien – Österreichische Volkspartei, Sozialistische Partei Österreichs und Kommunistische Partei – eine Besprechung ab. Dr. Letnig teilte dabei mit, dass der englische Militärgouverneur Major Thurner die Wahl des Anton Jessenik zum Bürgermeister nicht anerkenne. Es wurde nun durch den Bezirkshauptmann Bäckermeister Hans Gruber zum neuen Bürgermeister bestellt. Die Vertreter der ÖVP waren für diese Wahl, SPÖ und KPÖ waren dagegen. Die Wahl Grubers erfolgte auf englischen Befehl. Ein neuer Gemeinderat wurde eingesetzt; er bestand aus zwei Mitgliedern der ÖVP, einem der SPÖ und einem der KPÖ. 3)
Das sogenannte >>Freiheitskommitee<< wurde mit 1. August 1945 aufgelöst. 1)

Am 11. September 1945 übernahm Direktor Stradner wieder die Leitung der Volksschule, doch musste diese im Oktober schon wieder aus Mangel an Heizmaterial gesperrt werden.

Ein Großteil der englischen Besatzungstruppen verließ am 1. und 2. November 1945 Kalwang, nur einige englische Soldaten blieben noch im Ort zurück.

Wahlen zum neuen österreichischen Parlament konnten am 25. November 1945 durchgeführt werden; doch durften nur die drei von den Besatzungsmächten erlaubten Parteien kandidieren, alle ehemaligen Mitglieder der NSDAP waren jedoch von dieser Wahl ausgeschlossen. Die Wahl hatte in Kalwang folgendes Ergebnis:
ÖVP = 320; SPÖ = 337; KPÖ = 35 Stimmen; ungültig waren 12 Stimmen. 3)

Am 10. Dezember 1945 begann die Umwechslung der bisherigen Reichsmark in österreichische Schillinge.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges 1945 begann die Herrschaft Liechtenstein den Forstbetrieb stärker auszubauen, daher musste die Jagd, die früher der Hauptbetriebszweig war, in den Hintergrund treten. Eine Forstbaumschule beim Stellerhof sorgte für die Beschaffung des nötigen Pflanzenbedarfes. Man begann, Forstaufschließungswege zu bauen.

Der Zugsverkehr musste stark eingeschränkt werden; auf unserer Strecke verkehrte nur ein Zugspaar, >>Milchzug<< genannt.

Ende Jänner 1946 wurden die bisherigen Spitalsärzte und auch Dr. Pristautz von der englischen Militärregierung ihres Dienstes enthoben und verhaftet. 1947 wurden sie auf Befürwortung der Gemeinde wieder enthaftet und Primararzt Dr. H. Lederer und Distriktsarzt Dr. Pristautz wieder eingesetzt. In der Zwischenzeit hatte Dr. Hager aus Graz die Leitung des Krankenhauses übernommen gehabt. 1)

Der Kindergarten konnte am 4. März 1946 seinen Betrieb wieder aufnehmen.

Bei den Gemeinderatswahlen im Mai 1946 erhielten die Sozialisten die Mehrheit der Stimmen. Es wurde der Bahnpensionist Franz Radler zum Bürgermeister gewählt. Gewählte Gemeinderäte wurden: Für die ÖVP: Karl Hinterer, Franz Fichtl, Otto Fritz, Lorenz Kellerer, Johann Gruber und Emanuel Wernhart; für die SPÖ: Franz Radler, Peter Mitteregger, Karl Dallinger, Vinzenz Lödl, Jakob Stuhlpfarrer und Alois Lichtenegger. 3)

Am 22. September 1946 zeigten in einer Kunstausstellung im Schulhaus akad. Malerin Gusti Döll, Dr. Krner, Forstinger. Turk, Karl Kaiblinger und Erwin Lindermayer (Schmiedearbeiten) ihre Werke der Öffentlichkeit.

Im Oktober 1946 gab es schon große Kälte; am 25. und 26. Oktober sank das Thermometer auf minus 10 Grad; die Schule musste deshalb geschlossen werden. Da sich die Zentralheizung der Schule als unbrauchbar erwies, waren erst für die einzelnen Klassenräume eiserne Öfen zu beschaffen. Der Schulbetrieb wurde am 4. November 1946 wieder aufgenommen, doch mussten die einzelnen Klassen verschieden untergebracht werden: eine Klasse im Kellerraum der Schule, eine im Kindergarten, eine im Gasthaus Größing und eine im Gasthaus Engelbert Fichtl. Dieser Zustand dauerte bis Weihnachten. 1)

Die Jahre ab 1947

Splitter aus dem Ortsgeschehen

Am 28. Juni 1947 starb im Krankenhaus zu Rottenmann der ehemalige Kalwanger Forstdirektor Ing. Carl Sprosec; er wurde am 1. Juli 1947 in Kalwang begraben. Ing. Sprosec hatte nicht nur 34 Jahre lang die Geschicke des Forstgutes Kalwang geleitet, sondern darüber hinaus sich auch um die Entwicklung des Ortes große Verdienste erworben.

Auf Grund des >>Währungsschutzgesetzes vom 20. November 1947<< wurden die Banknoten auf ein Drittel ihres Nennwertes herabgesetzt; eine Kopfquote von 150 Schilling wurden mit 1 : 1 umgetauscht; sogenannte Sperrknoten (60 %) verfielen; für die verbleibenden Sparkonten wurden >>Bundesschuldverschreibungen<< ausgegeben. Diese Bestimmungen lösten auch in Kalwang großen Unwillen aus und nahmen den Leuten auf lange Zeit die Lust am Sparen. Wer Geld hatte, kaufte sich wertbeständige Waren oder verjuxte sein Geld.

Auf Betreiben der russischen Besatzungsmacht musste 1948 ein Grabmal für die hier beerdigten Russen errichtet werden. 1)

Am 12. September 1948 fand nach der Renovierung die Weihe des >>Röthkreuzes<< statt; der Besitzer Josef Hanf ließ durch Karl Kaiblinger ein Marienbild malen, welches als >>Liesingtaler Madonna<< im Röthlkreuz seinen Platz fand. 1)

Im Juni 1949 begann der Bau des >>Homogenwerkes<< in Kalwang, in welchem Holzspanplatten erzeugt werden sollten. Das Haus Pisching Nr. 49, gegenüber der Bahn, musste abgerissen werden.

Obwohl bei der am 30. April 1950 stattgefundenen Gemeinderatswahl der SPÖ die Mehrzahl der Stimmen erhielt, wurde der der ÖVP angehörige Kaufmann Philipp Heiland d.Ä. zum Bürgermeister gewählt. 1) Dem Gemeinderat gehörten an: Philipp Heiland d.Ä., Franz Radler, Jakob Stuhlpfarrer, Josef Mayer, Maurus Schober, Helmut Glabischnig, Emanuel Wernhart, Kurt Igler, Karl Pinsker, Paul Fuchs, Alois Lichtenegger, Friedrich Kaufmann, Gottfried Postl, Johann Schaffer, Franz Schromm.
Im Jahre 1950 begannen die Arbeiten an der Umfahrungsstraße des Ortes Kalwang.

Mit dem Ende des Jahres 1950 ging der langjährige Volksschuldirektor Josef Stradner in Pension. Im Pircher-Saal fand für ihn eine große Abschiedsfeier statt. Stradner hatte auch lange Zeit das Amt eines Standesbeamten in Kalwang ausgeübt. Als sein Nachfolger in der Schulleitung trat am 14. August 1951 Alfred Hofer seinen Dienst in Kalwang an.

Am 26. März 1952 nahm das neue, mit ERP-Mitteln errichtete Homogenwerk in Kalwang den Betrieb auf; viele Kalwanger fanden in ihm Beschäftigung. Eine große Entlastung für den Ort bedeutete die Fertigstellung der 2,2 km langen Ortsumfahrungsstraße, welche im November 1952 für den Verkehr freigegeben wurde.

Im Jahre 1952 wurde der Sportverein >>Union Kalwang<< gegründet. Gründungsobmann und nachher noch langjähriger Obmann des Sportvereines war Volksschuldirektor Alfred Hofer. Etwa durch 10 Jahre führte der Verein den Namen >>Betriebssportvereinigung Union-Homogen-Kalwang<<. Er umfaßt folgende Sektionen: Fußball, Wintersport, Tennis, Tischtennis, Eisschießen und Langlauf. 1974 errichtete der Sportverein einen neuen Tennisplatz. Der Initiator dafür war der derzeitige Obmann der Sportvereinigung, Volksschuldirektor Karl Heinz Neißer. Dem Verein gehörten im Jahre 1978 230 Mitglieder an. Der Sportverein ernannte OSR Dir. A. Hofer und Ingenieur H. Breuner u Ehrenobmännern; Herbert Leitner wurde Ehrenmitglied des Vereines.

Im Oktober 1954 übernahm die STEWEAG die Ortsbeleuchtung im unteren Ort.

Bei der Gemeinderatswahl am 3. April 1955 erhielt die SPÖ 8 Mandate und die ÖVP 7 Mandate (SPÖ: 455, ÖVP: 392, VdU: 23 Stimmen). Jakob Stuhlpfarrer wurde zum Bürgermeister gewählt. Der Gemeinderat bestand aus folgenden Mitgliedern: Anton Aussetz, Julius Doppelreiter, Johann Eberhart, Philipp Heiland sen., Dir. Alfred Hofer, Kurt Igler, Johann Klarmann sen., Josefa Leitner, Alois Lichtenegger, Josef Pichler, Johann Stecher, Maria Straka, Jakob Stuhlpfarrer und Johann Wischounig. 3)

Im Dezember 1956 waren im Gasthaus Kaufmann (Pisching) Flüchtlinge aus Ungarn untergebracht, die nach dem Zusammenbruch der antikommunistischen Revolution ihre Heimat verlassen hatten. 1)

Ein Ereignis für Kalwang war es, als am 20. August 1956 zum ersten Male ein Hubschrauber einen verletzten Bergsteiger vom >>Hochtor<< (Gesäuse) ins hiesige Spital brachte. Sehr viele Leute beobachteten die erste Landung neben dem Unfallspital. 1)

Mit Entschließung vom 3. Mai 1957 verlieh der Herr Bundespräsident dem Primararzt des Kalwanger Unfallspitales den Berufstitel eines Medizinalrates. Die entsprechende Ehrenurkunde wurde Dr. Hellmut Lederer am 13. Juli 1957 durch Landeshauptmann Josef Krainer überreicht.

In der Zeit von 1945 bis 1958 wurden die schadhaft gewordenen Verbauungen des Teichengrabens erneuert. Der bereits 1949 gegründeten Hegegemeinschaft >>Wildfeld<< gehörte auch das herrschaftliche Jagdgebiet mit den beiden Teichenrevieren an. In den Jahren 1952 und 1955 fand in Kalwang der jährliche Jägertag der Hegegemeinschaft >>Wildfeld<< statt. Das herrschaftliche Pferdegestüt konnte durch den Ankauf hochwertiger Zuchtstuten wieder auf einen guten Stand gebracht werden und umfaßte 1958 etwa 22 Pferde. Die freien Stallungen des Haflinger-Gestütes aber wurden zu Großgaragen für den Motorpark der Gutsherrschaft umgebaut. 4)
Bei der Landtagswahl am 10.3.1957 entfielen in Kalwang 512 Stimmen auf die SPÖ, 381 auf die FPÖ und 19 auf die KPÖ.

Nach erfolgter Gemeinderatswahl fand am 20. April 1960 die konstituierende Sitzung des Gemeinderates von Kalwang statt. Folgende Gemeinderäte waren gewählt worden: Johann Eberhard, Franz Glück, Anton Gölles jun., Wolfgang Hatzi, Philipp Heiland jun., Dir. Alfred Hofer, Kurt Igler, Franz Kreiner, Josefa Leitner, Alois Lichtenegger, Karl Oswald, Johann Stecher, Otmar Streitmayer, Jakob Stuhlpfarrer, Fritz Teggan. Zum Bürgermeister wurde Jakob Stuhlpfarrer gewählt. 3)

Bei den Landtagswahlen am 12. März 1961 gab es in Kalwang folgende Stimmen: SPÖ 488, ÖVP 336, FPÖ 54, KPÖ 25. 3)

Bürgermeister Stuhlpfarrer trat von seinem Amt am 16. Jänner 1962 zurück; Alois Lichtenegger wurde zum neuen Bürgermeister gewählt.

Am 13. Juli 1962 verstarb der mehrmalige Bürgermeister Philipp Heiland. Er war durch Jahrzehnte in vielen Körperschaften und Vereinen führend tätig und hatte sich zahlreiche Verdienste um den Ort erworben.

Am 30. August 1962 wurde ein neues Siedlungshaus der Gemeinde eingeweiht, und am 29. September erfolgte die Schlüsselübergabe zum neuen >>Homogen<<-Wohnhaus. 3)

Die Nationalsratswahl am 18. November 1962 brachte für Kalwang folgende Stimmen: SPÖ 499, ÖVP 398, FPÖ 50, KPÖ 29. 3)

Anläßlich der Eröffnung der neu elektrifizierten Bahnstrecke St. Michael – Selzthal durchfuhr am 26. September 1964 der österreichische Bundespräsident Dr. Schärf diese Strecke; sein Zug hielt in Kalwang, wo der MGV, die Ortsmusik und die Schuljugend den Bundespräsidenten begrüßten. 1)

Kaufmann Josef Hanf, oftmaliger Bürgermeister von Kalwang, langjähriger Obmann des Kalwanger MGV, sowie der Waldgenossenschaft Kalwang und verdienstvolles Mitglied zahlreicher Vereine und Körperschaften wurde am 13. November 1964 unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung in Kalwang zu Grabe getragen.

Das neu gebaute Postgebäude in Kalwang konnte am 27. November 1964 eröffnet und damit auch der Selbstwählverkehr in Kalwang in Betrieb genommen werden.

Im Jahr 1965 fand am 14. März die Wahl zum steirischen Landtag statt; sie erbrachte in Kalwang folgende Stimmen: SPÖ 492, ÖVP 411, FPÖ 42, KPÖ 24. Bei der Gemeinderatswahl am 25. April 1965 entfielen auf die SPÖ 542, die ÖVP 342 und die FPÖ 42 Stimmen. 1)
In den Gemeinderat wurden gewählt: Alois Lichtenegger, Johann Berthold, Johann Eberhard, Ernst Forstner, Franz Glück, Philipp Heiland, Alfred Hofer, Kurt Igler, Robert Ofitsch, Karl Oswald, Erich Schüttner, Johann Stecher, Fritz Teggan, Karl Teggan, Anton Gölles.

Im selben Jahr verlieh die Gemeinde dem verdienten Primararzt Obermedizinalrat Dr. Hellmut Lederer das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde. 1)

Am 6.3.1966 erbrachte die Nationalratswahl in Kalwang folgendes Ergebnis: SPÖ 510, ÖVP 430, FPÖ 46 und DFP 16 Stimmen. 1)

Am 15. und 16. Juli 1967 erfolgte die Einweihung des neuen Feuerwehrgebäudes.

Das neu gebaute Eigentumswohnhaus Nr. 128, errichtet von der Ennstaler Siedlungsgenossenschaft, wurde am 30. Oktober 1967 den Wohnungseigentümern übergeben.

Zufolge seines schlechten Gesundheitszustandes legte Pfarrer P. Erenbert Haidinger sein Amt, welches er seit 1925 innegehabt hatte, am 31. Juli 1968 nieder; er blieb im Pfarrhof wohnen.
P. Bonifaz Benzing wurde am 1. August 1968 zu seinem Nachfolger bestellt. Am 6. August begrüßte Bürgermeister Lichtenegger den neuen Pfarrer vor dem Pfarrhof; die Ortsmusik und der MGV umrahmten den Begrüßungsakt, zu dem zahlreiche Pfarrangehörige gekommen waren. 2)

Im Jänner 1969 erhielt unsere Kirche einen sogenannten Volksaltar, um die durch das Konzil erneuerte Liturgie besser verwirklichen zu können. Im Mai 1969 begann die Renovierung der Pfarrkirche; die Gottesdienste wurden während der Zeit der Renovierung in der Barbara-Kapelle des Pfarrhofes gehalten. 1)

Am 29. Juni 1969 starb der langjährige Distriktsarzt von Kalwang Dr. Heribert Pristautz im Alter von 57 Jahren. Dr. Pristautz hatte im Ort nicht nur verdienstvoll als Arzt gewirkt, sondern auch noch die Zeit gefunden, die Leitung des Kalwanger MGV als Chormeister durch viele Jahre hindurch zu übernehmen.

Am 10. Dezember 1969 wurde um 16.50 Uhr die Kalwanger Raiffeisenkasse überfallen. Dem Räuber fielen 267.000 Schilling in die Hände. Er war mit einer schwarzen Kapuze und einem grünen Mundtuch vermumt. Drohend hatte er die Pistolenmündung auf die Kassenangestellten gerichtet mit den Worten: >>Geld her oder es kracht!<< In großer Eile raffte der Räuber das Geld zusammen und war wenige Augenblicke später unerkannt in der Dunkelheit untergetaucht. Der Täter konnte bis heute noch nicht ausgeforscht werden. 5) Im Oktober 1971 erfolgte abermals ein Überfall auf die Raiffeisenkasse. Der Aufmerksamkeit einer Kassenangestellten war es zu verdanken, dass der Raub aufgeklärt werden konnte.

Im Jahr 1970 gab es wieder drei Wahlen: Am 1. März Wahlen zum Nationalrat mit dem Kalwanger Ergebnis: SPÖ 503, ÖVP 418, FPÖ 31, KPÖ 6, NDP 2 Stimmen; am 15. März Wahlen zum steirischen Landtag mit dem Kalwanger Ergebnis: SPÖ 761, ÖVP 468, FPÖ 27, KPÖ 10 und NDP 2 Stimmen; am 14. Mai 1970 waren Gemeinderatswahlen mit dem Ergebnis: SPÖ 345, ÖVP 557, FPÖ 27 Stimmen. In den Gemeinderat wurden gewählt: Helmut Glabischnig, Dir. Alfred Hofer, Erich Schüttner, Johann Eberhard, Ernst Forstner, Richard Haberl, Kurt Igler, Erich Kristoferitsch, Herbert Leitner, Robert Ofitsch, Karl Oswald, Herbert Schober, Johann Stecher, Karl Teggan, Johann Tritscher. Zum Bürgermeister wurde Helmut Glabischnig gewählt. 2)

Das ständige Anwachsen des Verkehres auf der >>Gastarbeiterroute<< forderte auch in unserem Gebiet immer mehr Todesopfer; das Unfallkrankenhaus musste zunehmend mehr Schwerverletzte aufnehmen. Franz Baumgartner und Gertrude Neubauer aus Kalwang wurden Opfer des Straßenverkehres, wie Konrad Rahm und Renate Koppatz.

Am 2. Mai 1971 starb Pfarrer P. Erenbert Haidinger. Er wurde am 6. Mai d.J. im Priestergrab neben der Pfarrkirche unter großer Teilnahme der Bevölkerung beigesetzt. 65 Priester waren zur Trauerfeier erschienen, und Prälat Kolomann Holzinger widmete dem Toten einen tiefempfundenen Nachruf. Als Grabstein wurde dem Verstorbenen der alte Taufschein gewidmet, an dem er sehr gehangen hatte. Der Taufschein ist wohl das älteste Stück der Kirche und trägt die Jahreszahl 1610. Pater Erenbert war am 6.11.1894 zu Wels geboren, trat 1915 in das Stift Admont ein und empfing am 24.6.1918 die Priesterweihe im Dom zu Graz. Von 1919 bis 1920 war er Kaplan in St. Gallen, 1920 bis 1925 Waldamtsadjunkt im Stift Admont und 1925 bis 1968 Pfarrvikar in Kalwang. Er war ein >>eifriger Seelsorger, eine ausgeprägte Persönlichkeit, begeistert für Kunst und Literatur<<, so heißt es in der Todesanzeige. 1)

Am 12. September 1971 wurde Altbürgermeister Stuhlpfarrer in Kalwang beigesetzt. In der Nacht zum 31. August 1972 wurde in der Sebastianikirche eingebrochen. Die Diebe, die mehrere wertvolle Inventarstücke raubten, konnten bisher noch nicht gefaßt werden.

Am 30. April 1973 verunglückte der Kalwanger Distriktsarzt Dr. Grond in Bad Aussee tödlich. Mit Oktober 1973 übernahm Dr. Heimo Haid die Stelle eines Distriktsarztes in Kalwang.

Bei der Gemeinderatswahl am 27. April 1975 erhielt die Liste >>Glabischnig<< 6 Mandate, die ÖVP 3 Mandate und die SPÖ 6 Mandate. Helmut Glabischnig wurde wieder zum Bürgermeister gewählt.

In den Gemeinderat wurden entsandt: Helmut Glabischnig, Walter Pregetter, Paul Pucher, Johann Eberhard, Ernst Forstner, Franz Gruber, Helmut Kreiner, Erich Kristoferitsch, Prim. Dr. Hans Krotscheck, Karl Heinz Neisser, Robert Ofitsch, Herbert Schober, Erich Schüttner, August Steger, Hans Wohlmuther.

Die Schlüsselübergabe zu einem neuen Eigentumswohnhaus neben dem Ortsfriedhof erfolgte am 21. März 1975. 2)

Am 12. November 1976 wurde in Kalwang unter großer Teilnahme der Bevölkerung Obermedizinalrat Primarius Dr. Hellmut Lederer beigesetzt. Mit 31. Dezember 1976 trat Oberschulrat Direktor Hofer in den Ruhestand.

Größere Wirtschaftsbetriebe in Kalwang

Die Gutsherrschaft Liechtenstein:
Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor des Marktes Kalwang ist das Forstgut, welches Eigentum des regierenden Fürsten von und zu Liechtenstein ist und eine Fläche von rund 13.000 ha umfaßt:
Wirtschaftswald 6.370 ha
Schutzwald 2.411 ha
Alpen 393 ha
Landwirtschaft 64 ha
Sonstiges 45 ha
Unproduktiv 2.709 ha
Summe 11.991 ha
dazu noch gemeinsamer Besitz 1.054 ha
Somit insgesamt 13.045 ha

Von 1945 bis 1967 war Prinz Alois v. Liechtenstein am Wiederaufbau der Forstwirtschaft am Gute Kalwang hervorragend beteiligt.

Zum Fürst Liechtensteinschen Betrieb gehören:
eine Säge mit etwa 32.000 fm Einschnitt,
eine kleine Landwirtschaft mit einem Haflinger-Gestüt (Fohlenhof),
eine Blumengärtnerei
und eine Fischzucht (Forellen).

Die Forstwirtschaft ist weitgehend mechanisiert. Zur Zeit (1976) sind etwa 163 km Fortstraßen gebaut, wozu betriebseigene Maschinen zur Verfügung stehen. Die Holzrückung bewerkstelligen 2 Knickschlepper und 2 Urus-Seilkräne; die gesamte Schlägerung wird von eigenen Forstarbeitern durchgeführt, welche in den Sommermonaten durch etwa 10 Gastarbeiter aus Jugoslawien verstärkt werden. Für den Holztransport sind 3 schwere Lastkraftwagen eingesetzt. Die Holzernte läuft das ganze Jahr ohne Winterpause durch. Das herrschaftliche Jagdrevier ist eines der besten Rotwildgebiete Österreichs. Vor einigen Jahren wurden Wintergatter aufgestellt, die zur Eindämmung der Schäl- und Verbißschäden dienen. Diese haben sich gut bewährt, wobei eine Verbesserung der Trophäenbildung festgestellt werden konnte. Die Fütterungen sind modernst eingerichtet und mit Silos ausgestattet, wobei das Heu, von der eigenen Landwirtschaft gepreßt, in die Heustadeln gelangt. Als Silofutter wird Grassilage und Maissilage verwendet. Die Gutsherrschaft Liechtenstein beschäftigt über 120 Arbeiter und Angestellte. 2)

Als Forstamtsleiter (Forstdirektoren) des Gutes Kalwang wirkten:
1904 – 1938 Ing. Carl Sprosec
1938 – 1942 Ing. Robert Pfisterer
1942 – 1960 Friedrich Marzellin
1961 – 1967 Oberforstmeister Hans Hübler
1967 – 1976 Dr. Stefan Szeless
1976 – 1979 Dipl. Ing. Bertram Blin.
Ab 1979 Dipl. Ing. Richard Ramsauer

Die Säge in Pisching:
Da die herrschaftliche Säge im Wirtschaftsleben des Ortes stets eine große Rolle spielte, sei hier einiges über ihre Entwicklung festgehalten. Graf Silva Tarouca ließ in Pisching eine Säge, verbunden mit einer Kistenfabrik (etwa 1895). Sie wurden mit Wasserkraft betrieben. Im Jahre 1907 kaufte Rudolf von Gutmann den ganzen Betrieb des Grafen Silva Tarouca, und somit kam auch das Sägewerk in seinen Besitz. Schon im Jahre 1910 erfolgte eine Vergrößerung der Säge und für ihren Betrieb wurde ein Lokomobil angeschafft. Nach dem ersten Weltkrieg wurde der Sägebetrieb an eine Holzindustriegesellschaft verpachtet. Das ganze im Gutmann´schen Waldbesitz geschlägerte Holz fand seinen Käufer in dieser Holzindustriegesellschaft, welche es dann auf der gepachteten Säge gleich verschnitt. 1)

Lohnforderungen der Sägearbeiter führten vom 22. Juni bis zum 9. Juli 1928 zu einem Streik, worauf die Sägeleitung alle streikenden Arbeiter entließ. Jedoch wurden nach dem Streikende die meisten Arbeiter wieder eingestellt. Die Säge war nach dem ersten Weltkrieg neben dem Bergbau der wichtigste Betrieb, in dem viele Bewohner des Ortes Arbeit gefunden hatten. Im Mai des Jahres 1929 ging der Sägebetrieb wieder ganz in den Besitz der Gutmann´schen Herrschaft über und wurde von ihr als landwirtschaftlicher Nebenbetrieb weitergeführt. 1)

Der allgemeine wirtschaftliche Niedergang zu Anfang der dreißiger Jahre brachte im Juni 1932 eine vollständige Stillegung des Sägebetriebes; alle >>Sagler<< wurden arbeitslos. Inzwischen gelangte die Säge am 1. August 1932 durch den Verkauf des gesamten Gutmannschen Herrschaftsgutes in den Besitz des regierenden Fürsten von Liechtenstein. Im Juli 1934 konnte die Säge ihren Betrieb wieder aufnehmen; doch wurde nur ein Teil der 1932 arbeitslos gewordenen Sägearbeiter wieder beschäftigt. 1)

Am 3. Jänner 1939 brannte die herrschaftliche Säge in den ersten Nachtstunden aus unbekannter Ursache vollständig ab. Bald darauf errichtete die Herrschaft Liechtenstein an Stelle der alten Säge ein neues Werk mit Dampfbetrieb und drei Vollgattern. Sie arbeitete fortan als Werk des Forstbetriebes der Herrschaft Liechtenstein. 1)

Kurz nach dem Ende des zweiten Weltkrieges im Jahre 1945 wurde die Säge vom Forstamt wieder abgetrennt und als OHG (Offene Handelsgesellschaft) ein gewerblicher Betrieb. Das im Liechtenstein´schen Forstbetriebe geschlägerte Holz wurde der Säge verkauft. Für das Schleifholz aber war die Papierfabrik Brigl und Bergmeister der Hauptabnehmer, während das Grubenholz die Alpine Montangesellschaft kaufte. Das Brennholz fand zum Teil im Ort seine Abnehmer, wurde aber auch waggonweise in die Städte verkauft. 1)

Am 01.10.1958 kam das Sägewerk wieder in den Besitz der Herrschaft Liechtenstein zurück, nachdem es bisher der Hochstein G.m.b.H. angehört hatte. Damit war die Säge wieder ein Betriebszweig des Liechtenstein´schen Forstamtes geworden. Gleichzeitig erfolgte ein Umbau der Säge, welcher im Februar 1959 abgeschlossen werden konnte. Bereits 1960 wies die Säge einen Verschnitt von 16.411 Festmeter aus. 1)

Das Sägewerk ist derzeit unmittelbar an den im Jahre 1972 eingerichteten Holzhof angeschlossen. Auf dem Holzhof wird die gesamte Holzernte des herrschaftlichen Forstbetriebes unsortiert und in Rinde angeliefert. Der Holzhof sortiert mit Hilfe von 40 Sortierboxen das Säge-Rundholz sehr genau und hält die anderen Sortimente wie Schleifholz, Grubenholz, Waldstangen usw. auseinander. 2)

Die maschinelle Ausstattung des Sägewerkes fand 1975 dahingehend eine Modernisierung, dass trotz einer Verringerung der Arbeiterzahl eine höhere Schnittleistung erreicht werden konnte. Die Säge verfügt nun über eine Kammertrockenanlage und ist mit einer Halle von 1600 m2 zur Lagerung des Schnittholzes ausgestattet. 3)

Die Entwicklung des herrschaftlichen Sägebetriebes nach den Umbauten von 1958 und 1960:
Vor dem Umbau: ca. 45 Arbeiter erbrachten einen Jahreseinschnitt von ca. 10.000 fm.
Nach dem Umbau: ca. 30 Arbeiter erbrachten einen Jahreseinschnitt von 16.411 fm.
1976: einschließlich Holzhof: ca. 22 Arbeiter erbrachten einen Jahreseinschnitt von 31.526 fm.

Die Lieferungen des Schnittholzes gingen im Jahre 1976:
nach Italien 77,4 %
nach Levante 14,0 %
nach BRD 0,4 %
nach Liechtenstein 0,5 %
nach England 1,3 %
nach Inland 6,4 %

Schnittholzverkauf:
1960: 10.935,40 m3
1976: 20.720,00 m3. 3)

1) Nach der Chronik des Liechtenstein´schen Forstamtes Kalwang.
2) Nach Angaben des Liechtenstein´schen Forstamtes in Kalwang vom 28.9.1976.
3) Nach Angaben des Liechtenstein´schen Sägewerkes in Kalwang vom 31.3.1977.

Die Plattenwerke Kalwang:
Im Juni 1949 wurde die Firma unter dem Namen >>Österreichische Homogenholz Ges.m.b.H.<< als erstes Spanplattenwerk in Österreich gegründet. Hauptgesellschafter war der regierende Fürst von und zu Liechtenstein. Zum Bau des Werkes standen ERP-Mittel zu Verfügung, und nach längerer Bauzeit konnte das Homogenwerk in Kalwang am 26. März 1952 seinen Betrieb aufnehmen. 1)

Zur Verarbeitung standen zunächst das gesamte anfallende Restholz, sowie Sägespäne vom angrenzenden Fürst Liechtenstein´schen Sägewerk zur Verfügung. Die Anlaufversuche des Betriebes dauerten länger und gestalteten sich oft schwierig. Man musste bald feststellen, dass die anfangs verwendeten Maschinen, so wie der selbst produzierte Leim noch nicht dazu geeignet waren, eine verkaufsfähige Spanplatte zu erzeugen. Man entschloß sich daher, von der Verarbeitung des Restholzes der Säge abzugehen und mit einer Zerspanungsmaschine für 1 m langes Schichtholz einen der Holzwolle ähnlichen Span zu erzeugen. Damit wurde bei einer Tagesleistung von etwa 30 m3 eine Einschichtplatte erzeugt.

Im Jahre 1955 fand ein vollständiger Umbau des Betriebes statt, welcher die Herstellung der noch bis heute produzierten Dreischichtplatte mit 2 feinen Decklagen und einer gröberen Mittellage ermöglichte. In den Jahren 1960 und 1968 wurde der Betrieb abermals erweitert und erreichte eine Tageskapazität von etwa 300 m3. Der Personalstand umfaßte 190 Arbeiter und 30 Angestellte.

Da vernichtete am 27. Juni 1969 ein Riesenbrand das Kalwanger Homogenwerk (siehe Kapitel auf Seite 234.)
Lange und oft aussichtslos scheinende Verhandlungen zwischen Landeshauptmann Krainer und den Gesellschaftern des abgebrannten Werkes, Karl Alfred v. Liechtenstein, Dipl.-Ing. Adolf Funder und Isovolta, führten dann doch endlich zu dem Beschluß, das Kalwanger Werk wieder aufzubauen, aber auch in Neudörfl (Burgenland) eine neue Fabrik dieser Art zu errichten. Der Betrieb wurde so gewissermaßen zweigeteilt.
Im Mai 1970 konnte der Kalwanger Betrieb seine Tätigkeit wieder aufnehmen. Das neue Produktionsprogramm umfaßte die Veredelung der Platten für die Möbel- und Bauindustrie. Die Firma wurde auf drei Gesellschafter aufgeteilt. Es fanden aber nur noch etwa 90 Beschäftigte in Kalwang wieder Arbeit. Ein Teil der in Kalwang nicht mehr Beschäftigten musste in die Fabrik nach Neudörfl übersiedeln.

Nach einer neuerlichen Erweiterung des Kalwanger Betriebes im Jahre 1974 erreichte die Produktion bei einer Belegschaft von 112 Arbeitern und 12 Angestellten eine Tagesleistung von 400 m3. Hatte man sich bei der Gründung des Homogenwerkes das Ziel gesetzt, nur Restholz zu verarbeiten, so konnte dies jedoch erst 1969 zum Teil Wirklichkeit werden. Das Werk verarbeitete: etwa 20 % Sägespäne – Fichte – Lärche, etwa 50 % Spreißel – Fichte – Lärche und etwa 30 % Schichtholz, 1 m lang in Kiefer, Pappel, Buche, Eiche und Erle. Die Spanplatten fanden zu 30 % ihren Absatz im Inland und zu 70 % gingen sie ins Ausland (Italien, Tschechoslowakei, Schweiz, Bundesrepublik Deutschland und England).

Die Firma wurde anfangs 1977 in >>SAX-Werke<< umbenannt und bestand aus den drei Werken: Kalwang, Neudörfl (Burgenland) und Langenlois (Niederösterreich). Die Gesamtproduktion aller drei Werke lag bei etwa 1300 m3 täglich.
Kalwang allein verarbeitete täglich 27.000 kg Festharz (Leim), und etwa 950 Raummeter Holz. Gesellschafter der Firma waren: Fürst von und zu Liechtenstein, Dipl.-Ing. Adolf Funder und Herbert Thurnauer. Dipl.-Ing. Funder war für die Geschäftsführung aller drei Werke zuständig. 2)

Seit 1. Jänner 1979 führt das Homogenwerk Kalwang die Bezeichnung >>Plattenwerke Kalwang Ges.m.b.H. & Co. KG<< und ist seit diesem Tag im alleinigen Besitz des Kärntner Holzindustriellen Dipl.-Ing. Adolf Funder. Funder kaufte von den beiden bisherigen Mitgesellschaftern Liechtenstein und Thurnauer deren Anteile ab. Gleichzeitig erfolgte eine Änderung des Erzeugungsprogrammes. Das Werk I, welches bisher kleinformatige Platten übernahm das niederösterreichische Werk Langenlois. Das Werk II erzeugt weiterhin großformatige Platten, die zu 60 % zur Weiterverarbeitung nach St. Veit, Kärnten, (Funder-Platten) geliefert werden.

1) Nach der Chronik der Pfarre Kalwang.
2) Nach Angaben des Sax-Werkes in Kalwang.

Brand des Homogenwerkes 1969:
Am 27. Juni 1969 vernichtete ein Riesenbrand des Kalwanger Homogenwerk. Der herrschende Nordost-Wind trieb die Flammen rasch zu den nächst gelegenen Objekten. Innerhalb von zwei Stunden vernichtete der Feuersturm den größten und wichtigsten Teil des Werkes; der Brandherd lag im Werk 3. Das gesamte Plattenlager und eine große neue Halle wurden vernichtet, nur der älteste Teil des Betriebes, das Werk 1, blieb übrig. Die Werks- und die Ortsfeuerwehr konnten des Brandes allein nicht Herr werden; es wurde >>Großalarm<< gegeben. 25 Wehren mit 240 Feuerwehrmännern aus der Umgebung kämpften stundenlang gegen die Flammen. Die ersten Phasen der Brandbekämpfung leiteten der Kommandant der Betriebsfeuerwehr des Homogenwerkes Franz Schromm und der Kommandant der Ortsfeuerwehr Anton Gölles, die in der weiteren Entwicklung des Brandgeschehens vom stellvertretenden Feuerwehrkommandanten des Bezirkes Leoben, Großauer, unterstützt wurden.

Den Feuerwehren gelang es nach fünf Stunden, den Brand im Werk zu lokalisieren und unter Kontrolle zu bringen. Eine Bundeswehreinheit, die Brigade-Artillerie-Abteilung 10, befand sich gerade zur Brandzeit in Pisching auf einer Inspektionsübung. Die Kraftfahrzeuge waren in der Nähe des Werkes abgestellt, konnten aber sofort in Sicherheit gebracht werden. Danach widmete sich das Bundesheer gemeinsam mit der Gendarmerie der Verkehrsregelung. Da die brennenden Werkshallen sich in unmittelbarer Nähe der Bahnanlagen befanden, kam es zu Zugsverspätungen. Die Flammen- und Rauchsäulen waren im Liesigtal kilometerweit zu sehen.

Das Homogenwerk gehörte zu den größten Betrieben der Umgebung und zählte zu den modernsten Werken der Obersteiermark. Es beschädigte rund 200 Leute. Seine Produktion wurde größtenteils expordiert. Großer Schaden enstand durch den Verlust der Exportwaren, die in nächster Zeit nach Jugoslawien, Deutschland und in die Schweiz hätten abgehen sollen. Der Schaden wurde auf über 200 Millionen Schilling geschätzt. Der ganze Betrieb musste vollkommen eingestellt werden; nur ein Teil der Arbeiterschaft des Werkes fand noch bei Aufräumungsarbeiten Beschäftigung.

Die aus Holz gebauten Werkssiedlungen, sowie das Holzlager der anschließenden herrschaftlichen Säge konnten nur mit Mühe vor einem Übergreifen der Flammen bewahrt werden. Lediglich aus einem der Häuser mussten 4 Familien evakuiert werden. Auch Landeshauptmann Krainer und Landesrat Pelzmann überzeugten sich noch in der Nacht an Ort und Stelle vom Ausmaße der Katastrophe. Sie bezeichneten sie als schweren Schlag für die Wirtschaft des ganzen Gebietes. 1)

Die Kalwanger Gemeindevertretung – die Kalwanger Bürgermeister

Es war nicht möglich, die Bürgermeister Kalwangs lückenlos festzustellen, da alle entsprechenden Unterlagen und Aufzeichnungen fehlen. Gemeinderats-Sitzungsprotokolle seit dem Jahre 1901 sind wohl vorhanden, doch enthalten diese meist nur die Anführung der Tagesordnungspunkte, ohne das Ergebnis der Behandlung dieser Punkte festzuhalten. Weder der jeweilige Bürgermeister noch die Gemeinderatsmitglieder werden angeführt. Erst ab dem Jahre 1919 tritt in dieser Hinsicht eine etwas genauere Protokollführung ein. Da aber auch in den Chroniken der Pfarrkirche und der Volksschule Kalwang nur selten die Bürgermeister des Ortes erwähnt werden, war auch von dieser Seite her nicht viel zur Feststellung jeweiliger Bürgermeister zu erreichen.

In der Schulchronik der Volksschule Kalwang führt Oberlehrer Viktor Jabornik in der Zeit von 1888 bis 1903 folgende Gemeindevorsteher (Bürgermeister) an: Andreas Glück, Johann Klarmann d.Ä., Carl Kaiblinger d.Ä. und Anton Heiland.

Im Jahre 1901 scheint Anton Heiland in den Chroniken als Bürgermeister in Kalwang auf. Als Gemeinderäte waren um diese zeit tätig: Engelbert Fichtl d.Ä. , Johann Wallner, Carl Kaiblinger, P. Maurus Schober, Hermann Wünsch, Josef Hanf d.Ä., Sebastian Schober, vlg. Weinkräutl, Andreas Glück, vlg. Schwagerbauer, Simon Reitmayer, Carl Größing d.Ä., Kajetan von Scheuchenstuel und Johann Leitner. 1)

Im Jahre 1907 erscheint Otto Gruber und 1910 Simon Reitmayer als Bürgermeister in den Gemeinde-Sitzungsprotokollen auf. Im Jahre 1912: Bürgermeister Simon Reitmaier; Gemeinderäte: Karl Sprosec, P. Clemens Vogl, Johann Lackner, Matthias Ehweiner, Sebastian Schober, Peter Sigmund, Josef Kolland, Stocker, Fichtl und Peter Vasold. 1)

Ab 1913 ist eine lückenlose Aufstellung der Kalwanger Bürgermeister und deren Amtsperioden möglich gewesen.
1913 bis 01.01.1919 Otto Gruber
11.08.1919 – Juni 1924 Josef Hanf
14.06.1924 – 31.10.1929 Simon Reitmaier
Im Oktober 1929 wurde der Gemeinderat aufgelöst.
05.10.1929 – 11.11.1929 Simon Reitmaier (Regierungskommisär)
07.01.1930 – 16.07.1932 Josef Hanf
16.07.1932 – Oktober 1933 Johann Klarmann II.
Am 24.10.1933 wurde der Gemeinderat wieder aufgelöst.
24.10.1933 – 29.05.1935 Matthias Ehweiner (Regierungskommisär)
29.05.1935 – 12.03.1938 Josef Hanf
12.03.1938 – 1943 Ing. Robert Pfisterer
1943 – 08.05.1945 Josef Wurst
08.05.1945 – 23.05.1945 Philipp Heiland d.Ä.
23.05.1945 – 06.06.1945 Johann Skergett
06.06.1945 – 01.08.1945 Anton Jessenik
01.08.1945 – 27.09.1945 Philipp Heiland d.Ä.
27.09.1945 – 11.05.1946 Hans Gruber
11.05.1946 – 23.04.1950 Franz Radler
23.04.1950 – 03.04.1955 Philipp Heiland d.Ä.
03.04.1955 – 26.01.1962 Jakob Stuhlpfarrer
26.01.1962 – 14.05.1970 Alois Lichtenegger
Seit 14.05.1970 Helmut Glabischnig

1929 – das Jahr der Markterhebung

Am 14. Juli1928 richtete der Gemeinderat von Kalwang an die Steiermärkische Landesregierung eine Eingabe mit der Bitte um Verleihung des Rechtes zur Führung der Bezeichnung Marktgemeinde. Wie immer bei solchen Ansuchen ging auch dem Kalwanger Wunsche ein eingehende Prüfung der Voraussetzungen hiezu voran, denn es wurde nur solchen Orten die gehobene Position und das Ehrenrecht, sich Markt nennen zu dürfen, erteilt, welche sich in mehrere Beziehungen dessen würdig erwiesen. Begründet wurde das Ansuchen um Markterhebung mit dem Aufschwung, den Kalwang seit dem Beginnd er Gutmann´schen Besitzerwerbung im Jahre 1904 genommen hatte. Gleichzeitig beantragte die Gemeinde auch die Verleihung eines Gemeindewappens, dessen Entwurf der Revierjäger Abendstein angefertigt hatte. Die entsprechenden Zeichnungen hiezu verfertigte der akademische Maler Wohlfahrt in Graz. Sie wurden vom Landesdenkmalamt überprüft und der steierm. Landesregierung vorgelegt. Ein vom Bundeskanzleramt in Wien hiezu eingeholtes Gutachten stellte kein Hindernis zur Bewilligung dieses Marktwappens fest. 1)

Durch den Beschluß des steirischen Landtages vom 12. März 1929 erhielt Kalwang auf Grunf des § 2 des Gesetzes vom 13.2.1928 (L. G. BI. Nr. 36/1928) das Recht zur Führung der Bezeichnung Marktgemeinde. Gleichzeitig verlieh die Landesregierung am 27. März 1929 der Gemeinde nachstehen beschriebenes Wappen:

>>Ein blauer Schild, aus dessen Frußrand der nach rechts vorwärtsgeneigte Kopf mit Halsansatz eines braunen Hirschen hervorwächst. Zwischen dem zwölfendigen Geweih erhebt sich ein hohes goldenes Kreuz, aus dessen Winkeln goldene Strahlen hervorbrechen. Hinter dem Hirschkopf steigt in drei Absätzen ein unter bewaldeter, in der Mitte beraster und oben felsiger Gebirgszug empor. Den Schild umgibt eine ornamentierte, bronzefarbige Randeinfassung.<<

Wegen der beschränkten Geldmittel faßte der Gemeinderat von Kalwang auf Anraten der Gutsherrn den Beschluß, die Markterhebungsfeier am 16. Juni 1929 in einfachen Rahmen abzuhalten. Die Gemeinde zählte mit den Katastralgemeinden Kalwang, Pisching, Schattenberg und Sonnberg in rund 220 Häusern 1750 Einwohner. Am Tage der Markterhebungsfeier versammelten sich die Vereine des Marktes um ½ 9 Uhr vor dem Gasthaus Ehweiner und zwar der Kameradschaftsbund mit Obmann Grabmeier, die Marktfeuerwehr mit Hauptmann Größing, die Gutsfeuerwehr mit Hauptmann Lischka, der Allgemeine Deutsche Turnverein mit Obmann Hutter und der Gesangverein mit Obmann Hanf. Die Vereine marschierten, voran die Ortsmusik, zum Hauptplatz vor der Kirche, wo Bürgermeister Simon Reitmaier die erschienene Festgäste begrüßte; darunter Landesamtsdirektion Dr. Pfusterschmied, in Vertretung des Landeshauptmannes, Abt Schlamadinger von Admont und den Bezirkshauptmann von Leoben Dr. Urbanek. Abt Schlamadinger hielt den Festgottesdienst. Anschließend fand die Festversammlung statt. Nach einer Ansprache des Hofrates Dr. Pfusterschmied, welcher die Grüße und Wünsche des Landeshauptmannes Dr. Rintelen überbrachte, übergab er dem Bürgermeister das Wappen mit der Urkunde der Erhebung der Dorf- und Marktgemeinde. Die Markterhebungsurkunde war von Prof. Dr. Pauluzzi hergestellt worden. Der Festredner, Universitäts-Professor Dr. Hans Pirchegger, brachte in kurzen Worten eine anschauliche Darstellung über die Gründung und Vergangenheit des Ortes. Der Männergesangsverein sang unter der Leitung von Erich Brandl einen Festchor. Nach diesem Lied erfolgte die Kranzniederlegung beim Kriegerdenkmal durch den Kameradschaftsbund; sonach wurden 12 >>treue Marktkrieger<<, welche in Südtirol gekämpft hatten, mit der >>Tiroler-Landes-Ehrenmedaille<< dekoriert. – Der Gutsherr Rud. v. Gutmann bewirtete die Festgäste teils in seinem Schloß, teils im Gasthaus Pircher. Am Festessen nahmen die sozialdemokratischen Gemeinderäte nicht teil. Die Markterhebungsfeier endete mit einem Gartenkonzert im Garten des Gasthauses Franz Fichtl. 2)

Prof. Dr. Pirchegger schrieb im Grazer Volksblatt zur Markterhebungsfeier u.a.: >>Kalwang erscheint seit 1177 als Ort, 1612 unter den grundherrlichen Märkten, dann wieder als Dorf … hatte eine Poststation an der Salzstraße und gelangte wegen seiner Kupferlage in der Teichen zur Bedeutung. Längs des Baches zog ein Säumerweg nach Innerberg-Eisenerz. Die Kalwanger brachten dorthin Salz und führten Rauheisen zurück, das sie in ihren Hämmern abschmiedeten. Im Jahre 1535 gab es hier und in der nächsten Umgebung fünf große wälsche und mehrere kleine Hämmer. Von den Gewerken stammen noch schöne alte Häuser, die dem Orte das Gepräge eines Marktes verleihen, der 1691 unter der Grundherrschaft Admont stand … Der Niedergang erfolgte im Jahre 1790 … Erst nach 1904, als das Gut Teichen-Kalwang in den Besitz des jetztigen Inhabers Rudolf von Gutmann kam, erfolgte ein starker Aufschwung. An Stelle des Kupfers trat Schwefelkies, modern eingerichtetes Spital für seine Arbeiter und Angestellten, die schönste Schule des Liesingtales, einen Kindergarten und mehrere Häuser für seine Leute, alles gut eingefügt in das Bestehende, namentlich in die Landschaft. Daher bietet Kalwang heute einen ganz anderen Anblick als noch vor 30 Jahren. Da es zudem eine beliebte Sommerfrische geworden ist, so kann der jüngste Markt der Steiermark getrost in die Zukunft blicken!<< 3)

In der Pfarrchronik findet sich aber bereits zur Markterhebungsfeier die Anmerkung: Der Markterhebungsbeschluß >>erfolgte in einer Zeit, wo die besseren Zeiten des Ortes vorbei waren. Jedenfalls scheint die Markterhebung die Blütezeit des Ortes abzuschließen.<<

Zur Markterhebung im Jahre 1929 ist vielleicht auch ein steirischer Landesakt vom 28. Oktober 1469 interessant, in dem >>Keichlwang<< bereits um diese Zeit unter den >>Merkchten>> aufgezählt wird.
>>Die von steten: Item die von Prugk an der Mür, die von Lewben, die von Knuttelveld, die von Judenburg, die von Rotenmann, die von Oberweltz. Die von Merkchten: Item baide Eysenärczt, Trafeyach, Mauttarn, Keichlwanng, Oberczeyrigk, Newnmarkcht, Hundmarkcht, Obedach, Weissenkirchen, die von Kamer.<< 4)

Am 21. März 1929 waren es 25 Jahre, dass sich Rud. v. Gutmann als Gutsbesitzer in der Gemeinde Kalwang ansäßig gemacht hatte. In Würdigung der Verdienste, die isch Gutmann um Kalwangs Entwicklung erworben hat, beschloß der Gemeinderat, Rudolf v. Gutmann eine Dankadresse zu übermitteln, in welcher auf seine großzügige Durchführung der Wildbach-Verbauung, auf die Errichtung des Spitals, die Erbauung der Schule, die Ausgestaltung und mustergültige Ausrüstung der Feuerwehren usw. hingewiesen wurde. Gutmann stiftete anläßlich der Wiederkehr des Tages seiner Niederlassung in Kalwang zwei Stipendien für mittellose Kalwanger Kinder zwecks Ausbildung in forst- und landwirtschaftlichen Schulen oder in Lehrerbildungsanstalten. Da im Jahre 1929 kein Kind der hiesigen Schule hiefür in Betracht kam, erhielt das Stipendium der Kalwanger Medizinstudent Bruno Rieger, welcher heute als Arzt in Köflach wirkt. 1)

Am 11. November 1929 starb der langjährige Kalwanger Bürgermeister Simon Reitmaier, welcher auf dem evangelischen Friedhof in Unterwald begraben wurde.

Die Schwester des Gutsbesitzers Rud. v. Gutmann, Frau Elsa v. Erös, verehelichte sich am 23. Juli 1929 in Wien (Lainz) mit dem regierenden Fürsten Franz I. von Liechtenstein, mit welchem sie seit Jahren befreundet war. Fürst Franz I. übernahm im 77. Lebensjahr nach dem Tode seines Bruders die Regierung des Fürstentums und ließ sich mit seiner Gemahlin am 11. August 1929 in Vaduz huldigen. 2)

Nach einer stürmischen Gemeinderatssitzung legten am 31. März 1929 die sogenannten >>bürgerlichen<< Gemeinderäte ihre Mandate in Kalwang zurück; die Gemeindevertretung wurde aufgelöst und Bürgermeister Reitmaier zum Regierungskommissär bestellt. Die Neuwahl des Gemeinderates am 22. Dezember 1929 brachte folgendes Ergebnis:

Wirtschaftspartei 474 Stimmen = 7 Mandate
Sozialdemokraten 318 Stimmen = 5 Mandate

Daraufhin wurde am 7. Jänner 1930 Kaufmann Josef Hanf zum Bürgermeister, Bahnvorstand Franz Schlögl und Wenzel Michetschläger zu seinen Stellvertretern gewählt. 2)

Die Kalwanger Distriktsärzte 

Gemeindeärzte

Dr. Emil Stockreiter vor 1904
Dr. Ferdinand Brunner seit 1904
Dr. Lichtenegger bis 1910
Dr. Richard Mitter 1910 – 1918
Dr. Eduard Fugger 1919 – 1929
Dr. Adalbert Riegler 1929 – 1932
Dr. Fritz Paulitsch 1932 – 1941
Dr. Heribert Pristauz 1941 – 1969
Dr. Hans Grond 1971 – 1973
Dr. Heimo Heid seit 01.10.1973

Die Schulleitung der Volksschule in Kalwang 

Adam Holzapfel 1598
Franz Gödl 1790 – 1811
Sebastian Schweiger 1811 – 1814
Josef Klein 1814 – 1842
Josef Herdy 1842 – 1848
Matthias Gorimorth 1848 – 1888
Viktor Jabornik 1888 – 1903
Hans Englisch 1903 – 1921
Josef Stradner 1922 – 1950
Alfred Hofer 1951 – 1976
Karl Heinz Neißer seit 1977

Die Ehrenbürger der Gemeinde Kalwang

Baron Philipp Ritter von Haas, Gutsbesitzer in Kalwang
Er wurde im März 1904 wegen seiner großen Verdienste um die Gemeinde und der vielen Spenden für den Ort zum Ehrenbürger ernannt.

Rudolf Ritter von Gutmann – Gutsbesitzer in Kalwang
Wegen seiner Verdienste um die Entwicklung des Ortes sowie seiner großen Unterstützung bei der Behebung der argen Unwetterschäden in der Teichen und im Ort verlieh ihm der Gemeinderat am 17.03.1913 das Ehrenbürgerrecht.

Sebastian Schober vlg. Weinkräutl
Der Gemeinderat verlieh ihm im Jänner 1924 wegen seiner erfolgreichen Tätigkeit durch 30 Jahre als Gemeinderat das Ehrenbürgerrecht.

Obermedizinalrat Prim. Dr. Hellmut Lederer
Der Gemeinderat beschloß am 08.05.1964, ihm zufolge seiner Verdienste um den Ausbau und die Entwicklung des Kalwanger Unfallspitales und damit für die Entwicklung des Kalwanger Unfallspitales und damit für die Entwicklung des Ortes das Ehrenbürgerrecht zu verleihen. Die Verleihung fand anläßlich seines 65. Geburtstages statt.

Geistl. Rat Pfarrer P. Erenbert Haidinger
Am 17.05.1965 verlieh ihm der Gemeinderat nach einem Beschluß vom 12.03.1965 anläßlich seiner 40jährigen Priestertätigkeit in Kalwang und seiner besonderen Verdienste, die er sich um den Ort erworben hatte, das Ehrenbürgerrecht.

Kalwang feierte Doppeljubiläum

In der letzten Oktoberwoche des Jahres 1979 feierte man in Kalwang den 800jährigen Bestand der Ortsgemeinschaft und den 50. Jahrestag der Markterhebung.
Nach einem Eröffnungskonzert des Lehrersingkreises Liesingtal und einem von Pfarrer Geistl. Rat Benzing zelebrierten Festgottesdienst veranschaulichte eine Hobbyausstellung, dass in unserem Ort viel kunsthandwerkliche und künstlerische Talente beheimatet sind. Einige gut besuchte Unterhaltungsveranstaltungen für jung und alt leisten zum Höhepunkt der Festwochen über: zum Festakt im Kultursaal, der durch die Anwesenheit von Landeshauptmann Dr. Friedrich Niederl besonders ausgezeichnet wurde. In dieser von den musikpflegenden Vereinen und Gruppen Kalwangs stimmungsvoll umrahmten Feierstunde wurden an Erbprinz Hans Adam von und zu Liechtenstein, an den früheren Leiter der Sozialversicherungsanstalt der Land- und Forstwirtschaft, NRAbg. a. D. Vollmann, an die langjährigen Gemeindevorstandsmitglieder OSR Dir. Alfred Hofer und Johann Eberhart, und an den Autor dieses Buches, Dir. Erich Brandl, neugeschaffene Ehrenringe der Marktgemeinde verliehen.

Die >>Obersteirische Volkszeitung<< berichtete über Festakt und Festwochenausklang u. a.:

Unter Beteiligung der gesamten Bevölkerung, der Ämter, Behörden und örtlichen Vereine beging Kalwang diesen Festakt anläßlich des 800jährigen Bestehens und der vor 50 Jahren erfolgten Markterhebung. Bürgermeister Glabischnig konnte dazu als besonderen Ehrengast Landeshauptmann Doktor Niederl begrüßen, ebenso NRAbg. a. D. Vollmann, die Abgeordneten zum steirischen Landtag Kollmann, Kirner und Turek, Bezirkshauptmann Hofrat Dr. Kaufmann, Erbprinz Hans Adam von Liechtenstein mit Gattin, Hofrat Dr. Kurt Weihs, Hofrat Dipl.-Ing. Ernst Gangl und die Bürgermeister der Nachbargemeinden.

Den einleitenden Bläserklängen folgte der von ORF-Sprechrin Heidi Pirkner vorgetragene von Altgemeinderat Karl Oswald verfaßte treffliche Festspruch. Direktor Erich Brandl vermittelte einen anschaulichen Abriß der Kultur- und Wirtschaftsgeschichte des Ortes.

In seiner Festrede dankte und beglückwünschte Landeshauptmann Dr. Friedrich Niederl die Ehrenringträger der Gemeinde und alle Frauen und Männer, die im Gemeindeleben Kalwangs kulturelles und wirtschaftliches Leben gestalten halfen. Er unterstrich die beachtlichen Leistungen auf dem Gebiet des Wohnbaus, der Kanalisation, der Ortsverschönerung usw. Gerne habe auch das Land der Gemeinde finanzielle Hilfe geleistet und derart einen erheblichen Teil an Steuergeldern der Gemeinde Kalwang rückerstattet. Auch in Zukunft würde das Land den Gemeinden des Liesingtales im Hinblick auf die Infrastruktur den Rang einräumen, welcher der jeweiligen Situation entspricht. Besondere Bemühungen würden auch von seiten des Landes der Verbesserung der Verkehrssituation auf der österreichischen Schicksalsstraße, der sogenannten Gastarbeiterroute, zugewandt werden.
Der Jubiläumsball am Samstag und ein Frühschoppen mit dem Musikverein Kalwang unter dem bewährten Kapellmeister Prodratzky bildeten den frohen Ausklang der Festwoche, zu deren vortrefflichen Verlauf die gewissenhafte und umfangreiche Planungs- und Organisationsarbeit der Gemeinderäte Erich Kristoferitsch, Direktor Karl Heinz Neißer und Helmut Kreiner in hohem Maß beigetragen hatte.

Bild oben: Der Kultursaal konnte nicht annähernd alle Gäste fassen, die den Festakt miterleben wollten.

Bild rechts: Außer Dipl.-Ing. Adolf Funder konnten alle Ehrenringträger dem Festakt beiwohnen: OSR Dir. Alfred Hofer, Johann Eberhart, Erbprinz Hans Adam, NRAbg. a. D. Hans Vollmann und Dir. Erich Brandl.

Matthäus Loder und Kalwang

Matthäus Loder, dem Kammermaler des Erzherzogs Johann, verdanken wir wertvolle Aquarelle und Bleistiftzeichnungen aus Kalwang. Er gilt heute als einer der hervorragendsten Vertreter der Maler aus der Biedermeierzeit. Loder wurde am 31. Mai 1781 in Wien geboren; seine Eltern stammten aus der Augsburger Gegend. Schon früh erkannte man des Knaben Zeichentalent. Bereits mit 13 Jahren wurde er in die Wiener Akademie der bildenden Künste aufgenommen, wo berühmte Professoren zu seinen Lehrern zählten und Loder schon in jüngeren Jahren zu den Besten seines Faches gehörte.

Gar bald wurde Erzherzog Johann auf den strebsamen Maler aufmerksam und förderte ihn. 1816 trat Loder dann in des Erzherzogs Dienste; er wurde sein Kammermaler. Loder begleitete nun den Erzherzog auf seinen Wanderungen durch die Obersteiermark und hatte die Aufgabe, die schöne Landschaft, das überlieferte Brauchtum, aber auch die im Lande noch getragene Tracht bildlich festzuhalten. Bürger, Jäger, Bergleute, Hammerschmiede und Holzknechte wurden jetzt nach den Anweisungen des Erzherzogs in Loders Bildern dargestellt.

Matthäus Loder malte um etwa 1813 und später auch noch in Kalwang. Unter seinen vielen Zeichnungen aus dieser Zeit finden sich daher manche aus Kalwang:
>>Der Hochofen im Kupferbergwerk bey Kalwang<<, eine Bleistiftzeichnung, und das Portrait des >>Pater Cassian, Kaplan in Kalwang, in Kleidung als Bergknapp nebst drei Haupteingängen im Kupferbergwerk<< zählen zu den besten seiner Bilder. Das Aquarell >>Jäger Jörgl aus Kalwang<< zeigt diesen in winterlicher Gebirgslandschaft mit Schneereifen, Steigeisen und Eispickel. Jörgl trägt eine lange Knöpflhose, auch >>Tschairiwarihose<< genannt, welche seitlich an beiden Beinen von unten bis oben zu knöpfeln war. Solche Hosen sollen bis in die Vierzigerjahre des 19. Jahrhunderts in unserer Gegend noch getragen worden sein. Heute sind sie aus der lebendigen steirischen Volkstracht wohl verschwunden, tauchen aber bei Trachtenfesten noch manchmal auf. Diese Art von Hosen wurde auch als >>französische Hose<< bezeichnet, da die französischen Soldatenhosen zur Zeit der Franzosenkriege am Beginn des 19. Jahrhunderts ähnlich gemacht waren. Loder hat dieses Jäger-Jörgl-Bild im Jahre 1824 für den Erzherzog Johann gemalt. Er dürfte also um diese Zeit in Kalwang gewesen sein.

Ein weiteres schönes steirisches Trachtenbild (Aquarell) Loders, mit >>Trachtenfiguren aus Kalwang<< bezeichnet, wurde um 1820 angefertigt. Es zeigt fünf Trachtenfiguren vor einem Kalwanger Speicher: einen Jäger mit eigenartigem Fellrucksack, die >>Würthin Thallhammerin<<, Rinecker, einen Wirt aus Kammern, Johann und Georg Gromar, Jäger aus Kalwang und Ehrnau. Die Wirtin Thallhammerin dürfte die Frau des Simon Bauer, vlg. Thallhammer gewesen sein, welcher noch im Jahre 1825 als Gastwirt im heute sogenannten >>Hans-Pircher-Haus<< (Haus Nr. 86) aufscheint.

In Viktor Gerambs >>Trachtenbuch<< werden die Trachten dieses Bildes auf Seite 137 nach einem zeitgenössischen Bericht des Werbbezirkskommissärs Johann Anton Eißl der Herrschaft Massenberg bei Leoben wie folgt beschrieben: >>Die Kleidung der Männer ist gewöhnlich ein runder, breiter, bald grüner, bald schwarzer Hut; ein Halstüchl von schwarzem Flor, ein Vorleibl, im Sommer von Zitz oder Kottun, im Winter von rothen Tuch;
schwarzlederne Beinkleider mit grünen Hosentrager, bald weiße, blaue oder grüne wollene Strümpfe; Sonn und Feyertags ein loderner oder tücherner, meistens grüner Rock, in Arbeitstagen aber ein kurzer tücherner Janker und hohe Bundschuhe. – Die Weiber tragen mit schwarzen Tafet besetzte weiße Hüte, schwarze oder von einer bunten Zeut verfertigte Bodenhauben, baumwollene oder seidene Halstüchl, ordinaire oder auch seidene Vorleibln, letztere meistens mit Goldspitzen, kottonene oder auch rassene Röckln mit Kitteln, blauleinwandene Vortücher, weiße oder blaue, wollene und baumwollene Strümpfe, und niedere Bundschuhe.<< >>Die Kleidung der Dienstboten weichet von der allgemeinen wenig ab, und ist höchstens nur in dem unterschieden, dass die Knechte Sonntags statt Röcken, kurze Janker tragen. Der Landmann erzeiget zu seiner Kleidung die Leinwand, den Loden zu Beinkleidern, Jankern und Röcken und das Leder zu Schuhen; das ist, er läßt die Häute seines eigenen geschlachteten Viehes beym Lederer arbeiten und sich daraus fürs ganze Haus Schuhe machen; die übrigen Kleidungsstücke muss er sich kaufen.<< 1)

In einem Aquarell >>Kupferschmelz in Kalwang<< zeigt Loder zwei Arbeiter am Anstich eines Kupferschmelzofens in der Teichen. Im Vordergrund sieht man die gewonnenen Metallplatten zum Erkalten aufgeschichtet.

Ein weiteres Aquarell Loders trägt die Bezeichnung >>Kühe auf der Zeiris Alpe<<. Auf einer Bleistiftzeichnung >>Milchkammer auf der Zeiris Alpe<< bezeichnet Loder die rechts stehende Sennerin mit >>Marianne Pichler<<.

Einige Bleistiftzeichnungen Loders aus Kalwang sind noch:
>>Alpenwagen in Kalwang<<, einen vierrädrigen Wagen aus Kalwang mit geflochtenem Korb, von einem Ochsen gezogen, darstellend.
>>Thalhammers Zimmer, steirisches Bauernzimmer in Kalwang<< und >>Die Würthin Thalhammerin in Kalwang<< allein dargestellt. Ebenso werden auf Studienblätter von der Hand Loders die Jäger Johann Gromar und Georg Gromar in ihren Trachten gezeichnet, und ein Studienblatt nennt sich >>Knechte aus Kalwang<<.

Durch viele Jahre hindurch begleitete Matthäus Loder den Erzherzog Johann bei dessen Fußwanderungen in der Steiermark. Er wurde vom Erzherzog als Künstler ganz besonders geschätzt und war ihm auch persönlich sehr nahe gestanden. Erzherzog Johann hatte Loders Bilder gesammelt und aufbewahrt. So sind also die meisten seiner Bilder, auch die in Kalwang gezeichneten, erhaltenen geblieben. Da sie nicht nur künstlerisch sondern auch kulturgeschichtlich besonders bedeutungsvoll sind, stellen sie einen unschätzbaren Wert dar.

In den letzten Jahren wohnte Matthäus Loder zumeist in Vorderberg. Eine arge Lungenkrankheit setzte seinem Leben ein frühes Ende. Loder starb in Vordernberg am 16. September 1828 im Alter von 48 Jahren. Er wurde auch in Vordernberg begraben.

Die angeführten Bilder befinden sich in der Bildersammlung des Grafen Franz von Meran. Ihm und Frau Baronin Maria Theresia von Wietersheim, geb. Gräfin Meran, verdanken wir die Wiedergabe der nachfolgenden Bilder und Zeichnungen. Die Bildbeschreibungen stellte ebenfalls Frau Baronin von Wietersheim zur Verfügung.

1) Mautner Konrad und Geramb Viktor: Steirisches Trachtenbuch, Band II, Seite 137.

Abbildung auf Seite 251:
>>Kupferschmelze in Kalwang<<
Aquarell über Bleistift, um 1820, 365 x 240 mm, Ausschnitt. SEJ. 14/310

>>Blick in eine aus Holz gebaute Werkhalle. Am Ende steht der mächtige Schmelzofen mit hohem Kamin, der durch das Dach hinaus führt. Auf halber Höhe brennt gleißende das Feuer und aus zwei Auslässen am Boden ergießt sich glühendes Metall durch schmale Rinnen in jeweils eine runde flache Mulde. Rechts davor stehen zwei Arbeiter, dem Ofen zugewendet. Während der eine die Flammen, auf eine lange Stange gestützt, betrachtet, öffnet der zweite in gebückter Haltung das rechte Abflußloch.
Im Vordergrund führt ein schmales Brett auf einen großen Schlackenhaufen, wo die runden glühenden Metallplatten zum Auskühlen abgelegt sind. Einzige Lichtquelle ist das sprühende Feuer, das die ganze Anlage in rötliches Licht taucht. Dachzone und Vordergrund liegen im Dunkel. Winzige Flecken Grün und Blau leuchten durch die geöffneten Luftklappen von draußen herein.<<

Kalwanger Motive von heimischen Künstlern

Zu den beliebtsten Motiven für Maler und Fotografen zählte zweifelsohne das alte malerische >>Röthel-Stöckl<<.

Oben eine Federzeichnung des verstorbenen Kalwanger Pater und Zeichenprofessors am Admonter Stiftsgymnasium Erwin Ehweiner, unten ein Ölgemälde von Carl Kaiblinger d.J.

 



Im Hintergrund vieler Kalwanger Bilder ist immer wieder der markante Kirchturm zu sehen. Oben ein Motiv der hinteren Bachgasse, ein Aquarell der Wahlkalwangerin Aususte Döll, unten ein Aquarell von Hans Fink, die Dorfstraße mit dem alten Robier-Haus.

Kalwanger Sagen

Der Goldsucher von der Teichen
In Kalwang an der Einmündung des Teichengrabens in das Liesingtal steht eine Kunstmühle, die sogenannte Schlägelmühle, 1) hinter welcher knapp eine steile Felswand emporsteigt, auf welcher zeitweise blaue Flämmchen des Nachts leuchten; es deutet dies an, dass Silbererz hier verborgen liegt, nur weiß man nicht, an welcher Stelle, da die Lichtlein bald hier bald dort gesehen werden und nicht stille halten, wenn man sich ihnen nahet. In der den Fuß des Berges bespülenden Teichen sollen in früheren Zeiten von >>Männern aus dem Wälschen<< Goldwäschereien betrieben worden sein und eine reiche Ausbeute geliefert haben.

Einer der Wälschen, welche aus diesem Anlasse in die Gegend kamen, kehrte stets bei einem alten Kalwanger, insgeheim >>Glick<< genannt, ein, und wohnte hier während seines hiesigen Aufenthaltes. Er hatte sehr viel Gold aus der Teichen gewaschen und auch aus der Felswand des Schattenberges hinter der Schlögelmühle große Schätze fortgetragen. Einst sagte der Wälsche zum Glick: >>Jetzt habe ich genug und komme nicht mehr. Komm und geh mit mir, ich will Dir zum Danke für Deine freundliche Aufnahme einen Schatz zeigen!<<
Die Beiden stiegen den Berg hinauf und gelangten von oben herab zur steil abfallenden Felsenwand; diese zeigte oben eine kleine Ebene. >>Hier<<, sagte der Wälsche, >>hier ist eine Grube, sehr tief; wenn Du in Not bist, so steige hinab und Du wirst noch Gold genug finden, um ohne Sorge leben zu können. Aber du darfst Niemanden etwas davon sagen, und wenn Du in die Grube willst, mußt du allein, ohne dass Jemand etwas davon weiß, hinabsteigen!<< Glick versprach zu schweigen, und nun entfernte der Wälsche das Erdreich; es kamen ein paar Bretter zum Vorschein, welche die Grube verdeckten.
Diese nahm er ebenfalls weg, dann zeigte sich eine tiefe Grube und am Boden schimmerte und glitzerte es ganz goldig; auch eine Leiter war hier angebracht zum Hinabsteigen. Darauf verdeckte der Wälsche die Grube wieder mit den Brettern, mit Erdreich und Steinen, nahm Abschied vom Glick und wurde seither niemals mehr in Kalwang gesehen.
Der alte Glick aber ließ lange den Schatz unbeachtet. Als er dann einmal doch die Goldgrube steigen wollte, konnte er sie nicht mehr finden. Wahrscheinlich hat er – so sagen einige Leute – das Geheimnis ausgeplaudert und darum war es aus damit.

(Die alte Kunstmühle-Schlögelmühle ist die heutige >>Friedlsäge<<:; die steile Felswand ist die >>Mühlmauer<<; und der alte >>Glick<< dürfte der Gragl Georg vulgo >>Glick<< in der >>Graglkeusche<<, heute >>Reichenfelser<<, gewesen sein.)

1) Schraglmühle; heute Friedl-Säge.

Teufels-Musik
Im Teichengraben, in der Nähe des Wirtshauses vulgo Feichtinger bei Kalwang (am Zusammenflusse der Kurzen und der Langen Teichen), lebte ein junges Weib, das einst sagte: >>Wenn ich sterbe, werden alle Teufeln in der Hölle geigen und musizieren.<< Bald darauf starb das Weib, und wirklich hörten die Leute in der Nachbarschaft zur selbigen Stunde, es war gerade Mitternacht, eine gräßliche Musik.

Der weiße Hund
Auf dem Zeiritzkampel befindet sich ein kleiner Tümpel, genannt die >>schwarz´ Lackn<<. Einst rastete ein alter Mann auf einem Stein neben diesem Tümpel. Da bemerkte er aus diesem einen weißen Hund herauskommen, der sich das Wasser vom Leibe abschüttelte, dann bedächtig nach allen Seiten sich umsah und, als er den Mann erblickte, sogleich wieder in den Tümpel kroch und unter dessen Wasserspiegel verschwand.

Die Perchtl bestraft die Neugierde
Eine Bäuerin in Kalwang hielt stets darauf, dass der Frau Perchtlgoba das Ihrige zu Teil werde, denn sie hatte heilige Scheu und Ehrfurcht vor diesem geheimnisvollen Wesen, dem Schutzengel armer unschuldiger Kinderseelen, welche nach kurzem Leben und ohne Taufe gestorben und daher die Freude seeliger Gottanschauung nicht genießen können, außer sie werden erlöst, indem man ihnen einen Namen gibt. Daher stellte die Bäuerin stets in der Perchtlnacht (= die Nacht vom 5. auf den 6. Jänner) auf den Tisch, welcher mit frischen Linnen überzogen, eine Schüssel voll süßer Milch und um dieselbe mehrere Löffel; dabei sprach sie in recht frommer Weise: >>G´seg´ns enk Gott, Frau Perchtl und enk ormen Seel´n!<<. In der Nacht dann, wenn alle Hausbewohner in der Metten waren, kann die Perchtlgoba mit den Kindern, setzte sich zu Tische und jedes genoß einige Tröpfchen, denn mehr benötigen sie nicht zu ihrer Wanderung auf Erden. In solchem Hause, wo man derselben gedachte, war stets Friede und Glück unter dem Dache. Aber eins verlangt die Perchtl, dass sie nämlich von keinem Hausgenossen beobachtet werde, insolange als sie im Hause weile und sich und ihre Kleinen mit der dargebrachten Milch erfrische.

Da ging es einem vorwitzigen Knechte derselben Bäuerin sehr schlecht. Er spottete über den Glauben seiner Dienstfrau und meinte, es sei alles Lug und Trug; er wolle beweisen, dass die Perchtlgoba gar nie ins Zimmer trete und daher auch nicht ein Tröpfchen von der Milch genieße. Und richtig, in der Perchtlnacht, als die mitternächtige Stunde nahe kam, schlüpfte der Knecht in den großem Zimmerofen, bohrte sich ein Loch in denselben und blickte unverwandt in die Stube und wo der Tisch stand. Auf einmal trat ein uraltes Mütterchen, mit Runzeln im Gesichte und schneeweißen Haaren auf dem Kopfe, langsam in das Zimmer; ihr folgte eine ungeheure Zahl kleiner zarter Kinder nach, und es dünkte schier dem Bauern im Ofen, selbe könnten ja gar keinen Platz mehr haben in der Stube. Es war wirklich die Perchtlgoba mit den ungetauften Kinderseelen und es reute nun dem Knechte sein Vorwitz; aber es war zu spät! Die Perchtlgoba hatte den Neugierigen bereits gewittert und sagte zu dem einen Kinde: >>Deck´d´Luck´n zua!<< Der Knecht hörte dieses Wort ganz vernehmlich, dann wurde es plötzlich finster vor seinen Augen; er war zur Strafe mit Blindheit geschlagen worden. Als dem Pfarrer dies zu Ohren gekommen, ließ er den Knecht zu sich rufen, befragte ihn über das Geschehen und riet ihm, in der nächsten Perchtlnacht wieder in den Ofen zu kriechen, vielleicht werde ihn die Perchtlgoba wieder sehend machen.

Der Knecht befolgte diesen Rat. Kaum war er im Ofen, so hörte er die Tür aufgehen, die Perchtlgoba langsam ins Zimmer hatschen und hinter ihr die Kinderschar mit den zarten Füßchen trippeln; sodann sagte eine Stimme: >>Deck´d´Luck´n wieder auf!<< und – o welche Freude, der Knecht erblickte durch eine Spalte im Ofen den Tisch, darauf das Licht und die für die Perchtl >>herkrechtelte<< (bereitgestellte) Milchschüssel mit den Löffeln; im Zimmer selbst aber war niemand zu sehen.

Die schwarze Katze beim Kühbrandtnerkreuz
Beim vulgo Kühbrandtner nächst Kalwang stand vor langer Zeit ein gemauertes Kreuz. Hier sahen die Leute zur Mitternachtszeit, wenn sie vorüber gingen, oft eine arme Seel oder ein Gespenst. War dieses Gespenst nicht da, so rannte gewiß ein schwarzer Kater auf und ab; an gewissen Tagen wollen die Leute auch ein gespenstisches Licht von matter blauer Flamme daselbst leuchten gesehen haben.

Ein Verwalter vom ehemaligen Hammerwerke im Hagenbachgraben grub bei diesem Kreuze um Mitternacht und fand einen Schatz, mit dem er all´ seine großen Schulden bezahlte. Und seitdem war beim Kreuze kein Spuk mehr bemerkbar.

Derselbe Verwalter soll auch in den Ruinen von Ehrenfels bei Kammern einen Schatz gefunden haben.

Der Lindwurm von Kalwang
Kalwang soll einstens gegenüber seiner gegewärtigen Stätte, an der Einmündung des Pischinggrabens in das Liesingtal, gestanden sein. Ein großer Wolkenbruch zerstörte die Ortschaft und aus dem Pischinggraben kroch ein riesiger Lindwurm hervor, verschlang Menschen und Tiere, deren er habhaft werden konnte, und hinderte den Wiederaufbau des Ortes. Aus Furcht vor diesem Ungeheuer verließen die Bewohner die Gegend und trieben ihr Vieh hinweg, so dass es dem gefräßigem Ungeheuer bald an Nahrung fehlte, worauf des sodann aus der Gegend verschwand.

Ein in den Boden eingeschlagener Pflock bezeichnet noch die Stelle, wo ehemals die Kirche der verschwundenen Ortschaft gestanden ist. Auch stieß man bei dem Baue der Kronprinz-Rudolfs-Bahn und des dortigen Stationsgebäudes auf Gemäuer unter der Erdoberfläche, welcher Umstand der Sage von der verschwundenen Ortschaft jedenfalls einigen Anstrich von Wahrscheinlichkeit verleiht.

Die Hölle
So wird ein Teil des bei Kalwang aus dem Liesingtale sich nordwärts ziehenden Teichengrabens genannt. Den Bach aufwärts gehend, erblickt man zur Linken eine, etwas rundliche Felsenwand mit einem grauen Flecke. Rechts gegenüber befindet sich in der lichten Felswand eine in das Gestein gehauene Nische, darinnen ein Kreuzbild ersichtlich ist, das nach dem Glauben des Volkes von einem Nichtchristen auf keinen Fall herabgenommen werden könne.

Als der Teufel hier in dieser Gegend hauste, versuchte er es, den Felsen zu heben; aber er vermochte es nicht, denn das geweihte Kreuzbild hatte den Felsen für das Teufels Kräfte zu schwer gemacht. Voll Zorn setzte sich nun der Teufel auf die gegenüberliegende Felswand und trieb sein Unwesen derart, dass sich der Pfarrer von Kalwang über eindringlichen Bitten der Dorfbewohner veranlaßt sah, den Bösen auf die Wand fest zu bannen. Es gelang ihm dies mittelst Gebet und Weihwasser, und seit dieser Zeit sitzt der Teufel als grauer Fleck auf dem Felsen und wartet auf den jüngsten Tag.
Davon heißt dieser Teil der Teichengrabens die >>Hölle<<.

Der warnende Berggeist
In dem nunmehr aufgelassenen Kupferbergwerke in der Teichen bei Kalwang arbeitete einst ein Hutmann mit seinen Leuten. Da vernahmen sie ein Klopfen, welches tönte, als hämmere Jemand in einem benachbarten Stollen auf die Wand. Das Klopfen war deutlich vernehmbar und dauerte eine gute Weile. Darüber wurde nun der Hutmann ängstlich und sagte: >>Es droht uns Gefahr, das Bergmännchen warnt uns!<< Aber die Knappen lachten über die Furcht des Hutmannes und arbeiteten ungestört fort.

Am darauffolgenden Tage wiederholte sich das Klopfen, nur tönte es stärker als das erste Mal. Am nächsten Tage schien es, als werde das Geräusch in der nächsten Nähe verursacht. Auch bemerkten sie an der Stollenwand eine kleine schwache Leiter angelehnt, die früher nie auf diesem Platze gestanden. Zugleich tönte das Klopfen stärker denn je, und es däuchte allen, als wenn unterirdische Wasser hervorbrechen würden. Plötzlich rief der Hutmann entsetzt aus: >>Jesus Maria! Heilige Barbara, steh´ uns bei!<< und stieg eilends die schwache Leiter hinan, während die übrigen Knappen schleunigst dem Grubenausgange zueilten.

Aber schon war es zu spät! Mächtig drangen die unterirdischen Gewässer aus den Spalten hervor und erfaßten die Flüchtigen, noch bevor diese den Ausgang erreichten. Der Hutmann auf der Leiter glaubte, jeden Augenblick müsse diese den heftigen Stößen nachgeben und umfallen. Aber die Leiter blieb stehen, als wäre sie befestigt, und die mächtigen Wogen mochten noch so stark anprallen, sie wankte nicht. Als das Wasser immer höher stieg, kletterte auch der Hutmann hinan; es schien ihm, als ob die Leiter immer die Höhe hinanstrebe und oben auf der letzten Sprosse erblickte er ein kleines Männchen mit langem weißen Barte. Es war der Berggeist, welcher die Knappen vor der ihnen drohenden Gefahr gewarnt hatte.

Nach zwei Tagen hatten sich die unterirdischen Gewässer verlaufen, und als der entsetzte Hutmann die Grube verließ, erblickte er die Leichen seiner verunglückten Gefährten, die ihre Zweifel und ihrem Unglauben an die Existenz des Berggeistes mit dem Leben hatten büßen müssen.

Die wilde Jagd am Zeiritzkampel
Einer Kräutersammlerin in Kalwang begegnete am hellen Mittage der Zug der wilden Jäger, der unter gellendem Aufschrei über die waldigen Berghöhen an der linken Talseite des Liesingtales durch die Luft zog und sich dann über den Sebastianiberg hin in der Richtung gegen den Zeiritzkampel gänzlich verlor.

Dieselbe Person fand auch in der Kißling ganz kleine Pferdehufeisen, die von der wilden Jagd herrühren, und erblickten auch im Felsgestein des Zeiritzkampels Spuren derartiger Hufeisen eingedrückt.

Die erlöste Jungfrau
Auf der sogenannten Kühbrandterhalt bei Kalwang weideten einstens zwei Kinder, ein zehnjähriger Knabe und ein zwei Jahre jüngeres Mädchen die Herde ihrer Eltern. Sie tummelten sich fröhlich auf der bunten Wiese umher, pflückten Blumen und bewarfen sich dann gegenseitig mit denselben. Ohne die im Grase weidenden Schafe außer Augen zu lassen, trieben sie allerlei Kurzweil und suchten sich soviel als möglich die freie Zeit zu unterhalten, wie es Kinder überhaupt gerne tun.
Plötzlich erblickten sie vor sich kleines bucklichtes, schwarz gekleidetes Männchen stehen; es schien den erschrockenen Kindern, als sei es aus dem Erdboden emporgekommen. Das Männchen, welches die Furcht der Kleinen erkannte, sprach ihnen liebreich zu, sie möchten sich nicht fürchten, es wolle ihnen, weil sie brav seien, etwas sagen, das, wenn sie es befolgen, ihnen und ihren Eltern viel Gutes bringen werde. Die beiden Geschwister, als sie das kleine seltsame Männlein so freundlich reden hörten, faßten sich ein Herz, traten näher heran und baten nun dasselbe, es möge ihnen mitteilen, wie sie ihren Eltern eine große Freude bereiten könnten. Das Männchen sprach nun: >>Ihr werdet eine schöne weiße Schlange sehen mit einer goldenen Krone auf dem Kopfe und einen goldenen Schlüssel im Maul. Wenn ihr diese bemerkt, so habet keine Furcht, sondern gehet auf sie zu und versucht es, ihr den goldenen Schlüssel zu entwinden. Das Weitere werdet ihr dann schon selbst erfahren!<< Die Kinder versprachen, dem Männlein zu folgen; dieses nickte noch einmal den Beiden freundlich zu und verschwand dann ebenso plötzlich als es gekommen.

Es dauerte nicht lange, so sah er die vom Männchen beschriebene Schlange auf sich zukommen. Er schritt ihr beherzt entgegen und versuchte, den goldenen Schlüssel der Schlange zu entwinden. Wohl wehrte sich diese, aber der kräftige Jüngling erfaßte den Schlüssel mit starkem Griff und riß ihn aus dem Rachen der weißen Schlange. Plötzlich stand eine wunderschöne Jungfrau vor ihm; ihr edles Antlitz war von goldenen Locken umrahmt und ein herrliches schneeweißes Gewand umgab ihren reizenden Körper. Beschämt schlug der Jüngling seine Augen nieder; er wagte es nicht, in ihr Antlitz zu blicken. Sie aber sprach: >>Habe Danke, schöner Jüngling, dass Du mich erlöst hast! Möchte mich gerne an Dich ketten, aber ich muß zu meinen Geschwistern und kann Dich daher nur mit irdischen Schätzen lohnen.<< Sie winkte ihm hierauf ihr zu folgen und Beide schritten nun über die Talseite hin einer steilen Felsenwand zu. Bei dieser nahm die schöne Jungfrau den goldenen Schlüssel, den der Jüngling der Schlange entrissen und dadurch ihre Entzauberung hervorgerufen hatte, sperrte eine verborgene Felsentür auf, und beide traten ein in das Innere einer großen Felsenhalle. In dieser lagen zahlreiche Kostbarkeiten in ungeheurer Menge aufgehäuft. Das schöne feenhafte Mädchen füllte ihrem Erlöser die Taschen voll mit Goldstücken und anderen kostbaren Dingen, dankte ihm nochmals für ihre Erlösung, worauf Beide die Felsenhalle verließen. Als sie draußen angelangt waren, fiel die Tür mit starkem Getöse zu, und als der Jüngling sich umwandte, war die wunderschöne Jungfrau verschwunden; auch von der Tür im Felsen war keine Spur mehr zu sehen.
Er glaubte geträumt zu haben; als er aber seine Taschen befühlte, fand er wirklich die Goldstücke und einige andere kostbare Gegenstände. Nun hatte er es nicht mehr nötig zu dienen; er kaufte sich Haus und Hof, und wurde selbst ein reicher Mann.

Die wilden Frauen am Zeyritzkampel
Auf dem an Gemsen reichen Zeyritzkampel befinden sich mehrere Höhlen, genannt Frauenhöhlen. Diese waren einst von wilden Frauen bewohnt. So lange die Halterbuben und Brendlerinnen oder Schwaigerinnen sich die Ringstöcke (Stab mit mehreren großen eisernen Ringen) bedienten und damit Lärm machten, um das Vieh von den Abstürzen wegzuscheuchen, hörte man die Wildfrauen oft wunderschön singen. Als aber die Geiseln oder Peitschen aufkamen, wurde den wilden Frauen das Schnalzwerk zuwider, und sie verschwanden aus der Gegend.

Das Zodawascherl *)
Weit weg von menschlichen Hütten, tief im Innern des Waldes am Zeiritzkampel, wohnte einst ein blutarmer Mann mit seiner Familie, der neuerdings von seinem Weibe mit einem Kindlein beschenkt wurde. Er machte sich auf den Weg, um einen Bekannten zum Gevatter zu bitten. Da er den Gesuchten nicht fand, ging er aufs geradewohl weiter, in der Absicht, den nächstbesten ihm Begegnenden um diesen Liebesdienst anzusprechen. Als es bereits zu dämmern begann, fiel es ihm ein, dass ja heute gerade die Perchtlnacht sei, in der die Perchtlgoba mit den Seelen der ungetauften Kinder auf er Erde umherziehe.
Wie der Mann so darüber dachte, begegnete ihm eine alte Frau in einem sehr geflickten Kittel, der eine Schar Kinder nachfolgte. Sein Blick blieb auf dem letzten Kinde haften; es war dies so armselig beisammen, dass es ihm in die Seele erbarmte und er, ohne dass er wußte, war er tat, voll Mitgefühl ausrief: >>O Du arm´s Zodawascherl.<< Da lächelte das Kleine gar selig; es hatte einen Namen bekommen und war nun erlöst.

Die Perchtlgoba aber wandte sich um zum Manne, dankte ihm, dass er dem Kinde einen Namen gegeben, und verhieß ihm Glück. Darauf verschwand sie samt der Kinderschar. Der Mann aber begegnete bald darauf einem Reichen, der bereitwillig die Patenstelle annahm und bei der Taufe ein so wertvolles >>Krösen – und Weisertg´schenk<< – d. i. Geschenk für den Täufling und die Kinderbetterin – hinterließ, dass jener sich ein kleines >>Güterl<< ankaufte in der Nähe des Dorfes, auf dem er ordentlich wirtschaftete und bald durch Fleiß und Redlichkeit wohlhabend wurde.
Es war dies der Dank der Perchtlolga und des erlösten Kindes.

*) Zoda = für Zotten, worunter man eine zerissene Kleidung versteht;
*) Wascherl = ein kleines Kind, das noch nicht gehen kann.

Die Hechsen (Hexen) auf dem Zeyritzkampel
Die Hechsen halten auf dem Zeyritzkampel ihre Versammlungen ab. Da befindet sich das Wunderloch, eine Höhle, in welcher ein großer See sich befinden soll; in diesem hausen schwarze Fische und ein Lindwurm. Um dieses Loch herum halten nun die Hechsen ihr Wettrennen, dabei sie auf Besenstielen und Ofengabeln reiten; auch brauen sie daselbst Hagelwetter. Beunruhigt man sie, was gern geschieht, wenn man einen Stein in das Loch wirft, so ziehen beim heitersten Wetter Wolken sich zusammen, Blitze durchzucken den Himmel, der Donner rollt fürchterlich und schwere Gewitter, oft auch Wolkenbrüche gehen nieder.

Der weiße Hirsch
Drei Männer aus dem Dorfe Kalwang gingen in das Gebirge gegen den Zeyritzkampel zu auf die Pürsch. Sie vermeinten, diesmal gewiß großes Glück zu haben, denn es sei heute der >>Hubertustag<<, und da schießt der Jäger in der Regel immer etwas Besonderes. Als sie auf den Stadelstein gelangen, sahen sie plötzlich aus dem Dickicht des Waldes einen weißen Hirschen heraustreten; zwischen dem Geweihe glänzte ein goldenes Kreuz, und eigener Silberschein umgab die Erscheinung. Die drei Männer blickten erstaunt auf das seltsame Tier, dann aber legten sie ihr Stutzen hinter ein dichtes Gebüsch und folgten dem weißen Hirschen, der sich langsam in des Waldes Dickicht zurückzog. Oft verschwand er vor ihren Blicken, aber immer wieder sahen sie dann hellen Glanz zwischen den dunklen Fichten durchschimmern. Als die Männer endlich auf diese Weise den Rand des Waldes erreicht hatten, sahen sie den weißen Hirschen hoch oben auf der Spitze des Stadlstein und weiterhin glänzte das goldene Kreuz. Dann verschwand die Erscheinung – vor sich aber erblickten sie den Stiftsförster und ein Halbdutzend Jägerknechte. Der Förster gab einen Wink und die drei Männer waren umringt; man hielt sie für Wildschützen, da sie aber keine Büchsen hatten, ließ der Förster sie wieder laufen. So war für sie die Erscheinung des weißen Hirsches wirklich ein Glück gewesen.

Der seltsame Bettler
Aus einem Bauernhause, – beim vulgo Weinkräutl im Dörfl bei Kalwang solls gewesen sein – waren Bauersleute und Gesinde zur Kirche gegangen; nur ein kleines neunjähriges Mädchen war zurückgeblieben in der großen Stube, deren Tür der Bauer versperrt hatte, auf dass kein Unberufener eindränge. Dem Mädchen kam die Langeweile an; es begann in allen Winkeln des Zimmers umherzustöbern und fand endlich auf dem Schranke ganz rückwärts ein großes Buch, in Schweinsleder gebunden und mit fingerdickem Staub bedeckt. Das Mädchen schlug das Buch auf, und da es in der Schule etwas lesen gelernt hatte, begann es darin zu buchstabieren.

Nicht lange dauerte es, so trat die Gestalt eines in Lumpen gehüllten, alten Bettlers herein, setzte sich auf die Ofenbank und starrte unverwandt das Kind an. Das Mädchen erschrak über den seltsamen, unheimlichen Besucher, welcher bei der verschlossenen Tür hereingekommen, und vergaß in der Angst weiterzulesen. Inzwischen war der Bauer heimgekommen. Als er den Bettler auf der Ofenbank hocken und auf dem Tische das Buch liegen sah, begriff er allsogleich was vorgefallen, und wer der seltsame Gast sei. Er ließ sich vom Kinde zeigen, wie weit es im Buche gelesen und las darauf die vom Mädchen unbewußt begonnene Beschwörungsformel zu Ende. Da erhob sich der Bettler von der Bank und ging aus der Stube; aber auf der Ofenbank hatte er ein Päckchen zurückgelassen. In diesem war Geld enthalten; das hatte der Bettler, der niemand Anderer als der Böse gewesen, hinterlassen, und daher stammt auch nach dem Volksglauben des Bauers Reichtum.

Häuserverzeichnisse der Katastralgemeinden Kalwang, Schattenberg, Pisching und Sonnberg

Die vorliegenden Häuserverzeichnisse enthalten die Bauparzellen – Nummern, den Namen der Grundherrschaft, welcher das Haus bis 1848 zinste, die gebräuchlichen Vulgarnamen, die Hausnummern 1977 und 1824, 1835, 1879, 1919 in Klammern, sowie die Namen der Hausbesitzer von 1777 bis 1824 nach dem >>Quatemberbuch<< der Pfarre Kalwang, 1825 nach dem Bauparzellen-Protokoll des franziszeischen Katasters von 1823, 1879 nach dem Vermessungs- und Schätzungsanschlage auf Grund des Gesetzes vom 06.04.1879, 1893 nach dem Mitgliederverzeichnis der Waldgenossenschaft Kalwang, 1919 nach den Häuserverzeichnissen der Gemeinde Kalwang und 1977 nach der Häuserkartei der Marktgemeinde Kalwang.

Wann, wie und von wem das Haus jeweils erworben wurde, wieviele Besitzer etwa zwischen den angegebenen Jahreszahlen wechselten, war wegen des häufigen Besitzwechsels einzelner Häuser nicht immer möglich anzugeben.

Diese Verzeichnisse bieten noch keinen Anschluß, sondern können nur eine Anregung zur Weiterforschung sein und ließen sich, namentlich nach rückwärts, durch eine weitere Forschung ergänzen. Es soll mit ihnen nur ein großer Überblick über die einzelnen Häuser der Katastralgemeinden Kalwangs geboten werden.

Will man in den älteren Grundbüchern nachforschen, so muß man neben dem Namen der Grundherrschaft auch noch die entsprechende Urbarsnummer feststellen; beides zusammen ermöglicht es dann, in den älteren Grundbüchern (Urbare) dasselbe Haus zu erfassen, denn diese alten Urbare sind nur nach den Grundherrschaften geordnet, da es damals noch keine Katastralgemeinde gab.

Gebrauchte Abkürzungen:
BP = Bauparzelle vlg. = Vulgarname
HNr = Hausnummer (alte HNr.) GP = Grundparzelle
HBS = Hausbesitzer QU = Quatemberbuch d. Pfarre
Hsch = Grundherrschaft LA = Landesarchiv

Das landesübliche Flächenmaß im Jahr 1879
1 Joch zu 1600 Quadrat Klafter
1 Quadrat Klafter = 4 m2
1 Joch = 57 a 58 m2

Häuserverzeichnisse der Katastralgemeinden Kalwang

HNr. 1 HBS 1977 Sozialvers. Anstalt der Bauern
BP 108: Krankenhaus: erbaut von Rud. v. Gutmann, 1912 – 1914; im Mai 1914 als
Spital für die Gutsangestellten eröffnet. HBS 1930: von der Landwirtschafts-
krankenkasse gekauft.

HNr. 2 Kinderasyl, heute Kindergarten u. Wohnhaus
erbaut von Gräfin Silva-Tarouca 1903
1977: BP 100/1 – Fürst Liechtentein
BP 100/2 – Dr. Pristautz Karla

HNr. 3 (57, 56, 4, 3) Armenhaus HBS Gemd. Kalwang
BP 23/5: Erste Erwähnung 1.2.1738 als Armenhaus. 1738 und. 1825 Gemd. Kalwang.
Hsch frei. Das Armenhaus wurde 1977 abgerissen.

HNr. 4 HBS 1977 Gemeinde Kalwang
BP 106: Schulhaus, erbaut von Rud. v. Gutmann, eröffnet 22.9.1912; seither ist die Gemeinde
Besitzerin des Schulhauses.

HNr. 5 (56, 55, 5, 5) HBS Fiausch Josef
BP 22/2: Hsch Ehrnau vlg., Schwablreiter, Kohlbacher, Mörbinger.
HBS 1777 Kohlbacher Mathias, 1790 Rainer Thomas, 1825 Steinwender Johann,
1879 Sigmund Matthias, 1920 Sigmund Peter. Das Haus wurde abgerissen; an seiner Stelle
steht heute das Haus von Fiausch Josef. Es beherbergt den Konsum.

HNr. 6 (55, 54, 6, 6) HBS 1977 Stuhlpfarrer Johanna
BP 21: Hsch Ehrnau vlg., Altes Bader- oder Mauthaus.
HBS 1777 Sulzer Benedikt Beergarbeiter: >>Ernaurischer Unterthan von dem gewesten
Bader Häusl<< . Qu; 1798 Sulzer Benedikt, 1809 Streicher Jakob, Uhrmacher, 1825 Gemd.
Kalwang, 1879 Koloman Florian und Regina, 1920 Stuhlpfarrer Thomas.

HNr. 7 (54, 53, 7,7) HBS zuletzt Gemeinde Kalwang
BP 20: Hsch Massenberg, vlg. Pachler.
HBS 1777 Pachtl Simon, 1825 Bayerhuber Georg, später
Schwarz Johann, 1879 Schmalengruber Matthias und Elisabeth, 1893 Plachy Jakob und
Maria, später Forstner.
Das Haus wurde 1976 abgerissen; an seiner Stelle wurde ein Wohnhaus errichtet. Am
28.10.1978 wurde das neue Wohnhaus den Wohnparteien übergeben.

HNr. 8 (53, 52, 8, 8) HBS Glabischnig Helmut 1977
BP 19: Hsch Liechtenstein, vlg. Merlak.
HBS 1777 Reist Johann: >>Friedsteinscher Unterthan<<,
>>Neubau oder sogenanntes Holzer Weber Haus<< – Qu; 1825 Sticker Josef, Lederer und
Bauer, 1879 Wilding Bartholomä, 1893 Lackner Johann und Maria, geb. Sulzbacher.

HNr. 9 (52, 51, 9, 9) HBS Griesmaier Karoline 1977
BP 18: Hsch Thann zu Großlobming, vlg. Edelkeusche, Hochenstainer.
HBS 1777 Tratner Josef: >>Schmelzer allhier vulgo Hochenstainer<< – Qu;
1783 Feichter Johann, 1798 Abel Simon (Müllersimmerl), Bauer; später Pramberger Jakob, 1879 Haberl
Matthias, 1893 Letmair Viktoria, 1929 Grießmaier Viktoria.

HNr. 10 HBS 1977 Wolf Wilhelmine
BP 17/2: Photographisches Atelier, erbaut von Rud. v. Gutmann.

HNr. 11 HBS 1977 Kerschbaumer Elisabeth
BP 17/4: Wohnhaus des Gutsphotographen, erbaut von Rud. v. Gutmann.

HNr. 12 (51, 50, 10, 12) HBS Kiemann Hans und Katharina
BP 17: (später 17/1) Hsch Friedstein, vlg. Bodenhaus.
HBS 1777 Stainwender Hanns: >>Friedensteinscher Bauer, vlg. Podn<< – Qu;
1783 Stainwender Johann, 1817 Stainwender Andre Johann, 1825 Rainer Basius, später
Rainer Michael, 1893 Rainer Ludwig und Anna, 1920 Rud. v. Gutmann.
Paul Freßner verkauft 1603 dem Simon Poden die Kaufgerechtigkeit an seiner Hofstatt in
Kalwang – LA Urk. 18.11.1603.

HNr. 13 Stallgebäude, gehört zu Dr. Größing Hans

HNr. 14 (50, 49, 11, 14) HBS 1977 Dr. Größing Hans
BP 16: Hsch Göß, vlg. Neuwirth.
HBS 1762 Hiebl Michael, vlg. Neuwirth, 1809 Angerer
Johann, 1825 Angerer Johann, Bauer 1879 Weingand Peter und Helene, 1893
Größing Carl und Crescentia, 1920 Größing Karl.

HNr. 15 (49, 48, 12, 15) HBS 1977 Brunner Silveria (Wien)
BP 15: Hsch Göß, vlg. Könighofstatt 1677, 6. Dez.: >>Äbtissin von Göß verleiht dem Schneider- meister Simon Khönig Behausung und Garten, jetzt die Khönig Hausstatt genannt, welche vorher Vinzenz Pruner besessen hatte<< – LA-Urkunde.
HBS 1777 Schwarz Kaspar, Maurer und Bergarbeiter >>von seinem so genannten Maurer Jagl Haus<< – Qu; 1809 Pengg Karl, 1825 Pengg Carl, Gewerke, 1879 Stransky Ignaz, 1893 Größing Karl und Crescentia.

HNr. 16 (48, 47, 13, 16) HBS Größing Anna
BP 13: Hsch Ehrnau, vlg. Zehenthof, Scheuchentstuhl.
Stammhaus der Gewerkenfamilie Thinn v. Thinnfeld, 17. und 18. Jhdt., HBS 1727
Thin Thomas, 1769 Carl Engelbert Pengg, 1777 >>Verwitibte Frau Penggin Hammer und
Zehent Frau, der Herrschaft Ernau unterthänig<< – Qu; 1783 Penggin Theresia, 1825
Pengg Carl, Gewerke, 1838 kauft Scheuchenstuel Anton den Zehenthof, 1879 Scheuchstuel
Kajetan und Antonia. – Im Mai 1919 verkauft Kafetans Tochter Anna Maier ihren halben
Besitz des Zehenthofes an die Waldgenossenschaft Kalwang; ihre Schwester Gabriele
Merkinger behält die zweite Hälfte des Besitzes.
1920 ½ = Merkinger Gabriele, ½ = Waldgenossenschaft, 1976 Klarmann Helene.

HNr. 17 (44, 43, 15, 17) HBS Pucher Ernestine, Bp 93/3 Pucher Paul
BP 93/1: Hsch Kirche Kalwang, vlg. Schönbergerkeusche.
HBS 1777 Pichler Mathias >>ein Bergarbeiter im Schönberger Haus<<, >>im Jahre 1778 dem
15. November Kißlinger Philipp, Bergarbeiter<< – Qu;
1754 Pichler Martin (LA – Fasc. 92/D1). 1783 Kißlinger Philipp, 1790 Erkinger Thomas,
1809 Stainacher Martin, 1825 Stainacher Martin, Bauer, 1879 Pointner Franz, 1919
Pointner Franz.

HNr. 18 (43, 42, 14, 18) HBS 1977 BP 94/1 Töglhofer Leopold und Maria, HBS
1977 BP 94/2 Töglhofer Gertrude
BP 94: Hsch Pfarrgült Kalwang, vlg. Rauchenkeusche.
1754 HBS Perner Karl (Fasc 92/D1 – LA). Im Jahre 1759 kauft Sulzer Sebastian das Haus
von Perner Karl, 1777 Sulzer Sebastian >>Vorsteher bey dem Bergwerk und
Kirchenunterthan<<. – Qu; 1789 Sulzer Sebastian, 1790 Holzfeind Josef, 1798 Mayr Simon,
1825 Bruchart Franz (Jagerhaus), 1879 Lödl Juliane, Grakl Anton, 1893 Leitner Franz,
1920 Fink Johanna.

HNr. 19 (41, 16, 19) HBS Planitzer Manfred 1977
BP 95: Hsch Kirche Kalwang, vlg. Grabenkeusche.
HBS 1825 Draxl Johann, Bauer, 1879 Zeismann Alois (Schneiderkeusche), 1893
Schwaiger Anton, 1920 Reiter Franz.

HNr. 20 (47, 45, 17, 20) HBS 1977 Fürst Liechtenstein
BP 11: Hsch Ernau, vlg. Schraglhaus, Kettenhaus, Teichenhof.
Die Gewerkenfamilie Schrag war schon seit dem 16. Jahrhdt. in Kalwang ansässig. Carl Maria Schragl starb 1816. HBS 1777 >>Die verwittibte Stephl Moserin Susanne<< – Qu;
1825 Carl Schragl´s Erben, 1879 Radmeister Communität Vordernberg, nachher kaufte es Philipp Ritter v. Haas, 1904 Rudolf v. Gurmann, 1932 Fürst Liechtenstein.

HNr. 21 (46, 18, 21) HBS 1977 Fürst Liechtenstein (Nebengebäude)
BP 12: Hsch Massenberg, vlg. Gaugus (Gangus).
HBS im 17. und 18. Jahrhdt. die Gewerkenfamilie Gauggus und Schragl. 1777
>>Leitinant Karl Schragl, Ernauscher Unterthan, von seinen erkauften und neu
zugerichteten Gaugus Haus; von Hüebl in der Teüchen, von der Moder Huebn, von der
Stöller Huebe oder Ställ Herrn Haus, von der Weinkräutl Huebn oder Stöller Dienstbothen
Haus<< – Qu; 1783 Schragl Kurt, 1790 Johann Karl Schragl, 1809 Maria Karl Schragl, 1817 Frau v. Schragl, 1825 Carl Schragl Erben, 1879 Radmeister Communität Vordernberg, 1886
Philipp Ritter von Haas, 1904 Rudolf v. Gutmann, 1932 Fürst Liechtenstein, ca. 1618:
>>Mert Gaugus … sol robotten mit aim Roß 2 Tagwergkh und mit einer Hand 4 Tagwergkh<< – LA U 17/3 Urbar der Herrsch. Kammerstein. 1618 Martin Gauguß, Hammermeister – LA Urk. 24.02.1618. 1565 Tiburz Gauggus, Hammermeist i. d. Not – LA Urk. 19.03.1566.

HNr. 22 Stallgebäude BP 10/2 gehört zu Haus Nr. 23

HNr. 23 (45, 44, 19, 23) HBS Wertanzl Gerda 1977
BP 10/1: Hsch Ehrnau, vlg. Pechtl, Mäzlhaus, Wirtshaus.
>>Das sogenannte Mäzl Haus Jakob Koch gehörig<< – Qu; HBS 1777 Koch Jakob, 1789
Koch Jakob, 1790 Kochin Maria, 1798 Koch Karl, 1825 Koch Karl, Bauer, 1879 Jansenberger
Josef, 1892 Jansenberger Josefa, 1920 Reitmaier Simon, später Schober Sebastian und
Viertler Simon.

HNr. 24 (41, 40, 20, 24) HBS 1977 Baumgartner Hannelore und 6 Mitbesitzer
BP 9: Hsch Kirche Kalwang, vlg. Weberherberg, Waschenegger.
1754 Finsinger Michael – LA Fasc. 92/D1;
HBS 1777 Waldhuber Mathias, Dachzimmer >>von seinem sogenannten Wäschnegger Haus<< – Qu; 1783 Steiner Johann, 1817 Steinerin Maria , 1825 Anderer Aegyd, 1897 Weber
Mathias, 1893 Weber Elisabeth, 1919 Wögl Johanna.

HNr. 25 (40, 39, 21, 25) HBS Schindlbacher Franz
BP 8/2: Hsch Kirche Kalwang, vlg. Pölzl, Keusche ob der Kirche.
HBS 1777 Pölzl Antonius, Bergarbeiter. 1798 Schmid Sebastian, 1825 Schmid Sebastian,
Bauer, 1897 Stücker F., Schlömmer Peter, Chirurg, 1893 Draxl Josef, 1920 Draxl Maria.

HNr. 26 (39, 38, 22, 26) HBS 1977 Waldgenossenschaft Kalwang
BP 7/1: Hsch Ehrnau, vlg. Rädl, Pongratz, Robierhaus.
HBS 1777 Schönwetter Laurentius, Bergarbeiter >>von seinem Pongräzen Haus<< – Qu;
1783 Schönwetter Lorenz, 1809 Prutz, 1817 Prutz Bartlme, 1825 Prutz Bartholomä, Bauer,
1879 Pircher Florian, 1893 Pircher Florian, 1920 Robier Franz.
Das Haus wurde 1965 abgerissen; an seiner Stelle steht heute das >>Doktor-Haus<<, welches der Waldgenossenschaft gehört.

HNr. 27 HBS 1977 Pehab Franz und Annemarie (Tachneberg)
BP 97: vlg. Schneiderhaus HBS 1920 Wernhardt Aloisia.

HNr. 28 (38, ……, 23, 28) HBS Gemeinde Kalwang 1977
BP 2/1: Amtshaus, Kanzlei, Wohnhaus, ehemals Postamt und Gendarmerieposten. Ursprünglich
Pfarrhof; diente bis 1896 auch als Schulhaus. – HBS 1825 u. früher Stift Admont, 1876
Gemeinde Kalwang. Brand der Kirche und des Pfarrhofes 1564 nach Bericht des Pfarrers Nikolaus Sibenhaller.

HNr. 29 HBS Gemeinde Kalwang 1977
BP 2/2: vlg. Altes Schulhaus, Gemeindekanzlei und Wohnhaus 1896 als Schulhaus von der Gemeinde errichtet; mit dem Bau des neuen Schulgebäudes 1912 durch Rud. v. Gutmann ging das Haus

HNr. 30 (24, 23, 24, 30) HBS 1977 Klarmann Johann d. J.
BP 3/1: Hsch Friedstei, vlg. Bruckmüller (1789 >>Wein-Taferne<<).
1777 >>Franz Brugmilner von seiner Mühl und Haus<< – Qu;
HBS 1783 Peer Franz, 1825 Peer Franz, Bauer, dann Peer Thomas, 1879 Freimüller Philipp und Maria, 1893 Klarmann Johann d. Ä. (1789 >>Millnerhaus mit 1 Waiz-, 1 Korn- und 1
Habergang<< = Josefinischer Kataster)

HNr. 31 (20, …., 26, 31) HBS 1977 Fürst Liechtenstein
BP 53: Hsch Landschaft, vlg. Raffelherberge, Freihaus, Forstamt.
Theresianischer Kataster: >>über die dem landschaftlichen Gute Raffelherberge in Kalwang
hinanderverkauften und abzuschreibenden Grundparzellen, sowie der noch bei derselben
verbleibenden Grundtheile.<< – >>Bei dem Freihaus (Salva Quardia) Raffelherberge top.
Nr. 102 und 105 Gemeinde Kallwang des Josefinischen Lagebuchs befinden sich laut
Bekenntnistabelle vom 3. Juli 1749 an Realitäten: (Besitzer 1749 Franz Anton Hack).<<

Besitzer am 16.06.1864:
1. Pregartfeld top. Nr. 343
2. Blatten auch Suppanacker . . . Karl Ahorner, Kalwang
genannt top. Nr. 347
3. Streben, tpo. Nr. 349 . . . Karl Ahorner, Kalwang
4. Grundfeld auch Schloßacker . . . Juliane Hanf, Kalwang
genannt, top. Nr. 320
5. Sauhueben, top. Nr. 378 . . . Knappenbrudersch. Kalwang
6. Mayßleiten, top. Nr. 1 . . . Joh. u. Theresia Lederer,
Gmd. Sonnberg
7. Obst- und Kuchlgarten, top Nr.
104 und 106 d. Gmd. Kallwang
8. Eine Alpe am Stadlsperg auf
12 Küh, Gmd. Schattenberg
9. Eine Waldung in Schattenber,
Gmd. Sonnberg
(LA Urkunde, Theresianischer (lt. Bez. Gericht Mautern,
Kataster) 30. Juli 1864)

HBS 1749 Hack Franz Anton, 1738 Franz Anton Hack, 1790 Alois Graßl, 1809 Eva v. Graßl, 1817 Anton Edler v. Scheuchenstuel, 1825 Anton v. Scheuchenstuel, 1864 Vordernberger Radmeister Communität, 1904 Rud. v. Gutmann (Forstamt), 1932 Fürst Liechtenstein.

HNr. 32 (21, ……, 25, 32) HBS 1977 Fürst Liechtenstein
BP 52: Hsch Ehrnau, vlg. Jandlhaus, Handelshaus.
HBS 1777 Antonius Xaverius Hack, 1783 Franz Anton Hack, 1790 Alois Graßl, 1798 Alois
Graßl, 1809 Eva v. Graßl, 1817 Anton Edler v. Scheuchenstuel, 1825 Anton v. Scheuchenstuel, 1879 Vordernberger Radmeister Communität, 1886 Philipp Ritter v. Haas, (Hagenbacher-Hammerherren-Haus), R. v. Haas´sches Forstamt, 1904 Rudolf v. Gutmann,
1932 Fürst Liechtenstein.

HNr. 33 HBS 1977 Fürst Liechtenstein
BP 54/1: erbaut von Rudolf v. Gutmann als Materialverwaltung und Wohnhaus.
HBS 1910 Rud. v. Gutmann, 1932 Fürst Liechtenstein.

HNr. 34 (20, 14, 26, 34) HBS Podratzky Karl u. Josefa
BP 54/2: Hsch Ehrnau, vlg. Schmiedhaus (1789 Hufschmiede u. Kohlbarn).
HBS 1777 Antonius Xaverius Hack >>in etlich und 30 jahr Hamer Herr allhier, von seinem Schmiedhaus; von eigener Wohnung Sub. Nr. 21 (Jandlhaus), von Hopfgarten Alm in der Teichen, von Präntlhueblischen Gründen, von Schittenkopfischen Gründen, von untern Mühl<< – Qu; 1785 Franz Anton Hack, 1790 Alois Graßl, 1809 Eva v. Graßl, 1817 Anton v. Scheuchenstuel, 1825 Anton v. Scheuchenstuel, 1879 Podratzky Ignaz, 1920 Podratzky Johann ca. 1618: >>Thoman Maier vom Schmidthaus sol robotten mit der Handt 2 Tagwerkh<< – Urbar Herrsch. Kammerstein, LA 17/3.

HNr. 35 (18, ……, 31, 35) HBS Lackner Erich
BP 55: Hsch Kirche Kalwang, vlg. Stücker, Steinschneiderkeusche.
HBS 1754 Fruhmann Josef, >>Hutmann bey dem Bergwerk<< – Qu;
1783 Fuhrmann Josef, 1790 Grabner Joseph, 1798 Winter Peter, 1809 Mauracher Markus,
1825 Mauracher Markus, Schneidermeister u. Bauer, 1879 Egger T., 1893 Vasold Priska, 1920 Gruber Josef.

HNr. 36 (17, ……, 32, 36) HBS Kolland Josef, Trofaiach, Kolland Manfred und Rudolf
BP 56: Hsch Ehrnau, vlg. Ganser, Hörberghaus.
HBS 1777 Weiklmeyr Matthias, Bergarbeiter, >>von seinem so genannten Jäger Mertl Haus<< – Qu; 1783 Weiklmeyr Bernhard, 1817 Weiklmeyr Michael, 1825 Weiklmayr Michl, Bauer, 1879 Janzenberger Peter, Janzenberger Georg und Theresia, 1893 Weiglhofer Elisabeth, 1920 Kolland Josef.

HNr. 37 (16, ……, 33, 37) HBS Pichler Johann
Bp 57: Hsch Kirche Kalwang, vlg. Reiterer, Holzfeind, Neumannkeusche.
HBS 1754 Pranger Veit, Bergarbeiter, >>Nachfolger Josef Holzfeind, anjezo 1777<< – Qu; 1783 Hochreiter Simon, 1790 Wolfgruber Georg, 1798 Reierer Andre, 1817 Reitterer Rochus, 1879 Maier Anton, 1893 Maier Helene, 1920 Kolland Josef.

HNr. 38 (15, 34, 38) HBS Reichenfelser Erwin 1977
BP 58: Hsch Kirche Kalwang, vlg. Glück, Graglkeusche.
HBS 1777 Gragl Joseph, >>Bergheurer von seinem so genannten Glücken Haus<< – Qu; 1783 Gragl Joseph, 1809 Gragl Georg, Gragl Felix, 1893 Gragl Isidor, 1920 Draxler Regine, später Reichenfelser Hias d. Ä.

HNr. 39 (20, 14, 35, 39) HBS Gruber Ruth 1977
BP 61: Hsch Ehrnau, vlg. Röthlstöckl, Hanfstöckl.
HBS 1800 Pengg Carl, Gewerke, 1825 Anton v. Scheuchenstuel, Gewerke, 1879 Hanf Josef, 1920 Hanf Rosina.

HNr. 40 (13, ……, 36, 40) HBS Lederer Paul und Josefa 1977
BP 60: Hsch Kirche Kalwang, vlg. Mäuselkeusche, Wagner Keuschen.
HBS 1754 Höll Matthias, Wagnermeister >>von Franz Kogler gekauft<< – Qu; LA Fasc. 92/D1.; 1790 Lederer Simon, Wagner, 1825 Lederer Johann, Wagner und Bauer, 1879 Lederer Johann, 1920 Lederer Peter.

HNr. 41 (12, ……, 37, 41) HBS Hopf Elisabeth 1977
BP 59: Hsch Kirche Kalwang, vlg. Waschbauer.
HBS 1777 Merz Josef, Bergheuer, 1783 Waschbauer Johann, 1798 Gragl Rupert, 1825 Gragl August, Bauer, 1879 Schwarzenbacher Heinrich, 1893 Juliana Franz, 1920 Kaiblinger Maria.

HNr. 42 HBS Fürst Liechtenstein
BP 101: Fohlenhof. Wohnhaus und Stallgebäude 1907 von Rud. v. Gutmann erbaut. HBS 1932 Fürst Liechtenstein.

HNr. 43 HBS Fürst Liechtenstein
BP 101: vlg. Schmiedbauer. Schmiede und Wohnhaus erbaut von Rud. v. Gutmann. HBS Fürst Liechtenstein. 1932.

HNr. 44 (11, ……, 38, 44) HBS Gruber Ruth
BP 62/2: Hsch Strechau, vlg. Röthlhaus.
HBS 1777 Prantmilner Simon, >>Gastgeb von seinem so genannten Röttl Haus, von seinem so genannten Röttlstöckl bey dem gemauerten Seb. Kreuz, von der Sulzer od. so genannten Röttl Huben in der Teichen, von Spangut Halt<< – Qu; 1790 Pengg Karl, 1825 Pengg Karl, Gewerke, 1879 Hanf Josef, 1920 Hanf Rosina.

HNr. 45 (10, ……, 39, 45) HBS 1977 BP 63/1 Wagner Anton, BP 63/2 Wagner Max
BP 63: Hsch Ehrnau, vlg. Bauer in Anger.
HBS 1777 Moysi Joseph, 1790 Moysi Johann, 1825 Moysi Johann, 1879 Mühlberger Johann und Antonia, 1893 Mühlberger Johann und Antonia, 1920 Rud. v. Gutmann.

HNr. 46 BP 63 gehört zu Haus Nr. 45

HNr. 47 (9, ……, 40, 47) HBS Pircher Michael d. J. 1977
BP 64/1: Hsch Strechau, vlg. Fleischhacker, Leitner, Kalwangerhof.
HBS 1777 Leitner Joseph, Bergschreiber, 1783 Leitner Anton, 1790 Ahorner Johann, 1825 Gantschnigg Anton, Bauer, Gantschnigg Josef, 1897 Freimüller Philipp, 1893 Freimüller Hedwig und Kaps Franz, 1900 Pircher Michael und Maria, 1920 Pircher Maria, 1941 Pircher Michael. – Saalbau 1912, Zubau kleiner Saal 1925. Das Haus wurde vor 1630 erbaut. 1789 Wirtshaus.

HNr. 48 HBS Gemeinde Kalwang 1977
BP 64/2: Kinosaal, Festsaal der Gemeinde Kalwang.
HBS 1941 Pfisterer Maria und Grete Brandl, 1957 Grete Brandl, 1971 Gemeinde Kalwang. – Der Saal diente von 1925 bis 1970 als Kinosaal. Das Kino wurde 1957 umgebaut.

HNr. 49 (25, 24, 41, 49) HBS 1977 Schreiber Josef und Emma
BP 50: Hsch Ehrnau, vlg. Platzwirt, Schneiderherberg (1789 Bierschank).
HBS 1777 Mößler Matthias, >>Platzbäck. Anjezzo wittib Elisabeth<< – Qu; 1783 Mößlerin Elisabeth, Platzbäckin, 1790 Moser Joseph, 1798 Meyer Anton, 1809 Mayer Johann Anton, 1817 Wagendorfer Josef, Bauer u. Platzwirt, 1893 Goriupp Raimund u. Maria (Schneiderherberg), 1920 Hacker Bartholomäus, später Steinegger Karl.

HNr. 50 (29, 28, 47, 50) HBS 1977 Kaiblinger Karl
BP 47: Hsch Ehrnau, vlg. Moosmühle, Penkermühl.
HBS 1756 Franz Ehrwert, 1777 >>Kohlbacher Mühl, jetzt Hach Nr. 18<< – Qu; 1777 Antonius Xaverius Hack, 1798 Carl v. Pengg (Mittermühl), 1825 Carl v. Pengg, Gewerke, 1879 Zaglauer Jakob und Rosina, 1893 Zaglauer Rosina, 1920 Kaiblinger Karl d. Ä., (1789: >>Mitter Millhaus mit 1 Waiz-, 1 Korn- u. 2 Haberläufer<<).

HNr. 51 (28, 27, 51, 51) HBS Wohlmuther Dietlinde
BP 44: Hsch Strechau, vlg. Stadererherberg, Zacherl-Haus, Winklwirt.
(1789: Bierschank und Weinhaus) HBS 1777 Schwaiger Zacharias >>von seinem so
genannten Pamgartner auch Zacherl-Haus<< – Qu; 1790 Schwaiger Zacharias, 1809
Wagendorfer Johann, 1817 Gaiswinkler Johann, 1825 Geiswinkler Johann, Bauer, vlg. Zach,
1879 Wagner Franz, vlg. Gaiswinkler, 1920 Schachenreiter Anton (Pächter Rader Christine
Gasthaus).

HNr. 52 (27, 36, 42, 52) HBS 1977 Gruber Ruth
BP 43: Hsch frei, Schullehrer Wohnung, Kaufhaus.
HBS 1777 Rauscherer Antonius >>Kaufmann u. Kohlschreiber d. Admont. Bergwerk<< – Qu;
auch BP 42, HNr. 27, Hsch Ehrnau; 1798 Plank Johann, 1809 Firmkranz Bernhard, 1817
Artweger Michael, 1825 Gemeinde Kalwang (Schullehrerwohnung), 1876 Hanf Ignaz,
Kaufmann, 1879 Hanf Josef und Viktoria, vlg. Kramerhaus, 1893 Hanf Josef und Viktoria, 1920 Hanf Rosina, später Hanf Josef.

HNr. 53 Magazin zu HNr. 52 gehörig; Gruber Ruth

HNr. 54 (35, 34, 44, 54) HBS Hanf Brigitte 1977
BP 40: Hsch Probstei Kammern, vlg. Wirnigergütl, Platzschneider 1755, 18.3.
Trackhner Philipp kauft von Philipp Roth das sogenannte >>Bürger gütl<< zu Källwang –
>>Amt Probstey Camern<<, HBS 1777 Trackner Philipp, vlg. Platzschneider, 1783 Moser
Martin, Platzschneider, 1809 Trackner Josef, 1825 Trackner Josef, Bauer, 1879 Hanf
Josef, 1920 Hanf Rosina (Fleischhauerei Hanf Karl), 1886 Dachstuhl u. Wirtschaftsge-
bäude abgebrannt.

HNr. 55 (34, 33, 45, 55) HBS 1977 Heiland Philipp d. J.
BP 39: Hsch Ehrnau, vlg. Lachs.
HBS 1769 Lax Michael >>Vorsteher bei unsrem Bergwerk von seinem so genannten Weißen-
berger Haus<< – Qu; 1789 Lax Michael, 1809 Lachs Engelbert, 1825 Lachs Engelbert,
Bauer, 1879 Lax Susanne, 1893 Heiland Anton, 1920 Heiland Philipp d.Ä., Kaufmann.
1886 brannte das Wirtschaftsgebäude ab. 1925 umgebaut.

HNr. 56 (31, 30, 48, 56) HBS 1977 Richter Rosa
BP 46/2: Hsch Ehrnau, vlg. Schmid u. Tischler.
HBS 1777 Rabensteiner Franz, Hufschmied >>von seinem so genannten Viertel Schmid
Haus<< – Qu; 1798 Pilz Johann, 1809 Polatschek Leopold, 1817 Radlingmayr Mathias,
Tischler und Ortsrichter, 1825 Radlingmayr Matthias, 1879 Richter Emanuel, 1893 Richter
Robert und Josefa, 1920 Richter Robert.
1886 Dachstuhl und Wirtschaftsgebäude abgebrannt.

HNr. 57 (32, 31, 47, 57) HBS 1977 Dr. Vasold Franz, Vasold Kajetan, Vasold
Martha, Vasold Max
BP 38: Hsch Ehrnau, vlg. Hautz, Abraham, Reithammer´sches Haus.
HBS 1777 Wappensteiner Thomas, Bergarbeiter, 1782 Rieger Georg, 1809 Hauz Mathias,
1825 Laterner Leonhard, Bauer, 1879 Oberlechner Helene, 1893 Oberlechner Helene,
alias Hatzi, 1920 Vasold Peter.
1886 Dachstuhl und Wirtschaftsgebäude abgebrannt.

HNr. 58 (33, 32, 46, 58) HBS 1977 Dr. Vasold Franz, Vasold Kajetan, Vasold
Martha, Vasold Max
BP 37: Hsch Ehrnau, vlg. Fleischerhaus.
HBS 1777 Ahorner Johann, Ortsrichter, Gastgeb, Fleischhacker und Ernauerischer
Amtmann, >>von seinem Haus bey welchem sich auch viele Grundstücke befinden<< – Qu;
1783 Ahorner Johann, 1809 Gantschnigg Anton, 1826 Gantschnigg Anton, 1879 Artweger
Michael, 1893 Vasold Peter, 1920 Vasold Peter.
1886 Dachstuhl und Wirtschaftsgebäude abgebrannt.

HNr. 59 (70, 69, 53, 59) HBS 1977 Gruber Anna
BP 36: Hsch Ehrnau, vlg. Bäck.
HBS 1777 Rauscher Ignatius >>Bäck und gewester Richter allhier<< – Qu; 1785 Rauscher
Ignaz, 1790 Schröckenfux Michael, 1798 Schwarz Jakob, Bäcker, 1825 Schwarz
Jakob, Bäcker und Bauer, 1879 Dietrich Franz, 1892 Gruber Otto und Viktoria, 1920
Gruber Otto.

HNr. 60 (69, 68, 54, 60) HBS 1977 Postgebäude
BP 35: Hsch Ehrnau, vlg. Löffl- oder Dunklhaus.
HBS 1756 Tunckl Mathias, 1777 Hanns Pertiller >>von seinem so genannten Tunklhaus ……
hat dieses 1778 dem Bernhard Moysi von Moysigut allhier übergeben<< – Qu; 1783 Moysi
Gotthard, 1817 Mayr Sebastian, 1825 Mayr Sebastian, Bauer, 1879 Artweger Michael,
1893 Vasold Peter, 1920 Rudolf v. Gutmann.
Das Haus wurde 1921 abgerissen. An seiner Stelle steht heute das neue Postgebäude,
welches am 27.11.1964 eröffnet wurde.

HNr. 61 (68, 67, 55, 61) HBS 1977 Fichtl Gertrude (Gasthaus)
BP 34: Hsch Massenberg, vlg. Krahberger.
HBS 1777 Pfeiffer Hans, vlg. Artner, 1809 Kerschbaumer, 1817 Rainer Blas, 1825 Rainer
Blasius, Bauer, 1879 Binder Peter, Artweger Michael und Genofeva, 1893 Fichtl Engelbert
und Maria, 1920 Fichtl Engelbert.

HNr. 62 (67, 66, 56, 62) HBS 1977 Rumpler Friederike, Größing Karoline
BP 33: Hsch Ehrnau, vlg. Leinsamherberg od. Speckmoser.
1789 >>Schuster<< HBS 1756 Caspar Gotschier, 1777 Hasäwent Matthias, 1809 Baumann
Monetus, 1817 Gotthard Thomas, Schuster, 1825 Gotthard Thomas, Schuster und Bauer,
1879 Hinterberger Crescentia, 1893 Hinterberger Crescentia, 1920 Größing Karl.

HNr. 63 BP 33 Sattlerei HBS 1920 Größing Karl, 1977 siehe HNr. 62.

HNr. 64 (66, 65, 57, 64) HBS 1977 BP 32/1 Zeilinger Dorothea u. Elfriede,
Zeilinger Günther, Mag., BP 32/2 Aigner Karl und Karoline
BP 32: Hsch Probstei Kammern, vlg. Schneider.
HBS 1777 Winter Franz, Schneidermeister, 1805 Winter Franz, 1817 Aurold Blas,
1825 Aurnold Blasius, Schneider u. Bauer, 1879 Auer Georg Johann, 1893 Auer
Johann Georg, 1920 Auer Anna, später Zeilinger Friedolin.

HNr. 65 BP 32/2 Hsch wie HNr. 64 Nebengebäude, Magazin um Kaufhaus
HBS 1879 Mlinar, 1920 Auer Anna, 1977 Zeilinger.

HNr. 66 (65, 64, 58, 66) HBS 1977 Eberhard Erwin u. Margareta
BP 31: Hsch Friedstein, vlg. Zachengütl.
HBS 1777 Prein Martin >>von seinem so genannten Zächengut<< – Qu; 1790 Plötsch Joseph,
1825 Kahsegger Peter, Bauer, 1879 Engleitner Johann, Pircher Johann, 1893 Pircher
Willibald u. Antonia, Schuster, 1920 Auer Anna.

HNr. 67 (64, 63, 59, 67) HBS Schlick Raimund u. Waltraud
(Schmiede) 1977
BP 30: Hsch Friedolin, vlg. Weberhäusl, Gerberhaus, Lederer.
HBS 1777 Reiter Johann >>Ledermeister und Gastgeb jetzt 1780 sein Sohn gleichen
Namens<< – Qu; 1783 Reiter Johann d.J., 1809 Schöberl Franz, 1777 >>von Holzer Weber
oder Neubau gleich beym Garten s. beyde unter Herrschaft Friedstein<< – Qu; (Neubau
HNr. 8) – 1817 Sticker Josef, Lederer u. Bauer, 1825 Sticker Josef, 1879 Wilding
Bartholomä, 1893 Lackner Johann u. Maria, 1920 Rudolf v. Gutmann, später Aussez Anton.
Das Haus wurde 1977 teilweise abgerissen und umgebaut.

HNr. 68 (63, 62, 60, 68) HBS 1977 Ehweiner Erwin
BP 29: Hsch Massenberg, vlg. Posthaus (Gasthaus zur alten Post)
HBS 1777 Harl >>die untre Mühl<< – Qu; 1798 Harl Franz, 1816 Harl Franz, Postmeister,
1824 Wanderthan Georg, Postmeister, später Binder Franz, Postmeister, 1879 Ehweiner
Johann u. Maria, 1893 Ehweiner Johann u. Maria, 1920 Ehweiner Matthias.

HNr. 68 a BP 157 HBS 1977 Oswald Karl u. Anna (Tabak-Trafik)

HNr. 68 b BP 29/2 HBS 1977 Ehweiner Josef

HNr. 69 HBS 1977 Sozial-Versicherungs-Anstalt der Bauern
BP 104: Ärzte-Haus des Unfallkrankenhauses.
Das Haus wurde von Rudolf v. Gutmann als Arzt-Haus erbaut.
HBS 1912 Rud. v. Gutmann, 1930 Landwirtschafts-Krankenkasse.

HNr. 70 (58, 57, 2, 70) HBS 1977 Leitner Peter u. Anna
BP 24/2: Hsch Ehrnau, vlg. Abdeckerhäusl.
HBS 1825 Gemeinde Kalwang, 1879 Huber Johann, 1893 Weingand Simon, 1920 Weingand
Simon.
(Das Haus ist im Quatemberbuch der Pfarre 1777 – 1834 nicht verzeichnet.)

HNr. 71 HBS 1977 Gemeinde Kalwang
BP 24/1: Hsch Ehrnau, vlg. Wasenmeisterei.
HBS 1825 und 1879 Gemeinde Kalwang, 1920 Gemeinde Kalwang.
(Das Haus ist im Quatemberbuch der Pfarre 1777 – 1834 nicht verzeichnet.)

HNr. 72 (59, 58, 63, 72) HBS 1977 Stecher Johann
BP 25/2: Hsch Göß, vlg. Lammer, Tiltscherhofstatt.
HBS 1777 Lamer Michael >>in Gäßl vlg. Moser Barthl. Ein Bergarbeiter und Gößerischer
Unterthan<< – Qu; 1789 Lechner Peter, 1893 Lechner Peter, 1920 Winkler Ludwig.
1618: >>Simon Podn verkauft dem Melchior Titscher eine Hofstatt am Ort beim Dorf
Keilband<< – LA, Urk. 24.8.1618.

HNr. 73 (60, 59, 62, 73) HBS 1977 Redl Theresia
BP 26: Hsch Ehrnau, vlg. Gassenweber.
HBS 1777 Mussmann Andreas >>Weber in Gaßl von seinem so genannten Gäßlbünd Haus<< –
Qu; 1789 Musmann Andreas, 1809 Schwingschlögl Georg, 1825 Schwingschlögl Georg,
Bauer, 1879 Maier Anton, 1893 Weber Maria, 1920 Redl Maria.

HNr. 74 (62, 61, 61, 74) HBS 1777 Leitner Karl u. Elfriede
BP 28/2: Hsch Göß, vlg. Wagnerhäusl, Faßbinder.
HBS 1777 Kißlinger Georg, Fasselbinder, 1783 Kohlbacher Jakob, 1825 Reitter Leopold,
Putz Simon, 1879 Heubrandner Maria, 1893 Wagner Eva, 1920 Leitner Sebastian.

HNr. 75 (84, 82, 64, 75) HBS 1977 Wohlmuth Josef
BP 87/2: Hsch Ehrnau, vlg. Schloßer.
HBS 1777 Steer Michael, Schlossermeister, 1798 Ster Michael, 1809 Sterr Johann, 1825
Sterr Johann, 1879 Polhamer Peter, Seiff Karl, 1893 Lürzer Martin u. Maria, 1920 Salber
Konrad.

HNr. 76 (83, 81, 65, 76) HBS 1977 Schober Herbert, Pisching
BP 86: Hsch Ehrnau, vlg. Maydlsberger.
HBS 1777 Frau Penggin, 1824 hat Zeismann Matthias das Haus von Pengg gekauft – Qu;
1825 Zeismann Matthias, Zeismann Sebastian, Bauer, 1879 Zeismann Josefa, 1893
Konrad Bartholomäus u. Franziska, 1920 Auer Anna. – Jahreszahl 1771 ober dem Haustor.

HNr. 77 (82, 80, 66, 77) HBS 1977 Scheiblhofer Alois u. Maria
BP 85: Hsch Ehrnau, vlg. Pretzenherberg, Pramberger.
HBS 1777 Kohlbacher Johannes, Bergarbeiter, 1789 Kohlpacher Johann, 1809 Pramberger
Georg, 1825 Bramberger Georg, vlg. Kohlbacher, Bauer, 1879 Berger Friedrich, 1893
Berger Friedrich, 1920 Wolf Maria.

HNr. 78 (81, 84, 67, 78) HBS 1977 Waldgenossenschaft Kalwang
BP 84: Hsch Göß, vlg. Bruderhaus, Wieserhube, Schrägl Haus.
1566 Mert Pngratz – LA Urk. 24.6.1566; 1613 Jacob Wiser, vorher Mert Wiser – LA Urk.
25.5.1613; 1659 Jacob Wiser – LA Urk. 29.4.1659; 1688 Jacob Lechner – LA Urk.
20.5.1688, vorher Khainrat Andre; 1738 Bruderschaft Källwang – LA Urk. 13.8.1738;
HBS 1777 >>Knappen- od. Bruderhaus, welches Jacob Lechner verkaufet und vorhin
Schrägl Haus genannt worden<< – Qu; 1825 Stift Admont, Bruderhaus der Knappschaft,
1979 Bruderhaus der Knappschaft, Waldgenossenschaft Kalwang.

HNr. 79 (80, ……, 79) HBS 1977 Fürst Liechtenstein
BP 83: Hsch Göß, vlg. Schragltaferne u. Holzplatz.
HBS 1777 >>Dorf Nr. 80 Titl. Herr Jakob Koch, Gösserischer Unterthan, von seiner
Behausung u. Hube darunter das Haus Nr. 77, Mäzlerhaus<< (Haus Nr. 83) – Qu; 1783
Per Andreas, Wirt, 1817 Peer Josef, 1879 Artweger Antonia, 1893 Freimüller Maria.

HNr. 79 HBS 1977 Schüttner Erich und Mathilde
BP 83/3: siehe vorstehende BP 83!
HBS 1920 Wolf August, vlg. >>Bär<< (Peer)

HNr. 80 (79, 74, 69, 80) HBS 1977 Maier Luise u. Hubert
BP 82: Hsch Göß, vlg. Plattentinner.
HBS 1777 Zeritsch Georg, Schustermeister, 1789 Zerritsch Georg, 1790 Hadoll Franz,
1825 Hadoll Franz, Schuster, Pürcher Johann, 1879 Pircher Johann u. Elisabeth, 1893
Kühberger Michael u. Kunigunde, 1920 Kühberger Michael.
Das Haus ist 1837 abgebrannt.

HNr. 81 (78, 76, 70, 81) HBS 1977 Hochhalter Anna
BP 81/1: Hsch Göß, vlg. Zahbinder, Kastenhörbrich, Haßler.
HBS 1777 >>Johann Zäch, Bergarbeiter . . . von seinem so genannten Hasler Händl Haus<<
Qu; 1789 Zäch Johann, 1790 Schwaiger Johann, 1816 Schwaiger Johann, 1817 Moser
Johann, Binder u. Bauer, 1825 Moser Johann, 1879 Weiglhofer Theresia, 1893 Promberger
Franz, 1920 Gritz Sophie. – Das Haus ist 1837 abgebrannt.

HNr. 82 BP 83/2 Stall- u. Wohngebäude; siehe Haus Nr. 79, BP 83
HBS 1920 Rudolf v. Gutmann, 1932 Fürst Liechtenstein.

HNr. 83 (77, 75, 71, 83) HBS 1977 Kern Hedwig
BP 80: Hsch Göß, vlg. Nagelschmied, Haslerhaus.
1670 Gregor Reichenfelser – LA Urk. 12.3.1670; vorher Andree Eybl – LA Urk. 12.3.1670;
HBS 1777 Koch Jakob – Qu; (siehe Haus Nr. 79!), 1825 Peer Josef, Bauer, 1879 Artweger
Antonia, 1893 Artweger Antonia, 1893 Freimüller Maria, 1920 Rudolf v. Gutmann.

HNr. 84 (76, 74, 72, 84) HBS Vögeli Anna
BP 79: Hsch Massenberg, vlg. Frankenhäusl, Pongratzjörgl.
1686 >>Maria Johanna Franziska u. Neuhaus, Inhaberin der Herrschaft Massenberg,
verleiht dem Joseph Grägl das Frankhen Häuslein<< – LA Urk. 16.3.1686;
HBS 1777 Schönwetter Georg >>vlg. Pongrätz Jörgl<< – Qu; 1797 Schönwetter Georg,
1798 Schwarzenbacher Matthias, Schwarzenbacher Karl, 1825 Schwarzenbacher
Karl, 1879 Grismaier Johann u. Aloisia, 1893 Schwaiger Johann, 1920 Scheuchl Josef.

HNr. 85 (75, 73, 73, 85) HBS Maurer Anna u. Reinhold 1977
BP 77: Hsch Massenberg, vlg. Unterer Schmied.
HBS 1777 Jäger Johann >>ein Hufschmied u. Massenbergerischer Unterthan, vlg. d. inter
Schmid<< – Qu; 1797 Jäger Johann, 1798 Per Joseph, 1825 Peer Engelbert, vlg. Schmied,
1879 König Barbara, 1893 Buchberger Georg u. Maria, 1920 Schwaiger Johann,
vlg. Unterschmied; später Putzi.

HNr. 86 (74, 73, 74, 86) HBS Ressler Rosa (Niederwölz) 1977
BP 76/2: Hsch Massenberg, vlg. Reschenhube, Pircher Hans.
HBS 1777 >>Herr Simon Pechtl, Fürnehmer gastgeb u. Massenbergerischer unterthann<< –
Qu; 1797 Pöchtl Simon, 1798 Pöchtlin Elisabeth, 1809 Bauer Simon, 1825 Bauer Simon,
vlg. Thalhammer, Bauerm 1879 Goriupp Barbara, vlg. Polhamer, 1893 Pircher Johann,
u. Elisabeth, Bäcker u. Wirt, 1920 Rudolf v. Gutmann.

HNr. 87 HBS 1977 Pelz Monika ½ u. Hlebaina Walpurga ½
BP wie HNr. 86 Hofhäusl; HBS 1920 Rudolf v. Gutmann.

HNr. 88 (72, 71, 75, 88) HBS Vretscha Maria 1977
BP 75: Hsch Scheuchenstuel Gült Raffelherberge, vlg. Mitterschmied.
HBS 1777 Hirner Johann >>Hufschmied von seinem Haus unter Titl. Herrn Hack<< – Qu;
1789 Hierner Johann, 1798 Reisenhofer Kaspar, 1809 Pipberger Anton, 1817 Peer Josef,
1825 Peer Josef, Schmied u. Bauer, 1879 Dangl Franz, Schmied. Die alte
>>Dangl-Schmiede<< wurde abgerissen, heute neues Wohnhaus.

HNr. 89 >>Schmied Werkstätte<<, siehe HNr. 88!

HNr. 90 (71, ……, 76, 90) HBS Bachmann Karl u. Christine
BP 74: Hsch Strechau, vlg. Maureranderl, Ledlhaus.
HBS 1777 Rainer Anton >>ein Maurer u. Bergknappe u. Strechauerischer unterthann, von
seinem so genannten Ledl Haus<< – Qu; 1783 Ränner Andreas, 1790 Ranner Anton,
1809 Lechner Franz, 1817 Waldhuber Gabriel, vlg. Wedl, 1825 Draxler Simon, 1879
Straßer Josef u. Maria, vlg. Wedl, 1920 Bachmann Alois.

HNr. 91 (38, 1, 77, 93) HBS Stift Admont (Pfarrhof)
BP 73/2: Hsch frei, vlg. Handelshaus, Pfarrhof.
Erbaut 1595 von Kaspar Schüttenkopf, Hammergewerke, 1649 nach Brand wieder aufge-
baut von Othmar Schüttenkopf, 1667 erwarb das Stift Admont das Haus als stiftische
Handelshaus für seinen Kupferbergbau in der Teichen. 1684 wurde die barocke
Hauskapelle erbaut. 1725 brannte das Handelshaus ab u. wurde wieder aufgebaut.
Später (19. Jahrhdt.) diente es bis heute als Pfarrhof. HBS 1595 Kaspar Schüttenkopf,
1641 Martin Schüttenkopf, 1649 Othmar Schüttenkopf, 1667 seither immer in Besitz
des Stiftes Admont.

HNr. 92 BP 73/2 >>Pfarrstöckl<< wurde abgerissen.

HNr. 93 (2, ……, 78, 93) HBS 1977 Mühlberger Karl u. Sabine
BP 71: Hsch Ehrnau, vlg. Baderhaus.
HBS 1777 Gschaidbacher, vlg. Maurer Häusl, 1789 Gschaidbacher Johann, 1790 Gschaid-
bacher Markus, 1798 Steiner Johann, 1809 Geist Johann, 1817 Bauer Johann
>>Wegcommissair<<, 1879 Kaspar Müller, Schmied, 1893 Mühlberger Johann, 1920
Mühlberger Johann.

HNr. 94 (3, ……, 79, 94) HBS 1977 Fiausch Alfons u. Gertraud
BP 70/2: Hsch Friedstein, vlg. Rainer, Hengli, Wirtshaus.

HNr. 95 (4, ……, 80, 95) HBS 1977 Schmid Rosa
BP 69: Hsch Ehrnau, vlg. Bogenschmiedherberg, Fritschger.
ca. 1618: >>Ambris Lackhner: Item von der Pogenschmidt Herbergkh, gartel u.
Hammerstett sol robotten mit der Handt 2 Tagwergkh<<.
LA Urbar Verzeichnis der Herrschaft Kammerstein U 17/3. HBS 1777 Moser Hannes
>>von seinem so genannten Fitschger Haus<< – Qu; 1783 Tratner Joseph, 1790 Erkinger
Simon, 1809 Plank Johann, 1825 Gröhsing Franz, vlg. Kirschner, 1879 Gothardt Barbara,
vlg. Plonik, 1893 Gotthardt Anotn u. Maria; Dellefant Theresia, 1920 Rudolf v. Gutmann.

HNr. 96 (5, ……, 81, 96) HBS 1977 Erdkönig Franz u. Margaretha
BP 68: Hsch Ehrnau, vlg. Hutmann, Lindlführerhäusl.
ca. 1618: >>Ambris Lackhner vom Liendlführer güettl sol robotten mit der Hand 2 Tag-
werkh<< – LA Urbar Verzeichnis d. Herrschaft Kammerstein U 17/3.
HBS 1756 Rauscher Ignaz, 1777 Schwarz Andreas >>Schaidmeister allhier<< – Qu;
1797 Schwarz Andreas, 1798 Schwarzin Cäcilia, 1809 Klammer Leopold, Hutmann,
1825 Klammer Leopold, 1879 Klammer Franz; Hopf Anton, 1893 Hopf Anton u. Serafine,
1920 Hopf Anton. – Ein Trambaum im Haus trägt die Jahreszahl 1596.

HNr. 97 (6, ……, 82, 97) HBS 1977 Wohlmutter Hermann u. Johanna
BP 67: Hsch Kammern, vlg. Standfest, Gamsengütl, Ganinger.
HBS 1777 Moser Josef >>ein Bergarbeiter, von seinem so genannten gäninger Häusl<< – Qu;
1783 Moser Josef, Ganinger, 1789 Standfest Barthof, 1790 Walland Anton; Johann
Standfest, 1817 Frehwein Johann, 1825 Frehwein Johann, Bauerm vlg. Ganinger,
1879 Schatenberger Heinrich, 1893 Wohlmutter Johann, 1920 Wohlmutter Johann.

HNr. 98 (7, ……, 83, 98) HBS 1977 Wohlmutter Hermann u. Johanna
BP 66: Hsch Ehrnau, vlg. Lerdlschuster, Wittmann.
HBS 1777 Winkler Leonärd, Schustermeister, 1798 Winkler Leonhard, 1809 Winkler Karl,
1817 Wittmann Josef, Schuster u. Bauer, 1879 Wittmann Kajetan, 1893 Draxl Josef,
1920 Rudolf v. Gutmann.

HNr. 99 ( 8, ……, 84, 99) HBS 1977 Nendwich Maria u. Ernst,
Angerer Ignaz , Angerer Viktor
BP 65/2: Hsch Stift Admontisch Gült Bruck, vlg. Kirchbachtaferne, Suppan.
HBS 1777 Suppan Joseph >>Gastgeb allhier, hat uns zu geben von seinem Finsterberger
Haus samt seinen Gründen die nach dem Martin Finsterberg von Georg Willersberg mit
Erlaubnis der Herrschaft Ernau 1738 seynd erkaufet worden. Vorhin war die Gibigkeit
4 ß das Jahr hindurch<< – Qu; 1783 Suppan Johann Georg, Wirt, 1809 Peer Johann,
1825 Peer Johann, Bauer, Wagendorfer Johann, 1879 Zaglauer Jakob, 1893 Zaglauer
Rosina, 1920 Kaiblinger Maria, später Angerer u. Nendwich.

HNr. 100 (8, 7, 28, 100) HBS 1977 Schober Herbert, Pisching 34
BP 88/7: Hsch Massenberg, vlg. Schütensteiner (Primschenboden).
HBS 1825 Schober Peter, vlg. Weinkreutl, 1879 Haberl Matthias, 1920 Schober Sebastian,
vlg. Weinkräutlhübl.

HNr. 101 (67, 6, 29, 101) HBS 1977 Wohlmuter Franz u. Maria
BP 90: Hsch Ehrnau, vlg. Primsch.
HBS 1777 Lerchegger Jacob, Schripl Philipp, 1790 Wohlmuther Jakob, 1825 Wohlmuther
Johann, 1879 Wohlmuther Johann u. Viktoria, 1920 Wohlmuter Johann.
1885 wurde das Haus durch Brand zerstört.

HNr. 102 (6, 5, 30, 102) HBS Wohlmuther Johann
BP 92: Hsch Ehrnau, vlg. Hundsleitner (Primschboden).
HBS 1777 Lerchegger Jacob, 1783 Wohlmuther Philipp, 1805 Wohlmuther Philipp,
1825 Wagner Thomas, 1879 Wohlmuther Peter, 1920 Wohlmuther Johann.

HNr. 102a BP 119 88/2 HBS 1977 Ehweiner Josef
HNr. 103 BP 109 HBS 1977 Fürst Liechtenstein Wohnhaus
HNr. 104 BP 102/1 HBS 1977 Fürst Liechtenstein Wohnhaus
HNr. 105 BP HBS 1977 Fürst Liechtenstein Wohnhaus
HNr. 106 BP 117 HBS 1977 Kanka Elisabeth
HNr. 107 BP 107 HBS 1977 Tritscher Johann
HNr. 108 BP 116 146, 147 HBS 1977 Fiausch Josef
HNr. 109 BP 120 145 HBS 1977 Jansenberger Hermann u. Elfriede
HNr. 109a BP 143 HBS 1977 Machhammer Erich
HNr. 110 BP 122 123 HBS 1977 Machhammer Lorenz 13/16
Ressler Elfriede 3/16
HNr. 111 BP 124 HBS 1977 Lechner Anna u. Koren Walter
HNr. 112 BP 125 HBS 1977 Wenger Rosina
HNr. 112a BP 141 HBS 1977 Gem. Bau- u. Siedlungs-
Genossenschaft Rottenmann
HNr. 112b BP 190 HBS 1977 Gem. Bau- u. Siedlungs-
Genossenschaft Rottenmann
HNr. 113 BP 140 HBS 1977 Pichler Monika u. Horst
HNr. 114 BP 139 HBS 1977 Peckl Franz u. Hilde
HNr. 115 BP 138 HBS 1977 Scherer Eleonore
HNr. 116 BP 137 HBS 1977 Berthold Herta
HNr. 117 BP 136 HBS 1977 Köppl Josef u. Erna
HNr. 118 BP 135 HBS 1977 Draxl Rudolf
HNr. 119 BP 134 HBS 1977 Salvenmoser Richard
HNr. 120 BP 133 HBS 1977 Haas Adolf u. Christine
HNr. 121 BP 132 HBS 1977 Planitzer Manfred
HNr. 122 BP 131 HBS 1977 Eberhard Johann u. Justine
HNr. 123 BP 142 HBS 1977 Wohlmuther Hans u. Elisabeth
HNr. 123a BP 187 HBS 1977 Jansenberger Karl
HNr. 123b BP 188 HBS 1977 Pöllinger Felix u. Erna
HNr. 123c BP 189 HBS 1977 Irrasch Richard u. Gertrude
HNr. 124 BP 144 HBS 1977 Österr. Wohnbau-Genossenschaft
HNr. 125 BP 152 HBS 1977 Rudorfer Johann
HNr. 126 BP 151 HBS 1977 Marktgemeinde Kalwang
HNr. 127 BP 161 HBS 1977 Marktgemeinde Kalwang
HNr. 128 BP 177 HBS 1977 Eigentumswohnhaus; 12 Eigent.
HNr. 129 BP 162 HBS 1977 Stangl Friedrich u. Lucia
HNr. 130 BP 167 HBS 1977 Percht Siegfried u. Ilse
HNr. 131 BP 168 HBS 1977 Mayr Eduard u. Angela
HNr. 131a BP 169 HBS 1977 Tiefner Christian Gottfried
HNr. 132 BP 183 HBS 1977 Kneißl Gabriel u. Barbara
HNr. 133 BP 182 HBS 1977 Tiefenbacher Anna u. Kurt
HNr. 135 BP 164 HBS 1977 Haberl Richard u. Ingeborg
HNr. 136 BP 179 HBS 1977 Soz. Vers. Anst. d. Bauern (ehem. Url)
HNr. 137 BP 178 HBS 1977 Hengl Paul
HNr. 141 BP 166 HBS 1977 Kohrgruber Heinz u. Karola
HNr. 142 BP 165 HBS 1977 Pichler Johann u. Monika
HNr. 145 BP 180 HBS 1977 Gutscheber Erich
HNr. 146 BP 181 HBS 1977 Tritscher Johann u. Anna
HNr. 147 BP 171 HBS 1977 Laptos Helmut, Manfred und Siegfried
je 1/3 Kfz-Werkst. u. Wohnhaus
HNr. 148 BP 170 HBS 1977 Österr. Mineralölverwaltung, ARAL
HNr. 149 BP 186 HBS 1977 Siedlungsgenossenschaft Donawitz
HNr. 153 BP 172 HBS 1977 Pointner Rudolf u. Christine
HNr. 154 BP 173 HBS 1977 Baumgartner Willi u. Johanna
HNr. 155 BP 174 HBS 1977 Leitgeb Alfons u. Josefine
HNr. 157 BP 176 HBS 1977 Fekete Stefan u. Olga
HNr. 158 BP 175 HBS 1977 Reiter Helmut u. Evelin

Häuserverzeichnisse der Katastralgemeinden Pisching

HNr. 1 HBS 1977 Gruber Ruth u. Herrschaft Liechtenstein
BP 43: Hsch Friedstein, vlg. Kühbrandner.
HBS 1777 Tiefner Hans, 1783 Diefer Johann, 1790 Winkler Josef, 1879 Winkler Anton,1920 Rud. v. Gutmann.
1977: BP 43/4 u. BP 43/5 Herrschaft Liechtenstein
BP 43/2 1879 Schmollengruber Matthias, vlg. Schüttenkopf
1977 Herrschaft Liechtenstein
BP 43/1 1879 Goriupp Barbara, vlg. Thalhammer
1977 Gruber Ruth

HNr. 2 BP 42 Hsch Göß, vlg. Stellerhof. Die Kinder des Andre Steller verkaufen
1577 die >>Stöllerhube<< ihrem Stiefvater Peter Schragl (LA-Urkunde
1577, 4.4.) HBS 1639 Hanns Schragl, 1628 Thoman Schragl, 1683
Peter Christof Schragl, 1825 Schragl´s Erben, 1844 Stift Admont, 1846
Radmeister Communität Vordernberg, 1879 Radmeister Communität
Vordernberg, 1920 Rud. v. Gutmann, 1977 Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 3 BP 41; Grundherrschaft Göß; Besitzer 1825: Schragl´s Erben,
Wirtschaftsgebäude; 1844: Stift Admont; 1846: Radmeister Communität
Vordernberg, 1920: Staatsbahn-Wächterhaus, vlg. Graßl;
1977: Eisenbahnverwaltung.

HNr. 4 BP 32; Grundherrschaft Ehrnau; vlg. >>Noth-Hammer<<, >>Hammerhaus<<;Besitzer 1825: Carl Pengg, Gewerke, Kalwang; 1879: Radmeister Communität Vordernberg; 1920: Rud. v. Gutmann, Wohnhäusl;
1977: Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 5 BP 34; Grundherrschaft Ehrnau; Besitzer 1825: Carl Pengg, Gewerke,
Kalwang, Wirtschaftsgebäude; 1879: Radmeister Communität
Vordernberg; 1920 Rud. v. Gutmann, Gärtnerhäusl; 1977: Herrschaft
Liechtenstein.

HNr. 6 BP 35; Grundherrschaft Ehrnau; Besitzer 1825: Carl Pengg, Wirtschafts-
gebäude; Radmeister Communität Vordernberg; 1920 Rud. v. Gutmann,
>>Waschhaus<< – Wohnhäusl;
1977: Herrschaft Liechtenstein, auch BP 36.

HNr. 7 (26) BP (Bauparzelle) 28; Hsch. (Grundherrschaft) Göß; HBS. (Hausbesitzer)
1777: Reichenfelser Andreas; 1790 Reichenfelser Sebastian;
1798 Reichenfelser Andreas; 1825 Kahsegger Urban, vlg. Haselbauer,
Wirtschaftsgebäude; 1879: Radmeister Communität Vordernberg
(BP 28/1,2); Rud. v. Gutmann, Jagdschloß; 1977 Herrschaft Liechtenstein
(Schloß, BP 28/2)

HNr. 8 BP 29; Hsch Göß; HBS 1825 Kahsegger Urban, vlg. Haselbauer, Wohn- u.
Wirtschaftsgebäude; 1879 Radmeister Communität Vordernberg;
1920 Rud. v. Gutmann, Wohnhaus; 1877 Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 9 BP 61; HBS 1920 Rud. v. Gutmann, Oberjäger-Wohnhaus, erbaut von
Rud. v. Gutmann; 1977 Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 10 (25) BP 26; Hsch. Probstei Kammern; HBS 1777 Preitenegger Josef,
vlg. Hüeblbauerngütl; 1825 Konrad Josef, vlg. Hirselbauer, Wohn- u.
Wirtschaftsgebäude; 1879 Radmeister Communität Vordernberg;
1920 Rud. v. Gutmann, vlg. Gandorfer-Wohnhaus; 1977 Herrschaft
Liechtenstein.

HNr. 11 (24) BP 24; Hsch. Ehrnau; HBS 1777 Gröttler Josef; 1790 Gretlerin Maria;
1825 Harl Vinzenz (Hubner Michael), vlg. Floschbauer, Wohn- u.
Wirtschaftsgebäude; 1879 Jansenberger Josef u. Maria; 1920 Reitmaier
Simon, Hube; 1977 Stocker Karl u. Sophie.

HNr. 12 (23) BP 21; Hsch. Thann zu Groß-Lobming; HBS 1777 Reichenfelser Andreas;
1790 Reichenfelser Johann; 1825 Reichenfelser Lorenz, vlg. Annerle,
Wohn- u. Wirtschaftsgebäude; 1879 Leitner Peter; 1920 Stocker Franz;
1977 Stocker Karl u. Sophie; auch BP 22

HNr. 13 BP 21; Zubau >>Anderl-Stöckel<<; HBS 1920 Stocker Franz;
1977 Stocker Karl u. Sophie.

HNr. 14 BP 55; Bahnhofwirt; HBS 1920 Puletz Josefine; Gasthaus, 1 Zuhäusl-
Wohnhaus, HBS Puletz Josefine;
BP 55/1; HBS 1977 Ohnewith Josef u. Anna, Gasthaus;
BP 55/2; HBS Passegger Walter u. Gertrude.

HNr. 15 Beamtenhaus; erbaut von Rud. v. Gutmann; HBS 1920 Rud. v. Gutmann;
1977 Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 17 BP 19; Herrschaft Liechtenstein; HBS 1825 Enterpfarrer Franz, vlg. Din,
Wohn- u. Wirtschaftsgebäude; 1879 Binter Peter; 1920 Rud. v. Gutmann,
Sägeverwaltung – Wohnhaus; Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 18 BP 19; Brunnhäusl; 1920 Rud v. Gutmann, Wohnhaus; HBS 1977 Herrschaft
Liechtenstein.

HNr. 19 BP 19; Stallgebäude; HBS 1920 Rud. v. Gutmann, Wohnhaus u. Stall;
1977 Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 20 BP -; Waldhäusl; HBS 1920 Rud. v. Gutmann.

HNr. 21 (20) BP 53; Hsch Ehrnau; HBS 1777 – 1805 Gröttler Thomas, nachher zum
vlg. Schmutz gehörig; HBS 1825 Reithmaier Johann, vlg. Thommerl,
Wohn- u. Wirtschaftsgebäude; 1920 Rud. v. Gutmann,
vlg. Schmutzenhube-Wohnhaus; 1977 Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 22 BP-; Blockhaus; 1920 Rud. v. Gutmann, Wohnhäusl.

HNr. 23 (17) BP 44, 45; Hsch Ehrnau; HBS 1777 Gentler Georg; 1783 Ahorner Johann;
1809 Gantschnigg Anton; 1825 Gantschnigg Anton, vlg. Vollersberger,
Bauer in Kalwang, Wirtschaftsgebäude; Ahorner Jakob; 1879 Binder
Peter; 1920 Rud. v. Gutmann, vlg. Bindermühle-Wohnhaus; Artweger
Michael; 1977 Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 24 BP 58; Maschinenhaus; 1920 Rud. v. Gutmann, Wohnhaus; Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 25 BP 59; Holzmeisterhaus; 1920 Rud. v. Gutmann, Wohnaus;
1977 Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 26 BP 60; Platzmeisterhaus; 1920 Rud. v. Gutmann, Wohnhaus;
1977 Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 27 BP 63; Badehaus; HBS 1920 Rud. v. Gutmann, Wohnhaus u. Bad;
1977 BP 63 u. 64 HBS Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 28 BP 62; Arbeiterkaserne; HBS 1920 Rud. v. Gutmann, Wohnhaus u. Bad;
1977 Herrschaft Liechtenstein; auch BP 54/1,2,3,4,5,6,7.

HNr. 29 BP 64; Werkmeisterhaus; HBS 1920 Rud. v. Gutmann, Wohnhaus;
1977 Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 30 (14,15) BP 17; Hsch Ehrnau; HBS 1777 Waldhueber Jacob; 1790 Pollinger
Matthias; 1806 Enterpfarrer Franz, vlg. Dinhube; 1825 Enterpfarrer
Franz; 1879 Hofer Peter u. Juliane; 1879 Kronprinz-Rudolf-Bahn;
BP 17/4 HBS 1920 Rud. v. Gutmann, Eggerhäusl-Wohnhaus;
1977 Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 31 BP 17/3 HBS 1920 Staatsbahn, Köppl-Wächterhaus.

HNr. 32 BP 17/2 HBS 1920 Staatsbahn-Bahnhof, Kanzleien u. Wohnhaus;
1977 Eisenbahnverwaltung.

HNr. 33 (13) BP 16; Hsch Massenberg; HBS 1777 Hüebl Paul; 1816 Konrad Johann;
1825 Konrad Johann, vlg. Hirsl in Reith; Gerold Peter, Wohn- u.
Wirtschaftsgebäude;
1879 BP 16/1 u. 16/2 HBS Pfarsbacher Johann u. Elisabeth;
1920 BP 16/2 HBS Pfarsbacher Aloisia, Bauernhaus;
1877 BP 16/2 Fahrsbacher Franz u. Maria Magdalena.

HNr. 34 (12) BP 15; Hsch Massenberg; HBS 1777 Schwaiger Balthasar; 1596 Veit
Weinkhreitl, Zechprobst in Kalwang, L. A. XI; 1618 Urbar der Herrschaft
Ernau: >>Veit Weinkreüttel, sol dienen von seiner Hausmüll 1 Lamb<<.
1816 Schober Peter; 1825 Schober Peter, vlg. Weinkräutl, Wohn- u.
Wirtschaftsgebäude; 1879 Haberl Matthias u. Viktoria; 1920 Schober
Sebastian, BP 15/4, Bauernhaus; 1977 Schober Herbert BP 14, 15/1,2,3,4,

HNr. 35 BP 15/3 Schweinestall; 1920 Schober Sebastian, Stall u. Wohnung;
1977 Schober Herbert.

HNr. 36 BP 15/1 Knechtstube, 1920 Schober Sebastian, Wohnhäusl;
1977 Schober Herbert.

HNr. 37 (10) BP 12; Hsch Massenberg; HBS Kofler Joseph, Wirth in Gries; 1783;
1790 Reitmayer Thomas; 1825 Reitmayer, vlg. Schmutz, Wirtschafts-
gebäude; 1879 Putz Josef; 1920 Putz Josefine, Bauernhaus;
1977 BP 11 u. 12 Putz Josef u. Ottilie.

HNr. 38 (11) BP 13; Hsch Massenberg; HBS 1777 Lackner Lorenz; 1790 Schwaiger Melchior; 1798 Konrad Matthias; 1824 Prantner Peter; 1825 Brandtner
Peter, vlg. Schwager, Wohn- u. Wirtschaftsgebäude; 1879 Glück Andreas; 1920 Glück Franz, vlg. Schwagerbauer-Hube; 1977 BP 13/3 u. 13/4 Glück
Franz.

HNr. 39 (9) BP 10; Hsch Massenberg; HBS 1777 Thalhammer Simon; 1825 Schober Sebastina, vlg. Mößlsteiner, Wohn- u. Wirtschaftsgebäude; 1879 Glück Andreas u. Maria, vlg. Schwagerbauer; 1920 Glück Franz, vlg. Thalhammer,
Bauernhaus; 1977 Glück Franz.

HNr. 40 (21) BP 51 u. 52; Hsch Ehrnau; HBS 1777 Pilgram Jacob; 1825 Straßmayer Johann, vlg. Hundsleitner, Heubrandner Michael; Wirtschaftsgebäude; 1920 Bürscher Urban, Wohnhäusl, BP 52/2.
1618 Urbar d. Herrsch. Ernau: >>Wolf Hundsleitner von seinem Güetl die Hundsleüten genanndt sol robotten mit der Hand 3 Tagwergkh.<<

HNr. 41 (5) BP 6; Hsch Ehrnau; 1777 Schober Simon; 1783 Schober Sebastian; 1825 Schober Sebastin, vlg. Mößlsteiner, Kohlstatt.
1879 BP 6/1 – Kronprinz-Rudolf-Bahn; BP 6/2 Gamsjager Gottfried, Sonnberg; BP 6/3, vlg. Moselsteiner.
1920 BP 6/1 Staatsbahn, vlg. Berger-Wächterhaus;
1954 BP 6/3 u. 6/2 Igler Kurt, 1977 Igler Klaus.

HNr. 42 (3) BP 3; Hsch Strechau; HBS 1777 Gerold Jacob; 1790 Geralt Michael; 1825 Gerold Thomas, vlg. Klausbauer, Wohn- u. Wirtschaftsgebäude; 1879 Gerold Michael; 1920 BP 3/3 Hinterer Karl, Hube; 1954 Igler Kurt;
1977 Igler Klaus.

HNr. 43 (2) BP 2; Hsch Strechau; HSB 1777 Pillgram Balthasar; 1790 Pillgram Lorenz; 1816 Pillgram Andre; 1825 Pilgram Andreas, vlg. Brückler, Wohn- u. Wirtschaftsgebäude; 1879 BP 2/1 u. 2/2 Haberl Simon, vlg. Brückler; 1920 Haberl Simon, BP 2/2 Bauernhaus; 1977 Geretschnig Werner u. Friederike, BP 2/2,3,4,5.

HNr. 44 (1) BP 1; Hsch Strechau; HBS 1783 Geralt Philipp; 1825 Gerold Philipp, Bauer in Wald, vlg Hausgütl, Wohn- u. Wirtschaftsgebäude; 1879 Gerold Josef, vlg. Hackenschmied-Hube; 1920 Pototschnig Barbara, Bauernhaus; 1977 Potocnik Josef.

Alte Bauparzellen 1977 ohne Hausnummern:

BP 8; Hsch Massenberg; HBS 1825 Schober Sebastian, vlg. Mößlsteiner, Sägemühle; 1879 Glück Andreas u. Maria, vlg. Schwagerbauer; 1977 Glück Franz.

BP 9; Hsch Massenberg; Mahlmühle; HBS 1825 Schober Sebastian, vlg. Mößlsteriner; 1879 Glück Andreas u. Maria, vlg. Schwagerbauer.

BP 33; Hsch Göß; Hammerschmiede-Noth-Hammer; HBS 1825 Pengg Carl, Gewerke Kalwang; 1879 Radmeister Communtität Vordernberg.

BP 46 u. 47; alte Haus-Nr. 18; Hsch Ehrnau, vlg. Pirchreiter; HBS 1777 Conrath Lorenz; 1783 Pollinger Johann; 1825 Communität Admont; 1879 Haberl; 1977 Herrschaft Liechtenstein.

BP 48, 49, 50; Hsch Ehrnau; HBS Reichenfelser Johann, vlg. Hans in Berg; Wohn- u. Wirtschaftsgebäude; 1879 Reichenfelser J.;
1977 Herrschaft Liechtenstein.
BP 55; alte Haus-Nr. 22, vlg. Steiner; HBS 1777 Holzer Franz, Wohn- u. Wirtschaftsgebäude; 1825 Steinmayer Johann.

BP 65; HBS 1977 Eisenbahnverwaltung.

Almhütten im Pischinggraben im Jahre 1879:

Bauparz. Nr. Haus-Nr. Besitzer
54/1, 54/2 13 Artweger Michael, vlg. Vollersberger, Pisching.
54/3, 54/4 12 Goriupp Barbara, vlg. Thalhammer, Pisching.
54/5 11 Putz Josef, vlg. Schmutz.
54/6 10 Reichenfelser Josef, vlg. Hansl i. Berg, Pisching.
54/7 14 Haberl Georg, vlg. Pirchreiter, Pisching.
54/8 17 Putz Josef, vlg. Thomerhube, Pisching.

Almen: Grundparz. 372, 373, 374, 375: 5 gemeinsame Besitzer: 1.
Artweger Michael, 2. Reichenfelser Josef, 3. Haberl Georg, 4. Putz Josef, 5. Kostan Barbara. (1 Joch 1135 Qu. Klafter)

Besitzer von Bauparzellen in der Katastralgemeinde Pisching im Jahr 1977:

Bauparz. 65: Herrschaft Liechtenstein
Bauparz. 66: Österr. Homogenholz G. m. b.H.
Bauparz. 67: Herrschaft Liechtenstein
Bauparz. 70: Herrschaft Liechtenstein
Bauparz. 71: Herrschaft Liechtenstein
Bauparz. 78: Österr. Homogenholz G. m. b. H.
Bauparz. 81: Herrschaft Liechtenstein
Bauparz. 82: Herrschaft Liechtenstein
Bauparz. 83: Herrschaft Liechtenstein
Bauparz. 84: Unterrainer Paul, Pisching 19
Bauparz. 85: Unterrainer Paul, Pisching 19
Bauparz. 86: Steweag Graz
Bauparz. 87: Glück Adolf u. Emma, Pisching 36 A
Bauparz. 88: Schober Sebastian, Pischint 36 B
Bauparz. 89: Breitfuß Sebastian, Pisching 36 C

Häuserverzeichnisse der Katastralgemeinden Schattenberg

HNr. 1 Bauparzelle 7; Gemeinde Schattenberg; Grundherrschaft Ehrnau;
Besitzer 1825: Gemeinde Schattenberg; Privilegierte Schießstätte
(68, 3, Qu. Klafter); 1879: Bauparzelle 7/1 – Gölles Jakob, Gölles Alois,
Straßenräumer (Conscibiert zu Kalwang); Gemeinde Kalwang; Bauparzelle
7/2 u. 7/3 – Gemeinde Kalwang (Schießstätte);
1920: Bauparzelle 7/1 – Gölles Alois, Wohnhäusl; 1977: Gölles Anton Karl,
ebenso Bauparzelle 7/2;
1977: Bauparzelle 7/3 – Reiter Helmut (ehemalige Schießstätte.)

HNr. 2 (85) BP 4; Hsch Ehrnau; HBS 1777 Geroldt Jakob seit 1769; 1790 Geralt
Urban; 1798 Geralt Andre; 1817 Jauk Simon; 1825 Jauk Simon,
vlg. Poser; 1835 Mayer Johann; hölzernes Wohngebäude und Stall;
1879 Binder Peter (conscribiert zu Kalwang); 1920 (Haus Nr. 1 – Wald-
genossenschaft) 34 Joch 6 Qu. Kl.; 1977 BP 4/1 u. 4/2 Waldgenossen-
schaft Kalwang.

HNr. 3 (38) BP 2; Hsch Ehrnau; HBS 1769 Geralt Michael; 1817 Geralt Michael;
1825 Heubrandtner Johann, vlg. Huber; hölzernes Wohngebäude und Stall;
1879 Franz Ritter v. Friedau (conscribiert zu Kalwang); 60 Joch 298 Kl.;
1920 BP 2/1 Waldgenossenschaft; 1977 BP 2/1,2 Waldgenossenschaft
Kalwang.

HNr. 4 (89) BP 5; Hsch Möll; HBS 1777 Abel Ferdinand; 1779 Tiepold Lorenz;
1798 Diebald Jakob; 1817 Grey Valentin; 1825 Größinger Jakob,
vlg. Schwager; 1835 Valentin Franz, 1879 Kamper Konrad (conscribiert zu Kalwang); 24 Joch 1123 Qu. Kl.; 1920 Waldgenossenschaft, vlg. Schwager
od. Schneider; 1977 Waldgenossenschaft Kalwang.

HNr. 5 BP 8; Grundherrschaft Ehrnau; Besitzer 1825: Gemeinde Schattenberg;
1835: Schragl´s Erben, Gewerke in Kalwang, gemauertes Gebäude –
>>Mühl<<;
1879 BP 8/3 – Karrer Johann u. Maria;
BP 8/1 – Freimüller Philipp, vlg. Bruckmühle Kalwang.
BP 8/2 – Gemeinde Kalwang
1920 BP 8/3, vlg. >>Friedlsäge<<: Rud. v. Gutmann (Säge u. Wohnhaus)
1977 BP 8/3, vlg. Ahornmühle – Waldgenossenschaft.

HNr. 6 BP 9; Grundherrschaft Ehrnau; Besitzer 1825: Gemeinde Schattenberg;
1835: Gemeinde Schattenberg; hölzernes Gebäude; 1879: Lintschinger
Ignaz (conscribiert zu Kalwang); Gp. 118 – 156 Qu. Kl.
1920: Treiber Matthias, Wohnhäusl;
1977: Waldgenossenschaft (das auf BP 9 stehende Objekt gehört Radler
Franz).

HNr. 7 BP 10; Grundherrschaft Kirche Kalwang; Besitzer 1825: Schwarzenbacher
Lorenz, Keuschler in der Teichen; 1835: Schwarzenbacher Matthias;
hölzernes Gebäude; Gp. 119, 121/1,2,3;
1879: Schwarzenbacher Matthias, vlg. >>Holzmann<<, (conscribiert zu
Kalwang); 1 Joch 331 Qu. Kl.;
1920: Hautz Anton, vlg. Holzmann; Klingler Rosa;
1977: Hautz Bruno.

HNr. 8 BP 14; Grundherrschaft Ehrnau; Besitzer 1825: Schragl´s Erben,
gemauertes Gebäude; 1879 Radmeister Communität Vordernberg,
vlg. Hammerhaus – Kaiserau, BP 14, 15/1,2;
1920: Rud. v. Gutmann, Wohnhaus, vlg. Bradl (alte HNr. 65);
1977: Lödl Bruno mj.

HNr. 9 BP 19 (früher BP 11 u. 14); Grundherrschaft Ehrnau; Besitzer 1825:
Schragl´s Erben, gemauertes Wohngebäude, Kaiserau-Hammer, Teichen;
1844: Stift Admont; 1846: Radmeister Communität Vordernberg;
1879: Radmeister Communität Vordernberg; 1920 Neubau: Rud. v. Gut.,
Wohnhaus, vlg. Puhm;
1977: Fritz Edeltraud u. Pölzl Ingrid.

HNr. 10 (47) BP 16; Grundherrschaft Ehrnau; Besitzer: 1777 Reitterer Joseph,
Bergarbeiter, 1825: Brott Peter, vlg. >>Schmull<<, Keuschler i. d.
Teichen, hölzernes Gebäude; 1879: Röder Agatha (conscribiert zu
Sonnberg); Pramberger Peter; 1920: Sandgruber Alois, Wohnhäusl,
vlg. Gaberl, BP 16/2; 1977: besteht nicht mehr.

HNr. 11 BP 18; Grundherrschaft Strechau; Besitzer 1825: Gemeinde Schatten-
berg; 1835: Stift Admont; gemauerte Mühl, Kupferbergwerk i. d. Teichen;
1879: Radmeister Communität Vordernberg auch Bauparzellen 19, 21, 28,
32, 33, 34; Gp. 93, 94, 96, 98, 99, 125/1, 147, 148, 149, 154, 155, 157, 159,
160/1, 161, 162, 125/3 = 1042 J. 114 Qu. Klafter.
1920 BP 18/3: Weitzenbichler, Wohnhäusl;
1977: Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 12 BP 17; Grundherrschaft Strechau; Besitzer 1825: Gemeinde Schatten-
berg; 1835: Stift Admont, Kupferbergwerk, gemauertes Wohngebäude,
Teichen; 1879: Radmeister Communität Vordernberg, vlg. >>Bergschmied<< (conscribiert zu Sonnberg);
1920: Rud. v. Gutmann, Wohnhaus, vlg. Kober;
1977: Herrschaft Liechtenstein.

Bauparzellen, die 1920 nicht mehr aufscheinen:

Bauparzelle 1, alte HNr. (84): Grundherrschaft Probstei Kammern; alte HNr. 87; Besitzer 1777: Zäch Michael; 1825: Lackner Joseph, vlg. >>Hochwaldner<<, Bauer in Lißing, hölzernes Gebäude u. Stall;
1879: Franz Ritter v. Friedau, Gp. 4, 5, 6, 7, 9, 11, 184 – Weide, Wald, Acker – 197 J. 797 Qu. Kl.;
1977: Waldgenossenschaft.

Bauparzelle 3, alte HNr. 86: Grundherrschaft Probstei Kammern; hölzernes Wohngebäude u. Stall; alte HNr. 28; Besitzer 1777: Schelzer Georg od. Geroldt; Qu. Besitzer 1825: Grödinger Franz, vlg. >>Schölzer<<. Bauer i. Lißing; 1835: Grödinger Jakob, vlg. Schölzer; 1879: Radmeister Communität Vordernberg, Gp. 17, 19, 29, 35, 39, alles Wald – 112 J. 6 Qu. Kl.

Bauparzelle 6, alte HNr. 90: Grundherrschaft Göß; alte HNr. 90; Besitzer 1777: Tiefer Hannes; 1825: Angerer Johann, vlg. >>Neuwirth<<; hölzernes Wohngebäude; 1835: Angerer Johann, vlg. >>Kolb<<, auch >>Kolm<<; 1879: Müller Lukas, vlg. Kolb (conscribiert zu Kalwang), Weide, Wiese, Acker u. Wald – 23 J. 1348 Klafter.

Im Jahr 1977 scheinen noch folgende Besitzer von Bauparzellen auf:

Bauparzelle 44: Rieder Matthias u. Karoline (Schmickl)
Bauparzelle 45: Herrschaft Liechtenstein
Bauparzelle 47: Herrschaft Liechtenstein
Bauparzelle 48: Herrschaft Liechtenstein
Bauparzelle 49: Rieder Matthias u. Karoline, Pisching 7
Bauparzelle 50: Waldgenossenschaft (das auf Bauparzelle 50 stehende Objekt
>>Wohnhaus<< ist Luftkeusche u. gehört Schuster Franz, Schattenberg
Nr. 18)
Bauparzelle 51: gleich wie 50!
Bauparzelle 52: Waldgenossenschaft (das auf Bauparzelle 52 stehende Objekt
>>Werkstätte<< ist Luftkeusche u. gehört Miksa Brigitte)
Bauparzelle 53: Knabl Ingrid u. Karin, Schattenberg Nr. 26
Bauparzelle 54: Trimmel Leopold u. Maria, Schattenberg Nr. 25
Bauparzelle 55: Wertanzl Eduard, Schattenberg Nr. 24
Bauparzelle 56: Adami Josef, Schattenberg Nr. 19
Bauparzelle 57: Künstner Franz u. Anna, Schattenber Nr. 20
Bauparzelle 58: Leitner Anton, Schattenberg Nr. 21
Bauparzelle 59: Mitteregger Josef, Schattenberg Nr. 23
Bauparzelle 94/7: Mitteregger Kurt u. Renate, Schattenberg Nr. 1a
Bauparzelle 94/6: Pfatschbacher Werner, Schattenberg Nr. 1c
Bauparzelle 94/5: Zepf Johann u. Renate, Schattenberg Nr. 1d

Dank

HNr. 1 BP (Bauparzelle) 1; Hsch (Grundherrschaft) Ehrnau; HBS (Hausbesitzer)
1618 nach einem urbar der Hersch. Ehrnau: >>Wolfgang Moselstainer,
Herrn Jakob Preuners Unterthan sol dienen vom Wasserfall seiner Haus-
Mühl 2 Hüener<<.
1825 Schober Sebastin, vlg. Moselsteiner; 1879 Gamsjäger Georg; (24
Joch 448 Qu. Klafter); 1920 Hinterer Karl, Forellenzucht; 1954 Igler
Kurt, 1976 Igler Klaus.

HNr. 2 BP 2; Hsch Ehrnau; HBS 1825 Leitner Matthias, vlg. Wegmacher;
1879 Posch Maria, Wegmacher; 1920 Wohlmutter Katharina, vlg. Wald-
sam-Tickl; 1977 BP 2/1 Gruber Sebastian, BP 2/2 Egger Berta.

HNr. 3 (21) BP 3; Hsch Ehrnau; HBS 1777 Wohlmutter Joseph, vlg. Salmer am
>>Salomon Pichl<<. 1618: Urbar der Herrsch. Ernau: >>Hanß Salomon,
Jakob Preuners, Freiherr, Unterthan so dienen vom Wasserfall seiner
Hausmüll aufm Mellingbach, 2 Hüener<<. L. A.
HBS 1824 Wallner Paul; 1879 Wallner Josef (40 Joch 416 Qu. Kl.)
1920 Wallner Josfa, auch BP 4; 1977 Rahm Elenonore.

HNr. 4 BP 5 u. 6; Hsch Ehrnau; Gehört zu Salmer; HBS 1825 Wallner Georg,
vlg. Gainig; 1879 Wallner Josef, vlg. Ganinger (38 Joch 1307 Qu. Kl.)
1920 Wallner Josefa; 1977 Rahm Eleonore.

HNr. 5 (19) BP 7; Hsch Ehrnau; 1618: Urbar der Herrsch. Ernau: >>Christoph
Lederspüchler so dienen vom Wasserfall seiner Hausmüll aufm Mellingbach
2 Hüenner<<. 1756 Kollbacher Jakob; 1777 Kollpacher Hanns; 1790 Kohl-
bacher Martin; 1825 Hubner Matthias, vlg. Lederrspichler; Wallner
Thomas, Wallner Matthias; 1879 Kraft Angela (21 Joch 1067 Qu. Kl.)
1920 Kolland Franz; 1977 Diethard Siegfried.

HNr. 6 BP 152; Wohnhäusl; 1920 Mitteregger Peter, vlg. Binder;
1977 Edlinger Josef u. Cäcilia.

HNr. 7 (18) BP 8; Hsch Ehrnau; HBS 1777 Lödl Jacob; 1783 Lödl Bernhard; 1825 Mitteregger Peter, vlg. Schaup; Mayr Josef; 1879 Mitteregger Peter (45 Joch 656 Qu. Kl.); 1920 Machhammer Viktoria, vlg. Schaup; 1977 Machhammer Peter. Urk. 1344 (XI 11) nennt >>Peter Schwapp an der Graden<<. Urkunde 1462 erwähnt die >>Schawppenhofstatt, da Haintz aufsitzt<<, mit der Hans Drechsler belehnt wird.

HNr. 8 (17) BP 9; Hsch Ehrnau; 1618: Urbar der Herrsch. Ernau: >>Andre Kholhueber, Herrn Jakob Preiners Unterthan sol dienen vom Wasserfall seiner Hausmüll aufm Mellingpach 2 Hüenner<<. L.A.
1777 Payrhueber Lorenz; 1825 Jansenberger Anton, vlg. Kohlhuber; Kohlbacher Barthalomäus; 1879 Jansenberger Martin, (36 Joch 1258 Qu. Kl.) 1920 Jansenberger Maria BP 2/1 Hube; Jansenberger Georg;
1977 Jansenberger Johann.

HNr. 9 (15) BP 12, 13, 14 Mühle, Stall; Hsch Strechau; HBS 1777 Wohlmutt Georg; 1783 Wohlmuther Michael; 1816 Beysteiner Franz; 1825 Jansenberger Paul, vlg. Egger; 1879 Jansenberger Johann (145 Joch 188 Qu. Kl.); 1920 Jansenberger Maria; Jansenberger Georg; 1977 Jansenberger Johann.

HNr. 9 a GP 147 – Jansenberger Johann. Das auf GP 147 stehende Haus gehört Heustadler Viktor.
Alte Haus-Nr. 16; BP 10 u. 11; Hsch Ehrnau; HBS 1777 Ferchtler Matthias; 1825 Jansenberger Anton, vlg. Kohlhuber; 1879 Jansenberger, vlg. Erlachgütl (19 Joch 707 Qu. Kl.); 1920 Jansenberger Maria; Jansenberger Georg; 1977 Jansenberger Johann.
Alte Haus-Nr. 14; BP 15 u. 16; Hsch Strechau; HBS 1783 Lackner Rupert; 1798 Lackner Anton; 1825 Lackner Anton, vlg. Pichler; Lackner Thomas; 1879 Schober Peter (97 Joch 1161 Qu. Kl.); 1920: erloschen.

HNr. 40 (12) BP 17; Hsch Waldstein; HBS 1777 Haberl Philipp; 1825 Haberl Georg, vlg. Prachtner;
BP 18; Hsch Ernau; 1825 Ahorner Karl, vlg. Kißlinger;
BP 17 u. 18; HBS 1879 Gamsjager Georg, vlg. Prachtner (45 Joch 1406 Qu. Kl.); 1920 Rud. v. Gutmann; BP 17/1 1977 Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 39 (11) BP 19; Hsch Ehrnau; HBS 1777 Lechner Georg; 1798 Heubrantner Philipp; 1817 Straßmayer Johann; 1825 Straßmayer Johann, vlg. Klingler; 1879 BP 19/1 u. 19/2 Kaufmann Genovefa (23 Joch 254 Qu. Kl.); 1920 BP 19/1 Rud. v. Gutmann, Hube;
1977 Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 38 (10) BP 20 u. 21; Hsch Ehrnau; HBS 1977 Lerchegger Hanns; 1780 Lercheggerin; 1780 Egger Peter; 1806 Reichenfelser Johann; 1825 Reichenfelser Johann, vlg. Hansl in Berg; 1879 Reichenfelser Josef (19 Joch 1231 Qu. Kl.); 1920 Rud. v. Gutmann; 1977 Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 37 (9) BP 22 u. 23; Hsch Ehrnau; HBS 1777 Kisling Joseph; 1798 Laingruber Michael; 1809 Maysi Gotthard; 1818 Maysi Peter; 1825 Moysi Peter, vlg. Waldsam; 1879 Rainer Thomas (25 Joch 1049 Klafter); 1920 Rud. v. Gutmann; 1977 Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 36 (8) BP 24; HBs 1777 Prantner Jakob; 1790 Prantnerin Margarethe; 1798 Prantner Alexander; 1825 Köppel Franz, vlg. Joham; 1879 Stiebler Matthias (26 Joch 1245 Qu. Kl.); 1920 Rud. v. Gutmann; 1977 Herrschaft Liechtenstein. 1891 durch Brand zerstört.

HNr. 35 (1) BP 25; Hsch Kirche Kalwang; HBS 1777 Alpsteiger Andreas, Mesner; 1783 Alpsteiger Gottfried; 1817 Hasenbacher Matthias; 1825 Hasenbacher Matthias, vlg. Alpsteiger; 1879 BP 25/1,2 Steiner Johann (2 Joch 1314 Qu. Kl.); 1920 BP 5/1 Schober Franz, vlg. Alpsteiger; Lasacher Barbara; 1977 Brunner Cäcilia u. Brunner Johann.

HNr. 32 BP 28; Hsch Ehrnau; HBS 1825 Mayer Georg, vlg. Grabenschneider; 1879 Fahsold Josef, vlg. Steinbruchkeusche; 1920 BP 28/1 Waldgenossenschaft Kalwang, Steinbruchkeusche; BP 28/2 Lödl Elise, Wohnhäusl; 1977 BP 28/1 Mitteregger Franz; BP 28/2 Waldgenossenschaft Kalwang.

HNr. 31 BP 29, 30; Hsch Ehnau; HBS 1825 Zaismann (Matthias) Theresia; 1879 Gerold Michael, vlg. Zaismann; 1920 Straßer Katharina; 1977 Straßer Siegfried.

HNr. 30 BP 31, 32; Hsch Kirche Kalwang; HBS 1825 Hautz Johann, vlg. Hautz; 1879 BP 31 Hautz Elisabeth; BP 32/1,2 Lackner Anton (397 Qu. Kl.); 1920 Rud. v. Gutmann, vlg. Wenderer oder Hautzen; 1977 BP 31/1 Herrschaft Liechtenstein; BP 31/2 Spannring Katharina.

HNr. 12 (6) BP 33; Hsch Ehrnau; HBS 1777 Mayer Martin, vlg. >>Mertl in perthal<<; 1798 Holzmann Andre; 1825 Kohlbacher Johann, vlg. unter Pertiller; Holzmann Jakob, vlg. Möstelbauer; 1879 Lackner Johann, vlg. Unter Pertiller od. Mößelbauer (23 Joch 126 Qu. Kl.); 1920 Lackner Walpurga, vlg. Möstelbauer, 1977 Lackner Johanna.

Alte HNr. 7; BP 34; Hsch Ehrnau; HBS 1777 Conrath Michael, vlg. >>Lip Scheiterer, auf der Pertill<<; 1790 Beisteiner Sebastian; 1825 Weber Johann, vlg. Scheiterer; oberer Pertiller; 1879 Gerold Georg u. Maria (26 Joch 638 Qu. Kl.); 1920 ……

HNr. 10 (13) BP 35; Hsch Probstei Kammern; HBS 1777 Kärner Matthias; 1790 Lackner Rupert; 1825 lackner Jakob (Andre), vlg. Auer; 1879 Lackner Jakob (71 Joch 311 Qu. Kl.); 1920 Abel Rudolf, Ausgedinghäusl Nr. 11; 1977 Jansenberger Josef.
Eine Urkunde vom 28.11.1427 erwähnt ein Gut in der >>Melling ob Ceichelbang, da der Awer aufsitzt<< (wohnt),

Alte HNr. 5; BP 36, 37, Hsch Ehrnau; HBS 1777 Ferchtler Johann, vlg. Hansl in der Seitn; 1825 Wohlmuther Michl, vlg. Oberhansl; Tüchler Johann; 1879 Rainer Thomas u. Theresia (44 Joch 1285 Qu. Kl.); 1977 Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 13 Alte HNr. 4; BP 38; Hsch Ehrnau; HBS 1777 Mayer Johann; 1798 Geralt Simon; 1825 Gerold Sebastian, vlg. Kölbl; 1879 Gerold Johann (32 Joch 843 Qu. Kl.); 1920 Rud. v. Gutmann; 1977 Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 14 (2) BP 39; Hsch Propstei Kammern; HBS 1777 Rauch Blasius; 1825 Ferchtler Peter, vlg. Thomerl in der Seitn; Heubrandner Simon; 1879 Lackner Johann (29 Joch 945 Qu. Kl.); 1920 Lackner Walpurga, vlg. Ebner; 1977 Lackner Johanna.

HNr. 15 (3) BP 40; Hsch Mell; HBS 1777 Rauch Blasius; 1790 Heubrandner Simon; 1825 Hubner Michael, vlg. Moysi; 1879 Hubner Michael, (30 Joch 1518 Qu. Kl.); 1920 BP 40/1 (HNr. 40/1, Hube) Rud. v. Gutmann, BP 40/2, HNr, 40/2, Philippshube Wohnhäusl, Rud. v. Gutmann; 1977 BP 40/1 erloschen; BP 40/2 Gerold Franz.

BP 41; Hsch Ehrnau; HBS 1825 Kammer Anton, vlg. Pachler; Goisinger Josef; 1879 Comune Kalwang: 51 Joch 902 Qu. Kl. (in der Seiten und Sebastianiberg).
1977 Waldgenossenschaft Kalwang.

Bauparzelle 42 Kupferbergwerk; Besitzer 1825: Stift Admont
Bauparzelle 43 Stadl; ab 1846: Radmeister Communität
Bauparzelle 44 Höllkeusche; Vordernberg

Bauparzelle 44: Rud. v. Gutmann, 1920; 1977: Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 23 BP 43; >>Arbeiterhaus<<; erbaut von Rud. v. Gutmann; 1977 Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 18 (13) BP 45; Hsch Strechau; HBS 1783 Lödl Thomas; 1790 Lödl Peter; 1825 Lackner Thomas, vlg. Ebner; Alpsteiger Josef; Lödl Peter; 1879 Jansenberger Martin, vlg. Feichtinger, Gasthaus; 1920 Rud. v. Gutmann; 1977 Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 30 alt BP 46; HBS 1777 Rainer Matthias; 1825 Stift Admont, Vitriolsiederei; 1852 Radmeister Communität Vordernberg; 1879 Rainer Thomas, vlg. Rupniederer.

BP 47; HBs 1825; Stift Admont, Wohn- u. Wirtschaftsgebäude; Lackner Thomas, vlg. Ebner; 1852 Radmeister Communität Vordernberg: 1879 Rainer Thomas, vlg. Rupniederer: 78 Joch 614 Qu. Kl.

BP 48; Hsch Strechau; Besitzer 1825: Lackner Thomas, vlg. Ebner, Kurze Teichen.
1851: am 28.7.1851 kaufte die Radmeister Communität den ganzen Besitz vom vlg. Ebner: 147 Joch 1221 Qu. Kl.

HNr. 20 BP 49; Hsch Strechau; HBS 1825: Lackner Thomas, vlg. Ebner; Kurze Teichen. Wohn- u. Wirtschaftsgebäude; 1851: Radmeister Communität Vordernberg.
1920: BP 48 u. 49; Rud. v. Gutmann, Jägerhaus;
1977: Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 19 BP 64; Hsch Strechau; HBS 1825: Mayer Johann, vlg. Schmiedl; hatzi Josef, Bauer in Sonnberg, vlg. Hatzen; 1920 Rud. v. Gutmann; 1977: Herrschaft Liechtenstein.

Brendl-Hütten in der Achner-Alm (bis 1848 dienstbar der Grundherrschaft Strechau

Bauparzelle 88: Jansenberger Peter; 1879: Jansenberger Johann, vlg. Egger; 1977: Jansenberger Johann.

Bauparzelle 89: 1825: Pichler Thomas; 1879: Wohlmuther Johann, vlg. Reisacher; 1977: Herrschaft Liechtenstein.

Bauparzelle 90: 1825: Wohlmuth Johann, vlg. Reisacher; 1879: Jansenberger Anton, vlg. Ferchter; 1977: Rainer Adam, St. Peter/Fr.

Bauparzelle 91: 1825: Wohmuth Andreas; 1879 Wohmuther Johann, vlg. PaierhuberM 1977: Herrschaft Liechtenstein.

Bauparzelle 92: 1825: Pilgram Georg; 1879: Schober Peter, vlg. Pichler; 1977: Herrschaft Liechtenstein.

Bauparzelle 93: 1825: Jansenberger Paul; 1879 Wohlmuther Johann; 1977: Wohlmuther Amandus, Melling.

Bauparzelle 94: 1825: Wohlmuth Johann, vlg. Payerhuber; 1879 Jansenberger Peter, vlg. Hauslackner; 1977: Herrschaft Liechtenstein.

Bauparzelle 95: 1825: Lackner Anton, vlg. Pichler; 1879: Wohlmuther Barthol., vlg. Wurnauer; 1977: Herrschaft Liechtenstein.

Bauparzelle 97: 1825: Gerold Sebastian; 1879, BP 97/1,2,3,: Gerold Johann, vlg. Kölbl; 1977: Herrschaft Liechtenstein.

Bauparzelle 98: 1825: Wohlmuther Michl; 1879: Rainer Thomas, vlg. Oberhansl; 1977 BP 99/1,2,3: Rahm Eleonore.

Bauparzelle 99: 1825: Wagner Josef, vlg. Salmer; 1977: Herrschaft Liechtenstein.

Bauparzelle 100: 1825: Wohlmutter Johann; 1977: Herrschaft Liechtenstein.

Bauparzelle 101 bis 104: 1977: Herrschaft Liechtenstein.

Bauparzelle 105/1,2: 1977: Lackner Johanna.

Bauparzelle 106/1,2: Herrchaft Liechtenstein.

Bauparzelle 108, 109: Grundherrschaft Ehrnau; Besitzer 1618: Georg Kislinger, Peter Zolners, Unterthan im Burgfried Ehrnau L. A.; 1825: Ahroner Johann, vlg. Kieslinger; 1879: Franz Ritter von Friedau: Wald, Weide, Almen im Achner: 196 Joch 384 Qu. Kl. (siehe Skizze Seite 142).

Häuser in der Teichen

HNr. 22 BP 134, vlg. Röthlhube, 1920 Rud. v. Gutmann; 1977: Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 21 BP 142; Hsch Strechau; HBS 1825: Trattner Josef, vlg. Wedl; 1879: Ahsmann Joachim u. Elisabeth, vlg. Wedl; 1920 Rud. v. Gutmann, vlg. Radlinger.

HNr. 34 BP 144; Hsch Strechau; Stadl; HBS 1825: Stift Admont; 1846: Radmeister Communität; 1879 Radmeister Communität; 1920: Wohnhaus; Hautz Alois, vlg. Hautz; 1977 Kionka Katharina.

HNr. 24 BP 146; Gästhaus; erbau von Rud. v. Gutmann; 1920 Rud. v. Gutmann; 1977 Hrobarsch Franz u. Ilse.

HNr. 25 BP 147; Waldvilla; erbaut von Rud. v. Gutmann; 1920: Rud. v. Gutmann; 1977: Ramsenthaler Anton.

HNr. 26 BP 149; Wäscherei u. Wohnhaus; erbaut von Rud. v. Gutmann; 1920: Rud. v. Gutmann; 1977: Haage Walter, Haage Günter, Haage Ingeborg, Haage Dieter, Haage Gerhild.

HNr. 27 BP 150; Schlosserei, Werkstätte u. Wohnhaus; erbaut von Rud. v. Gutmann; 1920: Rud. v. Gutmann; 1977: Herrschaft Liechtenstein.

HNr. 28 BP 151; Autogarage u. Wohnhaus; erbaut von Rud. v. Gutmann; 1920: Rud. v. Gutmann; 1977: BP 151/2 Angerer Peter u. Maria je 1/4 , Angerer Helmut u. Elfriede je ¼; BP 151/2: Preßl Günther u. Maria.

HNr. 29 BP -; Wohnhäusl >>Ellmaier<<, 1920: Rud. v. Gutmann.

HNR. 28 a BP -; Rettenegger Wolfgang u. Christine.

Katastralgemeinde Sonnberg – Weitere Hausbesitzer 1977:

HNr. BP Hausbesitzer
33 28/2 Schartner Georg
33 a – Tiefner Johann u. Petronella
35 a 164 Brunner Johann u. Cäcilia
41 72 Fürst Liechtenstein (ehemals Perauer)
42 78 Fürst Liechtenstein, vlg. >>Tannenhuben<<, Jägerhaus
43 126/1 Fürst Liechtenstein (Lieber)
45 154, 155 Kreiner Helmut
46 – Fürst Liechtenstein, Unterkunftshütte Lauterbach
47 156 Doppelreiter Julius u. Antonia
47 a 157 Doppelreiter Herbert
48 160 Stangl Martina
49 249/3 Pichler Leopold u. Margarethe
50 159 Ries Josef
51 162 Fahrsbacher Norbert u. Johanna
52 161 Gragl Heinrich
56 163 Lederer Peter
11 180/2 Das Haus gehört Dr. Klaus Lederer und steht auf dem Grund
von Jansenberger Josef.
11 a Grund- Das Haus gehört Focke Dieter und steht auf dem Grund von
parz. 186 Jansenberger Josef.

Dank

Nun, da diese Arbeit fertiggestellt ist, wird erst bewusst, was man besser, ausfühlicher oder auch geraffter hätte gestalten können. Man ruft sich in Erinnerung, welche Hilfen dieses Buch erst möglich gemacht haben und versucht, seinen persönlichen Dank abzugestatten.

Für die wohlwollende Unterstützung darf ich dem Kulturreferenten des Landes Steiermark, Herrn Landesrat Prof. Kurt Jundwirth, dem Steiermärkischen Landesarchiv und der Landesbibliothek aufrichtig Dank sagen. Ganz besondere Hilfe und Ratschläge erhielt ich von der Herrn Oberarchivrat Dr. Heinrich Purkartshofer und Oberarchivrat Dr. Walter Brunner.

Dem Direktor des Museums der Stadt Leoben, Herrn Archivrat Dr. Günther Jontes bin ich für die oftmalige beratende Unterstützung und die Überlassung einiger Bilder sehr verbunden.

Dem Kalwanger Ortspfarrer, Geistl. Rat P. Bonifatius Benzing, schulde ich Dank, wie er die Bestände des Pfarrarchivs für meine Arbeit zur Verfügung stellte.

Durch die Hilfe von Frau Baronin Maria Theresia von Wietersheim wurde es möglich gemacht, einige besonders wertvolle Bilder des berühmten Kammermalers Matthäus Loder im Buch zu veröffentlichen. Ich danke ihr und Herrn Graf Franz v. Meran, welcher die Genehmigung zur Reproduktion von Loders Bildern gab, ganz besonders.

Die Beschaffung des Bildmaterials benötigte viel Mühe und Zeit. Ich bedanke mich daher bei allen, die mir Bilder zur Ausgestaltung des Buches überbracht haben. Die Leser bitte ich, die teilweise nicht besser mögliche Wiedergabe alter, vergilbter Fotos mit Verständnis aufzunehmen.

Bei der Durchsicht des gesammelten Bildmaterials hat so manches Motiv noch gefehlt. Der Kalwanger Adolf Arh hat diese Lücken mit unermüdlichem Einsatz fotografisch geschlossen. Ihm sei dafür ebenso gedankt, wie den Beamten des Marktgemeindeamtes und Herrn Norbert Rieder von der Raifeissenkasse, die mir mehrmals tatkräftig an die Hand gingen.

Es würde zu weit führen, alle Freunde und Bekannte, denen ich so manche Hilfestellung verdanke, hier namentlich aufzuführen. In ganz besonderer und vielfältiger Weise half mit Herr Komm.-Rat Philipp Heiland. Er war es, der die ersten Kontakte herstellte, die dann zur Veröffentlichung führten und seine tätigen Hilfsbereitschaft erleichterte manche organisatorischen Arbeiten.

Schließlich darf ich noch der Obersteirischen Druckerei- und Verlagsgesellschaft Leoben, ihren Herren und dem technischen Personal für die gedeihliche Zusammenarbeit besten Dank ausdrücken.

Erich Brandl

Quellenverzeichnis

Chronik des Forstamtes der Herrschaft Liechtenstein KalwangChronik des Männergesangsvereines KalwangChronik der Volksschule Kalwang

Höhn Luise: Ortskundliche Stoffsammlung der Volksschule Kalwang
Sitzungsprotokolle der Marktgemeinde Kalwang 1901 – 1977

Aus dem Pfarrarchiv der Kirche Kalwang:
Chronik der Pfarre Kalwang, 1857 angelegt
>>Quatember-Gelt-Register<< der Pfarre Kalwang, 1769 – 1840
>>Tauf-Copulations- u. Sterbebuch der Pfarre<<, 1659 – 1674
Taufbuch der Pfarre 1639 – 1655
Protokoll über geistliche und weltliche Verordnungen 1813
Sterbeprotokoll der Pfarre 1784 – 1849
>>Liber Decretorum Archidiaconatus Admont. ad Parochjam Kalwang<< 1773 – 1786
>>Liber Decretorum Archidiaconatus Admont. ad Parochjam Kalwang<< 1786 – 1810

Benützte Geschichtsquellen des Steirischen Landesarchives in Graz:

Bauparzellen- und Grundparzellenprotokoll der Kastralgemeinde Kalwang
Pisching, Sonnberg und Schattenberg aus den Jahren 1824 bis 1825
Berichtigungen hierzu aus dem Jahre 1835
Auszüge aus dem Vermessungs- und Schätzungs-Anschlage (Grundbesitzbogen) zum Zweck der Einbringung von Reklamationen auf Grund des § 37 des Gesetzes vom 6. April 1879 (R. G. BL. Nr. 54)
Geognostische Bemerkungen über das dem Stift Admont angehörige Kupferbergwerk zu Kalwang im Brucker Kreis in der kurzen und langen Teichen liegend: 26 Handschriften: L.A. Nr.530 (2266) Pap.2°,XIX
Das Rechenbuch der Hammerschmiedin Ursula Neumayerin zu Kalwang, 1590 – 1621, Handschrift, 221 Blätter, L.A.Nr.18(150), Pap.2°
Indexbuch B 208
Nach dem Gesamtverzeichnis des Steir. Landesarchives 1959: Kalwang, Dorf, 1790 – 1836, S-Sch
Pfarre, s.a. Bestand im St.A. zu Admont KK
s.A. (Spezial Archiv) Stubenberg, 1632 – 1639
Kupferbergwerk, s.A. Admont 1839
Archiv Gstatt, 1703 – 1765, Handschrift 18 und 530
Kammerlander, F.s.Stb. Nr. 120
Ehrnau und Kammerstein, Herrschaft, 1574 – 1621
Ehrnau und Kammerstein, 16.Jhdt. – 1620
Admont, Stift und Pfarren (Inv. 1752,1753)
III 1 c Kalwang Inventar der Pfarrkirche 1753
Kalwang, Pf.Inv. 1754
IX Unterrichtswesen, Kalwang 1780 – 1782
X Baudirektion in Graz und Kreisämter Bruck und Marburg
Kalwang – Bestände, Sit.c. 1830
XI 1 c Religionen und Kirche 1445 – 1600 Kalwang
(Die patrimonale Gerichtsbarkeit: Inv. Verz. Seite 275):
A Grund- und Dokumentarbücher
Kalwang, Pf., ab 1786 (5 Bücher) Grundbücherreihe
D Sonderbestände:
II Gubernial-Senatica 1766 – 1773
Sachgruppe 25: Fabriken-Kupferbergbaue Kalwang
Bergämter 7, Leoben, Oberberamt 1205 – 1699
Bergamtarchiv Leoben, darunter ist Kalwang
Grundsteuerkataster
Theresianischer Kataster
Josefinische Kataster

Literatur

Baravalle Robert: Burgen und Schlösser der Steiermark, Graz 19612
Der steirische Bauer: Steirische Landesausstellung 1966 (Veröffentlichung des Stmk. Landesarchivs, Band 4). Graz 1966
Die ältesten Steirischen Landtagsakten, I. Teil 1396 – 1452, Seite 94; II. Teil 1452 –1497.
Graz, Seite 114 ff
Ebner Herwig: Beiträge zur Burgen- und Herrschaftsgeschichte sowie zur Genealogie obersteirischer Adelsfamilien, Graz 1974, Seite 216 f
Ebner Herwig: Burgen und Schlösser im Mürztal und Leoben, Seite 79
Freudenthaler Josef: Eisen auf immerdar. Leoben 1936
Fröhlihch Hermann: Geschichte des steirischen k.u.k. Infanterie-Regiments Nr. 27 für den Zeitraum des Weltkrieges 1914 – 1918, S. 85 ff
Gemeinden- und Ortsverzeichnis des Herzogtums Steiermark, 1899
Geramb Viktor: Deutsches Brauchtum in Österreich. Graz 19262
Göth Georg: das Herzogtum Steiermark geographisch-statistisch-topographisch dargestellt, 3 Bände. Graz 1840, 1841, 1842
Grazer Volksblatt: Jahrgang 1910, Nr. 97 F: Aus dem Liesingtal
Grazer Tagespost: Jahrgang 1865, Nr. 113: Die Bauernaufstände Innerösterreichs und Stermarks insbesondere
Grazer Tagespost: 2.5.1910: Brand eines Jagdschlosses in der Teichen
Grazer Tagespost: 22.9.1912: Zur Schulhausweihe in Kalwang
Grazer Tagespost: 26.6.1969: Brand des Homogenwerkes
Hafner Karl: Schützenwesen und Schießstätten des Steirerlandes in früherer Zeit, in: Neues Grazer Tagblatt vom 6.6.1926, Nr. 281
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Hanf Josef: Die Gründung der Braunviehzuchtgenossenschaft für den Gerichtsbezirk Mautern in Steiermark
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Jutmann Ernst Johann: Die Edlen und Freien von und zu Ziernfeld, in: Mitteilungen des Historischen Vereines für Steiermark, 1892, Seite 74 ff
Katalog der 4. Landesausstellung: Der Bergmann – der Hüttenmann, 1968
Kleine Zeitung: 28.6.1969: Brand des Homogenwerkes in Kalwang
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Kohlbach Rochus: Steirische Bildhauer. Vom Römerstein zum Rokoko. Graz 1956
Krainz Johann: Mythen und Sagen aus dem steirischen Hochlande. 1880
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Krauß Ferdinand: Die eherne Mark. 1. und 2. Band. Graz 1892 und 1897
Krones F.: Quellenmäßige Beiträge zur Geschichte der Steiermark in den Jahren 1462 – 1471, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen. 11. Jahrgang, 1874, Seite 50-53.
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List Rudolf: Kalwang – Schatzkammer des Liesingtales, in: Obersteirische Zeitung. Leoben 4.6.1949
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Mell Anton und Pirchegger Hans; Steirische Gerichtsbeschreibungen, Quellen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark. BV I. Graz 1914, Seite 19
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Pferschy Gerhard: Die Bauernaufstände, in: Der steirische Bauer (Aufstellungskatalog). Graz 1966, Seite 126 – 151
Pichler J.: Durch das Liesingtal, in: Grazer Tagblatt, 1911, Nr. 257 F
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Posch Fritz: Gesamtinventar des steirischen Landesarchivs. Graz 1959
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Redlich Karl A.: Bergbaue Steiermarks. Leoben 1901 – 1922
Reichel Rudolf: Abriß der steirischen Landesgeschichte. Graz 1884
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Tremel Ferdinand: Land an der Grenze. Graz 1966
Waldgenossenschaft Kalwang: Statuten 1894
Wastler Josef: Steirisches Künstler-Lexikon. Graz 1883, Seite 37
Wichner Jakob P.: Das Kloster Admont und seine Beziehungen zum Bergbau und Hüttenbetrieb. Wien 1891, Seite 36 ff
Wichner Jakob P.: Jagd und Fischerei des Stiftes Admont. Graz 1893
Wichner Jakob P.: Geschichte des Benediktinerklosters Admont, 4 Bände, Graz 1874 – 1880
Wichner Jakob P.: Materialien zur Geschichte verschiedener Pfarren und Kirchen in und außer Steiermarks, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen, 18. Jahrgang, 1882, Seite 11
Wohlgemuth Franz: Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales. Gaishorn 1955
Woisetschläger Kurt: Kalwang, Pfarrkirche und Weihnachtskrippe 1751
Woisetschläger-Krenn: Alte Steirische Herrlichkeiten. Graz 1968
Woisetschläger Kurt: Verborgene Kunstschätze in Steiermark. Die Filialkirche St. Sebastian in Kalwang, in: Steirische Berichte, 9. Jahrgang, 1965, Heft 1, Seite 2
Zahn Josef: Über das Schützenwesen, in: Steirische Geschichtsblätter 1883/1884
Zahn Josef: Ortsnamenbuch der Steiermark im Mittelalter. Wien 1893, Seiten 43, 128, 155, 170, 323, 331
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